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heran- Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «Nb Kirchhai«. te **• Jllustrirtes Sonntagsblatt. ftiÄSth
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Erscheint täglich «ßrr en Perftegtn wich 6itm» xnb gdtrtagau — Ou-rL-I-AbsnokMWtS-Prrir bei bet Expe» bttten L ML, bei Men Postämtern L Mk. US Ps,. (rxkl. Bestellgeld). Jnser«ti-n»gebühr für die gefMltae Zeile •bet beten Raum 10 Pfgi, Reklamen für die Zeile 2S Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 18. Januar 1894.
«nzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatter, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Franlfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Stoffe ta Frankfurt <u Sh, Berlin, München u. Köln; G. L Daube «, Co. tu Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Pari».
XXIX; Jahrg.
Erstes Blatt
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Die Eröffnung des Landtages.
Die erste Session der 18. Legislaturperiode des «uhischen Landtages ist gestern Mittag durch de« eifer und König im Weißen Saale deS Berliner ichloffes mit nachstehender, gestern berestS im Aus- ige mitgeteilten Thronrede eröffnet worden: Erlauchte, edle und geehrte Herren von ' beiden Häusern deS Landtags!
Indem Ich Sie bei dem Beginn eines neuen Abschnitts der parlamentarischen Thätigkeit begrüße, urtraue Ich, daß das Bestreben Meiner Regierung, kn Bedürfnissen des Landes gerecht zu werden, in Hier bereitwilligen und einsichtsvollen Mitwirkung Ed; ferner eine sichere Stütze finden wird.
। Die Finanzlage des Staats hat sich noch nicht Hchoben.
htrtfpiti Die Rechnung des Jahres 1892/93 ergiebt, " . .Mliülich infolge deS Zurückbleibens der Einnahmen v UllMr Staatseisenbahnen gegen den Anschlag, einen «hlbettag von rund 25 Millionen Mark, welcher i vch eine Anleihe zu decken sein wird.
Die beim Schluß der letzten Tagung des Laudig» ausgesprochene Hoffnung, daß der im Vorau- hlag für das laufende Jahr vorgesehene Fehlbetrag K ie veranschlagte Höhe nicht erreichen werde, hat sich ■ar in Betreff der eigenen Einnahmen und Aus- lbm Preußens bestätigt, wird jedoch infolge des -------- iLckgangs der Ueberweisungen des Reichs und der edmtenden Steigerung der Matrikularumlagen nicht
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fs die strengste Sparsamkeit obgewaltet hat obgleich bei den Staatseisenbahueu für das ste Jahr größere Ueberschüffe in Aussicht ge- lemmcn werden konnten, nicht zu vermeiden, da die »rdcrungen deS Reichs an die Einzelstaateu in «chihtem Maße gestiegen find. Die hieraus er- drchseuden Schwierigkeiten können nur durch eiue »chgreifende Neuordnung der finanziellen Verhältniffe
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i dem erwarteten Maße erfüllt werden.
3'<<* 3n dem Staatshaushalts - Etat für 1894/95, en Org» kffen Entwurf Ihnen alsbald vorgelegt werden 1 °er 0:1 Irirb, erweisen sich die Einnahmen des Staats am"s » ekberum als unzureichend zur Deckung des Ausgabe- vfö* ” kiatfS, und eS muß dazu der Staatskredit noch e Besuch k größerem Umfange in Anspruch genommen werden, - ® ili für das laufende Jahr. Dieses unerwünschte iMkgebnis war, obgleich bei Bemessung deS Ausgabe-
Aie Aerr«-Gu«-el.
Roman von Georg Höcker.
(Nachdruck verboten.j
(Fortsetzung.)
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Vergebens suchte der geistliche Herr sie zu be- Wgeu.
„Hm, hm!* meinte er kopfschüttelnd; „daß sich «r auch die Papiere nicht mehr gefunden haben!*
-Weil er sie gestohlen hat, der Elende!" schrie K-—, nnd in ihren Augen glühte e» rachsüchtig ^ei auf; aber der Herrgott wirb ihn strafen jfc — er wird'» ihm vergelten an Leib und n!"
Ihr dürst da» nicht so laut »nd bestimmt , junge Frau," verwies fie der Pfarrer. r» Manne» Bruder ist hochangesehen hier im — er ist der reichste Bauer vielleicht in der *
. »Deswegen ist er doch ein ehrloser, meineidiger A>!" bestand Jllonka zähneknirschend auf ihrer ung.
Ich kann nicht glauben, daß er so schlecht hat n können!" kopfichüttelte der Geistliche wie- „aber Ihr müßt'» doch wiffen, junge Frau, Ihr mit Eurem Manne vor Gotte» Altar ge- seid."
Da» junge Weib lächelte schwerlich und schüttelte inend den Kopf.
, O, Herr, da« könnt Ihr nicht begreifen?" J*We fie traurig. „Wir fahrende Leute find heute und morgen dott — wir haben keine Heimat kein Vaterland Der Himmel ist unser Dach
. unser Wagen die Schlafstätte. Al« ich Gabriel lernte, wa» wußte ich da viel von dem I p.n der Orte, durch welche wir kamen 1 Der i mii Künstler an einem wandernden Zirku»;
des Reichs und eine angemefleue Vermehrung seiner eigenen Einnahmen gehoben werde«.
Die Fürsorge der Staatsregierung für die äußere Lage der Beamte» hat sich unter diesen Umständen im wesentlichen darauf beschränken muffen, das System de» AussteigenS im Gehalt nach Dienstaltersstufen ans die höheren Beamten auszudehnen und die Mittel bereit zu stellen, um dieses System für die mittleren und unteren Beamten gleichmäßiger und durch die Mitberückfichtiguog diätarischer Dienstzeit günstiger zu gestalten.
Für die Lehrer und Lehrerinnen au den öffentlichen nichtstaatlichen mittleren Schulen soll durch eine Vorlage gesorgt werden, welche das Ruhegehalt der Lehrpersonen, sowie das Wtttweu- und Waisengeld für ihre Hinterbliebenen zu regeln bestimmt ist.
Auch in diesem Jahre wird Ihnen ein Gesetz- eutwmf Wege» Erweiterung des Staatseiseubahnnetzes durch Herstellung neuer Eisenbahnlinien zugehen.
Um den Unternehmern von Eisenbahnen und Klein- bahueu den Realkredit, dessen fie bisher entbehrten, zu eröffnen, bedarf es eines Gesetzes, welches die rechtswttksame Verpfändung deS Bahneigeutums ermöglicht. Der Entwurf eines solchen wttd zu Ihrer Beratung gelangen.
Infolge ungewöhnlicher Dürre im verfloffenen Frühjahr find umfangreiche Landesteile von bedrohlichem Stteu- und Futtermangel betroffen worden. Zur Bekämpfung desselben haben im Anschluß an die Maßnahmen Meiner Regierung die Organe der Selbstverwaltung nnd die landwirtschaftlichen Vereine, wie Ich gern anerkenne, umsichtig und thatkräfttg eingegriffen. Dank diesem Zusammenwirken und der späteren ftuchtbare» Witterung ist dem befürchteten Notstände gesteuert wordeu.
Mit um so schwererer Sorge erfüllt Mich die schwierige Lage, in welcher aus anderen Gründen die Landwirtschaft zu einem großen Teil sich befindet. Angefichts der hohen Bedeutung der Landwirtschaft für das Staatswohl erkenne Ich es als die Aufgabe Meiner Regierung, nicht nut fortgesetzt das Gedeihen der Landwirtschaft zu fördern, sondern auch eine Gestaltung der Rechtsverhältnisse des ländlichen Besitzes zu erstreben, die ihn in den Stand setzt, anch ungünstige Zeiten zn überwinden.
Ein so schwieriges Werk ist nicht durchführbar, ohne die dauernde Mitarbeit selbständiger, auf öffentlich-rechtlichem Grunde ruhender Organe der Berufsgenoffen, an welche» es bisher der Landwirtschaft fehlt. Die Herstellung einer allgemeinen korporative» Vertretung der Landwirtschaft ist daher
da fuhren wir durch viele Orte oft hindurch, ohne zu hatten. Dann nur, wenn die Aussichten günstig schienen, hielten plötzlich die Wagen, geschwind wurde der Zirkus aufgeschlagen, und die Vorstellung begann."
„Ein elender, armselige» Leben!" sagte der geistliche Herr mißbilligend.
„Und doch ist e» schön, Herr!" widersprach, die junge Fra«. „Man fühlt fich frei wie der Vogel in der Lust, und al» ich Gabriel kennen lernte, da war ich erst glücklich, ach, s, glücklich! Wir hatten »n» gleich lieb, und er meinte es so gut und treu mit mir."
„Al» mein Vater starb — er brach durch einen unglücklichen Sturz da» Genick — Herr, da sagte er mir so liebevoll, daß er mich heiraten wollte. Ich war glücklich — wa» kann ich mehr sagen? Und dann zogen wir mit dem Zirkus wieder von Stadt zu Stadt, und wo wir Rast machten, ging Gabriel zur Geistlichkeit und bat, daß man un» trauen möchte. Aber überall machte man uns Schwierigkeiten, vielleicht weil wir fahrende Leute waren, ober war e» auch, weil Gabriel zu stolz war, nach der Heimat zu schreiben. O, er war so stolz, mein guter, treuer Mann! — und einmal fand er doch einen Priester, der un» vereinte — o, e» war ein lieber, alter Mann, so gut wie Ihr, Herr! — und bann gab er Gabriel einen Schein und sagte, er solle ihn ja nicht verlieren, und Gabriel hob ihn getreulich auf bi» zu seinem Tode — bi» dieser elende Schurke, welchen Gott verdammen möge, ihn gestohlen hat!"
„Und Ihr könnt Euch gar nicht auf den Namen jene» kleinen böhmischen Städtchen» besinnen?" drang der geistliche Herr in fie; „man könnte Er
der erste notwendige Schritt zu dem bezeichnete» Ziele. Diese Verttetung wird berufe» fein, die Hebung der Laudwirffchaft durch gemeinsame Einrichtungen zu betreiben, der Regierung als Beirat zu diene« und bei der Vorbereitung und Durchführung der Maßregeln der Gesetzgebung und Verwaltung mitzuwttken, welche auf die Verbesserung des KredttwesenS und die Beseitigung der Uebelstände gerichtet find, die auf der übermäßigen Verschuldung des Grundbesitze» und den ungeeigneten Formen derselben beruhen.
Zu diesem Behufe wird Ihnen der Entwurf eines Gesetzes über die Errichtung von LavdwirtschaftS- kammeru vorgelegt werden.
I» einer Zeit, in der die Unzufriedenheit vielfach geschütt und der Kampf der Meinungen und Interessen mit zunehmender Schärfe geführt wird, gilt eS, durch die versöhnende Wirkung gemeinsamer Arbeit den Ausgleich der Gegensätze zu fördern und ihn zu findm in dem aufrichtigen Streben »ach dem unverrückbare» Ziele, dem Wohle deS Vaterlandes.
Dazu gebe Gott Segen und Gelinge».
Politische Rundschau.
-e. Die Eröffnung des Landtages im Weißen Saal des Königliche» Schlosses in Berlin fand nach dem üblichen Ceremouiell statt, nachdem für die evangelischen Mitglieder in der Schloßkapelle, für die kaiholische» in der Hedwigskttche Gottesdienst gehalten worden war. Von beide» Häuser» Ware» die Mitglieder sehr zahlreich erschieue». Beim Eintritt in den Saal wmde der Kaiser, welcher von den Prinzen Heinrich und Friedrich Leopold begleitet war, mit einem dreimaligen Hoch begrüßt, welches der Präfident des Herrenhauses, Fürst Stolberg-Wernigerode, anSbrachte. Der Kaiser, welcher die Uniform der Gardes du Corps angelegt hatte, bestieg, »ach allen Seiten huldvoll grüßend, den Thron, bedeckte das Haupt mtt dem Helm, empfing anS den Händen deS Ministerpräsidenten die Thronrede und verlas dieselbe mtt kraftvollem Ausdrucke. Sobald die Thronrede verlesen, empfing der Ministerpräsident dieselbe zurück uud erklärte auf Befehl deS Kaisers die Sitzungen des Landtags für eröffnet. Während der Monarch, nachdem derselbe das Haupt entblößt und den Thron verlassen, aus dem Saale schritt, brachte der Alterspräsident des Abgeordnetenhanfes, Abg. Dieben, ein zweites dreimaliges Hoch anf den Kaiser ans, in welches die Versammlung mtt vollster Begeisterung einstimmte. Die Thronrede wmde von der Ver
kündigungen einziehen und vielleicht Euch helfen; aber so —"
„Ich weiß es nicht — ich weiß es nicht!" klagte die Aermste.
„Aber Ihr habt die Scheine doch ost in der Hand gehabt!" wendete der Geistliche ein.
„O, mehr al» tausendmal, Herr!"
„Run also, wie habt Ihr Euch berat btt den Namen nicht merken können, junge Frau, da» ist mir wirklich unbegreiflich I"
Das junge Weib lächelte traurig und zeigte dabei seine beiden Reihen blitzender Zähne.
,O, Herr, wir find fahrend Volk," sagte ste; „wo hätte ich lesen lernen sollen? Aber Gabriel, ret war ein Kluger," setzte fie mit aufleuchtenden Augen hinzu; „er konnte auch schreiben, und so schön — ach so schön!"
Dann hiett sie inne und machte vergebliche angestrengte Versuche, auf den Namen zu kommen, gleichsam, al» ob fie wüßte, daß davon ihre Rettung abhinge.
Am Tage darauf kam fie freudestrahlend auf den alten Geistliche« zu, der gerade die kleine Gundula auf den Knieen hiett und mtt dem Kinde, da« fich schnell an ihn gewöhnt hatte, plauderte.
„O, ich weiß, Herr — ich weiß e» plötzlich!" rief fie hastig und nannte den Namen eine» kleinen böhmischen Orte«.
Auch der alte Geistliche nickte erfreut
„Run, wir wollen sehen," sagte er; „da» ist schon etwa». Mit Gotte» Hllfe werben wir wohl jetzt Licht ix biefe bunkle Angelegenheit bringen "
Roch an bemselben Tage schrieb er an da» Pfarramt de« ihm von Jllonka bezeichneten kleinen böhmischen Städtchen», und da er recht sicher gehen
sammluug mit Schweige» aufgeuommeu. Die Berliner Blätter bringen bereits Besprechungen der Thronrede, die natürlich je nach dem Standpunkte derselbe» verschieden ausfallen. Die Kreuzzeitung äußert fich folgendermaßen: Mit fteudiger Genug- ihuung begrüßen wir uud mit uns alle, die in der Landwirtschaft die sicherste uud zuverlässigste Bast« des Staates erblicken, die toarmen uud entschiedene« Worte, mtt denen die Thronrede die Notwendigkett hervorhebt, durch wettgreifende Reformmaßregel« de« fortschreitenden Notstände der Laudwirtschast Etuhall zu thun. An» welchen Gründen dieser resulttrt, untersucht die Thronrede nicht, fie konstattert nm die Thatsache, erkennt die hohe Bedeutung der Land« wirtschaft für das Staatswohl an und betont die Wichtigkeit der Aufgabe, die Laudwtttschast stetig zu fördern und ihr durch Neugestaltung der Rechtsverhältnisse auch über ungünstige Zetten fortzuhelfen. Wir erkeuneu das Bestreben, auf gesetzlichem Wege den Versuch gründlicher Hilfe für die Landwirtschaft zu unternehmen, wie schon gesagt, dankbar an. Aber freilich darf nicht vergessen werden, daß diese Versuche langjährige Arbeit voranSsetzen uud auch daun nur langsam reifende Erfolge erhoffen lasse». Scho» jetzt aber heißt es, Schaden abwehren nnd das Gute fördern, um die Landwirtschaft durch die augeubltck- lich bedrohliche Lage für eine bessere Zukunft hiudurch- zmetten. ES kann daher nicht Wunder nehme«, daß die von der Thronrede in Ausficht gestellten dmch- greffeude« Reformpläne weniger lauten Beifall als das stille Seufzen der Hoffnung auf eine bessere Zukunft bei ben gespannt zuhörenden Landboten hervorriefen.
Die N a t i o « a l - Z e i t u n g, das Parteiblatt der Nattonalliberalen meint betreffs der Landwirtschaftskammern, es werde sehr viel auf die Zuständigkeit derselben ankommen. Htufichtlich der „Mitwirkung bei der Dmchfühmng der Maßregeln", welche als Zielpuntte in der Thronrede angedeutet werden, dürste Alles darauf ankommen, wie wett durch Beschlüsse der Laudwirtschaftskammer« der einzelne Landwirt etwa in seiner Selbständigkeit beeinträchttgt werden könnte. Indem vtt diese, durch allerlei Gerüchte über „Zwangsgenossenschaften" veranlaßten Vorbehalte machen, stimmen wtt doch dem Schlußsätze der Thronrede gern zu, daß „es in einer Zeit, tii der die Unzufriedenheit vielfach geschürt und der Kampf der Meinungen und Interessen mit zunehmender Schärfe geführt wird, gilt, durch die versöhnende Wirkung gemeinsamer Arbett den Ausgleich der Gegensätze zu fördern und ihn zu finden in dem auf
wollte, setzte er den Brief nicht nur in deutscher, sondern auch in lateinischer Sprache auf.
Wieder vergingen einige Tage, und Gabriel Weuding mochte wohl nun schon eine Woche in der Erde liegen. Da sprach der Ortsschulze bei dem geistlichen Herrn vor und begann nach mancherlei Wenn und Aber fich darüber zu beschweren, daß da» ftemde, junge Weib mit seinem Kinde noch immer Unterstand im Pfarrhofe finde. E» sei durch nicht» bewiesen, daß fie Gabriel Wmding» Weib gewesen sei, meinte er; die Gemeinde habe schon redlich ihre Pflicht gethan, indem fie dem unbekannten, ftemden Manne ein ehrlich Begräbni« auf dem Dorfkirchhofe gewährt habe, und man könne von ihr nicht verlangen, daß fie nun gar noch für die Hinterbliebenen Sorge trage Der Herr Pfarrer könnte die Fremde mit ihrem Kinde doch nicht in alle Ewigkeit bei sich behalten; man spräche ohnehin schon mancherlei im Dorfe.
Der redliche Pfarrer mußte insgeheim dem Schulzen in mancher Hinsicht recht geben. Aber als er, wie er es letzterem versprochen, mit Jllonka darüber reden und sie befHmmen wollte, bi» zum Aurtrage der Angelegenheit vielleicht irgendwo bei einem Verwandten Aufenthalt zu nehmen, da stieß er bei dem jungen Weibe auf ungeahnt fartnädigen Widerstand.
„Ich habe niemand mehr auf der weiten Wett, al» mein Kind und das Grab meine» Manne»!" rief Jllonka mtt wehklagender, zitternder Sttmme; „selbst wenn man mich gewattsam cm« dem Dorfe verweisen wollte, ich käme doch wieder. Man hat mir meine Ehre gestohlen; ich kann mich selbst nimmer achten, so lange ich geschidrdet bin durch jene« schlechten Menschen! Ich bleibe hier!" wieber^Ite sie »nb stampfte dabei mit bew Fuße aus ben Erdboden.