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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Jllustrirtcs Sonntagsblatt

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Mittwoch, 10. Januar 1894

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Verantwortlicher Redakteur: D r. H. W. Kühne tu Marburg. Redaktion und Expedition: Markt 21.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach kann» und Feiertagen. Ouartal-WoanemeotS-Prei» bei der Expe­dition 2 Mr., bei allen Postämtern 2 Mr. 25 Pfz (exll. Bestellgeld). Jnserationszebühr für die aespaltrne Zeile »der berat Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatter, sowie die Annoucen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in w,v rx. t

Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf ÄX1Ä; JcllbnL

Mofle in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. °

Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Paris.

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Sozialdemokratische Verlegen­heiten.

3» der sozialdemokratischen Partei ist von einer inneren geistigen Fortbildung lange nicht mehr die Rede; ihre Ideen find ihr schon vor einigen Jahr­zehnte» von Marx fix und fertig geliefert worden, sie giebt sie für die höchste Stufe derWissenschaft" auS und Alles, was darüber ist, soll vom liebel sein. Das ganze Streben geht dahin, sich äußerlich immer weiter auszudehne», immer größere Kreise xnter den Bann der Führer zu stellen. Gerade in dieser Beziehung befindet sich die Partei gegenwärtig in einer arge» Klemme. Die Großstädte und Jndustrie- bezirke find vollauf sozialdemokratisch bearbeitet, die Agitation soll und muß jetzt auss Land gehen. Erfolg kann hier nur winken, wenn die wahren Ziele der Partei verhüllt werden; das weiß man. Anderer- feits aber fürchtet man auch, daß die zu diesem Zweck künstlich zur Schau getragene Zahmheit ans den revolutionären Charakter der Partei zurückwirkeu könnte, und das darf natürlich um Alles in der

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Welt nicht geschehen. Das ist die Klemme.

In München ist ein sozialdemokratischer Katechis­mus von Knorr erschiene», der darauf berechnet ist, die Partei bei Kleinbürgern und Bauern einzu­schmeicheln; deshalb wird darin das sozialdemo­kratische Programm verwässert. Wie dieser Katechismus die schwierigste» Fragen umschifft, dafür nur ein Beispiel; Frage:Wer bestimmt das Absatzgebiet, wenn ei» freier Güteraustausch nicht mehr existiert?" Antwort:Ein von alle» Bemfsgenossenschasten gewählter Volkswirtschaftsrat. Er wird die Re­gierung der Zukunft sein." Bebel dagegen hat ge­lehrt, daß es in der Zukunftsgesellschaft keine Art von Regierung geben soll, blosVerwaltung." Der sogenannte sozialdemokratische Volkswtrtschaftsrat klingt nach etwas, ist aber nichts. Die Phantastereien über die spielende Lösung der Frage, wie das außer­

ordentlich vielseitige Getriebe von Produktion und Verbrauch naq Aufhebung des Privateigentums und des Warenaustausches im Gleichgewicht erhalten werde, ist von Niemand bester verspottet worden, als

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von dem Sozialdemokraten C. A. Schramm vor 15 Jahren. Dieser schrieb u. a. in der früheren sozialdemokratischenZukunft":Der Ostpreuße dankt bestens für den sauren Wein und den Salat des Rheinländers und verzehrt mit Vorliebe die grauen Erbsen, von denen der Rheinländer nichts wisten will. Ist es vernünftiger Weise denkbar, daß von einer Zentralstelle (das ist der Volkswirtschafts-

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drücklrcher fort;schier keiner mehr im Dorf weiß »och etwas von Dir, und nun kommst Du heim wie ein rechter Stromer, fahrend' Volk, das sich ein rechtschaffener Bauer am liebsten hundert Schritt west vom Halse hält! O, die Schänd', die Schänd'!" Er ballte zornig eine Faust, und ein dräuender Ausdruck verfinsterte dabei sein Gesicht.

Wieder atmete der Leidende gepreßt auf.

Es war nicht immer so schlimm mit mir be­stellt!" sagte er mühsam, nachdem er einen gräß. sichen Huftenanfall, der ihn zu ersticken gedroht, überwunden und das kleine Mädchen chm die sickern­den Blutstropfen von den Lippen abgewischt hatte. »Als ich vom Vater heimlich wegging, weil er's nicht leiben wollt', daß ich in die Welt hinaurzog, ®tb als er mir seinen Fluch mit auf den Weg gab, da war ich ein schmucker junger Bursch'. Ich ging *st den Zigeunern, die damals im Ort bei uns Mwesen warm; das ungebundene, freie Leben lockte daß ich nicht widerstehen konnte, und ich hab'r nie bereut, daß ich von Haus und Heimat ge- . in bin! O, was wißt Ihr vom Leben draußen ; der Welt!" fuhr er mit ersichtlicher Anstrengung \ »ährend es lebendiger in feinen Augen auf» Mte; ,e« war fchön, so schön dort draußen, ? ich war auch angesehen bei den Meinen ich t bald, was man einen Künstler nennt; da war ; kein Pferd zu wild, keine Barriere zu h»ch fi al» einmal machte ich den Todessprung, daß , eilen grauste, die mir zusahm. Men nannte

Roma» von Georg Höcker.

(Nachdruck d erboten.]

(Fortsetzung.)

Und die Schänd' vor dem Dorf und der ganzen Gemeind'!" fuhr Kolmar Wending nur noch nach­

rat) aus Bestimmung über den Anbau der grauen Erbse» in Ostpreußen, des Weins und des Salates in der Rhein Provinz getroffen und ebenso über die Art der Verteilnug dieser Genußmsttel disponiert werden kann?"

Wie wenig nun aber die weiße Salbe Knorr's nach dem Geschmacke der zielbewußten Revolutionäre ist, beweist die energische Verwahrung in dem Partei­organDie neue Zeit". Dort heißt es gegen die Versimpelung unserer Grundsätze" in der Knorr'scheu Schrift:Wenn wir es nicht selbst sagen, dann sagen unsere Gegner es den Bauern und Kleinbürgern, daß wir eine revolutionäre, proletarische Partei find, und sie könne» dies aus den hervorragendsten Schriften unserer Bitteratur beweisen." Die Selbstverstümmelung könne nur dahin sühre«, Mißtrauen bei der indifferente» Masse zu säen, der Sozialdemokratie den Vorwurf der Doppelzüngigkeit auf den Hals zu loben und den Schein zu erwecken, als glaube sie selbst nicht an ihre Sache. Die Neue Zeit verwirft das Prinzip der Heuchelet und empfiehlt dafür, daß sich die Partei, je mehr sich ihre Agitation an uichtproletarische Schichten wende, um so sorgfältiger jede dieser Schichten, ehe fie au fie heranträte, darauf ausehe» müßte, ob die Schicht geeignet sei, die sozialdemo­kratischen Ideen aufzunehmen. Zweifellos sind die Bürger der Landstädte und die Dorfbewohnernicht geeignet"; denn jene Bestrebungen laufen auf die Klassenherrschaft des Judustrieproletariats unter Der- nichtuug alles Privatbesitzes au Grund und Bode» tc. hinaus.

Also entweder Heuchler oder ganzer Revolutionär! Da der Revolutionär für die Maffe auf dem platten Lande nicht geeignet ist, kommt Alles darauf ai, diese Maffe vor den Heuchlern zu schütze», wozu das beste Diittel die Vorführung der eigenen Bekenntnisse der Revolutionäre bleibt.

Politische Rundschau.

-e. Heute (Dienstag) Mittag um 2 Uhr nimmt der Reichstag mit der 22. Plenarsitzung seine Arbeiten wieder auf. Die Tagesordnung lautet: 1. Erste und ev. zweite Beratung des auf der inter­nationalen Sanitätskouferenz zu Dresden am 15. April 1893 unterzeichneten Ueberetnkommens nebst Beitrittsprotokoll. 2. Erste Beratung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Abänderung des § 41 der Konkursordnung, in Verbindung mit der erste» Beratung des von de» Abgeordneten Dr. Rtnteleu, Gröber (Württemberg), Spahn, Dr. Bachem, Dr.

Hitze eiugebrachteu Gesetzentwurfs, betteffend die Ab­änderung her Kovkursordnung vom 10. Februar 1877. 3. uud 4. Mündliche Berichte der Wahl- prüfungskommisfiou. AuS Anlaß deS Wiederbeginns gedenkt dieNordd. Allg. Ztg." der des Reichstages noch harrende» Aufgaben uud bemerkt:Sollte der Reichstag in unberechtigter Nachgiebigkeit gegen eine Strömung außerhalb seiner vier Wände der An­schauung der Tabakinteressenten zum Stege zu ver­helfe» geneigt sein, daß der Tabak auch noch weiterhin ein Steuerprivilegium zu genieße» in Deutschland beanspruchen dürfe, so würde er sich mit sich selbst in Widerspruch setze», insofern er iu erster Linie selbst daran schuld, wenn die Frage der anher weite» Besteuerung des Tabaks wieder actuell werden mußte, nachdem es von Seite» des Reichstages ab­gelehnt worden war, die Beachtung gut zu heiße», welche die verbündete» Regierungen der Steuerfähig­keit deS Bieres schenken zu müffeu geglaubt hatten. Ta eS vom Tische der verbündeten Regierungen wiederholt in der allerentschiedensten Weise als durch­aus ausgeschlossen bezeichnet worden ist, die Deckung des Mehrbedarfs im Reiche auf dem Wege der di­rekten Steuern erreichen zu wollen, bleibt der parla­mentarische» Vertretung der Nation nicht wohl etwas anderes übrig, als die i» der Richtung einer Aus­gestaltung des indirekte» Steuersystems gemachte« Vorschläge der verbündeten Regierungen so tu Schutz zu nehme«, wie fie es «ach Lage der Dinge unbe­dingt verdienen. Sollte der Reichstag im Gegenteil sich vorwiegend negativ verhalte», so würde er damit die Lösung einer Frage nur erschweren, die nach wie vor eine der wichtigsten bleibt."

Die Vorlagen für den preußische» Landtag sind in der Hauptsache festgestellt. Der Etat wird dem Abgeordnetenhaus sofort zngehen, ebenso die Mehrzahl der anderen Vorlage». Auch dem Herren­haufe wird eine Reihe vou Eutwürfeu sofort unter­breitet werden. Den Schwerpunkt der ganze» Tagung werden die Verhandlungen über den Staatshaus- halt bilden.

Mehrere französische Zeitungen veröffentlichen bereits die Anklageakte gegen Saillant. Sie bringt Einzelheiten des Attentats i» der französischen Kammer und eine genaue Beschreibung der geworfenen Bombe. Ferner sucht das Schrift­stück zu beweisen, daß die Absicht, eine größtmögliche Anzahl Abgeordneter und Minister zu töte«, nicht weggeleugvet werden könne. Es wird gehofft, die Verhandlungen am nächsten Mittwoch zu Eude zu führen.

mich nur den tollen Gabriel," sagte er mit einem wehmütigen Lächeln um die zuckenden Lippen, welches ihm die Erinnerung früherer Triumphe abnötigte, und als ich mein jetziges Weib heiratete, da waren wir so glücklich wie die Könige. Ich verdiente viel, viel Geld und war Kunstreiter in einem großen Zirkus; fie stand damals mutterseelenallein in der Welt; ihr Vater war ein Kamerad von mir ge­wesen und hatte den Hals gebrochen bei einem schwierigen Kunststück, und und da nahm ich fie zum Weibe. In einem kleinen Städtchen Böhmens ließen wir uns trauen, als wir von ungefähr durch­reisten und dort Vorstellungen gaben, und dann und dann" Er machte heftige konvulsivische Handbewegungen und fuhr dann mit erlöschender Stimme zu reden fort:Und es ging alles gut; nach wie vor verdiente ich vieles Geld, und wenn ich im Zirkus arbeitete, dann jubelte mir alles Volk nach. Man nannte mich immer noch den tollen Gabriel, als ich schon mein kleines Kind auf den Armen wiegte, und da da kam auf einmal das Verhängnis: mein feuriges Araberpferd warf mich ab und zerstampfte mir die Brust mit feinen eifeinen Hufen o, das that gar weh! und feit jenem Tage spie ich Blut und war zum Krüppel geworden Aber nun ging das Elend an; ich konnte nicht mehr springen und reiten und hatte mit einemmale fein Brot mehr, und jetzt zog ich mit Weib und Kind von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorsi Es war ein elende», jammervolles Leben, und nur die Liebe zu den Meinen hielt mich zurück, daß ich nicht Hand an mich selber legte.

O, Bruder Kolmar, mein Weib ist wie ein guter Engel um mich gewesen; Gott wird ihr's lohnen, wenn fie einst vor seinen Richter stuhl tritt, ich kann'» nie, ich vermag'« nie! Die Angst

um ihr Schicksal und um mein Kind ließ mich leben fie trieb mich hierher in die Heimat Nun bin ich da.

O, Bruder, sei den Armen barmherzig! Ich sühle es, ich werde gleich nicht mehr sein, bann stehen sie schutzlos in ber weiten, weiten Welt und haben niemand; sie find fahrend Volk, und Haß und Verachtung wird fie noch mehr treffen, wenn ich nicht mehr schützend um fie bin. O, Bruder, sei barmherzig!"

Dabei suchte er von neuem die Hand de» vor ihm Stehenden zu umklammern.

Kolmar Wending stand mit finstergerunzelter Stirn da und hatte, ohne auch nur mit einer Miene zu zucken, auf die Erzählung des Bruders gehört. Dabei hatte et nicht gewahrt, wie ber ruhelose Nordost dessen hochgewachsene sehnige Gestalt um­tobte und durch die luftige Plane des Wägelchens mit erbarmungslosem Ungestüm gesaust war. Er achtete auch nicht darauf, wie der Sterbende vor ihm fich frosterstarrt mit feinen kärglichen Decken zu wärmen suchte; fein Sinnen weilte ganz wo ander». Er zermarterte fich schier seinen Kopf, um einen Ausweg von den ihn bebräuenben Schicksals­schlägen zu finben. Bisher war er gewohnt ge­wesen, ein ruhiges, selbstherrliche» Leben zu führen; er hatte fich beneibet gewußt von vielen anberen um feinen stattlichen Besitz. Nun war mit einem­male ber totgeglaubte Bruder aufgetaucht frei­lich nur, um zu sterben auf heimatlichem Boden Aber neben ihm kauerte ein kleine», verwahrloste» Ding; da» war die rechtmäßige Erbin vom Wen- ding-Hofe, und um da» Leben diese» winzigen Ge­schöpfe» war er, Kolmar Wending, mit einem Schlage nicht viel mehr noch als ein Bettler.

Der Sterbende mochte halb und halb fühlen,

Aus Kopenhagen berichtet dieVosi. Ztg."' Als sicher kau» jetzt angesehen Werben, schreibt Politiken", daß die ganze russische Kaiserfamilie oder wenigstens der Kaiser, die Kaiserin, der Groß­fürstthronfolger und die Großsürsttu Xenia fich zur silbernen Hochzeit des Kronprinzenpaares im Mai iu Kopenhageu einfiude» werde». Auch ist e» als ausgemacht zu betrachte«, daß König Oskar uud König Georg «ebst Königin Olga ungefähr gleich­zeitig komme» werden. Schließlich wird es nicht für unwahrscheinlich gehalten, daß Kaiser Wilhelm feine Glückwünsche persönlich überbringen wird. Die» wird jedoch wesentlich davon abhängen, wie das Ver­hältnis zwischen Rußland und Deutfchland fich zu der Zeit gestaltet hat.

Sehr ber Bestätigung bebfirftig erscheint folgen» bes, berVoss. Ztg." aus Paris gemelbete Gerücht: Wie heute angeblich zuverlässig berichtet wird, zeigte beim Neujahrsempfang König Humbert bem ftanzöfischeu Botschafter bie Drahtmeldung Dom Angoulßmer Schwurgerichtsurteil, fügte aber, ihm auf die Schulter klopfeub, sofort hinzu:Doch da» thut nichts. Wen» man fich verständigen will, ge­langt man immer zu einer Verständigung".

In Betteff ber Verhältnisse i« Sizilien hatte ber Abgeordnete Colajanni eine Unterredung mit General Morra. Der General beutete bie Mög­lichkeit frauzöstscher Verbinbungen gewisser Angehöriger ber sozialistischen Partei Siziliens an, bie unerklär­lich btbeutenbe Ausgaben gemacht habe. ColajanniS Auftuf zur Ruhe hatte gute Wirkung unb wird ge­lobt. Die Beruhigung schreitet thatsächlich rasch fort. Die gestrigen unb vorgestrigen Tumulte in Neapel, Mailanb unb Ankoua gingen von Pöbelrotte» aus unb würben balb unterdrückt. Vierzig radikale Vereine beschlossen im Anschluß a» eine Protesterklärung zu Gunsten ber sizilianischen Märtyrer eine« zwettägigeu Ausstand unb bie einmonatige Aushängung ber um­florten Vereinsfahnen.

Die englischen Morgenblätter besprechen in maß­voller Weise ben Zwischenfall in Sierra Leone, ber, wie allgemein betont wirb, keine Ver­wickelungen zwischen Englaub unb Frankreich veran­lassen bürste. Nach einem amtlichen Bericht bes Befehlshabers ber britische» Expedition, Oberst Ellis, ist der britische Verlust übrigens geringfügiger, als anfänglich gemeldet wurde. Er beschränkt sich auf 10 Tote und 18 Verwundete. Der Bericht des Obersten betont, daß Warina, bei Schauplatz bei Angriffes, innerhalb ber britischen Einflußsphäre liege. Ellis faubte ein Schreiben an ben Befehls-

was in der Seele des Bruders vorging, denn ein bittere», schmerzliche» Lächeln umspielte feine ver­zerrten Lippen.

Ich kam Dir nicht gelegen, Bruder Kolmar; ich weiß e« wohl," flüsterte er mit röchelnder, kaum vernehmbarer Stimme;aber laß allen Haß fchwin- den au« Deinem Herzen erbarme Dich eine« armen, sterbenden Mannes, denk an ben Herrgott, ber auch Dir einmal vergeben muß, und und versprich mir'» iu die Hand hinein, daß Du meinem armen Weibe, meinem lieben Kinde beistehen willst, wenn wenn ich nicht mehr bin "

Ein heftige» krampfhafte» Zittern überlief mit einemmale feine Glieder, und kalter Schweiß trat auf feinem Antlitze hervor.

Geh' nicht von mir fort, Kolmar; D» gehst immer weiter, immer weiter zurück!" stammelte er mit sterbender Stimme; e» wirb so schwarz, s» nachtdunkel ring» um mich Kolmar, bleibe bei mir, Kolmar!"

Da» lange Sprechen hatte feine letzten Kräfte aufgebraucht. Da» fühlte jetzt der junge Großbauer, und so kaltherzig er sonst auch war, erfüllte ihm doch der Gedanke, daß der heimgekehrte Bruder eben zu sterben im Begriffe war, mit eigentümlichem mit­leidsvollem Schauer. Er überwand fich, und ein plötzlich in chm aufsteigendes bessere» Gefühl be­wog ihn, die abgqehrte Hand des Sterbenden zu erfassen.

Sei ruhig, Gabriel, ich bin ja bei Dir; D» kannst ohne Sorge fein wegen ben Deinen," sagte er mit abgewendetem Gesicht.

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