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Erstes Blatt

L Das zweite Ministerium Crispi.

Unter den Staatsmännern des Königreichs Italien giebt es zur Zett außer Crispi keinen anderen, an den die Nation glaubt und dessen Name auch dem Auslände zu imponieren vermag. Crispi, der jetzt znm zweiten Male Ministerpräsident wird, nachdem er seit seinem Sturze am 31. Januar 1891 der jeweiligen Regierung in der Kammer und in Wähler- Versammlungen ein lästiger Gegner gewesen war, ist im ausgeprägtesten Sinne des Wortes eine Persön­lichkeit, in den Augen seiner Landsleute die markige Verkörperung italienischen Volkstums mit all seinen Tugenden und Fehlern, ein Manu mit eisernem Willen und eiserner Hand. In ihm vereinigt sich ein glühender Patriotismus mit weitem, umfaffenden Blick, kühne Entschlossenheit mit staatsmännischer Einsicht und reifer Erfahrung, mutiges Selbstver- traueu mit unerschütterlicher Zuversicht in die reiche Lebenskraft seiner Nation, UeberzeugungStreue mit Vorurteilslosigkeit gegenüber heilsamen Ideen, auch wenn dieselben von den Gegnern ausgehen.

Crispi steht jetzt im 75. Lebensjahre. Geboren 1819 in Ribera auf Sizilien, widmete er sich in Palermo dem Studium der Rechte und übte die Advokatur aus. Als sich im Januar 1848 Palermo erhob, beteiligte er sich in hervorragender Weise au dem Aufstande. Als Abgeordneter und Kriegsminister vertrat er die Gedanken Mazzinis und forderte die Vertreibung der Bourbonen, weshalb er auch nach Niederwerfung des Aufstandes aurdrücklich von der Amnestie ausgeschlossen wurde. Er flüchtete in dar Ausland und wirkte seit 1859 in Piemont unrer Verzichtleistung auf seine republikanischen Bestrebungen im Dienste Viktor Emanuels bei der Aufrichtung Italiens mit. Dann bereitete er die Erhebung Siziliens vor und bewog Garibaldi zu seinem Zuge nach der Insel. Crispi selbst nahm daran als Oberst teil und kämpfte tapfer 1860 bei Calatasami. In Neapel wurde er darauf Sekretär des Diktators Garibaldi. Seine parlamentarische Laufbahn im geeinten König­reiche Italien war eine glänzende. 1877 trat er zum ersten Male in das Kabinett ein, nachdem ihm nach Nicoteras Sturz das Ministerium des Innern übertragen wurde. Er mußte dies bekanntlich nieder­legen, weil er der Doppelehe angeklagt wnrde; und trotz seiner Freisprechung übernahm er es erst 1887

<6tn Weihnachtsgeschenk.

Es war wenige Wochen vor Weihnachten, als «ine schöne junge Frau vor ihrem Nähtischchen saß und mrt Goldfäden ein Monogramm in ein Stück toten Sammt stickte. Doch plötzlich ließ sie müden Blicks, wie mutlos und zweifelnd die prächtige Stickerei in den Schoß sinken und sann wehmütig lor sich hin

Unnütze Arbeit sie wird ihm keine Freude lernten!* sagte sie nach einigen Augenblicken, trau, rig ihr anmutiges Haupt zur Seite neigend. Jst'S nicht gerade wieder so, wie im Vorjahre, die letzten hei Jahre? Die ersten Weihnachten nach unserer Verbindung, freilich, da nahm er noch Teil an dem Feste, kam er mit mir zur Christbescheerung im Elternhause die letzten Jahre nicht mehr . . . Früher achtete ich gar nicht so sehr daraus, machte ich mir keine Gedanken darüber, doch nun bangt wir ernstlich und bin ich mir dessen klar bewußt, daß er stets um die Weihnachtszeit so trübe ge­stimmt und in sich gekehrt, so melancholisch und wortkarg wird, al» bedrücke ihn etwas . . . Wie Äh ihn auch bat, er kam nicht mehr mit zu den Eltern, schützte Unwohlsein, üble Laune oder Ge- Ichästisorgen vor; ebenso wollte er auch nicht, daß »ir daheim Freunde und Bekannte zur Feier ver­sammelten; mich drängte er förmlich, hinzugehen, »ährend er verschlossen und einsam den Abend zu Hause verbrachte . . . Und diesmal scheint'» da», selbe zu fein; schon merke ich seine Verstimmung, ftn traurige», abwehrende» Benehmen . . . Was lat er nur?*

Ein tief schmerzlicher Seufzer entrang sich ihren stippen.

Er ist nickt glücklich! Glücklich? O, nein, hr sind ja glücklich, so glücklich l Lieben wir un«

Nicht nur Italien, sondern ganz Europa erblickt! wollten, mit Reckt -

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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

38to*äiM8x^ X" t" Jllustrirtes Sonntagsblatt. ^Redaktion^d ^pcki^n^Martt 21/

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»ber deren Raum 10 Pf,, Reklamen für dieZeile 25W SrMttg, A&. DegeMVer 1893. gff fa,'

nic&t so innig und zärtlich inniger und zärtlicher l Mit boshaftem Vergnügen sah sie der lodernden! Eilia schritt sie rum Tikeb- mr .

*fi.T**?.S* u-d M 3"Mni i»m mmtt-nb^Spi-tt b« $hmmen ub Wfc 6,1 ®Me

«rxu.unß Pa',ctnes sbhlt unserem Glücke . Lu, bis die Zeitung samt ihrem verhaßten Feuilleton I Im näcküen Auaenblick w. o r

es das vielleicht, das ihn zur Weihnachtszeit w die matettelle Ewigkeit: Asche zerfallen war Raick rXX ®

io traurig sein läßt?* Sie atmete ftoh, erleichtert auf. Lut!* 4 ^elzwerk, meinen Mantel,

Etwas wie eine Thräne schimmerte in den Wie befreit von einer bangen, quälenden Sorge P Gnädiae Frau werden hn* w r

9r°tzn schönen Augen der jungen Frau. Sie legte schritt sie nun rascher und freier durchs Gemach, Wetter " roenbete 6

»rbeitJm, e^nte sich im Fauteuil zurück und als hätte sie sich wirklich durch da» kindische Autodafe dem Fenster bUckend etn' na?

Nutzte nachdenklich ihr Haupt in die kleine weiße vor einer gefürchteten Möglichkeit, einer drohenden ^beU^sim ° Schneeflocken nur so

1 Land IGefahr bewahrt; allein bald kehrten ihr wieder die! ,,__. m

Nach einer Weile ermannte sie sich wieder,!peinlichsten Gedanken und Empfindungen zurück, um! 'mJ4 9 mnen Mantel, Hut!* nahm ein Buch vom Tische und blätterte darin,!ihre Seele neuerdings zu bedrängen und zu ver-1k x*aemen ^gen, gnädige Frau, sollten Sie wie um quälende Empfindungen und Gedanken zu! wirren 1®°$;

verscheuchen. Oft hatte fie schon in dem Buche I Doch plötzlich hielt sie stille fuhr sick mit der I AZ« h8?8' einen Wagen holtest, wäre Anregung und Zerstreuung gefunden, - allein jZ Hand über die Stirne und'blicktef%arf nr fick nahe.*

jeutc - . . Sie legte es wieder zurück und langte! hin, als wäre ein erinnernder Gedanke, ein ficherer! *c . roQ9^ deinen »eiteren Einwand und einem TageSjournal, das gleichfalls auf den I heller Gedanke in ihr aufgeblitzt, von dem fie ein | entfernte sich, um das Verlangte zu bringen.

^^k.^raten war. Eilig überflog fie die Spähen, I Heil erwarten konnte, den fie verfolgen, erhaschen,! Wahrhaftig raste auch draußen ein wilder Nord, s ihr Blick ängstlich und erschrocken an der Ueber-l festhalten wollte. per die Flocken ungestüm an die Fensterscheiben

4nft be« Feuilletons haften blieb:Divoreons!* ja# flüsterte fie, .ich entsinne mich nun EA- und stoßweise den Schnee von den Dächern

Divoteon», ein schreckliches, abscheuliches Wort,!ganz gut an unserem Hochzeitstage war'» . . .Pou^' bie!?c mächtigen Wolken durch die ms d,e Seele der jungen Frau aufs peinlichste! Al» wir endlich allein waren, teilte er mir etwas | j.en ®tra6en wirbelte. Aber die junge TQf - Tivoreons! Sie erbebte und zitterte vor mit, erzählte er mir, daß er bereits einmal oerdF @turm u"b ®$nec nicht, fie wollte, 'm Worte Drvoieons. Wie häßlich, haffenswert! heiratet war, und daß au» dieser Ehe . . . StterP* mu^ e roa8 auch!

fLang au^ dieses'Wort! was achtete ich damals, in dem glückseligen Trubel , ®8 5iebt Impulse, die einen Menschen, einem

c? erhebend, schleuderte sie da» Blatt wett!darauf und auch wetter in unserem ungestörten!abgeschossenen Pfeile gleich, geradewegs und unbe« ,Of*r ®oben; Darauf wandelte fie in »Glücke dachte ich nicht daran. O, war doch die |irrbar dem Ziele zutreiben.

^uipo un Gemache umher, aber Gegenwart, die Zukunft mein, was kümmerte mich . Die Zofe kehrte zurück, und hastig befestigte die Q .. l^r Schritt zur Stelle, wo die Ida die Vergangenheit. Robert war mein, ganz | junge Frau den Hut auf ihrem Haupte hing Mantel

3i6, 3? «l°ckNch -mitt m «y «nb ÄiwertS,

H r 3 rxeJam^te n»d. anderem beim meinem Glücke . . . Aber baß nur einen Blick in ben Spiegel geworfen zu haben che» Füßchen auf bas unschuldige Zertungsblatt. Ie» mir so ganz aus bem Sinne kommen konnte! Rum Äenfter trotonk tx-c K Ed- «---a-b-n. hab fie da« ,er.k,6 itfb öS» frttt mit So ."ÄkfiTgE*

fiampfte Papier uom Teppich auf und eitle damit les wird poch nicht zu spät fein Mb «Wik Roberts Inerlatten !6

örieber. Nach Depretts' Tode am 29. Juli 1887l fta»zöstfcheu Offiziere Dinge ausspioniert haben, von I keine portugiesische neue Anleihe «um Sandel und ubernahui er neben dem Vorsitz im Kabinett das I deren Geheimhaltung für Deutschland in einem event. I zur Notierung zugelaffen wird bevor diese Staateu Ministerium des Answärttgen. Er schloß sich rück- Kriege sehr viel abhängen kann. Um diese Geheim- sich mit ihren LA-m fowick

haltlos bem Dreibunde an und machte sich dadurch I Haltung mehr wie bisher zu sichern, Haidle deutsche! dies mehr Wirkung machen als divlomatiscke Inter- towS10?0!6 6ef°ll,r8 ®rinett Sturz! Volksvertretung erst vor kurzem schärfere Gesetzesbe-! ventionen, denen, wie Jedermann im Voraus weist. bSetoe er stimmnngen gebilligt, die in ihrer Tendenz ganz UN- doch nach der Natur der ftaglichen Angelegenh^

aeae^ sick a»g der Rechten die Kammer verkeunbar eine Erschwerung der Auskundschaftung nicht durch Kanonen Nachdruck verliehen werde» kann

gegen sich herausforderte. > militachcher Geheimnisse in Deutschland herbeiführen Wie genanntem Blatte ferner ans Athen berichtet

, c qq, . , . »wollten. Im Reichsgericht zu Leipzig aber haben!wird, hat Herr Trikupis in einer Unierredvna mit

... Ederberufung dieser außerordent-1sich dieser Tage Scenen abgespielt, welche zu diesem|dem deutschen Gesandten darauf binaewiefen dast

mh hCb<^Unfl8aOn<kS ^^S°i8! Bestreben der deutschen Volksvertretung einen scharfen Idas bekanntlich von der griechischen Kammer 'aog^

und Freunde nnd Feinde Italiens harren mit! Gegensatz bilde». Nach den beendete» Gerichtsver-! nommene Gesetz mir provisorische* Bedentnna bade Ana-sick!« -.^Inabmcn be8^ nenen Kabinetts I Handlungen, so heißt es, find die deutsche» militärische» Es wird Aufgabe der Gläubiger, resp. der in eftter

Angesichts der Gefahre», welche die jüngste Groß-1Sachverständigen, als Offiziere an die beiden Ange-,Reihe zu deren Vertretuna vervsiickt,!,-» matt oo. iauenuub b-broh-n. üuf Ilaalea fwauaettdeu mib Ua M «Itt «ui ,Ä S'r »^ou bet

welkem Wege bas nene Kabtteit Etlspi bie Löfaag Ifreoabfchastlich ml: ib.en uaierballen, fonbern IhnenI balbifle aubetioeitige btt btitttzttu 3ukteffen tack . Beile- btt «<mb 9<briMiJWWett iEÄ*

unbekannt. Man kennt indeß die Haupt-1 Dieser Händedruck veranlaßt die amtlicheLeipziger! erhalten.

mitglieder der neuen Regierung und glaubt zu wissen, Zeitung* zu schreiben:Während des Ausschlusses Zu einem Bankett welches der r u ssi sck e wessen man sich vo» ihnen zu versehen hat. So! der Oeffentlichkeit schien der Angeklagte Degony mit | ä b e I zu Ehren bes sranrösiscken Botickatt^-s weiß man von Sonnino, bem Schatzminister daß er ben militärischen Sachverstänbigm ta fachLnische I M°!teb7llo ge^

eine entschloffeue Steuerpolitik für unabweisbar hält l Auseinanbersetzungen geraten zu sei», die einen etwas! Petersburg die niwt uninteressante 5'hntfnrfi? »u., u°d b°ß --°in-m Sturme der öffentlichen Meinung erregten Charakte? angenommen haben mögen. InSV beiSSÄ KL ift86?.? !aflen ®tanb zu halten der! seiner Schlußbemerkung bat nun Degony bie deutschen! des auswärtigen Amtes geladen waren, der Ein- M n» ist. In seinen Bekanntenkreisen erzählt man, I Offiziere, ihm die Wärme, mit der et seine Ansichten | ladung jedoch nicht gefolgt sind. Dast Derr v Kier« daß er einer Reform der Alkohol, und Zuckersteuer,!vertrete», nicht uachtrage» zu wolle». Dieser öffent «sich nicht eingefunden hatte fand man duick'desie« wL.erf)DxUnä,?e« ^alzpreises und der Wiederein-1liche Appell an ihren Edelmut verfehlte bei denI GesundheitSverhältuisse zur Genüge erklärt^ allein fuhrurg der Kliegszulage auf die Grimdsteuer geneigt I deutschen Marineoffizieren seine Wirkung nicht. Mit! daß auch die anderen geladen gewesenen 'böbere» b"Ä4 ,Crt»;8.lnr'"'4" W-U 1-. °>s d-i «-iichtshof B-amtm bmchWwch-h-it S

ba8 Zettelbankwesen zu brwgen. Analog soll das Iden Saal verlassen hatte, an die französischen Kameraden! sehr bemerkt. '

Programm Saracco s^des Fiuanzministers gestaltet heran und reichten ihnen, wie dem Gegner nach dem Das japanische Parlament wurde an,

Alane in m>r Auswärtigen Baron Zweikampfe, die Hand, zum Zeichen, daß keine Ver- 28. November feierlich vom Kaiser eröffnet Schon

Blanc, ist ein reicher Mann der zu leprafentitren I ftimmung in ihnen zurückgeblieben sei. Wir ent | am Tage darauf wurde der Aniraa aesiellt h6 her

vermag und der sich als Botschafter in Konstanttnopel! sprechen einem von wohlunterrichteter Seite uns aus-1 Präsident der Versammlung Hoski Toru nick?das

'LiaLL«°7^ Ä °ur°päifch°n gedrückten Wunsche, wenn wi? betonen, daß Kbr tiauen be3 Ä We.

0 drfln£l ^"ben durfte Der neue andere Auslegung unberechtigt sein würde*. Mau die Fondsbörse und habe auch einer geheimen Ver. Srhin^rs 1 J«h@ iT^t k »IU ACrtnbeS 6at aIfo hiermit augenscheinlich den mancherlei UN- sammlung von Kaufleuten beigewohnt wobei es sich

^binals^ und UnterstaatssekretarS des Heiligen I liebsame» Auslegungen, welche der Händedruck injum politische Zwecke gehandelt habe ' Nack bitziaer m m66 "benommen, das Kriegs- der Presse gefunden, entgegeutrete» wollen. Debatte wurde der Antrag mit 47 Stimmen Mehr- budg't um zwölf Millionen zu erleichtern, ohne die ES wird derNai.-Zig.* zuverlässig bestätigt, hest genehmigt Daraus n«Lt/ aLT

1 S bafe ber deutsche Gesandte in Athen sich der um dem Präsidenten Gelegenheit zu^gebeu fteiwillia ! fei' " bieses Kunststuck durch die Zahlungseinstellung Griechenlands ge- abzudanken. D°S that er aber mcht und wurd in

durchfuhren wird. schädigten Interessen der deutsche» Gläubiger dieses diesem Entschlüsse vo» seiner Parte? nnterstübt

----- ' Landes i» Unterredungen mit Herrn Trikupis ange- Daher beschloß das HanS, in icher Adnsie dem Politische Rundschau. die Vertretung Kaiser mitzuteilen, daß der Präsident nicht da»

_ c .... ' \ . n , , per geschädigten Interessen muffen die Gläubiger I Vertrauen des Hauses genieße.

-e. Bei der Urteilsverkundigung in dem Leipziger! selbst resp. diejenigen Börsen thun, an welchen die I______________________

@ b io n a9 eproz stellten sich Nebenumstände ein, | Anleihen der ihre Verpflichtungen jetzt unerfüllt!

toelfy Veranlassung zu Erörterungen in der Presse! lassenden Staaten gehandelt werden. Wenn die! DLUlscheK Reich.

^JEben haben. Im Verlauf des Prozesses wurde! Vorstände der Börsen von Berlin, Loudon und Paris! Aerki« 20 Derbr ssM1t. früh s«.

feftgeftePt daß die beiden an geklagten u-d verurteilten erkläre», daß daselbst keine griechische - und ebenso Kaiser zunächst RegierunBAn^elegenheitm md