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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhain.

*** ,Kbfkh^ännb^ea.ebmoa: Markt ISSJllustrirtes Sonntagsblatt. Redaktton und Exptd tlon: Markt 21? Fernsprecher Nr. 66?

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JuserationSgebühr für die gespültem Zeile »der deren Raum 10 Pfg., Reklamen für di» Zelle 26 Pfg.

Marburg,

Freitag, 11 Januar 1895.

Anzeigen nimmt entgegen die Expeditton dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mosie tzn Frankfutt a. M., Berlin, München n. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfutt a. M., Berlin Hannover, PattS.

XXX. Jahrg

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Aufs Land!

* Marburg, 10. Januar 1895

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Die ©oitalbemotratie, bie die Arbeiter ix eint Knechtschaft bei Partei zwingt, wie nie ein Arbeit «der el thnn würbe, noch je gethan hat, ist in ben Städten mit ihrer Wühlerei fertig. Da ist nichts «ehr zu knechten nnb zu gewinnen. Aufs Land, «st Land! ist nnn bie Losung. Hier soll bie Kühlere! von neuem loSgehe», bet arbeitet anfsälfig gemocht nnb bie große Schlacht entschieden werbet, ,nch welcher fie Thron nnb Altar, Staat nnb Kirche Umstürzen nnb ans ihren Parteiführern bem Volte neue Könige nnb Priester anfhalsen wollen.

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Sen 20V2 Millionen Siabtbewohnern stehen im Dentschen Reiche 26i/2 Millionen Landbewohner gegenftbet. Wenn wir doch bie kriegen könnten! so fugen die Agitatoren. Wenn biefe 26i/g Millionen «I doch ebenso gehorchen möchten, wie bie Arbeiter M ben Großstädten, wenn fie uns doch wöchentlich ihre Arbeitergroschen zahlen möchten, auf unser Korn- waibo streiken nnb arbeiten, sparen nnb verschwenben, znsiieden nnb unzufrieden fein möchten l Jo, wenn bie Land arbeite! bas thäteu, bann hätten bie Wühler

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«b Hetzer freie Hand nnb könnten nach ihres Herzens

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Die Agitatoren bet Sozialdemokratie bringen bem lanbaibeitet nichts, fie wollen vielmehr etwas holen 1 Die Beiträge wollen fie haben, bamit fie ein bequemes Leben führen können. Sie sagen; »Wir machen bich steil' aber das sagen fie nur, nm ben Laibarbeiter unter bie Paiteiknute zu bitt gen. Ihr Knecht sollst du sein, bet ben Leithammeln nach läuft ohne Be­sinnen nnb Umsehen. Trau, schau wem! Hast bn schon einmal auf bem Jahrmarkt ein Puppentheater geseh n? Der Menn im Kasten steckt daS Gelb ein, nnb bie Puppen geben sich bie Ohrfeigen. Der Mann im Kasten ist ba, so oft bei Agitator lebet, willst bn zu ben Puppen gehören nnb auf bie Ohrfeigen »arten?

Die Sozialdemokraten benutzen bie Unzusriebeu leit, nm bie Leute für sich eiizufangen. Und gewiß, bn weißt besser als ein anberer, wo dich der Schuh brückt. 6S fragt sich nur, ob fie bit helfen können. Wer den Schuster braucht, was soll bet mit bem Stellmacher ober Grobschmieb. Wer mehr Gelb nnb Wohlsein braucht, was können bem Redensarten nützen ? In manchen Städten haben eB bie Sozialdemokraten schon erreicht, baß kein Arbetter es wagt, gegen bie »nengebenben Maulhelbeu anderer Meinung zn sein. Die Handwerker, welche vom Laube ans in bet Groß

Sana Kirtalli.

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Kolonial - Roman von Christian L e nkar d.

22) (Nachdruck verboten.)

(Fortsetznuq.)

In Deutschland redet man von einer fränkischen und einer sächsischen Schweiz, ohne daß die Gegen- den vor ihrer weiteren Umgebung mehr voraus hätten, als das zwischen dem Umba- und Pangani- siuß sich erhebende Gebirgrland vor dem übrigen Ostaftika, und erscheint es auch stellenweise öde genug, so bietet an anderen Orten bie überreiche Tropen- Vegetation dafür vollständigen Ersatz.

.Wenn nur nit alleweil ein Aber dabei wär'!' äußerte Waldhuber oft auf bem Marsche Meist waren es sogar mehrereAber', die ihm diesen Stoßseufzer erpreßten, denn holzte man beispielr- »eise eine bewaldete Höhe ab, dann fehlte es an Arbeitskräften und Verkehrswegen, die Stämme fort* zuschaffen; außerdem erkannte der praktische Land- und Forstwirt, daß nur der Pflanzenwuchs an dm teilen Hängen die fruchtbare Erde am Abrutschen hinderte. Auch einem ausgedehnten Plantagenbau stellten sich große Schwierigkeiten in den Weg

Wohl ausgerüstet und darum nicht auf die Gast- fteuichschaft der Eingeborenen hingewiesen, kümmerte es die beiden Deutschen wenig, daß sie von Tag zu Tag mißtrauischer betrachtet wurden. Als jedoch es war im Schale des Suengera nächtlicher­weile vier oder fünf Träger wegliefen, erwachten E-ffenhardt'S Besorgniffe von Steuern. .Wir müssen auf bet Hut sein,' ermahnte et Waldhuber, und Beriet mit demselben die zu ergreifmden Vorsicht» maßregeln.

Sie waren aus der Hut, trotzdem desertirtm «eitere Träger am hellen Tage, und die übrigen

ladt Arbeit suche», erzähle» oft genug, wie man fie geradezu vergewaltigt, »ein fie auf bem Bauplatz ober ber Werkstatt nicht garz so mitmachen, wie )ie Sozialdemokraten wolle». So wolle» fie auch be» Landarbeiter nm feixen gesunde» Mensche»verstand nnb in ihr Fangnrtz bringen.

Die Familie in der Gegenwart.

* Marburg, 10. Jan. 1885.

Zn ben vielen Dingen, bie in unserem gesamten Staats- unb Volksleben gelockert sind, gehört auch der Famsiienfin». Das Famisie»[eben hat für bie Gesamtheit wie für ben Einzel»en einen hohen Wert. Unser Staci»- nnb Volksleben ist aus ber Familie hervorgegangen. Erst war bie Familie ba, unb bie Familien faßten sich zusammen zu kleineren uxb bann zu größeren Verbänden, schließlich zu ben großen Reichen ber Gegenwart. Zerfällt bas Familienleben unb ber Sin» dafür, so zerfällt auch ber Sinn für Staats- nnb Volksleben. Aber nicht nur für ben Staat, fonbern auch für ben Einzelnen ist bie Fa mtlie von hohem Wert. In bem Frieden derselben wächst nnd erhält sich die Kraft des Mannes, hier hat das Weib feinen Halt nnb sein« hohen Beruf, bas Kinb feixen Hort unb feine Stütze. Ist nnn bas Familienleben noch b«S, was eS fein sollte unb waS eS früher in unserem herrischen Vaterlaube war? Leiber mflffen wir biefe Frage mit Rein beantworten. Unb wie kommt iaS? Einen großen Teil der Schuld an ter heutigen Zerrissenheit beS Familienlebens tragen gewiß bie wirtschaftlichen Verhältnisse, trögt der so schwer gewordene Kampf urnS Dasein, um die Existenz. Die Not des Lebens, baS Jagen »ach Erwerb erlaubt nicht mehr biefelbeu häuslichen Freuden, wie fie unsere Vorfahre» i» einfacheren Verhältnissen genossen haben, aber dennoch trägt an ber Zerrissenheit bes Familienlebens auch ber Ein seine viel Schuld. Bei vielen Männern ist leider die Kneipe an Stelle ber Familie getreten. Wir mußten eS mehr verstehen, ttotz der ungünstigen Ver- hältuiffe festzuhalten am Hanse nnb ber Familie. Die Familie» rnitglieber, Mann nnb Weib, Eltern mb Sinber, dürften sich nicht durch bie Schwierig keilen, bie bas Leben ihnen bietet, ein an ber ent fremden lassen. Um so mehr müßten fie fich treu bleibe», als fie ja so viel mehr ber Liebe nnb des Trostes beS Familienlebens bedürfen in einer Zeit, ba alle gewohnten Banbe fich zu lösen scheinen nnb bie Menschen in Haß ober Gleichgiltigkeit fich von einanber abfchkießen.

erklärten endlich, nicht weitermarschiren zu wollen, ba fie sonst mit den Wadatschi todtgeschlagen wurden. Nur ein Einziger gelobte unbedingte Treue, komme, was ba wolle.

Eyffenhardt, der seinem Versprechen gemäß we­nigsten« bis zu bet deutschen Mission»station vor rücken wollte, suchte seine Leute beisammen zu halten, aber es gelang ihm nicht. Die Furcht, die in fie gefahren, war zu groß, die Katastrophe unabwendbar.

Die Letztere wurde auf echt afrikanische Art eingeleitet. Ein kleiner Häuptling, der von den Weißen Hongo (Wegzoll) verlangte, stellte ganz ungebürlich hohe Forderungen, und um denselben Nachdruck zu geben, drohte er mit Gewaltmaßregeln Epffenhardt wollte fich weder ausbeuteln noch nieder- machen lassen, daher versuchte er auf dem Wege der Verhandlung da» Aeußerste abzuwenden und trat mit ber Flinte auf dem Rücken und von Waldhuber gefolgt feinen Widersachern entgegen, um mit deren Führern ein Schauri abzuhalten-

Den Regern Iroar et offenbar nicht um einen friedlichen Ausgleich zu thun, denn fie weigerten sich, der Sitte gemäß ihre Gewehre niederzulegen, und aus ben runden braunen Hütten des nahen Dorfe« strömten immer mehl Bewaffnete hinzu. Hönische und herausfordernde Blicke trafen die Deutschen von allen Setten, und was ba« Schlimmste war: die bei den Lasten zurückgebliebenen Träger wurden in immer engeren Kreisen umschwärmt. Die« bemerkend, wollte Ltzssenhardt umkehren, da sprang hinter dem nächsten Baume blitzschnell ein junger Reger herum und schlug ihn mtt bem Kotten nieder

Die« wat die letzte Hettenthat de« schwarzen Burschen, dem im nächsten Augenblick ein furchtbarer

Die Umsturzvorlage im Reichstag. Berlin, 9. Jau. 1895.

Auf der Ridverliste für bie heutige Debatte zur Umsturzvorlaae standen al» erste Kamen die Abgg. Frhr. v. Stumm, Gröber, Munckel und Graf Limburg-Stirum. Ehe da« Hau« zur Fortsetzurg der Beratung über de Umsturzvorlage schreibt, entspinnt fich über den ersten Punkt brr Tagesordnung: Antrag Auer und Genossen auf Einstellung des schwebenden gerichtlichen Lerfahren« gegen den Abg- Stadthagen eine kurze heftige Debatte l;ei Borgen, fen durch den unerwarteten Widerspruch de« konservativen Abg. v. Buchka. Da für den fozialdewokratt- chen Artrag, welchen die Abgg. Singer, Alexander Meyer und Bach;m verteidigen, P äcedenzsälle vorliegen, so wird er gegen die Stimmen ber konservativen Parteien mit großer Mehrheit angenommen.

Das Hau« setzt hierauf die Beratung de« Gesetze», betreffend Aendermg und Ergänzungen btl Strafg.setz- bnchr usw. fort. Es erhält da« Wort hierzu:

Abg. Freiherr v. Stumm-Halberg (Reichs Partei): Die Rebe bes Abg. Auer war nicht nur lang, sauber» i» gewissem Sinne auch langweilig Trotzdem war fie für wich höchst hteriffaxt, weil ich anxebme» muß, baß diese Rebe als offizielle Pro gremmrebe zn betrachten ist. Etwa« hat mich in Staune» versetzt, nämlich, baß bem Abg Auer ein fnnbomentoler Widerspruch in seiner Rcde ent­gangen ist. Auf ber einen Seite stellt er bie sozial demokratische Pattei als eine harmlose Reformpartei hin, auf ber anbei« Seite sagt er: Wir find, was wir immer waren, nnb werden es auch bleiben. Habe» Sie ein so schlechtes Gedächtnis, baß Sie nicht mehr wissen, mit welchen Zitaten fie selbst, in unb außer bem Hause ben revolutionären Charakter der Sozialbemokratie betont haben? Abg. Bebel spricht bei jeher Gelegenheit vorn großen Kladderadatsch. (Redner verliest darauf einige Zitate, unter anderen:Zwischen der kapttalistische» und kommunistischen Gesellschaft liegt bie Periode ber revolutionäre» Urnwanblu»g, die revo­lutionäre Diktatur de« Proletariats'.) Herr Liebknecht hat im Jahre 1874 gesagt:Die sozialdemokratische Partei ist eine revolutionäre Partei'. DaS Ware» Sie und daS sind Siel Die Jllnstonen derjenigen aber, die ba meinten nnb vielleicht noch meinen, daß seit ber Aufhebung be« Sozialistengesetzes bie sozial, bemokratische Partei fich in eine Reform- Partei um gewandelt hätte, finb burch bie letzte Rebe beS Abg Bebel zerstört worben. Ich möchte bei biefer Ge­legenheit wieber holen, was ich vor zwei Jahren ge­sagt habe. Die sozialbemokratische Partei muß auf Grund der Keschafisordnung al« Partei hier anerkannt werben, außerhalb de» Hauses werden wir

Faustschlag ben Schädel zerschmetterte. Daun warf sich Waldhuber ben gefallenen Gefährten über die Schulter, faßte mit der Rechten ferne Flinte an ber Laufmündung, und mit der Waffe gleichsam mähend, trat er ben Rückzug an. Da« Wutgebrüll, welcher er dabei aurstieß, schreckte bie Gegner vielleicht noch mehr al« bie schier unheimliche Kraft be« riesen- hasten Manne«, vielleicht auch glaubten fie einen weißen Zauberer vor fich zu haben, benn nur wenige wagten e«, auf ihn zu schießen, keiner, ihn zu ver­folgen.

Al« Eyssenhardt wieder zur Befinnung kam, war er zum zweiten Mal beraubt, zum zweiten Mal mit knapper Not - bem Tode entronnen. Aber er ver­zagte nicht, sondern seine fast wunderbare Errettung sagte ihm, daß Gott seine Hand nicht von ihm ab­gewogen, ihn vor ben mörbenschen Streiche» seiner Feinde behütet, damit er weiter arbeite an dem be­gonnenen Werk. Noch staub ihm ja ber brave Waldhuber zur Sette unb ber einzige treugebliebene Träger, ber mit seiner Last dem flüchtigen Hünen gefolgt war. Nein, noch war nicht alle« verloren, zumal ber ihn treffenbe Kolbenschlag, durch da« Korkgehättse feine« Tropenhelm« gemildert, keine ernsten Folgen zu haben schien und Lewa, wo Freunde unb Landsleute weilten, mittelst dreier Togemärsche erreicht werben konnte. Dem Missionar konnte man unter diesen Umständen natürlich keine Hilfe bringen; er mußte fich selbst helfen, sofern man ihn Über- Haupt mit Gewaltthat bedrohte, wat bei dem An­

sehen, da« bie Padiri fast überall im Lande genossen, immerhin zweifelhaft war.

Da er Kompaß, Chronometer und Oktant n« > bei fich trug, konnte kpffenhardt leicht bie ein)» schlagende Richtung bestimmen und alsbald wurde

ie als eine politische Partei nicht aner- exnen. (Zwischenrufe links) Die sozial- demokratischePresse greift alles an, was dem Menschen heilig sein soll, die Ehre, >ie Familie, die Religio» und die Sitte. Nu» sagt ber Abg. Auer: Ihr ba btfibtn macht eS a »icht besser. Es kommen bort auch Unfitilichkeiteu und Majestätbileidigungen vor. Der Unterschied be* letzt doch aber darin, daß die bürgerliche Gesellschaft hre Uxfittlichkeitkn und Majestätbeleidigusgen nicht rechtfertigt, sondern fie tadelt und Unwürdige ans* läßt, während die Sozialdemokratie dteUn> ittltchkeit geradezu zum Prinzip macht. Unruhe bei ben Sozialbemokraien.) Ich weiß wohl, > bie Sozialdemokratie an die Stelle dessen, was wir als stttlich bezeichnen, auch ihrerseits ei« sittliches Prinzip in ihrem Sinne stellt; die freie Liebe wird an die Stelle ber Ehe gesetzt, die Sittlichkeit beS Meineides an die Stelle der Heiligkeit des Eibe«. (Zuruf bei be» Sozial* demckrattn.) Nicht blos außerhalb beS Hauses ge­schieht bie«, fonbern auch hier im Hause find gerabe biefe beiden Punkte vom Abg. Amr sowohl wie vom Abg. Bebel betont »erben. Herr Aner sagte, ber Arbeiter habe immer »och fein Liebchen gefnnben; ber Arbeiter braucht also keine Ehe. Herr Bebel hat gesagt:Ich bin Atheist, Sozialist, Republikaner.' In bentf'Iben Athem sagt er:Führen Sie den Eid ein, wir schwören ihn!' Die Sozialdemokratie ist also gebliebe», was fie war, und wie ich fie jetzt Ihne» gezeichnet habe. Die Sozialdemokratie hat ben bentsche» Anarchismus geboren. Utter ber Herrschaft bes Sozialistengesetzes wäre dieser ganz unmöglich gewesen. 63 ist ein Wunder, daß bei den Hetzereien ber Sozialdemokratie keine größere Anzahl von Verbrechen zum Vorschein kommen. Es hat noch kein anarchistisches Verbreche» gegeben, ba« nicht speziell von ber sozialbemo- kratischen Presse verteibigt, zum mindeste» enschuldigt würbe. Die Pariser Kommune wirb al« Kinberspiel hingestellt, bie russische» Nihilisten würbe» sogar hier im Hause verherrlicht, dir Bombenatten* täte werden entschuldigt ober als kleine Vergehe» hixgestellt. Fast alle Anarchisten waren früher Führer ber sozialbemokratischen Partei, Reichstagsabgeordnete oder -Kandidaten. Der Abg. Auer halbenSozialist' vorsichtiger Weise als nicht zu seiner Partei gehörig bezeichnet. DaS wiberspricht aber ben wirklichen Verhältnisse». In einem Tablean, in welchem bte Neue Zett' sämtliche sozialbemokratischen Blätter aufführt, steht auch berSozialist' friedlich neben bemVorwärts'; auch er wirb also zu be» sozial*

aufgebrochen. Die bewohnten Hänge und Nieder* ungen meidend, mußte auf den Höhen ein Weg ge­sucht werden, ein sauer Stück Arbeit, denn gerade die Bergrälder erschienen oft undurchdringlich. Zwar standen die hochstämmigen Bäume dort lichter, zwischen ihnen verstrickte jedoch die armdicke Kaut­schukliane ihre Ranken mit denjenigen anderer Schlinggewächse zu einem starken Netzwerk, während hohe Baumfarne und witte Bananen da« Unterholz bildeten.

Endlich war der siebenhundert Meter hohe Tangue-Berg erreicht und die drei Männer traten aus dem Walde, um nach der deutschen Farm aus­zuspähen, wo sie Schutz, Obdach und Nahrung zu finden hofften.Run ist'» gewonnen!' ermunterten fie sich gegenseitig, und machten ihre Gewehre zum Abfeuern der üblichen Salutschüsse bereit-

Doch kaum war da» letzte den freien Ausblick hindernde Gebüsch pasfirt, als sie in sprachlos-schmerz« kichern Erstaunen ihre Schritte hemmtm. Epffenhardt hätte laut aufschreien mögen beim Anblick be» vor Kurzem noch so blühenden Anwesen«, denn die schweißgedüngten Felder lagen verwüstet, bk Säm­lingsbeete zerstampft und verdorrt, und wo die sauberen neuen Scheunen gestanden, ragten au« rauchgeschwärzten Trümmerhaufen verkohlte Balken­reste. Rui da» Wohnhau« erschim unversehrt; offenbar machten e» fich jetzt die Mordbrenner darin bequem.

Um möglichst etwa« Über da« Schicksal ihrer Landsleute zu erfahren, gingen Eyffenhardt und Waldhuber mtt dem Reger norstchtig näher, bi» auf der Veranda be» Hause» plötzlich einige weiße Ge­stalten erschienen-

(Fortsetzung folgt )