Verantwortlicher Redakteur: Harry Ftnkina in Marbura. Redaktion und Expedition: Markt 81. Fernsprecher Rki 55?
Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain. Jllustrirtes Sonntagsblatt.
M 75
Erscheint täglich außer an AerAagm nach Goss- und Feiertagen. — OxarLal-NbinnemmtS-Preit bei der Expedition 2 Mk., bei allen VostLnüern 2 Mk. 25 Pfg. (ttfl. 8ä8iEg«n>). Jnseratiouggebühr für die xrspelten« Zell, oder deren Raum 10 Pf«., Rcklamm für dir Zeile 28 Vfg.
Marburg,
Freitag, 29 März 1895.
Anzeigen nimmt entgegen di« Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Burranx von Haasmstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mofl« in Frankfurt a. M., Berlin, München «. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Parts.
XXX. Jahrg.
Politische Rundschau.
* Marburg, 88. Mörz 1895. Fürst Bismarck ei» Freund des Deutschen Arbeiters.
Von hochgeschätzter Seite erhalten wir folgende - Zuschrift: „ES gehört ein hoher Maß von Uuehr> ltchkeit dazu, den Fürste» Bismarck immer wieder als einen Feind der deutschen Arbeite!klasse zu verdächtige», wie es «och jüngst von der sozialdemokratische» Parte "to Reichstages i» der Abstcht versucht worden ist, die Ablehnung eines Glückwunsches zum 80. Geburtstage des Altreichtka»zlerS zu begründe». De» treffendsten Gegenbeweis für diese unwahre Behaup t»»g liefert ein soeben erschienenes Schriftche«, das sich als eine der fiunreichste», praktischste» litterar tschen Festgabe« zu« 1. April 1895 darstcllt. Es betitelt fich: Fürst Bismarck, ein Freund des deutschen Arbeiters, Auszüge aus seine» Rede», zusammengestellt 60» Julius Borster (Köl», Schmitzsche Buchhandlung.) Der Zweck des Echriftche«S ist in erster Linie, de» verständigen, deutschgestnnte» Arbeiter durc | eine Sammln»g von Aussprüchen unseres größte» EtaatSmau»eS i»S Gedächtnis zurückzurufe», daß Fürst Bismarck der beste Freund unserer wirtschaft- liche» Arbeit und damit auch deS deutsche» Arbeiters gewesen ist. Lorzüglich seine Reichs tagSreden bekunde» fehlt warme, fürsorgende Teilnahme für de» Schwache» u»d Besitzlose», feine richtige ErkeuutniS der Aufgabe» und der Grenze» der Staat! Hilfe. Insbesondere die wirtschaftS «nd sozialpolitische» Rebe» betreffe» eine Reihe der hente »och schweben de» TageSftage« und bieten dem »»befangenen Leser, deffe» Urteil »icht vo» Parteileidenschast getrübt ist, eine Fülle vo» golde»e» Worte» hoher staatsmännischer Weisheit, die dann noch bestehe« werde«, we«» die Lehre» der Gegner auf volkswirtschaftlichem a«) sozialem Gebiete längst alS unbrauchbar erkannt und vergkfle» find. Das elegant auSgestattete Büchlein (Preis 50 Pfg., bei Bezug vou 100 Exemplaren 25 Pfg.) verdiente vo» jede« Arbeitgeber feixe» Arbeitern i» die Hand gegeben zu werde». 68 ist ei»e der wirksame» Waffe» gege» die Parteie» der Umsturzes, die der Alte im Sachfenwalde i» frühere» Tage» geschmiedet hat"
H «i» sozialdemokratisches «estä»d»i,.
Der „Vorwärts", umnebelt vo» dem Triumph, de» der Reichstag am Sonnabend der Liebknecht'fche» Gaffentonpolüik durch de« bekannten ewig denkwürdige» Beschloß bereitet hat, schreibt: „Am schärfsten war »atürlich die Erklär»»! der Sozialdemokraten (die
Pa«l Patoff.
Rat Erzählung te 2 Bänden von F. Mario« Crawford.
(Nachdruck verboten.) (MrnetzrmGi)
„Das wird geschehen', antwortete der Professor „Entsteht daraus irgend ein größeres Unglück, so erinnern Sie sich daran, daß ich Sie warnte. Da» ist Alles, »m was ich Sie bitte."
„Ich werde mich beffen daran erinnern", antwortete Paul ruhig. Dann kehrten beide Männer «ach dem Hotel zurück.
„Sie »üffen mir Zeit lassen, Ihre Mutter ge- «ügend auf Ihre Ankunft vorzubereiten", sagte Cutter, al» sie die Treppe erreichten.
Paul nickte. Cutter stieg in da« obere Stock- werk hinauf «nd Patoff wurde durch den Kellner in seine Zimmer geführt.
„Jedenfalls werde ich morgen Vormittag wieder tireifen*, sagte Paul, al« der Mann da« Reise- gepück in die Ecke gestellt hatte «nd sich zu weiteren Befehlm bereit hielt. Paul warf fich auf da» Bett, schloß seine Äugen und versuchte, sich zur Aussprache mit seiner Mutter zu sammeln, welcher sich eine neue unerwartete Schwierigkeit in den Weg stellte- Trotzdem war er froh, daß Cutter hn auf dm Gemütszustand seiner Mutter vorbereitet- An ihren Irrsinn [tonnte er nicht glauben obgleich er fast wünschte, es zu können- Auf dem Bette liegmd, erinnerte er sich seiner Jugend und kr Zeit, wo er sich mit allen Fibern nach einem Anteil jener Liebe gesehnt, welche seinem Bruder fo verschwenderisch zu Teil wurde- Er erinnerte sich, wie oft er vergeben» auf ein Lächeln der Anerkennung von seiner Mutter gewartet- Ausge-
bezeichnenderweise der Jude Singer, als Vertreter der „größten" Pattei Deutschlands abgab. Red.), die niemals mit Btsmarck paktiert, ans Lebe« »nd Tod ihn bekriegt und am meiste» u»ter seinem System z» leiden gehabt hat." Dieses Geständnis sollte man sich jetzt zn Ratze mache». Die Flause, daß BiSmarck die Sozialdemokratie gezüchtet habe, ist dadurch e»d- giltig zerstört. Das Bismarck'sche System hat — wie der „Vorwärts" zugiebt — die Sozialdemokratie „leiden" wachen, während sie besonders unter der Acra Ccprivi voll Zuversicht und Lebensmut war und sichtlich wuchs und gedieh.
Eine »eite «Hlwardt-Lüge.
Der Abgeordnete v. Kardorff sah fich in der Dienstags - Sitzung veranlaßt, in folgenden Ausführungen eine gege» ihu gerichtete Verleumdung de» rühmlichst beka«»te» Radau-Antisemiten Ahlwardt zu widerlege»: „Ich muß mich hier gege» eine» persönliche» Angriff wende», den der Abg. Ahlwardt i« einer Versammlung im Februar gegen mich gerichtet hat. Er hatte die schwere Anschuldigung er Hobe», daß die f.eikonservatioe Partei durch die tri butäre» Verhältnisse, i» denen sie zu Final cierS, insbesondere zu der Firma Mohr n. Speier stehe, gegen die Verstaatlichung der Reichsbank gestimmt habe; daß dieser Antrag abgelehnt sei, wäre nur durch die Juden geschehe«. Die Firma habe t»S- beso»dere mir «itgeteilt, daß sie beauftragt sei, ei» gewisse» Kapital zu kündige», und sie verlange bei Vermeidung der gerichtliche» Verfahre»», daß ich, we»» der Anttag ans Verstaatlichung der Reichsbank zur Beratung stände, bei der Abstimmung fehle. Ich hätte auch bei der Abstimmnng gefehlt. Da» ist nun eine freie Erfind«»» vo» Anfang bis zu Ende. Ersten» ist der Antrag auf Verßaat- lichung der Reichsbauk »icht nur mit wenige» Stimme», sonder» mit einer ^/z-Mehrheit abgelehnt worden. Zweiten» war mein Standpunkt der, daß die Verstaatlichung der Reichsbank erst in zweiter Reihe ix Betracht käme, daß vielmehr zunächst eine gewisse »enderung im 3»tzitut de» Bankwesens erwünscht fei. WaS die Behauptung betrifft, ich hätte bei der Abstimmung gefehlt, so ergiebt glück icherweise da» Protokoll, daß sogar zweimal über liefen Gegenstand abgestimmt wurde und ich bei keiner dieser «bstimmunge» gefehlt habe. Mit der Firma Mohr und Speier habe ich niemals in Grschästsver bindung gestanden. Ich habe auch eine» solche» Brief, vo» dem der »bg. Ahlwardt sprach, weder vo« dieser »och vo» einer andern Firma erhalle». Auch ehre NamexSverwechslung kann »icht vorliege»; deu» wie
wachsen in dem Bewußtsein, daß e« nicht feine Schuld war, wenn er stete Zurücksetzung erduldete, ühlte er immer mehr, daß er das Opfer jener un- natürlichen Antipathie war, welche Ettern häufig gegen ihre Kinder empfinden. Er gedachte der Thränen, welche er so häufig niedergeschluckt, bi« sein empfängliche« Kinderherz verhärtet wurde, bi« er nach nichts mehr fragte, sondern seine Auf. gaben nur zu eigener Befriedigung vollendete und endlich ein traurige« Vergnügen an jenem Schweigen fand, welche« ihm so oft dittatorisch auferlegt wurde. Er war zum Jünglinge gereift und eine feste Entschlossenheit, seinen Bruder zu überflügeln, hatte in ihm Platz gegriffen. Roch gedachte er de« Tage«, an welchem er seiner Mutter sein Abga»g«zeugni« zeigte, welche« dasjenige Alexander« tief in en Schatten stellte; wie seine Mutter nur ein kühle« Lob gefunden und er sich schweigend obge> wandt, um sich im Geheimen seines Sieges zu er reuen.
Ferner erinnerte er fich, wie er selbst rastlos und uneerbroffen die trockene Arbeit gethan, welche ihm die Karriere im 8u«w6rtigen Amt vorschrieb — ohne Zerstreuung, ohne Ver- gnügen, ohne Taschengeld — nur Tag und Rächt «hoffend, um seine Stellung zu gewinnen, während Al.xander in die Garde eingereiht, ein zügellose« Leden führte, Schulden machte und allerhand Allotria trieb.
Nunmehr hatte ihn dieser Schlag getroffen. Sein Bruder, welchen er in jeder Beziehung zu überflügeln gestrebt, war plötzlich und geheimnisvoll von seiner Seite gerissen; und nicht da» allein, andern seine Mutter, die beide geboren, hatte ihrer lebenslangen Ungerechtigkeit gegen ihn dadurch die
die Firma auf meine» Wu»sch mir mitt eilte, sei i» ihre» Bücher», die sie bi» zum Jahre 1887 eilige sehe» hat, »ei» Name überhaupt richt vorgekomme». Der Abg. Ahlwardt hat aber sogar behauptet, er habe eine» solche» Brief der Firma a» mich i« Hände«, er könne ihn jederzeit vorlege«. Ich möchte ihn »u» auffordern, diese« »rief ix ter That auf bei Tisch de» Hause» «iederzulege«. Ich te«xe die Art bei Abg. Ahlwarbt. We»x »ax solche Dixge xicht sofort wiberlegt, so heißt e» später, die Behauptung sei öffentlich ausgestellt u»d e» sei ihr nicht widersprochen worden, folglich sei sie wahr. Ich möchte wahrlich »icht, daß die Arter und Ur-Sermaxex, von bene» der Abg. Ahlwarbt Deutschlaxb bevölkert sehen möchte, alle ihm ähnlich sähen". — Ahlwarbt aber —schwieg!
Zur Lippe'schen Erbfolgefrage.
Wie au» Detmold gemeldet wirb haben die Land- tagsaurschußdeputierten an den Kabinett»- Minister v. Wolfgramm folgende« Schreiben gerichtet: „An Seine Excellenz Herrn Kabinettsminister v. Wolfgramm gestatten sich die ergebens unterzeichneten Anrfchußdeputierten de« Landtag« die Erklärung zu richten, daß sie gegen den Inhalt der am 20 und 21. d. M- publizierten Verfügungen: 1) der Anordnung Sr. Durchtlaucht des hochseligen Fürsten Waldemar vom 15 Oktober 1890, die Uebettragung ocr Regentschaft an Se- Durchlaucht den Prinzen Adolf Wilhelm Viktor zu Schaumburg-Lippe, betr. 2) der Erklärung Sr. Durchlaucht de» Prinzen Adolf Wilhelm Viktor vom 21. de» Monat«, daß Hochderselbe die Regierung de» Fürstentums Lippe mit allen Rechten und Pflichten al« Regent ange- treten habe, in Vertretung der Rechten de« Land- tag« solange Verwahrung einlegen müssen, bi« letzterer in liebereinstimmung mit § 26 der Ver- fassung vom 6. Juli 1836 zum 6. April d. I. zusammenzutreten berufen worben ist, die erforderlichen auf obige Verfügungen und überhaupt au die gegenwärtige Rechtslage bezüglichen Beschlüsse zu fassen Veranlassung und genügende Grundlagen hat. Zu letzteren dürfte vor allem ein beglaubigter Nachweis über den gegenwärtigen Gesundheit«, zustand de« nächstberechtizten Throninhaberr zu rechnen fein (de» geisteskranken Fürsten Alexander. Dis Red) Steirbeck den 22 Rärz 1895. Die Ausschußdeputierten de« Landtages, v. Lengerke. Schemmel. Potthoff."
Der Mordversuch gegen Lihuugtschaug st den Japaueru recht gelegen gekommen. Den» »»»mehr müssen die FriedenSverhandluugeu für eilige Zeit ««»gesetzt werde«, uxd die
- Irone aufgesetzt, daß sie ihn für den Mörder seine, Bruder» hielt — ihn einem Fremden gegenüber an- chuldigte, und sich weigerte, seine Verteidigung zu lören.
„Vielleicht war fie doch irrsinnig", so hoffte er, während er in den kleinen Zimmer feg und die Dämmerung langsam hereinbrach.
Endlich köpfte Jemand an die Thür und Pro. reffor Cutter trat ein. Paul sprang von seinem Lager auf.
„Sie sind ja im Dunkeln", begann der Pro- effor, während er die Thür hinter fich schloß. Dann zündete er ein Streichholz unb mit diesem die beiden auf dem Tische stehenden Kerzen an.
»Darf ich jetzt z» ihr gehen?" fragte Paul.
•3a; Sie können jetzt sofort zu ihr gehen."
„Ich bin bereit", antwortete Paul. Die Herren verließen da» Zimmer »nd schritten gemeinsam den Korridor entlang. Die Ruhe unb Einsamkeit eine» Zimmer» hatten Paul« Nerven ge- rästigt, daher ging er fester »nb grober al« vor. bet- Plötzlich stand der Professor vor einer Thür still.
.Hier treten Sie ein", sagte er. Die« ist in kleine« Vorzimmer. Köpfen Sie an die gegen- überliegende Thür. Ihre Mutter wird Sie empfangen *
Paul folgte den Anweisungen bet Professor«. 1 ine Stimm?, welche er kaum al« diejenige seiner Mutter erkannte, hieß ihn eintreten — und er stand vor Madame Patoff.
Helles Lampenlicht erfüllte den kleinen Salon. Die einfache Einrichtung de« Zimmer« erschien nur al« Staffage für die Frauengestalt, welche selbst- vergessen in einem Sessel saß. Eie mußte einst
japauische« Trupp;« köuue« ihre Operationen oh«e die Besorgxi» vor ehunt plötzliche« „Halt!" fortsetze«. Natürlich bemüht ma« fich auf japanischer Sette, da» Vergnüge« hierüber meter Ausdrücke« bei Bebauens u»d der Extschulbigung zu verberge». Shimouoseki, so wird gesagt, wo die Friedenkverha»bl«xge» statt« fi-de», feixe eixe stille Handelsstadt mit exge», alt« modische» Straße« unb e» gebe boit nur wenig GenSbarme»; ma» habe die gewöhnliche Polizei „für alle Zwecke" ausreichend gehalten u«d all Lihung, tschaug, der vo» der Konfere», i» einer Jinrikscha »ach seine« Hotel zurückkehrte, in einer engen Straße bon dem Fanatiker Kcyama angegriffen wurde, seien »m wenige GenSbarme» zur Stelle gevese». Der Attentäter habe fich ei»er große», aber veraltete» Waffe bedient. Derselbe sei ei» Schwächling und deshalb beim Militär nicht angenommen worde«; da» habe ihn tief gekränkt, denn er sei von de« glühenden Wunsche beseelt gewesen, mit seine» Land», leuten gegen China zu kämpfe». Da» ist alle» recht schön und gut, kan» aber die japanische» Behörden, die recht gut wisse» müsse», daß e» in ihre« Lande genug fanatische, auf das Völkerrecht pfeifende «le« mente siebt, von dem Vorwurf nicht reinige», daß ste z» »e»ig für die Sicherheit der geheiligte» Person de» Unterhändler» gethanhaben. Der Mordanfall ist überdies ein neuerlicher kalter Wasser, guß für die europäische« enragierte« Japanerschwärmer. Betrachtet «cm nämlich den Vorfall in Zusammer Hang mit den grauenhaften Metzeleien unter der unschul« digen Bewohner» de» eroberte» Port Arthur, mit der nutzlose» Zerstörmig de» Panzerschiff» Kowshi»g, mit de« Schieße» vo» de» jopa»ische» Schiffe» auf die schiffbrüchige», i« Wasser schwimmeudeu Chinese», so muß «an fich wohl der «»ficht derer zu»eige», die da behaupte», daß die vielgerühmte europäische Kultur i* Japan i» mancher Beziehung nicht viel mehr al» ei» lose aufgetrageuer Firniß ist, durch >e» im gegebenen Falle die astatische Naim mit Leichtigkeit durchbricht. Man kan» daher immer nm wieder da,» rate», die ostafiatische» Dinge ohne ttgendwelche Sympathien und Antipathien zn be« trachien und fie vornehmlich unter dem GistchtSpnntt ihrer Rückwirkung auf europäische Interessen zu beurteile».
Friedrichsruher Festtage.
Friedrichrruh, 97. März. Um 10V, Uhr erfolgte die Abholung der Standarte au» de» Schlosse. Die Schwadron der Halberstädter Kürasstere zog unter de» «länge» de» Hohenfried«
sehr schön gewesen sein unb war trotz ihrer zwei, undfünfzig Jahre noch schön zu nennen. Sie hatte eble Züge unb reiche«, schwarze« Haar, durch welche, sich erst wenige Stlberfäden zogen. Ihr Antlitz war bleich, nur auf den Wangen lagerte da» Rot der Erregung, einer Erregung, welche auch au« ihrer dunklen Augen sprach. Sie war ganz schwarz gekleidet unb ihre zarten, weißen Hände ruhten gefaltet im Schooße. An ihren Fingern glänzte nur der Trauring.
Paul trat ein unb schloß hinter sich die Thür, ohne ben Blick von seiner Mutter ab,»wenden. Sie erhob fich von ihrem Sitze, al« er näher trat, leichsam als wolle fie fich vor ihm zurückziehen. Er trat an ste heran unb neigte sich, um ihre Hanb zu ergreifen, doch ste trat zurück, während die Röte auf ihren Wangen intensiver würbe.
„Mutter, willst D» mir nicht Deine Hand geben?" fragte er mit leiser, gebrochener Stimme.
„Nein", antwortete Sie entschieden. „Weshalb bist Du hierher gekommen?"
„Um Dir über da» Unglück, ba« un« in ! Ile? anber betroffen hat,Bericht zu erstatten",antwortete iaul, fich ansrichtend unb ihr voll in ba« Gesicht 'lickend. Al» er da« Zimmer betrat hatte er in# folge von Doktor Cutter« Erzählung Teilnahme unb Mitleid mit ihr empfunden, und er wäre willig vor ihr niedergeknieet, um ihre Hand zn küssen. Diese schroffe Zurückweisung jedoch brachte die wahre Sage der Sache wieder klar vor seine ugen.
(Fortsetzung folgt)