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Marburg,

XXX. Jahrg

Wien; Rudolf

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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

* Expedition: ^r'arkt SL^ Fernsp^hrr Rr« K-*"ero Jllustrirtes Sonntagsblatt. Redaktion und Expedition: Slattt 91. Fernsprecher Nr. 65?

Frankfvtt a. M., Müsse hr Frankfurt

.. _______________ ». Köln; G.L.

Daube '».Co. in Fraukfnrt a. M., Berlin Hannover, Paris.

Ein

Bei dessen Dräuen seinen Mut So mancher schon verlor.

s schreitet durch den Sachsenwald Ein hoher greiser Mann, Ein Recke ist er von Gestalt, Den man wohl fürchten kann. Ihm blitzet unterm breiten Hut

Augenpaar hervor,

ann im HachsenwalÄ.

Doch wenn feil Auge freundlich sieht, So liegt ein Zauber drin, Der zu dem alte,: Manne zieht Der Menschen Herzen hin. Und wem nicht alle Dankbarkeit Hat schnöder Neid entwandt. Dankt Gott, daß er zur rechten Zeit Uns diesen Mann gesandt.

Womit kein Andrer kam zu Stand Der Mann da hat's vollbracht, Wie war das edle deutsche Land Zerrissen und verachtet!

Er brachte unter Einen Hut Die krausen Köpfe all, Er brachte fremdem Uebermut Den unverhofften Fall.

Er brachte vieles wieder her, Was uns vordem gefehlt: Das Doppelland am blauen Meer, Up ewig ungeieelt." Und was uns einst der Wälsche nahm Am Rhein- und Moselstrom, Durch ihn zurück dem Reiche kam Und Erwins hehrer Dom.

Und lenkt auch nicht das Steuer mehr

Des greifen Fährmanns Hand,

So lang' für deutschen Namens Ehr'

Ein deutsches Herz entbrannt:

So lange froher Dankesruf

Bon deutschen Lippen schallt

Dem Mann, der uns das Reich erschuf,

Dem Mann im Sachsenwald!

Walther Ribbeck.

Zum 1. April 1895.

Marburg, 1. April 1895.

Auf bei Lipp i aller Deutsche», die mit Freude nib Stolz als Söhue uuseres eilige», mächtigen schöne» Baterlaids sich fühl n, die mit treuer Dank- barkeit mb Liebe betet gebexfex, die iu schwerer Arbeit «ub auf bem Selbe der Ehre baS zerrissene Deutsche Reich wieder iusammenschweißten n»b de» Traum vou dem wiedererwachte» Deutsche» Kaiser inr Wirklichkeit machte» auf be» Lippe» aller dieser beutsche» Patrtoteu schwebt heute ei» Name, ihr Herz bewegt heute i» unauslöschlicher Dankbar, kett und fteubigem Stolze ei» Wort: BiSmarckl

3» bei heutigen Tage», wo es ix bei Maffei ßihrt und staatSfetudliche Bestrebungen an dem Her- gebrachte» rüttel», selbst an be» Herrscherin«, unter dessen Führung unser Vaterland so stark und mächtig geworden ist, gewährt ei» Blick auf die markige Heldengestalt »uiereS SltreichSkon ckerS, die Verkörperung aller deutschen Tagenden, Erquickung und Beruhigung Die Ergebenheit für seine» Landesherr», das stete Bestrebe», bas HoheuzollernhauS und damit Deutsch land hoch nnb herrlich hinzustelle», ließe» in diesem »ächttge» Denkergeiste seine großartigen und weiter, schütterndeu Pläne entstehe» und reifen.

Die Ratio», die ihre große» Männer ehrt, ehrt sich selbst. So sagt «an mit Recht. 3« bei Ehrung des größte» lebende» deutschen Mannes fub darum auch die Deutschen einig, und an ihrer Spitze war er der Kaiser, waren eS die deutsche» BaudeSfürste», die de« großen Kanzler ihre Glückwünsche barbrachte».

Wer heute bei biefe» Rattoualfeste abseits steht, den wolle» wir bedauern; denn er stellt sich fei rr durch persönliche» Haß, durch Parteidiktatur oder auch dmch Sigeufiu» in die Ecke getriebe» ei» ßbleS Zeugnis auS, ein Zeugnis, besten vor feixe» Kinder» und Enkeln zu rühme» er fich hüte» wirb. Rar diejenige» Bewohner Deutschlaub», bie längst aufgehört habe», national zu denken, ober bie fich »icht bara» gewöhnen können, an ei, engeres Vater­land fich anzufchließe», die thatsächlich internattonale»

Unserer heutige« Nummer liegt eiue Frstzeituug zur Frier des 80. Geburtstages uuseres Altreichskanzlers bei.

Elemente, werden heute de» kantige« Mut besitze», de» Deutsche» dmch Verhöhnuug ihres größten Mit bürgers i»S Gesicht zu schlage». Die Strafe dafür aber wird nicht auSbleibe».

Die Verdienste Bismarcks um unser Vaterland aufzuzählen, habe» wir nicht nötig. Zeder kennt, jeder preist fie. Zudem aber ist das Jubeljahr bet großen Zeit angebrochen, an bem fast jeder Tag de« Andenken auch desjenigen Mannes wird geweiht sein wüsten, durch dessen unvergleichliche StaatSkunst die weltbewegende», für Deutschland so segensreichen Ereigniffe vou 1870/71 erst ermöglicht worden find.

Fürst BiSmmck hat an Ruh« und Ehren erreicht, was nur weuigeniSterbliche» vor ihm zuteil geworden ist. Zu diesem hohe» Ruhm, zu diese» vielen Ehre» gesellt fich »»» »och die dankbare Liebe deS deutschen Volkes, für beste» Wohl unb Ansehen et fich anfge- opfert hat. Der allmächtige Gott hat bem großen Kanzler ein hohes, begnadetes Alter in geistiger und körperlicher Frische verliehe»; möge er auch ferner segensreich über ihm walte» und ihm noch viele glückliche Jahre schenke»!

Bismarcks innere Politik.

* Marburg, 1. April 1895.

Der Srunbzug von Bismarcks innerer Politik war die Stärkung der StaatSauiorität und der Au sehen» der Krone auf alle» Gebiete». Wie alle große» Staatsmänner hielt er nicht viel von der Schablone des Parlamentarismus, in welcher die Volksvertreter das 3hre suqe», die Partei und nicht da» Vaterland im Auge haben und ihnen nicht» wichtiger erscheint, als das Bedürfnis »ach größerem Einfluß und nach einer Erweiterung bei konstitutionellen Rechte. Diesen Bestrebungen gegenüber, bie bereits 1872 fich geltend machten, zeigte fich der Fürst in seiner ganzen Größe als praktischer Staatsmann und Realpolitiker. 3hn beschüftlgteu größere Sorgen: da» Reich war noch finrnziell unselbstständig, Handel und Industlie lagen dm nieder, bie Landwirtschaft litt nntei der wachsenden ausländisch.n Kenkurrenz, unter dem vorzugsweise auf ihr lastende» Druck bet di rekten Steuern, und unter ben arbeitenden klaffe», deren wittschaftliche Notlage von sozialdemokratischen Agttatoren auSgebeutet wurde, nahm die Unzufrieden heit in bedenklicher Weise zu. Nach den herrsch, nden Grundsätze» gab es hierfür kein andere» Rezept alS »Gehen» und Geschehenlaffen*, obwohl diese Grund sätze erst solche Mißverhältnisse hetvorgerufen hatten Da war eS die gewaltige Thatkraft und der um­fassende staatsmännische Blick de» großen Kanzlers,

welcher bie kleinen Sorgen ber liberalen Schwärmer für Vervollkommnung konstilntioneller Berhältniffe beiseite schiebend, dieser Not im Reich, Staat rnd Gesellschaft da» Interesse be» Volke» zuzuw.nden ver> lland. Schtn 1872 beknie er bie Notwendigkeit bei finanziellen Selbständigkeit bes Reiches; 1875 die Not- Wendigkeit der Verstärkung der indirekten Steuerquellen, 1878 die Revision des Zolltarif». Bei alle» diesen großen Fortschritte» begegnete ihm auf Schritt und Tritt die kleinlichste Feindschaft, hervorgehend au» Ranzel an Verpäntnis fiir die finanziellen nnb wirtschaftliche» Fragen bet Gegenwart. Eine bissige Gegnerpolitik nnb die Verneinung auf alle Fälle wußten die Steuerreform und die Entlastung der ärmeren Klaffe« von direkte« Steuern aufzuhalte«, fie brachte» das Tabaksmonopol (1882) zu Falle. Aber zäh hielt der Kanzler a» be», was er für notwendig erkannt hatte, fest. Die Durchführung der Eisenbahn Verstaatlichung, eine ber segensreichsten Einrichtungen be» preußischen Staate», vollzog fich ebenso im Widerspruch mit der liberalen Opposition, wie der Zollauschluß von Hamburg und Bremen und wie hernach die kaiserliche Sozialreform auf Grund der herrlichen Kaiserlichen Botschaft vom 17. Nooember 1881. Die Sorge um das wirtschaftliche und soziale Wohl des Reiches und Volker erhielt int 3ahre 1884 einen neuen glänzenden Ausdruck: Fürst Bi» marck pflanzte bie Fahne der Kolonialpolitik auf zur Förderung der 3ntereffen von Handel und 3ndustrie. Jubel ging durch da» deutsche Land, al» e» Anzra Pequkna, Kamerun, Togo, Neu Beitaunien, die Nord küste vo» Nm Guinea und Deutsch. O st aftika sein ersten Koloxieeu nannte. Den Reichstag wußte der Kcnzler als ein Meister der Politik und der Rede so zu leite«, daß trotz alle» Widerstrebe«» in dm zwei erst« Jahrzehnten be» geeinte» Reiche» alle diese große» Fortschritte emlöglicht würbe», AlS uu versöhnlicher Gegner bet Sozialbemokiatie unb als ein Gegner »enerBelastung ber Probukttostände dmch weiter- gehende Arbeiterschutzbestimmungen mußte der Kanzler 1890 sei« Amt «Überlege«. Die Verhältnisse haben ihm Recht gegeben; an bie Stelle der Sozialistengesetze» mußte bie Umstmzvorlage treten, und bie Sorge für bie Hebung bet Landwirtschaft überragt heute alle übrig« 3ntereff,n. Die Stärkurg bet deutschen Wehrkraft, bie Steuerreform, bie ReichSfinanzreform, die inbintte« Steuern für da» Reich alle biefe Ziele bes großen Kanzler» fiub in ben letzten 3ahrm, wenn auch nach schweren Kämpfe», erreicht worben. Sr hat i» ber inneren Politik Recht behalten, wie bie» auch i» bei äußeren Politik bet Fall gewesen wat.

Zur Bismarckfeier.

Artrdrichsrn-, 31. März. Fürst Bismarck hatte ein- gute Nacht unb fühlt sich wohl. Tele- graphische nnb briefliche Gratulationen, sowie Ge­schenke treffen in unzählbarer Menge ein. Morgen früh gratuliert zunächst die Deputation deS Kürassier- Regiment» von Seydlitz (MagdeburgifcheS) Nr. 7, bann folge» die Peofeflor«, Mittag» die Stab entew. Abends findet betHambnrgetFackel- zug statt. Wie veilantct, solle» morgen Vormittag auch bie Offiziere des Laueuburgischen 3ägev Bataillons Nr. 9 aus Ratzeburg zur Beglückwünschung empfangen werd«. Die Vorbeitungen für b« Festzng werden mit großer Anstrengung betrieben. Vom Bahnhof zum Schlöffe ist ei» Laubgang mti bunte« Flaggen errichtet. 3m Laufe be» gestrigen Tage» trafen bie Söhne bes Fürste» mit ihren Gattinnen, bie Schwester bes Fürsten Gräfin v. Arni«, sowie bie Herren Prof. Franz v. L«bach aus München unb Prof. Horst-Kohl an» 3ena hier ein.

Mertt«, 31. Mätz. Im Schauspielhaus wirb am Montag zur BiSmatck-Festvo» stellung ei« Prolog gesprochen »erben, den bei Kaiset selbst gebietet hat.

Aertt«, 31. Mätz. Der BiSmatckkommetS in bet Philhatmonie nahm einen großartigen Verlauf. Unter be» überaus zahlreichen Anwesenden würben viele hohe Persönlichketten, Minister, Generäle Profefforen, sowie auch Abgeordnete bemerkt. Um 81/* Uhr begann der Sommer», ber vom Reichstag»- Abgeoibneten Dr. Dieberich Hahn geleitet wurde. Nach dem Kaisertoast brachte Johannes Trojan dem Gefeierten seinen poetischen Festgruß unter dem Bei­fall der Versammlung, bie ix sein .heil BiSmarckl* stürmisch einstürmte. Mt gleicher Begeisterung wurde Engen Schwetschke»BiSmmck Heil, bene einzig Einen!* gesungen. Professor Dr. Schiemann hielt bie erste Festrebe unb feierte barix ben größt« Man» bei Jahrhunderts, be« Helden, der gleich Siegfried und Dietrich von Bern in ber Geschichte fortleben wird, d« Rächer, ber bie welsch« Fesseln zerriß. Nachbem fich bie Begeisterung, bie ber in ein Hoch auf den Fürsten auS- klingend« Rede folgte, ein wenig gelegt hatte, verlas der Borsttz«de folgende» Telegramm an den Fürsten:Sr. Durchlaucht dem Fürste« Bis­marck, FriedrichSruh. 3« der Philharmonie zu einem allgemeinen BiSmmck>Som«eiS versammelt, bring« dreitanseub deutscher Mäinet und Frauen Euter Durchlaucht ihre begeisterte Huldigung bar. Emer