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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.

art Mb BstUi. "eaxbtttacStittttSL Allllstrirtes Sonntagsblatt.

Marburg,

Frettag, 5. Januar 1894

Erscheint täglich uchrr <n Werktage« rmch S«W» xnb __ Feiertagru. Ouartal-AbmmemeMS-Prei» bei der Expe-

JK> 3 bitten 8 Mk., bei allen Postämtern 8 M. L6 PfE (cxS. *'= Bestellgeld). Jnserationsgebühr für die gespaltene Zeile

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Anvoncen-Bureaux von Haaseustein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Men: Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. & Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Pari«.

XXIX; Jahrg.

-e. Die Bauernunruhen in Sizilien.

Bauerukriege find keine neue Erscheinung in der Geschichte; sie find so alt, wie der Gegensatz, der stch in allen ackerbautreibenden Staaten zwischen de» Kroßgrundbefitzein und den landwirtschaftlichen Ar­beitern im Laufe der Zeit herausgebildet hat. Tie Bewegung, welche sich tat alten Rom unter Führung der Gracchen entwickelte, war eine Agrarbewegung der besitzlosen, ackerbauenden Plebejer gegen die patrizischen Großgrundbesitzer; die deutschen Bauern­kriege zu Ende des 15. und zu Anfang des 16. Jahrhunderts hatten in denselben Verhältnissen ihren Grund. Die von den Großgrundbesitzern geschundenen Bauern erhoben sich im Algäu, in Franken, Baden, Schwaben, Steiermark, Oberösterreich 're. und ver­langte» unter Brand, Mord und Plünderung ihre Menschen- und Lebeusrechte. Das Feniertum in Irland ist der ewige latente Krieg der besitzlosen Bauernbevölkerung gegen die englischen Lords, welche de» Ertrag nahezu des gesamten Grundes und Bodens verzehren, während die Bevölkerung im Elend ver­kommt. Und die ftanzöfische Revolution war schließlich im Wesentlichen ebenfalls ein Protest des besitzlosen Volkes gegen die Ausbeutung durch Großgrundbe­sitzer vnd Steuer Pächter.

Tie Erscheinungen, welche bei all diesen Be­wegungen und Erhebungen zu Tage trete», wieder holen sich »euestens in Sizilien. Auch dort ist der Bauer besitzlos und wenn auch nicht leibeigen, doch ein schonungslos unterdrückter Arbeitersklave, nicht blos des Fiskus und der Gemeindevorstände, sondern auch der Großgrundbesitzer und derMaffia", jenes Geheimbundes, gegen den die Regierung bisher vergeb­lich alle möglichen Mittel versucht hat. Im Grunde genommen gibt es in Sizilien gar keine Bauern, wie bei uns, sondern Grund und Bode« gehört zum überwiegende» Teil einigen Großgrundbesitzern, welche wieder Gcneralpächter haben, welche die Güter an Uuteipächter vergeben, die de» taglöhnernde» Bauer» die Haut über die Ohre» ziehen. Dazu kommt, daß die Steuer» hoch, die Gemeindezuschläge so unver­schämt sind, daß von 1 Kilo Mehl 15 Centefimt (ca. 18 Pfg.) als Steuer entrichtet werden müsse».

Unter diese« Umständen ist eS nicht erstaunlich, daß diese gequälte» Menschen der Verzweiflung an­heimfallen, sich mit stürmender Hand gegen ihre Peiniger, die Großgrundbesitzer, die Komwunalver- tretnugen und die fiskalischen Behörde» wenden und Ansschreüungen begehe», welche a« die der deutschen Bauernkriege erinnern. »Lieber sterben, als länger

so elend leben", ist ihre Losung. Wie die deutschen Bauernbündler in den Algäuer Artikeln einen Codex ihrer Forderungen zusammenstellten, so habe» auch die fizilischen Bauernbündler ihre Forderungen formuliert, deren Durchsetzung sie vo» der Regierung verlangen. Daß diese Forderungen gereckt find, erkennt die gesamte öffentliche Meinung Italiens, erkennt auch die Regierung au.

Die sizilianische Bauernfrage ist eine eiternde Wunde am Leibe Italiens. Sie zu schließen wird nicht leicht sein. Es gilt nicht nur, de» fizilischen Großgrundbesitz zu Zugeständnissen zu bewegen, sondern auch die fizilischen Kommunal-Verwaltunge, von de« verderbte«, an der Baucrnschinderei sich be­reichernden Kommunalpaschas zu säubern und mit dem berüchtigten Mörderbunde derMasfia" fertig zu werden, welcher die Bauern seinerseits brandschatzt. Daß auch der Fiskus seine Anforderungen an die unglücklichen Bauer» namhaft wird reduzieren müsfen, versteht sich vo» selbst. Es ist, wie man merkt, eine Rieseuaufgabe, die sich Crispi gestellt hat.

Wenn man weiß, wie bisher alle von italienischen Regierungen angewendeten Mittel, derMaffia" Herr zu werden, vergeblich waren; wen» man bedenkt, daß alle Parlamentswahlen in Italien von der guten oder schlechten Stimmung der Großgrundbesitzer uud von den Dispositionen der Kommunalhierarchen ab- hävgen; wen» man endlich den tristen Zustand der italienischen Staatsfinarzeu in's Auge faßt, die nur schwer eine Reduktion der fiskalische» Einuahmen zu­lassen : dann wird man begreife«, was es heißt, mit einem Schlage die fizilische Frage lösen zu wollen. Und gelöst muß sie werden, denn der Zustand der bäuerlichen Bevölkerung der einstigen Kornkammer Jatlieus ist ein himmelschreiender, jeder Menschlich­keit und der Zivilisation des Jahrhunderts spottender. Wenn Herrn Crispi fein Vorhaben gelingt, dann wird er eine große That vollbracht und von dir Dankbarkett der gesamten italienischen Nation ein Denkmal verdient habe».

Politische Rundschau.

-e. In Berlin scheint der Händedruck, mit welchem der Kaiser den Reichskanzler bei der Drfilirkour am Neujahrstage begrüßte, die einzige politische Kund­gebung bei dieser Gelegenheit gewesen zu sein. Von einer Ansprache, die der Kaiser gehalten, verlautet nichts. Im Uebrigen steht die öffentliche Meinung unter dem Eindruck der Reden, welche bei de» Neujahrsempfänge« in Budapest, Paris und

Rom gehalten worden find. Der ungarische Minister­präsident deklarierte seine festen Entschlüsse bezüglich der Durchführung der kirchenpolitischen und der Ber- waltungsreform uud sein Appell a» die Mitwirkung der liberalen Partei im bevorstehenden Kampfe wird den stärksten Nachhall im ganzen Lande für die Sache des freiheitlichen Fortschrittes wecken.

Sehr bemerkenswert ist auch die Rede des Königs von Italien an die Deputation des Senates und der Kammer. König Humbert sprach die Erwartung aus, daß es bei einigem Zusammenwirken aller Parteien leicht gelingen werde, der augenblickliche» Schwierigkeiten Herr zu werde». Auch über die Lage in Sizilien fand der König hoffnungsvolle Worte, in welchen namentlich der Ausdruck der Sympathien für die unglückliche sizilianische Bevölkerung hervor­gehoben zu werden verdient.

Sowohl der ungarische Ministerpräsident, als der König von Italien stellten die Erhaltung des Friedens auch für das begonnene Jahr mit Sicherheit in Aussicht. Den stärksten und wortreichsten Ausdruck fanden die europäischen Friedenshoffnunge» i« der Neujahrsrede des Präsidenten derftanzöfische» Republik beim Neujahrsempfänge des diplomatische» Korps. Herr Carnot sprach sich mit anerkennenswerter Un­zweideutigkeit für die Erhaltung des Friedens uud de» damit verknüpfte» Fortschritt der materielle» und sittlichen Entwicklung des Volkes aus. Er fand sympathische Worte für die Annäherung der Nationen und erklärte, Frankreich werde, seiner Aufgabe und seine» Traditionen getreu, seine Achtung vor Gesetz und Recht, sowie sei» Interesse für alle Errungen schäften des Friedens bezeigen.

Nach Alledem kann man sagen: Das neue Jahr fängt gut und ta Bezug auf das wichtigste Gut der Völker, de« Frieden verheißungsvoll an, zumal da auch in handelspolitischer Beziehung weitere Fort­schritte in der Annäherung zwischen den Staaten zu konstatieren sind. So haben die rumänischen Kammern de» Handelsvertrag mit Deutschland angenommen; Spanien hat eine Reihe von Staaten, darunter Oesterreich-Ungar», ta die Meistbegünstigungs-Clausel oufgenommen; die Vertrags Verhandlungen zwischen Rußland und Deutschland find in günstigem Sinne um einen gute» Schritt »ach vorwärts gefördert worden- und die spanisch-französische Konventton findet in Spanien günstige Aufnahme.

Im Uebrigen ist noch immer sehr viel vo» Dynamit die Rede. In Frankreich zumal find Verhaftungen von Anarchisten und Hausdurchsuchungen auf der Tagesordnung. Zu lange haben die ftanzöfische»

Regierungen die Propaganda der That gewahr lasten, als daß nu» so leicht mit dem verbrecherisch Gesindel aufgeräumt werden könnte. Neuestens zei sich selbst Griechenland von der anarchistischen Seuc angesteckt, wie eine auf der ParlamentSterraste Athen geplatzte Bombe illustriert.

Auch anderweitig werden nach wie vor de» Feie tagen die Behörden in Atem gehalten. In Prc sind weitere Verhaftungen vorgenommen worde Die Untersuchung in der Mordaffaire Mrva soll ei weitverzweigte Verschwörung zu Tage gefördert habe welche einen omladiuistisch - anarchistischen Charakt an sich trägt. Es ist für die Lage der Dinge Höck bezeichnend, daß der Sekretär des Jungczechenclu! sich als Mitwisser und Helfershelfer der Mörd Mrva's entpuppt Hal. Er hat das Lokal des Ju»! czechenclub dem omladinistische» Conventikel zur Ve fügung gestellt, den Bericht der Mörder Mrva über die vollbrachte That entgegengenommen m den beiden Mordgesellen Dolezal und Dragoun Ge zur Verfügung gestellt. Die jungczechische Eliqi erscheint durch diese Enthüllungen auf das In parabelfte kompromittiert und sie versucht »ergeblit durch Ablehnung der Verteidigung der angeklagte Omladinisten diese und ihre Thaten von ihre« Roc schößen abznschüttel«.

Deutsches Reich.

Slerfht, 3. 3a». Gestern Nachmittag um 411! empfing der Kaiser den Reichskanzler Grafe Caprivi, sowie de» Staatssekretär des Auswärtiger Frhrn. Marschall v. Bieberstein, zu längenm Vortrat und arbeitete dann bis zum Beginn der Tafel ft die kommandierenden Generale allein im Arbeitt- zimmer des Neuen Palais. Heute Vormitta hörte der Kaiser von 9 Uhr ab den Vortrag de Chefs des Geheimen Zivil-Kabinetts, Wirklichen G> Heimen Rats Dr. v. Lucanus, und empfing daran den Präsidenten des König!. Staatsministeriums «n Minister des Innern, Grafen zu Eulenburg.

DiegestrigeSitzungdes Staats Ministerium? an welcher auch der Reichskanzler Graf Caprivi un der Kriegsminister Bronsart von Schellendoiff teil nahmen, dauerte von 2 bis gegen 7 Uhr.

Den Mitglieder» des Bundesrats find di Vorschläge der Börsen - En qn et ekommissi» noch in zwei besondere» Zusammenstellungen über mittelt worden. Die eine Zusammenstellung ist nac der Systematik des Berichts, die andere nach gefttz geberischen und verwaltungsrechtlichen Gesichtspunkten geordnet.

Die Hereit-Srm-rl.

Roman von G e o r g H ö ck e r.

sNachdrvck verboten.)

I.

Hoch oben in rauher, unwirtlicher GebirgS Ein- öde liegt Dorf Gohrungen. Starre, finstere Tannen, und Kiefernwaldungen umschließen es von allen Seiten, welche sich stundenweit im Geviert ousbreiten und so das Dorf förmlich von aller übrigen Menschen­gemeinschaft ausschließen. Kein Wunder, daß die Bewohner, nur auf sich xnb den Ertrag ihre» un­fruchtbaren Bodens angewiesen, mißtrauischer und verschlossener Natur find. Ein zäher trotziger Cha- ratter ist ihnen eigen, und wie die sie umgebende Gebirgsnatur, find sie rauher und unduldsamer Sinnesart. Gewaltig im Thun und Handel, stolz pochend auf der Väter Sitte und ttotzig bei dieser beharrend, dazu voll Aberglauben», in völliger Un- wiffenheit ausgewachsen und erzogen also find die Gohrunger Bauern bei den Bewohnern der tiefer gelegenen Ortschaften bekannt »nd werden von diesen deshalb gern ihrer unwirtlichen Gebirgsein­samkeit überlassen. Man mag allerwärts am liebsten nichts mit den trotzigen Bauern zu chun haben.

Volle dreiviertel Jahre hindurch schier herrscht der Winter in der rauhen Gebirgseinöde mit allen seinen Schrecken; nur durch wenige Monate im Jahre verdrängt ihn der Heißsengende Strahl der sommerlichen Sonne; dann ist e» ebenso ungastlich heiß in dem Gebirge, wie e» das übrige Jahr hin­durch eisig, rauh und kalt ist. Unvermittelt und in roher, elementarer Gewalt treffen hier oben die Gegensätze aufeinander.

Wieder hatte der Winter mit eisigem Dräuen seinen Einzug ans dem Gebirge gehalten. Rauh «nd

eintönig hing der Himmel über der trostlos ein­samen Gebirgslandschaft. Die Kiefern und Föhren ächzten unter der Wucht des auf ihnen lastenden Schnees und schienen es als Befreiung von schwer bedrückendem Alp zu empfinden, wenn der scharfe Nordostwind mit roher, ungestümer Gewalt laut aufheulend die Landstraße entlang sauste und mit jähem Anpralle ihre Kronen durchrüttelte, daß die weiße Last von diesen zur Erde herabfiel und sich der fußhohen Schneedecke zugesellte, welche in eisiger Umarmung da» in starren Wintertraum versunkene Erdreich neidisch verhüllte.

Nicht» al» Schnee, wohin da« Auge sich auch immer wenden mochte! Die zackigen Umrisse der Hochgebirgswaldungen verschwanden ringsum unter der schneeigen Last und schienen in dieser versunken zu sein, dem Horizonte gleich, der so trübe und ver­schlafen dareinschaute und ebenfalls nur eine Er- gänzung de» winterlichen Leichentuches zu bilden schien. Dazu wirbelte unablässig au» ihm dick- flockiger Schnee.

Mit ohnmächttger Wut fuhr der Sturmwind stöhnend und schnaubend unter die zahllosen weißen Gesellen, daß diese in wirbelndem Tanze zu kreisen begannen und nur zögernd sich zur Erde nieder­senkten oder die mühsam frei gewordenen Aeste und Zweige der knorrigen Nadelbäume von neuem sieg­reich belasteten.

Kein lebende» Wesen ringsum! Selbst die ver­einzelte» Raben und Krähen hockten wie leblos auf den Baumzweigen, und nur das schläfrige Blinzeln ihrer halb geschlossenen Augen verriet, daß sie noch nicht erstarrt warm von der eisigen Winterkälte Tiefer im Walde heulten die Füchse mit dem pfeifen- dm Nordost um die Wette, sonst kein Laut ringsum ist alle« wie erstarrt!

Da wird mit einem Male Geräusch von der Landstraße her laut. Es klingt wie da» kreischende Umdrehen lange nicht geölter Wagenräder, die im aussichtslosen Kampfe mit der zäh an ihnen hasten­den Schneernaffe begriffen sind; dazwischen wird ein Peitschenknall laut, dem ein klägliches Gewieher folgt.

Die Raben und Krähen horchten auf und spähten mit listig blinzelnden Augen um sich, als ob sie mit einemmale eine langentbehrte Atzung für sich er­hofften. Dann, als plötzlich um die Ecke ein nur mühsam sich von bannen bewegendes elenbes Ge- fährt, mit einem noch armseligeren Gaule bespannt, bog, flatterten bie schwarzgefiebertm Totenvögel heiser krächzend mit schwerfälligem Fluge in die Höhe xnb begannen da« armselige Gefährt zu umkreisen, als ob sie wirklich hofften, der nur noch todesmatt sich wetterschleppende Gaul müsse ihnen zum Opfer fallen.

Der erste Blick mochte lehrm, daß e« fahrende Leute warm, welche nirgends ein schützende« Heim wußten und nun durch bie Schrecknisse be» Winters sich einen Weg bahnen mußten, benen das Gefährt gehörte.

Vom neben dem Pferde, dieses mit der Linken am Zaume führend, während die rechte Hand ab und zu ermunternd mit der Pettsche knallte, watete ein hochgewachsenes, kräftiges und muskulöses, junges Weib durch den fußhohen Schnee. Sie war phan­tastisch und frembartig aufgeputzt; ein feuerrotes, turbanartig um den Kopf gewundene» Tuch, unter dem üppig blauschwarze Flechten hervorquollen, ver­lieh ihr in Gemeinschaft mit dem energisch zu ge­schnittenen Gesicht, das mit seinen großen, blitzenden lugen, der kühn gebogenen Nase, sowie dem vollen, schwellenden Sippen paare sonst gar einen liebreizen­

den Eindruck machen mußte, während es jetzt burc die eisige Winterkälte schier erstarrt erschien, eil gar fremdartiges Gepräge.

Den ärmlichen Rock trug das junge Weib hob aufgeschürzt, und unter diesem lugten ein Paa hochschästige Märmerstiefel hervor, welche zwar ba« Durchwaten der zähen Schneemafle gute Dienst leisten mochten, ihre Trägerin aber dennoch nich besonder» kleideten. Diese hatte indessen augenschein sich eben keinen Sinn für dergleichen Aeußerlich teilen. Ab und zu suchte sie sich mit der einer Hand gegen den herabwirbelnden Schnee zu schützen welchm ihr der Sturmwind mit unbarmherzige: Gewalt in das Gesicht hineinpeitschte, und banr spähte sie mit stets wachsender Ungeduld die Land straße voraus, ob sie noch immer nicht eine Menschen behausung zu erblicken vermochte. Ebenso oft aber wendete sie auch den Blick rückwärts nach betr Innern des armseligen Planwagens, und banr huschte tiefe Besorgnis, vermischt mit zärtlichem Be­dauern, über ihr Angesicht.

Im Wagen lag auf einer Strohschütte, von bei aufgespannten Leinwanb nur wenig gegen die eisiger. Unbilden der Witterung geschützt, lang ausgestreckt ein Mann mit wachsgelbem Antlitz und schwer röchelnder Brust. Er hatte die abgezehrten Hände Über dieser zusammengefaltet, und sowohl der hohle, unheimliche Husten, der fast unablässig feinen ge- brechlichen Körper erschütterte, die Tropfen schwärz­lichen Blutes, welche ab und zu Über bie'bläulichen Lippen hervorquollen als auch die eigentlich ver- zertte Stellung der letzteren verkündeten, daß die Tage des Leidenden gezählt waren unb die Fahrt durch den eisigen Wintertag sie noch mehr verkürzen mußte. Da« mochte sowohl das voll ängstlicher Besorgnis sich oft umfchaumde Weib, als auch da»