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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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wie in meinen Gedanken, durch eine geistige, rühm- reiche und mächtige Verbindung.

In Berlin haben die Stammgäste der haupt­städtischen Wärmehallen sich auf ihre Art für die vermehrten Aufwendungen der Behörden und Private» für den genannten humanen Zweck revanchiert, indem fie am Montag einen regelrechten Krawall tu Szene setzten, weil ihrer wachsenden Begehrlichkeit nicht aenua aeschaü.

In Paris ist der Bombenatteutäter Vaillant von dem Geschworenengerichte zum Tode verurteilt worden. Der schnelle Abschluß des Prozesses hat sicher viele überrascht, welche sich auf lange Ver­handlungen und Enthüllungen gefaßt gemacht hatte», war aber nach Lage der Dinge das Beste, was bo» Schwurgericht thun konnte. Die Schuld war zweifel­los. Auf Grund von Zeugenaussagen und nach eigenem Geständnis war erwiesen, daß der Angeklagte Vaillant am 9. Dezember ein mit Eisevteilen ge­fülltes Sprenggeschoß in den Sitzungssaal d« Deputierteukammer geschleudert hatte, damit das Lebe» der Abgeordneten und den Bestand eines öffentlicher Gebäudes bedrohend. Die Gerechtigkeit verlangt für diese verbrecherische That den Tod des Verbrecher» zur Sühne und Daruachachtung. Die Spitzfindig­keiten Vatllavts, seine Unterscheidung zwischen Abge­ordneten und gewöhnlichen Zuschauern, seine erbärm­liche Begründung der That, als fühle er sich z»r Aufbesserung der menschlichen Gesellschaft zu Diebstahl und Mord berxfen, erhärten nur das Urteil, welche» Geschworene uud Richter mit Festigkeit gefällt haben. Wer sich gegen die Gemeinsamkeit der Mensche» und ihre auf dem alten Urgesctz beruhenden Satzuuge» auflehnt, wer sich für seine Thateu die Hewohnhest der wilden Tiere als Richtschnur nimmt, wird ax» der Gesamtheit der Mensche» ausgestoßen uud al» wildes Tier behandelt. Das erfährt Vaillant jetzt an sich, und das werden alle ax sich erfahren, welche sich einbilden, das gemeine Verbreche» sei eine Gut- that. Verbrechen bleibt Verbrechen, und dem ge­richteten Verbrecher folgt die Verachtung der Menschen bis an das Grab, und dann das ewige Vergeflex. Und wenn die Geuoffe» des am Mittwoch zum T»de verurteilten Verbrechers vom 9. Dezember noch Ver­breche» auf Verbrechen häufen, um jenen zu »rächen", wie sie sich ausdrücken, sie werden alle das gleiche Schicksal haben, bis die Menschheit auch diese Krankheit, wie schon so viele, überwunden haben wird u»d wieder ungestört ihren höchste» Idealen zustrebe» kann.

Die Nachrichten aus Italien lauten »och immer nicht sehr tröstlich. Die in Sizilien ausge- brocheue Bewegung ist nicht nur nicht bewältigt,

Wochenschau.

-e. Die kaiserliche Familie hat für die Dauer der Wintersaison ihre Residenz aus dem Neuen Palais i» das königliche Schloß in Berlin verlegt.

Zu allerhand von den Blätter» kolportierten An­deutungen, als »b wegen der Kolonialverhältuiffe eine Kanzlerkrisis bestanden habe, wird jetzt offiziös bemerft, daß alle diese Meldungen müßige Erfindungen seien.

Der Reichstag hat am Dienstag seine parla­mentarische Thätigkeit wieder ausgenommen; aber er macht eine» herzlich schlechte» Eindruck, weil er offenbar an Beschlußunfähigkeit leidet, lieber die elfte Sitzung, der bislang die folgenden ziemlich gleich sahen, ufird aus Berliu berichtet: In den ersten Sitzungen präsentieren sich hauptsächlich die ht Berlin ansässige» Mitglieder; aber diesmal waren auch diese Männer nicht einmal vollzählig zur Stelle; eine traurige Gebe herrschte tat Sitzungssaale. Inmitten einiger Dutzeub leerer Klappsessel, da uud dort ein Parlamentarier, der von Zeit zu Zett erwartungs­voll de« Kopf wendet, ob denn nicht ein politischer Freund Gesellschaft leiste» werde. Am Bundesrats­tisch stand Minister v. Bötticher und blickte gedanken­voll in die Leere hinab. Auch der sächsische Gesandte Graf Hohenthal schien von philosophischen Gedanken erfaßt. Staatssekretär v. Marschall bewegte sich mit der behaglichen Ruhe eines Mannes, der ein sicheres Gelingen seiner Pläne erwartet. Präsident v. Levetzow stattete dem Hanse nachträglich einen Neujahrswunsch ab, der eine beffere Aufnahme verdient hätte, als ihm die ihre Konversatto» kaum unterbrechende Ver­sammlung zuteil werden ließ. Wer im Saale an­wesend war, läßt sich diesmal unvergleichlich leichter sage», als wer nicht vorhanden war. Da sah man den Abgeordneten Richter, augenscheinlich guter Dinge, daß nnn bald wieder ein frischer, ftöhlicher Kampf beginne; ferner Rickert, der mit den Natioualliberalen Begrüßungen auStanschte, auch dem fteifinuigen Volks- parteiler Träger eine Neujahrsgratulatton spendete, aber Herrn Richter »nicht kannte". Der beschauliche Herr Singer und der jugendlich-lebendige Herr Lieb­knecht machten bei den Sozialdemokraten die Honneurs. Vom Zentrum erschienen die Abgg. Gröber, Dr. Bachem uud Frhr. v. Buol, der auch inmitten der Parlamentarier die volle Würde des Präsidenten be­wahrt. Die Nattonalliberalen führte in Vertretung des Herrn v. Bennigsen Abgeordneter Dr. Hamrnacher.

Monaten haben wir glücklicherweise einige Begeg- nnngen gehabt. Im Juni war eS, auf französischem Bode», zu Saint Ml, als unsere Regierung in f- ier- lichster Weise de» Vertretern Seiner Majest: des deutschen Kaisers die glorreichen Ueberbleibsel Z^rer Toien zurückgab, welche zwei meiner Landsleute, bei demselben Blutbad zu Tod erstarrt, seit dem »schrecklichen Jahr" behütet hatte», als treue Kameraden der GrabeSrnhe in der Erde Frank­reichs. Im Oktober war es, und wieder bei unS, als wir uns in Paris vereint fanden, vor dem Sarge eines tapferen Soldaten. (Marschall Mac Mahon. D. Red.) Und die glänzendenden Uni­formen Ihrer Militär-Attaches gaben in edler Weise ihr Geleit dem Kranze, welchen Ihr Sonverän mit ebenso viel Seeleugröße bei seiner Absicht, als Takt bei der Ausführung dieses Schrittes gesandt hat. Und vor wenigen Tagen war es in Deutschland, daß die Empfiudnnge» beider Länder sich berührten vor dem hohen Gettchishof zu Leipzig, als Richter voll Milde und Edelmut gegen zwei Franzosen das Urteil fällten, welches Sie kennen, und daß deutsche Marine- Offiziere öffentlich nach der Gerichtssitzung den fran­zösischen Kameraden die Hand drückten. Selbst be meiner Anwesenheit jetzt in Berlin nähern wir nns und lernen wir uns besser kennen, indem ich ta Deutschland wieder die liebenswürdige Aufnahme finde, die mir immer zu teil ward, so oft ich seit zwölf Jahren in Ihr sagenumwobenes Land kam... Lernen wir uns kennen, und es wird unserem gegen­seitigen Jntereffe zu gut kommen. Es wird im Jntereffe aller unserer Beziehungen, im Jnieresse des Triumphs des Rechts und der Zivilisation, der Vollendung der drängendsten Reformen, der Unterdrückung der Atten­tate und Verbrechen, der Ehre unserer Flaggen, es wird im Jntereffe endlich des Ruhmes sein, de» Geist, den Fortschritt, Wissenschaft und Kunst unter de» Völker» der Erde auszubreiten, an deren Spitze wir marschiere» müsse» zur Unterdrückung aller Vor­urteile, aller Unwissenheit uud aller Barbarei. Möchten doch nach den Wünschen Jules Simons die Re­gierungen weise feto, ebenso weise tote die Völker, welche ihrerseits zu beiden Seiten der Vogesen, trotz der Unterlassungen und der bedauernswerten Ver­sündigungen der Presse beider Länder, doch nur die gleiche Hinneigung zum Frieden erfüllt, der gleiche Wunsch nach Interessengemeinschaft, Annäherung und Verständigung zwischen beiden Ländern. Möge die Zusammenstellung de» beiden Worte »Deutsche und Franzosen", auf welche ich mit andächtiger Hoffnung blicke, indem ich fie niederschreibe, bei einander bleibe»,

A Ein weißer Rabe.

Eine Kundgebung von französischer Sette, welche mif eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich abzielt, ist ein ebenso seltenes als er= frenliches Zeichen. Es wird daher unsere Leser htteresfieren, den wesentliche» Inhalt eines Artikels kennen zu lernen, den ein französischer Schriftsteller, Felix Lacaze imDeutschen Wochenblatt" veröffent­licht hat. ES heißt darin:

Ein ftanzöstscher Staatsmann, der ganz be­sonderen Anteil an den polittschen Eceigniffen des dritte» Viertels unseres Jahrhunderts genommen, Alles Simon, schrieb noch gestern:Wenn die Kegiernoge» weise wären, schlössen sie Frieden unter Mauder, um gemeinsam gegen den Anarchismus den Krieg zu führen. Wenn fie noch weiser wären, riefen fie Gottes Hilfe au, denn ohne diese giebi es keine moralische Eroberung." Unzweifelhaft ist, daß vir, die französische und die deutsche Nattou, der verwunderten Geschichte daS unerhörte Schauspiel bitten, daß wtt, die mir die zivilisiertesten und knitiviertesten Völker des Kontinents sind, gegen nnsern Wille» die Gefahr eines allgemeine» Um« ftnrzes über die Welt bringe». Die Uneioigkeit zwischen Deutschland und Frankreich ist das universale Hebel, unter welchem die sozialen Zustände der Gegen­wart leide». Die Aussöhnung und das Einver­nehmen zwischen den beiden Nattonen würde sogleich zn einem wirtschaftlichen Aufschwung führen und die Möglichkeit geben, den arbeitenden Klassen jene An­forderungen der Gerechtigkeit und der Besserstellung zn erfüllen, welche die Gleichberechtigung der Arbeit erfordert. Es wäre also wirklich die Rettung Europas, aber wie ist dieses Ziel zu verwirklichen, wie diese Snssöhnnng herbeizuführen, solange wtt uns gegen« seitig nicht richtig kennen! Wie viel Franzosen ftnnen Deutschland, wie viele hatten Gelegenheit, den deutschen Charakter kennen und schätzen zu lernen! Wie viele Deutsche andererseits kennen Frankreich nm nach den irrigen Vorurteilen der Schulen und der Gassen! Das ist der Grund, weswegen der erste Schritt, der notthnt, der ist, daß wtt uns sehen und sprechen, mit einem Wort, uns persönlich kennen lernen nnd nicht mehr wie jetzt nach ungenauen und sträflich verhetzenden Zeitungsberichten. Aber wtt kennen uns eigentlich nur dem Namen nach. Seit wir nicht mehr

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«rschetat täglich nutzer «n Werktagen nach 6»tm- uud rm

Feiertagen. Onartal-SbomremeutS-Prtt» bei bet E^e- IvlUTPUTAf

bitten 2 Mt., bei allen Postämtern 2 ML 25 Pf* (exkl. _

Sonntag, 14. Januar 1894

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte«, sowie die Annoncen-Bureanx von Haasenstein u. Vogler in TTTT t Frankfurt <u M., Cassel, Magdeburg uud Wien; Rudolf ÄaIÄ.

Messe ta Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; @. & Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Paris.

(262 «if dm blutigen Schlachtfeldern unserer gemeinsamen Üämpfe i» gegenseitiger Tapferkeit wetteiferten, wie - feiten haben wir uns da noch einander genähert? WD Wenigstens bis zur letztm Zett. Seit de» letzte»

*** ** 8edM 3»eMWngmto°^pedtaon-^^^2l!''^^ " Jstuftriittes Sonntagsblatt. Redaktion und Expe

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Die Deren-Gundel.

Roman von Georg Höcker^

(Nachdruck verboten. ] (Fortsetzung.)

Auf der Landstraße starb er, die Unbekannte Imt ihrem Kinde nun dem ferneren Schick- ^ale überlastend. Da» war freilich ein reichlicher Gesprächsstoff für die schwatzlustigen Bauern. Da mßte beinahe ein jeder etwa» Neue» anzugeben. Der eine hatte den Wendingbauern in größter Eil- Eckigkeit die Dorfstraße heruntereilen sehen, ein vlderer hatte ihn mit verstörten Mienen wieder aus kr Heimkehr erblickt. Dann mischten sich auch die Sagertn Knechte vom Wending-Hose in das Ge- Wdj und gaben an, sie glaubten gar nicht, daß kr Heimgekehrte wirklich der Bruder ihres Herrn gewesen sei, denn der letztere habe gar nicht danach Äirgeschaut. Er habe freilich heimlich mit seiner «rau geredet und die beiden seien ziemlich verstohlen kitn Nachtessen erschienen; aber sonst sei ihnen Schis anzumerken gewesen, und mit keinem Sterbens- wichen hatten fie den sonderbaren Vorfall erwähnt.

Man wartete im Wirtshause allgemein auf das ^scheinen des Wendingbauern; denn dieser pflegte W immer nach dem Abendläuten einen oder zwei Ichoppen zu trinken. Aber heute blieb er wider ^warten aus. Das ergab natürlich erneutes Kopf- Mtteln. Die einen wollten an« seinem Fernbleiben Str schließen, daß er nicht ins Gerede gezogen zu Werden wünsche, während die anderen e» sofort al» Bestätigung ihrer Vermutung ansahen, daß ^nämlich der auf der Landstraße verstorbene Mann, 'kr noch in der Pfarrhofscheuer aufgebahrt lag, l^rklich und wahrhaftig der verschollene Söhn de» »Sten Wendingbauern gewesen sei.

I A« anderen Tage »ar de« Gelaufes kein Ende.

Die Männer sowohl, als die Weiber, die Jung, burschen und die Dirnen, samt und sonders ohne Unterschied von der Neugier hingetrieben, drängten in die Scheuer, wo der Tote lag.

Keiner wollte ihn so recht erkennen. Selbst das Dutzend Bauern, welches mit dem verschollenen Sohne des Wendingbauern auf der nämlichen Schul­bank geseffen hatte, schob stutzig die Achseln in die Höhe. Es war ftellich ein himmelweiter Unter« chied zwischen jenem stattlichen, blühenden jungen Menschen, dem ein gewiffer träumerischer Zug in >en blauen Augen und dem runden, fröhlichen Se­icht so gut gestanden hatte, und jenem bleichen, tißen Manne, der mit geschloffenen Augen und ge­alteten Händen in dem hölzernen Schreine lag, gespenstig von zwei geweihten Kerzen beleuchtet, welche der alte Pfarrer liebreich zu Häupten des Toten angezündet hatte. Keiner wollte denHeimat- osen wiedererkennen; selbst Kalmar Wending hielt ich von der Leiche fern. Nur der alte Pfarrer wußte und sagte es auch laut, daß der tote Mann wirklich zu Lebzeiten Gabriel Wending gewesen war

Aber nicht der Toten allein wegen drängte sich die neugierige Menge nach dem Pfarrhofe. Ein ungleich höhere» Jntereffe nahm noch das junge, remde Weib mit dem schwarzäugigen Kinde in An pruch, da» mit dem Verstorbenen nach Gohrungen lekommeu war. Die Weiber fanden der Kopf- chüttelnr über die Fremde gar kein Ende. Schon «« unaufhörliche Jammern und Schluchzen, rnü welchem die Fremde neben der Bahre auf den knieen lag, wollte den gaffendm Weibern nicht ge- allen. Wenn sonst jemand in Gohrungen starb, )er Mann oder der Vater etwa, dann meinten die köeiber freilich auch, aber fie thaten er fein manirr- lich, und erst wenn die Totengräber den Sarg auf-

hoben und au» dem Hause trugen, schriee» fie wohl auf und geberdeten sich wie verzweifelt; aber fie ließen fich auch wieder beruhigen. Das junge, fremde Weib indessen hörte auf keinen Zuspruch, der ihr auch freilich spärlich genug zuteil wurde. Sie jammerte und schrie in einem fort, und in ihrem gebrochenen Deutsch klagte fie bald den Herrgott in hurten, schrecklichen Worten an, bald fluchte fie in ihrer Leidenschaft aller Welt, als ob diese schuld an dem Tobe ihre» Manne» sei. Die Gohrunger Weiber schlugen ein frommes Kreuz nach dem an­dern und drängten fich scheu in eine Ecke der Scheuer zurück. So ein gottloses Gebaren »ar ihnen noch zu keinem Male vorgekommm und nun noch gar im Pfarrhofe, wo die Frömmigkeit elbstverständlich ganz besonders zu Hause sein mußte!

Manche der Weiber meinten, die Fremde müsse nicht ganz richttg im Kopfe sein, daß fie so ver­zweifelt thue- Ein zahnlose» alte» Klatschmaul wollte dagegen schon heraurbekommm haben, daß da» unglückselige junge Weib mtt dem Gottseibeiuns im Bunde sei, sonst könne fie nicht gar so ver­zweifelt und schrecklich thun.

Noch war da» Ereignis zu ne» und hatte alle Gemüter zu unvorberettet getroffen, al» daß man chon an die Folgen zu denken vermocht hätte, welche es unausbleiblich nach fich ziehen mußte. Höchstens, daß in der ersten Nacht, in welcher da» fremde, unglückliche junge Weib im Dorfe weilte, die be- orgten Hausväter noch einmal nachsahen, ob da» Hausthor auch besonder» gut verschlossen sei.

ES gab kaum jemand, welcher der so plötzlich in dar Dorf hereingeschneit Gekommenen besonder» tote Abfichten zuttaute. Der Umstand, daß da« Gerede von ihr ging, fie sei de» heimgekehrten Ga­

briel Weib gewesen, diente eher noch dazu, fie i» den Augen der Gohrunger noch mehr herabzusetzen denn darüber waren alle einig, daß e» nur eine unauslöschliche Schande für da« ganze Dors und insbesondere für den Wending-Hof bedeuten könnte, wenn der verschollene Gabriel wirklich ein solch fahrendes, wildfremdes Weib der Verwandtschaft zu- führte.

Ging es deshalb en den Tagen, an welchen der Leichnam des Heimgekehrten noch über der Erde lag, im Pfarrhause wie in einem Taubenschlage zu, so war der Zuspruch, welchen der Wending-Hof er­fuhr, kaum geringer. Aber die neugierigen, schwatz- lxstigen Männer und Weiber, die fich unter irgend einem Vorwande in den Wendig-Hof schlichen, kehtten mit gar enttäuschten und in die Länge gezogenen Gesichter» wieder zurück. Auf dem Wexding-Hofe war er zu ihrem billigen Erstaunen zugegangen, wie an allen anderen Tage» auch. Der Bauer «ar mit seinen Knechten wirklich in den Wald gezogen, um Holz zu fällen, und die auf dem Hofe zurück zebliebene Bäuerin that gar wortkarg. Einige ganz lesonder» Mißtrauische wollten zwar bemerkt haben, Fran Käthe schaue bleicher und finsterer aus al« sonst; aber jedenfalls wollte diese es selbst nicht zu- geben Daß ein so dumme«, einfälliges Geschwätz te nicht gleichmütig lassen könne, verstehe fich von elbst, meinte fie zu den Vorlautesten; aber daß der Nabriel wirklich und wahrhaftig zurückgekehrt sei, >ar müsse doch erst einmal bewiesen werden. Ds önnte ja ein jeder kommen und sich für dm längst Verscholleum ausgebm. Zudem wäre der unbe­kannte Mann ja tot, und selbst wenn man ben unwahrscheinlichen Fall annehmen wollte, daß er wirklich zu seinen Lebzeitm Gabriel Wmding ge­wesen sei, so sei noch lange nicht bewiesen, daß da»