MechM IMm
l Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
IwSSi teM» JgG^i^es Sonntagsblatt. ls»Äi
Erstes Blatt.
»
uxb entmutigt die Hände ix den
str. 4.
»eg 4. hat, bet vom Staatssekretär vox Lütticher wiederhol-
[1688
i werder
ix einem gesetzgeberischen Vorgehen ist in jahrelanger Arbett gesammelt. Schwerverständlich ist c8 darum, daß immer und immer neue »Erwägungen* axge stellt, immer neue Versprechungen und nicht» al» Versprechungen gemacht werden, anstatt entschlofien
aber ist e» nötig, sich zu rühren, zeigen, seinen Ein stutz avszuüben.
angekündigte Gesetzentwurf über Handwerkerkammein werde dem Reichstage noch in dieser Sesston zugehe» Die Session neigt fich zu ihre» Ende; der Reichstag wstd alle» anfbieten mLffen, um die Aufgaben, die
die Kleingewerbetreibenden ganz und gar vom Trotz kapitalismu» abhängig zu machen, die andere», um ste zu proletarifieren und für ihre Zwecke eixzu- fangen. Solange aber die Handwerker fich nicht zu eine« festen, stnponierenden Bunde zufammenfchlietze», werde« ste weder ihre Feinde wstksa« bekämpfen, noch ihre Ziele erreichen können.
Mit dem bloßen Räsonnieren ist nichts geholfen; erst vor kurzem hat Staatssekretär von Bötticher daran», v°ß nnr eine Minderzahl von Meistern offen der Haxdwerkerbewegung fich angeschloffen hat, gefolgert, oatz deren Bestrebungen die notwendige Beachtung nicht vertienen. Statt also mit politische» Querulationen fich abzugeben, sollte« die Leiter der Hand »erkerbewegung allenthalben die BerufSgenoffen sammeln. DaS Ziel, daS dabei zu verfolgen ist, ist alle« Handwerkern gemeinsam: Wiedergewinnung des goldene« Bodens, Kampf gegen die Schleuderten- kurrenz, Schaffung einer leistungsfähige» Organisation al» Damm gegen den TrotzkapttaliSmu». Ebenso gemeinsam ist allen Handwerker» der Feind, de« fie entgegen treten wüff-n: der Freihandelsliberalismus und die Sozialdemokratie, die beide darauf ausgehen, da» Handwerk vollend» zu ruinieren; die einen, nm
4.
ühstr. 4.
hrb«ch
legen indolent Schootz.
Heutzutage seine Kraft zu
Die Legende, datz hohe Tetreidepreise nm de« Trotzgrund« befitzer» nützen, wird in gewiffen Blättern, die auf die Verhetzung der »kleinen Leute* ihr Geschäft gründe», immer noch erzählt Zwar ist
rein
Abendt Verein» erricht»
der„66er6. Zeitung “
an die Fertigstellung des doch nnn einmal verheiße nen Gesetzentwurfs Hnnd anzulegen.
Weshalb zögert man «ii der Vorlage eine» solchen Entwurfs? Will man die Kreffe der Manchestermänner nicht stören oder toiH »an den Handwerkern die Enttäuschung, die am letzte» Ende der »ver« heitzene* Gesetzentwurf bringe« wird, so la«ge wie möglich erspare»? Bedenklich ist diese Art von »bi laiorischer* Politik, die in Sachen der Handwerker frage seit Jahren betrieben wttd, jedenfalls. Einen bestimmten Standpunkt in dieser Sache mutz schließ- lich die Regierung doch einnehmeu; nun wohlan, welche» ist denn dieser Standpunkt?
Herr Frhr. von Berlepsch hat in der erwähnten Handwerkerdebatte im Abgeordneten hause die Handwerker der Indolenz beschuldigt. Mit Recht. Aller dingS ist der Minister in Bezug auf da» Wesen dieser Indolenz anderer Anficht al» wtt. Er «eint nämlich, die Handwerker sollten die berühmte »Selbsthilfe* In höherem Grade pflegen, als ste dies thun; wir aber find der Meinung, daß die Handwerker in erster Linie überhaupt sich organisieren und ihrer Stärke fich bewußt «erde», um ihre Ford er- »»gen mit dem nötige» Nachdrucke vertreten zu können.
Der Handwerkerstand aber ist zerriffen und un- thätsg. Trotz ist in seinen Reihen die Unzufrieden heil; verzweifelt die Stimmung; aber statt den Blick aufs Trotze zu richten, statt ehren energischen Zusammenschluß der BerufSgenoffen in die Wege zu leiten, zersplittern die Handwerker ihre Kräfte oder
Zur Handwerkerbewegung.
* Marburg, 20. März 1895.
Wochen find verstrichen, seit der Handelsminister Freiherr von Berlepsch im Abgeordnetenhause erklärt
llsuS « e beginnt id.I., 1 Saale eg 4. entgegn
Politische Rundschau.
* Marburg, 20. März 1895.
Die Konvertierung der Reich»« und Staatsanleihen.
Die „Wirffchaftliche Vereinigung* de» Reichstage» hat einen Mehrheitsbeschluß gegen eine Kon vertierung der Reichs- und Staatsanleihen gefaßt. Diesen Beschluß wird Niemand mit größerer Betrübnis vernommen habe», al» die Börsen- u»d EmisfionS wacher. Seit gerau«er Zeit schon wttd vo» dieser Sette alle» i» Bewegung gesetzt, um das gewaltige Bulagekapttal, das jene Papiere darstelle», zu „mobilt- fieren* und dem so lebhafte» Aufsaugungsbedürfnis der Börse zuzuführen. Wohl find die Beweggründe, derer, die die Konvettiernng in der Wirtschaftliche« Vereinigung beanttagt habe», verständlich und dmch- an» zu billige«; denn in erster Linie beruhte» fie auf dem Wunsche, die Reich»- bez». Staatsfinanzen zu verbeffern, da»» aber auch darauf im Jutereffe der notleidende« Gewerbe eine Herabsetzung des Zinsfüße» herbeiznführe«. Allein bei näherer Beleuchtung mußte e» fich Herausstellen, daß die Folgen der Kon vertierung dank der noch immer unbeschränkten Herrschaft der Börse ganz andere sein würde», al» die Auttagsteller fich gedacht hotten. Die in Rede stehen- den StaatSpapiere find «eist in feste» Händen. Mündel gelber, Kirchenvermögen, Ersparnisse find in Konsuls angelegt. Ein ZinsauSfall würde also gerade deren Inhaber auf das empfindlichste treffen, ja er würde von vielen kleinen Rentner», vo» Wittwen »sw. gar nicht zu erfragen sein. Der Konvertierung der Reichs und Staatsanleihen aber würde auch die Konvertierung städtischer Anleihen folgen, und der Einkommens Verlust der dem Mittelstände zuzurechnenden Betroffenen wäre ein so enormer, daß er fich auch in den Steuer bnbgetS sehr erheblich fühlbar mache» müßte. Das Reich, der Staat würde also auf der eine» Seite »spare»', am auf der anderen Verluste zu erleiden Gewinn allein hätten an einer solchen Manipulation die Börsen und Banken. Eine neue goldene Ernis fionS- und Sründerära würde anbrechen, und viele von denen, die eine Kürzung ihres ZinSbezuge» nicht erfragen können, würden durch wunderschöne Prospekte
und durch bezahtte Lobpreisungen verlockt werde», ihr Vermöge» geviffe»lose» Börsenspekulanten zu überliefern. Der Beschluß der „Wirtschaftlichen Vereinigung* ist also mit Senugihuung zu begrüben; de« gerechtfertigte» Verlange» der La»dwirte aber »ach mäßigeren Zinsen wird auf anderen Wege» »äher getreten werde» «äffe».
Die Verschuldung de» ländliche» Grundbesitze».
Seit de« Rechnungsjahre 1886/87 wttd von feiten des Königlich preußische» statistische» Bureau» der Hypoihekeubeweguug auf Grund der buchmäßigen Eintragungen eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die letzten vorliegenden Nachweisungen über diesen Gegenstand beziehen fich auf da» Jahr 1882/93, und wie im Vorjahre, so ist auch diesmal eine immer wachsende Zunahme der ländlichen Realverschuldung zu konstattereu. Dieselbe beträgt nunmehr schon zusammen 1093 Millionen Mark. Der gesamte ländliche Trundbesttz Preußen» hat einen Grundsteuer« Reinertrag von rund 408 Millionen Mark; feix Berkaufrwert wttd (im Durchschnitt etwas mehr al» da» 60fache de» Grundsteuer-Reinertrages) fich zwffchex 20 und 30 Milliarden, vermutlich auf etwa 24 Milliarden Mark belaufen. Nach den bisherigen Schätzungen hat die Gesamiverfchuldung des ländlichen Gruudb- sitze» in Preuße« scho« die Hälfte fei«e» Verkauft werte» überschritten; die oben erwähnte Mehrverschuldung um eine starke Milliarde in fieben Jahren bedeutet also, daß in de« Beob- achtnngSzettrau« von 1886/7 bi» 1892/3 etwa ein Sechstel ober Siebentel des den preußische» Grund- befitzer« bisher noch gehörigen Teile» vo« dem allen- falls «och verfchulbungsfähigeu Werte ihrer Be- sttznngen auf die Hhpoth'kengläubiger übergegange« ist. Bei be« Allobialbefitzunge« mit völlig freier Lerschuldungkfähigkeit wird dieses Verhältnis »atflr« lich noch ungünstiger fich gestalte». In der Reihe der fieben Unter mchungsjahre ist daSJahr 1892/93 trotz feiner guten Ernte da» ungünstigste. Besonders bemerkbar wird dies au» der Thatsache, °aß in tiefem Jahre die Hypotheken - Eintragungen fich auf 670, die LösSunge» aber nur auf 460 Millionen belaufen haben. Dabei entfiel fast ei« Achtel der Löschungen auf ZwangSoersteigerung. Seitdem ist die Verschuldung immer rapider fortgeschritten.
Marburg,
Donnerstag, 21. März 1895.
Bitte lesen Sie!
Wir erlauben uns htermit die Mitteilung, daß wir mit unserer, am 1. April er. auszugebenden Nummer, eine im Format der Gartenlaube erscheinende 8 Seiten umfassende mit 15 künstlerisch ausgeführten Illustrationen geschmückte Festschrift zur Feier des 80. Geburtstages unseres Altreichskanzlers, beifügen «erden. Damit nun diese Familienfestschrift als ein dauerndes Gedenkblatt rechtzeitig in den Besitz unserer verehrten Leser gelangt, richten wir die freundliche Bitte an dieselben, die Bestellungen bei der Post auf das nächste " Quartal vor dem 26. d. Mts. gefl. machen
s - knapp vor SesfionSschlnß die Handwerkervorlage.
i Der Gegenstand selbst ist doch nach allen Rich-
I hingen hin ausgiebig ei örtert, das Material
n»t km, ° heute «och vor fich steht, auch erledigen zu können Nnn kommt, wenn das Glück uns gewogen ist, noch
Srsch-mt täglich <«6«r en Wirktngm »ach Gum» xnb Friirtagm. — Onartal-AbonummUS-Prei» bei der Srpe- bitte« L Mk., bei allen Bestämtem 2 Ml. LS Pfg. (t$fL Beskllgeld). JnseretiewGMHr für die gffpaltvi« Zell« oder deren Raum 10 Pf»., Stirnen für di« Zell, LS Pfg.
- |U wollen. Wir können nur dann den recht- . jeiltgen Empfang verbürgen.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte», sowie di« Amwucen-Bureanx von Haaseustein n. Vogler in ,
Frankfurt a. M„ Raffet, Magdeburg und Wien; Rudolf XXX. 5c(101(1 Moffe tzl Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. ’M *7 d
Daube u. So. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Pari».
»»d
MSA r, rsönltche e damit iniffe, vr»rp [1698 apelte ior.
' heizt-
«atm.
-
Heil Bismarck!*)
Heil dem Marm, dem Keiner gleich Unter Deutschlands Söhnen I Ihm soll heut im ganzen Reich Froher Sang ertönen. Achtzig Jahr hat er vollendet, Der uni Rat und Ruhm gespendet, Nacht zum Luht gewendet.
Fest und Treu, im Zorne stark Hast zum neuen Leden, Held au« echtem deutschem Mark, Du uns Kraft gegeben. Hader trennte unsere Mitten, Blut und Eisen mußt um toten, Bi« da» Reich erfaßten- Reich an Ehren, reich an Leid War dein Lol und Leden;
toi#
i. Dl»
iise
Achtzig Jahre Pilgerzeit, Die Dir Gott gegeben Hast geweiht du deutsch« Ehre, Daß de« Lande« Herl fich mehre Nachwelt stet« zur Lehre.
Hast getragen manche Last, Standst in schweren Stürmen, Wal Du un« errungen hast, Wollen fr en wir schirmen. Ties in Deutschland« Herz gesenket Ist die Treu, ble Dein gedenket, Der e« stolz gefaltet
►---
*) Obige» Gedicht empfehlen wtt den Veranstaltern von Bismarckkommersen «. f. w. al« Festlied. Melodie: .Gaudearnu» igttur*. Nachdruck und wettere Lerbrellung
erwünscht.
Wo Dein Wiegenfest nun heut Deutsche» Volk begehet, Heitzen Danke« G-uß e« beut, Und von Gott erflehet: Dich zu schirmen, Dich zu hegen, Dich zu krönen reich mit Segen Roch auf langen Wegen.
Nun so nehmt da« Gla« zur Hand, Die Ihr hier vereinet Mit dem lieben Vaterland E« in Treue meinet: Laßt in diese« Saale« Hallen Ihm dem Treusten unter Allen, Bi«marck Heil erschallen!
»<ml -aloff.
«ne Erzählung ix S «Luden von F. Marion Crawfad.
(Nruhbrxck verboten.) (Fortsetzx»».)
Zn ander« Zett würde Paul 66« diese Scene gelacht haben; jetzt lag ihm nicht« fern« al« Heiter kett Er beugte sich nieba und legte feixe Hand auf den Schlafenden.
Um 10 Uhr an diesem Morgen begaben fich Paul und der Kawaß an Bord de« Dampfer«, um nach veshik Tash, dem geeignetsten Landunglplatz für Personen, welche von be« oberen Teile Pera» herüberkommen, z» gelangen. Sie hatten aller Mögliche zu Alexander'« Auffindung gethan und e« schien Paul die nächste Pflicht zu sein, seinen Che' von den Vorgängen d« Nacht in Kenntnis zu setzen. Er hatte bereit« die ganze Polizei von Stambul in B wegnng gesetzt — jede« Hotel, jedem noch so einfachen Aufenthattsorte wurde von
dem Verschwinden Alexander'« Kenntnis gegeben, und in P«a wäre e« nicht möglich geworden, fich zu verbergen, selbst roenn er e« gewollt hätte. Aber Stambul war nicht Pera. Paul wußte, datz die einzige Möglichkeit, in Stambul Jemand aufzu finden, die «ste Bedingung «heische, daß der Ge- suchte frei ober doch imstande sei. ein Lebenszeichen von fich zu geben; « glaubte indeß, bat Alexander da» Opfer irgend ein« raschen That geworden sei. Vielleicht hatte « seine Thor- heit vom vorgehenden Nachmittage wiederholt — vielleicht war « durch bie Straßen gewandert, um seine Blicke in ein Paar schwarz« Sagen zu versenken, und war von dem Begleiter der Damen dafür nach b« Sitte be« Lande« gestraft worden.
Doch Paul'« Grübeln üb« da« Schicksal seine« Bruder« wurde durch die Betrachtung der Schwierig» ketten, welche ihm bevor standen, unterbrochen. Kalt und entschlofien von Natur, befand er sich in ein« Lace, in welch« eine« Manuel Ruhe wohl « schlittert werden konnte Er wußte, daß « für die seinem Bruder in unzureichende« Maße «wiesene Aufmttksarnkeit eine Rüge Dabiente Es «ar unmöglich, daß Jemand, der nicht bei dem Feste zu- gegen gewesen, begreifen konnte, wie Paul da« Verschwinden Alexander« nicht bemalt habe. Doch nicht nur Paul, sondern auch der Kawatz hatte feine« Schutzbefohlenen Bewegungen außer Acht gelaßen. Außer seinem eigenen Bruder dünft ei Jedem unmöglich, daß All x inder auf ben Zehenspitzen absichtlich fase bavongeschlichen sei, um der Beobachtung zu entgehen und die Zeremonie in größer« Nähe ansehen zu wollen — er mußte aber auch gewußt haben, daß seine Begleit« ihn ge
lungen haben würden, von dem Verlangen abzw stehen, we«halb er, Aber ihre geringe Wachsamkeit lachend, sich heimlich fortgestohlen. Abenteurerlust lag in seinem Blute und seine Erziehung war nicht danach angethan gewesen, dieselbe abzukühlen. Da« Schicksal hatte ihm eine Möglickkeit, diese Abenteuerlust zu deftiedigen, in ben Weg geworfen, und « hatte fie um so lieber ergriffen, al« « damit zugleich Gelegenheit gefunden, seinem klügnen Brud« einen Streich zu spielen.
Doch obgleich Paul die« Alle« genau genug wußte, fühlte « wohl, daß e« nicht leicht fein würde, die« auch seinem Ehes klar zu machen. In solchem Falle war Paul ein zu guter Diplomat, um bie volle Wahrheit zu sagen, ba « e« nicht für nötig sand, feine« Bruder« Ruf zu beeinträchtigen. Er beschloß daher, nur von dem Momente sein« Landung wtt Alexander am Uf« der Esfigverkäuser dem Gesandten die Wahrhett zu sagen, um so mehr, da sein nächst« Vorgesetzt« ben Streit am Nachmittage persönlich beigelegt hatte.
Doch all' bleie« lieber legen «leichterte nicht bie Last, welche sein Herz bedrückte- Er liebte seinen Bruder nicht, ober hatte ihn wenigsten« nie zuvor geliebt; oft jedoch machen wir Im Leben bie Erfahrung, daß eine Persönlichkeit, welche uni gleichgültig zu sein dünkt, uns näh« am Herzen liegt, al« wir geglaubt haben.
Die Bande de« Blute« find sehr starke und machen fich bei außerordentlichen Gelegenheiten ganz unerwartet bemnkbar.
(Fortsetzung folgt)