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MchlW Zälung.

Wöchentliche Beilage«: Krcisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Marburg,

Donnerstag, 25. Oktober 1894.

ÄnytgCK nimmt entgegen die Expedition dieser Blatte», sawie die Nmwneen-Bureanx von Haasenstein n. Vogler in Frarckfxtt «. Mi, Taffel, Magdeburg und Men; Rudolf Hoffe in Frankfurt tu M., Berlin, München u. Köln; G. & Daube rn So.in Frankfurt«. Mi, Berlin, Hannover, PanS:

XXIX; Jahrg.

PolMsche Rundschau.

* Marburg, 24. Oktober 1894.

Adel und Bürgertunu

Die Zahl derjenigen Aristokratin, die sich für besser halten als andere tüchtige und loyale Büger, ist heute nicht «hr sehr groß, und wo derartige Anschauungen noch vor­handen find, ist ihnen nur selten praktische Bedeutung bei- ztnnefseu. Unser Staatswesen stützt sich heute auf den Adel der Geburt nicht mehr als auf andere Gesellschast- kreise, eS stützt sich vielmehr auf den Adil der Gesinnung in allen Ständen. Von hohem Interesse für den deutschen Bürger ist die Thatsache, daß Ski Majestät der Kaiser diesen Grundsatz ausdrücklich anerkannt hat. In. der Adresse desBundes der Landwirte' an unseren Aller­höchsten Herren kam bekanntlich der Passus vor:

Wenn die allerunterthänigst UnterzeiLneten sich für berechtigt halten, die am 8: September zu Königsberg von Eurer Majestät gesprochenen Worte auf sich zu beziehen, so thun sie solche? in dem Glauben, daß Euer Majestät zum preußischen Adel alle diejenigen zu­zurechnen geruhen wollen, welche in der treuen Liebe zu ihrem Glauben und ihrer Kirche, in dem unwandelbaren Gehorsam und der Hingebung zu König und Vaterland, in der starken Verteidtgung der heimischen Scholle und des heimischen Herdes die Ehre zurRicht- schnur ihrer Handlungen machen.'

Wenn Wilhelm II. in der Erwiderung hierauf Seiner Freude darüber Ausdruck gab, daßSeiue in Königs­berg gesprochenen Worte richtig aufgefaßt worden seien, so sprach der Kaiser damit aus, daß in Seinen Augen alle wahren Patrioten dem Adel gleichstehen. Das deutsche Bürgertum, sowest e» wirklich in Sachen der Liebe zum Vaterlande und der Verteidigung der heimischen Scholledie Ehre zur Richt­schnur einer Handlung macht, hat allen Grund sich dieser Kaiserlichen Geflunung-Aeußerung zu freuen.

Zur Börsenreform,

DieBerge kreißen' weiter, und der Beobachter kann die Befürchtungen nicht los werden, daß schließlich doch nur einlächerlich MäuSlein' dabei herauskommen wird. Daran, daß an dem Gerüchte etwas wahres sei, welches besagte, in dem neuen Börsengesetzentwurf werde eine Bestimmung enthalten sein, wonach die deutschen Emissionhäuser zehn Jahre lang für die von ihnen an den deutschen Markt ge- brachten ausländischen Papiere zu haften hätten, ist natür­lich nicht zu denken. Ebensosehr aber zweifeln wir daran, daß man den deutschen Banken aufgeben wird, vor dem »erkauf ausländischer Anleihepapiere den Zinsertrag da- dmch sicher zu stellen, daß die Pfandobjskte in die Ver­waltung deutscher, also unter Reichschutz stehender Gesell­schaft gebracht werden, DaS wäre ja eine Maßregel, die adrigen praktischen Wert hätte und demgemäß natürlich auch da» Geschäft erschweren würde, was man anscheinend unter Een Umständen vermeiden will, Sichere» über den Inhalt des neuen BörsengesetzentwmfS verlautet noch nicht, da der­selbe streng geheim gehalten wird, Nicht unwahrscheinlich P aber, daß darin, einem Vorschläge der Börsen-Enquete-

Drei gol-erre Samstage.

«ne Hochlandsgeschichte von Jos. Marti.

) (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Mit unverhohlenem Jubel wurde er von den Anwesenden begrüßt- Mit de« Riedhennbauern »«llte sich» doch keiner verderben; man kannte seine araft, seine Gewandtheit in allen Dingen, und schon der ihm eigene scharfe Spott zwang alle, mit ihm gute Freundschaft zu hatten.

,Eo i» recht,' rief der Wirt Taverl, ,i« gut, 6 D kimmst. Die Bubn aurn Thal habn scho alle Heiligen angrufn, um an Helfer au» der Not.'

»So,» haben» than?" frug Franzei gleich, giltig lächelnd; ,Da haben» wohl stark für die Pinzgauer bitt."

Wir brauchen» nit mehr," rief der lange Schneider «on der Eägemühle, indem er lustig dem Riedherrn, dauer seinen Trunk entgegenbrachte; .ja, Franzei, all» gehört unser, die Diandl und die Scheiben!"

.Na, dös glaub i grad nit," antwortete Franzei, .da muß i a noch dabei sei; daß » für unsere Seiht schlecht steht, hab i erfahrn--aber noch

kann sich der Wind alleweil drahn. Gsundheit, Schneider--Gsundheit allesamt!"

Knallend stießen die Krüge zusammen, mit Franzei anzustoßen war eine Ehre.

.Draht sich aber nix mehr," behauptete der hinkende Dori, der stet» da» letzte Wort haben wußte, .der Srafenjager weißt ja, Franzei

Kommission entsprechend, die Bestimmung enthalten ist, daß, fall« die in den Prospekten gemachten erheblichen Angaben unrichtig oder infolge der Fortlassnng erheblicher That- sachen unvollständig seien, der Einführende haftbar zu machen sei, wenn er die Unrichtigkeit oder Unvollstän­digkeit gekannt hat ober dieselben ihm nur dadurch un­bekannt geblieben seien, daß er böswillig eine aus­reichende Prüfung der Angaben versäumt habe. Daß in der Formierung dieses Vorschlags nichts fehlt um die Bestimmung unwirksam zu machen, wird jeder leicht er­kennen: Wer nach einem solchen alle erdenklichen Hinter- tbüren enthaltenden Paragraphen verurteilt werden könnte, müßte doch außerordentlich dumm sein.

Aus der Schule geplaudert

hat ein sozialdemokratischer Redakteur namens Richard Calwer ans Braunschweig, welcher in einer Broschüre feinenGenossen" nicht gerade schmeichelhafte Wahrheiten sagt. Was er vorbringt sind lediglich Dinge auf die von bürgerlicher Sitte schon oft hingewiesen wurde, aber es ist doch interessant, dieselben Beschuldigungen auch einmal von einem echtenZielbewußten" vortragen zu hören. Calwer schildert zunächst dasKleinbürgertum in der Sozialdemo- kratte", die sozialdemokratischen Kolporteure, Kleinhändler, Zigarrenverkäufer usw. also das, was man kurzweg Ge­schäfts sozialdemokraten nennt. Dieses Klein­bürgertum mache seinen Einfluß zuerst geltend, indem es dem Arbeiter gegenüber die Rolle des Ausbeuters in noch mißlicherer und widerwärtigerer Rolle spiele als der bürger­liche Ausbeuter, da beim Kleinhändler die Waren ebenso teuer aber schlechter als beim großen Kaufmann seien. Vom Standpunkt des Proletariats aber seien diese Unternehmungen ein reattionärer Schwindel, und man solle die Arbeiter nicht nötigen, mit ihrem Gelde unhaltbare Unternehmungen zu stützen und schlechte Waren zu kaufen. Recht hart, aber sehr richtig wird von Calwer weiterhin auch die sozial­demokratische Presse beurteilt. Es sei soweit ge­kommen, daß, wer mit der Feder zu schimpfen verstehe, ein sehr beliebter sozialdemokratischer Journalist werden könne. Dieses impotente Kläffertum nehme aber in der Parteibewegung, in Presse, Litteratur und Versamm­lungen einen sehr breiten Spielraum ein, und es sei be­greiflich, daß solche Leute den Sozialismus von einem Standpunkte verträten, der in jedem Menschen mit besserm Kleide den Bourgeois erblicke. Scharf geht Herr Calwer mit den Journalisten und Schriftstellern der Partei ins Gericht. Ein großer Teil der Litteratur enthalte nichts weiter alsrohes Geschimpfe auf alles und jedes, was aus der bürgerlichen Gesellschaft kommt oder mit ihr irgendwie zusammenhängt, thöricht lächerliche Zukunftmalereien" usw. Wir bezweifeln, daß das Streben des Herrn Calwer, einen anständigeren Ton in der sozialdemokratischen Presse und Lüteratur herbeizuführen, Erfolg haben wird, denn der Eindruck, len dasrohe Geschimpfe" auf die urteilslose Menge macht, ist ja gerade das Geheimnis der sozialdemo- krattschen Erfolge. Wohl aber kann es Herrn Calwer blühen, daß er seiner Jndiseretionen halber demnächst hinausfliegt.'

Die Verzehrer der Arbeitergroschen haben in Frankfurt wieder einmal die sich regende Oppo­sition aufs kräftigste niedergedrückt. Der sozialdemokratische Parteitag zeigte schon am ersten Tage der Verhandlungen, wie die Führer die Partei als milchende Kuh betrachten. Herr Bebel, der die mehrseitig angeregte Beschneidung der Parteigehälter bezw. deren Fixierung auf ein Maximum von 4000 Mark energisch bekämpfte, redete sich in der Debatte in eine solche Wut hinein, daß er einen der Gegner, den Vorsitzenden der General-Kommission der Ge­werkschaften Deutschlands, Abg. Legten, als Mephisto be­zeichnete. Herr Singer, der als Präsident die Verhand­lungen leitete und dabei die Befürworter der Anträge unter­brach und rügte, erflärte das Wort Mephisto nicht gehört zu haben. Daß der Parteivorstand sich an die Parteitage nicht kehrt, ist durch die Fälle Auer und Fischer festgestellt. Herr Auer ist seit dem Jahre 1890 als erster Partei­sekretär »der Schriftführer mit 3000 Mk. angestellt, Herr Fischer als zweiter Schriftführer mit demselben Gehalt. Diese Gehälter sind zu erhöhen, wurde auf dem Berliner Parteitage vom Jahre 1892 zweimal beantragt, doch jedekmal abeelehnt. Da korrigierten der Parteivorsta d und dessen Hintermänner den ursprünglichen G<Haltsbeschluß dergestalt, daß sie Auer eine Zulage von 1500 Mk. bewilligten, die ihm für Ueberwachung der Redaktion desVorwärts" zu­komme: Düse Zulage hat er schon seit drei Jahren erhalten und jetzt erst erhält die Pattei davon Kenntnis, aber nicht offiziell, sondern in Folge eingelaufener Beschwerden: Aus der alljährlichen Recknnnglegurg des Parteivorstandes scheint der Umstand nicht ersichtlich geworden zu sein: Den Schriftführer Fischer machte der Paiteivorstand zum Vor­steher der Vorwärts - Buchhanllung und bewilligte ihm 4000 M. Gehalt. Herr Fischer ist nicht Fachmann, sondern Schttstsetzer. Daß schließlich die Anträge auf Beschneidnng der Gehälter akg-hhitt, auch dem Paiteivorstand Decharge erteilt wurde, darf bei der Abhängigkeit zahlreicher Dele­gier ten nicht in Verwunderung setzen. Ein einziges Mandat, das des Schuhmachermeisters Sparr in Darmstadt, wurde für ungültig erklärt wegen eines geringen Formfehlers, obgleich es nicht beanstandet worden war. Dieser Delegierte halte die Kühnhett besessen, nicht nur gegen die hohen Gehälter lokzuwettern, sondern auch zu monieren, daß der hessische Landtagsabgeordnete Müller eine Unterstützung von 400 Mark erhalten habe. WaS geht es denn auch die Arbeiter an, wer sich mit dem ihnen abgeschröpsten Gelde mästet!

Koloniales.

* Marburg, 24. Oktober 1894.

Die Kämpfe des Major» Leutweiu gegex Hendrik Witboi.

Einem Privotbriefe auS Südwestafrika von Mitte September entnimmt dieKreuzztg.", daß der letzte, mit so großem Erfolg beendete Kriegszug de» Majors Levtwein gegen Hendrik Witboi etwas über zwei Monate in Anspruch genomme» hat. Anfang Juli

sandte Major Leutwein den Leutuart Schwabe mit 100 Reitern als Avantgarde gegen Witboi voraus, während Major Leutwei« mit dem Eros der Schutz« truppe und der gerade etntreffenden Verstärkung später »achrückte. Anfang September konnte man gegen die Haupttruppe von Witboi in der Nauklust (Naawkloof), mit welcher die Avantgarde schon seit längerer Zett in steter Fühlung war, vorpoßen nnd mit energischem Vordringen von mehieien Seite» die Stellung deS Witboi erstürmen. In zehntägiger, mit Aufbietung aller Kräfte der Schutztrrppe energisch durchgeführter Verfolgung durch das Naawkloof- und Tsambabgebirge gelang eS Major Leutwein nach acht Gefechte», Hendrik Witboi mit den Resten seiner Mannschaft bei Zam an de» Dünen südlich Aba- bieS so zu umstellen, daß er uach keiner Seite hi» entweiche» konrte. Eben war Major Leutweiu im Begriff, mit drei Kompagnien den letzte» Vor­stoß gegen den umstellte» Feind zu machen, als sich Witboi nunmehr bedingunglos der deutschen Schutz­herrschaft unterwarf.

Der Rat eines Dr. Ziutgraff müßte ix koloniale» Angelegenheiten, namentlich aber hinsichtlich der Kameruner Verhältnisse maßgebend sein; statt deffea ist eie sehr plausibler Rat des be­rühmten Afrikaners, wenn anders eine nicht unglaub­würdig klingende Zuschrift derFrkftr. Ztg." auf Wahrheit beruht, nicht zum Vorteile der Kolonie einfach in de» Wind geschlagen worden. Wir ent­nehmen der erwähnten Zuschrift folgendes: .Schon im Jahre 1892 hatte sich Dr. Ziutgraff, als die Dahomeywirtschaft i» Kamerun ihre» Anfang nahm, i» einem allerdings sehr entschiedeue» Schreiben au das Auswärtige Amt dagegen ausgesprochen und unter anderem hervorgehobeu, daß es ganz ansge- schloffen sei, mit diese» vaterlandslosen, uubezahlteu Leute» jemals eine Kulturaufgabe zu löse». Vielmehr schlug Dr. Ziutgraff vor, von Gouvernementswege» die Dahomeysklaveu wirklich frei zu lassen und sie, wennschon unter gewisse» Bedingungen, iu eigene» Dörfern anzusiedel». Erst »ach Er­weckung eines neue» Gefühles von Heimat u»d Familie in diese» mißhandelte»Leuten könne mau hoffe», sie mit Erfolg zu verwende». Anstatt ru» auf diese Ratschläge Zintgraffs ei»zugehe», ver­warf man sie uud untersagte auch de« Forscher jede Kritik der Thätigkeit deS GouveruemeutS". Wie recht der unbequeme Ratgeber gehabt hat, bewies der be­kannte Aufstand; mau hätte also lieber auf eine» Ziutgraff höreu, als diemißhandelten Leute" durch einen Leist weiter mißhandeln lasse» sollen.

Für Deutsch-Neu-Guiuea

ist eine Biehzncht-Gesellschaft iu der Bildung begriffen, welche den Zweck verfolgt, auS Holländisch- Indien Vieh »ach der deutschen Kolonie einzuführe», dort zu züchte» uud die sich stettg mehrende weiße

der schöne Adam, der schießt heut alle Treffer raus, und» nur dem schönsten Diandl zGfalln, dar Ihr im Thal habt. Er selber hat sich au scho ver- schoffn in» Förstnerlenei, weißt--ja, ja, kannst

nix dagegn habn."

Franzei wurde bei dieser Anspielung um einen Grad bleicher. ,©o, der Damerl i» a da?" sagte er, »Sackra, da muß i ja gleich aufn Platz. Dör muß i sagn, er t» der beste Schütze, den Ihr habt im Pinzgau--Na, adje» beinandl"

Hüt Dich!--Adje»!--Viel Glück I"

schrieen ihm die Zurückt leibenden nach, al» seine schlanke Gestalt an» der Hinterthür verschwand; nur Dori machte ein Gesicht wie sieben Tage Regen­wetter. ,Bubn," meinte er, ,jatzt graust mer. Nu kann sich der Wind noch drahn. Ja, ja, der Riedhennbauer i« a Teufel, der nöt Luck laßt--.-

Eiligen Schritte» ging Franzei der Schießstätte |U. Die Nachricht, daß der Grafenjäger bei seiner Gewandtheit heute auch noch mit so viel Glück schoß, beunruhigte ihn. Er dachte an sein Lenei, da» bei diesem Feste al» Ehrenjurgfrau beteiligt war und sich sicherlich von dem glücklichen Damerl die größten Liebenswürdigkeiten gefallen lassen mußte, wenn e» ihm gelang, aus ihrer Hand die Krone der Schützenkönig» zu erhalten.

Wie das ganze Thal, so wußte auch er, daß der schöne Damerl der eifrigste Anbeter der hübschen Försteriochter war und trotz der entschiedenen Ab­

weisungen in seinen Bewerbungen eine bewunderns­werte Zähigkeit an den Tag legte. Diesen Rivalen zu schlagen, brannte er vor Begierde, und mit dem festen Vorsätze, alle Vorteile wahrzunehmen, betrat er dm Scheibenstand.

Der Jubel war groß, al» seine .Thaler" (Be- wohner seine» Thale») ihn erblickten, mit Jauchzen wurde er umringt, alle atmeten erleichtert auf, als sie seine hohe Gestatt in ihrer Mitte sahen. Jeder wußte, Franzei war die einzige Rettung.

Die Pinzgauer aber waren sichtlich unangenehm berührt, und manche» freudige, zuversichtliche Gesicht wurde ernster, al» sich Franzei an den Buchführer herandrängte, um sich von dem Stand be» Schießen» zu überzeugen.

Einer der frohesten von denThalern" war rer alte Förster. Glückstrahlenden Auge» drückte er dem jungen Bauern die Hand.

.Weil Du nun da bist, Franzei," flüstette er hm zu,nu geht alles gut ausfi! I hab mich scho bang vor der Schänd, daß zletzt der König weg- kommt au» unserm Thal, aber jetzt hab i noch Hoff- nung. I bitt Dich, spar Dir Deine Schüss auf )ie Hauptscheibn. Die andern find so wie so ver- lorn. Die bestn Schützn von uns habn scho gschossn, aber keiner trifft nix. Jetzt find noch i und mein Ghilf da--Siehst, der Nazi steht grad aufn

Stand. Jessa», wenn er nur tieffn thit!"

Ein Blitz und der darauf folgende Knall unter­brach hier die Unterredung der Beiden. Sie hatten

sich noch gar nicht von der Wirkung des Schusses überzeugen können, da wurde draußen am Kugel­fang eine blauseidene Fahne aufgezogen. Nazi, der wttdbärttge Heger, hatte seinem Beruf Ehre gemacht, der beste Schuß war sein und die Fahne für die Ehrenscheibe hatte sein Thal gewonnen.

Da gab» nun freilich lange, sehr ärgerliche Ge­sichter bei dm Pinzgauern. Der schöne Adam, welcher bi» jetzt auf jener Scheibe dm besten Schuß vorausgehabt, fluchte und schimpfte wie em »ungarischer Reitersmann". Um so größer war der Jubel bei dm Burschen des Thales. Der brave Nazi konnte sich der Bieten Beifallbezeugungen kaum erwehren; ordmtlich stolz schwellte sich seine Brust, al« er vor dmStand" trat, wo die Ehrmjungfrauen die seidenen Halstücher »erteilten, die dm Schützen gehörten, welche für ihrm Gau eine Fcchne erschoffm.

E« war ebenfalls ein weißblaue» Tuch, genau nach dem Muster de» beretts errungenm Preise» gearbeitet, und al» Lenei e» ihm um den gebräunten Hal« band, da standen ihm Dhränen der Freude in dm Augen.

-Trinkt«, Bubn!" schrie er in seiner Glückselig- leit und warf einen Liebfrauenthaler auf den Tisch, -hoch« Jagerglück, die zweite Fahn gehört un«!"

Und die Buben, die ließm sich» nicht zweimal agen. Alle tranken und frohlockten, nur einer nicht, da« »ar Franzei.

(Fortsetzung folgt.)