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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Ler«lt»»rüich« Rebaktcxr: Harry Finking in Äerbxt» Stoettten xnb Eipebitiou: Markt 81. Fernsprecher Nr. 55.
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Erstes Blatt
Sie Revolution in Nordamerika
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|fe 18. aterial sämtlicher amerikanischer Eisenbahnen. De»
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drohliche Rüstungen treffe». Der Generalstreik ist für mehrere Eisenbahnen des Westens «ud Südwestens, ferner auch i» Buffalo verkündet.
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Während so die Revolution in Amerika i» vollem Sange ist, zankt man fich bei uns darum, ob es notwendig ist, die Umsturzparteien mit außergewöhnliche« Mitteln zu bekämpfe». Während man hier Worte und Worte verschwendet, herrscht „drüben", tu de» Vereinigte» Staaten von Amerika Mord u»d Brand und Anarchie, eineThatsache, die daS Leipziger Tageblatt u. A. folgende Erwägnngen anstelle» läßt:
„Wer fich eine» annäherungsweise» Begriff von dem sozialdemokratischen Zukunftstaate machen will, hat nur nötig, die neueste» Telegramme vou de» Heldenthaten des amerikanische» Streikpöbels zu lese», die eite»»en lassen, daß aus dem Ausstand der Eise»bah»arbeiter ein bedrohlicher, »ent Osten bis zum Westen der Union fich erstreckender Aufstand aller mit der bestehenden Ordnung unzufriedenen Elemente geworden ist. DaS „Proletariat" hat daS Heft in der Hand nud macht den Gebrauch davon, der ihm paßt. Wäre die Gemeinschaft der sozialdemokratischen Genoffeu so eugelrein, so uneigennützig gerecht, so erhaben über alle niederen Leidenschaften und Regungen, wie man eS im Vorwärts alle Tage lese» kann, im Gegensatz zu der als die Verkörperung aller Verworfenheit u»d Lasterhaftigkeit hingestellten Bourgeoifie, so müßten jetzt in Chicago rc. wahrhaft paradiesische Unschuldszustände henschen. Statt desie» zeigt unS die Wirklichkeit ei« Bild vo» dämonischer Scheußlichkeit, einen wahre» Hexensabbat der wüstesten Excesse, Verbreche«, welche i« der Kri-
Heute liege» auS den »ordamerikanische» Aufruhrgebiete» folgende Nachrichten vor:
ßflicagv, 8. Juli. In Hammoud bet Chicago verwüstete die Volksmenge das Telegraphenbureau und brachte Süterzüge zum Entgleise», wobei 5 Bedienstete, einer davon tötlich, verletzt wurde»; die Salonwagen wurde« verbrauut, der Verkehr ist unmöglich gemacht. Der Gouverneur vo» Indiana schickte 7 50 Man» Miliz »ach Hammoud. Zu Chicago ist die Lage nicht besser geworden, die Regiervog sendet Truppe» aus verschiedene» Staaten dahin. Die Eisenbahngesellschaft vou Penushlvanien erklärt, daß 667 Waggons, davon 100 mit der Ladung, verbrannt worden find.
Chicago, 9. Juli. Der Präsident Clevelaud erließ heute eine Proklamation, in welcher der Be- lagernngzustaud über Chicago verhängt wird und alle Teilnehmer an gesetzwidrigen Bereinigungen und Zusammenrottungen aufgefordert werde», fich vor heute Mittag 12 Uhr zu zerstreue». Gegen Diejenigen, welche diese Warnung mißachten, wird mit entschiedenen Maßregel« vorgegange» werde». In Hammoud bei Chicago kam eS gestern zum Zusammenstöße, bet dem die BuudeStruppen ans >ie Streikende» Feuer gäbe», vier derselbe» töteten und zwölf verwundete». In Chicago ftiff die Polizei die Aufständische« au, von denen mehrere estge»ommeu wurde». Die Menge griff eine» mit Polizeitruppe» besetzte« Zug mit Steiawürfe« und fievolverschüfle« an, die Polizei erwiderte da» Feuer, tötete einen der Streikende« und verwundete eine Anzahl derselbe». Die Polizei erhielt Bericht, daß im ausländische» Viertel die Anarchisten Be
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is zum stille» Ozean durch zieht. Der Streik begann ir etwa 10 Tagen damit, daß die Arbeiter der leltfirma Pullman« plötzlich die Arbeit einstellte». He Firma Pullman» ist die größte Waggonfabrik der ganzen Welt und liefert das ganze Wagen-
orduung. Auch das von dem Präsidenten entsandte reguläre Militär wurde mit den Rufen: „Fort mit ihnen, tötet die Hunde I" empfauge». Auf beiden Sette» wird der Kampf mtt der größte» Erbitterung fortgesetzt, und was in Europa selbst die Sozial- demokratte nur schüchtern zu erörtern wagt, tu Amerika ist die Revolution im Begriffe, sich zu verwirkliche». Scho» habe« sich die Zerstörungen und Brände nicht mehr auf Giseubahnhöfe und Eisenbahn Waggons beschräntt, sonder» private u»d öffentliche Gebäude stehen iu gleicher Gefahr. So wurde» iu Chicago, währe»d der Krawall der Stteikendeu seine» Höhepu»tt erreichte, die Gebäude der Weltausstellung an drei Punkte» in Brand gesteckt. Alle brannte» nieder mit Ausnahme der Kunstgalerie und de» Regierunggebäudes. Not, Elend und Verzweiflung, Krankheit u»d Tod find dir fürchterliche» Begleiter dieses RiesenauSstaudeS, beffe» Ende noch nicht abzu sehe«, dessen Folgen aber so bald nicht zu verwischen sei« werde«.
Marburg,
Mittwoch, 11. Juli 1894.
* Marbnrg, 10. Juli 1894.
Neben der anarchistischen Bewegung iu den vopätschen Staaten ist e» der Eisenbahnstreik in Edamerika, der die Blicke der ganze» zivilifierte» lt auf fich le»kt. Bei der Schwäche der staat- che» Machtmittel pflegen die Streiks in Amerika äs bedeutend ernster zu sei» als i» der alten Well, le bisherigen amerikanischen Streiks werden aber ttthl a» Umfang wie an Gefährlichkeit weit in den chatten gestellt von dem große» Stteik der Eifin-
minalgeschichte aller Zeiten vergeben» ihres Gleichen suchen würde«, und als Seitenstück der vollständige« Vertiertheit des Pöbels eine Haltung der Behörde«, welche im Grunde nur als Fortsetzung derselbe» laue« Taftik erscheint, die daS Nebel bis zu seinem jetzige« katastropheuarttge« Umfange heran- wachse« ließ. Europa würde, augesichtS der dieS- seitigen Entwickeluig der Umsturzbewegmig, sehr unweise handel», wein es fich gegenüber den amerikanische» Sozialistengreuel« auf deu pharisäische» Selbstgerechtigkeitstaudpunkt zurückziehe« wollte. Auch bei un» ist die sozialdemokrattsch - anarchistische Bewegung im volle« Vormarsch «ach de« gleiche» Zielen begriffen, wie jenseits des Atlanttc. Und wenn fie äußerlich harmloser thut, wie z. B. iu Deutschland, so wird fich durch diese Heuchelei kein einsichtiger Politiker täuschen laffen."
Itübettbn xnb Expedition: Markt L^Fernsp^er Nr. ik”"* * * 4 * 6"* Jllustrirtes Sonntagsblatt
Politische Rundschau.
* Marbnrg, 10. Juli 1894.
Die Unsicherheit
in betreff der Ansichten der ReichSregiermig über die vo« allen Patrioten verlangte Bekämpfung der Umsturzparteie», ist beängstigend. Während die „Nordd. Mg. Ztg." Au»» uahmemaßregeln wett zurückwies, schreibt die ebenfalls offiziöse Neue R e i ch S k o r re sp o n d e n z folgendes: „Der Anarchismus hat, wie jede extteme Richtung, seine V o r st u f e. Dttselbe ist in jedem Lande verschieden. In DeMschland nennt fie fich Sozialdemokratie. Die sozialdemokratischen Führer find ja außerordentlich bemüht, jeden Zusammenhang zwischen ihrer Partei und dem Anarchismus zu leugnen, man braucht aber mir auf die liebevolle Teilnahme hinzusehen, welche die Herren ton der Sozialdemokratie den anarchistische» Mordbuben gewidmet haben und noch widmen, um fich über den engen Zusammenhang beider Richturgen klar zu werden. Wenn man also VorömgungSmaßnahme» treffen will — und daS wird sich doch wohl nicht mehr lauge aufschieben lassen — so wttd man nicht bloS dem Umfichgreifen anarchistischer, sondern auch soztaldemokratischerAnschauungen kräftig entgegen treten müffen. Sonst würde man dar Uebel nicht an der Wurzel packen. ES wird;fo häufig gesagt, daß man gesetzgeberische Maßnahme« nicht gut treffen könne. DaS isteineleere Redensart. Das Sozialfftengesetz hat doch lange Jahre hindurch bestanden, und daß eS der Sozialdemokratte Abbruch gethan hat, sieht man am besten aus der Angst, von welcher die Redakttonen der sozialdemokratischen Blätter vor eine Wiederbelebung dieses Gesetzes beseelt find. Jedenfalls sollte in allen deu Staaten, welche ihre zukünftige Entwicklung in Ruhe vollzogen sehen möchten, raran gedacht werden, wie man dem Anarchismus und einen Vorstufe» entgegeutteten kann."
Offiziöse Presse.
Dtt Frage': was ist „offiziös" ? beantwortet die kouser- vattve „Schlefische Zeitung" in einer ihrer letzten Nummern ehr zutteffend, und knüpft darau eine Bettachtung, der wtt in allen Punkten beistimmen. Wir entnehmen dem betreffenden Arttkel folgendes: „Unter „offiziöser Preffe" ver- iandenen Sinne ist vielmehr nur derjenige Teil der Preßorgaue, »er, auf bk Geltendmachung eigener Ueberzeugungen vergehen wir keineswegs diejenige, welche durch ihre Berbinduuge« über faktische Vorgänge an den maßgebenden Stellen gut
Anzeigen nimmt entgegen bk Expebitton dieses Blatte», sowie bk Annoncen-Bureaur von Haasenstein u. Vogler iu TTIV , Frankfurt e. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf aXIa: JllÜkA Masse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.
Daube m Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
«»ständische» Arbeiter» Pullmann» schlossen fich i» »eller Folge die Angestellte» verschiedener Eisen- ihngesellschafte» a». Die letztere» eiklärte« nun e Pullmannschm Wagen in Verruf und weigerte» I mit ihnen zu fahre«. Auf die Drohung der ffenbahngesellschafte«, jede» Angestellte» sofort zu Lassen, der nicht ohne weiteres die Arbeit wieder lstehrne, nahm die Situation sofort einen sehr liste» Charakter a», und in kurzer Zeit Höne darauf t Güterverkehr gänzlich und der Personenverkehr m allergrößte» Teile auf. Dadurch, daß die Verdung der Frachtgüter, besouder» der Kohle», äeiblteb, mußte ein sehr großer Teil anderer »dnstriezweige die Thätigkeit niederlege«, so daß m Beispiel in Chicago 75 Prozent der Fabriken loffe» und dadurch 160000 Mensche» arbcitlos «de«. Außerdem bleibe» die notwendigen Lebens- ittel au», und selbst die Zufuhr der Milch wurde 1 den Streikenden nicht geduldet. Dabei find »lizei und die irreguläre« Miliztruppe» der Ueber- cht der AuSstäudischen gegenüber völlig machtlos Igb ergreifen vor denselben, wen« es zu Zusamme»-
Iße» kommt, sehr schnell die Flucht. Oft auch weiger» fie de» Gehorsam und halte» eS, wie die »ie Mehrzahl der Bevölkerung, mtt de« Aus- indischen. In Illinois weigerte fich ganz und gar t Statthalter selbst, die zur Aufrechterhaltung der tbnnnfl entsandten Soldaten i« der Stadt zu beite». Raub, Bra»d und Mord find au der TageS-
tzhnarbeiter, der jetzt ganz Amerika vom atlantische«
Erscheint täglich anher «n Werktagen nach Soun- und Feirrtngen. — Ounrtnl-AbonnemeMS-Prei» bei der Expe- bttiru 2 Mk.. bei ollen Postämtern 2 Ml. 85 Pfg. (exll. Bestellgeld). JnserotionSgebühr für bk gespoüene Zelle •bä deren Roum 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 85 Pfg
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Der Trontmdonr.
Sbaura vou Korl Savelsberg.
(Nachdruck verboten.^
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rooence zu eigen, schien die Mittagssonne an «« der ersten Junttage herab auf da» kreis-
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(Fortsetzung.)
8. Kapitel.
herrlicher Pracht, wie fie den Thälem der
wige wette Thal, da» sich vor Clermont aus- eitet. Trotz aller Milde de« dortigen Klimas
chte die Lust heute so heiß und schwül, daß man ch unter dem Schatten einer breitästigm
tjtanie Schutz suchen zu könnm. Selbst in dem • Thal umziehenden Gebirgswalde machte fich die hvüle de« Mittag« geltend und diese mochte wohl
4 Schuld daran sein, daß der Pfad, welcher durch ' Weinberge zum Walde hinaufführte, xnb an M Sette die Tiretaine ihre schäumenden und
mden Wasser herabwälzte, einsam und unbegangen e- E« war just um die dritte Mtttagsstunde, al» 'der Stelle, wo der Pfad in den Wald führte,
6 noch jugendlicher Wanderer au« letzterem hervor- ch Sein Bewand sowie die Laute an seiner ließen einen fahrenden Spielmann in ihm ^»ten und der Staub auf seinen Füßen zeigte, i er eine lange Wanderung hinter fich hatte. Wie der herzlich froh ist, ein lange ersehnte» Ziel W zu haben, begrüßte er mtt einem Hellen Wx or ihm liegende Ebene und die in 1 Ferne auf einer Anhöhe gelegene Stadt, dann al» ob der Anblick derselben wehmütige Errungen in ihm wecke, schlug seine Stimmung öl8 um; er seufzte tief auf und schaute wehmütig, 81 Schutze gegen die blendenden Sonnenstrahlen «riÄ L$önl) über die Augen hallend, hinüber nach den und blitzenden Fenstern.
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Einstweilen aber schien der einsame Wanderer noch nicht gesonnen, in die Ebene herabzusteigen, sei e», daß die drückende Hitze ihn davon abhielt und er vorzog, ermüdet wie er war, erst auszuruhen und neue Kräfte zu sammeln, sei er, daß gewisse Gründe ihn bewogen, bei Hellem Tage da« Weich- bild der Stadt nicht zu betreten. Genug, er wandte fich wieder um und kehrte in den Wald zurück. Bald fand er war er suchte.
Am Rande be« Weges lag ein mächtige« Fels- stück, von der Natur geschaffen zu einer bequemen Ruhebank und mit weichem Moose überzogen; da- neben ergötzte da« Auge ein grüner Rasen, auf dem üppige Waldkräuter ihre duftenden Dolden wiegten, umsummt von geschäftigen Hummeln und Käfern. Darüber bildeten die ineinander verschränkten Aeste zweier Kastanienbäume ein »Mrliche« Dach, welche« ie Strahlen der Sonne nur spärlich durchdrangen. Au« den Wipfeln sank eine erquickende Kühle herab, von der Tiretaine zog e« erfrischend herauf und all »ie« Wehen und Säuseln, Duften und Summen chien zu wetteifern, um diese« Plätzchen so recht »eimlich zu machen, einladend zu angenehmer Rast, um hier die heiße MittagSzett zu verträumen
Auch der jugendliche Wanderer konnte dieser Lockung nicht widerstehen, lehnte fich gemächlich auf die Felrbank hin und schob den einen Arm wie zur Stütze unter den Kopf, während der andere lachläsfig in dem Moose neben der Laute ruhte. Die Augen schließend, gab er fich sorglo« dem Schlummer hin; seine Kräfte schienen erschöpft, die Natur verlangte ihr Recht. So kam e», daß er den Husschlag eine« Rosses nicht hörte, da« einen Senn in ritterlicher Tracht auf dem Waldwege dahertrug. Dieser selbst bemerkte den Schläfer erst, al« er durch da« Ohrenspitzen und Schnauben seine«
leicht scheuenden Tiere« auf dessen Gegenwart aufmerksam wurde.
„Ei, Freund Spielmann," rief der Ritter dem erschreckt Auffahrenden zu, „Du verstehst e« gar wohl, Dir ein Bettlein auszusuchen."
„Wenn man so lange unterwegs ist," erwiderte der Spielmann, „lernt man das gar bald und zieht ein kühle« Plätzlein im Walde der staubigen, sonnigen Heerstraße vor. Doch Ihr könnt'« ja grade so gut haben, Herr Ritter, braucht nur abzusteigen, Euer Roß an einen Baum zu binden und Euch in« Gras zu legen; lieber wäre mir'« allerdings, wenn Ihr weiterzöget.'
„Du scheinst ein komischer Kauz zu sein," lachte der Ritter, „doch könntest Du insofern Recht haben, als Leier und Schwert wohl nicht zusammenpaffen dürsten."
„So war'« nun grade nicht gemeint meiner- eit«," entgegnete der andere, „nach meinen Er- ährungen dürfte da« Schwert e« fich zur Ehre echnen, wenn die Laute Platz nehmen wollte neben hm. So Ihr aber ander« darüber denkt — nun, e« siebt noch Leute genug, die einen tüchtigen Spielmann zu schätzen wissen."
Boll Lernmnderung blickte der Ritter auf den vor ihm behaglich ruhenden Gesellen hin. Der redete mit ihm, al« fei er seinesgleichen, auch hatte er fich bei seinem Anblick nicht einmal erhoben, wie fich da« eigentlich geschickt hätte. War die« nur Trägheit oder Uebermut? Wahrscheinlich nur da« erstere, denn der hübsche junge Mann chien nicht ungebildet zu sein und seine Sprache war rein und fließend. Ja hübsch war er, fast zu Msch für einen Man», seine Züge hatten eher et- wa« Weibische« an sich, sogar seine Stimme klang ungewöhnlich «eich und zart für einen Mann, doch
blitzten unter seinen schwarzen Augenbr armen ein paar engerische dunkelblaue Augen den Beschauer an, die biefen unwillkürlich einnahmen, und die breite Narbe längs der rechten Wange, vom Mund bi» zum Ohre hin, ließ vermuten, daß er schon einmal einen harten Strauß mit durchgemacht.
„Alles am rechten Ort!" antwortete der Ritter. Bei Tafel höre ich gar gern ein gutes Saitenspiel und schönen Minnesang, denn ich selbst schmeichle mir, nicht wenig davon zu verstehen, doch die Zeitm find ernst, Überall herrscht Aufruhr und Krieg, da ist'S nicht zu verwundern, wenn einem die Lust zum Singen und Spielen vergeht. Immerhin aber gibt» noch genug Edele, denen die« Über alles gilt. Versuch'« nur einmal, Spielmann, und sprich zu Clermont vor beim Grafen Robert, dem Delphin; dem ist alles willkommen, was fingt und geigt."
„Schönen Dank! Zu ihm will ich eben hin, denn der Ruf seiner Freigebigkett hat mich hierhergezogen. Auch sollen an seinem Hofe berühmte Troubadour» ihre Weisen fingen, und ich würde mich glücklich schätzen, in ihre Dienste treten zu können. Vielleicht könnt Ihr mir dazu behilflich sein?"
Der Ritter schien zu überlegen. Die letzten Borte de» Spielmann» mußten wohl sein besondere» Interesse erregt haben, beim mit einem Satze schwang er fich au» dem Sattel, band da» Pferd an einen er Bäume und trat mit schnellem Schritte auf ben Jüngling zu, der sich unterbeß erhoben hatte und ei seiner Annäherung mit einem Blicke um fich chaute, al« ob er am liebsten Reißaus nehmen wollte. (Fortsetzung folgt.)