Einzelbild herunterladen
 

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

BerMtwortlicher Ätbatttxr: Harry Fiukiug in atttbxt». 9kbdtion nnd Srpedttion: Markt SL Fernsprecher Nr. 65.

*** Rtbafrton inb^: MaE^Ä^FerÄp«cher Nr. i* * Jllustrirtes Sonntagsblatt

JK 255.

Erscheint täglich «eher u äSträag« noch K»«n» nnd Yeisrtngm. Oxartal-Ub«nu»«vtt».Prei» bei der Uxpe- töte« S SH., bei eßen P»SS»teru S KL 81 »ft (exkl. Bestellgelds JuserattonSgebühr für bte grspeltrne Zeile «der deren Stets« 10 Pfg., xelUsm für Sir Z-Sr W Pf»

Marburg,

Mittwoch, 31. Oktober 1894.

Anzeige» nimmt entgegen die Expedition dieser »lette», sowie die Armoncen-Bureanr von Hnasenstetn u. Vogler in .

Frankfnrt «. M., Gaffel, Magdeburg und Men; Rudolf XäIX: cr-abra. Moffe in Frankfurt tu M., Berlin, München u. Köln; G. L M *1

Daube m 6». in Frankfurt«. Mi, Berlin, Hannover, Parisi

Erstes Blatt.

Die Aufgaben der neuen Männer.

* Marburg, 30. Oktober 1894.

AuSBerlin wird uns unter dem gestrigen Datum von hochgeschätzter Sette geschrieben:

»Wenn ich Ihnen am Samstag Mittag tele« graphierte, daß Fürst Hohenlohe das Reichskanzler- ernt und das preußische Ministerpräfidium übernommen habe, so halte ich diese Mitteilung auch dem offiziösen Depeschenbureau gegenüber aufrecht, welches die Zusage deS Fürsten erst auf den gestrigen Bormittag ansetzti Die Bermutung, daß eS unseren Kaiserlichen Herrn ein großes Aufgebot von Ueberredung gekostet habe, den Fürsten an Seine Sette zu ziehen, finde ich in Zeitungblättern durch Hinweise auf das hohe Alter des neuen Reichskanzlers und den großen Unterschied in seinen bisherigen und zukünftigen GehaltS»erhältniffen gestützt. Gewiß, bei anderen mögen solche Rücksichten in betracht kommen, bei einem Fürsten Hohenlohe, der stets seine ganze, volle Kraft bis zum äußersten in den Dienst des Vaterlandes zu stellen gewohnt war, kann von derartigen Erwägungen nicht die Rede sein. Las wird jeder zugeben, der diesen Mann kennt. Wohl hat er in seiner vornehmen Bescheidenheit die Frage auf­geworfen, ob Majestät keine geeignetere Straft finden würde, der lebhaften Verneinung dieser Frage ist aber unverzüglich die Zusage des hohen Patrioten gefolgt. Herr v. Köller schloß stch in jeder Beziehung dem Fürsten an, und es ist zweifellos, daß letzterer bei jenem nicht nur treueste Kollegenschaft, sondern auch eingehendstes Verständnis finden wird.

Ehe wir uns nun klarmachen, was wir von den neuen Männern erhoffen und wünschen,' dürfen wir nicht ver­kennen, baß dieselben einen schweren Stand haben werden, steilich nicht in dem Sinne Eugen Richters, der dies in feiner Zeitung dem Fürsten Hohenlohe hinsichtlich eines Vergleichs mit seinem Vorgänger prophezeit. In diesem ginne war vielmehr die Stellung Caprivis gegenüber dem Fürsten Bismarck eine schwierige. Mit dem nunmehr von der politischen Bühne abtretenden Kanzler jedoch dürste der Nachfolger unschwer einen Vergleich aushalten können. Andrerseits aber war eS für Herrn v. Caprivi wieder eine verhältnismäßig leichte Aufgabe, das wohlgeordnete Erbe de« Altreichskanzlers Macht und Ansehen nach außen, ein hohes Maß von StaatSautorttät und eine hochgradige Entwicklung im Inneren angutreten und auf diesem Grunde »etter zu Bauen, während sich dem Nachfolger des Grafen Caprivi an der Schwille feiner neuen Wirksamkeit ein sehr wenig einladendes Bild da» Ansehen de» Deutschen Reiche» beim Auslande ttn Rückgänge begriffen, He inneren Verhältnisse in großer Verwirrung und Zersahrenhett darbietet. Nun, so sehr uns auch diese Zustände mtt banger Sorge erfüllen müssen, wir können steudig unser Herz in Hoffnung schlagen lassen, denn die

An Philippina*).

Auch ich gehörte einst zu deinen Schülern, E» lebte bene stch in Sau» und Brau». Mr sangen oft da» Burschenlied von Mühlern Grad' au» dem Wirtshaus, da komm ich heraus. Ach wohin ist die gold'ne Zeit entschwunden, Am Knüppel find Philister festgebunden.

Doch bleibt vom luftigen Studentenleben Gar vieles der fidelen Burschenschar. Erinnerung und Hoffnung ist gegeben Auch dem Philister, hold und wunderbar. 3n beiden schwärmt er froh in Feierstunden, Fühlt fich, wie einstens, frei und ungebunden.

Gedenket fröhlich der vergang'nen Zeiten, Die ihm die Philippina einst geschenkt Und rote so wehmutvoll bei seinem Scheiden Die bunte Burschenmütze ward geschwenkt, Doch auch die Hoffnung kommt in» alte Herze: Duld blühen auch dem Sohn die alten Scherze.

Schon fieht er ihn zur Philippina ziehen 3m fröhlichen Studentenübermut, Sie ihm zu Marburg schnell die Stunden flichm, Sil auch der Sohn gewinnt den Doktorhut.

3a in Erinn'rung, wie im ftohen Hoffen Ekht Philippina dem Philister offen. E. Bp.

*) Obiges hübsche Gedichtchen wird un8 von einem titen Herrn der Universität Marburg au» der Provinz Hannover übersandt, deffen Sohn in diesen Tagen als Fuchs

*er eingetroffen ist.

Männer, welche das Zeug haben, diese Erbschaft anzutteteu, find da! Fürst Hohenlohe ist Diplomat, ist Staats­mann, er hat eine Entwickelung durchlaufen, die dem Werdegang des Herrn von Bismarck ähnelt, er hat als Diplomat durch seine vornehme Ruhe und Besonnenheit, feinen klaren Blick und sein festes Rückgrat Erfolge erziilt, er hat als bayerischer Minister sich int Kampfe mit den Parteien bewährt, er hat in der Regierung und Verwaltung der Reichslande eine glückliche, ebenso feste wie geschickte Hand gezeigt. Alles das find Vorbedingungen, die ihn zum Kanzler des Deutschen Reiches gerade in dieser schweren Zett wie geschaffen erscheinen lassen, und daran ändert auch sein Atter nicht das geringste. Man frage nur in Straßburg an zuständiger Stelle nach, und man wird erfahren, daß Fürst Hohenlohe trotz seines hohen Alters an Ausdauer in geistiger wie körperlicher An­strengung dem Jüngsten nichts nachgiebt. Herr v. Köller wiederum ist ein Mann, wie wir ihn nament­lich für die Verhältnisse im Innern brauchen, ein Konser­vativer von altern Schrot und Korn und zwar nicht nur im partettechnischen Sinne de» Wortes, ein Mann von rückfichlloser Energie in der Vollkraft seiner Jahre, ein geschickter, schneidiger Debatter. reich an Kenntnissen und Erfahrungen in politischer, verwaltungtechnischer und wirt­schaftpolitischer Beziehung. Er war in Frankfurt wie in Straßburg hochbeliebt, und seine Thätigkeit sowohl als Polizeipräsident, wie auch als Unterstaatssekretär hat schöne Erfolge gczeittgt.

Die beiden neuen Männer bieten also in ihren Persön­lichkeiten alle Garantien für eine ersprießliche Entwickelung der Geschicke unseres Vaterlandes; beide verfügen über einen reichen Schatz von Kenntnissen und Erfahrungen, ihr guter Wille, ihre Talente und Fähigketten haben viele Proben glänzend bestanden, endlich stellt das unter den beiden Herren vorhandene gegenseitige Verstehen ein einiges, zielbewußtes Handinhandarbciten in Aussicht.

Ich hatte die Absicht, mich über die Aufgabe der neuen Männer auszusprechen, über die Wünsche und Hoffnungen die der deutsche und preußische Patriot ihnen entgegenbringt; ich habe mich etwas lange bei der Einleitung aufgehalten. Jedoch glaube ich, daß wir in der Politik zunächst »nach Nam und Art' derjenigen fragen müssen, an die wir uns mit unseren Wünschen rwd Hoffnungen zu wenden haben, damit wir wissen, ob es überhaupt Zweck hat, unseren Wünschen Ausdruck zu geben. Meine Darlegungen haben gezeigt, daß wir vertrauensvoll den kommenden Tagen ent­gegensehen dürfen. In der Hauptsache kann ich mich darauf­hin kurz faffen. Wir hoffen, daß das während der Aera Caprivi gesunkene Ansehen des Deutschen Reiches in der großen auswärtigen Politik dadurch wieder gehoben werden möge, daß das Reich seiner Stellung entsprechend mit Festigkett und Energie auftritt und in den politischen Welt­händeln nachdrücklich mitrebet. Wir wünschen ferner, daß unsere Landsleute in fernen Weltteilen in Zukunft wieder inne werden mögen, daß es von Wert ist, ein Deutscher zu sein, daß sie Schutz und Rückhalt an ihrem Vaterlande haben, daß ihre Jntereffen, die ans jenen vorgeschoben« Posten

Kmrst rmd GttttK. *)

Roman von GertrndFranke-Schievelbein.

68) (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzmig.)

Des Abends, wenn er im letzten Tagesschein fein Werk betrachtete, ging« ihm wohl durch den Sinn: Wird e» auch gefallen? Es war doch anders, als alles, was bisher für schön galt . . . Da« Ringen seiner Seele nach Kraft und Freiheit sprach so deutlich daraus . . .

Dann aber reckte er im Schöpferstolz feine breite Brust: .Ich mach t8 fo!*------

Außer den blühenden und verblühenden Büschen der Garten» sah Pietro durch da» große Fenster der Werkstatt noch etwa» Andere»: Der Herr Direktor Franz Remmert kam jeßt fast täglich ins Hau».

Zuweilen erschien er in Gesellschaft der Familie im Garten. Meist führte er Frau Normann. Ein- mal ging er an Susannen» Sette durch die buschigen Wege. Sie sprachen angelegentlich zusammen. Susanne sah nachdenklich au». Zuweilen lächelte fie zerstreut.

Und Pietto blickte ihnen nach. Seine Zähne hatten fich in die Lippen gegraben. Wie Wetter­wolken lag e« auf seiner Stirn. Run warm fie hinter den dichtm Taxusbüschen verschwunden.

*) Die Fortsetzung der Erzählung »Drei goldene Samstage' befindet fich im zwettm Blatt.

mit den Jntereffen des Ganzen identisch sind, ohne Furcht und Tadel gewahrt werden. Wir erwarten endlich eine energische Förderung unserer Kolonialpolttik, die unS so not thut wie da» Hebe Brot. Unseren Wünschen für das Ge­deihen des Reiches nach außen hin, steht eine Reihe von Erwartungen für das Gesunden der inneren Verhältnisse zur Seite. Die Autorität des Staates ist zu stärken, namentlich in den Landesteilen, die eine zum Teil fremdsprachige Bevöl­kerung aufweisen. Den zersetzenden und unterminierend« Bestrebungen der Umsturzparteien ist entgegmzuwftken. Man hört vielfach die Meinung äußern, daß die gesetzliche Be­kämpfung den staatfeindlichen Parteien niemals schade. Dem ist entgegenznhalten, daß wir auf diesem Gebiete zu wmig Erfahrungen haben. Trotz meiner Bewunderung für das Genie des Fürsten Bismarck war ich entschiedener Gegner seines Sozialistengesetzes. Es schien mir in mancher Beziehung nicht das Richttge zu tteffen und int ganzen zu streng zu sein. Die Zeiten find ernster geworden und ich würde das Bismarck'sche Sozialistengesetz abgesehen von seinen sonstigen Mängeln heute für nicht ausreichend erachten. Es kommt ganz darauf an, m t e man die Umsturzparteien bekämpft. Spezielle Vorschläge zu machen dürste hier nicht meine Sache fein; hoffen wir, daß die neuen Männer das Richtige treffen mögen. Wollen wir für Religion, Sitte und Ordnung eintreten, so dürfen die Rechte derselben keine vagen Begriffe bleiben, sondern müssen autoritative Bedeutung erlangen. Hand in Hand mit der gesetzlichen Dämpfung der sozialrevolutionären Um­triebe aber muß die Besserung der sozialen und wirtschaft­lichen Verhältnisse im Deutschen Vaterlande geh«. Wirt­schaftlicher Nationalismus und weiterer Ausbau unseres Kaisersozialismus müssen sich in dieser Hinsicht das Gleich­gewicht halten. Die Erfüllung des Rechtes auf Arbeit in den Formen wie sie für unser Staatswesen paffen, und die wirtschaftliche Hebung der Arbeiter müssen in konsequenter Befolgung der bisher beschrittenen Bahnen der Kaiserlichen Sozialpolittk unablässig an gestrebt werden. Auf der anderen Seite aber muß durch eine entschiedene nationale Wirtschaft­politik dafür gesorgt werden, daß die deutsche Industrie und Landwittschast konkurrenzfähig bleiben. Namentlich an der Landwirtschaft muß gut gemacht werden, was an ihr gesündigt worden ist, denn die Blüte der nationalen Landwirtschaft bedingt, so wie die Dinge bei uns in Deutsch­land liegen, die gesunde Fortentwicklung des gesamten nationalen Wirtschastlebens. Alles in Allem: Es darf nicht gebaut und zur Gewinnung der Bausteine an anderer Stelle umgerissen werden, wie dies unter dem Regime Caprivi der Fall war, es muß viellmehr allenthatbeu gleich­mäßig organisch wettergebaut und die Bausteine müflen den natürlichen Schätzen der Entwickelung eines konsequenten nationalen Wirtschaftsystems entnommen werden!

Das sind in großen Umriffen die Wünsche und Hoffnungen, die das deutsche Volk den neu« Männern entgegenbringt. Ihre Einzelheiten zu betaiflieren wird sich in nächster Zeit reichliche Gelegenhett bieten. Zunächst aber müssen wir uns alle aus dem bislang nicht unberechtigten Pessimismus aufraffen und in froher Hoffnung auf die kommende Zeit zusammen- tehen, um unter Hinwegsetzung über Kleinlichkeiten mttzu-

Endlich wandte er sich wieder zu seiner Arbeit. Iber da» Modellierholz, das er in den Händen ge­leiten hatte, war mitten durchbrochen, ohne daß er es gemerkt hatte.

So verachtm Sie fich hatte fie ihm einmal mit ihrem süßesten Lächeln gesagt.

Ja, auf dem Punkte war er. Er kannte fich elber kaum noch. Welch ein Schwächling hatte die Leidenschaft au» ihm gemacht!--Er wußte er:

Franz Remmert würde nicht kommen, wenn fie nicht auch ihn mit Hoffnungen hinhiefte. Er wußte e» und liebte fie nur noch toller, heißer einer eigenen ehrlichen Natur zum Trotz.

Im Hauptsaal de» Ausstellunggebäudes stand die »Verschleierte*, öon 0tünem Laubwerk umgeben, auf dem Ehrenplatz. Unbestritten war Pietto Castellis Werk die Krone, the great attraction der diesjährigen Einsendungen.

Ah, die schöne Normann!* So tönte es laut und leise in allen Stufenleitern de» Entzücken» und der Bewunderung vor dem Maruwrbilde. Wer fie nicht kannte, fragte herum und erhielt bereitwillig Antwort.

Ja der, dem die anerkannte Schönheit die guld erwies, zu einem Bildwerk, da» nicht ein bestellte» Porttät war, ihre Züge zu leihen der mußte schon ein hervorragender Künstler fein!

'Und ein junger Künstler?*

arbeiten an der Große und dem Wohle des Vaterlandes, mit Gott für Kaiser und Reich!"

Politische Rundschau.

* Marburg, 30. Oktbr. 1894.

Der Reichs- und Staats-Anzeiger macht heute amtlich ben Persoualwechsel ix bei «emtern des Deutschen Reichskanzlers, Preußischen Miuisterpräfideuteu und Ministers des Innern, wie folgt, bekannt:

Seine Majestät der Kaiser und König haben Allerguädigst geruht:

dem Reichskanzler, Staatsminister und Minister der auswärtigen Augelegenhetteu, General der Infanterie Grafen von Caprivi unter Verleihung de» hohen Orden» vom Schwarzen Adler mit Brillanten,

sowie dem Präsidenten des Staatsministerium» und Minister deS Innern Grafen zu Eulenburg unter Belassung des Titels und Ranges eines Staats­ministers, sowie unter Verleihung des Kreuzes und de» Sterns der Großkomthure des Königlichen Haus- Orden» von Hohenzolleru mit Brillanten die nach- gesuchte Entlassung aus ihren Aemteru zu erteilen

Allerhöchstihren Statthalter in Elsaß. Lothringen Fürsten zn H o h e« lo h e - Schilliug s fürst, Prinzen von Ratibor und Corvey, zum Reichskanzler Präsidenten des Staatsministeriums und Minister der auswärtigen Angelegenheiten und

den Unter - Staatssekretär im Ministerium für Elsaß-Lothringen von Köller zum Staatsminister und Minister des Sonern zu ernennen.

Zur Geschichte der Krise.

Die »Post* schreibt offiziös: »Freisinnige Blätter vom Sonntag bringen einen Artikel »Zur Geschichte der Entlassung Caprivis*, zu dessen Richttgstellung wtt Nachstehendes beizutragen in der Sage find.

1. Graf Eulenburg war in der Staats- Ministerialfitzung am Freitag, dem 19. d. Mts., keineswegs isoliert, vielmehr mtt den übrigen Ministern bemüht, eine Einigung herbeizuführen, welche auch gelang.

2. Die ostpreußische Deputation hatte stch zu Anfang der Woche an da» Hofmarschallamt mit der Sitte um Vermittelung einer Audienz ge- wandt und darauf, bevor der Ministerrat am 19. d. Mts. stattgefunden hatte, den Bescheid erhalten daß die Audienz bewilligt und auf den 20. festae- setzt sei. 1 '

3. Graf Eulenburg war zurIagd inLieben- berg nicht eingeladen. Er begab fich dorihix erst Mittwoch stüh auf telegraphischen Befehl deS Kaisers.

4. «ras Eulenburg hat fich bet dem Kaiser über die Haltung der »Caprivi-Offiztösen* nicht beschwert, insbesondere nicht über ben bekannten Artikel ber »Köln. Ztg.*

»Ja, ein stattlicher, schöner, vielversprechender Mensch."

Man lächelte, man munkelte ... ein kleiner Roman war bald fertig. Diese Augen! Der ost mißbrauchte Ausdruck »unergründlich* war der einzig paffende für fie der geheimnisvolle Reiz ve» halbverhüllten Hauptes der goldige Reflex des Schleiers (in feiner durchsichtigen Feinheit ein Meisterstück der Technik) ...

Man sah im Katalog nach: die Verschleierte? Das sagte so wenig, da« ließ der Phantasie unendlichen Spielraum! Und nun rätselte man- was hat der Künstler gemeint?

»Er hat uns die dämonische Macht weiblicher Schönhett verkörpern wollen,* stand im Feuilleton der ersten Zeitung zu lesen.

Ein Lächeln huschte um Peters Lippen, als es ihm vor die Augen kam.

Was grübelten fie berat? Gedacht hatte er a gar nichts weiter. Nur was da vor ihm blühte und lockte, mit allen ©innen hatte ers eingesogen und getränkt mit seinem Herzblut wieder- ;egeben. Am Ende war das der »undefinierbare sieiz* seines Werke», von dem er bi» zum Heber» druß hörte. Die klugen Herren mußten» ja wiffen.

Susanne war eitel Huld und Stolz.

Nun? Hab ich zuviel gesagt?' triumphierte fie.

(Fortsetzung folgt.)