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Was man in der Osternackt für einen Treffer machen kann.

Eine Osterhumoreske.

-Nachdruck verboten^)

Rein gar zum Närrischwerden war'Sl Der Hoden Kaspar, der juuge Befitzer von Hohenhof, vermißt' vos leisem werthvollen Geflügel, bc3 ihm im letzte« Herbst auf der Ausstellung ein« ersten Preis eingebracht halt', fast alle Nacht ein Stück. Perichivusden war'S, wie fortgebiase»! War da ein Malefiz Spitzlub Schuld oder aber ein Raub' zeug, etwa ein Marder?

Der Kaspar ließ Nacht für Nacht die Thür von sei«em Geflügelstall Kit außer Auge«; da geschah «immer etwas. Aber 'obalo er einmal ei« Wenig eingmickt war, so sicher, wie er zweimal fünf Finger a« beiden Händen halt', tonst* er auch darauf rechne«, daß gerad' in diesem Moment sein Eigeuthum wieder verm nbert war. Eines Abends schwur er aber im Wilihshaus, t uamehr nahm er sein Gewehr mit auf die Wache. Und wer ihm van» vor die Kagel täm, der sollt' bis» glaube«. Da mußt Pulver und Blst helfen, Lern nicht ganz u«b gar Alles ver h-xt war.

Freili», sagt sich der Kalpar im Stilleu, gegen manche Hexerei, da hilft eine rechtschaffene Gewehr- kugel btns doch sit. Hall' er so etwas au sich selbst doch leibhaftig erfahren.

Droben g-n den Wald hi«, da »ohut die Witt-ve vom Weber Fran; ein arm's, well' Weiblei«, dem d-r Maus ca der Schwindsucht verstorben war. S' ®oi das Gemeindehaus, wo die Wittse mit ihren beiden erwachsene» Kisdern, dem Anton und der Ur'ula, Uvte^ulift gefunden hatte. Die Ursula sah' nir well' und blaß auS im Gesicht, die hott' ttotz des kümmerlichen Leben» Wange« wie von Milch und Rut, da war auch von der tücklsch- u Krankheit, au bet der Baler gestorben war, nichts zu merke». Wa:' eia Pracht»adel, wie selbst der schwerreiche Md stolze Gemeindevorstand i om Ort ««erkenaenb sagte.

Mit ihrem um Weniges ältere» Äruber, dem Toni, sth's schon «immer so gut aus; der galt als ei» Heller Bruber liederlich, u»d eS ging auch ein Gerebe,

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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marlmrg «nd Mrchhain.

Kc^dtifK nnb 8xpħisn : » 7^ Jlluftrirtes Lonntagsblaft. Sprechenden der Redaktion: 1011 Uhr Borm^tta-r.

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BdteKidb). Zuseretivnsgebühr für di, gNpetim, Zell, riükffMlhM lOPf,., SkasmmfSr M,Liil- SSPfg.

Marburg,

Sonntag, 14. April 1895.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie di, Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Lasse!,^Magdeburg undMien; Rudolf Moffe in Frankfurt -. M., Berlüi,' München u. Köln; G. L. Daube«. Co. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Paris.

XXX. Jahrg

Zweites Blatt.

daß er über Mei« und Dein seine eigenm und ab sonderliche« Gebaute« habe

DaS Seschwisterpaar lebt' »immer zum Beste», 'S gab viel Streit und Zant, und einmal war der To»i mit einem brm»cnde«, feuerrotde« Mal auf der Wange, daß um ei« Haar einer Hand mit fürst Fingern gleich, ins WirthshauS gekommen. Das hatte ihm seine Schwester, die Ursula, anfgezeichuet, weil der Auto« sie mit Gewalt hall' zitagen wollen, den krumme« Jörg, eine» knauserigen Menschen, zu heiraiheu. S' wär ei« Verkauf vou ihrem Bische» gesu»de« Menschenleben gewesen, hätte sie ja gesagt. Urrd stehen geblieben war sie bei de« Worte. Denkst wohl gar, könnst in de« Hohen-Hof eintreten. Du dumme Dirn' Du, Halle da der Anion gehöhnt. Der H»h:«-Kasper hatt' doch »m seine« Zeitvertreib mit Dir! Darauf die Antwort, dar waren die fünf Finger hn Gesicht gewesen.

Bom Hohe« Kasper ließ sie so etwa« nicht reden.

Sie war oft auf den Hohen Hof gekommen, als Hei«, barbeinig Mägdelein, und seien der graue Hof Hund gar zu wild «ach ihre« nackten Beinen fuhr, dann hatte der KaSper ihn immer am HaiS zurückgehaltep. Und dann der Tag im Wald, wo der Kasper ge rade hinzugetommea war, als der krumme Jörg fi; hatte tüffen wollen! Der Jörg hall' von seinen Knechten eine« bei sich gehabt, und es war ei» arg's Raufen gewesen, alS der Kasper mit einem Male dazwischen gesprungen war. Aber am End' hatten die beiden rohen Menschen doch das Hasenpinier er- greifen »Affen, Und was dann gekommen war! Die Ursula wurde «och jedeSmost ruth, so oft sie daran dachte, und das geschah so jede Siunbe mindestens einmal! Und war doch gar nichts Unehrbares.

Als der Jörg und sei« Begleiter mtt derben Püffe« usd Stöße« davon gehampelt wäre«, Halle der Hole«' Kaspar das zitternde MSdches faeft umfaßt, hatte ihm über die kastanienbraune« Haare gestrichen, ihm die Hand gedrückt nsb mit bewegter Stimme getagt: ,Du atm«, lieb'S Mädele Du!"

Diese Worte tonnte die Ursula simmer vergessen Sagt man selbige zu einem Mensche«, der u«S gleich gütig ist? Gewiß »it. U»d da hatte der Uriuta Bruder so schlechte Dinge vom Hohm Kaspar sage» wolle« S Darauf waren die fünf Singer ins Gesicht die gehörige Antwort gewesen, aber die ganz gehörige.

Seitbm Halle« freilich der Kakpar und bis Ursula nicht gar zu viele Worte mit einander gewechselt;

der Kaspar war außer sich vor Zor« über diese« Malefizspitzbube», der ihm die beste« Stücke feine» Geflügelstalle entwendete. Und die Ursula wußte nicht, wie sie das sich zusaxmenreime« sollte. War sie dem Kaspar zu ar« oder «it hübsch genug? Daß sie ar« »ar, wußte er seit lange« Jahre«; u«b war da» Aeußere betraf, na, «effex tonnt sie sich doch schon «it jedweder anderen Dirn i« Dorf. Und dann macht' auch sonst «och etwa? ihr Sorgen, ihr Bruder. Sonst war der immer in Geldverlegenheit gewesen und wie oft war'» »it vorgekommeu, daß er der Ursula «och den Hauptiheil vo« ihrem müh ferne« und doch so targen Nähverdienst abgeschwatzt hatte. Und nun «it eine« Male war er Stamm­gast tat WirthshauS und blieb keine« Krug vier schuldig. DaS hall' etwas zu bedeute«, Gute» freilich «immer, den« der Anton war vom ehrliche« Arbeitsverdienst so wett entfernt, wie bet Müllers Esel vom Seilianze«.

Unb bie Ursula ängstigte sich und zagte und zit­terte, daß gar der Landjäger eines Tages «ach bene Auto« fahnden möchte wegen eines verbrechens. Denn bann war'S au8 mit all' ben schönen Liebes- gebauter; auf de« Hohe«»Hof tonnt wohl ein arm'S Mädele tommen al» Frau, wenn der Herr ihr gut war, aber ein Mädele mit einem unehrlichen Gast in bei Familie nie und «immer.

So tarn das heilige Osterfest heran, und in allen Anwesen, de« reiche«, wie den armen, bereitet mau sich vor auf eine würdige Feier des hohen Festes. Und auch die Ursula und ihre Mutter thaten's im stille« und gläubige« Gemüth. Doch »och etwas Anderes bewegte das Mädele. Wenn sie in den Spiegel sah, da», tonnt sie ja wohl zufrieden sein; aber 'S Jahr, «aS da tommt bis zum nächsten Osterfest, ist lang, sehr lang, und in Hxr mag viel Krankheit tommen und böse Tücke. Und» braucht ja ein Mädele oder eine Frau nimmer zu den eitelen jn gehören nnb eS kann doch wünsche«, daß e» ein schönes unb glattes Gesicht behalte» mög zur Freude von dem Man«, den eS von Herzen lieb hat. So dacht' bie Ursula unb dazu, daß vorgesehen beffer ist, als «achbedacht.

All' bie Jahre hindurch hat'» die Ursula schon getba», au» dem Bach, der dicht am Hohen-Hof vor­übe- floß, sich Osterwasser geholt, im Morgengrauen deS heiligen OstertageS, bevor die So»«e am Himmel erschien n»d damtt sich das Gesicht gewaschen. Alle

Zeit hatt' st: gut dabei sich gestaudrn; sollt sie'» nu» diesmal lassen? Aber nein! Wer weiß, war da tommen tonnt! Unb mit raschem Fuß, wenn auch mit tlopfendem Herzen schritt sie im Grauen der OstermorgeuS ihren Weg.

Nachgrrad war eS ihr ja, al» lüg' Blei in ihre» Schuhe«, aber sie nahm eine« Anlauf, und da ging'» denn wieder. Und »nu war'S Känrele gefüllt, ein scheuer Blick noch htaüdergeworfeu nach dem schwel, genden Gemäuer des Hoheu-HofeS, und nun soll'» heimwärts gehe«.

Doch jast da erschallen Schrille hinter der Ursula, hastig wich sie gegen die Stallgebäude der Hohen- Hofe» nsb in bereu Schatt n zurück. Nun erkennt sie auch ben Herankommenbe», der Anton war's, ihr Bruder, und Gut'« soll:' fei» nächtlich Wandeln Kas­par» Befitzthum gewiß nicht bedeuten

Da vergaß die Ursula die Vorsicht und ihr Kännele mit Osterwaffer, sie wollte dem Bruder ent­gegen

Einen Knall gab'S nnb einen lauten Schrei!

Hastig rannte bet Anton querfeldein, unb an» seinem Hanse stürzte bet Hohe« Kal per.

.Hab' ich Dich endlich, D» Malefizspltzbnb!" schrie er. Dann aber blieb er bestürzt vor bcr Ursula stehen, bie blaß an ber Mauer lehnte, unb au» deren Kleid Blutstropfen hervordrangen. Die Kugel, die dem Geflügeldieb galt, hatte ihren Arm gestreift, aber nicht schwer zum Glück.

,Du arm'S, lieb'S Mädele, Du!" sagte der Hohe« KaSpar wieder und noch Manches dazu. Und dann läutete« die Frühglocke« das Osterfest ehe.

Eta paar glückliche Lent standen bald darauf vor dem Herr« Pfarrer; der Auto« war nach Amerika ansgewaudett, und der Katpar braucht «immer mehr Spitzbuben zu jagen.

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