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Zweites Blatt
Aus Hessen-Nasia«.
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Morien: „In der Nacht zum 17. d. M. eif^B M etn Mann auf dem Flur des Hauses Sckerstraße 100. Gs handelt sich um den erst 19 Jahre alte« Uhrmacher Max Schoppenhauer, dessen Eltern die Pförtmrstelle in einem Ministerium inne haben. Er lernte vor etwa 6 Monaten die um wenige Jahre ältere Else Weber kennen, die im zweiten Stock des Hauses Ackeistraße 100 mit zwei Geschwistern zusammen bei ihrer Mutter wohnt. Es bildete sich bald ein Liebesverhältnis, und Schoppeuhauer verkehrte täglich in der Familie seiner Braut. Seine Neigung äußerte sich von Anfang an in etwas merkwürdiger Weise; er begleitete seine Geliebte regelmäßig nach dem Geschäft, in welchem sie arbeitete, und holte sie auch wuder ab. Dabei zeigte er eine derartige Eifersucht, daß Else Weber sich in seiner Gegenwart nicht einmal mit
I Männern au? ihrer Verwandtschaft unterhalten durste, ohne ihn zu einer Art Raserei zu treiben. Eines I Tages verließ er mit seiner Braut plötzlich die Vor- I stellung im Opernhau'e, weil ein benachbarter Herr sich von Else Weber — das Opernglas geliehen I hatte. Mit seiner Eifersucht quälte der junge Mensch das Mädchen in so unerstäglicher Weise, daß dasselbe das Verhältnis gelöst haben würde, wenn eS sich nicht vor der Drohung.des Exaltierte», erst die Geliebte und dann sich selbst zu erschießen, gefürchtet halte.
«Am Freitag Mittag hatte er seine Geliebte wiederum auS dem Geschäft abgeholt, nachdem er seine Stellung
I seit einigen Tagen aufgegeben und fich deswegen mit ! seinen Eltern entzweit hatte. Tas Paar hatte am I Nachmittage den Zoologischen Garten besucht und I ging durch den Tiergarten. Else Weber wußte ihm ; I folgen, weil kl ihr gedroht hatte, sie »iederzuschiktzen, I sobald fie fich entferne. Dann stellte er dre Frage : I an sie, ob fie gemeinsam mit ihm sterbe» wolle, und : I fügte auf eine verneinende Antwort hinzu, daß er -'sich jetzt allein erschieße» würde; fie möge aber_bei
Hosthür und einen zweüen auf fich in die rechte Schläfe abgefeuert. Den Revolver, de« er fich inzwischen verschafft hatte, hielt er noch in der Hand. Als die Polizei hinzukam, war er bereits tot. AIS Beweggrund hat er seine» Elter« mitgetellt, daß er nicht mehr lebe« möge, weil er mit 19 Jahre» »och nicht heiraten könne. Else W. ist»or Schreck krank geworden. Schoppenhauer soll übrigens morphiumsüchtig gewesen sein. ,
— Blutrache. In Civita Laviuia hat sich, wie man auS Rom schreibt, dieser Tage ein furchtbarer Fall von Blutrache zugetragen. Bor neun Jahren tötete der damals 20jährige Andrea Ciemrpa- nella eine» audereu ju»gen Bursche» Name»S Carlo Falcini. Da bewiese« wurde, daß Ciampauella von Falcini schwer gereizt worden war, so kam Ciampa- nella mit einer Gefängnisstrafe von drei Monate» davon. Der Getötete hinterließ ei»en Bruder, den zehnjährige« Rodolfo Falcini. Bor feinem Tode hatte Carlo Falcini diesem Knabe« auf die Seele gebunden, ihn zu rächen, und Rodolfo hat den letzten Willen seines Bruders spät, aber getreulich auSge- führt Aw vorletzten Sonntag feierte Andrea Ctampa- nella feine Hochzeit mit einem jungen Mädchen auS Civita Lavinia. Als er mit feiner Braut das Standesamt vrrlasfen halte und sich zur Kirche begebe« wollte, um die kirchliche Trauung vornehmen zu lassen, drängte sich Rodolfo Falcini an das Brautpaar Hera« und versetzte dem Bräutigam einen Dolchstich in de« HalS. Der Dolch znrtaden Kehlkopf, eine« Teil der Luftröhre und die Schlagader. Blutüberströmt brach der unglückliche Bräu- tigam zusammen. Die Braut warf fich mit einem Schrei der Verzweiflung auf ihre» juuge« «asten, der nach wenigen Minuten in ihren Armen verschied Der Mörder war inzwischen zum Polizeiamt geeilt und hatte sich der Behörde gestellt. „Ich habe den - - ----«- » sagte er tu aller
4 Tage auf dem Meere uwhergetrieden waren. Ihre Vorräte waren längst zu Ende, die Unglücklichen halb erfroren und dem Tode nahe. Eine mächtige Eit schölle mit 20 Fischern wurde von der finnischen Küste bei Jnoniemi losgcriffen. Einer derselben I erzählt jetzt folgendes: „I» der Frühe deS 17. Februar wollte» wir von Neuem mit dem Fische» beginne», doch der Sturm war so stark, daß wir uuser Vorhaben aufgeben mußten. Auf dem Eise hatten wir eine Hütte zum Uebernachten erbaut, und ta ihr käme» wir alle wieder zusammen, um de» Sturm vorübergehen zu lassen und einen Imbiß zu uehmiN. Plötzlich hörte» wir ei» Krachen, zugleich geriet die Hütte ins Schwanken und der in ihrer Mitte auf dem blanken Eise stehende Ofen versank ins Meer.
I Wir waren schnell ins Freie gestürzt, und mit einem lMale erblickte» wir schon einen fich schnell ver- bretternden Wasserarm. Es dauerte lange ehe wir ! daraus klug wurden, ob unsere oder die andere EiS- I schölle trieb; erst alS unsere Scholle durch de» Zu sawmenstoß mit eiuer anderen heftig erschüttert I wurde, wußten wir, woran wir waren. 3» weiter ! Entfernung bemerkten wir noch andere Fischer auf I unserer Riesenscholle und vereinigten uns schließlich Imit ihnen". Alle wurde» gerettet.
I _ De» Abschluß einer Liebestragödie
begleitete er Else Weber nach Hause, oh»e diesmal die Wohnung zu betreten. Um ll^/z Uhr in der Nacht fielen auf dem Hausflur kurz hintereinander zwei Schüffe. Mit dem Ausruf: „Das war Max" stürzte Else Weber aus der Thüre, wurde aber von ihrer Mutter zurückgehalten. Frau Weber ging seblst hinunter und fand Max Schoppenhauer uoch lebend, aber bewußtlos auf der untersten Treppenstufe fitzend vor. Er hatte fich die Harrs thür
I Ruhe zu dem Brigadiere der Carabinieri. „Er hat nicht gewollt, daß mein Biuder Hochzeit halte. Nun habe ich ihm seine eigene Hochzeit gestört."
— Heißer Sommer in Aussicht. Von Marseille, Konstantinopel und Paris wird gemeldet, daß fich auf der uns zugekehrteu Sonnenseite ein sogenannter „Sonnenflecken" zeige, welcher eine bisher selten beobachtete Ausdehnung besitze. Der Flecken, ein äußeres Zeichen der Ungeheuern Glut- revolutionen des gewaltigen Gestirns, hat eine Länge von 70000 Kilometer», also fast das Sechsfache deS Erddurchmeffers. Wen» man vor das unbewaffnete Auge ein Stück schwarzes oder berußtes Glas hält und nach der Sonne blickt, so kann man diese» i dunkeln Fleck sehe». Ma» achte aber ja darauf, ■ daß daS GlaS dunkel genug ist; andernfalls wurde man sich der Gefahr des Erblindens auSfetze». Da kaum anzunehmen ist, daß diese starke Sonnenthättg. feit jäh aufhört, so darf mau annehmen, daß ihre ! tachwirkungen sich bei uns auf Erde wieder in einem ehr warmen Sommer äußern werden.
— Auch ei» Nutzen. ... Finden Sie eS nicht auch gut, Herr Hoftat, daß ein gebildetes junges Mädchen musiziert?" - «ewiß, meine Gnädigste! Daun kann eS seinem späteren Ehemarme einen Beweis seiner Liebe dadurch gebe», daß eS —
Berlin, 27. Fedr. Raubmord. 3n der! vergangenen Nacht wurde die Händlerin Körber n| ihrer in der Landsberger-Allee belegeneu Kellerwohnung I überfallen und durch Würgen am Halse betäubt, ver achtzigjährige Vater derselbe«, Karl Detloff, erdrosselt. Ei« Beutel mit 127 Mark wurde entwendet. Der Verdacht lenkt fich auf den Ehemann der Körber, welcher getrennt von seiner Fran lebt.
New-Jork, 27. Febr. Seit den ätzten Tage» herrscht Infolge des Schneesturmes große Kalte. Mehrere Personen find bereits erfroren. Das> Meer ist sehr stürmisch und verschiedene Schiffe find bereits arg beschädigt in de« Hafen eingelaufen.
Chicago, 24. Ftar. Ei« Brandstifter zündete heute den Dom der Landwirtschaftlichen Gebäudes auf der Weltausstellung an und da das Feuer fich sehr schnell verbreitete, stürzte der prächtige Dom bald ein. DaS Gebäude ist ru nirt, doch ge-I lang eS der Feuerwehr, in einstündiger Arbeit eine I weitere Ausdehnung des Brandes zu verhindern.! Auf dem Dom befand sich das Standbild einer un-I bekleideten Diana, welche schon vor dem Beginne der Ausstellung Anfloß erregt hatte. ES bildet sich ein Frauen-Komitee, daS für die Bekleidung der Statue agitirte, jedoch vergeblich. In letzter Ze-t wurde das Gerücht verbreitet, daß durch die Ausstellung der fremden landwirtschaftlichen Produkte : allerhand gefährliche Insekten, die man in de» Vereinigte» Staaten nicht kenne, ein geführt worden seien und diese Insekte» würde» sich beim Abbruche des Gebäudes zum Schaden der amerikanischen Landwirte weiter verbreiten. Das Feuer wird nun, wie der
Herald" sich spöttisch ausdrückt, „von diele» Kasein und Würmern jede« Muttersohn vernichtet haben und die erschreckten Kohlbauer von Illinois können
Ms. Kassel, 27. Febr. Eir Roma naus dem Leben. Eine hiesige Putzmajeri«, eine^hübsche Brünette und als Inhaberin eine? flotte» Geschäfte trotz ihrer dreißig 3ahre «och efl- begehens, werte Partie, lernte im verflossei u Lpttherbst auf einem Spaziergange zufällig einet Hierselbst kenne«, der in seiner lacken Uniform eine« recht stattlichen Eindruck '«chte Der: S«r
stellte fich ihr als Eisenbahn-Burauvorsteher Schmidt aus Deutz a. Rh. vor und "erst rd es aebenbei durch süßes Geplauder und nobles »iftrete« für fiaj be - maßen einzunehmen, daß die heiraelustige Putzwacher schließlich einwilligte, mit de« fremde» Herrn einen längeren Spaziergang durch die Ae und nach Wiihlms höhe zu mache«. Auf diesem Spaz-ergange sauden fich nun die Herzen, es kam zu einem Geständnisse und erklärten Liebesverhältnise, denn Rudolf hatte das Herz seiner Anna im Flge erobert. Welch b seligendes Gefühl, als die glutäugige Putzmacherin abends Arm in Arm mit ^mr schatz nach Hause zurückkehrte: morgens noch alleinstchend und uage* liebt und abends schon Se glückliche Braut eines Eisenbahn-Bureauvorstehers! Kaum vermochte sie das große Glück zu faffen, wi pries fie deu Zufall, der fie diesen Weg geführt, beiläufig bemerkte nun der SÄ'. 1dl M» »“'« w und alsbald Hochzeit mchen wolle, den» er ei als Verkehrs- Kontroleur »acr Paderborn versetzt worden, erhalte höheres Gehalt, größeren WohnuvgSgelbzu- schuß rc. Nur ei« Puut mache ihm Sorge, er muffe < 3000 Mk. Kaution fielen und es fehlten ihm »och 800 Mk. daran, denn ei» Amtsbruder, der fie ihm , zu leihe» versprochen, fei plötzlich gestorben. Doch dem war ja bald abgholfen, die Braut gab sofort 500 Mk., mehr hatte sie nicht flüssig, der Rest sollte sväter folgen. Schufst reifte nun mit dem Selbe »ach Paderborn, es wurde et» lebhafter liebevoller Briefwechsel geführt r-d schließlich »ach einigen Wochen bestellte Rudolf seine Auua zu einem Stelldichein nach Warburg. 'Sie brachte ihm dann rochmals 120 Mk. mit, fie führten fich beide sehr glücklich und sprachen eifrig »o« Sochzeit und Ehestand, Umzug und Ausstattung' T-r Herr Eisenbahnkonirolcur reiste mit dem Selbe ob - und war seitdem veischoben Alle Briefe kämm zrrück ober blieben unbeantwortet u«b bte oon be; verlassenen unb schmählich geprellten Braut angesteLeu Srkunbigungeu ergaben, baß es Weber in Deutz »och Paderborn einen Nsenbahn- fouholeur Schind gab. Wohl aber ermittelte bie Staatsanwaltschaf, daß Schmidt ein gefährlicher Heiratsschwindler wcc und fich »ach Holland geflüchtet hatte. lr wurde ausgeliefert, hier vor die Strafkammer getell: und wegen seiner Heiratsschwindelei zu eier Gefäugnisstrafe von einem Jahr und sechs Monce» verurteilt.
DörvSager! t.7. Febr. Von einem herben Unglück wurd der hiestze Schreintrmeister Christian Gothe heimgeschr. Innerhalb 10 Tagen starben bem Bedanervwerten drei Kinder im Alter von eine« drei m> fünf Jahre» an Diphteiitis. Das vierte,' zwölf Jahre alte Kind liegt an derselbe» Krankheit scher darnieder.
Ammeustnsea, 27. Febr. Znm Bürger - meister eriählt wurde der Verwaltnngs-Sekretär Röh« aus Midroy (Insel Rügen), deffen Bestättgung nahe bevorstem soll.
Satwöe«, 27. Fedr. Das Bad soden- Stolzenbeg bei Salmünster ist in den Besitz be8 Herrn Asthekers Alfermann (Einhorn Apotheke) in Frankfurt. M., und der Frau Vitriarius, Hotel befitzeriu in oben, übergegangen.
Schwaviim, 27. Febr. Eine seltsame Geschichtevurde hier vergangene Woche erzählt: In der Nach von Montag auf Dienstag wurden zwei Mädche» im Alter von 10 und. 15 Jahre», Nährend fie llein in einem Zimmer schliefen, von unbekannter Htd die Haar z ö p fe abge sch n t tte». 2n der folge«» Nacht wurde ebenfalls einem schul »ffiätiaen Mähe» das Haar abgeschnitten, man sand das Haar Innern Nachbarhofe. In beiden Fälle» fehlt jede Sx des ThärerS, daher ist der Ort i» nicht geringe ufteguug versetzt.
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Reilltaen: K^eisblatt fitt die Kreise Marburg und Kirchhain. ü^deN^»Eyk V Verantwortlicher Redakteur: Harry Fluki»S i» Marburg.
* - »ASgr*22 Jllttstrirtes Lountagsblatt. ----- - -----
— __— Wmeiceti entgegen bie ©jpebition biefeS ÄUttteB»
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Mainz, 26. Febr. Unserer Kriminalpolizei ist es gelungen, den berüchtigten Banknotenfä l s ch e r Joh. Georg Frank aus Amsterdam in Gesellschaft einer holländischen Dame in einem Gasthause zu verhaften. Frank ist Deutscher und aus Thorn
gebürtig.
Vermischtes.
- Auf der Eisscholle. Seit dem letzten furchtbaren Sturme laufen aus verschiedenen Ortschaften an der finnischen und tagermanlandische» Küste Unglücksbotschaften ein. In allen Falle» handelt es sich um eine größere Zahl Fischer, die auf dem Eise beim Fischen vom Unwetter überrascht und aus großen durch den Sturm loSgerrssenen Eisschollen tas offene Meer getrieben waren. Bis M weiß man noch nicht genau, wie viele dieser Unglücklichen, bei denen sich auch einzelne Frauen und Kinder befanden, gerettet worden find. Heber eine dieser Katastrophe« oberhalb von Oranienbaum wird einem Petersburger Blatte geschrieben: „Am 12. Februar Nachmittags gegen 3 Uhr zogen gegen 90Ftscher des Peterhofer KreiseS, etwa 30 Werst von Oravicn- ÄUa ÄK MM d» Slibm 'KVröW Wan Mut fehle DaS S Da erhob sich plötzlich ein scharfer Wind, Mädchen hatte aber die Geistes gegenwart ihm> ben de? allmähttch in eine« Sturm und schließlich Orkan Revolver zu „entreißen. Gegen lO Uhr taends überging. Die Fischer »ahmen eiligst ihre Gerätes zusammen und suchten schnell "vs Ufer zu gelange«, Überzeugten fich aber zu ihrem Schrecken, daß fie sich auf einer riesigen Eisscholle befanden, die bereits mehrere Werft von der Küste abgetrieben war. Tie Leute sahm vvraus, daß die Eisscholle wahrscheinlich bald in mehrere Teile auseinanderbrechen weide, und zogen fich deshalb selbst i» zwei größere Gruppen
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