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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Wonnemrnts-PreiS bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exll. Bestellgeld). JnserationSgebühr für dir gespalten« Zeil« «der deren Raum 10 Pfg., Reklamen für bi« Zeil« 25 Pfg.

Marburg,

Mittwoch, 16 Januar 1895.

Aryeigen nimmt entgegen die Expedition diese» Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste hi Frankfurt a. M., Berlin, Münchm u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Paris.

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AuS dem Wahlkreise Eschwege- Schmalkalden.

L. D. Marburg, 15. Januar 1895.

DieDeutscheTageszeitung* veröffentlicht folgendes ßchnibe« diS Herrn Dr, Roesicke an de» Provinzial Horfitzende» beS Bundes b. Landwirte von Hessen- Casiel:

AuS bei wir von Ihnen gewordene» Mitteilnng asehe ich, baß die Mitglieder beS Bunde» der Landwirte p Witze,Hausen > Eschwege- Schmalkalden in ihrer Mehrzahl mir die ehrenvolle Aufgabe zuzuweisen gesonnen find, den Wahlkreis Eschwege-Schmalkalden du Reichstage zu veitrete». Indem ich zunächst d-n Henen für diese mir zugedachte Ehre meine» bei tindlichsten Dank auS'preche, halte ich eS gleichzeitig ftr ei» Recht derselbe», zu verlangen, daß ich ihnen darlege, «ach welchen Gruudsätzm ich eine derartige Vertretung nur übernehmen zu könne» i» der Lage sei» würde.

Wie sich unsere politische» Verhältnisie gestaltet habe», find zur Zeit die wirtschaftlichen Frage» die finige« geworden, die alle andern i» ihrer Bedeutung bei weitem überragen. Jeder, der heute im öfftnt liche» Leben politisch thätig sei» will, hat fich demnach Mi alle» Tinge» über die Stellung klar zu sei», die er diese» Frage» gegenüber einzunehme» gedenkt Die Anschauungen, vo» deren ich auSgehe, find die, daß im Laufe des Jahrhunderts, vor allem aber in de» letzte» Jahrzeh»teu der Ha»del und die kapitalistische» Interessen, losgelöst von der Soutinuilät der wirtschaftlichen Entwickelung, eine derartige Be Mizvgung erfahre» habe», daß ei» krafieS Mißver­hältnis zwischen ihnen und de» wirtschaftliche» Lebens bedinguu gen der wertschaffeudeu Stände ein ge­treten ist. Durch be» hieraus erfolgte», zwar mächtigen, aber höchst einseitige» Aufschwung bei großkapitalistischen Unternehmungen find wir auf eine kntwickeluugbahn gekommen, die notwendigerweise znr Souzentrierung der gewaltigsten Kapitalie» in wenige Hände führt, denen gegenüber fich das gesamte «leie Volk zu einem befitzlosen Proletariat heraus- dilde» muß. Wer diese Entwickelung voraus steht, muß von der schwere« Erfahr, die durch fie dem Staate droht, überzeugt sein. Ehe es zu spät ist, »äffen hiergegen energische Maßregel» ergriffen »erde». Der Mittelsta»d ist eS, deffe» geficherte Erhaltung allein die Verhinderung eines weitere» Fortschreiten» auf dieser verderbliche» Lahn ermög­liche» kann. ES ist daher Pflicht bei Staate» und jeden Politiker», bet sei» Vaterland liebt, mit aller Srast sür dieje»igeu Maßnahme» ei»zutrete», welche die Erhaltung und Neuerstarkung de» Mittelstandes,

Kana Kirtalki.

Kolonial«Romnn von Christian Benkard.

M) (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Eyffenhardt neigte et» wenig de» Sopf und er» widerte ironisch:

Ich wollte Ihne« dal nicht zumute», da ich illmbte, Sie seien bereit» mit de» Araber» stark engagiert.*

Die Beine de» auf der Ttschecke fitzenden Eng. linder» pendelten ruhig weiter.

Nein, ich brach den Verkehr mit Buschiri ab, Ä» Dogali, sein indischer Unterhändler und Bankier, Ächt mehr für ihn zahlen wollte. Jetzt, nach mehreren erfolgreichen Gefechten, genießt er schon »>er mehr Kredit.*

Dann rate ich Ihnen, den unterbrochenen Ver kehr wieder anznkvüpfen,* sagte jetzt der Stationchef, tat Larson» maßlose Unverfrorenheit nachgerade «ufbrachte. »Machen Sie da» Geschäft mit den Arabern; wir find mit Waffen und Munition reich- Üch versehen.*

Während der Kaufmann bedauernd die Schachtel »it der Schießpulverprobe, die er sefther in der Hand gehalten, in die Tasche schob, überbrachte «aldhuber dem Stationchef einen soeben von San. Kar angekommenen Brief.

Dampferpost; e« muß wichtig sein. Auch Askari» find mitgekommen, die sollen aber an Boro kleiden.*

Kaum hatte der »dreffat den Brief erbrochen, Ä» er erregt ausrief:

Saadani ist gefallen, Buschiri im Anmarsch I* e8üt da» alte Sklavenhändlernest ist'» weiter

im weiteste» Stone de» Worte» gefaßt, zu ficher» und zu gewöhrleistkn vermöge». Zu diese» Maß nahm»» gehört in erster Linie die Stärkung de» Handwerkerstandes, eine» der wichtigste« Glieder des Mittelstandes. Die Einführung be» Lefähigung- , ach weises, die Kräftiguvg der organisatorischen Ver- bäide muß hier vor allem in Aussicht genommen werde«. Weiter ist e» dir La«dwirtschaft vor» rehmlich der vaueinstand deren argerschütterte Existenzfähigkeit der klüftigste« Hilfsmittel zu ihrer Erhaltung bedarf. E» find die Forderungen des Bunde» der Landwirte, die e» hier durchzuführe» gilt, und der augenblicklich drängendste» Notlage gegenüber ist e» in erster Linie der vom Bunde anfgenommene Gesetzentwurf de» Grafe» Kanitz.

Kein deutsch fühlender und denkender Mar» in unser« Vaterlande kann fich der Ei»ficht entziehe», daß da» unheilvolle Strebe», die überhastete Sucht »ach mühelose», möglichst schnellem Erwerbe von Reichtümern 1» hervorragender Weise der Hebel ter verhä-gniSvolle» Entwickelung unserer jetzige» wirtschaftliche» Verhältnisse vor allem durch be« z rsetzenden Eirfluß jüdischen Elementes in unser Volke lebe» hireingetrage» worde» ist. Utter diesem Eirfluß ist auch der Haudel und Wandel vo» Ge- schästSgrundsötze» beei.flußt worde», welche dem laute!» und gerade» Charakter de» deutsche» Volkes widerspreche». Die reelle» Geschäfte, der kleinere Kaufmann rnd kleinere G-.w-rbetreibende find hier« durch in empfindlichster Weise U ihrer Erwerbs ihätigkeit bedroht worden. Tie Beseitigung des un­lautere» Wettbewerb» nnd der gemeinschädliche» Art des GeschäftSgebahren» muß durch geeignete Gesetze erstrebt werde», um so dem reelle» Kausma»» und Gewerbetreibende» die Möglichkeit des Bestehens auch unter Wahrung der alten Grundsätze vo» Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit zu verschaffe». Die vorgedachten unheilvolle« Einflüsse habe« weiterhin unser ganzes Börsenwesen, da» fich in frühere« Zeiten im Volke stgersreich erweise» ko»»re, i» eine» Zustand arger Verwilderung gebracht, so daß nicht dir Bedürf» tsse de» Lande», fordern Spielwut und Spielgewinn maßgebend werde», vor allem auch in dem, was dem Volk da» Heiligste fein soll, sein tägliches Brot. Die durchgreifendste und energischste Reform muß da» deutsche Volk hier verlangen. Für verble»det halte ich de», der vor ei»sch»eide«de» Maßregeln dabet znrückschrecken will.

Da» Ziel aller dieser Bestrebungen ist da», unser« Volk wieder ein ruhige», geficherte» Auskommen zu verschaffen, ihm in dieser maßvolle«, aber geficherte« Existenz die Zufriedenheit wiederzugebeu, die ihm die

nicht schade,* meinte Eysienhardt, den Engländer mit einem Seitenblick streifend.Buschiri nun, wir sind ja bereit, ihn zu empfangen. An Bagamojo werden sich die Herren Araber hoffentlich die Schädel einrennen, andernfalls*

Da haben wir'» jal* fiel ihm der Stationches in» Wort und deutete mit dem Zeigefinger auf eine ihn besonder» erregende Briefstelle, die er vorlas:

Ihre Station ist mit ober ohne Hilfe der Kriegsschiffe bis auf den letzten Blutstropfen zu verteidigen. Leutenant Eysienhardt und Waldhuber haben die mit dem Dampfer gesandten Askaris sofort nach Dar.es Salaam zu bringen, um die dortige Besatzung zu verstärken, denn mit diesem Platze und Bagamojo steht ober fällt unser ganzes Unter, nehmen.*

Mochte fich der Leser über da«Kriegführen am grünen Trsch* noch so sehr ereifern, die Befehle lauteten so bestimmt, daß ihre Nichtbefolgung gleich­bedeutend mit offener Auflehnung gewesen wäre. Dieser Ansicht war auch Eysienhardt, der, wenn es denn doch zum Kampf kommen sollte, allerdings lieber hier den Feind erwartet hätte, als nach Dar. eS-Salaam, also gewissermaßen ihm au» dem Wege zu gehen. Waldhuber dagegen machte nicht uur ein Gesicht, als ob er lachte, sondern er lachte wirklich still in sich hinein; daß er in Dar-es Sasaam die Flüchtlinge von Pangant Wiedersehen sollte, galt ihm mehr al» Kampfeslust und Kriegsruhm.*

Da darf ich Sie wohl gleich um eine Ge- älligkett bitten,* wendete sich Larson, dem seither kein Wort entgangen, an Eyffenhardt.Auch ich leabfichtigte nach Dar-cs-Salaam zu fahren, da jedoch die Araber so schnell Vordringen, muß ich eiligst nach Sansibar zurückkehren, um mein Geschäft nicht

wirtschaftlichku Wirren unserer Zett immer mehr ge raubt habe». Tie Grundlage zu alledem ist die Wiedererstattung von Treu und Glaube», Wahrheit Dtb Redlichkeit. Hierzu ist i» i,«igster Gemeinschaft mit de» geforderten Lefirebuugeu da» Christentum berufe«, mitzuwirke». Wie e» nufer ga»zes Volks lebe» mächtig und gewaltig durchdriogeud, stets leitend u»d gestaltend die ganze Eutw'ckelung desselben begleitet hat, so müssen wir die verloreven Pfade darin wieder aufsuche», ihm die Bedeutung zuspreche», die der deutsche» Art gemäß das Bolksbewußtseiu ihm noch immer zuerkanut hat. Hierzu gehört auch, daß nnfer Staat nicht nur dem Name» «ach, sonder» auch in Wahrheit ei» christlicher Staat ist. Von ihm kinue» rnd müsse« wir verlangen eise christliche Obrigkeit und christliche Lehre für unsere Silber. Das bebingt zugleich die Eindämmung uud Be feitigung be» internationale» Einflusses, welcher unser StaatSlebe» drohend durchzieht, die Erstarkung unseres nationalen Charakters, unser» Deutschtum».

Zu allem diesem liegt der kräftige Widerstand gegen die Sozialdemokratie. Ich nürde stets bereit sei», gesetzliche Bestin munge» mit zur Durchführung zu bringen, welche der lügnerischen und vergütete« Agitation der Sozialdemokratie de» Bode» entsi.hen, bin aber der Ueberzeugung, daß »ur da»» eine Wirk samkeit hieran» entstehe» kann, we»» zugleich die obige» wirtschaftlichen Frage» i» dem vo» mir av- gedeuteten Sinne zur Entscheidung gebracht werde»; denn nur hierdurch wird die materielle Veranlassung genomme», welche der Sozialdemokratie immer neue Masse» in die Arme treibt.

Gegenüber dem Vorhenscheu dieser wirtschaftlichen «vd soziale» Fragen find heute in der Politik die Kämpfe und Streitigkeiten um rein ideelle politische Gruudsätze zum Ruhe» gekommen. Jeder, der pa triotisch bet It uud sich zu de» Orduungsparüicv rech»et, stimmt mit der heuttgen Gestaltung unseres Staatslebens überein, ihm gilt vor allem die Er Haltung unserer Monarchie für einen fundamentale» Grundsitz unseres Volkslebens. Hieraus ergiebt es fich, daß die ursprüt glichen Parteigestaltungen de» heuttgen Verhältnissen nicht mehr zu entspreche» scheinen und vielfach hat man daher behauptet, daß unsere heutige» Parteien nicht «ehr lebensfähig fhtb. Ueberall sehen wir daher in de» Parteie» Gährunge» u»d Strömungen, deren Ziel e» ist, Stellung zu de» wirtschaftliche» Frage«, die unser Volksleben bewege«, za »ehmeu. Die Partei wird die Zukunft haben, welche furchtlos uud tree, in engster Fühlung mit dem Volksleben, die wirtschaftliche» Fragen i« obigem Sinne zu löse» fich gewillt zeigt. Ich würde wich

zu schädigen. Hätten Sie wohl inzwischen die Freund­lichkeit*

Das Pöstchen Schießpulver und die paar Kisten Kapselgewehre an den Mann zu bringen?* ergänzte der Stationchef die Frage.

Aber der Engländer ließ fich nicht aus dem Konzept bringen.

Dies verlange ich nicht einmal, bitte vielmehr nur, von Dar-eS-Salaam aus dem Baron van Wallerstätt Nachricht von dem Anmarsch der Araber zugehen zu lassen. Er soll eiligst seine Produkte nach Sansibar verladen.

Ich versprach ihm nämlich, Kopra, Orseille, Kautschuk und was seine Besitzung etwa sonst noch hervorbringt, abzukaufen*, fuhr Larson fort, als Eyffenhardt schwieg,und später dürfte der Transport der Güter auf Schwierigkeiten stoßen. Einem schwarzen Boten mag ich bei der gegenwärtigen Un­sicherheit des Landes nicht» anvertrauen; der, den Sie von Mundo nach Pangani sandten, wurde ja auch abgesangen*

Eyffenhardt konnte stch garnicht genug verwundern; der Mensch wußte rein alle«. Den höchsten Grad erreichte sein Staunen jedoch, al« der Kaufmann chm sagte, e« handle fich um keine geringen Werte, seine Tochter habe fich vor Beginn der Regenzeit überzeugt, daß da« Gut schon jetzt sehr ertrag, fähig fei.

Miß Grace wäre?'

Nach Dar-es-Salaam ist Re gefahren; von dort au« hat man noch einen fünf« bi« sechsstündigen Rttt vor fich. Ich selbst war krank, fie wollte wissen, wie der Baron wirtschaftet, und so machte fie fich mit dem alten Kalonda und noch einem zweiten Diener auf den Weg." (Forts, folgt.)

im Reichstage daher «ur derjenigen Partei anschließen können, welche immer mehr gezeigt hat, daß sie stch bemüht, diese wirtschaftlichen Fragen richtig zu er» kennen »vd fie in richtiger Form zur Lösung zu bringe». Dies ist die deutsch-konservative Partei, die fich in de» wogende» Kämpfen der letzte« Zeit als eine wahrhaft volkstümliche Partei erwiese» hat.

Hierdurch, sehr geehrter Herr Oberamtmau», habe ich meiner Pflicht genügt und Ihne» in große» Züge» gesagt, wie ich denke. Ich höre aber, daß unter de» Bundesmitgliedern de» Wahlkreise» Witzenhausen« Eschwege Schmalkalden bezüglich meiner Kandidatur eine Uebereinstimmung bisher nicht erzielt ist. 68 widerspricht meine» Grundsätze», mich unfern Bunde»« Mitglieder» aufzudrä»gen, nicht einmal in d n Der« dacht dessen möchte ich kommen. Demnach könnte ich die dortige Kandidatur nur dann übernehme», wen» die Einigkeit be» Lundes in dem dortige» Be­zirke durch eine solche gewahrt, aber nicht bedroht würde.

Ich bitte Sie, gütigst vo» diesen meine« Aenß- erungen de« Herrn BezirkSvorfitzenden und BerteauenS- männern des Bundes im dortigen Wahlkreise in der Ihnen geeignet erscheinenden Weise Kenntnis zu geben.*

ZnrKandidatur deSKolonialpolittkers Herrn Dr. PeterS, der neuerdings im Wahlkreis Eschwege« Schmalkalden als Kandidat aufgestellt worde« ist, schreibt dieKreuzztg.*:

Wir würden e» lieber gesehen habe«, daß Dr. Peters in einem anderen Kreise aufgetreten wäre, weil fich alsdann unter Umstände» ein Zusammengehen aller »atioualgefinnten Elemente gegen die anH< nationalen würde herbeisühren lasse». Daß fich dazu die Persönlichkeit des Dr. PeterS ganz besonders eignet, kann nicht geleugnet werden, v«d gerade wir find die letzten, die da» thun. Auf der andern Sette aber ist e» zu viel verlangt, daß diejenigen Richiungen, welche in dem Wahlkceise Eschwege Schmalkalden vor­herrsche», dieFlinte* ohne Weiteres ins Ko:» werfe» und dem Kandidaten der Reichkpartei da» Feld räume» solle», mag er immerhin Karl PeterS heiße». Zu« Kampf aber wttd es komme», so bedauerlich das, wie gesagt, auch ist. Bei alledem wird fich, wie u«S scheint, eine spätere Verständigung für die Stichwahl, falls diese erforderlich werden sollte, unter de» ob­waltende» Umständen leicht erzielen lassen, wie es stch unsere» Erachten» vo» selbst versteht, daß die »atio«algest»»ten Gegner fich «it Achtung behandeln*.

Anpassungerscheinungen im Tierreich.

-1. Marburg, 15. Januar 1895J

Vor einem zahlreichen Auditorium, Damen und Mitgliedern de» Forlbildungverein», hielt gestern Abend Herr Professor Dr. Kor schelt i« Hörsaal des zoologische» Institut« eine» Vortrag über«»Passung« erscheinungen 1« Tierreich*. De» hochinteressante« Ausführungen des Vortragende« entnehmen wir folgende»: Die unzählige» Tierforme» faste» wir zusammen in ein System, welche» wiederum in Type«, «lasten nnd Arten zerfällt, über deren Anzahl und Umfang «an jedoch in Fachkreisen vo» jeher der ver» schiede»ste» Anficht gewesen ist. Der BegriffArt* ist der engste; derselbe bezeichnet die Grenzen einer Gruppe von Individuen, die fich dmch charakteristische Merkmale in ihrer äußeren Erscheinung vo» andere« unterscheide«, welcher Umstand meistenteils seine» Grund i« den veränderten Bedingungen der Leben!« weise, der Ernährung, des Klimas, der Bodenbe­schaffen hett und deS Zusammenleben» mit ander« Tieren findet. Die Gattung der Hunde (Canis familiaris), wozu auf Füchse 'und Wölfe gehöre«, zerfällt wieder t» die reichhaltigsten Arte«, den» obgleich alle in eine Familie (Gattung) gehöre», zeigt doch der Mops ein gänzlich verschiedene» Aeußere al» da» Windspiel und vo» letzterem rmterscheidet stch der Ber»hardiuerhund wiederum dmch ga»z a»dere Merkmale. Auch bei de» Pferde» trete» diese Unter­schiede deutlich hervor. Die Ansicht vieler Gelehrte», daß eineArt* konstant sei, ist nicht zu teile«. ES trete« nämlich häufig a» Jndividue« einer Art solche «bänderunge» i» Farbe, Größe rc. a»f, daß fie die chmakteristtschen Merkmale ihrer Art abänder«,