Einzelbild herunterladen
 

MchM MM

| Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

| fit «vd »erleg: J-h. »xg. Koch, aniversttätS-Bxchdnlckerei in Marburg. (^If**^*****^-^» BermttwortNchrr Redakteur: Herry Finking in Merbxr,.

Redekttou xnb Expedition: Markt 81. Fernsprecher 3h. 66. wVllllfHßvVl(Wle Redaktion und Expedition: Markt 81. Fernsprecher Rr. 65.

M 126.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-AbonnementS-Prei» bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. («xll. Bestellgelds JnserationSgebühr für die gespaltene Zeile »der deren Raum 10 Pfg-, Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Sonnabend, 2. Juni 1894

Anzeige» nimmt entgegen die Expedition dieses Blatter, sowie die Annoneen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. Mi, taste!, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; <8.8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, PariSi

XXIX: Jahrg.

Die Reform der Unfallversicherung,

-nrc. Marburg, 1. Juri 1894

Wie wir schon ftüher miizuteileu in der Lage Baren, wird die bevorstehende Reform der Uvfall. Versicherung tu drei Gesetzentwürfe gekleidet »erden, x« eine soll die Novelle |U den bereits erlassene» llifallverstcherungSgesetze» darstelleu, der zweite soll fich mit der Ausdehnung der Unfallverficherungspfltcht wf das Ha»dwerk, die Seefischerei usw. beschäftige» nb der dritte schließlich die Unfallverficherung der Strafgefangene» regeln. Wir haben auch einige ßinzelheiten auS de» »eu geplante« Bestimmungen Meile» könne». Ueber den Gesamtinhalt deS zur 8eha»dlu»g in den gesetzgebende» Körperschaften fest- gestellten Planes aller drei Entwürfe waren jedoch bisher Nachrichten nicht in die Oeffentlichkeit gedrungen Mmmehr glaubt ein Blatt in der Lage zu sein, einen solchen umfassenden AuSzug geben zu könne». Zu- : rächst bezweifeln wir, daß die drei Gesetze»twmfe bereits soweit fertig find, daß uur »och ihre Ein­bringung a» de« Bundesrat und den Reichstag übrig ilelbt. ES dürfte wohl noch manches daran ge­iltet werden. Sodann aber würde, wen» that- sichlich die von dem Blatte dehaupteten Neuerungen geplant würde», wieder eine so beträchtliche Me»ge »euer Opfer vo» de« Arbeitgeber» gefordert werde», ohne daß denselde» auch nur die geringste» Ent­lastungen e»tgege»stä»de», daß man, falls die Re- sorm jener Inhaltsangabe thatsächlich entsprechen sollte, nicht frühzeitig gen»g dagegen Einspruch er« -eben könnte. Daß die Unfalllaste» fich von Jahr M» Jahr steigern, ist doch keine unbekannte That- k lache. Sir war allerdings beim Erlaß des | Gesetzes, in welchem man für die Bel» tragsletstung da» Umlageverfahre» gewählt hatte, « gewissem Sinne, vorauSgesehen. Jedoch hatte wm nicht wissen könne», daß die Kosten der chzel»e» Unfälle fich vo» Jahr zu Jahr infolge der gegenwärtigen Gesetzesbestimmungen erhöhe» würden. Ben» beispielsweise infolge des Wortlauts der heutige» Lorschrifte» ein Arbeiter trotz der Zunahme, ja vielleicht der völligen Wiederherstellu»g seiner Erwerbsfähigkeit durch Einlegung vo» Beschwerde und Rekurs beim Schiedsgericht und ReichS-Verficherungsamt die eut- spreche»de Ermäßigung oder Entziehung seiner Rente «f die lange Bank schieben kau», so wäre da» wohl da Mißstand, welcher schleunige Abhilfe verlangte. Leu Neuerungen jedoch, welche gegen die unbefugte Ausnutzung der Unfallfürsorge seitens der Arbeit» uchmer gerichtet wäre», findet fich in der betreffende»

Der Trouvarour.

Roma» vvn Karl SavelSberg.

12) sNachdruck verboten.)

(Fortsetzung-)

.War wollt Ihr damit sagen?*

I \ .Je nun, man macht so seine Beobachtungen.' ' L .Ihr sprecht in Rätseln, Brunel! Wenn Ihr ltgen Peire etwas vorzudringen habt, dann heraus der Sprache. Ihr wißt, ich bin kein Freund Umschweifen.'

.So will ich'» kurz machen, Herr l Dieser junge iiann wagt es, seine Augen in ungeziemender Weise K Eurer Tochter zu erheben, er liebt sie und'

Mit einem Aufschrei der Wut stieß der Rstter kn eben erhobenen Humpen auf den Tisch, daß der Sein weit umher spritzte und faßte den Hofmeister kim Arm» welcher vergebliche Anstrengungen machte, $ dem schmerzenden Drucke dieser fest geschloffenen owst zu entziehen.

l .Was sagt Ihr da?' knirschte Herr von Sv Wt, dem der Zorn die Wangen bluttot färbte.

Auch seine Gemahlin war aufgesprungen bei dieser so unerwarteten Beschuldigung.Sei doch künftig, Guillem,' bat sie mit sanfter Sttmme. SSenn Herrn Brunels Behauptung auf Wahrheit kruht, so brauchst Du doch an ihm Deinen Unmut kcht auszulaffen. Aebrigens ist Peire ja nicht mit Mes allein. Ich sehe daher nicht ein, was diese Beschuldigung mit dem langen Ausbleiben der Er­warteten zu thun haben könnte.'

Herr von Gironet hatte unterdeffen Brunels losgelaffen und schritt mit wuchtigen Schritten % Gemache auf und ab. Erst nachdem die erste Aufregung verflogen und er den Inhalt seiner Mwpens mit einem einzigen Zuge geleert hatte, ^n ihm die Sprache wieder. Er ließ fich in einen

Inhaltsangabe keine Spur. Dagegen solle» die Arbeitgeber zu höhere» Ausgabe» dadurch veranlaßt werde», daß einmal auch die Unfälle bei häusliche» Verrichtunge« eutschädigungsberechtigt werde» solle», daß sodann in gewissen Fällen Unfallrente schon vor dem Ablauf der dreizehnten Woche bezogen werde» ka»», daß drittens bei der Berechnung von Renten für schon früher von Unfällen Verletzte außer dem Jahresverdienst der letzteren auch deren Rente zu Grunde gelegt wird und daß schließlich an die Aszendenten auch dann Rente gezahlt werde» soll, wenn der vom Unfall Getötete nicht ihr .einziger', sonder» ihr .wesentlicher' Ernährer gewesen ist. Es ließe fich ja vielleicht die eine oder andere dieser ge­klonten Neuerungen billigen. Sie alle zusammen jedoch stellen wieder eine recht niedliche Neubelastung der Arbeitgeber dar, und vor Allem stehen ihnen keine Entlastungen in der Verhütung ungerecht­fertigter Ausnützungen der Unfallfürsorge seitens der Arbeitnehmer entgegen. Wahrscheinlich aber ist der mitgeteilte JuhaltsauSzug lückenhaft. Jedenfalls wäre es erwünscht, wenn der Wortlaut der drei Gesetzentwürfe zu dem Zettpunkte, wo ste vollständig zur Einbringung an die gesetzgebenden Körperschaften fertiggestellt wären, veröffentlicht und damit den Jnter> essenteu Gelegenheit geboten würde, ihre Ansichten darüber noch so frühzeitig kund zu thun, daß diese eventuell noch vor der Zustellung der Entwürfe an den Bundesrat eine Berücksichtigung erfahren könnten. Diese Praxis hat fich bei andere» Gesetzesvorbe­reitungen so gut bewährt, daß eS geradezu unver» stündlich wäre, wenn fie diesmal nicht gleichfalls ge­handhabt würde.

Die Berliner Agrarkonferenz.

"Marburg, L Juni 1894.

In der Agrar-Konferenz gelangte am dritten Tage bet Beratung, am Mittwoch, die Generaldebatte zu Ende- Eröffnet wurde dieDiskusfion durch Herrn General» sekretär Winkelmann (den Ersatzmann für Herrn v. Schorlewer - Alst); der Redner vertrat den «ittel­bäuerlichen Besitz des westfälischen Bauernstandes. Nach Schilderung der landwirtschaftlichen Verhältnifle seiner Provinz sprech er die Ansicht aus, daß hinsichtlich einer Aenderung des Erbrecht» die Abfindung der Miterben durch Renten Briefe diskutabel sei; auch würde sich der Freiheits­drang der westfälischen Bauern durch««» nicht gegen die vorgeschlagene Verschuldung»grenze sperren. Eine an­schauliche Darstellung der rheinischen Verhältnisie und Ver­schuldung der Landwirtschaft in der Rheinprovinz gab

Lehnseflel fallen daß es krachte und forderte den Hofmeister auf, in seinem Berichte fortzufahren.

Dieser erzählte nun, wie er Peire dort unten im Walde überrascht und daß er auch nachher noch gar deutlich bemerkt habe, wie dessen strafwürdige Leidenschaft zu seiner jungen Herrin eher gewachsen al» vermindert sei.

Mit wachsender Erregung hatte Herr von Giro, net zugehört. E» schien ihm fast unglaublich, daß der, den er wie seinen eigenen Sohn gehalten, der ihm so vieles zu verdanken halte, so schmählich sein Vertrauen getäuscht haben sollte.

.Glaubt Ihr, daß Agnes davon weiß?' sagte er endlich mit kaum vernehmbarer Stimme.

.Nein, Herr, bis heute glaube ich nicht, daß er es gewagt hat. ihr von seiner Liebe zu reden, aber Mr weiß, wie'» kommt, wenn Ihr nicht'

.Genug,' fiel ihm der Ritter in» Wort- »War Ihr da vorgebracht habt, ist alle» noch kein Beweis für seine Schuld. Ich roeibe mit Agnes reden'

,Thue da» nicht.' unterbrach ihn Frau von Gironet hastig. .Wozu da» ahnungslose Gemüt des Mädchen» mit etwa» belasten, das fie besser nicht erfährt? Ich kenne Agnes zu gut, als daß ich glauben könnte, fie würde ihm anders als in demütigender Weife antworten, wenn er wirklich den Mut haben sollte, fich ihr gegenüber zu vergessen. Nein, das ist der rechte Weg nicht. Wie Du ganz richtig sagst, fehlt uns jeder handgreifliche Beweis, an eine solche Thorheit Petter zu glauben. Ueber« lasse es mir, sein Thun und Treiben zu beobachten; denn ein Frauenauge sieht in solchen Angelegenheiten schärfer als das des mißtrauischsten Mannes.

.Nun gut,' erwiderte Herr von Gironet, indem er dem Hofmeister seinen Humpen hinschob, um ihn aufs neue füllen zu lassen. »Thue wie Du sagst,

der Abg. Schmitz- Erkelenz; er empfahl nachdrücklichst Versuche mit Errichtung von Heimstätten. Graf S t o s ch wies auf die Staatshilfe hin, welche seiner Provinz Schlesien in den Notständen der 70er Jahre durch Kn dit- gewährung fetten» der Regierung mittel» zinsloser Dar­lehen geleistet worden sei- Sehr eingehend beleuchtete der Landschaft- - Direktor von Güstedt die Agrarfragen in der Provinz Sachsen; zur Gewährung von Kredit regt er die Ausgabe von Schuldnoten der Landschaften an und be­kundet seine Geneigthett zur Annahme der fakultattven Verschuldunglgtenze- Herr S ch o o f, als Vertreter des kleinbäuerlichen Besitze», entwirft ein Bild der Hannover' s ch e n Bauerngüter; den Landwirten müsse durch höhere Preise der landwirtschaftlichen Produfte geholfen »erden; die Kreditverhälnifle seiner Provinz seien im allgemeiren gesund- Herr Schovf tiltt schließlich für die Höferollen ein. Eine wenig tröstliche Aussicht eröffnet Landschaftsdirettor Höppner der pommerschen Landwirtschaft; der größte Theil der mittleren Grundbesitze» bi» zu 1600 Morgen gehe dem Untergange entgegen. Besser verhalte es sich mit dem Großgrundbesitz; doch sehen auch 50 *7, vrn letzterem ihr Vermögen verfallen. Verhättnißmäßig am besten stände es noch mit den Bauernhöfen, wo die An­erbensitte noch besteht; aber auch hier sprechen die Bauern die Befürchtung an», daß es bei dem PreiSdruck un­möglich sein werde, die Höfe noch lange zu halten. Als Organisation für die VerschuldungSbeschränkung empfahl Herr Höppner die Landschaften. Herr v- Buch, welcher die Seringschen Vorschläge Einführung de» An­erbenrechts und der Berschuldungsgrenze mit großer Wärme begrüßte, betonte die Solidarität des großen und kleinen Grundbesitzes und warnte davor, zwischen ihnen künstlich einen Gegensatz, der gor nicht existiere, hervor- zmufen- Graf Kanitz steht auf dem Standpunkt, daß alle kleinen, womöglich noch lange hinausgeschobenen Refoim- maßregeln nichts nützen; eS muß sofort zugegriffen werden durch eine energische soziale Gesetzgebung; denn in der Er­haltung deS bäuerlichen Standes liege eine große soziale Aufgabe des Staates. Angesichts der augenblicklichen Konjunkturen, da die Produktionskosten durch die Einkünfte nicht gedeckt würden, sei eine Rettung nicht zu erwarten; das könne nur durch eine Aenderung in der Wirtschafts­politik und durch eine Radikalkur geschehen, wenn auch dabei wirklich leider einige ohnehin nicht mehr zu haltende Bettiebe der Vernichtung preisgegeben werden müßten. Finanz-Minister Miquel riet eine fortdauernde, sorgsame Erquete an, aber weniger zur Aufstellung einer allgemeinen Statistik als einer solchen, welche die Verhäüniffe der einzelnen Bezirke genau ins Auge faßt- In einem längeren Schluß- Worte faßte Prof. S e r i n g nochmals die zu seinen Vor­schlägen zur Aeußerung gelangten Ansichten zusammen, wobei

wehe ihm, wenn Brunels Verdacht begründet wäre, mein Zorn würde furchtbar sein! Doch was ist das? Hört ihr nicht»? Ein Reiter naht in scharfem Galopp; e» ist Enriko. Ich erkenne ihn ttotz der Dunkelheit. Er ist allein. O meine Ahnung! Eilt schnell, Brunel, laßt die Zugbrücke herab. Was mag er bringen?'

Dem Hofmeister auf dem Fuße folgend, eilte er hinaus in den Hof und langte grade an dem Thore an, als die Brücke herniederraffelte und Enriko heransprengte.

Mit einem Satz sprang dieser au» dem Sattel. .Zu den Waffen, Herr, eilt, eilt!' keuchte er atem. los, .wir find überfallen worden von einer Bande geschwärzter Männer. Eine Stunde Wegs von hier war'«, Peire und die Reifigen kämpfen wie die Löwen, aber der Räuber waren viele.'

.So war meine Angst nicht unbegründet,' rief Herr von Gironet entsetzt au». -Was steht Ihr denn da und gafft!' fuhr er die Männer an, die unterdessen fich angesammelt und vor Schrecken ob der Kunde den Kopf verloren hatten. .Schnell, meine Waffen her, da» Pferd gesattelt, ein frischer Pferd für Enriko! Sech» Mann begleiten un» und nun vorwärts! In fünf Minuten muß alles zur Stelle sein oder Ihr sollt einmal sehen, wie ich mit Euch umspringe.'

Eine Viertelstunde nachher jagten acht. Reiter der Stätte zu, wo der Ueberfall stattgefunden.

Ahnungslos und ohne an Schlimmes zu denken, war sskire, welcher das zum Namensfeste der Gräfin Eudoxia eingeladene Edelfräulein mit zwei Knappen und vier Reisigen gen Mont-Pc hlat begleitet hatte, auf dem Rückwege hinter der Herrin einhergeritten. Das Glück, so lange in unmittelbarer Nähe der Geliebten zu verweilen, da» beseligende Bewußtsein,

er konstatieren konnte, daß über die Anffaffung der Lage der Landwirtschaft und über die große soziale Bedeutung der Gesunderhaltung der landwirtschaftlichen Bevölkerung völlige Uebereir-ftimmung in der Konferenz herrscht.

* * *

Gestern ging die Konferenz zur S p e z i a l b er at «ug über und behandelte die Belastung de» Grundbesitzes mtt Erbanteilen- Zunächst ergriff Geh. Justizrat Dn Br« n er »Berlin das Wort. Der Minister für Land­wirtschaft, von Heyden, erörterte die Frage, ob e8 ratsam sei, den Großgrundbesitz vom Kleingrundbesitz getrennt, oder beide gemeinsam zu behandeln. Nachdem noch Abg. Dr. Paasche uib Staats Minister Graf Zedlitz- Trützschler ihre Ansichten entwickelt hatten, trat um 1 Uhr die Mittagspause ein- Beschlüffe über die zur zur Diskussion gestellten Spezialfragen wurden nicht gefaßt- Näherer Bericht über diese Sitzung folgt morgen-

Politische Rundschau.

* Marburg, 1. Juul 1894, Eine nachahmenswerte Einrichtung hat der unterelbesche Bezirk des deutschen KriegerbundeS zu Stade mit einer ArdeitSnachweisestelle für entlassene Reser­visten getroffen- Zahlreiche Truppenteile jener Gegend haben die Einrichtung mit Dank begrüßt, und ihre Mitwirkung zu­sagt- In Folge dieser Verwendungen wird eS möglich sein, daß die Mannschaften von den Truppenteilen direft in die neuen Arbeitsstellen entlassen werden und dadurch möglichst schnell von der Landstraße in geordnete bür gerliche Ver- hältniffe kommen.

Zum Berliner Bierboycott-

Ma« schreibt demHann. Cour-' au» P a r i s:Mit Verwunderung lesen wir hier die Berichte über deu Boycott, den die Sozialdemokraten in Berlin gegen mehrere Brauereien ver­hängt haben. In Frankreich, das die Sozialdemokraten als das gelobte Land der Freiheit preisen, wäre dergleichen ein Ding der Unmöglichkeit. Die Brauereien würden die Urheber und Ausführer deS BoycottS, «Iso die Veranstalter der Versammlungen, die Helfershelfer, wie die betreffenden Blätter, auf Schadenersatz wegen Schädigung ihres Be­triebe» verklagen, und die Gerichte würden fie ganz gehörig verdonnern. In dieser Hinsicht versteht man hier keine» Spaß. Man tan« lärmen, Versammlungen abhalten, An», stände veranstalten, ohne viel Gefahr zu laufen; sobald aber der Kamps gegen einen Gewerbebetrieb gerichtet ist und deffen Schädigung bezweckt oder gar erreicht wird, dann hört - der Spaß auf. Unnachstchtliche Verfolgung und schwere Verurtellung find unausbleiblich- Sowohl Strafe» als Schadenersatz werden zuerkannt.' Es ist unzweifelhaft ihr Schutz zu fein in etwaiger Gefahr, hatten ihn in die heiterste Stimmung versetzt. Als daher Agnes, um den beängstigenden Eindruck de» in der Dämmer­ung schauerlichen Hochwaldes zu verscheuchen, ihn bat, ein Lied zu fingen, war Peire hierzu gar gerne bereit. Hell klang seine Sttmme durch den dichten Forst, und so ost er eine Strophe gesungen, wieder­holten seine Begleiter den Refrain; denn e» war ein muntere« Lied, da» er sang, so recht dazu an» gethan, jede düstere Stimmung zu verscheuchen. Sv ritten fie stiedlich dahin unter Gesang und allerlei Kurzweil.

Da plötzlich ein eigentümliche» Knacken, ein Sausen und Schwirren durch die Lust laut auf chreit einer der Reifigen und wankt im Sattel von einem Speere in die Brust getroffen bricht er zusammen. Ehe die so unvermutet Ueberfallenen fich vom ersten Schrecken erholt haben, tönt schon wieder da» eigentümliche. Knacken, welche» da» Spannen der Armbrust verursacht. Wieder durch­schwirren mehrere Geschosse die Lust, glücklicherweise ohne Schaden anzurichten, denn die Reiter hatten den Rossen die Sporen in die Flanken gedrückt und wollten durch schnellste Flucht der drohenden Gefahr entgehen, so daß die Pfeile hinter ihnen in die Erde ich eingruben. In demselben Augenblicke stand wie aus der Erde gestampft eine Anzahl Männer vor ihnen mit geschwärzten Gesichtern, die, den Pferden m die Zügel fallend, mit schweren Knüppeln auf die Reiter losschlugen. Ebenso schnell aber hatten Hefe die Schwerter gezogen, welche nun erbarmungs- or auf die unbefchütztcn Häupter der Wegelagerer serniedersausten. Daß diese in der Mehrzahl waren, ;atte Peire mit schnellem Blicke übersehen.

(Fortsetzung folgt.)