Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Verantwortlicher Redakteur: Harry Finking fa Marburg. Redaktion und Expedition: Markt 21. Fernsprecher Nr. 55.
M 59
Erscheint täglich «her an Werktagen »ach Sann« und Feiertagen. — Quartal-Sbennmeutr-Preir bei der Expe> bitten 2 Mk., bei allen Pestämtern 2 Rk. 25 Pfg. fafl. Bestellgeld). JnseratiouSgebühr für die gespalten« Zelle »der deren Raum 10 Pfg., Reklamen für di« Zttl« 25 Pfz
Marbura.
Sonntag, 10. März 1895.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatt«, sowie di« Annoncrn-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfutt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mofle in Frankfutt a. M., Berlin, München u. Köm; G. L. Daube u. Co. in Frankfutt a. M., Berlin Hannover, PattS.
XXX. Jahrg
Zweites Blatt.
Vermischte-.
— Der General und der Fußkranke. Als kürzlich eine heitere Erzählung durch die Zeitungen ging von jenem Hauptmann, der bei der Bestchttgung dem General genau sagen konnte, welche von seinen Leuten Fußlappen und welche Socken trugen, fiel mir — so schreibt der „Schles. Ztg." ein Leser — eine selbsterlebte Manövergeschichte ein, die ich hier natürlich mit verändetten Namen wiedergebe! ich glaube, daß stch mancher meiner schlesischen Kameraden des Vorfalls noch erinnern wird. Vor mehreren Jahren hatte eine schlesische Jnfanteriebrigade ihr Exerzieren unfern der Oder. Als Exerzierplatz diente ein großes Stoppelfeld, das etwa von der Mitte an zur Oder anstteg. In einer Nacht ging ein schweres Gewitter mit heftigen Regengüssen nieder, so daß die Furchen besonders an den etwas tiefer liegenden Stellen des Manöverfeldes noch am folgenden Tage voll Wasser standen. Das Exerzieren schloß am nächsten Tag mit „Parademarsch in Regimentscolonne". Als nun das im zweiten Treffen stehende Regiment anrückte, bemerkte der Brigadekommandeur schon von fein, wie ein Soldat im Glied hin und her schwankte; er verfolgte ihn aufmerksam mit seinen Blicken, um genau zu erkennen, in welchem Zuge und welcher Rotte der Mann stand, und nahm dabei wahr, wie derselbe kurz vor ihm in einen strammen Parademarsch einfiel und tadellos vorübermarschirte. Diese Beobachtungen gaben dem General willkommene Gelegen- hrst, bet der Kritik eine Probe seines Scharfblickes zu geben und die Offiziere seiner Brigade über einen wichtigen Zweig des inneren Dienstes zu belehren. Nachdem er die ausgeführten Hebungen besprochen hatte, fragte er plötzlich: „Herr Hauptmann Müller, kennen Sie die Stiefel Ihrer Leutes" „Jawohl, Herr Generali" — „Ja, wissen Sie, daß Sie einen Fußkranken habens" — „Nein, Herr Generali" — „Kennen Sie im vierten Zuge im zweiten Gliede den britien Mann vom linken Flügel?" — „Jawohl, Herr General, Füselier Janke!" — „Ja, sehen Sie, mein lieber Herr Hauptmann, dem Manne paffen die Stiefel nicht, der hat wunde Füße; er ist beim Anrücken zum Parademarsch im Gliede hin und her ge- ttokelt, weil er vor Schmerzen nicht fest auftreten konnte, und erst kurz vor mir raffte er sich mit bewunderungswürdiger Sebstbeherrschung zu einem stram
men Parademarsch auf. Ja, meine Herren, die Stiefel, die Stiesel! Das ist doch beim Infanteristen die Hauptsache. Was nützt unser ganzer Drill, wenn wir nach kurzem Dienst, wie heute, schon Fußkr rnke haben? Denken Sie sich den Ernstfall, da bleibt mir die halbe Brigade schon im Marsche mit wunden Füßen liegen, und an den Feind bringe ich keinen Mann. Also meine Herren, Stiefelappell und wieder Stiefelappell I Das Schuhzeug ordentlich verpaßt und in tadelosem Zustand erhalten l Das ist das Geheirnniß unserer Siege! Ich habe die Ehre!" — Die Offiziere waren verwundert über den Scharfblick ihres Generals, der aus der geschlossenen Colonne den einzelnen Mann so sicher herausgefunden hatte. Hauptmann Müller aber eilte in nicht eben rosiger Stimmung zu seiner Compagnie, rief barsch den Füsilier Janke vor und fuhr ihn an: „Kerl, warum bleiben Sie nicht im Revier, wenn Sie fußkrank sind? Sie haben mich vor der ganzen Brigade blamirt. Was haben Sie denn mit Ihren Stiefeln gemacht? Ins Loch müßten Sie marschiren!" Janke entgegnete schüchtern: „Herr Hauptmann entschuldigen, ich habe keine kranken Füße." — „Was, Sie haben keine kranken Füße, und wackeln beim Parademarsch im Gliede hin und her, daß es dem Herrn General schon von Weitem aufgefallen ist?" Jetzt geht unserem biederen Füsilier Janke ein Licht auf und er bekennt stockend: „Jawohl, Herr Hauptmann, da war noch eine Strecke vor dem Herrn General so eine breite Wasserfurche, die ganz voll Wasser war, da bin ich, um nicht reinzutreten, grätschbeinig gelaufen." Diese unerwartete Erklärung nötigte selbst dem übelgelaunten Compagniechef ein lautes Lachen ab, und Janke durfte sich unbehelligt entfernen.- --
— Gesuch einer heiratslustigen Seele. Eine junge Fabrikarbeiterin in Wilhelmsburg bei Hamburg, die in Kurzem sich zu verheiratheu gedenkt, deren „Zukünftiger" aber noch etwas auf dem Kerbholze hat und deswegen in Harburg „Quartier" nehmen sollte, machte ihrem kummervollen Herzen in folgendem, an das Königliche Amtsgericht gerichteten Bittgesuch Luft: „Bitte nicht Nebel zu nehmen, da ich mich mit einer Bitte an Ihnen wende, Verzeihen werden Sie geehrtes Publikum da wir schon einmal geschrieben haben wegen 3 Monat Aufschub meines Bräutigham, da wir erst die Ehe eingehen wollten aber mit großer Mühe sehr schwer unsere Papiere bekommen haben nnd da jetzt geehrtes Publikum schon unsere Papiere zur Ehe auf 8 Tage den Standesamt zugetragen sind und wir in 14 Tag Trauung nehmen und ich
Sie geehrtes Publikum sehr bitten und meinen besten Dank dafür sagen, und wenigstens anstatt 3 Monaten 1 Monat aufschub geben da wir binnen 1 Monat die Ehe gründlich eingegangen sind. Da Sic geehrtes Publikum meinen zukünftigen Mann gleich nehmen wollen, ist fein Trost für mich, denn ich stehe sehr unglücklich da. Bitte nicht liebt! zu nehmen und hoffe meine Bitte zu erfüllen. Hochachtungsvoll." (folgt Unterschrift). Auf Empfehlung des Vorstehers ist der gewünschte Aufschub eingetroffen und steht der „gründlichen" Heirat zunächst nichts mehr im Wege.
— Der Schandfleck der Familie. Der „Courrier fraucais" erzählt folgendes Geschichtchev, das, wenn es auch nicht gerade wahr, so doch gewiß gut erfunden ist: „Der General £., damals noch Oberst eines algerischen Regiments, behellige bei jedem Anlaß seine Untergebenen mit indiskreten Fragen über ihre Privatverhältnisse. Einige übermütige Lieuteuantsköpfe, des ewigen Jnquiiirens müde, be« schi ssen nun, den Obersten von dieser Angewohnheit durch eine kleine Posse zu heilen. Als am Tage nach einem Manöver die Offiziere gerade in den Sattel steigen wollten, rief der Oberst: Lieutenant Duval! — Zu Befehl, Herr Oberst. — Woher sind Sie, Lieutenant? — Aus Paris, Herr Oberst. — Aus Paris also. Und . .. haben Sie Familie? — Zu Befehl, Herr Oberst, meinen Vater, meine Mutter und eine Schwester. — So. Was thut Ihr Vater? — Er ist Trompeter, Herr Oberst, bei den Invaliden. — Gut. Und Ihre Mutter? — Eine bescheidene Frau, Herr Oberst, sie ist Wäschettn. — Es giebt kein verächtliches Geschäft. Und Ihre Schwester? — (Tiefer Seufzer.) Ach, Herr Oberst, die ist der Schandfleck unserer Familie geworden. — Gut, gut mein Freund. — Und Sie, Lieutenant Meuuier, woher stammen Sie? — Ans Patts, Herr Oberst — Ah, ans Paris ... Und haben Sie Eltern? — Meinen Vater, meine Mutter und eine Schwester, Herr Oberst. — Was ist Ihr Vater? — Trompeter bei den Invaliden, Herr Oberst — Sohn eines alten braven Soldaten, das ist recht. . . lud Ihre Mutter? — Wäscherin, Herr Oberst. — Ist Ihre Schwester verheiratet? — Ach Herr Oberst. . . die Verzweiflung, die Schande der Familie . . . erlauben Sie mir, «nicht von ihr zu sprechen.. . — Ich verstehe, mein Freund, ich verstehe. — Aber Sie Lieutenaut Lambert, mit Ihrem dunklen Teint, Sie dürften doch wohl ans dem Süden stammen? — Zn Befehl, Herr Oberst, nein ich bin aus Paris. — Auch aus Paris: Haben Sie dort noch An
gehörige? — Zu Befehl, Herr Oberst, meinen Vater, meine Mutter und eine Schwester. — Und was thut Ihr Vater? — Er ist Trompeter bei den Invaliden, Herr Oberst. — So, so und Ihre Mutter? — Wäscherin, Herr Oberst. — Ah! Der Vater ist Trompeter bei den Invaliden, die Mutter Wäschettn und die Schwester der Schandfleck der Famlliel Sie werden mir dreißig Tage ins Loch wandern, mein fideler Herr!"
— Kostbare Briefmarken, «in Bankier in Frankfurt a. M. hat einen Agenten nach Kopenhagen geschickt, um mit einem dortigen Arzte über den Ankauf seiner Sammlung australischer Briefmarken zu verhandeln Der Agent bot für die Sammlung, welche die größte und wertvollste dieser Art in Europa ist, 75 000 Kronen, der Arzt will ste jedoch nicht unter 100000 Kronen abgeben. Kürzlich verkaufte er seine europäischen Briefmarken für 20 000 Kronen.
— Kurz und erbaulich berichtet der Arizona-Kicker. Der in unserer Stadt nicht be« sonders vorteilhaft bekannte M. Jim Moore unter« nahm kürzlich eine Reise, um Pferde zu holen, die ihm nicht gehörten, Er kam aber nicht wieder zurück, da er plötzlich nicht mehr im Stande war, mit seinen Füßen den Erdboden zu erreichen. Unser Bericht« erstatte! sah ihn zuletzt unter einer Telegrapheustange stehen und in seiner unmittelbarsten Nähe einige unserer hervorragendsten Bürger, die alle angelegent« lichst an einem Seile zogen.
„Er fand einen Strick und hob ihn auf, Ging still von hinnen daun. Zufällig ward am andern End' Ein Roß gebunden dran.
Sie fanden den Baum und banden ben Strick
An einen der grünen Arft', Zufällig war das andere End' Sn feinem Halse fest."
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Königliches Schauspielhaus zu Cassel vom 10; bis 17; März 1895.
Mit aufgehobenem Abonnement. Sonntag, 10. März; «Die Puppenfee.' Montag, 11; Mä z: „ß.ieg im Friede»;' Dienstag, 12; März: „Mignon." Mittwoch. 18; März; „LumpacivagabunduS;' Donnerstag, 14 März: Iphigenie in Aulis.' Freitag, den 15; März: „Verbotene Früchte.' „Cavalleria Rusticana." Sonnabend. 16. ». ärz: Neu einstudiert : „Das goldene Kreuz." Sonntag, 17. März; Neu einstudiert: „Götz von Berlichingen;"
JB? Frühjahrs-Neuheiten 'S*.
in
Capes, Kragen, Jaquets,
DMMkMWL uni Jacken,
Regen - Pellerinen, Paletots nnd Radmänteln,
empfiehlt in grösster Auswahl und jeder Preislage
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Chph. Bersch Macht.