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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg ««- Kirchhai«.

*** "^nCriSen Inb^totirHoa ° 3h* 66.tra Jllustrirtes Sonntagsblatt, wsarea;; ä^ertt S1P Fernsprecher Nr. 55.

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«richeint tL«lich «ßer « Bertttgta r.«ch Im- mb frtitega. O»art»l-Ab»nnnu«t».Pret» bei bet Gxpe- bitt« 8 KL, bei «Seit P»tzi«t-m 8 KL 85 «ffr (exä. veßrllgeld). Jnferatiaur-ebShr für die icftmltaie Zeile »btt beten Sten» 10 Pf«., Nellomm für bte Zeile 85 Vf,

Marburg,

Sonntag, 21 Oktober 1894

«ngetgen nimmt entgegen die Expedition dieser Blattes, sowie die Amwmru-Bmeaur von Haasenstein n. Vogler in Frankfurt i. M., Cassel, Magdeburg und Men; Rudolf Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; <8. L. Daube m6e. in Frankfurt a. M.. Berlin, Hannore:, Paris.

XXIX: Jahr-,

Zweites Blatt.

BermischteS.

Der unmusikalische König von Italien. Die Königin von Italien ist äußerst mnfikalisch, während König Humbert kein Gehör für Musik hat. Folgendes Geschichtchen wird hierüber berichtet: Letzthin vmde der Königin Margherita der Rat erteilt, beim Lesen ein Augenglas zu benutzen. Als sie zum erstenmale von ihrem Gatten, der dies verabscheut, hiermit gesehen wurde, rief derselbe aus: »Margherita, nimm diese Gläser weg!* Die Königin verweigerte lachend, seinem Wunsche uachzukommeu. Als der König sah, daß alle seine Ueberredungkuust nichts nutzte, sagte er endlich: »Margherita, wenn Du diese Augengläser nicht entfernst, dann finge ich!' Der Effekt dieser einfachen Drohung war, daß die Königin dem Wunsche des Gatten nachkam. Ehe die Königin die falschen Töne ihres Gatten anhöcen mochte, verzichtete sie lieber auf das Augenglas.

»Fritz, daßSie mir nicht vergessen, die Handtücher mitznnehmen!') so lautete die eindringliche Mahnung, die der Leutnant X. an seinen Burschen richtete, als Beide sich anschickten, in» Manöver auszurücken. Mama hatte dem Herrn Leutnant anempfohlen, doch ja eigene Handtücher mitzunehmeu, denn man könne nicht wissen usw. usw., und da ihm dieser Rat vernünftig erschien, hatte Fritz sechsReinleinene" mit ans die Reise nehmen müssen. Trotzdem der Bursche beteuerte, er werde auch diesen Befehl prompt ausführen, mußte der Leutnant doch nicht allzusehr vou dem guten Gedächtnis seines Fritz überzeugt sein, und deshalb erfolgte in jedem Quartier immer wieder dieselbe Mahnung:Daß Sie mir nicht vergeffen, die Handtücher mitzunehmeu". Das Manöver war vorbei und man rückte in die Garnison ein. Natürlich war, al» Beide wiederzu Hanse" waren, die erste Frage:Haben Sie auch nicht die Handtücher vergeffen?" worauf Fritz ein Packet herbeischleppte und demseiben mit sichtlicher Be» friedigung, aber zum großen Staunen de» Herrn Leutnant etnunddreißig Handtücher entnahm. Fritz hatte eben den Befehl falsch verstanden und überall, wo sie im Quartier waren, die Handtücher mitgenommen.

Gerstäcker al» Ursache der Er­findung de» Fleischextrakts. Der berühmte Naturforscher Karl Bogt erzählt Folgende» von einem zwischen ihm und dem genialen Chemiker Justus v. Liebig geführten Gespräche:Den Gerstäcker

halte ich hoch", sagte Liebig,der Manu hat mich auf das Fleischextrakt gebracht. Als ich in einem seiner Romane las, wie Hunderttausende von Zentnern Fleisch in den PampaS zu Grunde gehe», sagte Ich mir: diese» Fletsch muß für nnS verwertet werden." Es ist aller Welt bekannt, in wie glücklicher Weise Liebig seinen Gedanken ausführte. Heutzutage ist Liebigs Fleischexttakt durch die in größtem Maß stabe zu Fray-Bentos betriebene Fabrikation zn einem der populärsten Gennßmittel geworden.

Schusterei und Tanzkunst. Aus Madrid wird geschrieben: HanS Sachs war bfr kanntlich ein Schnhmacher und ein Poet dazu. Die Madrider Schuster sind vielleicht keine Poeten, an Einbildungskraft aber fehlt es ihnen jedenfalls nicht. Man sehe nur: die braven Leute haben eir.cn Verein gegründet, der den Zweck verfolgt, die Kunst der Terpsichore zn fördern. 3m Vereinslokale unserer Schuster finden jede Woche zwei Bälle statt. Ter Eintritt kostet für jedes Tanzpaar 50 Centimes. Mit der EinttitiSkarte wird dem Kavalier und seiner Dame je ein Schein ausgeliefert, der eine Anweisung auf ein zwanzigstel Paar Stiefel ist, da» heißt, daß der Träger von zwanzig solcher Scheine da» Recht hat, sich vom VereinSmagazin ein Paar Stiefel aus­liefern zn lassen. Auf der Rückseite jeden Scheins steht ein VerSleiu, das in deutscher Uebersetznng wie folgt lautet:

Lasset die Füße nimmer in Ruhe,

Tanzet und springet und zerreißet die Schuhe.

Ist der Gedanke nicht recht praktisch? Da die Schuster an» aller Herren Länder doch über einen Leisten geschlagen sind, so dürfte e» nicht Wunder nehmen, wenn nach der Lektüre obiger Zeilen die deutschen Schuster in die Fußstapfen ihrer spanischen Kollegen treten.

Da» Wasser der Seine, da» von den Parisern gettnnken wird, zeichnet sich gerade nicht durch besondere Reinheit aus. Mau höre: Im Jahre 1893 wurden aus der Seine gezogen: 5652 Hunde, 3307 Katzen, 9108 Ratten, 1720 Hühner und Fasanen, 3942 verschiedene Vögel, 4209 Kaninchen, 789 Schweine, 7 Kälber, 4 Stachelschweine, 33 Pferde, 15 cämmel, 2 Füllen, 13 Affen und 6 Schlangen, im Ganzen 28 807 Tierleichen. Gnten Appetit!

Guter Rat. Lehrer (in einer Vorbe- reitunganstalt für das Einjährigen-Examen):Nennen Sie mir, bitte, Gründe für die Kugelgestalt der Erde l" Schüler:Am Aequator ist alle» leichter". Lehrer:Dann könnte ich Ihnen nur raten, Ihr Einjähriges auch dort zn machen!"

Mittelalterliche Baugeschichte der Stadt Marburg.

6) (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Da» Hauptportal liegt auf der Westseite zwischen den Türmen und ist durch eine mittlere Säule in zwei Teile geteilt. Im Giebelfelde des mit prächtigem Laubwerk umgebenen Spitzbogen» steht zwischen Reben und Rosen die Jungfrau Maria mit dem Kinde, lieber dem Portal befindet sich ein groß-» sechsteilige» Fenster und darüber der mit Wimpergen geschmückte steinerne Giebel de» Mittelschiffe».

Die Wände find durch Seitenpforten, von denen die südliche mit reichem Laubwerk versehen ist, und durch 2 Reihen Fenster unterbrochen, an denen von außen Umgänge vorüber führen. Beide Umgänge find durch eine Treppe in einem runden Turm verbunden, der in dem Winkel zwischen dem nördlichen Settenschiff und dem Kreuzarm steht. Da» Maßwerk der Fenster besteht au« 2 Spitzbogen und einem Kreise darüber. Die Strebepfetter, welche von den Umgängen durchbrochen werden, schließen in der Höhe de» Dachsimses mit nach vorn aurge- kragten von Sculpturen unterstützten Wafferkesseln mit schmucklosen Rinnen ab.

Die an der Nordseite de» Chor» angebaute Sakristei besteht au» 2 über einander liegenden ge­wölbten Geschossen, die durch eine Treppe verbunden find. Die 4 Kreuzgewölbe im unteren Geschoffe ruhen auf einem Mittelschast und den Wandpfeilern, während dir in dem oberen dicht auf dem Boden auf kapital. artigen Kragsteinen ruhen. Die Fenster find meist zweiteilig mit einem Dreipaß im Bogenfelde. Die Strebepfeiler schließen wagrecht mit Wafferspeiern

ab. Zwischen Sakristei und Chor befand sich eine Zelle, die ihr Licht durch ein Chorfenster erhielt und von einem Bruder de« deutschen Hause« bewohnt wurde, der die Kleinodien und Geräte der Kirche zu verwahren hatte.

Das Innere der Kirche entspricht vollkommen dem imposanten Aeußeren. Zehn schlanke Pfeiler, je 5 auf einer Seite, trennen 3 gleich hohe Schiffe und tragen mit den Viernngr-Wand- und Turmpfeilern, deren Kapitäler mit prachtvollen Knospen und Blatt, werk geschmückt sind, die mächtigen Kreuzgewölbe mit ihren reichgegliederten Rippen und ihren mit p.ächtigem Laubwerk und Sculpturen gezierten, bemalten und vergoldeten Schlußsteinen.

Am Mittelpfeiler der nördlichen Reihe steht auf einer Console unter einem turmartigen Baldachin eine Statue der Jungfrau Maria mit dem Kinde, auf der Fläche be« Pfeiler« recht« ist die heil. Elisabeth, links die heil. Katharine abgemalt. Heber dem Baldachin bemerkt man .eine eiserne Rolle An den meisten dem Mittelschiff zugekehrten Pfeilerdiensten ragten 2 Meter über dem Fußboden hohle Eisen in Form eines stumpfen Kegels hervor, in : ie man zugesp:tzte Stangen stecken konnte. Nach einem im Staatsarchiv vorhandenen alten Inventar besaß die Elisabethkirche 2. Hungertücher, d. h Tücher, welche mit der Leidensgeschichte de« Herrn bemalt waren und die während der Fastenzeit unter oa« Kirchengewölbe au«gespamtt wurden. Vielleicht haben Rolle und Eisen mit jenen Tüchern in Be- ziehung gestanden.

Das Mittelschiff wird vom Chor durch einen Lettner mit einer kleinen Empore getrennt, der von zahlreichen Statuetten und reich bemalt, m und vergoldetem Maßwerk geziert ist. Hoch Über der

BaLauze«.

Geeignete Bewerber um die in Folge Versetzung ihres seitherigen Inhabers zur Erledigung gekommene Pfarrstelle in Pfieffe, Klasse Spangenberg, wollen ihre Mcldunggesuche durch Vermittelung ihres Superintendenten binnen 4 Wochen beim Königlichen Consistorium in Eaffel eiureichcn.

An der Lateinschule in Homberg ist die Stelle eines Elemcntarlehrers mit einem Anfanggehalt von re00 Mark und freier Wohnung erledigt. Geeignete Bewerber wollen ihre Meldungen mit Zeugnissen innerhalb 4 Wochen bei der Stadtschuldeputation in Homberg einreichen.

Die katholische erste Schul- und Kirchendienerstelle in Neuhof ist durch das Ableben des seitherigen Inhabers er­ledigt worden und zum 1. Januar 1895 anderweit zu be­setzen. Das Einkommen der Stelle beträgt mit Einschluß der Feuerungs-Entschädigung neben freier Wohnung im Schulhause 1' 80 Mark jährlich. Bewerber, welche auch des Orgelspiels kundig und für den Kirchendienst befähigt sind, werden aufgeforderk, ihre Meldunggesuche mit den erforderlichen Zeugnissen innerhalb 4 Wochen dem König!. Lokalschulinspekror, Herrn Dechant Endres in Neuhof,, oder dem Königlichen Landrate Flicdner in Fulda einreichen.

Die Lehrerstelle an der evangelischen Schule in Kirch­bauna, deren jährliches Einkommen neben freier Wohnung und 90 Mark für Feuerung 900 Mark beträgt, ist zu be­setzen. Bewerber wollen ihre Gesuche unter Anschluß der erforderlichcnZcugnisse binnen 8 Tagen bei dem Königl. Lokalschulinspektor Herrn Pfarrer Zinn in Kirchbauna ein­reichen.

Bei der Königl. Steuerkasse I in Fulda ist zum 1 Dezember d. Js. die Stelle des ersten Kassengehülsen zu besetzen. Bewerbungen mit Angabe der Gehallsanspruche wird entgegengeschen.

Die evangelische Schulstelle in Langenhain, mit welcher ein Dienstcinkonimen von jährlich 829 Mk. 29 Pfg. nebst freier Wohnung und 90 Mk. für Feuerung verbunden ist, soll anderweit besetzt werden. Geeignete Bewerber wollen ihre mit den nötigen Zeugnissen versehenen Meldunggesuche innerhalb 14 Tagen bei dem Königl. Lokalschulinspektor Herrn Pfarrer Eberth in Neichensachsen einreichen.

Am 20. November d. I. wird in Steinau, Kreis Schlüchtern die Stelle eines Waldwärters vakant, welche alsbald wieder besetzt werden soll. Der Inhaber der Stelle erhält jährlich 7 Mark Gehalt außer dem Bezug vou 7 rm. Derbholz. Technisch qualifizierte Bewerber werden ersucht, ihre Meldungen unter Beifügung ihrer Qualifikations- Dienst- und Führung-Atteste bis zum 10. November d. Js. an den Bürgermeister Fink in Steinau, Kreis Schlüchtern, einzureichen.

Lttterarische».

Der Lahrer Hinkende Bote für 1895, der soeben erschienen ist, verdient wiederum die höchste Be­achtung- Namen wie Hermine Bi Binger, E. Mentzel (vou ihm die wirklich vortreffliche ErzählungDer WaldhanneS"), Hermann Helberg, August Silderstein »st», spicchm für sich selbst, aber auch die ungenannten Veisaffer eiweiseu fich als tüchtige Schriftsteller: bte Erzählung au» dem Orient z. B. WaS ein guter Rat wert fein tarn" könnte in jeder klassischen" Märchensammlung stehen. Groß ist Diesmal die Anzahl köstlich erzählter Amkdoten. Dte Darstellung der Weltbegevenheiten verrät wie immer vaterländisches Gemüt und klaren Blick wie reichen Humor.

Mitte derselben erhebt sich ein geschnitzter und ver­goldeter Spitzbogen al» Unterstützung des Cruzifixe« mit seinen Nebenfiguren. Vor dem Lettner steht der hohe Kreuzaltar.

Die Seitenschiffe öffnen fich unmittelbar in die Kreuzarme. Der nördliche Kreuzarm enthält 3 Altäre mit SLnitzwerken in Schreinen gemalten Flügel- thüren*) au» dem Anfang be» 16. Jahrhunderts, Scenen au« dem Leben der heil. Familie und der heil. Elisabeth darstellend, und St. Elisabeth« Grab, worüber sich da» mit prächtigem Laubwerk und reich an Gold- und Farbenschmuck gezierte Mausoleum erhebt.

Der südliche Krcuzarm umschließt die Grabdenk­male der hier bestatteten Landgrafen und Land- gräfinnen von Hessen, und enthält neben einigen Totenschilden noch 2 Altäre mit Schnitzereien in Schreinen mit gemalten Flügelthüren, Scenen au» dem Leben Johanne« de« Täufer», St. Georg» und anderer Heiligen darstellend.

Unter der Kreuzvierung stehen die au» Eichenholz verfertigten Chorstühle der deutschen Herren an 3 Seiten stufenweis hinter einander.

Die Hauptzierde de» mit gemalten Gewölbekappen und mit bunten Glarfenstern versehenen Chors ist der au» seinem Sandstein im vollendetsten gothischen Stil höchst edtl au«geführte, polychromisch bemalte und vergoldete am 1. Mai 1290 geweihte Hochaltar, dessen Platte am Fronleichnamstage mit einem Tucke von weißer Seide mit goldenen Hirschen bedeckt wurde. Der hinter dem Altartische sich erhebende

*) Der Maler derselben ist ein hiesiger Bürger namens Johann von der Leyte. An dem Halsband einer Frau steht nur Johan von der L. Den ausgeschriebenen Namen entdeckte ich 1884 im hiesigen Stadtarchiv in einem Testament von 1630.

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Für die unter dem Schutze der Frau Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen, Prinzessin von Preußen, stehende Kinder- Heilstätte zu Salzungen ist wiederum eine Lotterie zur Ausgabe gebracht worden, welche gleich der voraufge- gangencn eine große Anzahl sehr wertvoller Gewinne enthält. Der Hauptgewinn hat einen Wert von 50,0 00 Mark. Da die Ziehung nahe bevorsteht 15., 16., 17. No­vember so empfiehlt es fich. Bestellungen auf Loose ohne Verzug an die Lotterie-Verwaltung für die Kinderheil- stätte-Lottene in Meinigen gelangen zu lassen. Der Preis des Looses ist nur 1 Mark. Dem Vernehmen nach werden diese Loose, durch welche ein gemeinnütziges edles Werk gefördert wird, sehr stark überall gekauft.

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Weltausstellung Antwerpen 1894; Die internationale Juiy hat meiner Firma die höchsten Preise zuerkannt, rämlich: meiner Lokowobilfabrik den großen Preis, einzige höchste Auszeichnung für Lokomobilen Klaffe 22 Motoren für industrielle Zwecke, meinen landwi tschaft- lichen Mafchiren Fabriken den großen PieiS, höchste Aus­zeichnung in Klaffe 63.

Heinrich Lanz in Mannheim.

A» Schweiße seines Angesichtes

braucht man nicht zu schleppen, wen« Fortuna hold ist! Die Hauptgewinne der Roten Kreuz-Lotterie von 50000 Mk. oder 20000 Mk. oder 15 000 Mark und 10000 Mk. usw. läßt man sich ein« fach in feinen Reichsbanknoten vnrzahle» und man marschiert mit diesen in der Tasche beschwert, trotzdem leichter dahin!

Aufbau enthält 3 kapellenartige Blenden mit Statuetten, welche mit prachtvollen Wimpergen, zwischen denen sich schlanke Fialen erheben, geschmückt find. Kreuzblumen, Knospen, Blätterschmuck und Tiergestalten zeigen die edelsten Formen des gothischen Stils. Die flachen Blenden des Aufbaue» an der Rückseite und an den Schmalseiten find mit Figuren bemalt, 4 davon find Könige und Propheten, die Vorheroerkündiger der Jungfrau Maria und be» Erlöser». Den Hochaltar umstanden 4 Kandelaber, w,lche zugleich al« Hcl'er der Seitenvorhänge dienten, von denen aber 2 verschwunden sind.

Auf Bitten be« Landgrafen Heinrich Raspe von Thüringen erlaubte Papst Jnnocenz IV. 1246 dem Prior der Elisabethkirche an Festtagen beim Lesen der Messe die Mitra zu tragen. Kaiser Karl IV. dehnte bei seiner Anwesenheit in Marburg im Jahre 1357 diese Befugnis dahin au«, daß der Prior be­kleidet mit der Mitra die Messe und alle gotter- dienstlichen Handlungen am Hauptaltar der heil. Elisabeth verrichten durste. Außerdem ernannte der Kaiser den damaligen Prior Hartmann genannt Castelan und seine Nachkommen zu kaiserlichen Haur- koplänen und schenkte ihm einen kostbaren Ring mit einem Rubinstein. Und diesen Ring sollte der Prior und seine Amtsnachfolger zum Zeichen ihrer Würde tragen, nur nicht bei der Feier der Messe, (cfr. Hess. Urkundenbuch II. Nr. 955.)

Recht« neben dem Hochaltar ist in der Wand ein zierliche« mit Malerei und lateinischen Sprüchen umgebener Tabernakel angebracht, und link« steht der aus Holz verfertigte und bemalte Gelebranten» stuhi, welcher in feiner Tabernakelkrönung eine au« dem 14. Jahrhundert stammende Statue der heil, Elisabeth birgt. (Fortsetzung folgt.)