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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain.
enttf «d »«la«: S-h.Aug.Soch, UniverfitStS-Bnchdruckttri in Marburg. Verantwortlicher Redakteur: Harry Finking in Marburg.
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Jti 53.
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Marburg,
Sonntag, 4. März 1894
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte», sowie die Annoneen-Bureanx von Haasensteiu u. Vogler in Frankfurt <u M., Caffel, Magdeburg und Men; Rudolf Stoffe in Frankfurt a. M>, Berlin, München iu Köln; ®. & Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Pari».
XXIX; Jahrg.
Erstes Blatt.
Wochen-Rückblicke.
* Marburg, 3. März 1194.
Das politische Leben der vergangenen Woche stand im deutschen Reiche im Zeichen des russischen Handelsvertrages, defleu erste Lesung im Reichstage mit der Verweisung au eine Kommtiston endete. Die Verhandlungen wurden im allgemeinen mit sachlichem Ernst und mit liaer in wirtschaftspolitischen Fragen bei uns ungewohnten Achtung des gegnerischen Standpunktes geführt. Rur die Führer der sogenannte» Deutsch-Freisinnigen, sowohl der miiilärsiomme Rickert als auch der alte Demagoge Richter machten hiervon eine unrühmliche Ausnahme. Herr Rickert stellte in einer von unbändiger Arroganz getragene» Rede die Sache so dar, als ob das ganze deutsche Volk die Handelspolitik der Regierung mit stürmischem Jubel aufnehme und gegen dieselbe nur agrarische „Begehrlichkeit* sich auflchne. Nun, diese unbedenkliche und in ihren Aeußerungen oft recht unwürdige Zustimmung findet fich allerdings bei de» Hintermännern des Herr» Rickert, dem internationalen Zwischen- häadlertum, dem es völlig gleich ist, auf weffeu Soften es Geschäfte macht. Die Mehrzahl derer, die dem rusfischen Vertrag zustimmeu, sind weit entfernt von leidenschaftlicher Begeisterung für denselben. Bei jedem Vertrag wie bei jeder wirtschaftspolitischen Ausnahme überhaupt stehl der Verlust des einen dem Gewinn des anderen gegenüber. Eine sorg- fSMge Abwägung beider Faktoren hat einen großen Teil der Vertreter der direkt produzierenden Wirtschafts- klaffeu zu der Ueberzeugung gebracht, daß die Gesamtheit der Nachteile überwiege, während ein andrer Teil stch diese Ueberzeugung nicht hat arrrignen können. Wer recht hat, muß die Zukunft lehren. Wir hoffen, daß fich die Befürchtungen eines Teiles der Landwirtschaft hinfichtlich etwaiger schädlicher Folgen des Vertrags für die Zukunft nicht in vollem Umfange bewahrheiten werden; wir wünschen ferner den- jenigeu Jnduftrieeu, denen der Vertrag de» Export »ach Rußland erleichtert, daß sie vo» der momentan v»rhande»en günstigen Coujunktur im Zarenreiche recht viel Nutzen ziehen mögen; vir erwarte» endlich, daß die Beziehungen Deutschlands und Rußlands durch den Vertrag gebessert und die Gefahr deS Krieges, ben beide Teile fürchte» müsse«, wie der Abgeordnete von Bennigsen sehr richtig bemertte,
Die Herm-Smt-rl.
Mraunt von Georg Höcker.
sNachdruck »erbtNe.] (Fortsetzung.)
Mild und klar war die Oftobernacht. Am Himmel stand die volle Mondesscheibe und übergoß mit silbern flutendem Lichte die träumende Welt. Hoch und finster ragte der Wald, leise »nd melancholisch hauchte der Nachtwind durch da» Geäst der Bäume, hin und wieder erklang ein leiser, träumerischer Ton, einem der kleinen schlafenden Waldes- sänger abgepreßt, — sonst war aller still.
Jürgen war wieder bei Gundula gewesen, die nun in wenig Wochen schon sein Weib sein sollte. Mü eiserner Beharrlichkeit hatte der Bursche seinen Willen durchzusetzen verstanden. Sr war schon seit Jahren volljährig, und so schwer er ihm auch ankam, ohne der Vater« Segen vor den Altar treten zu müssen, hatte er fich endlich doch dazu entschlossen, wohl einsehend, daß ihm, wenn er zu seiner Liebe gelangen wollte, sonst kein anderer Aurweg verblieb. Bereits zweimal hatte der alte, würdige Dorfgeistliche das Liebespaar feierlich von der Kanzel herab verkündigt. Die Gohrunger hatten freilich die Hände zusammengeschlagen und mißbilligend die Köpfe geschüttelt. Aber den beiden Lieberleuten war e« gleichgiltig; sie wollten ja ihr Glück nicht in dem engen, beschränkten Krei» der Heimat finden, sondern, kaum ehelich verbunden, miteinander hinaus- ziehen in die Welt und suchen, sich irgendwo durch ehrliche Arbeit und treue Liebe ein friedliche», gesegnetes Heim zu gründen. Run war ee ihr schönstes Glück, Hand in Hand beieinander zu fitze» und von der Zukunft zu sprechm. Dann sähe» sie sich träumerisch tief in die Augen hinein, und es wurde ihnen dabei so fromm »nd heilig zu MMe, und da«
abgewendet werden möge». Die Reden deS Abge- ordneten von Bennigsen und deS FinanzministerS Miquel gaben dieser Stimmung der loyale» Freunde des VerttagS klaren, umfassenden Ausdruck. Henn Miquels Darlegungen über die Notlage der Landwirtschaft und die Notwendigkeit ihre Not zu wende», wird mit Recht als daS bezügliche Programm der preußischen Regierung für die nächste Zukunft aufgefaßt werden. Herr von Bennigsen ging mit Energie gegen die demo kratischen Phrase» vor, »ach bene» der Widerstand der Reckten g ge» den Vertrag lediglich dem Uebermut und der Begehrlichkeit der „Iuaker" entspringe. Ter große Führer des liberalen Bürgertums ließ den Verdiensten und der rationalen Bedeniurg deS pnußischc» Abels eine gerechte Würdigung wider fahren und zeigte fich durch diese wahrhaft liberale Urteilsfteiheit als den „Kerl von Sammet und Seide* als den ihn Max Bewer charatteristert, zeigte fich, um einen Ausdruck Lothar Buchers zu gebrauchen, als einen Mann, der de» Dingen gegenüber Recht sucht und deshalb auch den Dingen ihr Recht läßt, während der Bennigsen entgegnende „ Volkstribun * Eugen Richter immer und ewig der Wortgaukler bleiben wird, der daS letzte Mort behalten will. Diese Art Leute find einmal in ihrer Art nur von ihresgleichen zu überttumpfeu. Eugen Richters Rede, in der wenig vom Gegenstand der Tagesordnung zu höre» war, die vielmehr größtenteils in uuqualt- fizierbaren Schmähungen gegen den verdiente», sonst bei Freund und Feind geachteten Führer der National- liberale» bestand, war der zweite der eingangs zitterten Fettflecke auf dem reinen Tischtuche der in Rede stehende« Verhandlungen. Das Resultat der letzteren war wie gesagt kein definitives, sonder» die Verweisung der Vorlage an eine Kommisfion, doch wird man wohl nicht fehl gehe», wenn man der schließlichen Annahme des Vertrages — wenn auch nur mit knapper Majorttät — entgegensieht. Es ist dies auch schon deshalb zu wünschen, weil dadurch dem deutschen Volke die Aufregungen einer neue» Reichstagswahl erspart bleiben werde».
♦ *
Die „hohe* Politik, die jenen Gewässern gleicht, die lange Zeit unter der Erde hinfließeu und ab und zu vorübergehend zutage treten, hat stch den Blicken Europas in dieser Woche einmal unverhüllt gezeigt. Die Indiskretion des Pariser „Figaro* — denn daß die gestern erwähnte Erzählung dieses Blattes von den französische» Tastversuchen betreffs der Stimmung deS Czare« auf Thatsachen beruhen
Glück in ihrem Herzen schwoll so mächtig an, daß sie hätten beten mögen voll still beseligender Lust.
Auch heute hatten sie in Liebe und Glück beisammen gesessen und an die nahe Zukunst gedacht, in der für sie ein Glück gegründet liegen feilte, das sie in seinem ganzen Umfange noch kaum zu erfassen und zu glauben vermochten. Kein Mißton hatte ihr friedliche« Geplauder gestört. Sie hatten e« vermieden, über die mancherlei Mißhelligkeiten zu sprechen, bentn besonbers Jürgen nur zu oft aus. gefetzt war. Von der Gewißheit durchdrungen, daß es in ihrer Macht nicht lag, den starren Sinn der Menschen mit ihrem Herzensbunde auszusöhnen, sondern daß dies nur die Fügungen eines Höheren vollbringen konnten, hatten sie fich in ihr Schicksal gefunden, und in der treuen, starken Liebe ihrer Herzen fanden sie reichlichen Ersatz für da« abfällige Urteil der Welt. >
Noch in seliger Rückerinnerung befangen, hatte Jürgen den schweigenden Wald durchmessen. Nun stand er vor dem Eingänge des mondbeschienenen, in friedlichem Schlummer baliegenben Dorfe« Ihm zur Linken lag bei Friedhof. Auf den schmucklosen Holzkreuzen flimmerten die Mondesstrahlen auch hernieder und verklärten die Schlummerstätten der unter diesen Ruhenden. Ein stiller, heiliger Frieden hiett die Welt umfangen Es war Jürgen so sonder- bar eigen, fast beklommen zu Mute. Wie et zögernd seine Schritte innehielt und mit sinnendem Ausdrucke hinüberschaute nach jenen friedlichen, stillen Wohnungen, die für einen jeden bereitet werden, mag er wolle» oder nicht, die ben Armen neben den Reichen betten unb Haß und Freundschaft zu- Nichte machen, da überkam es ben Burschen auf einmal, al» ob auch ba« Glück, da» so heilig und fromm in seinem Herzen pulsierte, nicht von Bestand
dürste, wird nun wohl auzunehrnen sein, da bislang kein ernster Widerspruch erfolgt ist — sind in mancher Hinsicht kennzeichnend für die politische Konstellation in Europa. Sie lenke» de» Blick wieder eivmal nach Kopenhagen, der alte» Mettopole der europäischen — deutschfeindliche» — KrtegSpa.tei. Die Mission deS Herrn de Beauchomp wird nicht der einzelt dastehe» — ja, man darf wohl annehmen, daß die inneren Fäden der französisch-russischen An- näyermig ausnahmslos über Kopenhagen gelaufen sind. Man spricht gewöhnlich von der rusfisch- sta, zösische» Allianz nud von Dänemark als etwaigem Tritte» im Bunde; das richttgere wird wohl fein, wenn mau ein lange schon bestehendes, gegen Deutsch- lazb gerichtetes Einvernehmen Frankreichs und Dänemarks annimmt, z» dem der Czar als gewichtiger Dritter hat hinzugewonnen werden sollen. Die Enthüllung deS „Figaro* giebt einen Begriff davon, wie zu diesem Zweck während deS alljährlichen Auf enthalts des Czaren in Dänemark mag inttiguiert worden sein. Vielleicht dürfte auch dem Beherrscher Rußlands die „Figaro*-Geschichte zu denken geben und ihm manche Sette seiner Erinnerungen in besonderer Beleuchtung zeigen. Die shmptomattsche Bedeutung deS „Falles Bvauchomp* liegt vor allem darin, daß aus demselben die nicht sehr glänzenden Erfolge der französisch-dänischen EinwdknngSversuche aus den Czaren offenbar werden. WaS bedeuten demgegenüber die lärmvolle» Kundgebungen von Kronstadt und Toulon!
* * *
Ein anderer Feind Deutschlands, der sranzosen- und dänenfteundltche englische Ministerpräsident Glad ftont geht seinem politischen Ende entgegen. Der Rücktritt des „grand old man“ steht täglich zu erwarten. De« Vorwand wttd eine Schwächung der Sehkraft biete», a« welcher der Führer der englischen Liberale» leiden soll. Der thatsächliche Grund dürste jedoch darin liegen, daß fich Gladstone in seiner phantastischen Politik völlig verrannt hat. Durch ein recht unnatürliches Parteikonglomerat im hohen Alter nochmals zur Regierung gelangt, setzte Glad stone seine ganze Kraft daran, die mit de» An schauungen der englische« Nation in Widerspruch stehende irische Home Rule-Bill durchzubttngen. Die Absicht scheitelte a« dem Widerstande des Oberhauses. Mit letzterem setzte stch der Minister dann «och mehrfach in Widerspruch und steht nun vor dem Dilemma, entweder fich von der Bewegung des Radikalismus gegen das Oberhaus fortteiße« zu lassen oder die Zügel der Regierung tu kräfttgere und sicherere Hände
sein könne. ES war ihm mit einem Male, er wußte selbst nicht wie, der Gedanke gekommen, als ob fich eine hemmende Scheidewand in seinem Herzen vor der in diesem wohnenden Liebe erheben müsse. Jürgen roar sonst eben kein Philosoph, sondern er lebte voll unbefangenen Frohsinns unb Gottoer- frauenr feine Tage dahin Auch jetzt wollte er lachen über bie unnötige Besorgnis, die selbstquälerisch sich seinem Herzen aufdrängte. Wa« konnte ihm noch zu seinem Glücke viel fehlen? In wenigen Wochen war ja alle» entschieben, bann trat er mit Gundula vor Gottes Altar, und sie schwuren fich Treue unb Liebe für ba« ganze Leben; bann war ja das höchste Glück, da» er fich nur erdenken konnte, zu ihm herabgestiegen.
Aber soviel Jürgen fich auch für die plötzliche beklommene Stimmung seine« Innern hinweMreden versuchte, wollte e» ihm dennoch nicht gelingen Mochte es der Gedanke sein, welchen ihm der plötzliche Anblick des mondbeschienenen Friedhöfe» ein- gegeben hatte, baß auch bie müden Schläfer dort drunten einst von Lieberglück unb froher Lebens- Hoffnung durchglüht gewesen rvaren unb nun schon so lange ihr Hoffen und Bangen, ihr Sieben und Hassen mit ihnen zu Grabe getragen war, — mochte e« der tiefträumenbe Frieden in der still dämmernden Nacht fein; kurzum, es hatte fich plötzlich wie giftiger Mehltau auf fein Herz gelegt, »nd er ver- mochte ein beklommene» Gefühl nicht los zu werden.
Langsam schritt er bie Dorfstraße hinunter. Er hielt fich zur rechten Sette bet Straße im Schatten der Häuser. Der Mvnd beschien voll unb ganz die anbere Häuserreihe und ließ ben weißen Ueberputz derselben mit gespenstiger Helle hervortreten.
Nach kurzer Zeit hatte Jürgm den Zennerhof erreicht. Unwillkürlich blieb er stehen »nd starrte
zu legen. Zu ersterem scheint Gladstone keine Lust zu haben. Vielleicht steht et die Aussichtslosigkeit eines bezügliche« Versuches ei«. ES müßte da» Parlament aufgelöst unb die Nation befragt werde», ob sie damit eiuverstaudeu ist, daß an der Position des Oberhauses gerüttelt werde. Wir glaube« nicht, daß die Majorilät der Engländer mit letzterem das einzige stabile Gegengewicht gegen die Beschlüsse deS Unterhauses beseitigt haben müsse. Wie aus den bisherige« Nachrichten ersichtlich sein dürfte, schetttt Gladstone den Versuch nicht machen zu wolle», »nb in diesem Falle bleibt ihm nichts anderes übrig, al» zurückzutreten, falls er sich nicht mit feinen Anhängern selbst in Widerspruch setzen will. Wer der Nachfolger Gladstones fein wird, ist noch nicht zn erkennen. Sollte Lord Roseberry zur Regierung gelangen, so dürfte dies sowohl vom deutsche» Staud- punkte, als auch im Interesse deS europäische» FttedeuS freudig zu begrüßen sei». Daß seine Regierung auch für England von Segen sein würde, ist zweifellos, denn Lord Roseberry ist unter den derzeitigen Führer» bet Mghs bet begabteste und klarste Politiker.
Kanalisierung der Lahn.
* Marburg, 3. Mäh.
In ber Sitzung beS preußischen Abgeordnetenhauses vom 27. Februar brachte Herr Dr. Lvtichins die sehr wünschenswerte Kanalisierung der Lahn zm Sprache. Wir geben die Rede im Wortlant wieder.
„Meine Herren, wie von verschiedenen Setten im8 mit» geteilt worden ist, soll eS nunmehr thatsächlich in der Absicht der Kgl. StaatSregiernng liegen, ein Projett zur Korrektton der Mosel ausarbeiten zu lassen, und zwar soll dieses Projett nach großen Dimensionen ausgearbeitet werden, so daß, wenn dieser Fluß kanalisiert ist, auch unsere größeren Fahrzeuge und Schiffe denselben passieren können. Ich habe gewiß nichts gegen die Korrektion der Mosel einzuwenden; denn sie ist jedenfalls einer der bedeutendsten Flüsse innerhalb des preußischen Staatsgebiets und des deutschen Reichs. Aber ich gestatte mir doch, darauf hinzuweisen, — und die» ist ja auch bereits früher von v-rschiedenen Mitgliedern deS Hohen Dauses geschehen -, daß, falls es überhaupt in der Absicht der Kgl. Staatsregierung liegen sollte, die Koirektio» der Mosel auszuführen, dann auch die Vollendung de, Kanalisierung der Lahn geschehen muß; anderenfalls würde die Montanindustrie im Lahngebiete einer schweren Zuku»st entgcgensehen. Denn eS unterliegt keinem Zweifel, daß bei einer alleinigen Schiffbarmachung der Mosel unsere Monta»- industriellen nicht mehr den Kampf mtt den auswärtigen Erzen, also uamentlich mtt den Luxemburger und Lothringer Minetten aufzunehmen vermögen. Bis jetzt hatte man den» auch stets die Ansicht gehabt, daß, falls eS überhaupt die Intention der Königlichen Staatsregierung fein sollte, die
nach bem mondbeschienenen Gehöft. So still xnb friedlich lag dieses da, wie die andern auch, und doch, wieviel Haß und Leidenschaft schlummerte hinter den geschlossenen Fensterläden! Ein bitteres Gefühl beschlich Jürgen» Hetz, unb gärender Zorn wallte in demselben auf. Was hatte er Reta gethan, daß sie mit Gewalt fich seiner Siebe immer auf« neue hemmend in den Weg zu stellen suchte? Gewiß, er haßte und verachtete dieses leidenschaftliche Weib, das stch nicht entblöbete, so ohne jegliche weibliche Zurückhaltung das Glück zweier Liebenden zu stören. Wie keusch unb züchtig wat dagegen Gundula« Fühlen und Denken!
Schon wollte Jürgen den Fuß wieder weiter setzen, ba wurde er plötzlich stutzig, blieb stehen unb schaute von neuem mit gespannter Aufmerksamkeit nach bem Zemtethofe au«. ES wat ihm gewesen, als ob er eine männliche Gestalt gesehen habe, bie mit verstohlener Scheu, wie wenn das böse Gewissen sie niederbrückte, um bie Ecke des Hofes ge« bogen fei.
Vielleicht hatte sich Jürgen inbeffen auch getäuscht. Das Mondlicht war immer unsicher, unb ba konnte möglicherweise durch den Schatten, den ein vorüber« flatternder Nachtvogel auf bas weiße Gemäuer ge- warfen hatte, irregeführt worden fein. Aber denn« noch blieb er unwillkürlich noch einen Augenblick stehen.
Ring» um ihn herrschte tiefes Dunkel, unb ba er zum Ueberfluß noch zufällig hinter einem brett- ästigen Eichenbaume stand, der sich vor einem Bauerngehöft befand, konnte er vom Zenner Hof au« nicht gesehen werden.
Sei» scharfe» Auge hatte ihn wirklich nicht ge- täuscht. Eben bog wieder ein Mann mit schleichenden, heimlichen Schritten n» bie Ecke de» Hast» unb sah fich spähend »m.