—
Jahre 1452, daß sie die vom Pfarrer Lontze« In Schweinsberg ihnen testamentsweise geschenkte» 100 Gulden „am Schlafhanse und Rebentur' verbaut hätte». Zwei Spitzbogenfenster zu den Setten einer ArrisfensterS waren in der mit einem Staffelgiebel bekrönte» südlichen Giebelmauer de» RebentuiS a«> gebracht. Km Unterbau derselbe» befanden sich 2 Blenden, die obere schmale enthielt die Statne der heil. Dominika», die untere größere die Kreuzigung Christi in Scnlptur und Malerei.
Dar an der Südwestseite isoliert stehende Hau» stammte au» dem Ende de» Mittelalters, war für den Prior erbaut worden uud mit einem besondere» Eingang vom Hirschberg ans versehe». Ueber dem Hauptthor befand sich da Dopprlwappe», recht» ein Hund und links ein Lamm und eine Lrezzel mit der Jahreszahl 1522.
Km 1. Juni 1527 unterzeichneten 13 Dominikanermönche, an der Spitze der Prior Johannes Affemrot, eine im Sinne der Rdormation ausgestellte Urkunde ließe» sich mit etter gcwiffc» Summe Selb abfinsen und räumten da» Kloster. Die Gebäude und Einkünfte desselben wurden der Universität überwiesen. Erstere erhielt die juristische Fakultät; auch erhielt das im innigste» Zu'ammenhang mit der Uuiverfiät gegründete Pädagogium darin seine» Sitz uud de: Rebentur wurde UuivcrfiätSaula. Im Jahre 1658 wurde der in Marburg entstandenen reformierten Gemeinde die seit Einführung der Reformatio« außer kirchlichem Gebrauch gewesene Domiuikanerkirche da« geräumt; auch wurde sie zugldch Univerfitättkirche. — 3m Jahre 1873 wurde mit dem Kbbruch der alte» Klostergebäude begonnen und auf Grund uud Bode» derselben ein »eueS UuiversttätSgebäude aufgeführt, da» 1891 zur Bollendung gelaugte.
(Fortsetzung folgt.)
Hermann Wertheim»
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Hessen-Nassau und Nachbargebiete
fleffet, 8. Novbr. Weser - Schifffahrt. Die freie Vereinigung der Jntereffente» der Weser- Schifffahrt hat durch die al» ihre «eschäft-stelle fungierende Handelskammer zu Cassel unter dem 22. Oktober d. I. eine sehr umfangreiche und mit ausgiebigem statistische» Material belegte Denkschrift dem Präsidenten der Königlichen Regierung zu Caffel, Grafen Clairon d'Haussonville, in Erwiderung auf einen Erlaß desselben vom 16. November v. I. eingereicht. Die Denkschrift betont die Notwendigkeit einer Vertiefung der Oberweser und schließt: „Wie e» scheint ist die Regierung fest entschlossen, den Rhein-Weser»EIbe>Kanal zur Durchführung zu bringen. Ist dieser Kanal fertig, so muß er die Weser, die gldchsam einen Stichkanal einerseits nach Bremen und andererseits nach Caffel darstellt, in einem leistungsfähige»! Zustande vorfinde», wenn die sehr bedeutenden Frachtmengen, die dieser Kanal vermittelt, auch für die Industrie uud den Handel des ganze» Wesergebiets ftuchtbar sei» sollen. Wir gebe» nnS daher der sichere» Hoffnung hin, das Ew. Hochgeboren un» nach Prüfung der ganze» Frage in »«seren Bestrebungen unterstützen und mit un» dahin wirke» werde», daß der einzige ganz deutsche Strom die Bedeutung erlangt, die ihm nach Lage der Verhältnisse zukommt.'
6<M 8. Novbr. Ertrunken. Der 70Jahre alte Kckerma»» Johannes W. aus Niednurf, welcher seit vier Tage» bei einem hier bedienstete» Kellner z» Besuch weilte, war fdt drei Tage», und zwar so» der Hoheuzollernstraße auS, verschwunden. Der hiesige» Polizei wurde uu» vo» dem Abhanden- V kommen W.'s Anzeige gemacht. Km gestrige« Nachmittag gegen '/z4 Uhr wurde die Leiche de» alten Manne» bei WolfSanger in der Fulda durch eine« Schiffer aufgefuude». Ob ei» Unglücksfall, ein Selbstmord, oder ei» Verbrechen vorliegt, darüber dürfte die eivgeldtete Untersuchung Aufschluß gebe».
Miesöade», 8. Novbr. Der König!. General- Leutnant a. D. Herr Julia» Rudolf Herz bruch Exc., zuletzt Kommandeur von Straßburg, ist gestern Abend im 64. Lebensjahre hier gestorben. Derselbe war geboren am 8. Juli zu Burg bei Magdeburg al» Sohu des Geh. Justizrates und Notars Wilh. Herzbruch.
Verrutschtes.
— Bo» der kleinen Königin Wilhelmine v o » Ho l l a » d, die al» ei» Kind vo» liebenswürdigstem Geiste geschildert wird, teilt man aus dem Haag folgendes allerliebste Geschichtchen mit: Vor Kurzem hatte die Gouvernante, eine Engländerin, namens Miß Saxto», der Königin als Strafarbeit, weil sie ihre Geographie-Aufgabe »icht gebührend gelernt
Das Dominikaner- oder Predigerkloster.
Gegen Ende des 13. Jahrhundert» begannen die Dominikaner- oder Predigermönche sich am südöstliche» Ende der Stadt anznbauen uud mit dem Kircheuchor ; und dem östliche» Flügel de» Kloster» anzufangen. Letzterer enthielt die Sakristei uxd den Rebentur (Speisesaal), und über beiden lag da» Dormitorium (Schlafsaal). An de» östliche» Flügel reihte sich der südliche und au diesen der westliche, welcher sich an die Kirche lehnte. Die Fenster der Klnstergebäude waren meist rechteckig, darunter auch solche mit «reuzstöcke»; 8 Pforte» und Thore wäre» spitzbogig. Die 3 Kl steiflügel bilderen mit d^r Kirche ein Vier eck, in dessen Mitte umgebe» von einem Kreuzgang ei» kleiner Klostergarten sich befand. Die Kloster- gcbäude waren im Osten und Süden durch Futtermauer» geschützt, uud deu Klosterhof umschloß im Weste» und Norde» eine hohe Mauer mit einem Thor.
Die Dominikanerkirchr ist eine gothische Hallenkirche mit nur einem an der Nordsette befindlichen Seitenschiff, flacher getünchter Holzdecke und einem höher gelegene» auS dem Achteck geschloffenen Cho. mit 4 Kreuzgewölbe», worauf ein Dachreiter fitzt. Die Spitzbogeuf-nster habe» meist nur einen an den Fensterboge» anlehnende» Pfosten. Im Chor waren dieselbe» ursprünglich dreiteilig, wie da» an zwei derartige» vermauerten Fenstern a» der Süd feite zu sehen ist. Die Pfosten find durch Spitzbogen mit einander verbunden, das Maßwerk ist aus einem spitzbog'gen und zwei mndbogigen Vierpäffen gebildet. Die Thüren find meist rechteckig. Wegen de» anstoßenden Kreuzganges find die Strebepfeiler an der Südseite des Schiffe» nach inne» gezogen.
In der ersten Hälfte des 15. Jahrhundert» hatte der östliche Flügel eine Verlängerung erhalten. Die Mönche bezeugen nämlich i» einer Urkunde vom
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatter, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in vvrw rv
Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf A.A1Ä; JOOTQ.
Moffe in Frankfun a. M„ Berlin, München u. Köln; G. L.
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin Hannover, Paris.
hatte, die Karle von Europa zum Zeichnen wie zum Kolorieren anfgegebe». Die kleine königliche Hoheit war hierüber sehr ungehalten, welchem Gefühl sie mit den Worte» Ausdruck gab: „ES ist gut — mache» werde ich die Karte, weil ich gehorchet will: aber — Sie werde» schon sehen!' Und die Karte wurde in der Thai gezeichnet und koloriert. Aber wer beschreibt da» Erstaune» der englische» Gouvernante, als sie vahrnahm, daß England auf der Karte einen ganz kleine» Platz einnahm — etwa so groß wie die Balearen-Inseln, und daß e» außerdem vollständig unter einem „Londoner Nebel',, der mit grauer Farbe h rgestellt worden, eingehüllt war. Holland hingegen nahm ein große» Stück des England umspülende» Meeres fort, uud außerdem erglänzte es in de« schönsten Land- und Wafferfarbe»! Die Gouvernante konnte sich eines herzlichen Lachens über diese kindliche Rache nicht enthalten; die kleine Königin aber lachte ihrerseits über die anfängliche Bestürzung der Engländerin, und die Karte machte eine Wanderung durch das ganze Schloß. — Dann aber wurde die königliche Strafarbeit von der Schülerin korrigiert, und der europäische Kontinent nahm wieder fdne ursprüngliche» Dimenfionen an.
— Eine Anti-Kuß-Gesellschaft wird die neueste VereinSgründuag in der englischen Hauptstadt sei«. Unter dem ernsten Titel „Dinge, die uns krank machen', bringt eine neue Zeitschrift, das „Medical Monthly' einen Artikel, der versichert, daß zu jene» gesährlichen Dingen der Kuß gehöre, „Die „Japaner', heißt eS in diesem Artikel, müsse» ein weises Volk sein, da sie nie einander küssen; die Deutsche» sind thöricht, denn sie küssen immer. Unser englische» Vaterland hält sich an eine« Mittelweg, doch wie lange ma« die» überhaupt erlaube» wird, ist ab,»warte«. — 3» England küsse» sich Männer unter einander nicht, uud schon seit mehrere» Jahre» gilt es in de» Zirkel» des Westens alS plebejisch, wen» die LadieS bei einem Feste mit der Wirtin bei Ankunft oder beim Abschiede einen Kuß auStauschiN. Jetzt fassen sie einander nur bei der Hand und Arm aufhebend nicken sie sich unter dem auf diese Art gebildeten, reich mit Juwelen geschmückten Bogen lächelnd zu. Die neue Gesellschaft zur Bekämpfung des Küssens ist in London i« der Bildung begriffen.' Es ist »un gar nicht nett, daß wir Deutsche thöricht find, wie die Japaner, indessen — wenn wir nnS nur wohl dabei befinden!
— Naiv. Räuber (aus dem Wald hervor tretend) „Das Geld oder das Leben!' — Sächfischer
“SubalHen wnb^6i»cb$tien: Mmtt^l^Frnffp^cher Rr. 55. * Jllustrirtes Sonntagsblatt
Araukfnrt a. M., 8. Novbr. 3m Jahre 1848 stand ein hiesiger Kupferschmied auf den Barrikade« iu Frankfurt. Als der Kampf zu Ende war, ging er «ach Südamerika. Dort war ihm da» Glück hold, sodaß er alle« Denjenigen, denen er eine Erinnerung zmücklaffen wollte, sein ansehnliche» Vermögen testierte. Viele Freude erregte eS, so schreiben die „Fr. N.', «l» «»» aus der Hinterlaffenschaft 38 Erben durch ei« hiesiges Bankhaus je 5000 Mk. ausgezahlt werden konnten. Die damit Beglückten find meist Handwerker.
Hieße«, 8. Novbr. Wegen Verdachts der Brandstiftung wurde gestern ehr früherer Knecht des Oekonome» Schwan gefänglich eingezogen. Derselbe ist zwar nicht geständig, die in der Nacht vom 5. auf 6. ds. MtS. niedergebrannte Scheune seines Dienstherr» angezündet zu habe«, e» haben sich aber Anhaltspunkte dafür ergebe«, daß er solches aus Rache auSführte.
Aur dem Kvrlofflhake, 8. Novbr. Ein Pröbchen davon, wa» derBauer in diesem Herbste zu leiste« hat, dürste folgexde Thatsache sein: Nachbar M. schaffte Zuckerrübe» »ach Hanse, an bene» die Erbmasse zolldick haftete. Der letzte Wage» versank im Schlamm, die eine Zugkette beim Hand- Pferde zerriß und der Wage» mutzte, da eS zu späte war Hülfe zu hole«, über Nacht auf dem Felde stehe« bleibe«. Am folgende« Morgen wurde der Wage» vierspännig aus dem Schlamm herauSgezoge» und in die Scheuer gefahren, vorher aber auf einer Brückenwaage gewogen. Die Rübe» lud man in der Scheune ob, reinigte jede einzelne von dem massenhaften Schmutze, lud sie wieder auf den Wagen und bestimmte dessen Gewicht Da stellte e» sich denn heraus, daß 63 Schmutzprozente eingefahren und nm 37 Prozent Rüden waren. Die Herren Städter möge» daraus ersehen, wie geplagt der Bauer ist. Soviel ist gewiß: durch die Erzeugung von Boden- und Molk-reiprodukte», Lieh und Handelsgewächsen wird der Bauer nicht mehr reich, durch den Handel mit diese» Dinge» kann es aber Mancher in kurzer Zeit zu etwas bringen.
Marburg,
Sonntag, 11. November 1894
durch eine eingelegte Holzdccke in zwei Teile geschieden. Die untere Hälfte erhielt nunmehr ihr Licht durch ein in die Südwand gebrochenes mehrtdligeS Kreuzstockfenster.
Frau Elheid Zolner, Großmutter de» Ritters Hdurich Zolner, hatte eine gewisse Summe Geld z» einem Seelgeräte ausgesetzt. 3m 3ahre 1333 machte Frau Hille, die Mutter jene» Heinrich, den ersten Ankauf von ZiuSgefälle» zu diesem Zwecke. 1335 machten der Ritter Heinrich Zolner und der Priester Ludwig von WetterShauseu wettere derarttge Ankäufe »nd zwm, wie eS in den Urkunden heißt, „für den Altar auf dem Rathaus' oder „auf dem Steiner'. 1341 bestätigte der Offizial der Prodstd 2t. Stephan in Mainz de» ihm vom Komtur und den Brüder« de» deutsche» Hause» zu Marburg präsentierten Geistliche« Ludwig vo» Weiterrhanfen für den z» Ehren der 3 Könige geweihte» Altar. 1342 vermehrte Herr Ludwig vo» WeiterShausen da» Beueficium des von ihm belesenen DreiköuigSaltars auf dem Kerner durch Schenkung eine» Gutes zu Morus Hansen bd Gladenbach. 1344 trat der Ritter Heinrich Zolner feinen Rechtsanteil, einen Priester für de» genannten Altar zu präsentieren, an daS deutsche Haus ab.
Ob mtt dem Dreikönigsaltar der Altar in der Krevzkapelle gemeint ist, oder ob er al» ein besonderer Altar im Rathanse gestanden hat, ist aus bin im Staatsarchiv vorhandenen Urkunden nicht ersichtlich. Der letzte für de» Altar der heil. 3 Könige unter dem 7. 3nli 1511 präsentierte Altarist war Herr Heinrich Werner an» Marburg.
3m 3ahre 1684 trat die Stadt dm Kerner zu einer Dienstwohnung für ben zweiten Pfarrer, Ekklefiaste», an bei lutherischen Pfarrkirche ab, wobei ba» obere Geschoß durch Umbau seine jetzige Einrichtung erhielt. 1878 wurde die Kreuzkapelle restamiert und mtt neuen Glasfenstern versehe». I
Mittelalterliche Baugeschichte der Stadt Marburg.
11) (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Der 8 er »er.
Zur Aufnahme der auf dem Pfarrkirchhof au»gr grabene» Totengebeine war Im 13. Jahrhundert östlich der Pfarrkirche rin BeinhauS, Kerner genannt, erbaut worden. Dieser einfach gothische, rechteckige, an» Sandstein ansgeführie und an der Südseite der Ritterstratze sich hinauf erhebende Bau, dessen hohes Dach einst ein Dachreiter schmückte, besteht aus zwei über einander liegende» Geschossen, die durch d« Kreuzgewölbe geschieden find. Das untere Geschoß, | t» welchem die Totengebeine gesammelt wurden, erhielt sei» Licht vo» Süde» und wurde vo» Westen mittelst einer Spitzbogenthür betreten. Da» obere Geschoß, Rathau», bildete anfänglich dne von 5 zwei- triligen Spitzbogenfenster» a» der Nord-, Süd- und Ostseite und von einem KreiSfenster an der Westseite beleuchtete Kapelle. In dasselbe gelangte man vom Kirchhof aus durch dne Spitzbogenthür mittelst einer 1 bedachte» Treppe über ein an die Westseite des untere» Geschosses sich anlehnende» Gewölbe und durch ei» über demselben sich erhebende» mtt einem Dache versehenes Stockwerk, Vorhäusche» genannt.
Da» durch 2 Spitzbogenfenster — von denen da» brettere östliche mit Maßwerk dem 14. Jahrhundert angehört — beleuchtete untere Geschoß war in eine hdl. Kreuzkapelle umgewandelt und mit einem Kltar versehe» worden. Zur Aufnahme der Knochen hatte man i» bet Kapelle dne« steinerne« Behälter ««gebracht, für den die Spitzbogenthür als Eingang verblieb, »ährend für den Eingang zur Kapelle eine - rechteckige Thür in die Südwand gebrochen wurde.
3m 15. Jahrhundert wurde da» Rathausgeschoß