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l Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhai«.

** Jlluftrirtes Sonntagsblatt.»ä; Wää

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Vrschetat täglich «rßrr en Werktageu »ach kenn- end Fttrrtagem Quattal-AbomremkUtS-Prei« bei der 6ti>e- bitten 2 3RL, bei allen Postämtern 2 SU SS Pfg, (exkl. Bestellgeld). JuseratiouSgebühr für die gespaltene Zeile »der deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg

Marburg, Sonntag, 12. August 1894.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte«, sowie die Amwncen-Bureanr von Haaseuftttu u. Vogler in ,

Frankfurt SOL, Cassel, Magdeburg und Men; Rudolf AÄ1A; ft (1111(1. Moste tu Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. x> *1 »

Daube tu Co. tu Frankfurt <u M., Berlin, Hannover, Pari».

tin Spiegel für Sozialdemokraten von einem Sozialdemokraten.

* Marburg, 11. August 1894.

Zwei hervorragende Führer der holländische» gojialbemetiaten, Dr. VituS Bruiusma und Hti Zindere» Bakker habe» sich von dem visterdamer ParteipapstDomela Nieuwenhuts lagesagt und ihren Austritt auS der Partei erklärt.

Wie vau Zindere» Bakker tat Friesischen Volks- tiatt erklärt, wurde er dazu durch da» revo- sitionäre, anarchistische Treiben einer Masse veranlaßt, welche für ein ideales Lrsammenlebeu »och gar nicht reif istund Mi Menschen geleitet wird, die keinen Begriff ihrer Wcht mb ihrer Verantwortlichkeit haben; der kozialdemokratische Bund würde daher iesser thun, sich offen und ehrlich den Kamen Anarchistischer Bund beizulege». kodanu hält Bakker dem fanatischen Parteioberhaupt ö« Spiegel vor, der ein geradezu für die gesamte iattung typisches Bild zurückwirft.

an ihrem kleinen Fenster saß und verloren ^starrte auf die dämmernde Gaffe--das

> Die Fehler de» Herrn Nieuwenhuis lesteheu nach Bakker darin:

.jede Mtssethat des Individuums auf Rechnung k$ Systems zn setzen, welches dasselbe so gemacht fd; sich Freidenker ta religiöser Hinsicht zu nenne», 1 ta Fanatiker in dem Glauben an eine Zusammeu- #|ing der Gesellschaft zu sein, wie man sich dieselbe j i seinem Kopfe ausgedacht hat; mit aufgerissenen \ tagen nach den Sternen zu blicken, die reißende ] jlllt, die aber bald bis zu den Lippe» kommt, nicht I» bemerken; über Brüderlichkeit und Menschenliebe st faseln, aber Haß uud Erbitterns gegen jede», der »rers denkt, zu säe»; nichts zu thuu, um frei von iritik zu bleibe», aber andere zu verdächttge«, weuu We praktisch thätig sei» wollen; über Blut uud dche fortwährend zu schwätzeu, aber zu feige zu dy um laut zu bekennen, daß »an zu den Männer» e Thal gehöre; Apostel heiße» zu wolle» einer ihre, welche die Menschheit zu eiuem harmonischen buzen zusammenfaffeu würde, aber gehässiger uud «duldsamer zu sei», als ein Ketzerrichter de» Mittel- <tR8; mit de« Lippen den Satz zu verkünden: .Wer * euch der größte sein will, muß alle» diene» Uten", aber mitleidlos alle» »iederzuttete»,

k Schneidern sie war als Mädchen in äT Häusern der Stadt Kammerjungfer gewesen vnstand sich auf die zierlichste Näherei bas

- Dorf nicht bas Sattesten ein

sie so eines Abends, das Kind auf dem

Knrrst und Gunst.

8em<m von Gertrud Franke-Schievelbeim - (Nachdruck verbotene)

(Fortsetzung.)

. Rach drei Tagen, grab wie sie den Pietro in r Grube gesenkt haben und die Glocken läuten, Jwlt die junge Witwe ein elendes, zu früh zur M gekommenes Würmchen in ihren Armen. Und k winzige Nichts, bas kaum einmal schreien kann }® zitternde Händchen mit Fingern so dünn wie ^>hhalme in die Luft streckt und sein Mäulchen jammervoll verzieht, als hab's schon jetzt über J®8? vom Leben das ist alles, was die Lisabeth * ihrem großen, großen Glück übrigbehaltm hat.

Tenig. Und doch genug. Genug, ein Herz ^füllen. Sie merkt's, als sie mdlich emporkam § ihrem Schmerzenslager. Mit seinen winzigen Jochen hält das Ding ihr Leben fest, zieht sie Mählich herauf aus dem Abgrund ihrer Per« Mng. Und als sie zum ersten Mal gelacht

wider Willen gelacht, weil es gar so drollig Flickte und dehnte, und das zahnlose Mäulchen 5* rog beim Gähnen da wußte sie auch: es 2" Du hältst aus; um den hältst Du's aus, Q^nns siebzig Jahre dauert I

, ^«ben . . . ja . . . aber wovon? Begräbnis Krankheit hatten wie hungrige Wölfe in ihren Kniffen gewütet. Und Lisabeth wat so schwach;

was der eigene» aufgeblasene» Sinnestäuschung im Wege steht; die Losung .Jedem das Seine* im Munde zu führen, aber gelegentlich mehr zu nehmen, als man verdient; sich großer Worte zu bediene», aber andere, die über da» Wie? und Warum? Nachdenken, lächerlich zn machen; die gesellschaftliche» Einrichtungen der Gegenwart zu beschimpfen, aber nie eine» prakttscheu Vorschlag zu ihrer Besserung zu mache»; ta einem neuen Hause wohnen zu wollen, aber zu träge zu sein, um die Baustoffe herzustelle»; in diesem Hause tin üppiges Lebe» zu führen, aber den Arbeiter, der die Mittel zum Genuß beschafft, zu beschimpfe».*

Bakker, der ftüher einer der überzeugteste» uud feurigste» Sozialdemokraten gewesen ist, läßt sich jetzt zu dem Geständnis herab, daß, ebensowenig als seiner­zeit Konstauttu das Christentum mit Gewalt ein führen tonnte, es jetzt möglich fein würde, auf revolutionärem Wege eine ideale Gesellschaft zu gründe», und dann schließt er mit den Worte»: .Gesetzt, es gelänge, den vermeintliche» Feind (das Kapital) zu überwältigen, so würde doch der Egoismus, die Eitelkeit und die Uneinigkeit derer, welche die Frecheit erobert habe», die Ursache werde», daß man einer neuen Sklaverei, und zwar noch einer viel schlimmere», als der vor-igeu, anheim- fiele*.

Der Hauptirrtum der Zukuuftweltler ist eben der alte Iberglaube, daß alle Manschen gleich seien. A» den Verschiedenheiten der Meuschennature» werden alle auf absolute» Sozialeudämovismu» gerichtete» Besttebungen scheiter». Alle diese Bestrebunge» find weiter »ichtS als ei» Hemmschuh für diejenigen, deren Endziel es ist, ein möglichstes Wohlbefinden der Individuen innerhalb de» soziale» Rahmen» der historische«, naturgemäß sich weiter entwickelnde« Staat- und Gesellschastordunug herbeizuführe».

Politische Rundschau.

* Marburg, 11. August 1894.

Bros chürenweirbeiti

Lasst man 10000 ostelbische Rittergutsbesitzer bankerott werden (so viel der Staat und da« Volk brauchen, bleiben dann immer noch übrig I), uud siedle man auf der ft ei gewordenen Fläche, die wohlfeil zu kaufen wäre, eine Million mittlere uud kleinere Bauern an das wäre bauern freundliche, da» wäre staatSerhalteu de Politik*. Diese sonderbaren Sätze finden sich in einer neuen Schrift laute Gelärm der spielenden Kinder drunten und die Allen plaudernd auf den grüngestrichenen Bänken neben der Hausthür Flieberdust aus den Gärten und in der Ferne die langgezogenen Locktöne einer Nachtigall, grab wie norm Jahr da schrak sie bei einem leisen Klopfen zusammen. Der Pfarrer trat ein, setzte sich freundlich zu ihr und begann zu reden.

Seine Worte thaten ihr wohl und wehe zugleich Er war ein schlichter, grüblerischer Mann, mehr in jener Well zu Hause, als in dieser, die mit ihrer kalten, nüchternen Wirklichkeit ihn abstieß, so daß er am liebsten sich ganz »on ihr abgeschloffen hätte, um über seinen Büchern zu sinnen und zu träumen lebet einem Kapitel der Apokalypse konnte er tage­lang grübeln, Essen und Trinken, Weib und Kinder vergessen. Das Rätsel bes Todes von zehn Kindern waren ihm sieben gestorben war so ost und so nah an ihn herangetreten, daß es seine Schrecken für ihn verloren, seinen Hang, sich in die Geheimnisse des Jenseits zu versenken, aber' bis zur krankhaften Wettscheu verschärft hatte.

Auch jetzt wußte er der jungen Witwe keinen tffferen Trost zu sagen, als daß er mit schwärmerischer Glut ihr die Herrlichkeit de» Himmelreichs schilderte. So tief versenkte er sich in seine Phantasien, daß er nicht merkte, wie der Abend immer dunklere Schatten über bas kleine Zimmer verbreitete. Lisa- >eth regte sich nicht. Sie weinte unhörbar vor sich )in und atmete nur halb Bis endlich ein Auf­ammern des hungrigen Kindes sie und den geist­lichen Tröster in die armselige Wirklichkeit zurückrief

Seufzend selber aus allen Himmeln griffen stand er auf und gab Lisabeth die Hand. Sie «gleitete ihn bis zur Thür, dankte ihm und reichte ihm Hut und Stock, die er im Dunkeln nicht finden

von Karl Jentsch, unter dem TitelNeue Ziele, neue Wege* (Verlag von Grünow ta Leipzig), die von den Börsenblättern, wenigstens sowett fie antiagrarisch find, mft begreiflichem Beifall begrüßt wird. An einer anderen Stelle dieser Schrift wird die Not der Landwirtschaft geleugnet Davon zu sprechen, sei .reiner Unsinn*. Die Landwittschast kann nicht Not leidem .Darniederliegeu, elend bettieben werden, ein gehen kann fie, aber von alledem ist in unserem Vater­lande Gott sei Dank keine Rede; ist es doch eine Wonne, von Nord nach Süd, von Ost nach West durch seine wohl­angebauten Fluren zu fahren!* Es scheint fast so, als wiffe der Verfasier von der Landwirtschaft nicht mehr, als was er auf Eisenbahnfahrten durch das Fenster seines Wagenabteils wohrgenommen hat Nach seiner Versicherung wäre alles, was unter Agrariern zu verstehen, wett, daß es zu Grunde geht ES lohnt sich nicht, auf solche Flach­heiten näher einzugehem Dergleichen hat mau in den liberalen Blättern oft genug lesen können; nur glaubt niemand mehr daran. Wenn die Getreidepreise so tief gesunken sind, daß der Landwirt dabei nicht einmal seine Selbstkosten decken kann, so wird jedermann zugestehen müffen, daß die Landwirtschaft sich allerdings ta einer Notlage befindet

Aus einem freisinnigen Bauernbriefe.

Das RickettscheReichsblatt" geht mit katzenartiger Geschmeidigkeit den Kleingrundbesitzern um den Bart; allein all das wadenstrümpfierische Schmeicheln und Kriechen will nicht viel helfen. Der deutsche Bauer weiß eben, daß die Freisinnigen gleichviel ob Richtcrscher oder Rickertscher Farbe seine Todfeinde sind; denn sie sind die intim st en Freunde der Getreide- chwiudler. Ab und zu aber findet sich doch ein frei­sinniges Bäuerlein, das seine Weisheit gerne gedruckt sehen möchte, und diesem Wunsche trägt dasReichsblatt" Rech­nung. Während konservative' Bauern kraftvoll und unge­künstelt schreiben, so daß auch jeder höher Gebildete gern einmal ein solches Bauernwort hört oder liest, wollen die reisinnigen Reichsblattbauern möglichst gelehtt auftreten und erscheinen darum nur lächerlich. So schtteb kürzlich einPommerscher Kleinbesitzer" an das Rickettsche Blättchen: Ich schreibe schlecht, denn ich habe eine gewöhnliche Volksschule besucht mit einem echten konservativen Lehrer, der also nicht viel weiß und uns Kindern auch nicht viel lernen wollte." Nun wird das freisinnigeReichsblatt" dem armen Pommern schon die nötigeBildung" beibringen. Was hätte aus dem guten Manne werden können, wenn er bei Zeiten einem fteisinnigen Lehrer,der also sehr viel, wenn nicht alles, weiß,* in die Hände gefallen wäre.

Die Turpinsche Elfi »düng,

Au« Patt» wttd mitgeteilt, Turpio Ihabe einem Mttarbetter des Temps erklärt, er sei enttüsttt ob all der

konnte. Al« er schon die Klinke in der Hand hatte, ieß er sie plötzlich wieder fahren, schlug sich vor die Stirn und rief:

.Warum ich gekommen bin, Lisabeth! Meine Frau--Du weißt,s ist fie sauer angekommen,

Dich aus dem Haus zu laffen, als Du heiratetest. So gut wie D» ist ja noch keins mit ihr fertig geworben . . . und bie Buben find just in den chönsten Flegeljahren und reißen Zeug, daß nur mmer ein« mit Nadel und Zwirn hinterher sein müßt! Der Franz zumeist . . . aber auch die leiben Großen in bet Stadt ... baff Gott erbarm! Und ba meint meine Frau na kurz und gut, Lisabeth . . . Dein Stüberl im zweiten Stock steht rei, grab wie Du'» verlassen hast. Dazu könnt eine Kammer für Dich und's Buberl zum Schlafen iergeri$tet werden Wenn Du, was so im Hau« vorkommt an Nähterei und Flickwerk besorgen wolltest nebenher bleibt ja wohl Zeit genug, baff Du Dir mit Schneidern einen Extragroschen verdienen könntest . . . überleg Dir's, Lisabeth . . .*

Ach Gott, was gabs da zu überlegen! Mit beiden ijänben griff Lisabeth zu. Ein Heim! Die ! tagst, wohin ihr Haupt nieder legen, sollte ihr nicht mehr den Schlaf rauben. Sie konnte für das Kind brgen, da« sie schon jetzt nicht mehr zu sättigen vermochte, und bas eben wieder ungeberbig nach Nahrung schrie-

Die Kirche lag etwas erhöht auf einem freiem Platz. Ringsum scharten sich die Dorfhäuser, eins och, eins tiefer, wie es der wellige Boden bedingte, fllles war grün von Obstgärten und Rafenrnatten. Das Pfarrhaus aber mit feinem Weingerank bis unters Dach, mit den großen Kastanien auf dem Hof, dem morgenlangen Baumgarten dahinter war am allergrünsten. Dort hatte also bie Lisabeth

Ungerechtigkeit unb der Niedertracht, womit man ihn ver. folge; er habe genug davon und werde in das Ausland zurückkehren. Diesmal sei er entschloffen, seine Erfindung dem deuffchen Kaiser anzubieten, der ihren Wert zn würdigen wiffen werde. Er werde sofort an Kaiser Wllhelm schreiben und ihn um ein Stück Brot bitten, da» dieser ihm nicht abschlagen werde. DieKölm Ztg.* bemerkt hierzu:Herr Turpin wird fich darin nicht täuschen,dn Stück Brot* wird Kaiser Wilhelm ihm sicherlich nicht abschlagen, mit seiner Erfindung aber, die ein Ausschuß sachverständiger Franzosen geprüft und zu leicht befunden hat, wird er voraussichtlich in Deutschland nicht mehr Glück haben als in seinem Vaterlande. Obwvhl der Ausschuß zur Prüfung von Erfindungen von der Un- brauchbattett der Turpinschen Mordmaschine überzeugt war, hatte er doch praktische Versuche angeordnett Sie allein hätten die endgültige Entscheidung bttngen können, Turpin selbst hat diese günstige, wie es scheint, mit großen Kosten verbundene Gelegenhett dadurch verscherzt, daß er seine Entwürfe zurückgezogen hat. Wie groß das Entgegenkommen des Ausschusses war, ergiebt fich daran», daß die ftanzöfische Kriegsleitung, wie au» guter Quelle verlautet, sich bereits seit drei Jahren vergeblich bemüht, genau dieselben Theotteen, auf die Turpin fich stützt, ta die Praxis zu übertragen.*

Die soziale Revolution in Nordamerika.

Dar Feuer der sozialen Revolution glimmt jenstttS des Atlantischen OceanS unter der Asche fort. Die momentan herrschende Ruhe ist nur eine scheinbare. Aus Chicago wird vorn Dienstag gemeldet, daß, nachdem Tag« zuvor der Rest der Staatsmiliz in ihre Standquartiere abgerückt war, es wieder zu Ruhestörungen kam, Die ftüheren Streiker und jetzigen Arbettlosen griffen bie in den Viehhöfen Arbeitenden an und versuchten anfS Neue, Eisenbahnwagen und Schuppen in Brand zu stecken. ES gelang jedoch der Polizei, ohne Hilfe des Militärs die Ordnung wiederherzustellem

Wochen-Rückblicke.

* Marburg, den 11. August.

Die sommerliche Stille, welche zur Zeit in bet europäische» Politik herrscht, ist in ber hinter n»S liegenden Woche kaum merklich nuterbroche» worbe» burch ei» Ereignis, Welche» sich ziemlich glatt i» Dänemark vollzog. Der Ministerwechsel kam nicht unerwartet, ba er be» offizielle» Schlußstein einer burch bie vor einigen Monaten erfolgte Ver­söhnung zwischen Volksthiug unb Regierung wesentlich abgeschlossenen Periobe barstellt. Da» Ministerium des jetzt 69jährigen, in ben Ruhestand tretende»

einen Unterschlupf gefunden. Von ihrem Fenster am Oberstock aus fah sie gerade auf bie Stifts­kirche. Sie sah die Arbeiter emsig beim Werk, sah den Turm, von dem ihr fröhlicher Pietro hinabgestürzt. Unb [bei ihrer einförmgen Nähterei blieben ihre Gedanken immer an dem geliebten Menschen unb seinem jähen Ende -asten- Im Anfang packte es fie wohl zuweilen wie ein Kampf, baff sie die Arbeit aus den Händen warf unb in wildem, verzweifeltem Schluchzen ihrem Glück nachjammerte. Bald aber wurde es ihr ein fiffer Trost, ganz in der Vergangenheit zu leben. Ihr kleiner Pietro störte fie nicht. Er war ein Uffes, artiges Kind, das wenig Ansprüchen Kn fie machte.

In feinem Bettchen spielte es ruhig mit ein paar Federn, einer bunten Glaskugel, einem kleinen Seidenflicken, den bie Mutter vom Hochzeitskleid der Verwalterstochter Übrig behalten hatte. Eines Sonntags aber, als fie's auf dem Schöffe hielt und hinausfah auf die festlich geputzten Kirchgänger, richtete das Kind plötzlich die Hellen Blicke von dem nahen Spielzeug in feinen Händen empor auf das Fenster- Es war, als nähme es heute zum ersten Mal wahr, baff jenseits bes Zimmers noch etwas ei die Wett. Heber die Wipfel der Kastanien astete bas klare Auge wie hülflos suchend weiter. Es erblickte den Turm mit seinen dreifach gegliederten Schafflöchern unb irrte in starrem Staunen höher, bis zum blinlenben Hahn auf der Spitze.

Da begannen plötzlich die Glocken zu läuten. Seine Blicke verwirrten sich, es begann zu schielen. Eine abergläubische Unruhe überfiel bie Mutter. Hastig deckte fie die Hand über die Augen des Kindes. »Rein, nein, nicht so hoch! Schau weg!* flüsterte fie. Aber der kleine Pietro verleugnete heute ganz