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(N'ch'lW Jeilung.

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

:iuf *"^Eo» »ud^^eMoo: MarktFervspnchrr Nr. 66.*,bro Jllustrirtes Sonntagsblatt. Redaktion und Erpedition: Markt 2L Fernsprecher 9k. 65.

m 4|J Frankfurt a. M, Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXIX: Jayrg.

JS, 11O* Qp«? < q crnrti i QQ4 Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.

Frertag, 18. Mar 1894 Daubeu. C°. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Der

KonsermtivePMeliG für HefsenMM ii.lllaliirdi

findet am Samstag, den 19. Mai d. Js., Mittags 1 Uhr

im Saalbau

ftfltt Ihre Beteiligung haben Zugefagt Herr Landtagsahgeordneter Landral van Trail zu Salz, falvie die Herreu Reichstagsadgeardneten l Dr. von Frege und Prof. Hüpeden.

Zur Lage der Landwirtschaft.

Marburg, 17. Mai 1894.

Daß der Antrag des Grafe» Kanitz nur geringe Gegenliebe finde» würde, war vorauszusehen, und «u kann nicht leugne», daß er ein Wagnis war. X Hat mau doch von jeher verstanden, die Landwirte zründlichst wegen ihrer Begehrlichkeit zu verleumden, sodaß bei jeder noch so selbstverständliche»Forderung dnselbeu ihnen ihre Gier zum Vorwurf gemacht wird, ter Börse, ja, der Börse und dem Handel, dem Geschäft gestattet man jeden Gewinn auf Kosten der Ärigen Gesellschaft, wenn auch den Leuten das Fell Äer die Ohre» gezogen wird. Das ist wie im Kriege. Das Geschäft, der Handel bringen es mit fich, aber hin ist es anders. Die sogenannte Liebesgabe an die Brenner kann schon mehrere Jahre herhalten, obschon kein Mensch einen Groschen Schaden davon far, außer daß vielleicht einige spekulative Köpfe vor der Unmöglichkeit stehen, jetzt Aktienbrennereien zu §dbibtn.

Der Kanitzsche Antrag mußte aber Alle erregen, .Welche des Morgens ihre Semmel zum Kaffee offen. Eine Verteuerung des Brotes, so bilden sich die Dieisteu ein, zu Gunsten der sekttrinkeuden Großgrundbesitzer, weil sie nicht bedenken, wie oft das Kor» Zoll zahlen muß auf dem langen Wege ton dem Kornboden des LandmauneS, bis es als Semmel auf dem Frühstückstische steht. Dazu wurde der Antrag, wen» auch nach den Worten des Antrag­

stellers zutreffend, als Monopol bezeichnet. Monopole find verrucht, wenn fie nicht in der Hand der Börse und Börsenlcute find, namentlich Staotsmonopole, die nur dem Säckel des Staates und dadurch der Allgemeinheit zu Gute kommen.

Die Regierung hat nicht die beiden Staatsmonopole auf Tabak und Branntwein erreichen können, welche dem Staate viel Geld geschafft hätte». Man hat das Salzmonopol aufgehoben und die Vorlage über den Kalibau des Staates ist zu Falle gekommen, weil fie einem Monopol des Staates gleich sah. Heute haben wir eine» Ring von Kaliinteressenten, die faktisch ei» Monopol befltzen, welches sie in einer schönen Stunde gründlich und rücksichtslos den Land­wirten gegenüber ausnutzen werden.

ES ist leider nicht gelungen, den größten Schatz deutscher Erde unter die sichere Hut des Reiches und des Staates zu stellen, nicht einmal in so beschränkter Weise, wie der Entwurf forderte. Aber weg mit einem Staatsmonopol 1 Und sozialistisch war der Ge­danke, den Landwirten eine Rente des Grund und Bodens sichern zu wollen, ode. vielmehr fie gegen die Konkurrenz zu schützen und zugleich dem Spekulations­geschäft die Klauen zu bescheiden. Durch die Zu­lassung des fremden Getreides auf den deutschen Markt nur unter dem geforderten Preise würde noch lange nicht den deutschen Landwirten der Preis garantiert, sondern dies würde von der Ernte im Jnlanbe und den Vorräten obhängeu, aber sozialistisch und in gewiffer Weise monopolistisch wäre die

Der DAfel Lösung.

Roman v»u Mi Widdern.

sNachdrnck verbot«.!

(Fortsetznußi)

Ob man nicht auch hier glücklich zu sein ver- «Schte," flüsterte er nach einer Weile.Sie ftei- Lch meint, in solcher Umgebung nicht atmen zu können. Ja, sie wollte es nicht einmal über fich gewinnen, die Schwelle diese« Hauser zu über- Weiten, al« ich mit dem Tode rang. Vielleicht »ar er auch am besten so, denn nie, nie würde Aga mir eine Pflegerin gewesen sein, wie fie er »ir mein kleines, braves Schwesterchen gewesen ist, Welche» fich den Armen de« eben Verlobten ent» »and, um die traurige Pflicht an dem Krankenbette iNl Bruder« zu erfüllen."

Das bleiche Haupt Alfons Hülsmanns senkte H auf die Brust herab. In tiefer Rührung er­innerte er fich der aufopfernden Sorge, mit welcher Gertrud an seinem Bette gewacht. Er gedachte der Siebe, mit der fie auch den Reconvalercenten pflegte, »ährend seine Gattin nur hin und wieder ein Wrmusstarrendes Schreiben an-die junge Schwä- Ärin richtete. Sie erkundigte fich in demselben »atürlich nach dem Befinden des Pattenten, erzähtte Üer auch de« Langen und Bretten von ihren eigenen Ursachen Nerven. Folgerecht berichtete sie dazu, <6 ihr der Hausarzt des Präsidenten einen Auf- «thalt an der See verordnet habe, deffen Kosten natürlich von ihrem Vater bestritten würden. Vor W Tagen hatte die junge Frau nun wieder ein» »al einen dieser seltsamen Briefe gesandt. Der» «be kam jedoch aus Kolberg und war an den dichter adressiert. Da das prachtvolle Wetter einen gewohnt zeitigen Aufenthalt am Meeresstrande Mattete, hotte auch Olga in Begleitung ihrer Sätet«

um vieles früher als sie beabsichtigt, ihre Reise an- getreten. Jetzt erzählte sie dem Gatten, der kaum dem Tode entgangen von dencharmanten Be- kanntschaften", die fie gemacht, den Vergnügungen, welche ihr in Aussicht ständen und daß sie fich schon um vieles erfrischter fühle.In der nächsten Woche," so berichtete sie weiter,werden wir auch in der Begleitung des Barons Werthenstein, Ba­ronin von Berginskp, des Grafen Stöhlen, sowie mehrerer anderer Kavaliere von Desttnktton, eine kleine Meerfahrt unternehmen. Ich freue mich aus dieses Vergnügen, trotzdem ich fürchte, daß mir die Seekrankheit schließlich die projektierte Lustfahrt zu einer Fahrt des Schreckens machen wird."

In dieser Weise ging es noch seitenlang. Erst ganz zum Schluß hatte das herzlose Weib ein paar Worte hinzugefügt, welche von Teilnahme sprechen solltm, aber ganz das Gegenteil verrieten.

Alfons hatte den Brief mit gerunzelter Stirn gelesen und ihn bann seiner Schwester gereicht, die am Fenster saß und Strümpfe stopfte so recht wie ein schlichtes Hausmütterchen.

Lies das, Trudchen," sagte er.

Sie folgte sofort seinem Wunsche. Dann aber blickten sich die Geschwister starr in die Augen. Armer Bruder," kam e« darauf über die Lippen de» jungen Mädchen». Sich jetzt plötzlich von ihrem Stuhl erhebend, eilte fie auf ihn zu und schlang die weichen Arme um die noch immer so hinfällige Gestalt.

Alfon» lieber teurer Alfons," hauchte fie dabei,wäre es nicht doch am besten für Dich und auch fie, wenn Du Deine Vorurteile bekämpftest und eine Ehe lösen wolltest, die ja doch gar keine Ehe mehr ist Ach, welch' ein Glück winkte Dir noch, wenn Du wieder frei würdest"

Maßregel gewesen ohne Frage, das ist nicht be streitbar.

Das hat natürlich de» Gegner» Veranlassung gevug gegeben, auf ihren Paradepferden ei» prächtiges Turnier zu veranstalte» und die Leute draußen gruselig zu machen.

Sonderbar, höchst sonderbar! daß mau den Landwirte» das zum Verbreche« anrechue» rröchte, was mau de» Andere» als selbstverständlich ver­zeiht. Nicht muckse« solle« die Laudleute, wenn es ihnen a» den Krage» geht, im Gegensatz zu den Börsianer», welche bei jeder Gelegenheit schreien dürfen.

Die Lage der west- und mitteleuropäischen Land­wirtschaft ist angesichts der ausländischen Konkurrenz eine sehr gefährdete, der Landwirt wird dadurch ge­zwungen, zu Preisen zu verkaufe», welche »icht mehr die Produktionskosten decken.

Daß in diesem Falle die geschickteste, intelligenteste Wirtschaftsführung, die sonst güustigsteu Verhältnisse nichts nützen, hat ma« auch auswärts, z. B. t« Frankreich, eingesehen und ebenso, wie notwendig eS ist für das Ganze, die Landwirtschaft auf das Sorg­samste zu schützen.

Das größte, reichste Gut ist vou dem Augen- blicke ab, daß die Preise für Vieh, für Korn, nicht mehr die Produktionskosten decken, wertlos, oder besser eine Schuldenlast.

Der größte Grundbesitzer ist, wenn er nicht noch sonst Vermöge» hat, bei dem schönsten, bestausge­

Er machte eine abwehrende Handbewegung: Sprich nicht davon, Trudchen, und mach' mir da» Herz nicht schwer. Nie nie würde ich mich dazu verstehen, eine gerichtliche Scheidung von meiner Frau zu beantragen, wie herzlos fich dieselbe auch zeigt. Ich sagte Dir ja schon, daß es für mich nichts Unnatürlicheres zieht, als ein solches Trennen zweier Menschen, die einander gehört haben als Mann und Weib, selbst wenn' Er seufzte tief auf. Dann erhob er fich und verließ das Gemach Gertrud aber sank vor dem Lehnsessel nieder, in dem er gesessen und, die Hände gefaltet, bat fie zu Gott, er möchte einen Ausweg für dieses Dilemma schaffen.

Ach," hauchte fie jetzt,bei dem Elend des armen Bruders kann ich mich ja auch gar nicht des Glückes freuen, das ich in der Liebe Karls finden müßte in einem Verlöbnis, dem ja auch Papa den Segen nicht versagte, als er seinen jungen Ge­nossen in der geachteten Stellung des Bibliothekars von Wodrowo vor sich sah"

Und heute, diesem sonnigen Morgen, an dem der Richter, feinen Gedanken hingegeben, unter dem weit- ästigen Apfelbaum saß?

Gertrud hatte den Bruder diesmal nicht in den Garten hinausbeglettet. Da ihr in der Wirtschaft nur ein blutjunges, noch gänzlich unerfahrenes Mäd- chen zur Sette stand, seitdem vor sechs Wochen die Haushälterin den Dienst quittiert, mußte fie selbst rüstig schaffen und bereitete auch hier, wie in Wo­drowo, die Mahlzeiten allein.

So stand fie auch jetzt in der blinkenden Küche und hantierte mit Quirl und Kelle, als der Post­bote wie so oft eintrat und ihr wieder mehrere Briefe zugleich Überreichte. Die Adresse des einen trug die Handschrift de» Geliebten, die de» anderen

statteten Besitz genau solcher Schlucker, wie der kleinste Häusler, sobald solcher Zustavd eintritt.

Darum ist der Anttag Kanitz als eine Art Not­anker, als ei« Rettungsversuch zu betrachten und nicht der Stab über ihn zn brechen, wie man das bei uns gethan hat.

Bringe man doch etwas Besseres, um der Not der Landwirtschaft abzuhelfe», nicht Ratschläge, Er­mahnungen und Redensarten.

Au dem angemessenen Gewinn der Produktion haben Alle, welche Landbesitzer find, das gleiche Interesse und 69 Prozent Bauern, welche als nicht Getreide verkaufend dem Grase» Kanitz wieder vor­geführt wurden, habe» deshalb nur nicht das Be­wußtsein der mindestens relattven Schädigung ihres Vermögens, weil fie nicht rechnen, wo die Rente vom Boden aufhört uud der Gewinn nur Arbeits­lohn bedeutet und zwar niedrigen.

Es giebt Leute, welche die heutige schwere Lage des landwirtschaftlichen Gewerbes auf die Ungesuud- heit der landwirtschaftlichen Verhältnisse, auf die zu großen Ansprüche der Landwirte, zu teuere Guts­käufe, Belastung durch Erbteilung schieben wolle» und den Rui« dieser Belasteten unb Unwirtschaft­lichen als eine Gesundung der Landwirtschaft an- sehen wollen.

Ein richtiger Trost, wie der, daß der Typhus dem Kranken die anderen Krankheitsstoffe aus dem Leibe schafft, wa» ja alte Weiber schon behauptet haben. Wer fich mit den Zuständen des Grund-

bie Schriftzüge des Vaters. Die Adresse be» brüten aber war von einer ihr unbekannten Hanb ge­schrieben.

Ohne Ahnung, baß gerade dieser letzte Bries von besonderer Bedeutung sein könnte, erbrach Ger­trud da» Schreiben des Geliebten zuerst. Bei Lek­türe der langen ausführlichen Epistel, die immer unb immer roieber von ber innigen Zuneigung der jungen Bibliothekars zu feiner Braut zeugte, röteten sich Gertruds Wangen im heißen Glücksgefühl. Er bedurfte geradezu einer gewissen Ueberroinbung, als sie bas Schreiben enblich aus der Hand legte und den Brief de» Vater» erbrach, der ihr, wenn er allein gekommen, doch gewiß die herzlichste Freude verursacht hätte.

Es war anfänglich die Absicht de» Amtsrats gewesen, Trudchen, wenn auch gegen ihren Wunsch an da» Krankenbett de» Sohne» zu begleiten. Noch im letzten Augenblick aber hatte er fich eine» Anderen besonnen Dank dem freundlichen Zu­reden Frau Sturlesiu», in welcher er jetzt die Mutter de» künftigen Schwiegersöhne» achtete. Die brave Site versprach ihm dazu, in Abwesenheit Trudchen» seine Wirtschaft zu führen und e» dem Verwöhnten an keiner Behaglichkeit fehlen zu lassen. Die Zett dazu mangelte ihr ja nicht. Hatte Karl doch bereit» die Wohnung bezogen, die ihm im Schlosse angeroiefen worden und speiste er doch vor­erst am herrschaftlichen Tische. Der schnell herbei« geschaffte Nachfolger im Amte be» Lehrer» aber brachte gleich Weib und Kind mit in da« Schul« haus, so daß die gute Frau nach jeder Richtung hin zu entbehren war. Wie opferfreudig fie fich aber ber Pflege Arthur Hülsmann« annahm, konnte ber alternde Herr auch nicht unterlaßen, in seinem heutigen Briefe zu rühmen. (Schluß folgt.)