öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
verautwottlicher Redakttur: Harry Fiukiug in Mark»«, xub enxbitton: Ä«kt 81. Fernsprecher N^V
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nlliche jüdische Zeitungen — als solche kann ich nur die
tim gen bezeichnen, die, wie die „Jüdische Presse", die llgerneine Zeitung der Judentums" u. f, w. die Jnte-
fRebettion mü?Expebttiou: Markt Ll.^Fernspncher Nr. J^ustrirtes Sonntagsblatt
ihrer beiderseitigen großen Verschiedenheiten der liebste Genosse auf der Schule gewesen, e» steckte mehr in ihm, als in den andern, so meinte er. Und wenn er die Reihe seiner jetzigen Bekannten durchging, so fand er unter ihnen ja liebenswürdige Gesellschafter, gute Jung«, auch geistreiche Leute, aber daneben eine große Zahl solcher Persönlich, leiten, die neben eleganter Toilette, einer Portion Stolz, Blasiertheit, auch wohl Bornierthett, weiter keine Verdienste besaßen als dasjenige der .Gesellschaft" anzugehören. Da war in ihm ost das Verlangen aufgestiegen nach anderem Verkehr. An Hartmann hatte er kaum gedacht. Dar Leb« hatte sie auseinandergeworfen, brieflicher Verkehr fand nie zwischen ihnen statt. Heute «arm sie nun durch Zufall wieder zusammmgeführt. Da übte die Per- inlichkett der ftüheren Gefährten wieder den alten Zauber auf ihn und er wollte sich demselben nicht entziehen-
lieber dem Sinnen war die Zett vergangen, ein Wagen hiett vor der Thür unb nicht lange, « war er auf dem Wege. Schon legte die Groß, iaht ihr Abendgewand an, die Schaufenster strahlten m Hellen Lichtglanz. Er achtete nicht darauf, kannte «r zur Genüge. Plötzlich aber ließ er vor einem Konditorladen halten.
„Hott' ich'» doch bald vergeffenl Ein guter Onkel darf nicht ohne Zuckerdüte komm«.'
Mit einer verheißungvollen Ditte bewaffnet, stieg er wieder in den Wagen.
Die Strecke war zurückgelegt, er stand vor dem ezeichneten Hause der Sophienstraße und gab dem ■ utscher die Weisung, zurückzukehren, er »erde seinen Heimweg zu Fuß machen.
„Zwei Treppen" hatte Hartmann gesagt. Sie waren nicht besonder» elegant, noch auch besonder»
Judentum für das einzelner Juden verantwortlich gemacht werden. Wir baden noch weit weniger als Sie irgend ein Mittel, solche Menschen unschädlich zu machen. Es ist deshalb unrecht und unbillig, dem Reformjudentum, dem ich ja, wie Sie wissen, nicht angehöre, Preßerzeugniffe des „Kl, Journal" zum Vorwurfe zu machen."
De» weitere» wird in dem Schreibe» ei» günstiges Urteil eines jüdischen Reisenden über et«e Jesuiten schule erwähor. Wir möchten wünschen, baß d Ansicht des Herrn Dr. Munk unter seinen Glaubens. und Stamrnesg«offen die herrschende wäre, doch sind wir bis jetzt zu dieser Ueberzeugung noch nicht gelangt. ES passiert eben zu vieles, woraus man das Gegenteil schließe» kau». Beka»»tlich find Blätter wie die „Franks. Zeitung" und daS „Berl. Tagebl." fast ausschließlich in jüdischen Kreise» verbreitet. Gerade bezüglich des letztere» kan» ma» in Berlin die interessante Beobachtung mache», daß von de» steifiunige» Blätter» der Regel »ach in deutsche» freifinutge» Familien die „BosfisscheZeitung" oder die „Fieifiuuige Zeitung", ia jüdische» dagegen daS antichristliche „Berliner Tageblatt" zu finden ist. Wenn unsere jüdischen Mitbürger das Ge- bahre» solcher anttchriftlicher und anrigermanischer Blätter mißbilligen, so könne» sie diese Gefinnuug dadurch dokumenttereu, daß fie solche Blätter nicht weiter halte» und unterstützen.
Bismarckworte.
Wir e»t»ehmeu einem eingeheudeu Bericht der ,N. Pr. Ztg." über de» Besuch der Poseuer beim Fürsten BtSmarck i» Barziu folgende Hauptstelle» der Rede des Altreichskanzlers:
„Daß Sie vor de« Anstrengungen der Nacht« fahrt, den Unbequemlichkeiten, der schlechte» Verpflegung »icht zurückgeschreckt find, zeugt vo» der Stärke Ihres »ationalen Gefühl». Daß sich das gerade hier ausdrückt, ist für mich eine hohe Ehre, ich sehe darin die Anerkennung meiner MÜ- arbeitschaft an den Zuständen, in denen wir heute lebe», die zwar nicht vollkommen, aber doch auch nicht so schlecht sind. Wir habe» »ie gefragt: „WaS könne» wir wünsche»?", sonder» „WaS müsse» wir habe»?" In dieser Maßhaltung ist die Haupt« Vorbedingung deS Erfolges gelegen. Der Fürst geht da»» auf das Verhältnis der Stärke und Kopfzahl der nationale» und der fremden Elemente ein und sagt: „Achtundvierzig Millionen Deutschen strheu zwei Millionen Polen gegen« über. Daß in einem solche» Verbände die zwei Million« nicht maßgebend sein könne», ist namentlich i» einem Zeitalter, wo auf die MajorttätSab- stimmung schließlich alles herauskommt, klar. We»n gesagt worden ist, ehe Elsaß aufgegebe» würde, müßten Armeen zerstört werde», so gilt dasselbe auch für die O st g r e u z e. Wir könnten das Elsaß noch eher misse», als die Ostgrenze. Aber wirlassenbeide» nicht; wir werden u»s schlage» bis auf den letzt« Blutstropfen, ehe wir das Elsaß aufgeben. Aber München u»d Stuttgart find durch feindliche Post- ttonen »icht mehr gefährdet als Berlin durch feind« liche Positionen i» der Nähe der Oder. Daher ist wohl a»zunehm», w«a je die Entscheidung a» der Ostgrenze falle, werde der letzte Manu und die letzte Mü»ze aufgeopfert werd«. Wir haben uns beschränkt auf daS, was zum freien Atme» notwendig ist; wir habe» »icht an daS gedacht, was außerhalb unserer Grenzen alles »och deutsch spricht. WaS wir »ach außen anfgabe», haben wir a» Inten- fivität im. Inner» gewonnen. Die ätterm Herr«, wen» fie zurückblicke, auf die Zeit« vor Kaiser Wilhelm, werden wisse», daß damals der Maigel an Liebe zwischen den deutschen Stämm« viel größer war. Stande» wir noch vor 40 Jahre» an landsmannschaftlicher Liebe gegen alle andere« Ratio»« zurück, heute nicht mehr. Ein einig Volk wurde * merkwürdig kurzer Zeit geschaffen. DaS ist der Beweis, daß die ärztliche Kur, weun
Aber wo war es nicht langweilig? — Die Langeweile sah ihn aus allen Ecken und Winkeln an. Von allen feinen Bekannten wurde er als der glücklichste Mensch gepriesen, weil er alles haben könne, was er wolle, nichts zu thun brauche als höchstens seine Coupons abzuschneiden. Und auch das noch ließ er zum großen Teile durch seinen Bankier besorgen. Aber er fühlte sich nicht» weniger al» glücklich.
Früher, wo er noch nicht alle» durchgekostet hatte, da war ihm ab und zu etwas lockend erschienen, da hatte er Stunden gehabt, meist recht wilde Stunden, wo ihm das Leben schön erschien. Aber was ihn damals gelockt hatte, hatte heute keinen Retz mehr für ihn. Und in die Gemeinheiten herunterfinken, wie er'« an manchen sich denen dann solche Dinge doch wieder verlinkend erschienen, davor schreckte ihn eine Stimme in seinem Innern zurück. Bi» jetzt wenigsten». Gewattige Selben# chaften hatten ihn nie bewegt. Er war von Jugend an gewohnt gewesen, da« Leben möglichst leicht zu nehm«, möglichst die angenehmen Seiten desselben aufzusuchen und zu genießen. Da« war ihm durch eine pekuniäre Lage gestattet. Jetzt wußte er nur >as eine, daß da» Leben für ihn retzlo» war.
Wie frisch und lebenrftoh war ihm dagegen der Schulfreund heute entgegengetteten, der doch ganz ander» und auf viel härteren Wegen durch» Leben »alle gehen müffen. Vielleicht lernte er in dessen Häuslichkeit das Dasein von einer unbekannten aber chöneren Seite kennen, fand bei ihm da» Geheimnis >e» Lebensglückes. Da» war'», was ihn lockte, in diese Welt zu sehen, die ihm von früher her bekannt war, aber damals ihm nichts weniger als begehren», wert erschien. Die Person de» Schulfreunde» that reilich auch ein gute« Stück. Er war ihm trotz
gtn Rabbiner über antichristliche Aeußerungen jüdischer Blätter.
* Marburg, 18. Septbr. 1894.
Wir wiesen vor einigen Tag« darauf hin, daß |t bedauerliche Erscheinung des religiösen Antisemitis- »8 vielfach eine Folge der antichristlicheu Hetze Mcher Blätter wie der „Frankfurter Zeitung" und N8 „Berliner Tageblatt" ist, ebenso wie der Rasse«, znttsemitismus vielfach seine« Grand in dem vtigermauismus solcher Preßorgane hat. Wir Bieten im Anschluß daran die Mahnung an unsere tzraelitischeu Mitbürger, gege« eine solche Presse aergischen Protest zu erhebe», da dies eines der test« Mittel sei, d« Antisemitismus, soweit er in Miosen und national« Motiven begründet ist, zu ikämpfen. ES ist uns nun bekannt, daß viele «er unseren iSraelttische» Mitbürgern das Treib« a vo» uuS charakterisierten Presse durchaus wiß- illigeu, während wieder viele andere an jenen unsere i lation und unsere Religio» beschimpfende» und Der« lhneuden „geistreichen" Artikeln ihre Freude habe», i den ersterwähnten besseren Elemente» gehört der ar Provinzialrabbiner vr. M » »k Hierselbst, welcher, ie wir der u»S vo» einem israelitischen Freunde iseres Blattes zur Versüguug gestellte» Nr. 207 K „Fuldaer Zeitung" entnehmen, a» d« katho sch« Pfarrer in Biedenkopf einen Brief folgende» »Halts richtete:
„Herr Dr. Liffard in Frankenberg sandte mir zwei »»schnitte der „Katholischen Volkszeitung", in der zwei mßerungen deS „Kleinen Journal" wiedergegeben und rigt Bemerkungen daran geknüpft werden. Ich darf wohl it Recht ««nehmen, daß Herr Dr. L. diese Ausschnitte m Ew. Hochwürden erhalten hat, und gestatte mir deS- Ib Ihnen zu schreiben, daß wir gegen solche Gemeinheiten izeluer Zeitungschreiber, die jede Religion, auch die, der ! durch Geburt angehören, in frivoler Weise mit Hohn d Spott behandeln, absolut wehrlos find. Ich weiß nicht, der in jener Notiz erwähMe Chefredakteur des „Kl. mrnal" wirklich ein Jude ist, aber das weiß ich. daß
bequem zu ersteigen. Jetzt stand Scheffler vor der Flurthür und klingelte. Ein Mädchen öffnete.
„Herr Doktor zu Hause?"
„Jawohl hier ist er," antwortete die frische Stimme Hartmann», der au» der Thür, ihm gegenüber, gleichzeitig trat. „Bitte, komm erst einen Augenblick zu mir herein, meine Frau ist noch mit unserer Jüngsten beschäftigt."
Er nahm ihm Ueberzieher und Hut ab und ftchrte ihn in sein Arbeitszimmer.
„Hier, meine beiden NettestenI" Er wie« auf zwei frische «naben von etwa 5 und 3 Jahren, die dem Fremden zutraulich die Hand entgegenstreckten. „Meine schreienden Säuglinge!" scherzte der Vater weiter. „So beliebtest Du doch, fie zu nennen?"
„Bei Leibe! Da« hast Du hoffentlich Deiner Frau nicht gesagt? — Guten Abend, Jung««! Wie heißt Ihr? — Du natürlich Lerner?" — wandte er sich an den Aeltesten.
Der Junge nickte.
„Na, da« mußte ja so fein. Und Du? Kaspar?" Der Kleine schüttelte den Kopf. „Ne, Friedrich." „Auch ein schöner Name. Ich heiße Onkel Scheffler, oder Herr Scheffler, oder wie Ihr mich nennen wollt Und hier habe ich Euch eine Scheffeldüte mitgebracht. Seht einmal wa» drin ist."
Strahlend griffen die Heinen Hände nach dem Gebotenen. Dmm aber nach dem ersten Blick der röhlichen Augen in da» Innere nahm der Letter» •ie Düte und bot fie feinem Vater. „Da Papa, eb Du sie »n« auf."
„Ra, höre, find da» aber Musterknaben! Ich abe mir an folchen Spend« der Onkel» und Tanten früher regelmäßig den Magen verdorben."
(Fortsetzung folgt.)
tu des Judentums vertreten wollen, nicht solche, die zu- ig einen Menschen jüdischer Abstammung zu ihrem Msgeber oder Redakteur haben, und die dazu zumeist e Judentum« absolut fern, oft sogar ihm feindl ch gegen- tt stehen, — ich meine, daß sämtliche jüdische Zeitungen lderholt ihren Abscheu gegen solche Preßgemeinheiteu »druck gegeben und sich mit größter Entschiedenheit da- rt verwahrt haben, daß dem Judentume und der Juden-
die Preßerzeugniffe einzelner Juden an die Röckschöße längt werden. So wenig der Katholizismus für jedes wckerzeugnis eines Katholiken, ebenso wenig kann das
Das Glück -es Lebens.
Novelle von U. D ei S.
(Nachdruck verboten,) (Fortsetzung)
Er dehnte sich behaglich, nahm eine Zigarre von « neben ihm stehenden Rauchtische, doch nicht « Kopsschütteln, al» er dabei in eine halbgeleerte ie blickte und zündete fie an. Dann vertiefte er in die Lektüre einer Zeitung. Aber bald legte fie beiseite.
„Langweilig wie immer 1"
Er sah nach der Uhr- Fünf vorbei, da hätte noch gut zwei Stunden. Toilette brauche ich t zu machen, werde so genüg«. Wohlgefällig er an sich hinunter und schnippte mit dem «ger etwas Zigarrenasche von seinem Rockärmel. Gen» — ja, für so ein ehrbare» Hau« ziemt 1 wohl ein schwarzer Rock Er schellte. „Karl, 1 sieben Uhr meinen Wagen. Ich will in die phienstraße. Außerdem gebe ich J^im den guten i> daß Sie sich Ihr« Geschmack nicht verderben. ü»e Zigarrenkiste ist immer schneller leer, als fie lein sollte, ich habe die Fehlend« nicht heraus- »atmen. Sie könnt« einmal in die Sage ge» v, bei Seutm in Dienst zu stehen, die schlechtere Ur« rauchen als ich und dann würd« Sie die t nicht mögen." „Gnädiger Herr —*
„Schon gut, schon gut. Um sieben meinen )tn. Eine Viertelstunde vorher können Sie fich *r melden."
Der Diener ging, Scheffler war wieder allein. > Heller hatte recht, eigentlich war es ein kurioser 'fall, so einen Abend in einer Familie zu »er« "Sen, wo e» wahrscheinlich nach seinen Begriffen E einfach und — langweilig zuging. Sttngweiligl
Politische Rundschau.
♦ Marburg, 18. Septbr. 1894. Sozialrevolutionäre als Universitätlehrer.
Die freikonservative Berliner Zeitung „Poft" schreibt: „Die „Deutsche Volkswirtschaftliche Korrespondenz" kommt auf die Thatsache zurück, daß jüngst io akademischen Lehrkörpern verschiedentlich sozialdemokratisch gesinnte Professoren und Privatdozeuten aufgetaucht find, Männer, welche von dieser ihrer Gestnoung so wenig Hehl machten, daß fie ttotz ihre» Lehramts werbend und fördernd für die sozialrevolutionäre Partei eiotraten. (Natorp - Marburg, Arons-Berlin). Die Korrespondenz bemerkt dazu: Es ist gleichgüttg, ob der sozialdemokrattsch gesinnte Beamte resp. Lehrer für seine umstürzlerische Ueberzeugung handelnd einttitt, im Amt oder außerhalb befleißen für die Sozialdemokratie wirkt oder nicht. In Bettacht kann nur kommen,daß, wer überzeugter Sozialdemokrat ist, das ihm übertragene Lehramt garnicht im Sinne dessen ausüben kann, der es ihm übertragen hat. Der Kaiserliche Ruf zum Kampfe gegen die Umsturzpartei hat als pofittveS Ziel das Ein
treten für Religion, für Sitte und Ordnung hingestellt, was man, soweit die erzieherische Thättgkeit deS Jugcrd- lehrerS in Frage kommt, ohne jeden Zwang dahin ergänz« darf, daß er für Vaterlandsliebe, für Achtung jeder Autoriät zu wirken verpflichtet ist, im Sinne deS Staate» verpflichtet, der chm da» Lehramt übertrug. Vermag ein überzeugter Sozialdemottat im Lehramt, gleichviel ob als Universitäts- oder als VolkS- schullehrer, diese seinem Auftraggeber gegenüber bestehende Verpflichtung zu erfüllen? Selbst der „Vorwärts" wird diese Frage verneinen müssen, denn er kann garnicht wünschen, daß ein als überzeugter Sozialdemottat bekannter Lehrer als Jugenderzieher für Religion, Sitte, Ordnung, Vaterlandsliebe und Autorität wirkt, Daran ändert auch die akademische Lehrfteihest nicht einmal etwas, denn jeder Lehrer sollgleichzeittg Erzieher fein, Und wenn der Staat den Kampf gegen die Umsturzpartei wirsam aufnehmen will, daun kann er nicht daS heranwachs ende Geschlecht sozialrevolutionär gesinnten Erziehern überlassen- dann kann er Leute, von denen er weiß, daß sie überzeugte Sozialdemokraten find, nicht in einem Lehramte belassen. Wer den Staat und die Gesellschaft, welche ihm ein Lehramt übertrugen, negirt, Umstürzen Ww, muß auS demselben entfernt werden; wollte der Staat anders handeln, so würde er Selbstmord begeh«."
Der Zweck heiligt die Mittel, diesem Grundsatz huldigt die Sozialdemokratie bet ihren Agitationen wie keine andere Partei. Ein offener Geständnis hierüber enthält der „Banhandwerker" in einem von dessen Rebakteur Keßler geschrieben« Leitattikel: „Mündliche oder schriftliche Agitation?" Es heißt darin: „In der Wahlagitation ist die mündliche Agitation die Hauptsache, wenn tüchtige Redner, die überzeugend und packend zu sprechen verstehen, zur Verfügung find. UuS Sozialdemottat« fehlt es gegenüber allen ander« Parteien an solch« Rednem nicht, wtt besitz« sogar Ueberfluß an solch« Redvem, die fich mehr an daS Gefühl als an den Verstand wenden, Für viele unserer Genossen, deren geistige Schulung nicht sehr groß ist, ist daS Gefühlsleben ganz überwieg«d. Sie neigen deshalb zur Einseitigkeit und zum Fanatismus, Diesem ihrem glühend« Empfinden geben fie dann warm« und rückfichtlos en Ausdruck und reißen dadurch die Zuhörer mtt, selbst wmn diese fie nur halb verstehen. Solche Redner find unentbehrlich bei Wahl- agstationen und da, wo man die ersten Keime der Bewegung in bis dahin ttilnahmlose Massen werfen will,"
El*““ »ub Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte,,
<m Marburg, nix: Zah»
Mittwoch, 19 September 1894 J ’ 8