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Wochen-Rückblicke.
* Marburg, 4. August 1894.
dies nicht Agnes, seine Schwester, die dort stand und mit glückstrahlendem Antlitz, mit bangseliger Erwartung zu ihm herüberschaute. Unwillkürlich entfloh er seinen Lippen, der traute Schwestername: „Agnes I* rief er — und dann umschlangen ihre Arme seinen Nacken, bedeckten ihre Äftffe seine Stirn, seine Wangen, seinen Mund.
„Alfons! So ist er denn wirklich wahr, er hat mich zu Dir geführt! O der gute Brunel Und Du? Hast Du mich noch lieb, mein Bruder, wie früher? Verachtest Du mich nicht wegen all der tollen Streiche, die ich unternommen. O Peirol, Du edler Rann, wenn Du dar noch erlebt hättest. Aber Du mußtest sterben, ohne daß meine Hilfe Dir Rettung bringen konnte."
Sprachlos hörte Alfons die Herzenrergüffe der auf so merkwürdige Weise wiedergefundenen Schwester an, die er sowohl wie seine Mutter längst totgeglaubt hatten. Sollte etwa ihr Verstand gelitten haben, oder hatte dieser Brunel sie aufs Schmählichste zu betrügen »ersucht?
Als sie aber dann auf einer Bank der Galione vertraulich plauderten, während diese mit Windeseile zur Galathea zurückkehrte, vernahm Alfons nach und nach die ganze wunderbare Geschichte der Schwester, wie sie seit dem Tage, wo sie vom elterlichen Schlöffe entflohen, fich zugetragen hatte.
„An jenem unglückseligen Morgen," erzählte sie, „hatte ich mich ftüher als sonst vom Lager erhoben; der Gedanke, daß Peire unschuldiger Weise gefangen gehalten und de» Mordes an dem geliebtm Vater beschuldigt wurde, während er meiner Berechn»»; nach erst durch den geheimen Ausgang dar Schloß verlassen haben konnte, als man von der andern Seite derselben her schon den Leichnam der Ermordeten brachte, da» schreckliche Bewußtsein, da ;
Während in Deutschland der eine Flügel der Sozialrevolutionäre dar Schwert deS Boykotts chwingt, scheint infolge des schärfere» Vorgehens )er außerdeutschiu Regierungen die Abteilung „Propaganda der Thal" die Waffen eiustwetlen ruhen zu lassen. Nur von zahlreiche» Drohbriefen wußte» die Zeitungen in vergangener Woche zu berichte». Zu den Empfängern solcher Drohbriefe gehört in erster Linie der Präsident der französichen Republik, Herr Cafiwir Perier, auf den )ie Anarchisten dadurch eine» Druck hinsichtlich der von ihuen im Verein mit dem „Vorwärts" verlangte» Begnadigung Caserios, des Mörders Carnots ausüben wollen. Caserio ist inzwische», wie zu er- warten war, zum Tode verurteilt worden. DaS Verhör des Mörders, aus dem wir besonders bezeichnende Abschnitte an anderer Stelle wiederge- gebe» haben, entrollt ein dunkles Bild von dem Charakter dieses verhärtete» Bösewichtes, der ohne jegliches Gesühl sür Religio», für Vaterland oder für Menschlichkeit das ausführte, was seine fluchwürdige» „Ideale" ihm vorschrtebe». Gerade die cynische Reuelofigkeit, die Caserio a» den Tag legte, läßt eS auch als ausgeschlossen erscheine», daß der neue Präsident Gnade walte» läßt. Durch die anarchistische» Drohungen wird Casemir Perier fich ebenfalls sicher nicht abhaltrn lassen, da» Todesurteil zu bestätigen.
Alfons, „wenn dies nicht die Stimme Uc Brunels ist, meines ehemaligen Hofmeisters. Was treibt denn den bei Nächt auf das Meer hinau»? Na warte, Du abtrünniger Verräter, mich verlangt gar sehr, hinter Deine Schliche zu kommen. Nur noch einige Faden, dann bist Du in meiner Gewalt."
Einige Minuten später lag die Galione an der Seite eine» schmucken Boote» von der Art, wie es reiche Sarazenen zu ihren Luftfahrten gebrauchten, im Nu waren die Insassen entwaffnet und gefesselt, da dieselben, die Uebermacht ihrer Verfolger erkennend, von vornherein den Gedanken an eine Verteidigung aufgegeben hatten. Zähneknirschend vor Wut er» kannte Ali Raschan in seinem Verfolger — Alfons von Gironet. Verächtlich gab dieser seinen Leuten ein Zeichen mit der Hand, die Gefangenm in den unteren Schiffsraum hinabzusühren, dann bestieg er mit zweien seiner Begleiter da« unterdeß an der Seite der Galione angefeffelte Boot» »m dasselbe näher in Augenschein zu nehmen und sich zu vergewissern, ob niemand darauf zurückgeblieben. Denn es «ar leicht möglich, daß auf dem zeltartig überdachten Vorderteile derselben noch jemand verborgen war.
Eben trat der Mond voll und klar du« einer dunklen Wolke hervor, in demselben Augenblick wurde die Leinwand de« Zelte« zurückgeschlagen und vor den erstaunten Männern stand, von dem »ollen Monderlichte zauberisch umflossen, eine schlanke Mädchengestalt in kostbarem goldschimmerndrm Ge- wände.
Starr vor Staunen und Entsetzen schaute Alfons von Gironet auf da« schöne blondhaarige Weib hin, denn ihm war, al« sehe er einen Geist; er wischte fich die Augen, wie um ein Trugbild zu bannen, da« ihn äffe mit täuschendem Blendwerk. War
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glied der sozialdemokratischen Partei sein. Ei» solches Ausirete» ist vielmehr ei» Ausfluß vou A»gst und Berechnung. Die Herren spekulieren so: „In der bestehenden Gesellschaft können wir uns ohne Gefahr alles erlaube», den» wir haben's ja dazu. Kommt es zum „Kladderadatsch", so wird man uns schouen, eveutnell kö»ueu wir sogar eine Rolle dabei spielen, und jedenfalls wird e» uns auf diese Weise leichter werde», unser geliebtes Lebe» uud unser Geld über die Krifis hi»über z» retten". Eine solche Taktik hat Methode, u»d wir habe» sogar vielfach gesunde», daß derartige Leute in der Gesellschast als etwas BesovdereS, Originelles behandelt werden, waS ihrer Eitelkeit »och mehr schmeichelt. Diese Erscheiuu»g ist auch eines von den viele» Zeichen der Gedavkeu- lofigkeit, die so vielfach in unsere» besseren Gesell- chaftkreisen, namentlich in den „aufgeklärten" Groß- ’iübten herrscht. Statt die oben gekennzeichnete» §lemevte zu hofieren, sollte ma» ihuen vielmehr, wo man hue» begegnet, die verdieute Verachtung zu kosten geben.
Der Tro«bado«r.
Roma» ben teil SavelSberg-
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain. ä”"61“' Jllnstrirtes Sonntagsblatt. ALKNL!
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Sonntag, 5 August 1894.
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gesteht der „Vorwärts", der — wie wir erwarteten— die obige Nachricht dementiert, zu, daß Dr. ArouS [USW”|M al» Mitglied der sozialdemokratische» Partei auf» hielt und als solches regelmäßige Beiträge t» die Satteilaffe abführt. Selbstverständlich kann ein ge- üdetlr, geistig normaler Mensch im Ernste nicht Mit-
„Bei Gott, Du hast Recht! Das geht nicht «it rechten Dingen zu," murmelte Alfon». „Allem Anscheine nach sucht diese Nußschale uns zu um- sggaa gehen, um weiter unten an Land zu gehen. Dabei
hnhof, Kühlung stehende Presse im Ausschneiden und m lferdeba «ffekiiert-r Nichtachtung des GeguerS Großartiges merickti leiste«. Wen» auch an einen Sieg der Sozialdemokratie ienfiou i Ml zu denken ist, so war es doch grundfalsch und taktisch
r4Q licht empfehlenswert, wenn Blätter, die auf Seite» epg der Brauereien stehe», die Boykottarmee als eine Schwei guantite negligeable hinzu stellen suchten. Diese a laktik ist deshalb nicht empfehlenswert, weil die M rg bürgerliche Presse und das bürgerliche Publikum sich
Grschrint täglich außer au Werktagen «ach kann- uud Feiätageu. — Quartal-AbormemevtS-PreiS bei der Kxpe- ditiou 2 Mk., bei allen Postämtern L Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JuserationSgebühr für die «spalteur Zelle oder bereu Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Pfg
ßcene gesetzt hätte», um durch deuselbe» daS revo- hitionäre Solidaritätgesühl der Genossen über die Me Zeit hinweg wach zu erhalte». Neues gabs fr vergangener Woche auf dem Berliner Bierkrieg- cdaerwe Hauplatze nicht. Nur bricht sich in der öffentlichen i Meinung mehr und mehr die Erkenntnis Bahn, daß üe Nachrichten über Siege und Erfolge von beiden sDBrjjgrite» stark übertrieben werden, und daß sowohl Heft am, z« „Vorwärts" wie die mit den Brauereien in
Fühlung stehende Presse im Aufschneiden und in
Während aus Europa sonst keine Ereignisse von aktneller Bedeutung zu melden find — die bulgarischen Verhältnisse liegen noch im Dunkeln, und man !'a»n »ur erkenne», daß der ehemalige Ministerpräsident Stambulow zn energischer Bekämpfvng der nene» Regierung fest entschlossen ist — richtet fich die Aufmerksamkeit der europäischen Zeitnngleser zur Zeit nach Ofiasten auf den Streit Japans n»d Chinas um Korea. Es ist bekannt, daß die Japaner bereits einige Erfolge z» verzeichnen hatte», ehe »och der Krieg formell erklärt war. Dem thatsächlicheu Kriegszustände zwischen den beide» Reichen de» fernen OstenS ist vu» auch die formelle Kriegserklärung »achgehiutt. Nach einem Telegramm aus Tokyo hat die japanische Regierung die Vertreter rer auswärtigen Mächte benachrichtigt, daß zwischen China und Japan der Kriegszustand besteht. Vervollständigt wird diese Meldung durch eine Reuterdepesche aus London, welche auf Gründ amtlicher Mitteilung berichtet, daß Japan formell den Krieg gegen China erklärt nnd davon vorgestern den Vertretern der Mächte in Tokyo Mitteilung gemacht hat. lieber den Ausgang dieses Kampfes Vermutnngen auszusprechen, dürste geringen Wert habe». Nur so viel st als ficher anzunehmen, daß der Krieg, falls ihm nicht durch Intervention europäischer Mächte ein Ende gemacht wstd, »ach Lage der Verhältnisse sehr lange dauern wird. Die Lage in China gestaltet fich inzwischen so, daß die dortigen Europäer allen Grund zur Vorficht uud Wachsamkeit haben. Die Offiziere des Ende Juli in San Francisco vou Hongkong angekommenen Dampfers „Gaelio" erkläre», daß alle zum Militär tauglichen Chinesin bis zur Entscheidung der Unterhandlungen mit Japan znrückgehalten werden. Sie berichten ferner, daß die Lage im nördlichen und südlichen China sehr ungewiß und die Lage der Misfioväre sehr bedrohlich ist. Ruhestörungen gegen die Missionäre haben bereüs in Kiaugyo» am Jangtse Kiang stattgefunden und am 20. Juni wurde die amerikanische presbyterianische Kirche i» Sheklung nahe bei Tnvgkuug am Pearl Fluß zerstört. Ein Christ wurde getödtet. Es ist also für die europäischen Mächte aller Srund vorhanden, zum Schutze ihrer ßanbsleute geeignete Schritte zu thun, und deshalb ist es auch freubig zu begrüßen, daß die deutsche Regierung außer be» bereits in den ost- afiatischen Gewässern anwesenbeu Kreuzern noch einige weitere Schiffe dorthin beordert hat.
Anzeige» nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte«, sowie die Annoncen-Bureanr von Haasenstein u. Vogler in VV1V Frankfurt a. 30t, Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf U1A: bcttDIO, Moste in Frankfurt tu M., Berlin, München u. Köln; G.L Daube u. Co. in Frankfurt tu 30t, Berlin, Hannover, Paris.
. «elbet, daß der Schwiegersohn BleichröderS, der 10 Privatdozent Dr. Arons zur Fortführung des »ohkotts 300 000 Mark zur Verfügung gestellt zust^di habe. Wir nahmen von dieser Mitteilung bislang nicht Notiz, da wir eine solche Opferfähigkeit auf 1 tiefer Seite für einfach unmöglich halten. Immerhin
»ollen mir aber doch ein Wort mitreden."
Sofort begab er fich zum Kommandanten des Cchiffes und erbat » n ihm die Erlaubnis, abgelöst (445 zs werden, eine Galione zu bemannen und den rätselhaften Nachtschwärmer dort draußen nach Woher? »nd Wohin? zu fragen.
Gleich darauf schoß eine der Gallonen, deren Mei Ruderreihen mit kräftigen bewaffneten Männern besetzt waren, pfeilschnell auf die Eee hinaus, dem Sespenstigen Schatten des fernen Bootes nach. Dieser Wen die Verfolgung schon bemerkt zu haben, denn xj « vermehrte seine Geschwindigkeit, doch ohne Erfolg, 8e'*” h» die Entfernung zwischen ihm und seinen Ver- " folgern fich mehr und mehr verringerte. Schon »ar Alfons demselben so nahe, daß er ganz deutlich 0, I »je verzweifelten Anstrengungen der in ihm fitzenden hält I feerer bemerken und die Stimme derjenigen er. 251 «nnen konnte, der dieselben zur Aufbietung ihrer 50 I bersten Kräfte anfeuerte.
„Ich will nie wieder an Land kommens knurrte
Das politische Lebe» würde zur Zeit inDeutsch- ifanb völlig eiugeschlafe« sei», wenn die Sozial- temotroie» nicht de» Berliner Bierboykott in
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Politische Rundschau.
* Marburg, 4. August 1894. Sozialdemokratische Kniffe
Wir haben vor einigen Tagen über einen Fall von verhüllter Auffordrung zum Fürstenmorde durch ein sozialdemokratisches Blatt berichten Natürlich ist es solchen Tinten kuliS recht unangenehm, wenn man ihnen einmal die Maske vom Gesicht reist, und so erhebt denn auch das in diesem Falle von uns ertappte und an den Pranger gestellte „Volksblatt für Heffen und Waldeck" ein mörderisches Geschrei gegen uns und wirft uns nichts geringeres vor als die — Verächtlichmachung einer StaatS- einrichtuvgi Rekapitulieren wir daher nochmals kurz den Sachverhalt! Das in Rede stehende revolutionäre Blatt hatte nach einer Casteler Zellung berichtet, daß ein Posten der die deutsche Kaiserin nicht kannte, die Hohe Frau nicht eher inS WilhelmShöher Schloß eingelassen habe, bis sich Allerhöchstdieselbe genügend legitimiert hätte. Der Vorfall habe im Schlosse allgemeine Heiterkeit hnvorgerufem Ob die Erzählung überhaupt wahr ist, dürste, nebenbei bemerv, tark zu bezweifeln sein, denn da die Wachtposten doch weniger zum Schutze des Schlosses als zn dem seiner Bewohner da sind, glauben wir annehmen zu dürfen, daß man zu diesem Zwecke nur Leute nimmt, die die Bewohner, genau kennen. Dies nebenbei! An obige Mitteilung nun knüpfte das „Volksblatt für Heffen und Waldeck" folgende Bemerkung: „Ob die allgemeine Heiterkeit in den Hofkreisen auch andauern würde, wenn irgend welche doch nicht unmögliche Um» iände einmal einen Posten zur.gewissen-
tzjcht veranlaßt sehe», zur Unterstützung des bedroht!» Kauereigewerbes besondere Anstrengungen zu machen, . «»» alle Tage versichert wird, daß die Gefahr nicht OQ|it besonders groß sei. Thatsächlich ist die Gefahr ID V litt z» verachten, den» die fanatisierten Arbeiter- lgw_ki »affe» halte», wenn ihr bische» Verstand eh mal «f einen bestimmten Gegenstand gerichtet ist, wie ailUl. fhpnotifiert daran fest, »nd andererseits werde» sie i ihrem Kampfe gegen die bestehende Weltorbnung gewissenlose» Strebern reichlich mit Geld unterstützt. Namentlich ans den Börsenkreisen fließt recht tiel klingende Münze in die Boykottkasse, da eine lnlgB»|i körseugruppe auf das Sinken der Brauereipapiere „ spekuliert. In vergangener Woche wurde auch ge-
Aufmerksam spähte Alfons hinaus, in demselben . . Augenblicke trat der Mond zum Teil hervor au« J einer dunklen Wolke, die ihn verborgen, aber leider "ft*- ± nut für wenige Sekunden, dann war er wieder 0033 hinter ihr verschwunden Diese wenigen Augenblicke aber hatten genügt, daß Alfons in dem rätselhaften »nkeln Punkte auf den fernen Meereswogen ein $oot erkannte.
hafte» Pflichterfüllung" seiner Schieß- instruktion einem gekrönten Haupt gegenüber treiben würden?" Wir fühlten uns veranlaßt diese Bemerkung durch folgenden Hinweis auf den darin versteckten Sinn zu brandmarken: „Wer die perfide Manier der sozialdemokratischen Preßkosakeu kennt, weiß ganz genau, daß diese Sätze von den etwaigen „Genossen" im Heere als eine Aufforderung verstanden werden sollen auf unsere Kaiserin zu schießen. Daß man iu Deutschland derartiges mit dem „Mute der Kaltblütigkest" ansieht, ist sehr Be» hübenb"; Diese unsere Aeußerung nennt nun das sozialdemokratische Organ eine „Verächtlichmachung einer Staatseinrichtung", nämlich der Schießinstrnktiou! Das ist eine leicht zu durchschauende Verdrehung, Daß die Soldaten in jedem bezüglichen Falle eventuell ihre Schießinstruttion zu befolgen haben, ist sonnenklar; wir sind die letzten, die dem entgegentreten ttüibem Aber ihnen biefc Befolgung ans Herz zu legen, bürste am allerwenigsten ein Sozial- bemokraten-Blatt einen Anlaß ober ein Recht Habern Für ben gesunden Menschenverstand ist er daher klar, daß die
ich allein durch meine Aussage ihn retten könne und hieran durch meine eigene Mutter gehindert wurde, das alles ließ mich weder Schlaf noch Ruhe finden. Meine Kemenate konnte ich nicht verlassen, da man mich eingeschlossen hatte. So setzte ich mich denn ans offene Fenster und schaute mtt kummervollem Herzen in den dämmernden Morgen hinein.
„Plötzlich hörte ich unter meinem Fenster Sttmmen, die Stimme eine» Knechtes und einer Magd, die dort am frühen Morgen- fich ein Stelldichein gegeben. O Gott, was mußte ich hören. Sie unterhielten fich von be« armen Peire Verurteilung und Hinrichtung. „Noch zwei Stunden," drang e« deutlich an mein Ohr, „bann hat er seine im Zom vollbrachte Frevelthat gesühnt. Schabe um ihn, er war sonst ein so mackerer junger Mann!" Ich war einer Ohnmacht nahe, aber bie Verzweiflung gab mir Kraft- Du mußt ihn retten! Da« stand bei mir fest.
„Als bie beiden fich entfernt, knüpfte ich alle« aneinander, was mir in die Hände geriet: Leintücher, Hemden und Gewand, befestigte es am Fenster- fim« und ließ mich herab. Aber ich hatte mich Über bie Höhe getäuscht, berat am Ende angekommen, waren meine Füße noch über Mannshöhe vo« Boden entfernt Mutig ließ ich mich zur Erde niederfallen; es war ein schlimmer Fall. Unglücklicherweise schlug ich nämlich mit dem Kopse auf einen in der Erde steckenden Spate», so baß ich befinnungslo» liegen blieb. Als ich erwachte, vermochte ich meine schmerzenden Glieder kaum zu erheben ; aus einer klaffenden Wunde — an derselben Stelle, wo jetzt noch diese Narbe davon Zeugnis giebt — rann eine Menge Blute» mir Über Wangen, Hal» und Brust herab, ich war wie betäubt Aber mit der wiederkehrenben Besinnung kam mir auch bie Erinnerung an mein Vorhaben zurück unb ver«
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