Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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tttchttut täglich außer tn ÜBerttegtn Mtij k»W- xnb gdertagen. — Q«artal-Lbv«uemmt»-Prri» bei der Sxpe- bttien 2 Ml., bei aEen Pvstästem L Rk. S5 Pf,, (exkl. Bestellgeld). JuseratisnS^bühr für die aefoaüröe Zeile »der deren Raum 10 Nf,„ Reklamen für die Zeile 26 Pfg.
Marburg,
Freitag, 2. Februar 1894»
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte», sowie die Annoocrn-Bureaux von Haasenstrin u. Vogler in Frankfurt «u M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moflc in Frankfurt a. Mi, Berlin, München Ui Köln; G. L. Daube u, Co. in Frankfurt a.M>, Berlin, Hannover, PariSi
XXIX. Jahrg.
Einkommen- und Gewerbesteuer.
Die Steuerreform von 1891 läßt sich jetzt, nachdem die VeraulagungSergebnisse der Einkommensteuer für zwei Jahre — 1892/93 und 1893/94 — und der Gewerbesteuer für 1 Jahr (1893/94) vorliegeo, in ihren Wirkungen übersehen.
Mit den beiden Steuergesetzeu vom 24. Juni 1891 sollte eine g>rechtere und gleichmäßigere Ver- anlaguvg der Einkommen- und der Gewerbesteuer sowie eine erhebliche Entlastung der geringeren und mütlereu Einkommen und der kleinen Gewerbebetriebe eqielt werden. Das Drittel hierfür bildete bei der Einkommensteuer die obligatorische Selbsteinschätzung unter Freilassung der Einkommen bis 900 Mark; bei der Gewerbesteuer die Aufhebung der veralteten Bemessung nach Gewerbeklassen, örtlichen Abteilungen, Letriebsumfaffung und äußeren Merkmalen und deren Ersetzung durch die Veranlagung nach dem gewerblichen Ertrage, gegebenen Falls nach dem Anlage- und Betriebskapstal, um er Freilassung der Gewerbebetriebe mit einem Jahresertrage von unter 1500 Mk. nab einem Anlage- und Betriebskapital von weniger als 3000 Mk.
Was die Einkommensteuer anbetrifft, so hat diese im Jahre 1892/93 ei» Steuersoll von 124842 848 Mark, im Jahre 1893/94 ein Steuersoll von 123190131 Mark ergeben bei 2 437 886 Zenfiten im erste» uud bei 2 481837 Zensiten tat zweiten Jahr. Der Rückgang des Steuersolls ist nicht etwa auf eine» Rückgang der wirtschaftliche» Verhältnisse Mückzuführen, sondern auf die inzwischen erfolgte» Entscheidungen der Berufungskommisfionen, die bei der zweiten Veranlagung berückfichtigt werde« mußten. Das Steuersoll im Rechnungsjahr 1891/92, also vor der Steuerreform belief stch auf 72 916 000 Mk Personalsteuern, die Vermehrung im Jahre 1893/94 gegenüber dieser Summe also auf über 50 Millionen Mark.
Diese Vermehrung ist einerseits die Folge der Selbsteinschätzung, welche für Viele erheblich höhere Einkommen offengelegt hat, andererseits eine Wirkung der bis zu 4 Prozent progressive« Besteuerung. Wenn auch Viele eine höhere Steuer bezahlen als früher, so kommt dies nur daher, daß sich ihr volles Einkommen früher der Besteuerung entzogen hatte. Wendet ma« aber auf die nunmehr ermittelten Einkommen der Censite» bis zu 8000 Mark Einkommen die Tarifsätze der früheren Gesetzgebung an, so würden fie im Ganze» 5 Millionen Mark Steuer» mehr bezahlen, als fie »ach dem jetzige» Gesetz bezahlen,
M Herrn-Grm-el.
Roman von Georg Höcker,
(Nachdruck verboten./!
(Fortsetzung.)
Ein paar spielende Kinder sahen beim Vorüberschreiten de» schönen Mädchen» von ihren Spielen auf und risien die Augen weit auf, während e» sich »ie Erschrecken auf ihren nichtssagenden Gesichtern vlSprägte.
Erst al» die Dirne an der Kindergruppe vorübergeschritten war, kam Leben in dieselben. Ein kleiner Flauskopf mit glotzenden, wafferblauen Augen rannte allen anderen voran und fing mit gellender Stimme an zu schreien:
»Hex', Hex'- Du wirst gehängt,
In der Höll' mit Schweftl uud Pech verbrennt!"
Die anderen brüllten eifrig im Chore mit und veranlaßten dadurch da» junge Mädchen, zwar un- beirrt, aber nur noch hastigeren Schrittes seinen Weg fortzusetzen. E» war Gundula, die auf solche Weise den gleich tückischen Kobolden sich an ihre Fersen heftenden Rangen entfliehen mußte. Auch der seltene Liebreiz der nun zur Jungfrau Heraw Mühten hatte die Abneigung nicht zu bannen »er- «ocht, welche tat Dorfe gegen Gundula und ihre Mutter herrschte. Die Aermsten «arm nach wie »vr aurgestoßm und verfehmt von der öffmtlichen Meinung im Dorf Gohrungen.
Gundula atmete erleichtett auf, al» fie dm Aus- Sang de« Dorfe« erreicht hatte und die Stimmen ihrer kleinen Peiniger hinter ihr in der Ferne ver- hallten. Rur noch ein schmaler Feldweg, dem zur Seite sich der Friedhof de« Dorfe» erstreckte, kennte Eundula vom Walde. Sonst ging fie nie am stillm Gotte«acker vorüber, ohne Einkehr in diesm zu hatten Heute aber trieb ein unbestimmtes Ahnm
woraus sich eine Ermäßigung ergiebt. Scheidet ma« nämlich die Ceufite« in vier Klaffe», so bringt die erste mit Einkommen von 900 bis 3000 im Jahre 1893/94 au Steuer 33498157 Mark auf, während sie »ach den früheren Steuersätzen 35 303 760 Mark aufbriugen müßte; die zweite Klasse mit Einkommen von 1000 bis 6000 Mark jetzt 19 027 864 Mark Steuer, während sie nach den frühere» Tarifsätzen 21717531 Mark aufbringen müßte; die dritte Klasse mit 6000 bis 8000 Mark jetzt 7 045 328 Mark Steuer, während fie »ach de« frühere» Sätze» 7 572 528 Mark aufblingeu müßte. Die vierte Klasse mit Einkommen von mehr als 8000 Mark bringt jetzt 47 Prozent des Gesamtsteuersolls auf, während fie früher nur 34 Prozent aufbrachte; jetzt beläuft stch das Steuersoll dieser Klasse auf 54226 596 Mk. Nach dem neue« Einkommensteuergesetz find also die Censtten bis zu 8000 Mark i« ihrer Steuer Verpflichtung ermäßigt worden; das find 97 Prozent der Gesamtzahl aller Censtten, während nur 3 Prozent der Censtten (mit Einkommen über 8000 Mark) erhöht worden find.
Die Gewerbesteuer brachte im Jahre 1892/93 19 206 586 Mark auf, die Veranlagung nach der neuen Gewerbe- und Betriebs steuer im Jahre 1893/94 22 344475 Mk.; mithin hat fich das Ergebnis um 3 137 889 Mk. erhöht. Die Zahl der Veranlagten hat sich aber von 890 420 auf 494 737, also um 395683 vermindert. Diese Verminderung in der Zahl der Steuerpflichtigen ist hauptsächlich auf die durch die Steuerreform verursachte Freistellung bisher steuerpflichtiger Betriebe (unter 1500 Mk. JahreS- ertrag) zurückzuführen. Aus diesem Grunde ist namentlich die Zahl der auf dem platte» Lande Veranlagten erheblich gesunken, weil hier die kleinen Gewerbe überwiege». Was die Erhöhung deS Steuersolls anbetrifft, so entfällt diese hauptsächlich auf die Klassen I und II mit einem Ertrag von 20 000 Mk. oder Anlage- und Betriebskapital von 150 000 Mk. und darüber. In diesen beiden Klasse» find nur 12 243 (— 2,48 pCt. aller) Steuerpflichtige mit einer Gewerbe- und Betriebssteuer von 8 620 666 Mk. vorhanden, welche 1056 825 Mk. mehr aufzu- brtngen haben als 409 597 Steuerpflichtige der untersten Klaffen IV und V (zu letzterer werden die von der Gewerbesteuer befretten Betriebssteuerpflichtigen gerechnet). Hatte im Steuerjahr 1892/93 rach der früheren Gesetzgebung der gesamte Großbetrieb (Handel und Industrie) i« Klaffe AI: 2 027 790 Mk. und das Kleingewerbe in Klasse B 5 014950 Mark, letzteres also »ehr als das Doppelte aufzubringen,
sie rastlos vorwärts. Nur einen andächtigen Blick warf sie gegen die Stelle der Kirchhofsmauer, hinter welcher fie den Vater ruhen wußte, und dann strebte sie hastig weiter.
Vor dem Eingänge zum Kirchhofe stand eine hochgewachsene Kiefer, welche, nicht gehemmt von anderen neidischen Genoffen, weithin ihre knorrigen Wurzeln in da» felsige Erdreich gegraben hatte und mit ihren breitragenden Resten einigen Schatten rings um sich verbreitete Um den Baumstamm lief eine Bank au» rohem Holz, und dort pflegten während der schönen Jahreszett um die Dämmerung die heimlichen Liebespaare vom Otte zusammenzukommen, um miteinander zu scherzen und zu tän- dein Die Nähe de« Friedhöfe« schreckte sie wohl, und mitten in dem Liebesgeflüster wurde mancher heimliche, bangende Blick nach den sandigen Hügeln geworfen, unter welchen die stillen, müden Schläfer schlummerten; aber anderseits verhütete gerade die Nähe des übelverschrieenen Kirchhofe« ein vorzeitiger Entdecktwerden, und da« gab bei den meisten Liebespaaren den Ausschlag.
Eben saß auf der Bank ein sehniger, untersetzter Bursche, gekleidet, wie e« unter den Knechten ortsüblich war. Er hatte die Arme über der Brust verschränkt, und während er einem furjen Pfeifenstummel, den er unablässig zwischen den Zähnen hielt, dichte Rauchwolken entlockte, schaute er mit zusammengekniffenen Augen nach der hastig ihre» Wege« dahinschreitenden Gundula au«, welche ihrerseits ihn nicht gewahrte, bi» fie ganz nahe bei ihm war und eben fich zur schwarzgestrichenen Kirchhofs- pforte wenden wollte.
Da sprang der Bursche auf, und fein nicht unschöne« Gesicht verzog fich zu einem grinsenden Lachen.
so hat «ach dem neue» Gesetz nur ein Teil der Großbetriebe (Klaffe I mit 3389 Steuerpflichtige» nahezu 6 Millionen Mk., also fast dreimal so viel als die Klasse A I nach der früheren Gesetzgebung (mit 7415 Steuerpflichtigen) und 268 706 Mk. mehr al» die Klasse IV mit 353 800 Steuerpflichtigen und 5 663 976 Mk. Steuer aufzubriugeu, von der gänzlichen Befreiung von nahezu 400000 Betrieben zu schweigen.
Die gerechtere Verteilung der Steuerlast sowohl ia der Einkommen- wie in der Gewerbesteuer, die erhebliche Entlastung der geringere» und mittleren Einkommen wie der kleinen Gewerbebetriebe die mit der Steuerreform erzielt wurde, ist hiermit erreicht und ziffermäßig bewiesen.
Politische Rundschau.
In einer Berliner Korrespondenz der Münchener „Allgem. Ztg." heißt es: „Die dankbar begrüßte Annäherung des Kaisers an den Fürsten Bismarck hat bisher einen ausschließlich persönlichen Charakter; zwischen dem Kaiser und dem Fürsten ist am Freitag über Politik überhaupt nicht gesprochen worden. Ob es in Zukunft geschehen wird, wenn etwa Se. Majestät einmal den Fürste« in Friedrichs ruh beehren sollte, steht ausschließlich bei dem Kaiser selbst. Ader andererseits ist nicht zu verkennen, daß, so streng persönlich die Annäherung des Monarchen an den alten Kanzler bisher auch verlaufe» ist, die Gesamtpofitton des Grafe» Caprivi davon dennoch nicht völlig unberührt bleibe« konnte. Schon der Umstand, daß der entscheidende Schtttt des Kaisers ohne Kenntnis des Grafen Capttvi erfolgte, ist immerhin nicht ganz bedeutungslos." 5m Weitere» widerlegt die „A. Z." die Meldung, daß ein zweites kaiserliches Handschreiben au den Fürste« Bismarck nach einer Konferenz des Kaisers mit dem Grafen Caprivi verfaßt worden sei. Ein zweites „Handschreiben" des Kaisers existiert nicht, sondern der Kaiser hat nach Kenntnisnahme von dem durch den Grafe« Moltke am Dienstag Morgen überbrachten Antwortschreiben des Fürsten Bismarck dem letztere» in einem Telegramm feine Freude sowohl über die durch Graf Moltke empfangenen günstigen Berichte über sein Befinden, als auch darüber, den Fürste» recht bald in Berlin zu sehe», ausgesprochen. Sowohl der Zeit als dem Inhalte «ach beruhte dieses Telegramm schwerlich auf einer vorherigen Kommunikation mit dem Reichskanzler. Weiter wird „gegenüber allen anders lautenden Versionen nach authentischer
„Sieh' da, die Gundula!" sagte er mit etwa» heiser klingender Stimme, während er die Pfeife aus dem Munde nahm „War treibt Dich her, mein Täuberl? Schau! Deine Mutter hat Dich gewiß einkaufen geschickt ins Dorf — und nun bist auf dem Heimweg!"
Es war nicht eben ein freundlicher Blick, welchen die Stehengebliebene auf da« Antlitz des Burschen warf, da» mit seiner gekrümmten Nase und den regelmäßigen Zügen wirklich hübsch zu nennen gewesen wäre, wenn die geschlitzten Augen nicht einen gar eigentümlich verschmitzt funkelnden, fast stechenden Blick gezeigt hätten und das Lachen um die breiten Mundwinkel aufrichtig und frei von einem gewissen grausam tückischen Ausdrucke gemeßen wäre
Das junge Mädchen nickte nur lässig mit dem Kopfe, und die rechte Hand wie schützend gegen da» Busentuch pressend, wollte es hastig an dem Burschen vorübereilen.
Aber dieser war nicht gewillt, dar Mädchen so leichten Kaufes ziehen zu lassen. „So eilig, Täuber! ?" fragte er, während er wie zum Scherz mit dem ausgespannten rechten Arme fie um die schlanken Hüsten fassen wollte. „Nun, brauchst nit zurück- zuschrecken, al» ob ich giftig wäre," sagte er gleich darauf mit einem tückischen Blicke, al» er gewahrte, wie das Mädchen erschauernd vor ihm zurückwich und unverhohlener Abscheu in den edlen Linien ihre« Antlitze« fich ausprägte.
„Laß mich meine« Lege» gehen, Balzer — ich mag nit scherzen mit Dir, die Hexen-Sundel hat auch ihren Stolz, da» merk, — ich denk' doch, wir beide find niemals gute Freunde gewesen," flüsterte sie abweisend.
„Nur Du bist schuld daran, wein Täuber l, daß
Information aufrecht erhalte», daß Graf Capttvi den Fürsten Bismarck nicht gesprochen, die immer von Neuern behauptete Unterredung somit nicht statt- gefunden hat."
Aus Neustadt (Oberschlefien) wird gemeldet, der Reichstagsabgeordnete Strzoda (Pole) habe die Mitteilung erhalten, daß die Zentrumspartei, die durch ihn besiegt und gedemütigt worden ist, be- schloffen habe, ihn als Mitglied aufzunehmen; wahrscheinlich werde er aber der Fraktion der Polen bei» treten. — Wenn die Zentrumspartei fich «ach der bedenklichen Niederlage, die ihr Herr Sttzoda bereitet, auch noch diesen Korb geholt und fich diese neue Blamage zugezoge« hat, müßte man thatsächlich an der politischen Zurechnungsfähigkeit der Zentrum«- leituvg zweifeln. So viel Ungeschicklichkeiten die Nachfolger WiudthorstS auch schon verbrochen, das darf man ihnen doch nicht zuttaueu.
In Ungar» hat sich in der letzte« Woche die Stellung der Regierung, die nach Innen ttotz der Agitation der Klerikale» niemals ernstlich gefährdet gewesen zu sein scheint, auch nach Außen wesentlich befestigt. Im ganzen Lande schaareu die Liberale« aller Parteien und Konfessionen fich um die Regierung. Die günstige Erledigung der Zivilehe im Abgeordnetenhause ist gesichert. Im Maguateuhause allerdings ist ihr Schicksal auch heute noch zweifelhaft. Wie man jedoch hört, ist Herr v. Weckele fest entschloffe», auch nach einem Mißerfolg im Oberhause auf seinem Platze auszuharren, und, gestützt auf die Mehrheit im Unterhause, von der GeschäftSpraxi« des ungarische« Parlaments Gebrauch zu machen, d. h. die Zivilehe zum zweiten Male auf die Tagesordnung zu stelle«.
Infolge der Unruhen, welche sichtaSicilien ereigneten, soll, abgesehen von der gerichtlichen Untersuchung gegen die wegen dieser Vorgänge Verhaftete», ein besonderes Prozeßverfahren gegen ungefähr 300 Personen, teil« Bauern, teils jugendliche Sozialisten, eingeleitet werde«. Es soll «unmehr festgestellt sei«, daß zwischen dem verhaftete« sozialistische» Deputierte» de Felice Giufftida und dem bekannten Anar- chiste» Amilcar Cipriani ein chiffrierter Briefwechsel gepflogen wurde, welcher die Organisierung einer anarchistischen Verschwörung zum Gegenstände hatte.
Bezüglich des neugeborenen Prinzen vvn Bulgarien, der den Tttel „Prinz von Ttrnovo" erhalten hat, wird man gespannt darauf sein dürfen, ob Fürst Ferdinand feinen Erstgeborenen römisch- oder gttechisch - katholisch taufen lassen wttd. Nach der kürzlich geänderten Verfassung ist ihm das Erstere gestattet, auch hat er bei seiner Vermählung dem
e» so war," meinte der Bursch mit lüsternem Lächeln wieder, indem er ihr den Weg von neuem vertrat. „Aber — ernst gesprochen, ich hätt' was abzuhandeln mit Dir, — es ist bald geredet — jetzt hört un« niemand — e« ist auch noch reichlich zwei Stunden bi« zur Nachmtttagskirch'I" Dabei ließ er feine Blicke forschend die fonnenbefdjienene Dorfstraße hinabgleiten.
Er hatte recht, e« befand fich niemand in der Nähe; nur einige Kinder tummelten sich um die letzten Häuser de« Dorfe«.
Da« Mädchen zog die Lippen krau«, und ein verächtlicher Blick streifte au« ihren großen Augen da« sich darob zornig verfärbende Antlitz de« jungen Burschen.
„Aber die Hex' — hat nichts zu verhandeln mit dem Balzer," entgegnete fie, und mit einer entschiedenen Handbewegung setzte fie hinzu: „Laß mich meiner Wege geh'n!"
Der Bursche suchte vergeblich schmeichlerisch ihre Hand zu haschen. „Geh', gieb Dich nit, al« ab Du eine wilde Katze wärest," brummte er, „oder bin ich Dir gar zu schlecht, al« daß Du mit mir redest?"
„Unb wenn e« so wär’?* fragte da« junge Mädchen, fich hoch aufrichtend, während e« ihn mit einem blitzenden Blicke maß „Müßt' überhaupt nit, wa« Du zu schwatzen hättest mit mir, — bist Du es nit, der die schändlichen Spattvers' aufgebracht hat über meine Mutter und mich, so daß ich mich zuletzt kaum mehr auf der Straße habe sehen lassen dürfen, weil die Kinder mich unablässig «erfolgt haben?"
Ein verlegenes Lächeln zuckte für einen Augenblick um den breiten Mund des Burschen.
„Das war Notwehr," entschuldigte er stch dann;