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fertige Besitzergreifung durch England
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auf der WaS nun die zukünftige Gestaltung der Dinge
Nein, wen» Samoa nicht immer mehr zmückgeheu soll, muß eine europäische Macht die Verwaliuig i» die Hand nehmen. Für die deutschen Juteresseu iräre eine gemeinsame Verwaltung mit England ein langsamer Selbstmord, ein Zustand, de» eine so-
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Gnadenstoß — noch vorznziehen sei» würde. Will mau aber die deutsche» Interesse» in Samoa und somit in der ganze» Südsee nicht völlig grundlos der englische» Habgier opfern, so bleibt nur die deutsche Schutzherrschaft übrig. Daß unter einer solchen auch die englische» Juteresseu nicht leiden würde», liegt für jede« Kenner deutscher Art auf der Hand, während andererseits die englische Herrschaft über Samoa uicht um eine rohe Vergewaltigung unserer wett größeren Interessen und Rechte darstellen, sondern auch gleichbedeutend mit einer dauernte» Unterdrückung und Erniedrigung des Deutschtums sein würde.
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Jahier rich te- »a«tzr. »Bfnbei
Landwirte publizierten Gesetzentwurf, in gleicher Richtung bewegt, ja teilweise sogar vollständig deckt. Hauptsächlich wird bestimmt, daß jedes Stück Margarine, sowie alle ihr« Gefäße und Verpackungen die deutliche Aufschrift „Kunst- butter" oder „Margarine" tragen müssen; dafür werden alle, die sich zu Handelszwecken mit der Erzeugung, der Aufbewahrung, dem Verschleiß, der Ein- und Ausfuhr der Margarine befassen, verantwortlich gemacht Ebenso ist die Kunstbutter in den Handelsbllchern, Fakturen und Frachtbriefen als solche zu bezeichnen. Die Lagerstätten müssen eine bezügliche Aufschrift tragen und alle Geschäftsläden, in denen sie feilgeboten wird, in deutlicher Schrift das Plakat „Verkauf von Margarine" führen. Des Ferneren ist das Färben der Margarine in. butterähnlicher Weise untersagt und wird mit Beschlagnahme der Ware sowie mit 160 bis 400 Mark Geldstrafe geahndet, bei wiederholt r Uebertretung auch mit Gefängnis bis zu drei Monaten und Verbot des ferneren Geschäftsbetriebes. Wie man fleht, haben in Italien Regierung und Parlament die große volkswirtschaftliche Gefahr der Butterfälschung richtig erkamrt, und sie scheuen sich nicht, die schärfsten Mittel zu ihrer Bekämpfung anzuwenden, während bei uns die Butter- inreressenten nur in den seltensten Fällen eine — gewöhnlich nur sehr geringe — Strafe dagegen erwirken können.
Die englische Thronrede, mit welcher am Sonntag das Parlament geschlossen wurde, weist auf die Geburt eines Thronerben in der dritten Gereration, ein in der englischen Geschichte noch nie dagewesenc s Ereignis, hin. Die Br Ziehungen zu den auswärtigen Mächten seien fortgesetzt freundschaftliche und friedliche, doch sei eS bedauerlich, daß die verschiedene» Fragen in Betreff Afrika» zwischen England und Frankreich noch nicht hätten geregelt werden könne»; Die Königin wünsche deren unverzügliche Erledigung und führe zu diesem Zweck freundschaftliche Verhandlurgen. Dir Lage in Siam beschäftige noch ernstlich die Aufmerksamkeit der Königin; Die Wohlfahrt eines Landes, wo britische Handelsinteressen so überwiegend seien, könne der britischen Regierung nicht gleichgiltig sein. Hoffentlich würden die aus dem Vertrage zwischen Frankreich und Siam entstehenden Fragen bald endgiltig geregelt werden. Der Ausbruch des Kriege» zwischen China und Japan sei bedauerlich. Die Königin habe, nachdem sie mit Rußland und den anderen Mächten bemüht gewesen sei, die Feindseligkeiten zu verhindern, Schrille zur Beobachtung strikter Neutralität gethan. Die Thronrede kündigt dann den Abschluß des Handelsvertrages mit Japan an und bedauert die durch die Flottenver- mehrung zum Schutze de» Reiche» notwendig gewordene Stcuererhöhung. Die allgemeine Ruhr sei in Irland aufrecht erhalten, aber gewiffe soziale und administrative Schwierigkeiten beständen noch. — Die Oberhaukfrage wird in der Thronrede nicht berührt.
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wieder einmal angeschnitten wurde macht ein Centrumsblatt, die „Kölru VolkSztg.", folgende recht vernünftige Bemerkungen: „Den Nationalliberalen würde im Grunde ein solches Kartell wohl gefallen, wie der „Hannov. Kourier" verrät; Hilfr's nichts g gen die Sozialdemokraten, so hilft'- doch gegen die Konservativen. AuS deren Haut haben die Nationalliberalen ja von jeher mit Vorliebe in aller Freundschaft Leder geschnitten; Wern also die Nationalliberalen sich jetzt entrüstet gegen ein Kartell mit den „Neukonservativen" verwahren, so meinen sie nur, die Konservativen sollen ihr eigenes Programm fallen lassen und eS nach nationalliberaler Vorschrift umändern, dann will man mit ihnen gern zusammengehen."
Invalidität-Versicherung;
Noch immer findet man in sozialdemokratischen Organen spöttische Betrachtungen über die Invalidität- und Alter - Versicherung. Mit Absicht wird dabei die Jnvaliditätver- sicheruug nebensächlich behandelt und werden die Rentensummen als außerordentlich gerirgsügig hingestellt. Demgegenüber schreiben die Berliner Politischen Nachrichten: „Mau wird natürlich nicht erwarten dürfen, daß die Sozialdemokratie jemals davon ablassen wird, sich zur Schürung von Unzufriedenheit auch der staatlichen Arbeiterversicherung zu bedienen, soviel aber sollte ihr doch schon da» eigene Jnterresse rathen, daß sie nun allmählich aufhört, nm von der AtterSVersicherung zu sprechen. Dazu giebt e8 einmal schon zu viele JnvaliditStrentner; ES kommen gegen-
Politische Rundschau.
* Marburg, 27. August 1894.
Zur „Kartellfrage", der „Nordd. Allg. Ztg." höchst überflüssigerweise
Grscheiut täglich außer an Werktagen »ach von»- und Feirrtageu. — Qu«rt«l-Ab»unemeut»-Prri» bei der Sxpe» dition 8 Mk., bei allen Postämtern 2 SRL 95 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnser«tion»gebühr für die gespaltene Zeile ober deren Raum 10 Pf,;, Reklamen für die Zeile 95 Pf,
Marburg,
Dienstag, 28. August 1894
wärtig bereits rund 80,000 auf 226,000 Altersrente er. Weit mehr als ein Mertel aller auf Gruud des Gesetzes vom 22; Juni 1889 bewilligten Renten entfallen also bereit» auf die Jnvaliditätveisicherung; Dazu kommt, daß der Zeitpuntt, an dem die Wartezeit für die Invalidenrente abgelausen ist, nicht mehr fern ist; Die Wartezeit ist auf fünf BeitragSjahre festgesetzt. Da ein BeitragSjahr sich au» 47 Beitragswochen zusammensetzt, die fünfjährige Wartezeit demnach aus 235 Kalenderwochen besteht, so würde nicht mehr ein Jahr verfließen müssen, damit die UebergaugSbestimmungen über den Bezug der Invalidenrente den dauernd gütigen Vorschriften weichen. Von der Mitte deS nächsten Jahre» ab aber wird sich die Zahl der Invalidenrenten stark vermehren, da dann die Forderung der Beibringung von Zeugnissen über die Beschäftigung vor dem L Januar 1891, dem Jnkraftsetzungtermin des Gesetze», wegfällt. Die Zahl der Invalidenrenten könnte also bald die der Altersrenten übersteigen, und dann würde ja ein bloßer Hinweis auf dieses Verhältnis genügen, um die sozialdemokratischen Blätter der Unwahrhaftigkeit zu überführen."
Militarismus und Miliz;
Folgende Mitteilung ist dem BernerTageblatt entnommen: „Zürich. Einige übermütige Burschen wollten kürzlich au einem Abend ihr Mütchen damit kühlen, daß sie den vor der Kaserne in Zürich Wache stehenden Kavallerie- Rekruten mit Schimpfwörtern ttaktierten. Als dieser sie aufforderte, ihres WegeS zu gehen, wollte gar einer thällich werden und sprang auf den Posten zu; Dieser hieb auf den Angreifer ein und verwundete denselben, so daß er noch „wilder" wurde und nochmals auf den Rekruten eindrang. Nun lieb aber der Angegriffene nicht mehr mit sich spielen, sondern »ersetzte dem dummen Kerl einen solchen Hieb, daß er zusammenbrach und vom Platze getragen werden mußte; Die Nacht über mußte er im Krankenzimmer bleiben, wurde dase.bst ärztlich behandelt und anderen Tage» der Polizei übergeben." ES scheint demnach, so bemerkt hierzu die Berliner „Post", daß die Milizsoldaten der eidgenössischen Republik auch keinen Spaß verstehen, wenn sie angegriffen werden, sondern von ihrer Waffe rücksichtlos Gebrauch mache»; Wunderbar ist nur, daß man in der Schweiz diesen Fall als etwas Selbstverständliche» behandelt. Bei un» pflegt die radikale Presse solche Ereigniffe zu einem wüsten Geschrei gegen den „Militarismus" auszubeuten.
Ein neues Margarinegesetz in Italien.
Ter italienische Staatsanzeiger vom 31. Juli d. I. veröffentlicht ein Gesetz über die Neuregelung der Produftion und des Verkaufs der Margarine, welches sich mit den meiften deutschen Vorschlägen, speziell dem vom Bunde der
»geht, so glaubt mit Ausnahme einiger politischer Wähler dort niemand an eh Protektor at Neu-Seelands; aum hält vielmehr, vorausgesetzt daß die Vereinigte» Staaten box Nord-Amerika sich wirklich zurückziehe», j M 3 Auswege für möglich:
II. Eine gemeinschaftliche Verwaltung auf Samoa durch Deutschland und England.
2. Schutzherrschaft seitens Deutschlands.
3. Schutzherrschaft seitens Englands.
WaS de» erstgenannte» Weg betrifft, welcher in
Samoa.
\ * Marburg, 27. A»g»st 1894.
j Die in Sydney erscheinende „Deutsch-Australische | vom 30. Juni bringt der „Alld. Bl." zufolge | (tuen Bericht aus Samoa, der u. a. von der Auf- resmlg Knude giebt, welche durch die unerwartete gxfunft des deutsche» Kriegsschiffes „Bussard* dort hrrvorgerufeu wurde. Währevd bei der englische», tezw. neuseeländische» Bevölkerung in Apia eine ! Me Enttäuschung und eine sehr niedergedrückte Stimmung Platz griff, wurde doch bei den Deutschen stine besonders freudige Erregung sichtbar. Die Deutsche» i» Samoa, die meist schon lauge Jahre dott wohne» und immer auf eine Deutschland günstige Äsung der Samoaftage gehofft hatte», sind infolge ia viele» Enttäuschungen Schwarzseher schlimmster Lt geworden. Allen auch jetzt wieder auftauchenden Nachrichten über ein thatkräftiges deutsches Vorgehen gegenüber erinnert man sich nur zu gut der traurige» Dhaffache, daß das Blutbad. von Valilele (1889) wch uugerächt ist, und sagt: „Was nützt es auch, nenn ei» deutsches Geschwader kommt! eS zieht doch Sieder ab wie die frühere», ohne etwas Entscheidendes zethan zu habe» — der deutsche Michel läßt sich loch von England an der Nase heiumführen!"
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Anzeige» nimmt entgegen die Expedition diese» Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler ht _ r
Frankfurt e. DU, Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf AJLlÄ! feflDTfl, Masse in Frankfurt a. M., Berlin, München «. Köln; G. L tJ T »
Daube m. Co. in Frankfurt «u M;, Berlin, Hannover, Pari»;
ilpia für die wahrscheinlichste Lösung der augenblick «che» Wirren gehalten und befürchtet wird, so ist eS --- Sar, daß er keineswegs zu einer Beruhigung und anen' Befestigung der Verhältnisse, wohl aber zu einer Verewigung deS jetzigen Zwiespalts und Haders führen würbe. Sanz abgesehen davon, daß ein eifersuchts- slttes und einiges Vorgehe» der beide» SchntzmLchre st der Neugestaltung der Verwaltung und vor allem st der Entwaffnung der Eingeborenen so gut wie - ^geschlossen erscheint, würde» sich die Letztere, j Mort in zwei Heerlager scheiden, und der eigen-
Btig-politischen ThStigkeit britischer Miffionare wie «useeländischer Hetzer stände ein fruchtbares Feld & ihre geheime und offene Wühlarbeit zu Gebote.
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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
: Milkt Nr. 66..-*• Jllustrirtes Eonntagsblatt. Redaktion «nb* Expedition: Markt 21? Fernsprecher Nr?«5?'
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Knrrft «nd H««K.
i | Roman von Gertrud Franke-Schievelbein.
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(Fortsetzung;)
l F Bäcker . . . Dar war dem Peter neulich f» toszestiegm, als er einen Laib Brod angeschnitten
. l tob bet herzhafte Duft ihm in die Nase drang, tovd! Brod! Biel Brod! Da« «ar ja lange sein Tchnm gewesen. Freilich wollte er'» nicht zum Den, sondern »um Kneten. Und alle», «a« mit toem zerbrochenen Zukunftstraum zusammenhing, noch immer für chn mit einem unsäglich süßen, tohmutrrollen Zauber umgeben. Daß die Bäckerei gi da» einträglichste Handwerk im Dorfe war, •tosn dachte er nicht.
Desto mehr aber der Pfarrer.
, „Hm, Hm/ nickte er vor sich hin, ordentlich toten Schein männlicher Entschloffenheft in den toUffen Zügen, „der Sache wollen wir näher treten •«Ü selber mit dem alten Meiner» reden. De» «Aing» Anton hat ja Ostern über'» Jahr au»- Meint Da» paßt ... btt könntest Du nach der u^nsegnung gleich eintreten ■•. • ■ Ist 'ne Gold- ‘ Ue. da» Geschäft ... gut, gut ... will seh'n, seh'n . . .’
|u Und so eilig, al» sei ihm selber bang, daß die wtne Anwandlung von Thatkrast ihn verlaffen :?toie, ehe er sein Werk zu Ende geführt, nahm er ; «t und Stock, bot den beidm die Hand und stieg **e Treppe hinab
. Peter sah ihm vom Fenster nach, wie er mit ?n unsicheren, tastenden Schritten eine» Menschen, selten da» Zimmer verläßt, über den Pfarrhos tolzte und dann am Ende der Straße verschwand. V Nun war» ihm, al» müsse er hinter ihm her
stürzen, mit aller Kraft ihn zurückhalten: Ich kann — ich kann'» nicht .. . laß mir Zeit - . .
Er drückte da» Gesicht an die kalten Scheiben und hielt sich mit Gewalt am Fensterknopf. Sein heißer Atem trübte dar Gla» und legte einen Nebel über die Außenwelt. Da» war gut. Nun sah er auch den Turm nicht mehr, der sich wie ein mahnender Finger in die Lust reckte. Wenn'» erst fest- gemacht wär', dachte er.
Lisabeth, die Hände im Schoß, bog sich von ihrem Platz am anderen Fenster weit vor, um einen Schimmer seine» Gesicht» zu sehen. Wie'» in ihm aussah, wußte sie genau- Aber sie wagte nicht zu reden. Die lange Sttlle lag wie ein dumpfer Druck auf den beiden.
Da begannen auf einmal — e» «ar eine vornehme Leiche im Dorf — die Glocken im Turm zu schwingen. Hell und voll und feierlich zitterten die Klänge über ihren Häuptern hin, «ie sie in der Stunde von Peter» Geburt und seine« Later» Begräbnis geläutet hatten.
Dem Knaben war'«, al» dröhne vom Himmel selber eine zürnende Stimme Eine qualvolle Angst Übersiel ihn. Er weinte laut auf.
Da stand seine Mutter neben ihm und drückte seinen Kops an ihre Brust und flüsterte zärtliche und tröstende Worte.
„Ich hab' ja Dich/ weinte sie leise — sie dachte wohl an seinen Vater — „und siehst, mein Bub, wir bleiben ja nun zusammen. Ach Gott, ich sollte ja so ftoh sein . . . und bin'» auch - - gewiß Peter, ich bin'» . . - Und Du. . mach ein ander Gesicht . . . Die Falte weg - - . so, so. . siehst Du, da kannst schon wieder lachen . •. Und bleib Du nur immer so brav, mein Bub, mein lieber Bub . . /
Da hatte er sich darein gesunden.----
Langsam und zagend trat der Frühling seine Herrschaft an. Immer wieder machten scharfe Nach'.flöste sein freundliche» Schaffen zunichte. Aber endlich blühten doch die Veilchen unter den Sträuchern und der Huflattich an den Wegrainen Der Laubwald war wie mit einem braun.violetten Schleier überflogen. Dann sprangen die Knospen und da« Lichtgrün des jungen Laube« drang hervor, entfaltete sich am immer sieghafter webenden Sonnenlicht und warf endlich feine zarten Schatten auf Märzbecher, Anemonen und Schlüsselblumen, die zwischen dem ftischtreibenden Grase und den blauglänzenden runden Blättern der Haselwurz sich emporstreckten. Die Kinder zogen scharenweise in den Wald und flochten Kränze und trugen den Frühling in die Häuser.
Da« Marthel war mit seinen Gespielinnen draußen, so lange noch ein Schimmer de» Tages- licht« zwischen den Stämmen blieb- Note Backen, roirre Locken und blitzende Augen brachte sie mit heim. Sorgen hatte sie keine mehr, denn der Peter half ihr wieder getreulich bei den Schularbeiten und war in allen Nöten ihr Berater und Heiser.
Und noch einer freute sich der Wandlung Peter«: Herr Thierbeck. Und der vielleicht am meisten.
lieber den reuig heimkehrenden Sünder empfand er innigere Genugthuung, al» wenn „fein Student" niemals gestrauchelt wäre. Rührend war feine Dankbarkeit, fein Eifer, ihm da« Beste beizubringen, wa« er selber wußte-
Mit Leib und Seele gab sich der Peter jetzt ter Wissenschaft hin. Noch diese» eine Jahr des Lernens — bann war» vorbei damit.
In den Religionrstunden, die der Einsegnung vorangingen, befestigten sich seine frommen Grund- sähe- Unablässig arbeitete er an sich und that sich«
nie genug an Selbstüberwindung und strenger Tugendübung. Zuweilen wunderte er sich, wie leicht ihm jetzt da feit dem großen Siege über sich selbst sein ganze» Wesen in tiefer, gährender Bewegung war, das Gutsein wurde- Bin ich denn besser al» die andern? fragte er sich. Und bann strafte er sich für diese Sünde der Selbstgefälligkeit und lieber* Hebung mit einer harten Buße.
Er hatte sich ein Büchlein angelegt mit dm Rubriken feiner Fehler. Da hinein zeichnete er an jedem Abend nach gewissenhafter Prüfung jede Uebertretung. Anfangs gab» schwarze Striche genug; aber allmählich wurden derer immer roeniger. Und im Gegensaß zum Maler Apelle» wünschte er sich einen Tag ohne Linie.
Einmal, al« er auf seinem Bettrand saß und die Spanne Zeit vom Aufstehen bi« jetzt überdachte, wollte ihm keine einzige Sünde einfallen. Wie in einer frommen Ekstase hatte ihn sein reiner Wille über alle Versuchungen hinweggetreten. Der Pfarrerin, die ihn unversehens „angeblafen", hatte er um ihre» Manne« und Marthel wegen fteudig verziehen. Selbst den Anton Willing, seinen Vorgänger und künftigen Gesellm beim Meister Meiner« — Franzel« Busenfreund und Peter» schlimmstm Quälgeist in der Schule — hatte er auf der Straße gegrüßt und sich nicht einmal geärgert, al» der rohe Bursch mit einem frechen Wort gedankt hatte.
Plötzlich aber fiel ihm ein, daß er dem Marthel auf fein Bitten fast dm ganzen Aufsatz gemacht hatte- Sie wußte gar nicht» Über „die Drossel* zu sagen, als daß sie schon mal eine gegessen hatte, die der Franz mit dem Blasrohr vom Kaste nun» bäum heruntergeholt. Und nun dachte er ernsthaft darüber nach, ob er Recht gethan ober Unrecht
(Fortsetzung felgt)