März 1895.
Erstes Blatt.
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1 Kapitel.
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Der Gouverneurposten von Deutsch-Ostafrika.
* Marburg, 6. März 1895.
|®r steht ste Alle: de» Kaufwau» der Levante wtt feinem Weite», faltigen Ge ficht, den schmarzbrauue» kurdischen Lastträger, de» strahlend gekteibeten Dieu.r der montenegrffchen Gesandten, den kräsiigen, schönen türkischen Wafirrträger in seinem st ckeulose», weiß e Kode, n»d die u>zähltge» verschleierten, türki che- Franen an8 den kleinen Harems, welche entweder! atoe'genb einhergeh n oder an einem SurfichtSpunkte be8 Hafens friedlich auSruh.n — gehüllt in ihre .Nashmaks", welche um so burchstchtiget find, je mehr Lchöuh.it fich hinter ihnen birgt. Der keppich- Händler steht ste Alle und fitzt wie die verkörperte Geduld auf einem monumentalen Haufe» von Stoff u, auf Käufer wartend und seine Waff-rpfeife rauchen). Seine Augen find gierig und seine Finger lang, aber!
«die Gelaffenheit eine8 überlegenen Lügners thront lauf sei, er Stirn, nnbin seinem Herzen multipliziert er lohne Unterlaß ben gesetzmäßigen Prei8 seinerWaare». I An der Srite des Quais, von dem ruhigen l Waffer durch deu breiten, weißen Weg getrennt I stehen die Bille», die Gesandtfchafrshotels, die Häuser «roß nud klei», mit den verschiedenartigsten Freude», eine halbe Meile lang — zwischen den türkischen Städte« Bujnkdere nnd Mesar Burnu — der Biegung de» Bosporus folgend. Hinter de» Billen steigen terr-ffenförmig die Gärten empor mit ihren Rose», Lorbeern, Eitrone» und hnudert andere» Arte» vo» Bäume» und Gesträuchen, hier und dort uuterbrockeu vou einer Pinie oder Cypreffe, deren dunkles Laub fich gegen den hellblanen Himmel in scharfe» Koutoren abzeichnet. Jenseits de» breiten, wie S-phir schimmernden Wassers, dessen Oberfläche fich unter der leichten nördlichen Brise kräuielt, er» strecken fich zur 2tntn die langen Hügelr-iheu de» afiat scheu Fen lande» bi« znm Schwarzen Meer hi», und zur Rechte», biB die schnelle Biegung des nahen Kanals »fien Himer den niedrigen Borgebtrge» de8 europäischen UserS de» Blicke» verbirgt
(Fortsetzung folgt.
Treue zu leiste». Es war eine alte Sitte unserer Vorfahren nnb galt als heilige Pflicht, de» Eid der
E ier», al» die Mutter Euch das Bateruuser gelehrt i Zm Auslände seid Ihr berufen, das Vaterland zu vertrete» durch Würdigkeit und gutes Betragen. Uuscre Marine ist äußerlich zwar klein, aber war unS stärker macht wie andere Marinen, ist die Disziplin und der unbedingte Gehorsam gegen die Bor« gesetzte». So wird unsere Marine gedeihen und groß werde» i» der Friedensarbeit zum Nutzen und | Wohle des Vaterlandes, und hn Kriege, so wir zu Sott hoffen wolle», um deu Feind zu vernichte». Seid wie die alte» Brandenburger I*
6. März. Aus Wilhelmshaven wird gemeldet: Während der im Exerzierhause borg-vom« menen Vereidigung der Marine Rekrute» stand der Kaiser auf einem für ihn errichteten,mit Flaggen und Laub geschmückte», erhöhte» Platze, zu
sonne; er kernt keine Furcht und Gefahr. So muß auch Euer Siuueu und Trachte» fein. Ihr kommt jetzt i» eine Zeit, wo im Ernst des Dienstes Anforderungen, welche an Euch gestellt.
felceiäi v, Bötticher zogest im» t hat, daß der größte Teil der Handwerker de» Zwangrinnnngeu und dem Befähigungsnachweis abhold fei. Die« wird
arm, mitunter verliebt in fich selbst oder gegenseitig. Ein ernster Perfischer Teppichbäidler fitzt rauche»d am Quai vo» Bujnkdere. Ec steht ste Alle a» fich vorüvergehe», von dem lebenslustigen Sekretär der französtschen Gesandtschaft, welcher eine Zigarette raucht, während er vo» einer Bifite zm nächste» eilt I bis zu dem gesetzte» wililärische» Dipkornate« Deutsch landS, der soebeu vom Dampfer kommt, um in seinen I Palast zurückzukehre»; vo» dem unbesorgt i» de» Tag hineinlebeude» englischen Jüngling im weiße» Flanell. Anzüge, bi« znm gr aziö eu türkischen Adjutanten auf dem prächtige» Araberhengst; von der duukiläugige» armenische» Dame, welche langsam längs bei Messers spaziere» geht, bi» zu bem ent« iehlich gekleideten, Meinen griechischen Dandy mit]
Konstantinopel nnb bet Bosporus machen von dieser R.gel Mine Ausnahme. Die Leute, welche do t leben, fiub teil» krank, teil« gesund, teils reich, teil!
. . "Hannoversche Courier' schreibt: »Anläßlich de» Rücktrittes des Frhrn. v. Scheie, der eine N u befetzuug des Souverueurpostens vo« Deutsch Ostnftika erforderlich macht, werden in deu Blättern die ver-
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Nr der Aufgabe nicht gewachsen zu sein glaubt. Dann bette wieder, daß Ihr Christer-, denkt an die
Treue zu erfülle». So wie Ich als Kaiser u»d Herrscher Mei» ganze» Thun und Trachten für da« Vaterland hin gebe, habt Ihr die Verpflichtung, Euer ganzes Lebe» für Mich hinzugebe», den» Ihr habt de» Schwur als Christes geleistet; christlich ist Euch durch beide Diener Gotter gesprochen. Ihr erblickt i» der Kriegs flagge den Adler, das vornehmste Tier der Welt. Muttg und verjüngt erhebt er fich hoch i» die Luft bis unter die Strahlen der Gotte«.
*) Ter Eck tust brS Feuilleton» »Berbrechertuven ai» bayerrschen Bergen* befindet fich i« zweiten Blatt.
Kunst und Wiffenschaft.
Loudon, 5 März. Der Archäologe Sir Henry Rawlinso» ist an der Jrfluexza gestorben.
Loudon, 4 März. Der Chirurg Sir William Savory ist gestorben.
ion irsta uag.
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Wenn Orte sprechen könnten, so würden sie Menschen viel besser beschreiben, al« Menschen
« beschreiben. Nicht )Mi.,„rttreoetkR, neuen grreqricheu tvandy mit
°°ir die genaueste Beschreitung eine« Orte« lesen und ur« bann in den lebhaftesten Farben da« Bild ourmalen, welche« wir nie gesehen, so werden wir vurch eigenen Augenschein erfahren, daß wir von vem Orte noch nicht» wußten, und wir. »erben den autor tadeln, dessen Wortmalerei eine so gründ- falfde war. Die Menschen werden einen Ott voller Po-fite finden, wenn fte lieben — sckön, wenn ne gesund und glücklich find — entsetzlich, wem- ste krank sind — eintönig, wenn fie Kummer haben, und heiter, wenn fie Gels verdienen
Handwerker organisiert euch! |BnK aBbt:e werde», bis fich
• warb«™ « irqk |?le Handwerker zu einem große, wirt- ~ ' z Ifchaftliche» Bunde zusammen schließen
Tag «US Tag e<* ist über die berechtigte» der durch nmfaffenbe, fleißige Agitation de» berech-' *”b“7‘X deutsche» Handwerker ttgten Forderungen des Handwerks Gehör und »e
Ä t °ber iU ,rg£Hb achtung schafft. Ma» blicke xnt auf den Bund der
Der Kaiser in Wilhelmshaven.
L ^"s^mshave«, 5. März. Der Kaiser ist heute Mittag kurz vor 12 Uhr mittels Hofzug» hier emgetraff.u und fuhr uach kurzer Begrüßung am »obaW durch die reich beflaggte Stadt weiter nach dem Exttzierhaus iu der Oßfriesenstraße, wo die Vereidigung der Rekruten stattfand. Nach derselben _ - - 7------------------— — .begab fich Se. Majestät in daS Offizierkafino um
,a^aft I b°^ das Frühstück einzuuehmeu, zu welchem auch die
! untergecibneten Stellung beschäftigt und dürfte schon ans diesem Grunde einigen Anspruch darauf besitzen, seine reichen Fähigkeiten nunmehr auf einem selbst ständige« Posten zu bethätige». War aber noch weit wehr für eine Beförderung desselben spricht, ist der Umstand, daß e» schwerlich einen besseren Kenner der wirtschaftliche» Verhältnisse der ostafrikanischen Ko floate und der Mtttel und Wege giebt, hier fördernd I einzugreifen, als gerade Dr. Peters. Von allen I Sette» wird jetzt anerkannt, daß die Förderung «der wirtschaftlichen Entwickelung der Kolonie Idurchaus iu deu Vordergrund trete« muß, und dal list es Dr. Peters gewesen, der i« feinem jüngstI k erschienenen Werke die einschlägige« Verhältnisse in einer mustergiltige» Weife beleuchtet und ein wirt I schastlicheS Programm entwickelt hat, das überall als! ^ßgebend für die absehbare Zukunft betrachtet wird. Bei<ie a« Euch ae
Wenn es defle» noch bedurft hätte, so bat Dr Nererr!«^ 1 °" ®u<s 0e
hiermit den Nachweis geliefert, daß er teiieTte-gJ® * ,4toCr 6,0 *ax*e Stunde kommt, dloS der bahnbrechende Feuer, eist ist, als welcher er im Anfänge feiner kolonialen Tätigkeit besonders hervorirat, sondern daß er die praktischen Bedürfnisse der Kolonie mit sehr nüchternem Blicke zn erfassen und die besten Mittel, ihnen zu biene«, Mar zu er tenneK versteht. Soweit unS bekannt, würden den» auch sämtliche in Ostafrika thätige Erwerbsgesell- Ichafteu eine Beförderung des Dr. Peters mit F enden begrüßen. Sollten einer Bekleidung des (genannten mit sämtliche« gouveruementaleu Vollmachten etwa bureankratifche Bedenken im Wege stehen, so könnte ja möglicherweise eine Teilung Meter Vollmachten I°ach irgend welcher Richtung hin in» Auge gefaßi »erbe«; allein abermals als ReichSkomwiffar .zur Verfügung der Gouverneurs* hinaus zu gehe», das kau« dem Manne, dem wir die Erwerbung der ost«! afrikanischen Kolonie zu dankeu haben, nachgerade! wirklich nicht mehr zugemutet werde«.' I
We *** »n» Ki-chh«m.
[—- ■*—81 M Jttustrirtes Sonntagsblatt.
JUL 56 M “ÄSr Marburg, _______________Donnerstag, 7
Va«l Valoff.*) iBnennung gebe. Eine ganze Menge der Dinge
e Erzählung to 2 «änben ben F. Marion 6r<tioforb.| id> Ihnen berichten werde, wurden mir mit (Nachdruck verboten.) | stellt, so daß e« mir schwer werden dürste, die
Vorwort. IEinzelheiten zu einem harmonischen Ganzen zu
Meine liebe Freundin — Eie haben mich aufge. I mu6 bau$ beginnen
bett, Ihnen eine Geschichte zu enäblen nnb t» IUDl ^l en' wenn »itunrer
' er versuchen, well e« nicht« in der Wett giebt J”teratij^en Gesetzen abweiche unb e« mii
ich nicht versuchen würbe, wenn Sie eJrwe JTfun ' $unIte on die
fiten, Lieben Eie lange oder kurze Geschichten? * U ^en' roo^n der Tradition nach gehören, j
aulige oder lustige ? Wahre ober erdachte? War e« fein? Meine wahre Geschichten find alle
... tintg, aber diejenigen, welche meine Phantafie er- ■* »8t find oft heiter. Könnte ick nicht eine fi-ben
üche zugleich wahr und heiter ist? Ich weiß'schon' HU » Sie wünschen — ein wenig Lachen, ein wenig (SfOL panrigfeit und. wenn diesen genügt ist, die ruhige kificherung, daß Sie fich amüstert und nicht ge-
eitung 34 Paul Grigg«, will Ihnen die Geschichte a.etag 6 Paul Potoff erzählen. Ich spielte in derselben * kleine Rolle, und so ist fie in gewissem Sinre t Erzäblurg meiner eigenen Erfahrung. Ick e Erzählung, «eil e« weiter nickt« ist. Unsere weration ist eitel; wir bilden un« ein,
______ J°« Neue« unter der Sonne entdeckt zu haben, z- ® mir geben dem, wa« wir schreiben, den Nauer
' ^lle Ich will die Literctur nicht beleidigen, m ich meiner Erzählung eine so hochklingende
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition diese» Blatte», sowie die Annoncen-Bnreaux von Haasenstein n. Vogler in ^"Fkfirri di- bastel, Magdeburg unb Wien; Rudolf XXX Qftfirrt Moffe sn Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Vari»!
«ersu» .a . , I ’—° »kN emo oer i ■ »uuiyan gemaeyl; merr-1ou» erruyflner elnznuehmen, zu welchem auch die
1 # k '^ Landwirte, der zwar «och lauge nicht a« seinem Ziele ^^rweffe sowett wir gesehen habe«, bis jetzt -u ber Vereibig««g beteiligte« Offiziere ?elade« fiub)
nicht gekommen. Mtt Erhebungen unb Erwäg«,ge«langelangt ist u«b fich sti« Terrai« «ach wie vor!«* diejenige des Begründers der ostafrikani- Wilhelmshaven, 5. Mä:z Dem Vernehme« hat w°« die Handwerker immer wieder hingehaltev Zoll «m Zoll etMmbf«,^fr *all $etet8‘ vr. Peters >°ch hielt der Kaiser bei der «kr « ^ und ausnahmeweise wohlwollende Worte finb »oM i« Mfriamt K^Ä^e« o« frin« Wndi bribatenIobniaIenpenibiflUB8 ejle »«spräche, worin e"^.
M Lüchüe Ja »m, «„ « ; r" ""'"gern Emporvachse« die Ellbogen frei gemacht Thättgkett, jetzt volle vier Jahre im kolonialen Reichs ge ähr heißt: w
Z’Z ”b "» »-»« ift, mit d-m m« d. Ofldla, Idl« I. dm |ett 6let6n adom,„ Ä bM eÄ
»tt Regierung ist ans ihrer Lauheit nicht heran» wirte folge ein »nnb bet Handwerker nnb inbringe», nnb wen» ste einmal Miene macht, benIba die Feinde de» Handwerk- am letzten Ende die- »rrker» «tgegenMkomme«, so erhebe» die Feinde selbe» find, wie die Feinde der Lanbwtttschast, können
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M? ^ en roü» 1 beM ”» die Existenz weiter kämpfen. Vereint
(l3i bk tiaBtTälbe“ ber «°>d der Landwttte und ber »nnb ber
k « ,4"b f . feIb^' bie lich immer Hanbwerker, treu unterstützt vo» alle» einfichtsvolle» > “““ fefieX Zusammen-iJudustriellen-Kreise» eine wirtschaftliche Macht bilde»,
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««ki^ch da» Phauto« einet Mittelstands- der Regierung auf die Dauer nicht standhalten
H eta« 8ria^Bibl <^fiT° t b°6 *1*"* ™ b" Nrafeu von Mittelstand und detgl.
^di^en ekttat r - s°ii°ldem°kratlschen lockt man keine» Hund hinter dem Ofen weg, Md bi» hi»haüe» laffe«. Andere wieder die «hlwatdt nnd Böcke! die Inden anSgehiebex
»tanbten bei ben «abanantifemiten ihr Heil staden!habe«, wird noch viel Wasser zum Meere fließe» J *iet toie dort wurden fie mit hoch« Die Juden als solche zu bekämpfe« ist überhaupt
BrtMZn"a ß^ra ^ öbr8?dß' Wtt be”e” '^ U.flnu. Auf wirtschaftlichem Bode« die Ädeu^nd
to Lb ri« S d-lt-i. die Jnbengenofle« aus einer Pofitio» nach blanderen
fist unb treu für die Hanbwetker eintrat, ist die I zu verdränge», bas ist ber richtige «xtisemitirmus Zn!
'hM Lr'"; »emühn-ge» beseitige« ist die zügellose Gewerbefreihett, bieeJ
, bem Handwerk durch die Forderung vo» jedem hergelarfemu Nichtskönner ermöglicht anberrn ttgatorische» 3»nn»gen mit Befähigung, uachweitz in ihr faner erlerntes Hondwrk zu pfusche« Zn andere» praktische» Einrichtu»ge» sowie durch beseitige» ist die schrankenlose Haudettfrechei! bmch »er äuge» »ach einet durchgreifende» Revifio» die das intewaiionale Kapital instand gesetzt wird r gelose» Gewerbefreihett seine» golhenenBohenlbet gefommie» nationalen Produktion Mark nnb!
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r J I**' i H""dwerket seien sich jalReaktio» könne» aber nut durch allgemeinen Zn llte« Cst^r fi- sammenschluß auf beruflicher »ast» und durch eine
die Handwerker nnabläistge, zwar nicht sensationelle -bet starke nnd 8 ®t.flo“,f<etea' wie eB bieltreue «gttation eneicht werdenI Darum richte« wtt b»i^ Solange!»ochmal, an die Handwerker die ernste Mahnung:
lrinwphiert die ManchesteipreffelOtganifiert enchl Schließt ench zn! ihre« «ehaupinngen, denen ja auch bet Staats |ei»em »nnbe gefammmenl ’