öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Zweites Blatt
Mark schuß gegen sicher
SerLM»/»ttlich<r 8i:beftexr; Hurrh Fiakivg in Äerbxre- SiÄLÜi»« «ab SrprLitiou: R«rkt il. Fernsprecher Nr. 56.
UM die Kosten einer Isolierbaracke zu bestreiten. Die Eiuuahme» der Vrrpflegungkoste» wurden um 1000 Mk. erhöht, ebeus» die Speisekosten um 1200 Mark, da für 1895 eine tägliche Dnrchschnittbelegung von 47 Kranken angenommen wird. De» Dirigenten wurde ehe persönliche Zulage von 300 Mk. bewilligt. Ferner wurden für 2 Krankenpflegerinnen, Vergütung 480 Mk. freie Verpflegung (in natura) 600 Mk. eingestellt, dagegen zur Vermehrung des Wartepersonals anstatt 360 nur 120 Mk. eingestellt. Mit diesen Abänderungen wurde sodann der Voran schlag genehmigt. — Ueber den Voranschlag der Einnahme» und Ausgabe» des Lalldkrankenhauses zu Fulda für 1895 berichtete Bürgermeister Locke-
Pauschquantum von 15,400 M. für unvorhergesehene Fälle und Mehrkosten der Belegung des neuen Krankenhauses zur Verfügung des Landes-Direktors einzustellen. Hieraus werden alle durch die Belegung der neuen Anstalt auf dem Möncheberg veranlaßten Ausgaben und Mehrkosten gedeckt werden können. Dem diesmaligen Voranschlag sei deshalb ebenso wie für 1894 eine tägliche Durchschnittsfrequenz von 225 Kranken zu Grunde gelegt worden. Die mit Belegung der neuen Anstalt jedenfalls eintretende Steigerung der Frequenz, die komplizierter werdenden Geschäfte 2C. der Anstalt erfordern aber nach Ansicht des Landesausschusses dringend eine Aenderung der Verwaltung-Organisation dahin, daß an Stelle des Bureaubeamten ein besser vorgebildeter und demgemäß auch besser besoldeter Sekretär tritt. Da eine solche Stelle im Normal-Gehabs-Etat nicht vorgesehen ist, wird vo« Landes-Ausschuß die 61»- reihu»g derselbe» beautragt. Die Bezüge dieses »eu auzustelleudeu Sekretärs sind in dem obige» Pauschquautum von 15400 Mk. mit vorgesehen. Ferner wird vom LaudeSausschusse beantragt, deu wiederholte« Anträgen deS Direktors stattzugebeu und daS Sehalt des zweite» Arztes und Dirigenten der innere» Abteilung, Herr» Dr. Rofenblath vom nächsten Jahre an auf 3000 Mk. erhöht werde. Der Voranschlag stellt sich i» Einnahme und Ausgabe auf die Summe vo» je 153 660 Mk. gegen 146170 Mk. im laufenden Etat und erfordert eine» Zuschuß aus der LandeShauptkasfe vo» 96900 Mk. gege» 89470 Mk. im Vorjahr. Der Berichterstatter Dr. Endemanu begründete die einzelnen Anträge deS Näheren und beantragte im Namen des Haupt- ausschuffeS, den Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben des Landkrankenhauses zu Bettenhausen zu genehmige», und weiter z» beschliche», daß die Stelle eines Sekretärs bei Regelung des Neubaues geschaffen werde und dieselbe in Position 20 des Monats - Etats eiugereiht werde. Diese Anträge wurde» »ach kurzer Debatte angenommen. — Ueber >en Voranschlag der Einnahme» und Ausgaben des Landkra»keuhauses zu Eschwege für das Jahr 1895 rerichtete Herr Regierung-Assefsor von Ditfurth und beantragte im Namen des Haupt-Ausschusses Genehmigung. Der Voranschlag balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 35 216 Mk. gegen 26 626
im laufenden Etat und erfordert einen Zu- auS der Laudeshauptkaffe von 28 868 Marl 21278 Mark bisher. Ein außerordeut Betrag vo» 10000 Mark ist eingestellt,
118 Zöglinge, bis Ostern wird diese Zahl dieselbe sei», dann aber aus 106 finken, weil 12 Zöglinge entlasse» werde», »eue Zöglinge aber nach dem vom vorigen Kommnnallaudiaze genehmigten neue» Unter« richtSsystcme nicht werden ausgenommen werde». Die Ei»rahmeu aus Veipflegungkosteu mußte» um 1100 Mk. ermäßigt werden. Der Voranschlag wurde gutgeheißeu. — Ueber de» Voranschlag der LandeSbtbliothek zu Fulda berichtete Herr LaudeSrat Dr. K»orz und beantragte Genehmigung. Der Vor« anschlag balanciert mit 6070 Mk. Bei deu persSu« lichen Ausgabe» komme« die Bezüge der gestorbe»e» Bibliothekare von Keitz nud F. Zwenger in Fortfall, für den mit Versehuug der Geschäfte deS Bibliothekars beauftragten Herrn Dr. Eeelig find aber 2400 Mk. eingestellt. Für die Errichtung eine» Archivs sind 250 Mk. eingestellt, eS solle» dari» die wertvollen Werke rc. ausbewahrt werde«. Der Voranschlag wurde genehmigt. Ueber die Vorlagen deS LandeSausschusses, betreffend die Krankenhäuser deS Kreises Schlüchtern, berichtete »amens deS Hauptausschusses Herr Regierurgaffeflor vo» Ditfurth und beantragte: „Hoher Kowmuuallaudtag wolle sich de» Bericht über die Revision der Krankenhäuser deS Kreises Schlüchtern zur Nachricht diene» lafle» und dem Kreise Schlüchtern zur Unterhaltrmg des Kreis- Krankenhauses Steinau eine» Zuschuß vo» 500 Mk. für das Etatsjahr 1895 gewähren". Dieser «»trag wurde angeuowmc». — Ueber den Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben der JnewHeilaustalt zu Marburg für daS Jahr 1895 berichtete Herr Sanitätrat Dr. End:marn. Der Voranschlag nimmt eise tägliche Durchsch«ittfrequenz von 50 Kranke» erster, 25 Kranke» der Mittelklasse und 180 Kcanken der zweiten Klaffe mn. Gege» seither ergiebt das einen Ausfall von 20 000 Mk. Verpflegungkosten, andererseits entstehe« an de» Speisekekosteu Ersparnisse vo» 4000 Mk. Der Voranschlag, welcher i» Eiuuahme und Ausgabe mit 268 900 Mk. balanciert und eine« Zuschuß vo« 111500 Mk. (gege« 59 900 seither) erfordert, wurde genehmigt. — Zu« Schluß wurde der Voranschlag deS Landes Hospitals Haina für daS Jahr 1895 berate». Als Berichterstatter fungierte« die Herre« Landrat vo» Schenck- Witze»hausen und Landforstmeister a. D. von Bauwbach. Beide Herren beantragte» Genehmigung, die auch vom Landtage erteilt wurde. Zugleich wurde mitgeteilt, daß die vom vorige» Landtage gefaßten Beschlüfle in Bezug auf aiderweite Orgauisatiou der Oberförstereie» aus- geführt worden sind. Die Oberförster habe« jetzt Geschäftsordnung u«d Funktion wie König!. Ober- förster und deshalb wird beantragt, dieselben auch in ihre» Gehaltsbezüge» mit de» Köuigl. Oberförster» gleichzustellen. Darnach beträgt das GehaltS- min mum 2100 Mark und das Maximum 4500 Mark. Dieser Antrag wurde angenommen, ebeuso der weitere Antrag, den Landes-Ausschuß mit den erforderlichen Abänderungen im Normal-SehaltS- Etat zu beauftrage». Damit war die heutige umfangreiche TigeSordnung erledigt, und die Sitzung wurde geschloffen. Die »ächste Sitzung wird vorausfichtlich Montag stattfinde».
Eschwege und beantragte denselben mit den nötig gewordenen Abänderungen zu genehmige«. ES it eine tägliche Durchschnittbelegurg vo« 110 Kranken angenommen, die Berpflegungkoste« wurden um 1000 Mark erhöht. Bei de« Baukoste« sind 6900 Mit. wehr als seither eingestellt, eS sollen neue Platten in de« Flure« deS Erdglschoffes, I. und II. Stockwerkes gelegt, die Gebäude und die Kapelle «»gestrichen werde», ferner soll ein zvester Dampfkeffel und zwei Regulier-Füllöfe« augeschaff: Verde». Der Voranschlag, welcher i» Einnahme und Ausgabe mit 79 050 Mk. balanciert und eine» Zuschuß vo» 38460 Mk. (gege» 30 980 im Vorjahre) erfordert, wurde genehmigt. — Ueber de» Voranschlag deS Landkrankenhauses zu Hanau für 1895 berichtete hierauf Herr Regierung - Assessor vo» Ditfurth und beantragte namens deS HauptauSschuffes Genehmigung. Der Voranschlag stellt sich in Einnahme und Ausgabe tuf je 81300 Mk. (gegen 82 040 Mk. i« Vorjahre) und erfordert einen Zuschuß vo» nur 47,090 Mk. (gegen 48,700 Mk. bisher) aus der Landeshauptkaffe. Die Speisungkosteu konnte» um 2000 Maik geringer augesetzt werden. ES wird eine tägliche DurchschnitrSbelegung vo» 130 Kranke« aug nomme». Die im Extra Ordinärium vorgesehene Beschaffung eines neue» Dampfkessels soll mit Rücksicht auf die in Ausficht flehenden Neubauten nur im Fall größter Dringlichkeit ausgeföhrt werde». Der Voranschlag wurde genehmigt, ebenso derjenige de» La»dkranke» Hauses zu Hersfeld für 1895, worüber Herr Bürgermeister Bocke-Eschwege berichtete. Derselbe beantragte NameuS des HacptauSschusses Genehmigung des Voranschlags und ferner, z r Verwendung der Ueber- schüfst der Verwaltung deS Landkrankenhauses aus dem Jahre 1893 zum Ban einer Isolierbaracke da selbst, sowie zur Anschaffung einer Töcker'sche» Baracke nachträglich Genehmigung zuertetlen. Ter Voranschlag balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 42,596 Mk. (gegen 35,883 Mk. seither) rnd erfordert einen Zuschuß vo» 30,336 Mk. ans der LandeShauptkasfe(bisher26,126 Mk) Zur Bestreitung der Koste« für die Fertigstellung der Isolier-Baracke ist ei» außerordentlicher Verlag von 4496 Mk. ein gestellt. ES wird eine tägliche DnrchschntttSbelegung vo» 88 Kranke« angenommen. Der Landtag ge nehmigte den Voranschlag einschließlich der Neuerungen Herr Bürgermeister Bocke berichtete auch über den Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben des Laud- krankeuhanses zu Schmalkalden. Derselbe stellt sich auf e 14 647 Mk, und erfordert eine» Zuschuß vo« 9642 M. gegen 9942 Mk. seither. ES wird eine tägliche Durchschnittsbelegung von 23 Kranke» angenommen. Bei den Einnahme« konnte» 1000 Mk. Verpflegung koste» mehr angenommen werden. Der Voranschlag wurde genehmigt. — Ueber den Voranschlag der Einnahme» und Ausgaben der Taubstummen-Anstalt zu Homberg für das Jahr 1895 berichtete sodann Herr Bürgermeister Staiger - Fritzlar. Der Voranschlag balanciert mit 73,030 Mk. (gegen 68,570 Mk. seither) und erforbirt einen Zuschuß auS der Landerhauptkaffe vo« 68,984 Mk. (seither «ur 63,424 Mk.) Für die Erbauung einer Turnhalle rnd 7500 Mk. eingestellt, ebenso für Gehaltserhöhungen 1200 Mk. Die Anstalt zählt zur Zeil
Kommunallandtag für Kurhessen
(Spezialbericht der „Oberhessischen Zeitung.")
Ms. Cassel, 27. Oktober.
Die heutige zweite öffentliche Plenarsitzung des KommuuallandtagS begann kurz «ach 10 Uhr. Der Vorsitzende Herr Kammerherr von der Malsbnrg- Escheberg eröffnete dieselbe mit einige» geschäftlichen Mitteilungen, worauf »ach Verlesung und Genehmi gung des vorige» Protokolls Herr Landrat Dr. Knorz eine Anzahl weiterer Vorlagen, welche dem Kommunallandtage zngegaugeu sind, verlas. Sodann wurden als stellvertretende Schriftführer die Herre« Regieruugaffessor vo» Diffmth-Rinteln und Rittergutsbesitzer Deichmann-Lembach gewählt. Danach berichtete Herr Abg. Rausch »amenS des Legitimation- ansschuffeS über die Prüfung der vorgenommenen Neuwahlen der Herren Abgg. Oberbürgermeister Dr. Gebeschuß-Hanau, Freiherrn vo» Stamm-Ramholz (für den Kreis Schlüchtern) und Landrat Dr. Hagen Schmalkalden und beantragte, da nichts zu erinnern gefunden, die Wahle» als gültig zu erklären. Der Landtag stimmte z»; hierauf wurde über verschiedene Eingabe» im Namen deS EiugabenausschuffeS seitens deS Abg. Bürgermeisters Wiuter-Homberg berichtet »nd dabei vnrden vom Landtage die Anträge des Ausschusses zum Beschlüsse erhoben. Unter anderem wurde daS Gesuch der Bibliothekare der hiesigen städtischen Landesbibliothek um Aenderung ihrer Titel dem Landtage zur Genehmigung empfohlen mit dem Anträge, den Landesausschuß zu beauftrage«, die erforderlichen Schritte bei der Köuigl. StaatS- regierung cinzuleiteu. DaS erwähnte Gesuch geht dahin, dem ersten Bibliothekar den Titel „Direktor", de« zweite» Bibliothekar de» Titel „Oberbibltothekar" und dem dritteu Beamte» deu Titel „Bibliothekar" zu verleihe«. Der Landtag gab dem Anträge des AnsschuffeS statt. Ueber verschiedene Gesuche einzelner Beamten um Gehaltserhöhung wurde auf Antrag des EingabenauSschuffes zur Tagesordnung über- gegangen.
Hierauf wurde in die Tagesordnung eiugetreten; eS berichtete zunächst Herr Sanitätrat Dr. Ende- mann-Caffel über den Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben des Landkrankenhauses zu Bettenhausen für das Jahr 1895. Die Aufstellung dieses Voranschlags bereitet dieses Mal ganz besondere Schwierigkeiten, weil int Laufe des Jahres 1895 die Belegung des neuen Landkrankenhauses auf dem Möncheberg zu erwarten ist. Dasselbe soll bekanntlich die bisherige Anstalt Bettenhausen ersetzen. Der Zeitpunkt der Uebrrsiedelung nach dem Möncheberg steht aber noch nicht fest, und ebenso wenig, wie sich die Verhältnisse dort gestalten werden. Insbesondere bleibt es noch ungewiß, welche Frequenz die neue Anstalt anfweisen wird, ebenso insbesondere, in welchem Maße sie von den besser und gut situierten Klassen ausgesucht werden wird. Aus diesem Grunde ist deshalb der Voranschlag nach den Verhältnissen des der alten Anstalt ausgestellt worden. Ferner war es außerdem erforderlich, in dem Ausgabe-Titel ein
Mswburg,
Dienstag, 30 Oktober 1894
: Markt ^Fernsprecher 3ha l"* Jllustrirtes Sormtagsblatt
TsichÄt täglich außer u Werktage« sach KoW- m MÄagMi — Q»,rtal-W»MeMe»t»-PrriS brl der Sxpe- Mfa* S Mr., bei allen PastäMtnA p Mk. ZZ Pfg- (exll. SOllkzeld). IÄerÄisusMLhr für dir Pfpaktem Sei!« oder bereu Sias« 10 Pfz., BeÄsArn für bt$ Zelle A Ofg
Luzeige» nimmt entgegen die Expedition diese» Blatte»,
s,sie die Amioneen-Bure«« von Haasenstein u. Vogler in ,
Frankfurt «. M., Toffel, Magdeburg und Wien; Rudolf AA1A -cftDrfl. Rosie iu Frankfurt e. M., Berlin, München «. Köln; G. L.
Daube x. 6e. in Frankfurt e. M., Berlin, HannodePari».
Drei goldene Samstage.
Eine Hochlandsgeschichte van Jas. Marti.
16) (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Je mehr er sprach, desto reichlicher rollten die Thränen von den Wangen der Frauen I sie beide hatten Franzei ja so lieb! „Förstner, i dank Dir hunderttausendmall Vergelt Dir» Gott in der Ewigkeit!" sagte die Bäuerin, al» sich Winkler nach Beendigung seiner Erzählung erhob. „Du hast mir heute an Trost bracht, wie ihn mir selbst der Herr Pfarrer nit bester gebn kann. Bhüt Di Gott, Förstner, «nd komm, so oft Du willst ; in Dei Hand leg i alle», «a» Franzei zu Nutz ü"
Mit kräftigem Handschlag versprach der rauhe Rann, kein Mittel unversucht zu- lasten, die Un- schuld ihres Sohnes zu beweisen, und dann schieden sie mit der Hoffnung aus ein baldige» frohe» Wiedersehen. -- ,
* *
Tag für Tag verging, ohne daß Franzei selbst »der eine Nachricht von ihm kam, «nd al» der
Förster eine» Morgens sich nach dem Stand der unseligen Verhältnisse erkundigte, wurde ihm zu seinem Schrecken die Nachricht zuteil, daß sein Freund zum Gefängni» der nächsten Kreisstadt gebracht worden sei, wo er fich wegen schwerer Körperverletzung, die den Tod zur Folge hatte, zu verantworten haben würde. Dar war nun freilich ein Schlag, der die hoffenden Herzen seiner Lieben auf» ne«e furchtbar treffen mußte. Ohne vorerst nach Hause zurückzukehren, reiste der Förster nach der Stadt, wo der arme Franzei hinter Schloß und Riegel weilte, und beauftragte dort einen der tüchtigsten Advokaten mit der Verteidigung de» Unglücklichen.
Franzei selbst war gefaßter, al» der Förster fichs gedacht hatte. Jrn Bewußtsein seiner geringen Schuld sah er mit Zuversicht dem Ausgang der Dinge entgegen, sein einziger Schmerz war nur der Gedanke an Lenei und seine Mutter. Man hatte ihm den Briefwechsel verweigert, weil im Verlaufe der Zeugenvernehmung fich solche Widersprüche zwischen den „Thalern" und „Pinzgauern" heraurstellten, daß irgend ein äußerer Einfluß auf den Gefangenen
nicht stattfinden sollte, um die ohnehin schwierige Sache nicht noch verwickelier zu gestalten.
Mit dem Auftrage innigster Grüße an die Lieben n der Heimat schied der Förster von dem jungen Gefangenen.
Er war ein saurer Gang — die ohnehin höchst nervöse Bäuerin von dieser Wendung der Sachlage zu unterrichten — aber e» mußte fein.
Ohne Thränen, nur zitternd und bebend am ganzen Körper, hörte die Riedherrin die Unglück- dotschaft, und innig drückte sie das schluchzende Lenei an fich, die e» gar nicht begreifen konnte, wie die Richter mit ihrem armen Franzei — dem bravsten Buben im ganzen Thal — so grausam umgehen tonnten.
„S i» nix zu machn — gar nix," seufzte der Förster gedrückt, als er seine Botschaft geendigt und die beiden Frauen anfah, die eine im namenlosen Seelenschmerze stumm und refigniert, die andere in ihrer jugendlichen Liebe an der Gerechtigkeit der Gesetze oder der Menschen verzweifelnd.
„Wir müssen abwarten, wie es kommt, unser Trost is seine Unschuld," fuhr er fort, „und da a
Gott im Himmel i», kann die Sach «it schlimm ausgehn."
»Ja, Förstner," sagte die Bäuerin, sich zu einem matten Lächeln zwingend, „auf ihn wüffn mer »er» traun und wenn» a schlecht geht, er macht« schon wieder recht."
„Gott sei Dank, daß Ihr Euch selbst tröstet," sagte der Förster, indem er sich zu» Gehen erhob, „i hätts nit könna, weil mich der Franzei bei barmte, als wenn er mei eigener Bub wär."
Mit festem Händedruck schied er von der Bäuerin und seiner Tochter und als ihn Lenei hinausbegleitete, hielt er an, legte seine Hände auf ihre Schultern und sah ihr tief in die Augen. „Lenei," tief er bann schmunzelnd, „tppe» soll i Dir mit» bring» von Dei Franzei."
„Von Franzei I" rief sie hastig. „Schnell, Vater, schnell, giebs her!"
„Da hast» — a Busserl — — soll i Dir >ringa von ihm," sprach der Förster und küßte sein linb; „er läßt Dich bittn, Du sollst aurhaltn bei einer Mutter und ihm treu bleibn, wenn auch om»t, wo» will!" (Fortsetzung folgt)