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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg nnd Kirchhain. ' W Mai borg, €$l>ibtiioa: Mai kl,^*,.»4»«^ Jllustrirtes Sonntagsblatt. ' ^Marburg. Exprditt»«: Mark?21.
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Nrlcheint täglich «cher «t Werktagen muh 6«m» xnb Feiertagen. — Ou«tal-Ab»nne«eut»-Prei» bei der Sxpe- toten 2 Mk., bei alle» PaALntern 2 Mk. 25 Pf^ (exkl. »cMgdb). Jnsecationsgebühr für die grspaltrne Zeile »brr deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pf,.
Marburg,
Sonntag, 4. Februar 1894.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenftein u. Vogler in Frankfurt tu M., Cafiel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mofle in Frankfurt a. Mi, Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u, Co. in Frankfurt a.M>, Berlin, Hannover, Pari».
XXIX: Jahrg.
Wochenschau.
Die reichbewegten Tage in Berlin, welche der Begegnung unseres Kaisers mit dem Fürsten Bismarck, sowie dem Geburtstage des Monarchen galten, sind, wie es nun einmal nicht anders sein kann, rasch vorübergerauscht und haben dem geräuschvollen Leben täglichen Schaffens und täglicher Arbeit wieder Platz gemacht. Vielen Tausende» aber, welche dem greisen Staatsmann aus den Tagen seiner Wirksamkeit ein »udenken bewahrt haben, wird die Erinnerung au diese Tage nicht so leicht entschwinde» und manche persönliche Mitzstimmung ihr Ende erreichen. Dem Fürsten Bismarck ist der selbst in seinem Lebe« einzig dastehende Einzug in die Reich shauptstadt und der daran anschließende Aufenthalt im alten Schlosse au der Spree recht gut bekommen und wie ans gelegentliche» Mitteilunge» aus Friedrichsruh ersichtlich ist, denkt er gern an den ereignisreichen Tag zurück, der dem schou so sehr Ausgezeichueten doch noch neue Ehren gebracht hat. Es ist müßig, darüber streiten zu wolle», welche politischen Folgen diese Aussöhnung haben könnte: wo das Herz gesprochen hat, kommt die Politik zunächst nicht in Betracht! Und daß dem Kaiser dieses Vergessen des Vergangene» Herzenssache war, geht deutlich aus den Worten hervor, welche er in dem Danke für alle ihm dargebrachte» Ge° bmtstagswüvsche auch dem Fürsten Bismarck widmet. Es liegt also kein Anlaß vor, daS, was soeben geschehen, unter die scharfe Parteibrille nehmen zu wollen.
Nach den Festtagen folgt, wie schou gesagt, die Werktags arbeit und auch in diesem Falle ist es nicht anders gewesen. Dem Reichstag, wie dem preußischen Landtag brennt, wie man sich auszudrücken pflegt, das Feuer auf den Nägeln, und mau arbeitet mit aller Anstrengung, die zahlreichen gesitzgeberischen Aufgaben ihrer Lösung entgegenzubriugen. Die Zeit ist, besonders für den Reichstag, schon recht knapp geworden; noch immer ist mit der umfangreicher. Statsberatung auch nicht der leiseste Anfang gemacht worden. Mit vieler Mühe und Not ist man erst soweit gekommen, daß die erste Beratung der gesamten Steuergesetze beeudet ist und uunmehr die Kommisfions- arbeit beginnen kann. Die Aussichten der letzteren find nach der heutige» Stimmung im Reichstag uicht eben große; nach den finanziellen Erörterungen, welche im Reichstage in den letzten Tagen stattfanden, hat die Mehrheit deS letzteren geringe oder keine Lust, der Reich sregieruug diejenigen Summen zu bewilligen, welche zur Durchführung der Steuerreform nötig sind.
An dringenden Worten der Empfehlung hat es vom Tisch des Bundesrats aus ganz gewiß uicht gefehlt, aber es ist doch nicht zu verkenne», daß an die Fertigstellung der Ftnanzreform nicht früher zu denke» ist, als bis über die Kostendeckung der neue» Militärvorlage eine Einigung erzielt worden ist. Außerdem hat der Reichstag verschiedene kleine Vorlagen und Anträge erledigt. Im preußische» Abgeordnetenhause ging es ziemlich still zu, seitdem gerade während deS Einzugs des Fürsten Bismarck in Berlin von der Staatsregierung mit allem Nachdruck erklärt worden war, daß sie die HaudelsvertragSpolitik der Rcichsregierung unterstütze. Nunmehr weiß jeder Teil, woran er ist.
Aufsehen und Teilnahme hat auch am deutschen Kaiserhofe eine plötzliche Erkrankung des Kaisers von Rußland au der Influenza hervorgerufen. Und wenn auch deren Charakter an und für sich gerade kein gefährlicher ist, so hat doch der Zar eine Natur, für welche solche Anfälle leicht gefährlich werden können; Alexander gilt eben nicht als ein Freund des Deutschen Reiches, umsomehr aber als ei« Freund deS Friedens, und das fällt bei den heutigen europäische« Verhältnissen doch ganz gewaltig iuS Gewicht. Erfreulicherweise hat sich der Zustand des Kaisers jedoch soweit gebessert, daß keine direkte» Besorgnisse obwalte». Viel Aufsehe» hat ein Trivkipruch gemacht, welche» der russische Botschafter in Berlin auf den Reichskanzler Grafen Caprivi ausbrachte. Es geschah das auf dem Festmahle am 27. Januar, an welchem etikettemäßig nur ein Toast auf die Gesundheit des deutschen Kaisers ausgebracht wird. Daß aus dieser außerordentlichen Höflichkeit mancherlei Schlüffe gezogen werden, liegt nahe. Der neue Herzog von Sachsen-Koburg Gotha hat unter großer Teilnahme seinen Einzug in seine Hauptstadt Gotha gehalten; damit aber auch die Kehrseite der Medaille uicht fehlt, wird demnächst im deutschen Reichstage die Frage der Staatsangehörigkeit deS früheren Herzogs von Edinburg verhandelt werde».
Aus »»seren Schutzgebieten sind wesentliche neue Nachrichten nicht eivgegangeu. In Kamerun ist die dorthin entsandte Kompagnie deutscher Seesoldaten angekommen, so daß man nun wohl darauf rechnen kann, bald etwas Zuverlässiges über die Ursache der Polizei-Revolte zu hören. Was hiervon englische Zeitungen erzählen, die sich fteilich schou oft genug als unglaubwürdig erwiese» haben, klingt gerade nicht schön, und es wäre zu wünschen, daß recht bald eine Aufklärung erfolgte. Die Engländer behaupten nämlich, der deutsche stellvertretende Gouverneur habe
die Frauen der Polizeisoldaten öffentlich nackt auS- peitschen lassen. Den schwarzen Damen gegenüber mag allerdings eine gewisse Derbheit angemessen sein, aber man darf am Ende nicht deS Guten zu viel ihn». In der Bndgetkommffston deS Reichstages widmet man sich gegenwärtig den Koloutal- angelegenheiten mit großem Interesse und besteht mit allem Nachdruck darauf, daß irr der Verwaltung der Schutzgebiete nicht gar zu viel Schablonenhastigkeit zu Tage tritt. AuS deutsch Südwestafrika sind seit der Meldung von einem Erfolge über eine Horde räuberischer Witboi'S keine neue» Nachrichten mehr eingegangen. Hoffentlich kommt es nicht wieder schlechter.
Die Politik im Auslande zeigt im großen Ganzen eine Neigung zu mehr Ruhe, als sie in den ersten Wochen des Jahres bestand. Der Nationalitätenhader hat in Oesterreich, wo man die Wiederkehr des Todestages des Kronprinzen Rudolph beging, etwas nachgelaffe», der Omladinaprozeß ist langweilig geworden. Die böse Flamme des inneren Unfriedens ist freilich nicht ausgelöscht, und es wird nur eines leisen Hauches bedürfen, um sie wieder lichterloh brenne» zu lassen. In Budapest hat sich wegen der Streitigkeiten in der Kirchenpolitik der Abfall von der Regierung vermehrt; die letztere hofft aber doch noch bei der bevorstehende» Entscheidung über die neue» Kirchengesetze obzusiegen, wen» auch vielleicht die Mehrheit nur eine recht kleine sei» wird. In Italien ist die Ordnung überall wieder hergestellt; die Verhaftungen dauern immer »och fort, alle Agitatoren und profesfions- mäßigen Aufreizer werden ohne Weiteres eingesperrt. Der Papst hat nach einer Messe im PeterSdom eine längere Kundgebung über die Stellung des heiligen Stuhles zu diesen inneren Wirren verlesen lasse», die ziemlich lebhaften Eindruck gemacht hat. Erwähnt mag hier gleich sein, daß vor dem italienische» Konsulat in Zürich eine größere Anarchistendemoustration stattgefunden hat. Die Polizei stellte indessen bald die Ruhe wieder her. Aus London kommt das Gerücht, der alte Gladstone wolle fein Amt als Premierminister niederlegen, um seine letzte» Lebensjahre in Ruhe zu verleben. Daß früher oder später seitens des 84jährigen Mannes ein solcher Schritt zu erwarten ist, ist selbstredend, schließlich lähmen die Jahre doch die eisernste Kraft. Der Streit mit dem Khedive Abbas von Aegypten ist noch immer nicht zu Ende. Unter scharfen Drohungen hat man den jungen Fürsten so wett gebracht, seine früheren abfälligen Aeußernngen über die Engländer
etwas zu bemänteln, aber nun bindet er sofort mit dem den Engländern ganz ergebenen Premierminister Aiaz an. Die britische Regierung kann am Nil noch heitere Dinge erleben.
Die Franzosen wünsche» das Ende des Karnevals unberührt von allem politische» Steiger zu sein, und so kümmert man sich wenig um das, was vorgeht. Der Annektion von Timbuktu durch den Oberst Bonnier, aus welcher die Regierung schwere Verlegenhesten fürchtet, ist rasch ein Ende gemacht, der Eroberer Bonnier ist abberufe». I» der Kammer führt man lebhafte Debatten über de» Zustand der Flotte, in deren Verwaltung ein ganz gehöriger Schlendrian immer noch zu Hause sein soll, und endlich hat der berüchstgte Panama-Agent Cornelius Herz mit neuen Sensations-Enthüllungen gedroht. Aber alles das reizt, wie gesagt, die Franzosen wenig, man tanzt und trinkt nnd läßt die mürrische Dame Politik ihre alten schiefen Wege gehen. I» Spanien machen die Anarchisten wieder mehr von sich rede». Besonders in der Provinz Cadix soll es unbeschreiblich traurig stehen. Tausende von Kerlen ziehen bettelnd und brandschatzend durch daS Land, was heute in Spanien leider dasselbe bedeutet.
König Alexander von Serbien steht noch an der Spitze des Landes und fei» Vater Milan als Berater neben ihm. Die Sage bleibt aber ungemein ernst, die große und mächtige radikale Partei tritt offen gegen den König auf. Die eigenmächtige Polistk, welche derselbe heute betreibt, ist für die Dauer nur mit Hilfe des Säbels möglich. Und ob die Soldaten ihm unter allen Umständen treu bleiben, ist doch abzuwarten. In Bulgarien herrscht große Frende, dem Fürstentum ist et» Erbprinz geboren, welcher den stolzen Namen Boris, Prinz von Tirnova, erhalten hat. Der Name der alten bulgarischen Zaren ist damit wieder da; nun fehlt blos noch das Reich.
Vom Bürgerkriege in Brasilien waren in der letzten Woche wieder ganz kunterbunte Meldungen gekommen. Es wurde berichtet, die aufständische Flotte fei im Hafen von Rio de Janeiro mit der ebenfalls dort anwesenden nordamerikanischen Flotttlle handgemein geworden und bis auf ein paar kleine Fahrzeuge vernichtet. Das wäre natürlich für ben Präsidenten Peixoto ein voller Sieg gewesen. Die Geschichte war nun, wie schon so häufig, nicht wahr. Es find einige Schüsse gewechselt, und damit war die ganze Litanei zu Ende. Auf der anderen Seite behaupten die Aufständischen, ihrerseits zu Lande wichttge Fortschritte gemacht zu haben. Wer versteht nun das Lügen am bestens
Air Hererr-Grrrrdel.
Roma» vo» Georg Hocken
sNachdruck verboten.!
(Fortsetzung.)
Jürgm kopfnickte lächelnd. „Sie haben mich »st losgelaffm,' meinte er dann ärgerlich; „vn- sprechen war mir'S bis zum letzten Augenblick, aber da hieß es plötzlich, es würde Krieg geben, da mußten wir alle bleiben — und nun haben sie uns doch gehen lassen! Aber hast Du es nit erfahren, daß ich heimkehren würd'?' fragte er abbrechend gleich darauf. „Ich schrieb schon vor acht Tagen «t meinen Vater, daß ich nun wirklich käm'!'
Ein finsterer Zug huschte über dar blasse Antlitz der jungen Mädchens.
„Wie sollt' ich'» erfahren habens Du weißt ja, wie man über uns denkt im Dorf.'
„Immer noch das alte dumme Lied!' rief der Bursche und auch au» seinen ehrlichen Augen sprühte auf flammender Zorn; „daß ste nicht klüger Werben!'
„Sie haben ja tausend Beweise, daß wir Hexen sind,' flüsterte das junge Mädchen mit zuckenden Lippen. „Die arme Mutter! Geht ein Tier im Dorf zu Grund, gewiß ist sie daran schuld, — wird die Liebste einem Burschen untreu, so hat e« sicher der Mutter böser Blick herbeigeführt! O, die arme, «tme Frau! Wa» hat sie leiden müssen die langen Jahre über!'
Sie brach ab, und die Hände vor da» Antlitz schlagend, begann sie aufzuschülchzen.
„Nit meinen, Schatz — mir Meidet'» mitten durch'» Herz, wenn ich Dich meinen seh' au» Deinen schönen Augen," bat Jürgen Wending mit bewegter Stimme; „in der Stunde, wo mir un» Wiedersehen, *«rf keine Thriine fließen!'
Mit leivenschastlicher Zärtlichkeit riß er die Schluchzende in seine Arme und preßte deren schöne» Haupt innig an seine Brust.
„Nun soll e» bald anders, ganz anders werden,' fuhr er flüsternd fort; „ich darf« wohl sagen, iraußen in der Fremde bin ich zu einem ganzen Kerl geworden! Paß nur auf, mein lieber Schatz," setzte er mit leuchtenden Blicken hinzu, „ich will bnen die dummen Köpf' schon zurechtstutzen, daß hnen die Hexenfurcht abhanden kommt! Nit umsonst bin ich des Königs Unteroffizier gewesen — meiner Treu, ja das will ich!' wiederholte er noch einmal zur Bekräftigung „Und bist Du erst einmal mein Weib, Gundula, dann soll auch Deine Mutter gute Tage haben! Ich hab' mich gewundert überhaupt, wie gar hinfällig sie geworden ist, aber ich dacht' mir’» schon — sie hat sich schier gefürchtet vor mir, die arme grau, und deshalb hab' ich hier Deine Rückkunft abgepaßt. Kannst Dir'« denken, Schatz, im Herzen trieb mich's an, Dich zuerst zu »egrüßen. 3n Deinen Augen wollt' ich mein Willkommen lesen. Wa» die anderen sagen und reden, gilt mir gleich, — jetzt, wo ich weiß, daß Du mir gut geblieben bist, bin ich glücklich!"
Er hatte e» nicht wahrgenommen, wie da» Mäd- chen immer heftiger »or sich hin geweint hatte; jetzt aber, al» sie da» thränenüberströmte Antlitz zu ihm wendete, schrak er zusammen.
„Mein Gott, ma» ist Dir Schatz?' tief er, von banger Ahnung erfaßt. „Deiner Mutter — ihr ist drch nit gar wieder Anrecht gescheh'n?"
„Siet Aergere»!' flüsterte da« junge Mädchen mit zuckenden Lippen. „Sie kennt auch mich schier nimmer!'
„Die eigene Mutter! O mein lieber, armer Schatz!' rief Jürgen bestürzt und »oll innigen
Mitgefühl» und schloß kann die Weinende in feine Arme.
Dieser war e» eine wohlige Erleichterung, den lange verborgen gehaltenen Schmerz in salzigen Zähren vom Herzen loslösen zu dürfen. Mit stockender, von den unaufhaltsam hervorbrechenden Thränen halb erstickter Stimme berichtete sie dem Geliebten die Kümmernisse der letzten Zeit: das lange Hinfiechen der Mutter und dann das plötz. liche Erlöschen ihres nur noch schwach glimmenden Geisteslichtes.
Der ehrliche Jürgen suchte die Geliebte nach besten Kräften zu trösten, und es war Gundula, als sie in sein männlich hübsches Antlitz mit den offenblickenden blauen Augen, den kernig roten Wangen und dem kecken blonden Schnurrbarte chaute, als ob schon die Gegenwart de» lange Ent- »ehrtm hinreiche, ihr ein wenig Ruhe und Frieden zurückzugeben.
Aber bann besann sie sich plötzlich wieder auf sie Gedanken, welche sie erst vorhin bei der Rück, ehr au» dem Dorfe mit Gewalt schmerzlich be> drückt hatten, und von neuem begann sie heftig zu meinen.
E» dauerte eine geraume Weile, bis r» Jürgen gelang, die Ursache ihre« neuerlichen Kümmerniffes ron ihr zu erfahren. Wohl mußte er im Herzen >em weinenden Mädchen zustimmen: der harte, iarre Sinn feine» Vater» war eine gefährliche Klippe ür ihr Liebesglück. Wohl hatten die fern »on der Heimat verbrachten Jahre feinen ohnehin festgearteten Charakter völlig zu einem männlich selbständigen umgeschaffen; wohl verttaute er der Festigkeit seines eigenen Willens und wußte e» auch eben, in der Stunde der Rückkehr schon, daß dieser endlich siegen werde und müsse; oder dennoch fand er auch im
Hinblick auf die feiner Liebe drohenden Stürme nicht sofort das richtige erlösende Wort Er preßte Gundula innig an sich und seufzte auf. „Mein armer, lieber Schatz,' flüsterte er mit bekümmerter Miene, „ich weiß es wohl, mein Vater ist ein gar harter Mann!'
Dann aber blitzte es in Jürgens blauen Augen mutig auf und diese bekamen einen kalten, finsteren Ausdruck. „So wird e» Kamps gleich von Anfang an setzen', sagte er, „aber will's Gott, so werd' ich den lächerlichen DAikel zu brechen wissen!'
Das Mädchen sah ihn erschrocken an. „Stein, nein, Unfrieden zwischen Vater und Sohn, das darf nit fein — nit um meinetwillen!' rief sie und streckte wie zur angstvollen Beschwörung die Hände gegen Jürgen au».
„So hast Du mich nit lieb!" rief Jürgm mit zuckenden Lippen.
„O so lieb, fo gar lieb — viel mehr als mein Leben', flüsterte die Dirne und schmiegte fich ver- schämt au seine Brust.
Ein glückliches, sonniges Lächeln verschönte da» Gesicht des Heimgekehrten, und zu Gundula fich herabbeugend, wollte er sie von neuem auf ben rotschwellenden Mund küssen. Aber hastig entwand sich die Dime seinen Armm.
„Stein, nein, es wäre zu viel Glück für mich; Du mußt mich vergeffm, Jürgm!' tief sie nochmals in beschwörendem Tone. „Bedenk', Dein stolzer Vater, er würd' es nie zulassen, daß Du mich zu Deinem Weibe nähmest; um Deiner Siebe zu mir würd' er Dir fluchen!'
Aber mit sanfter Gewalt zog Jürgm die Wider- hebenbe von neuem zu fich heran unb ein männ- ich stolzes Lächeln umspielte dabei wieder seine Lippen.