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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhain.

" Jllustrirtes Sonntagsblatt. to**,*Ȁ Gxvedi^u: Marit 81.

M 302.

Erscheim täglich außer au Werktage» nach 6»ite» xnb Feiertagen. Ouartal^lbonnements-Prei« bei der Expe­dition 8 Ml., bei allen Postämtern 8 SM. 86 Psg. (ejfl, Bestellgeld). Jnseration»gebühr für dir gespaltrur Heil* »der deren Raum 10 Pfg.. Reklamen für die Zeile 25 Bia.

Marburg,

Sonntag, 24. Dezember 1893.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte», sowie die Annoncen-BureE von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Taflet, Magdeburg und Men; Rudolf Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; <8. L. Daube u, To. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Pari».

XXVIII. Iahrg.

Erstes Blatt.

-e. Friede auf Erden.

Wieder tönt der Jubelruf durch alle Lande christ­licher Gesinnung:Friede auf Erden!" Ueberall, wo die Lehre Christi fiegreichen Einzug gehalten hat, wird die frohe Botschaft mit Freuden begrüßt; eS schweigen in der Christwoche Stteit und Hader, der Kampf der Meinungen ruht, und das beseligende Gefühl der Ruhe, der Sammlung, der stille» Be­trachtung kommt zu seinem Rechte. Nirgends aber findet diese FeiertagSstimmuog einen innigeren AuS- druck als in Deutschen Landen, wo unter dem Taunenbaum mit dem weithiustrahlende» Kerzeuglanze dieheilige Nacht" von frohbewegten Herzen bei Reich und Arm dark.rsüllt begangen wird. In keinem anderen Laude wird die gesamte Bevölkerung so von der FesteSstimwuvg ergriffen, wie in Deutsch­land. Aber eS ist kein lauter Jubel, der die Ge­müter erfüllt; eine religiöse Weihe liegt über dem Freudenausbruch, selbst da, wo sonst solche Gefühle nicht vorzuwalte« pflegen. Die frommen Kinderlieder geben de» Grundton für die Begehung des schönsten Familienfestes. An solchen Tagen zeigt fich, daß das von gleichen nationalen Anschauungen ersüllte Volk in Wahrheit eine große Familie mit gleichen Sorgen und gleiche« Freuden bildet.

Heute wird es kaum eiue Familie geben, welche fich nicht mit Dankbarkeit bewußt ist, daß die Vor­sehung nach den schweren Prüfungen, welche das deutsche Volk durchmachen mußte, schließlich Alles zum Besten gelenkt hat. Mit Freude und Stolz blicke» wir auf de» jugendlichen Kaiser, der kraft­voll, fest und entschlossen die Pfade weiter verfolgt, die seine großen Ahnen geebnet habe».

Friede auf Erde»', das ist auch Kaffer Wil- helm's Losung; wie sei» erhabener Großvater und Vater, will auch er seinem Volke den Friedea er­halten. Der Friede kann aber nur erhalte» u»d gesichert werde» durch die höchste Anspannung aller Kräfte, um es gegen jeden Angriff zu verteidigen. Wenn nicht mit der Einigung des deutschen Volkes inmitten des Erdteils ein Bollwerk des Friedens errichtet worden wäre, würde die Brandfackel des Krieges schon längst entzündet worden sein. Unsere Nachbarn tat Oste» und Westen fügen fich nur wider- strebend dem Zwang zur Erhaltung deS Friedens. Ihre fortdauernde» Rüstungen, durch welche fie uns ebenfalls zu immer iutenstverer Entfaltung unserer

Weihnacht.

Süße, sel'ge Weihnachtszeit! Glück und Jubel wert und breit, Sendest deinen Hellen Schern In die dunkle Welt hinein

Von des Himmels hohem Thron Brachtest du uns Gottes Sohn, Der für unsre Sünd' und Not Starb den bittern Kreuzestod.

Heil'ge, wundersame Nacht, Hast uns alle froh gemacht. Heut verschwindet jede» Leid Friede, Friede west und breit!

Ämelie B»de.

Verliehe«.

Eine WeihnachtSgeschichte von «. Strudel

In einem eleganten Salon befinden fich zwei Personen, eine trotz ihrer 4550 Jahre immer noch hübsche Matrone und ein etwa 60 Jabre alter stattlicher Herr mit sehr energischen Zügen, beisammen. Die erstere, welche in einem Lehnsesiel fitzt, hat da« Zeitungrblatt, au» dem fie bi» dahin gelesen, auf ihren Schoß gelegt und folgt mit ängstlich bittender Miene ihrem erregt in dem Zimmer auf- und ab­gehenden Gemahl.

Was ich einmal beschloffen habe, ändere ich nicht mchr,' sprach derselbe in rauhem Tone. Roch heute mache ich mein Testament und ver­mache alle», worüber ich dem Gesetze noch verfügen kann, fremden Leuten. Diese ungeratene Tochter, welche dem armseligen Hungerleider zuliebe ihre Eltern verlaffen konnte, soll von mir nicht» erhalten, als wozu ich gezwungen bin, keine Mark, keinen Pfennig mehr bekommt fie von mir. G» ist mir

Wehrkraft »öligen, ist der sichtbare Beweis dafür. Nur dem Zwauge, der vou be» drei verbündeten Mächten, Deutschland, Oesterreich und Italien, auS- geübt wird, gebe» fie »ach; die Völker haben daher alle Ursache, diesen Bund zu >eg«en. Unter seinem Schutze gedeihen Künste und Wiffenschaste», blühe» Handel und Gewerbe. Böser Wille werden gar nicht müde, die Ziele u»d Absichten der Der bündeten Herrscher zu verdächtigen. Aber die Machenschaften der Feinde des Reiches, Oesterreichs und des geeinten Italiens erweise» sich als vergeblich, sie können den Bund nicht sprengen und lockern.

Ist der Friede, nach Außen gesichert, dann muffen alle Bestrebungen der Staatslenker darauf gerichtet sein, den inneren Friede» zu wahre» und zu be­festige». I» uuserer Zeit sind leider nicht nur Zünd­stoffe vorhanden, um die Eintracht zwischen den Staatsbürger» zu gefährde», sondern dieselben werden auch durch eine gewissenlose Preffe und sensations­lüsterne Agitatoren unter das Volk gebracht. Die Apostel des Unfriedens ziehen umher, Zwietracht zu säen, die Sorgenvollen mit Bitterkeit und Haß gegen die bestehende Staats- uib Gesellschaftsordnung zu erfüllen. Dank der wohlgefügten Festigkeit unserer Verhältnisse ist Deutschland bisher von Ausschreitungen verschont geblieben. Um aber den inneren Friede» aufrecht zu erhalten, ist eine weise Staatskunst vorzugsweise darauf bedacht, die Uebelstäude zu be- feilige», welche Mißvergnügen und Unftieden hervor­zurufen geeignet find. Dank der weisen Einsicht Kaiser WUHelmS I. hat im Deutschen Reiche die Lehre vom praktischen Christentum Eingang und Verbreitung gefunden, welche es für ein Gebot der höchsten Pflicht des Staates erklärt, den Armen und Elende« beizustehen im Kampfe mit dem widrige» Geschick, dem Arbeitsamen und Fleißige» durch ver- stäudige Einrichtungen die Sorge um die Zukunft zu erleichtern.

Aus diesem Geiste heraus find die sozialpolitische» Gesetze entstanden, welche unter Kaiser Wilhelm II. zuerst feste Gestalt gewonnen und mit denen Deutsch­land alle» Staaten vorangegange» ist. Sie bilde» eine wirksame Erklärung der ftohen Botschaft:Friede auf Erde»!' be»» je heilsamer die Wirkungen dieser Gesetze für die Hunderttauseude, die Millionen der deutsche» Arbeiter fich erweise«, umsomehr verschwinden die Ursachen zur Störung des bürgerlichen Friedens. In ihnen ist ein Bollwerk gegen die Umsturzideen der Sozialdemokratie geschaffen, wie eS zu keiner Zeit bestanden hat gegen die Feinde der bestehenden Ge­sellschaftsordnung. I» demselben Sinne war auch

nur unverständlich, daß Du, Emilie, mit einem Male die Partei der Undankbaren, unter deren schändlicher Handlungsweise Du selbst so schwer gelitten, ergreifen kannst und mich sogar veranlaffen willst, dem pflichtvergeffenen Kinde zu verzeihen.'

Ach, Richard, ich habe so oft in der letzten Zeit über die Vergangenheit nachqedacht und da kam ee mir immer lebhafter zum Bewußtsein, daß wir eigentlich doch zu hart gegen unser Kind ge­wesen find Bertha hätte fich ja wohl schließlich unferm Willen gefügt und un» zuliebe dem jungen Manne entsagt, aber daß wir fie zwingen wollten, dem häßlichen und verlebten Bankier Beer ihre Hand zu reichen, Richard, das war Unrecht von uns, da» war mehr, al» wir von ihr verlangen dursten'

Und wäre fie etwa nicht glücklich, wenn fie jetzt die Frau de» steinreichen Bankier» wäre und über Millionen verfügen könnte!' brauste der alte Herr auf.So nagt fie in diesem Augenblicke vielleicht am Hungertuche, während fie, wenn fie dem gutgemeinten Rate ihrer Eltern gefolgt wäre, in Equipagen fahren und von jedermann wegen ihres Reichtums beneidet würde. Da» Hau» Beer & Pariser muß ganz enorm reich sein, da» merft man qu» ihrem gesamten Auftreten sofort heran».'

Ja, man spricht sehr viel von dem Luxus, welchen die beidm Affociös entfalten, aber der Fall ist auch schon dagewefen, daß ein derartiger Luxus den reichsten Mann ruiniert hat. Und wenn nun Bertha die Frau eine» Mannes geworden wäre, welcher fich durch seine Verschwendung ruinierte, wa« dann?'

Bah,' erwiderte er wegwerfend,das Hau- Beer & Pariser gilt al« eines der solidesten in der Stadt und die beidm Chef» werben schon wissen,

neuerbtagS die Regierung darauf bedacht, durch auder- »eitige Steueretateiluug die Minderbegüterte» zu entlaste».

Liebet die Brüder!" Da» ist der Gruudakkord unserer soziale» Gesetzgebung. Wen« wir alle in diesem Geiste wirke», so darf das deutsche Volk ge­trosten Mutes in die Zukunft blicken. Möge» die Feinde von rechts und litte, mögen die Verkünder de» Umsturzes »och so keck ihr Haupt erheben, der treugesinnte Deuffche wird ihrer Herr. Hoffe» wir, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo zur vollen Wahr­heit wird der Christfestspruch:

Friede auf Erden!"

Wochenschau.

-e. DerFranks. General-Anz." meldet, daß von be» etwa 160 000 Mitgliedern des Bundes der Landwirte ta de» letzte» Monate» über 50 000 ausgetreten feien. Thatsache ist, daß die geplante Gründung eines ta Berlin täglich erscheinen­den Zentralorgans geringe Aussicht auf Verwirk­lichung hat, seit wohlhabende Großgrundbesitzer und im übrigen eifrige Anhänger desBundes" deu Erwerb von Anteilscheinen des Unternehmens ab­lehnen. Dagegen sollen fich regierungsfteundliche Männer gefunden habe«, die eine fürLcmdwirte bestimmte Berliner Tageszeitung heranszugeben beabsichtige», deren Tendenz msthi» eine gegen denBund" ge­richtete sein würde. Offenbar paßt viele» Mitgliedern desBundes" die von dessen Führern angeschlagene kräftige Tonart nicht. Sie wünschen eine minder hitzige Vertretung. Nicht selten ist namentlich die vomBunde" herausgegebene Korrespondenz über die Grenze» hinauSgegaugeu. Die Verfaffer einzelner Artikel führten eine derartkernige" Sprache, daß manchem Leser beklommen zu Mute wurde. Jene Herren find unzweifelhaft vortreffliche Praftiker in der Landwirtschaft, daraus folgt aber noch nicht, daß fie auch tüchtige Journalisten find. Es läßt fich alles sagen, aber man darf billiger Weise eine ge­ziemende Form verlangen. Eine derbe Ausdrucks weise ist nicht nach jedermanns Geschmack, und die Stärke deS Tones beweist noch nicht die Stärke der Gründe. Maß in der Forderung, Maß in der Art der Geltendmachung werden der Vereinignng am ehesten die Sympathie» zurückgewinne», und auch die Regierung zu größerem Entgegenkommen veranlaffen.

Wenn einzelne deutsche Blätter in ihrer kläg­lichen Gemütlichleit so weit gehen, fich für die Begnadigung der in Leipzig verurteilten fr an-

wie weit sie mit ihren Ausgaben gehen dürfen. Ich selbst habe noch vorhin unfer gesamtes bewegliches Kapital bei denselben deponiert."

Um be» Himmel» willen, das hast Du gethan, Richard!" tief die Frau erschreckt au».Wenn die Firma Bankerott machte, besäßen wir nichts mehr als dieses Haus, von dessen Ertrage wir schwerlich leben könnten."

Sei ohne Sorge, Emilie," erwiderte ihr Gatte in einem Tone, der keineswegs mehr so sicher wie vorhin klang.Das Geld wird nicht lange dort liegen bleiben, denn Du weißt ja, daß e« zum An­käufe von Häusern, die mehr Zinsen eintragen al» die Depots, verwendet werden soll. Und nun, mein liebe» Kind,' fuhr er herzlich fort,wollen wir die unangenehmen Gedanken beifeite lassen und un« lieber mit etwas Fröhlicherem beschäftigen. Heute ist Weihnachtrabend, wie Du weißt; kann ich Dir vielleicht mit etwa» eine rechte Freude be- reiten?"

Ich danke Dir, Richard,' entgegnete fie mit bewegter Stimme.Du bist auch heute noch immer der liebevolle Gatte, der Du während unserer 26jährigen Ehe gewesen warst. Aber wie könnte ich mich aufrichtig über etwa» freuen, wo ich nicht weiß, wie e» unferm armen Kinde heute geht, da» vielleicht im größten Elende fich befindet, während wir un» alle Wohlgenüffe de» Leben» verschaffen können? Ach, Richard, ich habe ihm ja schon längst verziehen, und wenn Du mir eine aufrichtige Freude bereiten willst, so verzeihe auch Du ihm, gieb mir die Hoffnung wieder, daß ich mein Kind nochmal» an meine Brust drücken darf.'

Flehend, mit Thränen in den Augen, hatte fie die Hände zu ihm emporgestreckt, al» sie sich jetzt aber erhob, um auf den Gatten anzugehen und ihre

zösischen Spioue zu erkläre», so bemerke» dazu dieB. Polit. Nachr.':Wer ertappte u»d mit einer verhältnismäßig durchaus nicht zu hart ausgefallenen Strafe belegte AuslaudSspione der Allerhöchste» Gnade für wert erachtet, handelt zum Mindesten sehr unüberlegt. Deu» es liegt auf der Hand, daß ei» solcher Allerhöchster Guadenakt auf andere spionagebeflissene Individuen geradezu heraus- 'ordernd wirken müßte, wogegen er die Wachsamkeit unserer Beamten zvm Mindesten nicht verfchärfe» dürfte. Im Uebrigen glaube» wir i« der Annahme nicht fehlzugehen, daß man an maßgebender Stelle iber die ganze Behandlung des Falles der beide» rar zösischen Spione nicht einen Augenblick int Zweifel gewesen ist. Damit erledigt fich von selbst auch die mehrerwähnte Begnadigun gshypothese."

Die französische Kammer hat am Mittwoch ihre außerordentliche Tagung geschlossen, um am 9. Januar ihre erste ordentliche Tagung im neuen Jahre zu begiuuen. Der Bombenanschlag Baillants hat der Regierung eine starke Mehrheit verschafft. Es entsteht aber die Frage, ob die unter dem anar­chistischen Schrecken geborene Mehrheit dauerhaft sein wird. DasJonrnal des Debats" meint, das Vorhandensein einer Regierungsmehrheit sei nicht zweifelhaft. Zwar könne die Regierung nicht mit Sicherheit auf die Mehrheit rechnen, die sich bei de» letzten Abstimmungeu gezeigt hat. Diese sei zu zahl­reich, aber auch «ach Abstoßung der Unzuverlässigen bleibe eine Mehrhest, die stark genug fei, um das Kabinett zu stütze» und sich der in seinem Programm niebergelegten Politik anzuschließen, eine republika­nische Mehrheit, die in der Rechten eine Ergänzung fiiden könne, ohne von ihr abhängig zu sein. Um fie völlig zu gewinne» und festzuhalteu, müsse die Regierung nur ihrer bisherigen Haltung treu bleibe».

I« Paris wird gegenwärtig eine sozialistische Flugschrift gefährlichster Art in den Kasernen zu verbreiten gesucht. Sie trägt den TitelSoldaten- Katechismus" und ist von einem ehemalige» Ange­stellten des Ministeriums des Innern verfaßt, der vor zwei Monaten unter Dupuy entlassen wurde, weil er in dem BlatteParti ouvrier" einen mit seinem Namen, M. Charney, unterzeichneten Artikel xeröffentlicht hatte. Schon diese eine Meldung wirft ein grelles Licht auf die in Paris obwaltenden Zu­stände. ES ist demgemäß auch begreiflich, daß seit einigr» Tagen in allen Ministerien besondere Vor­sichtsmaßregeln getroffen find. Nichtsdestoweniger wird von radikaler Seite das bekannte Geschrei über das Hereinbreche» der Reaktion erhoben. Aus dem

Bitte noch eindringlicher zu wiederholen, ba biß dieser die Zähne unmutig aufeinander und verließ, ohne ein Wort zu sagen, da» Zimmer.

Dte Frau aber sank in ihren Sessel zurück und bedeckte laut schluchzend ihr Gesicht mit beidm Händen.

*

Fra» Wülfing erwartete heute ihren Mann ver­geblich zu der regelmäßig um fünf Uhr stattfinden­den Hauptmahlzeit. Sonst pflegte er pünftlich auf die Minute fich einzustellm, heute aber wurde es halb sechs, e« wurde sechs und es wurde halb fieben Uhr und noch immer ließ der ihr wohlbekannte Tritt draußen fich nicht vernehmen.

Sollte ihm am Ende ein Unglück zugestoßen sein? Eine namenlose Angst erfaßte fie und schon wollte sie ihr Kammermädchen rufen, um mit diesem zu überlegen, was sie nunmehr thun sollte, als sie mit einem Male schwere und unsichere Tritte die Treppe heraufkommen hörte.

Ihr Mann konnte es nicht sein, welcher da kam, denn der trat trotz seiner 58 Jahre noch ebmso fest und energisch wie ein Dreißiger auf, wer konnte e» also wohl fein, der fie noch in dieser Stunde be­suchen wollte? O Gott, wmn e« am Ende jemand wäre, der ihr eine Unglücksbotschast inbetteff ihres Manne« zu überbringen hätte!

Sie wollte an die Thüre eilen, aber die Füße versagten ihr den Dienst, sie zitterte so, daß fie fich setzen mußte, und so erwartete fie mit einem Ge­fühle der entsetzlichsten Angst da» Erscheinm be» Boten.

Jetzt stand derselbe draußen vor der Thüre, ohne vorherige» Anklopfen wurde dieselbe geöffnet und herein trat nicht etwa ein Fremder, sondern der von ihr so sehnfüchtig erwartete Gatte.