Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
** xaVfexä&m: „ »..t,,, Jllustrirtes Sonntagsblatt. Äeb«tti»n xn?Erpedition: ^«rkt 21P Fernsprecher Nr. 55?"
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Marburg,
Donnerstag, 12. Juli 1894.
Anzeige» nimmt entgegen die Expeditton dieses Blatte», sowie die Amwncen-Bureaur von Haaseustetu u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien: Rudolf Mofle in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köm; G. & Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin. Hannover, Pari».
XXIX: Jahrg.
Seid deutsch!
* Marburg, 11. Juli 1894.
.Seid deutsch !' so rief Lothar Bucher seiuen Wdrlmten zu, als fie für alle mögliche« Nationalitäten tzuirmte«, für allerlei ftewde Einheitbestrebuuge» ü erwärmten, aber ihres eigenen Volkstums fast ergefseu hatten. Ist es nach de« große« nationale« rfolgen, zu denen uns der Deutscheste aller Deutschen, W Bismarck, geführt, wesentlich bester geworden? ein! Auch heute noch ist eS nicht überflüssig. de« nntsche« die beiden Worte zuzmufen: „Seid deutsch!* o vielfach begegne« wir heutzutage eiuer beschäme«- a Gleichgiltigkeit in nationalen Fragen, einem lasierten Weltbürgertum, einem unsinnigen Beordern alles Fremde«. Wir habe« eben so mancherle Imrente unter unseren Volk: genossen, die ihrer Herust nach vnserem Bolle nicht an gehören und daher foem Wohl und Wehe gegenüber gleichgültig find. Hefe Elemente besitzen einen großen Tril der deutsche« reffe, de» mächtigste« Mittels, auf die Stimmung id Meinung des Volkes einzuwirkev. Mag es nun k Wirkung dieses Teiles der Preste, oder mag es u Erfolg der langsam aber sicher wirkenden persö» chcn Beeinflussung sein, die erschreckende Thatsache nicht abzuleugnen, daß eS unter der Jugend unseres aufmannstaudes wie unserer Universitäten viele Kreise lebt, in denen ein selbstbewußtes Hervortretenlassen SNationalgefühls, ein warmes Eintreten für deutsches lesen und deutsche Sitte, eine entschiedene Verteidigung ü deutschen Interesses in aller Welt mit überlegener üeue als knabenhaste Schwärmerei, als ein dem Geiste 6 neunzehnten Jahrhunderts nicht entsprechender Hmrah-Patriotismus* oder dergl. bespöttelt wird, m mau e» in anbetracht dieser Thatsache so mcher schwächlicbe« Natur verdenken, wenn sie bei ler Verachtung solch uudeutscheo, unmännlichen Ge- ihrens znertz stlllschweigt, bann Gleichgiltigkeit mchelt und schließlich der letzteren verfällt! Man ill eben tu seinen Kreisen beachtet werden, mit seinen «offen anskommen, vor allem auch als ei« Man« lt«, der ,in die Welt paßt!" Hat man nun selbst cht das Zeug zu imponieren, so ordnet man sich iter — vorausgesetzt, daß man nicht anderswo eine« ickhalt findet. Diesen Rückhalt aber sollte eben die reffe bieten! Solche schwachen Naturen müßte« darauf «»eisen können, daß achtbare, angesehene Zeitungen «so denken und empfinden wie fie, daß kaltdenkende, «„Gefühlsduselei* weitentfernte Männer fich ihres Deutschtum» nicht nur nicht schämen, sondern darauf H find und der ganzen Wett entgegenrufen:
Per TrontmLom.
St»nuw von Karl SavelSbergi
) ^Nachdruck verboten.)
f Q* . - -1 f - i- - - . । M \ (Mttsetzmr-i)
.Ich wüßte einen angenehmen Dienst für Dich,* fierte der Ritter geheimnisvoll, „doch weder beim rlphin noch bei einem der Troubadours. Eine changesehene Dame, die schönste der Frauen ist es, i welcher ich Dir eine Stelle als Page verschaffen wr- Es kostet mich nur ein Wort, Dir dazu zu helfen, doch knüpfe ich eine Bedingung daran, vhtt aber mußt Du mir strengster Schweigen &en, selbst für den Fall, daß Du auf meinen »schlag nicht eingehen solltest. Willst Du, so üge ein!"
.Das hängt von den Umständen ab,* erwiderte 1 Spielmann vorsichtig, „denn nicht weiß ich,
* Ihr von mir begehrt und zu einer Schlechtig- u läßt Dernard Valois fich nicht mißbrauchen."
,Du scheinst ein zarte« Gewissen zu haben, Bernardi Doch beruhige Dich! Was ich
16 Dir verlange, ist nicht« Unrechte«, und wenn J* meinem Wunsche nachkommst, soll e» Dein Me nicht sein Jeder andere würde ohne Be*
freudig zusagen, wenn er der vertraute Diener könnte der schönen und hochherzigen Baronin
Rercoeur."
, Zu« Glück hatte der RUter bei seinen letzten Otten näch dem ungeduldig scharrendm Pferde "SeLlickt, sonst würde er wohl stutzig geworden ® bei dem offenbaren Erschrecken de« Jünglings, • der Name Mercoeur an seine Ohren drang, putzte eine heftige Gemütsbewegung sein, die ?? so jäh erbleichen ließ, doch schnell hatte er fich
gefaßt und sagte in gleichgilttgem Tone: ^er Anerbieten hat etwa« Verlockende« an fich,
„Hier stehe« wtt! Wir fi«d Deutsche! Ihr mögt u«S Haffe«, aber Ihr habt uuS zu achte» 1* Daran aber fehlt es leider heute um allzusehr! Der größte Teil der deutschen Presse ist, wie erwähnt, in «ichtdeutschem Besitz, und die meisten übrige« Zeittrnge« wisse« sich vor lauter Rücksichten und in dem Bestrebe«, nur ja nicht oben oder unten, rechts oder links anzustoßen, zu keinem echte«, freie« deutschen Staudpuukt aufzu schwingen. Um so ersteulicher ist eS daher für den deutschen Patrioten, wenn er ein Blatt findet, das rnhig und vornehm aber ernst nnd bestimmt auf deutsche» Wegen wandelt, daS ohne Seitenblicke dal Wohl nnd die Größe deS Deutschtums als höchstes Ziel int Auge behält. Ein solches Blatt find die „Alldentschen Blätter*, das Organ deS All- Deutsche» Verbandes. Mau braucht ja nicht gerade in unbedeutenden Aeußerlichkeiten, wie in dem peinlichen Vermeiden auch gut eingebürgerter Fremdwörter mit diesem Blatte zn gehen — feinen Bestrebnngeu jedoch, seiner ganzen Haltung, seinem fürsorglichen Umherschaneu «ach allen Borkommnifle«, bei denen deutsches Interesse in Frage kommt, muß man die allergrößte Hochachtung entgegenbringe«.
Werfe» wir z. B. eine« Blick in die vorliegende 28. Nnmmer des 4. Jahrganges der „Alldeutschen Blätter", so finde» wir daii» auf dem bescheidene» Raum von 4 Setten eine Menge Dinge besprochen, die jeden Deutschen interesfieren müssen. Zunächst wttd die Frage aufgeworfen, ob ein Deutscher Anlaß habe, oen vom 1.—9. September dieses Jahres in Ofen - Pest stattfindenden achten internationalen Kongreß für Hygiene und Demographie zu besuche«. Es hat fich ein Komitee gebildet, das für den Besuch dieses Kongresses in Deutschland die Werbetrommel rührt. Der Bersaffer des Artikels weifl zunächst darauf hin, daß für die Wissenschaft auf solchen internationalen Kongresse» recht wenig herausspiingt und daß das Wertvollste bei ihnen die Anknüpfung persönlicher Beziehungen unter den Fach- genoffex ist. Wir stimmen dem Verfasser bei, wenn er meint, daß die Nützlichkeit der Anknüpfung solcher Beziehungen bei wettern überwogen wird durch die Schädlichkeit der internationalen Phrasendrescherei und Lobhudelei. Solche Lobhudeleien den Magyaren gegenüber anzustellen, deren ganze Kunst und Wissenschaft deutsches Plagiat ist, und die dennoch ihrer „Kultur", als der Blüte aller Kultur, gehuldigt wisse« wollen, würde für uns dasselbe sei», als wenn wir uns in unser eigenes Gesicht schlügen. Dazu kommt, daß die Magyare« da» Deutschtum unterdrücken und verdränge«, w» fie könne«. Der
nur begreife ich nicht, wie ich so großer Gunst teilhaftig werden soll. Wa« ist et, das Ihr als Gegendienst von mir verlangt?* *
„So höre," flüsterte der Ritter, indem er den Jüngling neben fich auf die Felsbank niederzog „Die schöne Frau befindet fich, während ihr Gatte in England weilt, zu Clermont am Hofe ihre« Bruder«, des erlauchten Delphin», meine» Herrn und Gebieter«. Ihre Schönheit und Anmut ist so groß, daß fie alle Männer bezaubert, die fich ihre« tlmgang« erfreuen. Vor allen andern zeichnet fie Einen au», den Troubadour Peirol. — Ei, weshalb erschrickst Du Freund? Steht dieser Peirol Dir etwa nahe in irgend welcher Beziehung?'
„Wie sollte ich ihn kennen, Herr, da ich weit» jerkomme. Wohl hörte ich seinen Ramm als den eines geachteten Troubadour», doch ist er mir so gleichgiltig wie jeder andere. Wenn ich erschrak, war e» nur deshalb, weil ich ahnte, was Ihr von mir verlangt.*
„Mir scheint, Du bist ein heller Kopf, Freund vernarb, Du hast ganz recht vermutet. Wohlan, er einzige Dank, den ich von Dir verlange für die Besorgung dieser höchst angenehmen Stellung ist, )aß Du dar Verhältnis auskundschastest, in dem Peirol zu Frau Sffalide steht, und mir gelegenttich einen Dienst erweisest; Du verstehst wohl, was ich meine? Du sollst keinen undankbaren Gönner an mir haben *
Der Spielmann schien die Sache sehr gewissen- fast zu überlegen, denn er schaute lange Zeit vor ich auf den Boden hin, in tiefe« Nachdenken ver- unken, zuweilen huschte e« über sein Gesicht wie Inbehagen und Unlust, plötzlich aber umspiette seinen Mund ein pfiffige« Lächeln, al« habe er den richtigen Ausweg au» seinen Bedenken und Zweifeln ge
Verfasser kommt zu dem Resultat, daß eS undeutsch wäre, wollten wir diesen Afiaten aus den Trümmern eigentlicher deutscher Kultur unsere Verbeugung machen. „ll»S geht die Ehre unseres Volkstums noch über die Pflege der Demographie und anderer schöner Dinge. Wtt bleiben daheim!"
In einem zweiten Artikel besprechen die Alldeutschen Blätter die Samoafrage, wobei fie de« unberechtigten Ansprüche» Englands und Neuseelands auf die Inseln, welche von „deutschen* Blättern, wie der „Voss. Ztg.*, unterstützt werden, scharf ent- gegentreten und die Bismarcksche Idee von einem Kolonialen Deutschland in der Südsee, üranbetracht der Thatsache, daß auf Samoa zwei Drittel aller Jnterefseu »ach Deutschland weisen, befürworten.
Sodann folgt ein Artikel, in dem ausgeführt wird, daß Deutschland in Südafrika eine Großmachtstellung haben könnte und daß es nur an der bisherigen Politik der grundsätzlichen Nichtiuterventiou liegt, daß wir diese Stellung noch nicht einnehmen. Die deutsche Politik in Südaftika müsse allerdings große Gesichtspunkte gewinnen. Wir dürsten nicht zulaffe«, daß der absterbende Einfluß Portugals bis zum letzten Rest an England fällt, sondern sollten bedenken, daß wir unsere Ansprüche und Machtmittel Portugal gegenüber benutzen müsse», um bei der nördlichen Verschiebung deS KulturschwergewichtS nach dem Zambefi hin nicht Zaungäste zu bleiben.
DeS weiteren folgt ein Artikel über den Schutz der Deutschen im Ausland, sowie ein solcher über die berechtigte Ausweisung agitierender dänischer Schau- spielerttuppen aus Nordschleswig. Bedauert wird, daß deutsche Blätter wie die „Weserztg.* ein solches im nationalen Interesse »otwendigeS Vorgehen unserer Behörden bejammert habe». Aus dem weitere« Inhalt hebe» wir noch einen Hinweis auf die jämmerliche Thatsache hervor, daß auf einem deutsche« Schützenfeste in Mainz eine Festzuggruppe zur Darstellung gebracht hat, wie „Römische Krieger gefesselte Germanen mit sich führen*. „Hätte man*, so wird hierzu anSgeführt, „heute zu Rom in einem Festzug den Einzug der Westgoihe« unter Alarich in die Stadt zur Darstellung gebracht, so würde« die Italiener diesen Zug zum mindesten ausgepfiffen habe«.*
Den reichen Inhalt des ix Rede stehenden Blattes haben wtt mit diesen Hinweisen keineswegs erschöpft. Unser Rat ist, daß man diese wirklich achtunggebietende Wochenschrift fleißig lese und die Gedanke», die man darin findet, im Herzen anfnehme »nd bewahre! Wenn wir den „Alldeutschen Blättern* gegenüber noch einen Wunsch habe», so ist eS der,
funden. „Euer Anerbieten," sagte er, „hat für einen armen fahrenden Gesellen, wie ich bin, viel Verlockende», ich nehme e« mit Dank an und bin bereit, Euch in allem zu dienen, insoweit e» nicht gegen mein Gewissen und meinen eigenen Vorteil verstößt. Wenn Ihr e» wünschet, Herr Ritter, werde ich Euch sofort beglettenl*
„Nein!* erwiderte dieser, „es ist mir lieber, wenn Du mich morgen früh aufsuchen wirst. Hier jast Du Zehrgeld für die Nacht.'
„Wo werbe ich Euch finden, Herr?'
„Frage im Schlosse nach Herrn Perdigon, so wird man Dich zu mit weifen.*
Aus demselben Wege, den der Ritter gekommen, ritt er wieder in den Wald zurück, während Bernard Valois fich, um nachzufinnen, wieder auf die moosige Felsbank hinstreckte.
„Dar übersteigt in der That meine kühnsten Hoffnungen,' murmelte er vor stch hin. „Ei ei! .Herr Perdigon, wenn Ihr wüßtet, wen Ihr in Eure und der Baronin Dienste genommen habt, so würdet Ihr ihm bald schon Eure Gunst entziehen. Wie chön fich da« trifft! Hätt'« nicht geglaubt, daß ich o schnell und mühelos zum Ziele gelangen würbe. 5« scheint als» doch auf Wahrhett zu beruhen, daß Peirol der schönen Assalide Gunst gewann. Und ch, ich selbst soll zum Verräter an ihm werden? Nein, mein Herr Perbigo», sein Schutzgeist will ich werden, ihn heimlich warnen vor Euren Jnttiguen. Es soll mir eine Freude fein, Euch hinter'» Licht zu führen. Doch er, Peirol? Wie schrecklich, wenn er mich erkärmte! Wie zittere ich vor dem Augenblick, wo ich ihn sehen, ihm nahe sein werde. Doch nein, er kann und wird mich nicht wiedererkennen, die Veränderung ist zu groß. Nur Mut, Bernard, wer wagt, der gewinnt Für jeden Menschen kommt
daß sie auch den Interessen der schaffende» deutsche» Wtttschaftklaffen Aufmerksamkeit entgegenbrtagex möchte». Es würde u»S freue«, wen» wir i» ihueu z. B. ei» warmes Wort für de» Antrag Sanitz fänden, der die wichtigste Grundlage des Deutschtum», unsere Landwirtschaft vor dem Untergänge bewahrt wissen will, und der bislang als der einzige Weg erscheint, auf dem solches Ziel zu erreichen ist. Wie ein echtes Kunstwerk, so zeichnet fich dieser vollendete Werk einer genialen Politikers durch seine frappierende Einfachhett aus. DaS Deutsche Reich erklärt fich allein für berechtigt, Setteide au» dem Ausland e ein zuführe». Es kauft unr so viel, al» zur Ergänzuug der Produktion de» Vaterlandes unbedingt notwendig ist und verkauft dieses zu einem Preis, der nach dem Selbstkostenpreise des Getreides in Deutschland unter Hinzurechnung eines angemeff-nen Gewinnes fich bildet. Das ist einfach und klar, der Gedanke ist durch und durch deutsch, denn nur der internationale Zwischenhandel wird dabei Schaden leide». Wir begreifen nicht, daß dieser vernünftigste aller seit lange» Jahren gestellte» Anträge immer noch hier und da selbst in nationalen Streifen angefeindet wird. Ist doch auch er nichts weiter al» eine Erscheinungform ber eingangs ungezogene» Mahnung Lothar Buchers „Seid Deutsch!*
Politische Rundschau.
* Marburg, 11. Juli 1894.
* Nochmal» Elm» Horn und Liorn
In Pinneberg - Elmshorn wo- eist vor kurzer Zeit ein sozialdemokratischer Abgeordneter für den Reichstag gewähll wurde, dürste, so wird uns geschrieben, bald wieder eine Ersatzwahl nötig werden^ Der Vater des dort gewählte» Cigarrenarbetter» v. Elm fei nämlich ein Däne, der stch nicht hat raturalistren laßem In Folge dessen wäre der Sohn, den gesetzlichen Bestimmungen gemäß, ebenfalls, Ausländer, «nd als solcher selbstverständlich nicht geeignet, ein Mandat für den Deutschen Reichstag zu über- nehmem Die Bestätigung dieser nicht unersteulichen Nachricht bleibt abzuwarteni Wir sind überzeugt, daß die Elmshorner Wahl einen anderm Ausgang gehabt hätte, wenn fie drei Tage später, also nach dem Bekanntweiden des Lioner Mordes von statten gegangen wäre. Ob nun die Wttkung der anarchistischen Mordthaten noch bi» zu einer demnächst — die Richtigkett obiger Mitteilung vorausgesetzt — stattfindeudru Ersatzwahl vorhält, ist nicht zu entscheiden Jedenfalls dürsten die Chancen eines anti- revolutionären Kandidaten zur Zeit günstiger sein, wie am Tage vor der Ermordung CarnotSi ... * !
ber Augenblick, in bem ber Lenker seines Schicksals ihm selbst die Zügel übergiebt. Dieser Augenblick ist für mich gekommen, nun heißt es, fie fest zu fassen unb stark zu bleiben. Schlägt die Zett auch manche Wunbe, so bringt ihr Lauf auch manchmal Freuden unb ach, wenn nur eine Stunde ich noch einmal bie ©eligleit genösse, nach ber mein Herz schmachtet, fie wöge alle bie Jahre ber Schmerzen auf. Wohlan, schöne Assalide, ich nehme die schwere Bürde auf mich, Dein getreuer Diener zu werden. Eine angenehme Stellung nannte es Herr Perdigon und doch, wie bangt mir davor!'
Eine volle Stunde mochte der junge Spielmann seinen Gedanken nachgehangen haben, al» er auf* prang, bie Laute wieber umhing unb ben Pfad einschlug, der durch bie Weinberge in» Thal hinabsührte. Sturz vor Einbruch der Nacht erreichte er die Stadt.
Es war um die zehnte Stunde be» folgenben Morgen«, al« Bernard Solei» fich zum Schlosse begab, wo Herr Perdigon schon seiner wartete.
„So ist'» recht, mein Sohn," empfing ihn dieser, „ich dachte schon, unser Abkommen wäre Dir über Nacht wieder leib geworden."
„Ein Mann, ein Wort,' erwiderte Bernard mü einem schalkhaften Lächeln, für welche« der Ritter keine Deutung fand, doch er that, al« habe er’« nicht bemerkt und forderte seinen Schützling auf, ihm zu folgen.
Durch prächtige Hallen unb noch prächtigere Säle führte er ihn in einen Seitenflügel de» Schlosse«, wo bie Baronin von Mercoeur bie Räume bewohnte, welche ihr Bruder für die Dauer ihre« Aufenthalt« ihr zugewiesen.
Wie e« schien, war Frau Assalide bereits von Herrn Perdigon in Kenntnis gesetzt betreff« be« ihr zuzuführenden Pagen, denn ein Diener empfing bat