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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Mardnrg und Kirchhain.
Jllnsttirtes Sonntagsblatt. Redaktion «nT Expedition: Slerti 21. Fernsprecher Nr. 55.
lefer war in der That der gesuchte Dieb. Es fiel ihm aber nicht ein, sich auf der nächsten Station festnehmen zu lassen. Vielmehr sprang er mitten in der Fahrt vom Zuge ab. Da er niemals ergriffen worden ist, muß es ihm gelungen sein, unerkannt Amerika zu erreichen.
— Die in Berlin bei Friedrich Schirmer er- erscheinende Wochenschrift „Dies Blatt gehört der Hausfrau!" hat auch in diesem Quartal eine große Anzahl neuer Verehrerinnen gewonnen. Das ist leicht erklärlich, denn der Inhalt des Blattes ist ein derattiger, daß es bei seinen Leserinnen Beifall finden muß. Nichts Oberflächliches, aber auch nichts Pedantisches wird geboten; alle Artikel sind durchgeistigt von einem zielbewußten Stteben, welches den Jntressen edler Weiblichkeit dient. Ob es wohlgemeinte Ratschläge find, oder unterhaltende, erzählende Beiträge, ob die Erscheinungen auf dem Gebiete der Mode, oder diejenigen im Bereich der praktischen Neuerungen und Erfindungen Berücksichtigung finden, alles wird in gefälliger, ansprechender Form geboten. Und darin liegt das Geheimnis der großen Verbreitung von „Dies Blatt gehört der Hausfrau!". Mit Vergnügen empfehlen wir diese Zeitschrift unseren Leserinnen. Jede Buchhandlung oder Postansialt vermittelt Abonnements.
— Die Engländer halte» mit einer u»be. greifltcheu Zähigkeit a» der Vermutuig fest, daß sie mit de» verlöre» gegauge»e» 10 Stint- «e» Israels identisch seien. Hierzu sendet Jemand der „Franks. Ztg." einen Beleg dafür, daß sogar ei» „wissenschastlicher" Beweis dieser Abstammung versucht worden sei. Er schreibt: 3« der Bibliothek de« Britischen Museum» stieß ich prfälltg auf eine kleine Broschüre von 27 Sette», betitelt: „Lorlesuug über de» israelitische» Ursprung der Angel sachsen", London 1864. Bon John Wilson (NIsbeth). Arf Sette 11 heißt el: „Israels Grab war der Sachsen Geburtsort. Die» find zwei Rätsel, die die Geschichtsschreiber lange beschästtgt haben: Wo blieben die verlorenen Söhne Israel», des nach de» Versprechungen und Absichten Jehovas wichtigsten Bolles ? Woher kamen die Sachsen?" Auf Seite 13 steht zu lesen: „Man pflegte den «»fang eines Namens in der Umgangssprache oder wen» «an ihn mit einem anderen Worte verband, znsammenzuziehen und so bcdevtet Sachse: Jsaaksoh» (Saxon = Son
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of Jsaac)!" Von der Wissenschaftlichkeit (!) diese» Nachweise» kann »an sich nach dieser Leistung einen Begriff machen.
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eine Soiree statt, zu der sämmtliche Spitzen der Stadt geladen waren, Alle waren froh und heiter, vielleicht mit alleiniger Ausnahme des Hausherrn, den eine schwere Sorge belastete. Madame M., die Hausftau, hatte, dem Zuge der Zeit folgend, zur Unterhaltung der Gäste einen Gedankenleser engagirt, der sich ihr in letzter Stunde glücklicherweise selbst offeritt hatte. Während dieser Gedankenleser mit erstaunlicher Geschicklichkeit operirte, kam dem Präfekten ein Gedanke. In den Nachmittagsstunden hatte ein Dieb einem Bankinstitute eine namhafte Summe geraubt. Trotzdem die Stadt zu den kleinen Orten zu rechnen war, hatte der Dieb bisher nicht ausfindig gemacht werden können. Man rechnete darauf, daß er sich mit dem Abendzuge davonmachen werde. Die gejammten Polizeimanschasten befanden sich daher auf dem Bahnhofe, um sämmtliche Passagiere, die sich Billets lösten, stteng zu prüfen. Ob der schlaue Dieb aber, dessen Signalement man nur flüchtig hatte entwerfen können, tn die Falle ging, blieb ungewiß. Der Präfekt nahm den Gedankenleser bei Seite und fragte ihn, ob er auch Personen ausfindig machen könne, die man ihm bezeichne. Wenn sie sich im Saale befinden, gewiß l erwiderte der Künstler. Wie aber, wenn man in der ganzen Stadt suchen müsse? Nach einigem Ueberlegen antwortete der Gedankenleser: „Ja, wenn die Person, die ich führe, den Aufenthalt des Gesuchten kennt." Der Präfekt zögerte. Der Aufenthalt des Gesuchten mußte der Bahnhof sein. Ein Versuch würde ja nichts schaden. Der Präfect und der Gedankenleser setzten ihre Hüte auf, der Letztere faßte den Ersteren um das rechte Handgelenk und im schnellen Tempo durcheilten sie die Straßen. Zur Freude des Präfekten führte ihn der Gedankenleser thatsächlich auf den Bahnhof, woderZug zvm Abgang bereit stand. Wagen auf, Wagen ab eilten sie hin und her, bis die Thüren geschlossen wurden und der Zug sich in Bewegung setzte. Da plötzlich sprang der Gedankenleser auf das Trittbrett eines Waggons, riß die Thür auf und schwang sich hinein. — „Ich hätte gewettet," sagte ein Polizcibeamter, der jetzt zu dem Präfetten trat, „der Herr, der mir Ihnen kam, sei der gesuchte Dieb gewesen, aber jedenfalls war er ein Freund des Herrn Präfekten." — „Wie kommen Sie auf Ihre Vermuthung?" fragte Letzterer, Böses ahnend. — „Das Signalement stimmt." — „Schnell depeschiren!" — Der Gedcmken-
— Auch auf dem kleinsten Kochapparat kann man binnen wenigen MinMen eine ganz vortreffliche Fleischbrühsuppe, Gesunden ausgezeichnet schmeckend und Kranken wie Genesenden gut bekommend, nach folgendem dem Kochbuchr „Neueste gute Schnellküche" von Frau vou Sz. (Verlag vou Friedrich Schiimer in Berlin) entnommenen Rezepte bereiten: In einem Suppenteller verrührt man ein ganzes oder ein halbes Eigelb nebst ein bis zwei Thee» löffeln Rahm, Milch oder Wasser, gilbt Weitzbrod,.beliebig geschnitten oder geiöstet, und etwa» Butter hinzu, je nach Geschmack auch geriebenen Käse, gehackte Pe-stlie, Fleischstückchen (je zarter, desto besser), etwas Muskat, wenn man diese Würze liebt. Dann unter Umrühren kochendes Waffer, worin Liebieg's Fleischextrakt aufgelöst wird; auf jede Tasse etwa reichlich erbsengroß Extrakt (ein Viertel Theelössel), ja nicht allzuviel. Auck kann man ein Ei in der klaren Brühe nur erstarren laffen, oder, ganz ohne El, nur Rahm (auch sauren) anwenden, auch wohl ein Güßchen kräftigen Wein oder getrockaetr Suppenkräutei, sog. Julienne Bei der Krankenpflege schnell bereitet ist auch folgende treffliche Suppe: Ja eine Taffe giebt man ein frisches Ei, etwa» frische Butter, Salz, reichlich erbseugroß echtes Liebtg'S Fletschextrakt, mischt dies tüchtig und füllt gut umrührend die Taffe mit wallend kochendem Wasser.
vermischtes.
— Ein verlockendes Angebot ist einem -jungen Manne in Berlin zn Theil geworden, der in Mer Zeitung einen Privat-Miitagstifch suchte. Er erhielt folgendes Schreiben, das wir hier wöttlich «iedergebm: „Meine Hehren. Wenn Se guts wuff -zsen wolen, denn kommen se zu miche. es jiebt bei iniche alle Doge Vlesch und Puljou und och mauch- gtäi Suppe un jemise. Fragen Se mal bei de « Freileins, die alle Tage bei miche äsen, die saache I fie werden immer dicker und die blatzen. Manchmal I jiebt» ooch wildes Gefligel aus dem zologischen I Sorten, mein teilet Gatte ist nemlich da Wärter I bei de Lewen un Aelewauten un wat den Preis I <mgeht, iß vor die Hereus fünfzig Pfennige, die I Freileins kost» blos zweenhalb, die äsen nicht so viel. I Meine Heren ich rächne auf ihn und zeichne mit I Achtung ergebenst Frau »...."
* — Eine spaßhafte Geschichte spielte sich
dieser Tage auf der Thüringer Eisenbahn ab. Fuhr da der Gutsbesitzer W. au» S. gemüthlich seine Cigarre rauchend. Ihm gegenüber saß eine Dame, die sich durch den Cigarrenqualm belästigt fühlte «id deshalb um Einstellung de» Rauchens ersuchte. Sl» ihr bedeutet wurde, daß sie beim Einsteigen in den Zug in der Wahl des Coupes hätte vorstchttger sein sollen, wurde die Dame ärgerlich. Vom Zorn übermannt, reißt sie dem Herrn die Cigarre aus dem Munde und wirst sie aus dem Fenster. Hierbei entfällt aber der resoluten Dame ihr bisher unter dem Mantel verborgen gehaltenes Schoßhüudchert. Dieses ergreift der Herr und verfährt damit in gleicher Weise wie sein galante» Gegenüber. Die Dame wollte aber das Thierchen nicht miffen, sie zog die Notleine und der Zug kam zum Stehen. Da» Ende war, daß sie auf der nächsten Station 30 Mk. für den unberechtigte» Gebrauch des Not- stgnals und außerdem noch 10 Mk. Strafe für die Mitnahme eines Hundes ohne Fahrmarke zahlen mußte. Für das inzwischen herbeigekommene Hündchen war außerdem eine Fahrmarke zu löse».
— Der Gedankenleser. Im Hause des Polizeipräsekteu M. des Departement Garonne fand
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