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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

Verantwortlicher Äebettext: Harry Fiokirrg in Rerbnrt, Äebettien tob krpeditiou: Markt SL Fernsprecher Nr. 56.

M 190

Und nun war er nach Sonnenuntergang noch au:

Zweites Blatt

rgust

war

Ein reizendes Francheu von 17 Jahren 8 Monaten

ab 14 Tagen war Frau Lncte.

5t. 60 Pf,

st m

von

Um

des Mannes willen! "

ein.

odhag

i. s

er

Hanptpreise: Nr. 110 257

25. August 1894.

Nr. 123055 176 758 350642 494269

Nr. 37 285 78027 79 443

je 1000 Francs.

franz.

Kredit

Obligationen des

fi-

fich

grau war

173 035

260 505

351475

421438

181284

280 897

351 986

442844

196 242 293871

384 294 455400

der oder oder

je 5000

98 211 203190 300 913 402430 460 929

ligerücha englisch

Francs.

140 243 248522 331 080 408283

461469

sie diese Speise entrüstet abgewiesen hatte. WaS hatte er freilich geantwortet: Nichts, gar nichts!

Gepfiffen hatte er die gräßliche Melodie:

ä 100 000 Francs. Nr. 17 386 ä 50 000 Francs. Nr. 165 501 393456 394848 je 10000 Francs.

der Straße.

Sollte fie ihr Leben verfichern oder seins?

Wurde ihm abends etwas angethan, das gewiß schrecklich.

Geriet er aber um die Zeit, wo alle Katze« sind, mit seinen Treuschwüre« iu Konflikt, so das schrecklicher.

Abends fort ging.

Freilich ward es ihr bitterschwer, den« Schändliche kam nun, statt um Mitternacht, doch bald «ach Mitternacht, erst nm 1 Uhr 2 Uhr Morgens heim.

Doch Geduld, die Rache schläft nimmer!

Frau Lucie dachte so und ihr Werk wollte vollbringe«.

'orzü- hlt srm.

Foncter. Ziehung am 6. August. Auszahlung am 1 Septbr. 1894. 3proz. Prämien- Obligationen vom Jahre 1879. Nr. 218 753 ä, 100 000 FrcS. Nr. 943647 ä 25000 FrcS. Nr 48036 284775 574173 644940 659 804 677 283 je 5000 FrcS. Nr. 4032 895 625 879131 829 544 63699 715 376 932 321 722124 856 758 909 515 769349 760098 975069 33872 143972 769687 581975 67840 866110 130036 875436 538520 327279 668131 753972 730191 10584 17026 988395 663027 47473 591715 184459 17404 787 253 585 602 274134 370 572 670376 160974 57310 928149 932440 429920 336940 je 1000 Francs. ______

9i-'

1792

Erst in vorgerückter .Stunde kam Robert aus seinem Komptoir.

Er mußte also zu Hause bleibe«.

Oder aber seine Frau Freud und Leid teilen lasten.

Freud!

Ja, Freud! Denn die geschwätzige Frau Toma sprach mehr als allerlei von dem gemütlichen Hinter, zimmer, in dem Robert» Klub sich zu versammeln pflegte.

Und Leid!

Den« Lucie's Gemahl war iu diesen wenige« Woche« doch scho« zweimal 1« selsamer Stimmung «ach Hause gekommen.

Er sagte, er habe etwas in einen hohlen Zahn bekommen, und das Spreche» ward ihm wirklich nicht leicht. Und als Fran Lucie mit Tüchern und Kopf­binde» kam, lautete der schroffe Bescheid, fie möge ihn mit solche» Dummheite» zufrieden lassen.

Dummheiten! wörtlich hatte er eS gesagt.

Und nächsten Morgen hatte er bei dem Mädchen persönlich bestellt, ihm ein paar sauere Heringe mit« zubringen. Dabei wußte er aber doch, daß seine Fran alles andere eher sei, denn eine Freundin von Fischen.

ES mnßte ihm abgewöhnt werde«, dies Bei» weile« außer dem Hause.

Lächerlich war doch die Ausrede, er könne nicht völlig mit seinen früheren Freunden brechen:

Hatte dann nicht fie, Fran Lncte, mit Allem, was in ihren Mädcherttagen ihr heilig gewesen war, brechen müssen?

Mit Allem, mit Allem, seinetwegen doch!

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F bto, t, reich' HiN» Jomnn tn@i» [3611 cfeld.

Merlosmlge»

(Ohne Gewähr.)

Stadt Paris 500 Francs-Lose von 1875. Ziehung am 6. August. Auszahlung am

Und nun vergaß er eine jede Rücksicht?

ES sollte anders werden und eS mußte anders werden.

Selbstverständlich würde Fran Lucie stch nie zu Rauheiten hinreißen lasten, wie fie ihrem Manne so geläufig geworden waren i« diesem wenigen Wochen.

Er mußte mit Liebe, Freundlichkeit und Hingebung an's Heim gefesielt werden, damit er sein Unrecht er­kenne und fich endlich schäme.

DaS hatte Frau Lucie schon beim letzten Mal ihm gesagt, als er Heringe zum Frühstück, und

er-

Q6

68 ist nämlich nötig, dies Alter genau festzu- Wen, weil Robert Srtelt, der Gemahl Fran Lncie'S, sti jeder Gelegenheit in lauterem Tone, als gerade ^forderlich gewesen wäre, erklärte, eine Frau von chtzehn Jahren sei kein Kind mehr Md dürfe keine Mischen Lannen habe».

Fran Lucie wollte kein Kind «ehr sein, denn fie mc seit dreieinhalb Monaten Fran.

Sie wollte aber auch vor der Zeit nicht älter Macht werden, als fie thatsächlich war.

Wenn man siebzehn Jahre alt ist, braucht man sich nicht achtzehn Jahre schelten zu lassen.

Robert Srtelt sagte freilich, solche Kleinigkeiten iämen für Männer gar nicht in Bettacht; die hätten säte, wo jeder Tag neue Steuerprojekte bringe, an adere und wichtigere Sachen zu denken.

Frau Lucie weinte.

Sie behauptete Grund zu ihrem Schmerz zu und fie hatte ihn auch.

Lest dreieinhalb Monaten waren fie Mann und Frau. Und fie hätte, ganz gewiß nicht, diese dreieinhalb ate ungeschehen machen wollen. Der Gedanke, zu sein, erfüllte fie mit wahrem Hochgenuß.

6in Mädchen, wie fie e» bisher »ar, was das?

Nichts Ganzes und nichts Halbes!

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r «b**Jkbfe»n: V"6"* Jllnslrirtes Sonntagsblatt

st. 40 Pf »40. 50, ife 5t 50«

Baier mit seinem Sohne spazieren ging!*

Das war zu arg gewesen und Frau Lucie hatte zur Mutter heimkehren wollen.

Aber schließlich blieb ihr Man« vo« siebe« Tage« i« der Woche immer »och»f z» Hause.

Uud besser eine Frau a» fünf Abenden, als allein mit der Mutter an sieben Abenden!

Denn der Vater ging nicht bloS zwei Abende in der Woche an», fanden alle fiebe».

Sein eigen Kind mußte fast vor seiner Missethat erröte».

Aber, wie gesagt, diese zwei Abe»de mußte» hm, dem Manne abgewöhnt werden.

Ei» fester Wille bedeutet da» halbe Vollbringen! Frau Lucie dachte so und sofort ging fie an ein eifriges Pläneschmiede».

Natürlich durfte Robert von dem, was fie in tiefster Brust plante, keine Silbe ahnen.

Und so war sie den« die Freundlichkeit nnd Liebenswürdigkeit selbst.

Sie brachte ihm selbst Hut und Stock, wenn er

Der Mann.

glue humoristische Plauderei von I e n n i e H a r d e & [Nachdruck verboten^

Einen wahren Bärenhunger brachte er mit, wie er wieder und immer wieder versicherte.

Nur einen Augenblick noch, beschwichtigte Frau Lucie.

Aber was hält deuu das Esten so lange auf?" fragte er unruhig.

Ich habe vorhin für Dich die ersten Karpfen bekommen!', sagte Lucie feierlich.

Wie gut Du bist!' Er küßte seine Fran.

Endlich sagst Du daS einmal wieder', bemerkte Frau Lucie ironisch.

DaS habe ich immer gesagt', verteidigte er fich lebhaft.

Die junge Frau lächelte schelmisch und lehnte fich sanft an ihn.

Robert, wenn ich Dich bat, bei mir zu bleiben, waS sagtest Du dann?'

Na ja, lieber Kind! Aber alle Hagel, heute ist Freitag, und schon fast 9 Uhr, da muß ich ja fort. '

Aber, Robert, denk' doch an die Karpfen, wen» Du nicht an mich denke» willst!'

Nu» ja, ja . . . ., aber ich muß dem Patton, dem Z., das letzte Spiel hetmzahle»!'

Robert, die Karpfen!'

Ich höre ja schon, laß doch nur auftragen!'

Aber fie müssen doch erst gar sein!' rief Fra« Lucie mit blitzende« Augen.

Da steht man's doch, pünktlich könnt' Ihr Frane» nie fein!"

Frau Lucie schaute zornrot ihrem Manne iuS Gesicht.

Ist das etwa Pünktlichkeit, wenn ein verheirateter Manu morgens um zwei Uhr heimkommt!'

Mach doch nicht solches Wesen um ein Harm- loses Spielchen?"

Sind den« meine Karpfen nicht ebenso viel wert? Und hier handelt eS fich nur um ein paar Minuten!"

Ich muß aber fort. Sonst lachen fie mich aus!"

Und wenn Deine Frau weint, das ist gleich- gütig. Wie!"

Du mußt doch alles ühertreiben. Du bist doch kein Kind mehr, bist 18 Jahre alt--*

Frau Lucie hielt ihre beiden Ohren zu.

Laß doch meine Jahre in Ruhe. Ich bi« kein Kind mehr, wenn ich auch noch nicht achtzehn Jahre alt bin."

Die alte Kleinigkeitkrämereil"

So, für Dich existiere« freilich Kleinigkeiten nicht!

Wie soll ich denn Deine Nachtschwärmereien nennen?"

DaS ist meine Sache!"

Die meinige auch, ich bi« Deine Frau!'

Zum Henker nochmal, Du willst mir den Appetit wohl mit Gewalt verderben. Ich bin Herr im Haus!'

Und ich die Frau!'

Das predigst D« mir jede» Tag vor!"

Ist auch sehr notwendig. Denn sitzt, wo wir ei« Vierteljahr kaum verheiratet find, hast Du alle» vergessen, waS Du mir früher versprochen".

Lucie, phantasiere nicht!"

Ich sage die Wahrheit!'

Sag Du fie.... Dem Himmel sei Dank, die Karpfen!'

WM- Der Gesamtauflage der henttgen Nummer unseres Blattes ist ei» Prospekt der in Berlin vom 1. September d. Jahres ab erscheinenden Deutschen Tage»,ettn»g" beigegeben.

Und alles schien ihren geheimen Plänen . . günstig gestalte» zu wolle», als der verhängnisvolle Abend kam.

Sine kurze Pause!

Trotzdem beide »och verfichert, vor Zeiger nichts mehr genieße» zu köuueu, schmeckt es ihnen doch ganz prächtig. Und beim Esse» komme» beide auf mildere Gedanke».

Lucie, mein Kind!', hebt Robert endlich a».

WaS wünschest D»?'

Deine Karpfen find wirklich gut!'

Fran Lucie macht ein Geficht, da» etwa bedeutet: Als ob e» in meinem Hause jemals ein schlechtes Essen gäbe.

Weißt Du, Schatz, diese ewige Streiterei über da» Aus gehe» «acht mir wirklich leinen Spaß mehr!"

Denkst Du, mir macht Dein Ausgehen Vergnügen? *

Aber es geht nun einmal nicht anders; ich bliebe doch viel lieber bei Dir!"

Er faßt sacht nach ihrer Hand.

Fran Lucie läßt fie ihm, denkt aber doch bei fich: Warum bleibst Du dann so lange, daß Du kommen­den TagS saure Heringe bestellen läßt!'

Lucie, sei vernünftig!", bittet Robert.

Hast Du Dich schon über Mangel an Vernunft meinerseits beklagen können?'

So mein' ich'» nicht! Sei mein braves Weib­chen und laß nnS Frieden schließe»'.

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Marburg,

Donnerstag, 16. August 1894.

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bitten 8 Ml., bei allen Postämtern 2 Ml. 85 Pfgi (exkl. Bestellgeld). JnseratiouSgebühr für die gespaltene Zelle oder deren Maxra 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 85 Pf,

Ja, wenn Du »nr zeitig nach Haus komme» wolltest!', bricht die kleine Fra» plötzlich i» heiße Thräne» ans.

Ja aber. . . .'

Ja aber . . . ., das ist eS ja eben. Wer weiß den», was so spät Abends pasfiere» kann?"

Wir habe» ja doch eine Poliz-i!" tröstet Robert.

So meine ich es nicht! Ach ich kann's nicht sagen!' Der junge Ehemann zwickert mit den Augen, als würde ihm nun mit einem male Vieles sehr Vieles klar!

Geh doch, Kind, Du bist eifersüchtig I", meint er im Tone sanften Borwurfs.

Sie wird glühend rot und bricht alsdann von neuem in Thränen aus.

Nun gut, ich verspreche eS Dir, ich bin zeitig zu Hause!"

Um elf Uhr spätestens!' ruft fie ftendig aus, ihre Thränen ttocknend.

Sagen wir zwölf Uhr!" bittet er schmeichelnd, es ist ja schon neun Uhr!'

Aber Robert, gleich am eisten Abend, wo Du «tt versprichst, pünktlich zu sein, willst Du so spät kommen?'

Nun gut, aber wen« fie mich nicht sortlassen?"

Robert, bist Du beim ein Kind?'

Abgemacht also, ich komme!"

Ein heißer Kuß, fort ist er.

Frau Lucie ordnet in ihrer Wirtschaft allerlei, fie vertieft fich iu die Journale.

Uud darüber wird es wirklich elf Uhr.

Nun muß er kommen.

Sie setzt stch an's Fenster, sie schaut hinaus und wartet und wartet.

Eine Viertelstunde und noch eine Viertelstunde.

Da nimmt die Entrüstung über den Wortbrüchigen überhand, fie beschließt, zur Ruhe zu gehe».

Er soll doch nicht glauben, fie habe sich um ihn geängstigt.

Aber mit einem Blick der Verachtung will sie ihn empfangen ..... mit einem vernichtenden Blick.

ES schlägt zwölf Uhr.

Ihr Zorn wird immer größer; sie eilte ihm am liebsten nach und sähe selbst nach dem Rechten.

Vor Zorn zerreist sie fast ihr Taschentuch.

Halb ein Uhr in der Fiühe . . . . Und schluch­zend verbirgt daS junge Weibchen das nun von Thränen überströmte Antlitz in die Kissen.

Die Männer taugen alle nichts!' stammelt fie wieder und wieder.

Ja, da» Ungeheuer der Mann! .... Und da kommt er endlich.......1

5

t an- 1791 tfen= 894.

Z n. rnst.

Befehlen mußte fie fich früher Manches lassen, Ackstchten mußte fie nehmen, und am Ende war fie tich nur dasfünfte Rad am Wagen." ! Trotz alledem wäre fie nicht Frau geworden, das ^e sie ihrem Manne ziemlich alle Tage nach dem lauf der Flitterwochen, wen« fie ih« nicht wirklich Mbl.

Und was war sein Dank?

8o« Dank war überhaupt keine Rede, nachdem Sonate und 2 Wochen seit der Vermählung ver logen waren, behandelte er sie wie eine Sklavin.

Und »en sie sich beschwerte!

( t Dann hieß eS eben, fie sei achtzehn Jahre alt, H also kein Kind mehr und solle keine kindische» -Auen habe».

DaS war'S I

: Und darüber kam Fran Lucie nicht fort.

Al» fie 2 Monate verheiratet gewesen waren, Ntte ihr Gatte jeden ihrer Wünsche, jede», ohne tonahme, erfüllt. Selbst al» Garnwinde hatte er M willig gebrauchen lasse».

Heute sagte er: der Zauber müsse einmal ein 66t nehme»!

Als ob fie ih» bezaubert hätte, er ihr nicht Awehr wieder und immer wieder Liebe bis znm tobe geschworen hätte!

: Aber die Männer tauge« eben nichts 1

Und ihr Mann taugte erst recht gar nichts I , Das hatte fie nun schon in ihre« noch, nicht 18 Jahre« erfahren.

Ihr Man« konnte fich niemals über ein miß- to>ur Mittagessen beschwere«; darüber wachte Fran ^it mit peinlicher Sorgfalt.

Sie wußte vom Elternhaus her, daß die Liebe ? Männer noch mehr im Magen wurzelt, denn im «Wl

! i. Aber Robert »ar eines schönen Tages, oder viel tor Abends, plötzlich mit der Forderung hervor tote», zweimal in der Woche auSgehe» zu wollen.

Das war unrecht!

68 war fündlich in Fran Lucie's. Augen!

. 6» war schändlich, den« eine Fran heiratet ?to Nanu, damit fie des Abend» allein zu Haus ^solll

» 6» war endlich et» grober Wortbruch, denn hatte vor der Trauung seiner Braut um« Male geschworen, er werde fie nie verlassen.

Und »nn verließ er fie schon zweimal in der Woche, toi Tage war er scho» fern.

j tob ruh noch zweimal am Abend.

»JM Männer treue kaum so lange währt, al» die pto scheint, hatte fie oft genug gehört. I

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstctn u. Vogler in ____ Frankfurt a. $L, Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf &ÄU; QrtÖTO Moste in Frankfurt <u M., Berlin, München u. Köln; G. L »*

Daube u. Co. in Frankfurt a. Mi, Berlin, Hannover, Part»,