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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg nnd Kirchhain.
MLö «6 i 3»6« ßafr teä, UuivrrsttLe-BxchdrEri ta Strzteg. ff**fi*****£■ <*% z*44 Ver«mwortliL«r Redakteur: Friedrich Colbatzk, in Marbur,.
ArEw» Lsb Axkeditian: Markt Sl» Fernsprecher Ski 55. VIhHhjIvvIUII* Sprechstunden der Redakr.oa: 10—11 Uhr Vormittags.
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NeßeLgeld). JuseratianSgrMr für die «sspaltm« Aeil, xt'.yptfrrrt 19 Slfhrtf IQQR Moise in Frankfurt a. M.. Berlin. München u. Köln; G. L.
Um der« Sätet 'S Wa. *e6«e*ei ffr M« NBk» * Vfe. y ic.uuy, 1&, ZiyiU xouu. Laub« u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Paris.
gigy Des Charfreitags wegen fällt die morgige Nummer der „Oberheff. Ztg." aus.
Die Lage in Ostasien.
* Die Stunde der Ektsckeiduug ist nahe, wo der Mairdariuensteat stch eutwedcr für besiegt erkläre» und den erfolgreichen .japanische« Zwerge«', wie chiLtsischer Uebermuth di; Truppen des Mikado zu «innen beliebt, die Thore seiner Reichshauptstal t Peking freiwillig öffnen oder noch einen letzte« ver- zwriselteA Kampf vor derer Thoren »agen «nß. Die Friedcnsusterhandluxgen stad tnt vollste« Gange und dennoch kann man a« einem nnmiitelbaren Erfolge derselben immer »och zweifeln. Aber wie dem auch sei, aus dem ostastarische» Kriege kösren wir deachteeswelthe Lehre» ziehe» und auch »ach seiser Beendigung wird er für das Reich der M.tte von gewaltige» Folge» begleite: sei«.
Vor Allem bringt uss der Krieg eine Bestätigung des alte» Satzes, daß SBe.es und Werth eines Volkes i» seiner Kultur »ar auf dem Schlachtfelde erhärtet werben. Alle anderen Schriftstücke könne« gefälscht sei«, die Beglaubigung, welche eine Waffemdtscheiduig etuträgt in das Bach der Geschichte, ist unüsfechtdar Der Krieg in Ostaste» bietet aber auch demjeuigm .Diplomaten', der die Eutscheisusg über die große« Frager der Menschheit aus dem Bereiche von Sin: und Eisen tu das Gebiet der Schiedsgerichte hinüber- jpielen möchte, eiaex paffenden Ariaß, die Frage von Neuem zu prüfen, »ach welchem Paragraphen künftig emschiede» werde« soll, ob eise Nation be< rechtigt sei, Auf rahme zu finden in des Kreis bet maaßgebenven Kulturstaate». Japan Hst sich auf dem Schlachtfelde eine Stellung errangen, die ihm ein Schiedsgericht wohl kau« zuerkannt hätte.
Die Folge» des Krieges werden sich «ach de» verschiedenne» Richtungen hin zeigen, ganz besonders aber in Chisa. Dieser träge, ruhende Koloß hat etses fruchtbaren Stoß er.itt-A, und diese Er- schütternnz wird m ihren Wirkungen andauer», auch «ces» oar Mandarin ertthum sich «och so sehr sträubt: Chi»a muß stch emporraffen, oder es wird z» (Srsxbe gehen, wie das Königreich Pole». Scheinbar hält China allerdings »och die gewaltige» Nieder lagen mir stoischem Gleichmuth aus. Wie der be topfte Bewohner des Reiches der Mitte gleichgiltig ist gegen den Tod und empfindungslos selbst gegen die Marter, so ist er auch gleichgiltig gegen nationale Ehre, gegen Mannesmuth und Helderthuw. Trotz
itettl Paross.
S'ne Srzählanz in 8 Bänden von F. Marton Crawkord.
(Nachdruck verbstrn.)
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Sie trat von ihm zurück, kreuzte die Arme und sagte nur wiederholt: .Paul, weshalb kamst Du hierher — weshalb kamst Du hierher?' Mehr vermochten wir nicht zu hören, und nach zehn Minuten verließen wir ste wieder. Sie schien furchtbar erschöpft und noch mehr erregt, so daß ihre Wärterin uns anrieth, zu gehen.'
.Trotzdem ist es ein großer Schritt zur Besserung, daß ste ihren Sohn erkannte", bemerkte ich
.So sagt auch Cutter, von welchem sie nie die geringste Notiz nimmt Nun meinte er, es würde von großem Warthe sein, zu wiffen, ob sie sich in dieser Stimmung Ihrer erinnert. Er sagt, daß Alles, was an eine so heftige Gemüthserschütterung erinnert, wie die Lebensrettung ist, möglicherweise den Gedächmißfaden auch an andere Dinge wieder anknüpst; und Ale», was die Erinnerung weckt, Hilst auch zur Wiederherstellung. Cutter betrachtet diesen Fall al« einen ganz außergewöhnlichen; er 1'agt, meistens sei cs eine fixe Idee, welche den Verstand verwirre. Madame Patoff hat keine solche, doch fie hat absolut keine Erinnerung als höchstens für Dinge, welche i« Zeitraum der letztm fünf Minuten liegen Sie spricht höchst festen ein Wort, sondern fitzt Stunden lang still und wendet in irgend einem Buche, das man ihr gegeben, die Blätter- Spricht Jemand längere Zest zu ihr, so wird fie ihn unausgesetzt ansehen, oder stch ab» wenden und ihre Augen schließen, als wolle fie schlafen. In jeder anderen Hinsicht ist ihre Ge«
seiner Todesverachtung aber ist der Chinese kein guter Soldat. 3)c»k Gleichgiltigkeit gegen drS Lebe» allein macht roch nicht zum Helder', u»b erst Der verdient d n Lorbeerkran?, der mit vollem Bewußtsein von dem Werthe des Ledens dieses entsetzt für Güter, die höher siehe» als das Lebe». Weil dieses beim Chinese« nicht zutrifft, darum flieht er beim ersten Kanonenschuß, darum läßt er sich auf der Flucht niedermetzel», statt in dem Sturme der Schlacht.
D-r Geist des chinefischr» Heeres muß also nach dem Friedensschluß nmgestaltet werden, und drrjmigr Staatsmann, der a!s Träger der Reform, gedanken gelte» darf, ist Li Hr-ng-Tschang, der »en» lich beinahe der Kngel eines feigen Mordbuben zu« Opfer gefalle« walk. Er ist zum UnterhäLdler mit Japan bestimmt und wird nach dem Frieden vor eine schwere Aufgabe gestellt werde». Ihm wird es ob liegen, be« Widerstand des ManbarinenthuAs zu brech; n und b«S Lo.k zar Erkenntnis zu sichren, daß der Stolz auf die eigene Macht und die Abschließmrz von jedem fremden Einfluß, das Hänge» am Ge wohnte» nicht die Borgen des SiegkS, sondern die sichere» Vermittler der Niederlage find.
Hente ist China «icht mehr die Vormacht des Ostens, dai- kleine Japan hat ihm im Kriege, ia bei Politik, in der Kultur 6ea Vorrang abgelauftu.
Die FriedenSbrdingunge» Japans, die außer einer Kriegseutschadigur-g die AmrkenLNsg der Unadhärgig- kett Koreas, die Abtretung der Insel Formosa und der Hrlbmsel Liaotoug sowie die Eröffnung weiter GebietStheile mit zahlreichen Flüsse« für die itler» nationale Jndnsirie verlanxe», find wohl «och nicht das letzte Wort des Siegers. Gegen die Zahlung einer Kriegs-xtschädignrg usd die Abtretung Formosas ou Japan sowie gegen die UrrabhängigkeitSaLerkensuuz Korea» dürfte von keiner Seite Widerspruch erhoben werde» und die Eröffnung mner Ha«delSgebiete in China für alle Nationen könnte nur bei re» Chinesin Bedenken errege». Bezüglich des letzteren Punktes verlange» die Japaser die Erfüllung nachstehender Bkstimmu«ge»: Der Import von Maschinen in China ist fortan uneingeschränkt; de» Ausländer» wird das Recht eixgeräurnt, Fabriken zu sauen und zu betreibt» ; der Nssgtsekiaug wird Schiffe« aller Nationen bis Ching Ktngfoo eröffnet und eine Anzahl anderer Wasserstraßen der Schiffahrt der handeltreibenden Völker erschlossen, nämlich der Fluß Sienkirmg durch de» Tongüngsee bis Ouchufoo, der Wnsurgfluß, der Shanghatfluß und der Sharghaikanal bis Soocho; die Wusungbarre wird für immer entfernt, und es werden Vorkehrungen getroffen, um den Fluß stets schiffbar zu erhalte«. Außer be» Vertrags Häse« find
suncheit normal/ Sie ißt wenig, aber regelmäßig, schläft gut, hält sich gereifte Stunden im Garten auf und erfreut sich des Sonnenscheins ober ärgert sich wenn es regnet. Durch ein plötzliches Geräusch ist fie nicht leicht erschreckt, ebenso wenig durch das plötzliche Erscheinen Derer, welche fie besuchen. Cutter weiß nicht, was er daraus machen soll. Sie war einst eine schöne Frau und noch so hübsch, wie man von fünfzig Jahren nur fein kann. Cutter sagt, wenn fie an Gehirnerweichung litte, würde ihr Zustand ein ganz anderer sein. Sie hat sogar noch ein würdevolles Benehmen und ausgenommen, wenn fie Jemand starr ansteht, der mit ihr spricht, ist ihr Gesicht intelligent, wenn auch sehr traurig/
Die Geschichte war seltsam genug- Jetzt wußte ich auch, was Hermione meinte, als ste von Pauls kalter Natur sprach. Eine Stunde vor dem Diner halte dieser Mann feine Muller seit achtzehn Monaten zum ersten Male gesehen — zum ersten Male fie überhaupt wahnfinnig gesehen. Von John hatte ich erfahren, daß fie ihn erkannt, daß sie ihn jedoch kalt von fich gestoßen. Wäre Paul ein warmherziger Mensch gewesen, so hätte c: ur. möglich in diesem Momente mit feinen Verwandten im Salon eine so gleichgiltige Unterhaltung führen tönnen, lachend und plaudernd mit einer Blume spielend. Ich fragte John, ob feine Fra» «nb Deren Schwester von dem Wiedersehen Kenntniß hatten.
.Nein", antwortete er. .Er sagte es Hermione, weil er die Unterhaltung mit ihr abbreche» wollte, Dock fie spricht zu Niemand Über ihre Tante, als zu mir/
»Wann wünsche» Sie, daß ich gehe?' fragte ich.
»och die Städte ChungkiLgfoo, Soochoofoo und HangÄufoo zu e:öffnen. Die Japa- er betone?, daß sie keinerlei handelspolstische Vortheile vor de» übrige» Nattone» beanspruche», jedoch entschlossen seien, die der Eröffnung bei Handels dienendes Bediigunge» ourchz»sitze«. da die Erfüllung derselbe» für China Fciede, Forischritt nnd Wohlstand bedeute. Die von Jopa» verlangte Eröffnung »euer Gebietstheile ns faßt ein Areal von 1000 englischen Qaadratmeile» mit 200 Millionen Einwohner».
Die Eröffnung der große» Ströme und Häse» CH »as für die handeltteibendk» Nationen dürfte auch erreicht werde«, da i» dieser Beziehmg die Wünsche der europäische» Großmächte stch mit den Forderungen Japans im Wffestlichen decke». Dagegen erscheint dir von Japan ebenfalls geforderte Abtretung Liao- tongs, auf der bekanntlich Port Arthur liegt, für China sowohl wie Rußland rrnd wohl auch für England nnauneimbar. Es hieß schon vor einigen Tages, daß Li.Hung T'chang bereit sei, alle Forderungen Japans zu bewillige», nur diejenige in Betreff des Port Arthurs nicht. Die Verhandlungen habe» fich d.-ßhalb nxr noch nm diese» Punkt gedreht, und der chinesische Friedeniunterhändler soll entschlossen sein, die Konferenzen abzubrcches, falls Japan in der betreffende» Frage nicht Lachgiebt. Da von rusfischer Seite wiederholt erklärt worden ist, daß Rußland unter keinen Umstanden die Festsetzung der Japaner irn nördlichen China dulden werde, so würde Japan auch mit der Feindschaft Rußlands zu rechne» habe», falls es be» Kampf nur wegen Nichtoewillignng ber erwähnte» Forderung stiebet aufnehnren wollte.
Deutsches Reich.
* Berlin 10. April. (Tagesbericht) Unser Kaiser empfing gestern kurz vor der Fruhstückstofe! de» Gesandten a. D. v, Brandt, früher in China. Nachmittags unternahm Se. Msj, ehe» Spazierritt nach dem Kuisürstendamm. Zur Abevdtoftl war der Hofprediger Konfistorialrath Dr. Frswmel mit einer Einladung beehrt worden. Heute früh machte» beide Majestäten der. gewohnte» Spaziergang im Thiergarten. Dan» »ahm Se. Raj. die Vor träge des Ministers bei öffentlichen Arbeiten, Thiele», und des Chefs des Geheime» Civilkabinets, Wirk!. Geheime» Rathes Dr. von Lucius, entgegen. — Nach Meldungen aus Karlsruhe trifft der Kaiser bestimmt Anfang nächster Woche zur Auerhahnjagd auf Kaltenbronn ein — Der Herzog und die Herzogin von Anhalt habe» fich gestern von Sau Remo nach Florenz begeben. Später ist noch
Wenn es Ihnen Recht ist, sogleich. Ich werde Cutter rufen. Er glaubt, da meine Schwägerin Sie in seiner Gegenwart gesehen, dürfte Ihr jetziges Beisammensein ihre Erinnerung leichter wecken. Sind Sie bereit?"
„Gewiß-, erwiderte ich, und John Carvel verließ das Zimmer, um den Professor zu rufen.
Während ich auf die beiden Herren wartete, nahm ich ein Schriftstück zur Hand, das auf dem Tische lag. Es handelt stch über die Beziehungen Englands zu Rußland. Da durchkreuzte ein Gedanke mein Hirn. »Ich bin begierig", sagte ich zu mir selbst, „ob man schon versucht hat, sie russtsch anzureden. Cutter kennt kein Wort dieser Sprache; ich glaube auch kein anderer hier, mit Ausnahme Pauls, und fie scheint mit ihm englisch gesprochen zu haben "
Die Thür ging auf und Paul Kat mit dem Professor ein. Ich legte das Schriftstück nieder und machte mich bereit, ihnen zu folgen. Carvel ging uns voran durch die große Halle; dann schlug er einen W-g ein, den ich noch nie betreten hatte Der enge Korridor war durch eine Menge Lampen hell erleuchtet; an dessen Ende gelangten wir zu einer massiven Thür, John nahm aus einer Mauernische einen kleinen Schlüssel und führte ihn in die winzige Metallplatte eines Patent- schlaffes ein.
„Jetzt wird Cutter Sie westet geleiten", sagtet, während er die schwere Mahagonpthür in ihren Angeln drehte. Der Gang setzte fich jensests dieser Thür noch weiter fort, stets hell erleuchtet, bis er am Ende von einem dunklen Vorhänge geschloffen wurde. iS war hier sehr warm. Carvel schloß
ein Aufenthalt a» Comersee i» Aussicht geeommes. — Der Fürst und die Fürstin von Schwarz- burg-Rudolstadt find vo» ihrer Reise aus dem Süden nach Rudolstadt zurückg-kehrt. — Prinz FriebrichLeopolbvo» Preuße» hat fich heute »ach Oldenburg begebe». — Prinz und Priuzessi» Friedrich Karl von Hesse» find mit ihre» beiden Söhne» heute Nachrnsttag zu mehrtägigem Besuche auf Schloß Früdrichshof eiugetroffen, Kaiserin Friedrich holte die Gäste vom Bahnhofe ab. — Der Siaaisrnkister uxb Minister für Laudwirthschast, Domäne» und Forsten Freiherr v. Ha mm er st ein hat des Ehreupläfibin« für die große Gartenbau - Äustzelluug, die zur Feier des 75jährigen Bestehens des Bereins zur Beförderung des Garicn- boueS ix de» preußische» Staate» im Frühjahr 1897 i» Berlin veranstaltet werbe» soll, fibeinomme». — Der Kulturminister Dr. Bosse, ber in Begleitung des R-giernngspräfidenten v. Htydebranb gestern i» Waldenburg eintraf, hat die Arbeitsschule» in Waldenburg, Wüstegiersdorf und Nrurobe besichtigt. — Der General der Artillerie z. D. v. Lewinski ist zum Chef des holßei»isch;n Feld-Artillerie-RegimeLtS Nr. 24 ernannt worden. — Der bayerische Oberst Freiherr Fuchs von Limbach und Dornheim ist vom Kaiser mit Genehmigung des Prirzregente» Luitpold zum Präses der preußische» Artillerie-Prü fungSkommissto» ernannt worden. — Herr v Kar- dorff legt, wie die „Freis. Ztg." erfährt, sein Amt als Landrath des Oelser Kreises am 1. Juli nieder. — Außer dem frühere» Landwirthschastt Minister Frhr. v. Lucius sind noch zu Mitglieder» des Herrenhauses auf Lebenszeit berufen worben: bet Präsident des Oberlendeskulturgerichts Wstkl. Geheimer Oberrcgierungsrath Glatze»'Berti», der Fideikom mißbefitzer Major a. D. Nikolaus Georg von Below-Saleske auf Cussersw, Kreis Schlave, der bisherige Landralh- des Kreises Greifswalv Majoratsbesitzer Graf v. Behr-Behrendorff zu Greifswald und ber Jnstizminister Schoenftedt; der l-tztgenaieute ist zugleich auch zum K:ou yndikus bestellt worde« Graf Bogdan v. Hütte»-Czaps ki (Major im Husarenregiment in Cass l) hat das erb- liche Recht auf Sitz und Stimme im Herreshause erhalten. — Der in dem Feldzüge gegm die Wahehe in dem Gefecht bei Renten verwundete Kcmpagnie- ftihrer Herrma» ist hier eingetroffer. Er hat nicht weuiger a'S drei Wuvdes erhalte», eine in bte Lunge und zwei in den Unterleib. — An Stelle des zum 1. April d. I. i» den Ruhestand getreten» Senats-Präsidenten des Kammergerichts, Wirkt. Geh. Ober-Justizraths Nessel ist derKawmergerichts-ath
hinter stch die Thür — der Professor und ich gingen allein weiter.
10 Kapitel
Der Professor schob den schweren Vorhang zur Seite und wir betraten ein kleines, mit mehreren Tischen, einem Bücherschrank, einigen Schaukelstühlen und einem Divan ausgestattetes Zimmer. An einem der Tische saß eine Frau in mittlerem Alter, lesend; und iS sah, daß fie eine der Wärterinnen Madame Patoffs war.
„Bitte einen Augenblick zu warten", sagte Frau North, „ich werde sehen, ob Sie eintreten können" Sie öffnete eine Thür vorsichtig, blickte in das an- stoßmde Zimmer und winkte uns, einzutreten.
Niemals werde ich den Eindruck vergessen, den Madame Patoff auf mich machte als ich fie jetzt sah. Sie war groß und, und obgleich über fünfzig Jahre alt, ging fie hoch aufgrichtet. Wäre ihr Haar nicht von dem grauen Schleier der Zeit überzogen gereese», dann hätte man fie für eine bedeutend jüngere Frau hatten können. Sre »ar großartig in ihrer Erscheinung, in chrm dunklen Angm war Raum für tieferes Gefühl, als in den Blicken ihrer Schwester und Nichte. Man konnte wohl begreifen, wie diese Frau in ihrer Jugend dem Widerstände von Eltern und Geschwistern ihren festen Willen entgegengesetzt hatte, indem fie den glänzenden Russen geheirathet und ihm bis ans Ende der Welt gefolgt war. Man konnte begreifen, daß ei» großer Schmerz, eine Verzweiflung, diese Seele in eine Leidenschaft versetzen mußte, welche fie in den Abgrund des Selbstmordes stürzte. Ich erschauerte noch unwillkürlich, als ich mich erinnerte, wie ich