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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Hott und Berta«: 3»h. Koch. UniverfitätS-Bnchbmckerei in »arb«r«i OVffÄ (ÄL ****** A** Bermttoorüicher Redatti«: Horry Ftnking tn »«d«,.
Redattion «ud SrpedMou: Markt LI. Fernsprecher Nr. 85. ^UU|il44lv¥ \^VHniUßvV*UH* Redaktion mrd Sipedition: Markt 81. Fernsprecher Nr. Sö.
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Srschetttt tätlich aatzer « Bertte$t« nach Sann- nnd rww» .
gctataitik — Qnartal-RbannemestS-Brei» bei der Eppe» VJirttnlttd.
total S Mk., bet allm Boßämtern 8 Btt. « Bft« (e$O.
n&urautf AKiC Sonntag. 28 Oktober 1894
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatter, sowie die Armoncen-Burea» von Haasenstein n. Bögler tn Frankfmt «. M., Cassel, Magdeburg und Wim; Rudols Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, Munchm u. Köln; G. L. Daube m Co. in Frankfirt e. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXIX: Jahrg.
Zweites Blatt.
WM- Bestellungen -MW für die Monate November und Dezember auf die
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nebst deren Gratisbeilagen
„Kreisblatt" für die Kreise Marburg und Kirchhain, „Illustriertes Sonntagsblati" und „Verlosungsliste der preußischen Klassenlotterie"
werden von allm Postanstalten, Landbriefträgern, in der Expedition (Markt 81), sowie von unseren Filia! - Expeditionen in Kirchhain, Nmstadt und Wetter ent- gegmgmommen. Neuzugehende Abonnmten erhalten die „Oberhessische Zeitung" bis zum 1. November unentgeltlich.
Die Exped. der „Oberheff. Ztg."
Hessen-Nassau und Nachbargebiete
Kolkmarsm, 25. Oktbr. Man schreibt der „Hess. Post": „Eli interessantes Jag b» abeiteuer — kein Jägerlatein, sondern ein Faktum — haben dieser Tage ftemde Jäger, welche in hiesiger Gemarkung die Jagd auSübten, erlebt. Ein niedergestreckter Hase war nach Jägerbrauch der Bequemlichkeit halber von dem siegesbewußten Nimrod au die Jagdtasche gebunden worden, welche dann auf die Erde gelegt wurde. Während nun der Eigentümer sich auf kurze Zeit entfernte, hatte Meister Lampe sich von seinen Fesieln befreit und eilte, er. freut über seine Wiedererwachuug und zum Zeiger des verblüfft dreiuschauende« Jäger», querfeldein davon".
Kraukfurt a. M., 25. Oktbr. Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich traf vormittags in Begleitung des Prinzen Friedrich Karl vo« Hessen zu Wagen von Rümpen heim hier ein, um die Eröffnung der Ausstellung für Kochkunst rc vorzunehmen, welche unter Allerhöchstihrem Protektorat in der landwirtschaftlichen Halle stattfindet. Nach den Ansprachen des Vorsitzenden Müller nnd des Oberbürgermeisters AdickeS gab Ihre Majestät
Befehl zur Eröffnung der Ausstellung; nachdem hierauf ein Hoch ans Se. Majestät den Kaiser aus gebracht war, unternahm Ihre Majestät mit dem Prinzen Friedrich Karl von Heffen einen längeren Rundgang durch die von 478 Ausstellern reich beschickte Ausstellung.
Araukfurta. M., 25. Oktbr. Steigen des Main». Infolge der bedeutenden Regengüsse if; der Main in fortwährendem Steigen begriffen, seit zwei Tagen um fast drei Fuß. Der günstige Wasser stand wirkt auf die Schifffahrt sehr belebend, den« die vom Rhein kommenden Schiffe habe» volle Ladung, die sie im Hafen löschen.
Wetzlar, 25. Oktbr. Nebenbahn Gießen- Gladenbach. Im Einvernehmen mit dem Großherzogl. Ministerium de» Innern nnd der Justiz hat nach einer Mitteilung des „D. T. Auz." das Großherzogliche Ministerium der Finanzen den Herren Hager und LanSberg zu Köln gemäß § 1 der Verordnung vom 13. Juni 1885, betreffend den Bau und Be. trieb von Nebenbahnen, die Erlaubnis zur Vornahme vo» Verbesserung und Vorarbeiten für die Anlage einer Nebenbahn von Gießen über Heuchelheim in der Richtung auf Bieber, insoweit dabei das hessische Staatsgebiet in Bettacht kommt, "und beschränkt auf die Zeit bis zu» 1. September 1895, erteilt.
T Adstei«, 25. Oktbr. Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht, dem Oberförster Schaefer Hierselbst den Titel Forstmeister mit dem Range der Räte vierter Klasse zu verleihe».
Seligenstadt, 25. Oktbr. Fatale Verwechselung. Au einem der letzte» Abende waren die Tagelöhner eines hiesigen Händler» und Landwirts in der Hofraithe ihres Arbeitgebers mit Abladen einer schweren Fuhre Kartoffeln beschäftigt. Die Erd' äpfel sollten mittelst eines Entladetrichters durch ein Kellerloch in den Keller befördert werden. Neben dem Kellerloche befindet sich ein Einsteigloch, baS zu einem tiefe» Pumpenbruuueu führt. Bei der herrschende» Dunkelheit verwechselten uu» die Tagelöhner die beiden Löcher und trichterten die ganze Kartoffelladung in den Brunnen. Der lustige Jrrthum wurde erst am folgenden Morgen bemerkt. Mit vieler Mühe wurden die Kartoffeln aus der Brunnen- tiefe herausgefischt.
Vermischter.
Trier, 23.Oktbr. Während derTheater- Vorstellung entstand neben dem Theater Feuer. DaS Theater leerte sich ohne Unfall.
Hamburg, 24. Oktbr. Die beim Kameruner Aufstand rühmlichst genannte Diakonissin Margarethe Leue, jetzt mit dem hiesigen Kaufmann Hesse
vermählt, ist auf Vorschlag Ihrer Maj. der Kaiserin mit dem Louis en ord en dekoriert worden.
Hamburg, 25. Oktbr. Heut^Vormittag ist zwischen Itzehoe und Wilster ein Güterzug ent. gleist. Die Entgleisung wurde dadurch herbeige- süh't, daß ein Ochse aus einem Viehwagen entsprang und unter die Räder geriet. DaS Tier wurde gänzlich zermalmt. Der angerichtrie Materialschaden ist erheblich und das GletS zur Zeit gesperrt. Von der Zugbegleitung wurde Niemand verletzt.
Braunschweig, 25. Ottbr. Heute Nachmittag gegen 3 Uhr entgleiste kurz vor Braunschweig der Schnellzug Magdeburg-Hannover dadurch, daß der Postwagen aus dem Geleise sprang; da die Karpenttrbremse vorzüglich fungirte, standen sämtliche Wagen sofort. Mensche» find nicht verletzt, doch ist der Materialschaden nicht unbeträchtlich. Die Verkehrsstörung wurde nach einige« Stunden beseitigt.
Wie», 24 Oktbr. Oberleutnant Graf Wilh. Starhemberg, der Sieger im Distauzritt Berlin Wien, ist beim gestrigen Armeejagdrenuen gestürzt; er zog sich eine Gehirnerschütterung zu.
Paris, 23. Ottbr. Casimir-Perier besuchte daS Institut Pasteur, beglückwünschte den Dr. Roux zur Entdeckung der Serumtherapie und ernannte ihn zum Kommandeur der Ehrenlegion. Roux dankte und erklärte, die Doktoren Behring undLoeffler hätten vorihmdaS S e r u « e n t d e ckt. Der Prästdent besichtigte daranf das Institut und die Pferdeställe, die das Serum liefern und fuhr dann zum Hospital Trouffeau, wo er die Säle der an Diphtetie erkcar kien Mader besuchte.
Antwerpen, 22. Oktbr. Zusammenstoß. Henir Vormittag gerieten auf der Schelde der »ach Londou abgehende englische Dampfer „Georgia» Prince" und der norwegische, mit Getreide beftachtete Dampfer „Jkarfano" Kapitän Tellelseu, in Kollision Beide Dampfer wurden stark beschädigt. Verluste au Meuschenlebeu find nicht zu beklage».
— Wie viel ei» Scherflei» ist. In einer Schule unterrichtete der Pfarrer im Religlorunter richt über Almosengebeu und führte u. a. das reiche Almosen des Pharisäers und da» Scherfleiu der armen Witwe al» Beispiele zur Erläuterung an. Auf seine Frage, wie viel wohl da» Scherflein der armeu Witwe betragen habe» kö»»te, gab eine Schülerin ganz prompt zur Antwort: „12 Mk. 43 Pfg." lieber diese seltsame Antwort befragt, erklärteste: „Im Katechismus steht: „Das Scherflein der armeu Witwe. Mark. 12,43." (Markus 12. Kapitel, 43. Vers.)
— Ei» fromme» Kind. Tante: Nun, was willst Du später einmal «erden, Karl? — Karlcheu: Missionar! — Tante: O, daS
ist brav und edel von Dir, — da» ist ein herrlicher Beruf! Bist Du selbst auf diesen schönen Gedanken gekommen, lieber Karl? — Karlchen: Ja, ich möchte gern 'mal sehe», wen» die Wilden einen Menschen brate»!
Patent-Nachrichten.
Auszug für die „Oberheff. Zeitung" von BrockhueS & Cie, Technisches Patent- und UebersetzungS-BureaNi Köln e. Rh., Metzerstraße 6.
Patent-Anmeldungen
Bügelmaschine. — August Metzger, Homberg v. d. Höhe. Haltevorrichturg für in Ringisolatoren verlegte Leitungen — Hartmann und Braun, Bockenheim-Frankfmt e. M.
Patent-Erteilungen:
Obeilichtversieller mit drehbarem Stellhaken — P. Steig- btter, Offenbach a. M.
Gebrauch smuster-Eintragungen:
Portemonnaie in Form einer Achselklappe. — D. Hehmmm, Offenbach a. M.
Taschenbügel mit umlaufender Rinne zum Festklammern der Tasche in den Bügel. - Huppe und Bender in Offenbach a. SJL
Portemonnaie oder Tasche in der Gestaltung eine» beliebigen Glases oder Kruges. — D. Heymarw, Offenbach n M. Obige Firma erteilt den Lesern der „Oberhesstscheu Zeitung" unentgeltliche Au»kunst in allen da» PateMfach betreffenben Anfragen. Die Red.
Hermann Wertheim, Telephon 48. BankflOSCllÄÄ, Tetepbe* g» Bahnhefitrasie (gegenüber der Hauptpeelfc Ai-1. Verkauf von Wertkpqrimn, iiriiidinkn lote» ui GoHeorte».
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Mittelalterliche Baugeschichte der Stadt Marburg.
6) (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Die St. NichaelSkapelle.
Westlich der St. Elisabethkirche am südöstlichen Abhänge de» Weinberges liegt der St. Michaels- totenhof, auf welchem einst die zum Grabe der heil. Elisabeth gekommene» und hier verstorbene» Pilger u»d die tm Hospital Lerstorbe»e» ihre letzte Ruhestätte fanden. Jumitte» diese» cüniterium infirmorum et peregrinorum, wie er urkundlich geuannt wttd, erbauten die Brüder des deutschen Hauser die St. Michaelskapelle, deren Weihe am 30. April 1270 erfolgt«.
Die St. Michaelskapelle ist ei« im ftühgothischen Stil au» Bruchsteinen errichteter einschiffiger, aus dem Achteck geschloffener Lau mit Ecken vo» Quader», 4 Kreuzgewölbe» u»d einem Dachreiter. Die Spitz- boge»fe»ster in deu 3 östlichen Sette» find zwettelltg und die in der Südwand schmal und hoch. Bo» de» beide» rechteckigen Thüren an der Nord- u»d Südsette ist erstere vermauert. Die 4 östliche» Ecke» sind mit Sttebepfeiler» versehen. .
Im Jahre 1320 stiftete Emecha Raustei» auf dem Toteuhof eine ewige Lampe, die während der Nacht in einer Totenleuchte bräunte.
Oestlich der Kapelle dicht au der UmfaffungS- mauer des Totenhofes westlich der Firmauei gegenüber stand da» BeinhauS. An einer Außenseite desselben war ei» Bild Christi «gebracht, welches allgemein wiserieordias domini, deutsch, die Barm
herzigkeit deS Herr« genannt wurde. Wer vor diesem Bilde gewiffe Gebete sprach, erhielt Ablaß, laut einer im Staatsarchiv vorhandene» Urkunde vo« 18. März 1362. Mit dem Name» misericordias domini pflegte ma» eine bildliche Darstellung Maria» mit dem Leichnam Jesu auf dem Schoße, Pieta genannt, zu bezeichnen. 3» der vergitterten untere» Staffel eines Altarschreines im nördlichen Kreuzarm der Elisabethkirche steht eine aus Kalkstein verfertigte Pieta, die viel älter sein soll, als die fie umgebende» Holzschnitzereieu. Vielleicht ist fie „daS Bild Christi" vom Beinhause auf St. MichaelStotenhof, welches die katholisch geblieben deutschen Herren bei Einführung der Reformatio» im Jahre 1527 da Wegnahmen und »ach Beseitigung der hölzerne« Figm hier anbrachte».
Die Firmanei im deutsche» Hause.
Für die erttankteu Brüder de» deutsche» Hauses trat in der 2. Hälfte deS 13. Jahrhunderts a» Stelle vo» Elisabeths Häuschen mit erweiterter Gruud- iäche die Firmauei (infirmarie), au deren östlichen Schmalseite fich eine zu Ehre» der heil. Elisabeth geweihten Kapelle anlehnte.
Die Firmauei war ei» auS Bruchsteine» aufge- ührteS rechteckige», zweistöckiges Gebäude mit hohem Ziebeldache und rechteckigen Fenster» und Thüren. Die im ftühgothische» Stil erbaute au» dem Achteck geschloffene Kapelle vo» 7,48 Meter Länge und 4,05 Meter Brette hatte bunte Glasfeuster und ein reiches Portal an der Südseite. Ein 2,4 Meter hoher Christophorus war al» Wandgemälde darin angebracht.
Da» Sterbezimmer der hell. Elisabeth war i» eine Kapelle umgewandelt worden. Beim Bau der Firmanei wurde die Einrichtung gettoffen, daß die neue Kapelle dahin zu stehen kam, wo die alte in Elisabeths Häuschen fich befunden hatte. ES geht dies hervor auS einer vom Bischof Berthold von Würzburg unter dem 4. Mai 1286 ausgestellten Urkunde. Nach derselben gewähtt er allen, welche die Kirche des deutsche» Hauses und die Kapelle, welche vo« neuem an dem Platze, wo die heil. Elisabeth gestorben, erbaut ist, durch Gaben und Besuch ehren, 40 Tage Ablaß. Im Jahre 1287 tistete Hedwig, die Witwe deS Schöffen Eckhardt von Wetzlar, in die «ene Firmaneikapelle eine ewige Lampe, (cfr. Heff. Urkundenbuch I. Nr. 460 und 471).
Nach einer Reihe von Jahren hatte die Fttmauei ihre ursprüngliche Bedeutung als Krankenhaus verloren und war vo» de» deutschen Herren in eine Weinschenke umgewandelt worden. Die Kellerräume und das Weinlager befanden fich unter dem westlich daran stoßenden große« Fruchtspeicher.
Im Jahre 1785 wurde die Fttmauei und 1786 die Kapelle abgebrochen. Die 3 Schlußsteine der enteren fanden fich in dem vorerwähnten 1839 »ieder- gelegte» Fruchtspeicher; seit dieser Zeit werde« fie n der Elisabethkirche aufbewahtt.
Da» Schloß.
Nach dem Erlösche« de» thüringischen Maunes- tammeS mtt dem Landgrafen Heinrich Raspe IV. m Jahre 1247 ging Heffen an Sophie, Tochter >e» im Jahre 1227 verstorbene» Landgrafen Ludwig IV. vo» Thüri»ge» und Gemahlin Herzog»
Heinrich vo« Brabant über. Als Herzog Heinrich im Jahre 1248 verstorben war, verließ Sophie mit ihrem Sohne Heinrich Brabant, zog »ach Heffen, machte Marburg zur Hauptstadt und «ahm hier ihre» Wohnfitz, ob auf dem Schlöffe ober ix der Hofstatt läßt sich urkundlich nicht feststellen, jedenfalls aber zunächst wohl in letzterer, denn auf diese Weise konnte der Umbau des Schlaffes und feine Erweiterung im gothifchen Stil »»gestört in Angriff genommen und bewerkstelligt werde«. Erst gege« Ende des Mittelalter» gelangten die Baulichkeite« im gothffche« Etil zu ihrer Vollendung.
Die malerische Baugruppe besteht aus dem Hauptbau und dem allein stehenden WilhelmSbau. Der Hauptbau besteht wieder aus 3 Flügeln und dem LeutehanS; diese zusammenstehende» Gebäude umschließe» de» in»ete» Schloßhof und find durch deu zwischen Kapelle und Leutehaus befindliche» klettern Sakristeibau geschloffen, »»ter welchem fich da» innere Schloßthor befindet. Zu den ältesten Tellen de» üblichen Flügels mtt der zu Ehre« bei heiligen Katharine 1288 geweihte» Kapelle uub bei von bem Landgrafen Heinrich I. begonnene und von seine» Sohne Ludwig, Bischof zu Münster, der die Stadl Marburg zum Leibgedinge erhalten hatte, um 1320 vollendete nördliche Flügel, einer späteren Zeit gehören au der westliche Teil de» südlichen Flügel», >er westliche Flügel und da» LeutehanS. Mit dem WilhelmSbau wurde im Jahre 1493 begonnen; er st durch einen Zwischenbau mtt dem Hauptbau ver- lundeu.
(Fortsetzung folgt.)