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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

in Marburg. ExpM'on: Mmkt LI. Jllustrirtes Sonntagsblatt. in MarburgsExpeditt»» ? Martt Buchdruckerei

Jl£ 80

kftchctut täglich «rßer r» Werktuge» »ach Seaa» und ÄettttaeoL Ouartal-AbomlemmtS-Prei» bei der 6i»e» diti»» S 3RL, bei allen Prstän teru L Mk. i« Pfz. (exkl. BrSellgeld). Juser«ti»»SßebShr für die gespalteue Zeile »der deren Reum 10 Keklemeu für die Zeile 25 Pf,.

Marburg,

Dienstag, 6. Februar 1894.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein il Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Men; Rudolf Masse in Frankfurt a. Mi, Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Paris.

XXIX. Jahrg.

Die Finanzreform im Reichstage.

Der Gesetzentwurf über die anderweite Ordnung deS Finanzwesens bes Reichs ist, nachdem er schon bei der Etatberatung wie bei der Beratung der Eteu« Projekte im Reichstage und ebenso auch in den Landtagen der Einzelstaaten, uamentlich in Preußen, zur Genüge erörtert worden ist, jetzt auch formell im Reichstage einer ersten Beratung unterzogen worden. Nach den Eindrücken bet Debatte zu schließen, hat fich bie Stellung der Parteien, wie sie schon bei ben früheren Erörterungen zum Ausbruck kam, wenig ge ändert. Der Staatssekretär Graf von Posadowsky kennzeichnete die drei Richtungen, in denen die Stellung zu dem Entwurf zum Ausdruck gekommen ist, in zu­treffender Weise folgendermaßen: bie Einen wolle» überhaupt keine Reform unb setzen überflüsfigerweise hinzu, baß, wenn es zu einer Reform käme, mau nicht bie inbirekten Steuern, sonbern eine Reichsein­kommensteuer dazu benutzen muffe; diesen Stand­punkt vertreten die beide» freisinnigen Gruppen und die Sozialdemokratie. Die Anderen sehen die sach­liche Berechstguug und Notwendigkeit der Reform estr, glauben aber, daß der gegenwärtige Augenblick wirtschaftlich ungünstiger Verhältnisse dazu nicht ge> eignet sei: auf diesen Standpunkt hat fich das Zentrum vorläufig zurückgezogeu. Tie dritten und hierzu gehören die beiden konservativen Parteien und die Nationalliberale» stehender Fiuanzreform freundlich gegenüber und treten auch für die zu diesem Zweck in Vorschlag gebrachten indirekten Steuern ein; freilich aber befinden fich auch unter diesen solche, die be­züglich der vorgeschlagenen Steuern noch verschiedene Wünsche haben und meinen, man könne aus der Börsensteuer noch mehr herausschlagen oder ben Be­darf durch eine Inseraten- oder eine Wehrsteuer oder durch die Erhöhung der Btersteuer decken.

Das, worauf es in erster Linie ankommt, ist die Frage, ob die Fiuanzreform notwendig ist: wird dies erkannt, daun wird und muß fie auch durchgeführt werden; denn wo ein Wille, da ist auch ein Weg. Aber mit diesem Willen und dieser Neigung ist es zur Zeit noch recht herzlich schlecht bestellt. Der Hauptgrund hierfür liegt in der Rücksicht auf Stich- worte und Vorurteile der großen Massen.Wo einem Neigung fehlt, da mangelt es an einem Worte der Entschuldigung nie", dieser Goethe'sche Vers erklärt es, daß Zentrum und Freistuuige, selbst im Widerspruch zu früher befolgten Grundsätze», alles Mögliche heraussuche», um die Notwendigkeit der

Finanzreform, sei es für jetzt, sei es überhaupt in Abrede zu stellen.

Was bezweckt die Finanzreform? Sie will die bekannte im Jahre 1879 auf Betreiben des Zentrums eingeführteKlausel Frankenstein", welche den Einzel­staaten aus de» Einnahmen des Reichs eine» Anteil zur Regulierung ihrer Finanzen sichern sollte, wieder zur Wahrheit machen. Denn sobald Matrikularbei- träge und Ueberweisungen fich decken ober die ersteren die letzteren übersteigen, wie dies jetzt der Fall ist, daun ist diese Klausel in Wirklichkeit wertlos ge­worden. Die Reform und das betonte namentlich der Finanzminister, wie auch die Redner der beiden konservative» Parteien nnd der Nationalliberalen liegt also hauptsächlich im Interesse der Einzelstaaten. Und dennoch sträubt fich wenigstens zur Zeit das Zentrum dagegen l Zur Entschuldigung führte Herr Lieber die gegenwärtig ungünstigen wirtschaft­lichen Verhältnisse an, und Herr Bachem begeisterte sich sogar für Erhöhung der Matriknlarbeiträge und der Einkommensteuern in den Einzelstaaten. Wie aber die wirtschaftlich ungünstigen Verhältnisse keinen Grund abgeben können für bie weitere Verschlechterung bet finanziellen Verhältnisse von Reich unb Einzel- floaten, so steht bas Mittel des Herrn Bachem gerade im Gegensatz zu dem Gedanken derKlausel Fkanken- fteitt" und zu der bisherigen Zentrumspolitik überhaupt.

Was au Einwürfen gegen die Reform vorgebracht worden, ist so wenig sachlich und stichhaltig, daß selbst ihre Urheber nicht glauben werden, damit Staat machen zu können. Niemandem, auch dem Rechen­meister Richter nicht, ist es geglückt, die Behauptung von der Uuabweislichkeit der Reform zu widerlegen; die Gegner, die fich hauptsächlich v»r inbirekten Steuern fürchten, glauben einfach, baß biese Uuabweislichkeit nicht besteht, wenn sie wie ber Vogel Strauß ben Kopf in ben Sanb stecken. Gleichwohl möchten wir noch nicht ganz die Hoffnung aufgeben, es werde eine bessere Erkenntnis durchdringen und der Weg schon jetzt betreten werden, der wie der Finanzminister betonte später doch werde betreten werden müssen. Geschieht dies nicht, daun werden die Einzelstaaten ben Schaben bavon sehr halb an ihrem eigenen Leide spüre». Zu verhindern, daß biese in eine Mißstimmung unb Gegnerschaft gegen baS Reich geraten, ist eine wichtige nationale Aufgabe; möchte ihre Bedeutung nicht unterschätzt werben!

Politische Rundschau.

In ber Steuerkommisston bes Reichstags

stellt man jetzt Berechnungen an, welche ben Ab­schluß der Beratungen doch wenigstens in absehbarer Zeit in Anssicht stellen. Die Stempel­steuervorlage hofft man jetzt in einigen wenigen Sitzungen erledigen zu können; über ben Quittung?» unb Frachtbriefstempil glaubt man ziemlich rase hinwegzukommen, ba diese Stücke des Entwurfs doc so gut wie feine Aussicht auf eine Verständigung eröffnen. Dann soll die Tabak-, dann die Wein­steuer unb endlich das allgemeine Finanzgesetz zur Verhanblung komme». Es gilt nicht für ganz aus­geschlossen, baß bie gesamte Beratung i» ber Kom­mission wenigstens in ber Hauptsache vor Eintritt ber Osterferien beendigt sein kann.

Heber ein Entlassungsgesuch des Major v. Wißmann hat bieD. A. P." Gerüchte in bie Oeffentlichkeit gebracht. Aus ben letzten Briefen des Majors ging indessen, wie von unterrichteter Seite geschrieben wird, eine solche Absicht nicht hervor, im Gegenteil war Wißmann durch Mitteilungen seitens des Auswärtigen Amts darüber beruhigt, baß seine Thätigkeit auch an biefer Stelle eine ge­rechte Sßürbigung findet.

Aus Rom wirb jetzt bestätigt, baß die lange Unterredung, welche ber deutsche Botschafter v. Bülow mit dem Ministerpräsidenten Crispi gehabt, den Zweck hatte, Abmachungen darüber zu treffe», welche Maß­regeln zu ergreifen feien, um die italienischen Werte zu heben. Mehrere bedeutende deutsche Bankhäuser, denen fich aber das Haus Rothschild nicht anschließen will, sollen geneigt sein, eine große Bank in Rom zu gründe», welche bie finanziellen Interessen Italiens gegen bie beständigen Angriffe der Pariser Börse schützen soll. Die deutsche Re­gierung soll bas Unternehmen wirksam unterstützen wollen.

WiederTimes" aus Rio de Janeiro unterm 30. Januar gemeldet wird, habe» sich die fremden Diplomaten in einer Konferenz in einem der Aner­kennung der Aufständischen als kriegführende Partei günstigen Sinne geäußert. Der Vertreter der Ver- einigfen Staaten hat dem gegenüber eine ablehnende Haltung eingenommen. Die Gesandten raten ihren Regierungen telegraphisch an, beide Parteien als kriegführende anzuerkennen. Nach einer Depesche desNew Jork Herald" aus Montevideo ist der TransportdampferJtaitu", welcher kürzlich von Montevideo abgegangen war in der Nähe von Bahia von einem Kreuzer der Aufständischen genommen worden. An Bord desJtaitu" befand fich der Admiral Gonzalez,

der im Begriff stand, den Oberbefehl über das Nordgeschwader der Regierung zu übernehme».

Nach einer demReuterschen Büreau" »ber Auckland aus Samoa zugegangenen Meldung vom 27. Januar hat Malietoa Maßregeln zur Unter­werfung bet aufständische» Häuptlinge ergriffen.» glaubt in Samoa, daß die Beendigung des Krieges nahe bevorstehe. Nach einerTimes"-Meldung ans Samoa wäre der Sieg Malietoas sogar schon entschieden. Die Meldung lautet: Der Aufstand gegen bie Autorität Malietoas ist unterbrüctr worbe», 17 Rebellenführet ergaben fich. Die Regierungs­truppen sollten am 30. Januar wegen Hochverrats vor Gericht gestellt werben.

Deutsches Reich.

Attki«, 3. Febr. Heute Vormittag unternahm das Kaiserpaar eine Ausfahrt und gelegentlich derselben einen Spaziergang im Tiergarten. Ins Königliche Schloß zurückgekehrt, hörte ber Kaiser den Vortrag des Chefs des Generalstabes, Generals der Kavallerie, General-Adjutanten Gras v. Schlieffen, und arbeitete sodann längere Zeit mit dem Chef des Militärkabinets. Um 1 Uhr begaben sich beide Majestäten »ach der Dreifaltigkeitskirche, um ber Trauung des Hofmarschalls Grafen v. Pückler mit der Gräfin v. d. Schulenburg beizuwohnen. Das Kaiserpaar wurde im Vestibül von den Mütter» des Brautpaares empfangen und alsdann von den Brüdern des Bräutigams nach dem Altaiplatz ge­leitet. Unter Orgelklängen begab sich alsdann das Brautpaar mit ben übrigen Gästen aus ber Sakristei in die Kirche. Die Trauung selbst vollzog (general» superintenbeut Dryauber. Die Hochzeitsgesellschaft begab fich fobann nach dem Königlichen Schlöffe, wo zu Ehre» ber Neuvermählten bei den Majestäten eine größere Frühstücks täfel stattfand. Die Tafel zählte 76 Gedecke. Die Neuvermählten saßen dem Kaiserpaare gegenüber.

Am Dienstag, 6. Februar, findet bei ben Majestäten im königliche» Schlosse ber übliche große Fastnachtsball statt, zu bem die Ein­ladungen bereits in sehr großer Zahl ergangen find.

Der Präsident des königlichen Staats­ministeriums Graf Botho zu Eulenburg unb dessen Gemahlin haben Einladungen zu einem größeren Diner am 13. d. M. ergehen lassen, bei welchem der Kaiser fein Erscheinen in Aussicht ge­stellt hat.

Die Herttt-Gttndel.

Roma» von Georg Höcker.

^Nachdruck verboten.!

(Fortsetzung.)

Ich habe ben Weg schon so herauf gefunden, unb was meinst, Vater, hab' gar arg laufen müssen bei den Soldaten da lernt sich das Marschieren schon, und so einen Weg herauskraxeln, wie's ber Heimatsberg ist, das ist eine Kleinigkeit!"

Ach was, es wäre wegen den Leuten gewesen, man soll nit sagen, Jürgen, daß des Wending- bauern Einziger zu Fuß hat heimkehren müssen, nachdem er die Jahre hindurch auswärts gewesen!" hatte der Bauer verdrießlich gebrummt unb aus­stehend fich die rote Weste und den Bratenrock zu­recht gezupft.Nun ist'» gut, daß Du da bist, es Siebt viel zu schaffen auf dem Hofe; ich hab' mich abzublacken mit dem Holzhandel und kann nit übrig viel sorgen für das Hau»! Du hast junge Augen, Du magst nach dem Rechten sehen! Jetzt gehst mit ins Wirtshaus hast noch Geld genug im Sack? Sonst sag'« denn ich bitt mir's au«, daß Du heut' die Silbergulden springen läßt; be« Wending- bauern Einziger muß auffahren lassen, wenn er heimgekehrt ist au» der Fremde!"

Unbesorgt, Vater, ich hab' noch übrig' Geld im Beutel!" hatte Jürgen darauf abwehrend entgegnet. Und sonst ist alle« wohl zu Hause? Gott sei Dank, Du selbst, Vater, schauest rüstig und gesund au«, wie seit jeher!"

Es passiert!" hatte der Wendingbauer darauf zwischen den Zähnen geknurrt und höhnisch hinzu- gefügt:Es giebt noch keine Erbschaft auf dem Wendinghof, denk' schon, daß Du noch ein paar Jahr' zuschau'n darfst, bi« Du Herr wirst über »ein Gut!" Dabei hatte er den Dreispitz aufge-

stülpt und ohne auf die Gegenrede des Sohnes zu hören, «ar er zur Zimmerthür hinausgeschritten, es Jürgen überlaffend, ihm nachzufolgen.

Seit jenem Tage der Heimkehr waren nun schon einige Monate verstrichen, und Jürgen war zu Hause wieder eingewöhnt, als wenn er nicht durch Jahre den bunten Rock des Königs getragen hätte. Der Vater hatte recht gehabt Gleich von allem Anfang an hatte es für den wackeren Burschen eine Menge Arbeit auf dem Hofe gegeben, denn dieser hatte verlottert genug ausgesehen. Gleich vielen anderen Polterern war der Wendingbauer kein be­sonders tüchtiger Mann; das Schelten verstand er besser als das Vormachen, und das Gesinde, einmal sein rohes, barsches Wesen gewohnt, hatte ihn des­halb brummen lassen, soviel ihm nur beliebt hatte. Dabei war der Hof und die Landwirtschaft freilich nicht zum besten gefahren, und e« bedurfte ber kräftigen Hand und ber zähen Willenskraft Jürgens, um wieder Sauberkeit und Ordnung herzustellen.

Gleich einem Feuerbrande fuhr er aber auch unter da« verdutzte Gesinde; darin war er seinem Vater ähnlich und konnte gar entschieden werden, wenn es notthat. Aber auf der anderen Seite hatte er auch für jeden, der seine Pflicht that, ein gutes Wort übrig, unb vor allen Dingen ging er selbst mit gutem Beispiele voran, denn er zeigte fich un« verdrossen und unermüdlich bei einer jeglichen Han­tierung.

Der Wendingbauer gewahrte es wohl, daß mit seine» Sohne« Rückkehr ein ganz anderer Geist in da« Gehöft gefahren war, akwr er hütete fich, dem Jürgen auch nur ein Wort der Anerkennung zu gewähren; im Gegenteil, der »ackere Bursche hatte von den mißgünstigen Launen seine» Vaters gar manche» zu erdulden. Je besser Jürgen seine Pflicht zu erfüllen und manchen Mißstarch auszu­

rotten sich bestrebte, desto mehr fand der alte Pol­terer zu tadeln vor. Da konnte es nicht Wunder nehmen, daß den Burschen manches Mal die gute Lonne im Stiche ließ unb er mit ernstgefurchter Stirn in Haus und Hof umherging.

Aber mehr noch als das ungeberdige Wesen des Vaters mochte es doch das Geheimnis seiner Liebe sein, welches Jürgen noch immer unentdeckt in sei­nem Herzen mit sich herumtrug, das diesen bedrückte. Jetzt, wo er seit Monaten wieder im Vaterhause weilte und den starren trotzigen Sinn des Wending- bauern von neuem kennen zu lernen nur zu oft Gelegenheit gehabt hatte, wollte ihm die Vorstellung doch nicht mehr so leicht werden, wie eigentlich der Kampf um seine Siebe sich gestalten werde. Aber »eit davon entfernt, durch die von allen Seiten sich wider ihn und sein glücklich Hoffen austürmenden Schwierigkeiten unb Hindernisse verzagt oder gar kleinmütig zu werde», erstarkte im Gegenteil in ihm von Tag zu Tag die Liebe zu dem reizenden be­gehrenswerten Mädchen. Er wartete nur auf eine günstige Gelegenheit, um offen mit seinem Vater zu reden. Schon manchmal hatte der Alte Anspielungen fallen lassen, daß es nun bald Zeit wäre für Jürgen, sich ein Weib zu suchen, denn eine Frauenhand thue gar not auf dem Wendinghofe. Fest beschlossene Sache war es nun bei Jürgen, daß seine Liebe zur Sprache kommen sollte, sobald sein Vater deutlicher und unverblümter über eine ihm etwa zugedachte Partie zu sprechen begann. War es doch allerwärts Sitte auf dem Gebirge, daß die Väter in der Regel auf die Brautschau für ihre Söhne gingen, ohne viel um die Herzensneigungen der letzteren sich zu bekümmern.

Noch früher als Jürgen e» dachte, sollte er vor die Entscheidung seinem Vater gegenüber gestellt »erden.

Die heiße, schweißtreibende Arbeit während der schwülen Sommertage auf den fonnenbeschienenen steinigen Feldern hatte Jürgen selten dazu kommen lassen, Gundula in ihrer einsamen Waldeshütte auf« zusuchen. Freilich sein Herz weilte stet» bei der Geliebten. Aber um so weher that e« ihm, diese schutzlos und verlassen in der niedrigen schlechten Hütte zu wissen. Er grollte dem Geschick, das dem Wendinghofe alle» irdische Gut im Ueberfluffe ver- iehen hatte, während Gundula mit ihren schwachen Händen ben kärglichen Lebensunterhalt für die Mutter, welche nur noch vegetierte, »ährend ihr Geist völlig umnachtet war, und für sich selbst in harter Arbeit erringen mußte. Für Jürgen war es natürlich ängst kein Geheimnis mehr, warum sein Vater die beiden schutzlosen Frauen so grimmig haßte; in sei­nem Herzen bestand seit ben Offenbarungen der kerbenden Mutter kein Zweifel mehr darüber, daß )ie furchtbaren Anschuldigungen Jllonkas wider einen Vater vollauf begründet waren. Vor dem >arüber in seinem Innern gärenden Widerstreit ber Gefühle wußte er kaum einen Ausweg mehr. Er jätte am liebsten seinen Vater nicht mehr anschauen mögen, unb doch war er ihm als seinem Erzeuger kinblichen Gehorsam schulbig!

So vermochte nur ber einzige Gedanke bem Herzen be« wackeren Burschen Trost zu verleihen, > er an Gundula unb bereu Mutter, wenn die Liebliche erst sein Weib, uneber gut machen könne, w:S bes Vaters Eigennutz an beiben verbrochen

Wie gern hätte er bis bahin Gundula heimlich von seinem Ueberfluffe mitteilen mögen; aber er dachte z» hoch von dem stolzen Sinne der Geliebten, al» daß er dieser einen solchen Vorschlag überhaupt nur zu machen gewagt hätte. So konnte er nur Hoffnung in die Zukunft setzen, und bis dahin blutete dem wackeren, trexmeinenbm Burschen jedesmal neu