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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

801-1' * Jllnstrirtes Sonntagsblatt.

Verantwortlicher Redakteur: D r. H. W. Kühne in Marburg. Redaktion und Expedition: Markt 21.

M 297.

Erscheint täglich außer «n Werktagen nach Sann- und Feiertagen. Qnartal-LbonnemeutS-Prri» bei der Gxpe- dition 2 Mk., bei allen P-stäurtrr» 2 3RL 25 Pfg. (exll. Bestellgeld). JnserationSgebühr für die gespaltene Zeile »der deren Raum 10 Pfgi, Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 19. Dezember 1893.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatter, sowie die Annoucen-Bnreaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. SL, Berlin, München u. Köln; G. L Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Paris.

XXVIII. Jahrg.

Erstes Blatt.

Heimstätten.

In der Fülle der Etatsberatunge«, der Diskussion jbki Stemrvorlaxer, Handelsverträge ist ein vom Zenttum und den Konservaiiven eingebrachter Gesetz­entwurf wenig beachtet worden, der, bereits in einer fiüheren Session des Reichstags veröffentlicht, mit einigen inzwischen bewirkten Veränderungen demnächst de« Reichstag beschäftigen wird. Das Heimstärten- lech: ist im wesentlichen der Versuch, etwas ähnliches herbeizusühren, was der Großgrundbesitz in seinen Fideikommisse» u. dergl. hat, und so auch dem LLuerlichen Grundbesitz eine größere Festigkeit gegen- jbcr der mächtigen Gewalt des Kapitals zu verleihen.

Deutschland ist, trotz dem Ausspruch des Grafen Caprivi, noch weit davon entfernt, ein Jndustrie- ßaat zu sein. Noch ist die Landwirtschaft in unserem ' nationalen Leben ein äußerst wichtiger Faktor, und wir wollen hoffen, daß es immer so bleiben möge. Die unmittelbare Beziehung des Lebens zur Natur, ' die Einfachheit der Verhältnisse schaffe» den kräftigen »auernstavd, der für das Heer die brauchbarsten Leute liefert, der durch seinen Zuzug nach den Städten auch dorthin gesundes Blut führt. Bet den mannigfachen Zufälligkeiten, denen der Ackerbau ausgesetzt ist, befindet fich der Landmann in einer Awergleichlich ungünstigere» Lage als der Industrielle. Zwar auch der Handel kann von wirtschaftlichen strisen betroffen werden; indessen find diese meistens dorauszusehen und auch in ihrer Wirkung selten mit einemmal so verheerend wie die natürlichen Katastrophen. kDie Verschuldung der ländlichen Grundstücke hat in - dem kürzen Zeitraum von fünf Jahren um 678 Millionen zugenommen. Frhr. v. Schorlemer-Alst . beziffert die Schnldensteigerung des ländlichen Besitzes 5 Mr für Westfalen auf jährlich 25 Millionen! Der l Lauer arbeitet nur noch zum kleinsten Teile für sich; mehr als die Hälfte seines Verdienstes geht auf die F Zinsen der Kapitalien, die er zu Verbefferungen, bei -Mißernte, Viehseuchen, bei Erbschaftsregulierungen, ! »echtsstrütigkeiten usw. aufnchmen mußte. So ist ; der Bauer schließlich, bei Licht besehen, gar nicht | mehr der Herr auf seinem Grund und Boden, sondern dimr der Verwalter der Hypothekeuinhaber.

In dem deutschen Volke lebt aber noch die an- gestammte Liebe zur Scholle; der Brauch, daß man i ßckergrundstücke von einem Besitz in de» andern -gehen läßt wie die städtischen zum Spekulations-

1 Irrtümer.

H Erzählung von F. » r n e f e l d.

D (Nachdruck verboten.^

U (Fortsetzung.)

DGotthold!" schrie sie auf und warf sich, jede Dvidere Rücksicht vergeffend, in seine Arme Er hielt ße fest umschlungen, seine Thränen vermischtm fich itit den ihrigen, dann ließ er sie sanft los und Jagte:Gedenke mein wie eines T ten!

Das thue ich nicht!8 rief da Fritz und stampfte tit dem Fuße, während er sich mit dem Tcrschen- Ache sehr energisch Augen und Nase wischte.Die Toten kommen nicht wieder, aber Sie werden, Sie sollen wiederkommen. Das ganze Fortgehen ist ja «ne Dummheit,8 setzte er leiser hinzu und fuhr fcrtn fort:An Tote kann man auch nicht schreiben, und von ihnen kann man keine Briefe empfangen Heinen Sie aber, ich werde mich abhalten lassen,

Sie zu schreiben?8

iüienr. ich aber nun nicht antworte?8 fragte Bodmer.

Dann schreibe ich immer und immer wieder, Nletzt werde ich Sie doch mürbe machen. Ich lasse Sie nicht, Herr Bodmer, und Sie können mich nicht rbschütteln, selbst wenn es Ihnen Ernst damit wäre,8 Hgte er fich fest an ihn klammernd hinzu.Wen «an so recht von Herzen lieb hat, denk' ich mir, zu W. gehört man nun einmal, dagegen läßt sich dichts machen.8

So ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet Hr nicht in das Himmelreich kommen!8 flüsterte Brau Bodmer der weinenden Hildegard zu.Der $unö des Knaben spricht eine heilige Wahrheit vrs, und noch eins laß Dir zum Trost dienen: die Seit ist ein mächtiger Regent, und die Jugend hat

meiste von ihr zu hoffen.8

objekt gewordenen Grundstücke, wird und darf auf dem Lande nicht Wmzel fassen. Der Bauer fühlt die Zusammengehörigkeit, die ihn und die Familie mit seinem Erbe verbindet, diese Zusammengehörigkeit, die eher bestand, bevor man von Großkapital und Industrie etwas wußte.

Es ist wohl klar, daß der kleine Grundbesitz mehr Aussicht auf guten Erfolg bei rationeller Be­wirtschaftung hat als im Verhältnis der Großgrund­besitz, um dessen einzelne Teile und ihre Ausnützung der Eigentümer sich beim besten Wille« nicht so kümmern kann. Die Gesetzgebung hat jedoch im ganzen überwiegenden Wert auf die Erhaltung des Großgrundbesitzes gelegt, ihn mit Rechten ausge- staitet, die diesem Zwecke bienen. Das Heimstätten­recht und die damit verknüpften Bestrebungen auf allmähliche Entschuldung des Grundbesitzes mit Hilfe der unter amtlicher Verwaltung stehenden Spcrkassen und sonstiger Ftnanzinstitute will dem Bauernstand ein Eigentum gebe», das durch feine Unteilbarkeit vor Zersplitterung, durch beschränkte Verschuldbarkcit vor dem Uebergang in fremde Hände geschützt wird.

Im Reichstag ist dem Anträge tine Mehrheit sicher. Es wäre nur zu wünschen, daß die Re­gierung alsdann ohne Säumen die hochwichtige Reform zur Ausführung bringt.

Politische Rundschau.

-e. Der Landesverratsprozeß in Leipzig gegen die beiden französischen Offiziere endete, wie wir am Sonnabend bereits durch Extrablatt mit­teilten, mit der Verurteilung des Spions Degovy (Dubois) zu sechs Jahren und des Spions Telguey- Malvas (Tagual) zu vier Jahren Festungshaft. Der Oberreichsanwalt hatte erklärt, es müsse ein Exewpel statuiert werde», um die Franzosen von Entdeckungsreisen nach den deutschen Häfen abzu- schrecken, und hatte deshalb unter Bezugnahme auf das Spionage-Gesetz vorn 3. Juli 1893 Zuchthaus­strafe beantragt. I» der Begründung des obigen Urteils, welches außer auf die Verurteilung auch auf die Einziehung und Vernichtung alles bei den Ange­klagten vorgefundenen Schristenmaterials, sowie aller Zeichnungen und Abbildungen erkennt, wird folgen­des betont: Die Angeklagte» hatte» in ihrer Stellung beim Generalstabe der französische» Marine Einsicht in die die deutschen Küsten betreffenden Karten, er­kannten deren Mangelhaftigkeit und verabredeten ge­meinsam, fich das fehlende Material zu beschaffen; fie legten diesen Plan ihre» Vorgesetzte» vor, die

Sie schüttelte leise den Kops, und Frau von Letten, welche, obwohl im Gespräch mit Bodmer, diese Worte gehört hatte, sagte, eingevenk des ihrem Gatten gegebenen Versprechens, indem sie fich er» hob:Tie Zeit heilt viele Wunden. Auch Du und Bodmer werdet nicht vergessen, das erwarte und verlange ich nicht, aber überwinden und einander wunschlos und in Freundschaft gedenken lernen. Vielleicht führt das Alter in Freundschaft zusammen, was in der Jugend in Liebe einander nicht ange­hören durfte.8

O, Mutter, Mutter, das Alter ist noch so fern und das Leben so lang und so leer!8 schluchzte Hildegard

Füllen wir es aus durch die Pflicht!" sagte Bodmer, fich gewaltsam fassend.Sie fei da» Band, das fich zwischen uns webt.8

O, er giebt noch ein anderes!8 erwiderte Hilde, gard, die schönen blauen Augen gläubig empor- richtend.Die Hoffnung auf eine Welt, in der das vereinigt wird, was hier fich geliebt hat und grausam getrennt worden ist. Dort, Gotthold sehen wir uns wieder 8

Noch ein kurzer Abschied, dann führte Frau von Letten ihre Tochter hinaus. Fritz folgte ihnen stumm, der Takt des guten Herzens lehrte ihn, daß er seinem geliebten Lehrer die größte Wohlthat er­weise, wenn er fich möglichst wenig bemerkbar mache.

Ich glaubte, ich hätte schon überwunden, und nun sehe ich, daß ich erst am Anfang des Kampfes stehe, daß er nur mit meinem Leben enden wird!" schrie Bodmer. Schluchzend wie ein Kind warf er sich auf einen Stuhl, und al» wäre er wirklich noch ein Kind, liebkoste ihn die Mutter und sprach ihm Trost zu, flüsterte üjm in» Ohr, daß er nicht alle Hoffnung aufgeben dürfe. Er hob abwehrend die

devselbeu guthieße». Die Angeklagte» erhielten von den Vorgesetzten die zur Ausführung nötigen Mittel im Betrage von 4400 Francs. Die ihnen erteilte Instruktion lautete, am Lande keine Pläne auzu- fertigen und keine Beamte» zu bestechen. Durch die Vermittelung des Attaches bei der französischen Bot­schaft in London charterten die Angeklagten ein eng­lisches Schiff und fuhren zunächst »ach^ der Insel Borkum und dann nach der Emsmündung, Cuxhaven, Helgoland, dem Eiderkanal und dem Kieler Hafen. Uebcrall nahmen fie Zeichnungen auf und arbeiteten dieselben auf ihrem Schiffe aus. Ihre Spionage hat einen großen Umfang erreicht. Die Angeklagte» find schlaue intelligente Personen. Ihre Handlungen fallen uxter den ersten Paragraphen des Gesetzes vom 3. Juli 1893. Der § 92 de» Reichsstrafge setzbuches kommt nicht in Bettacht. Mildernd ist der Umstand, daß, wie glaublich, die Angeklagten ihrem Vaterlande nütze» wollten und daß fie den Plan bereits gefaßt hatten, als das obige Gesetz erlassen wurde. Strafschärfend ist die besondere Gefährlich­keit der Handlungen der Angeklagten und der Umfang der Spionage; es ist deshalb auch kein Anlaß vorhanden gewesen, die UntersuchnngShast in An­rechnung zu bringen.

Die Beerdigung des verstorbenen württew bergischen Ministers v. Schmid hat Gelegenheit gegeben, den Ministerpräsidenten Freiherrn von Mittnacht und de» Berliner Gesandten Staatsrat v. Moser in freundschaftlichster Unterhaltung in einer Equipage beisammen zu sehen und an diesem äußere» Umstand festzustellen, daß von persönlichen Differenzen oder Rivalitäten zwischen beiden nicht die Rede sein kann. Ma» hört auch znverläsfig, daß Herr v. Moser sofort das Ministerium des Sonern hätte haben könne», aber ans naheliegenden Rücksichten es ausgeschlagen hat. Die immer wiederkehrende» Versuche, einen Konflikt zwischen dem Chef und dem Gesandten zu konstruieren, find vergeblich, und auch das Schlag­wort: alter und neuer Kurs, vermag sie nicht plausibel zu machen, ob man nun den neuen Kurs im Reiche oder einen neuen Kurs in Württemberg damit meint. Wenn Herr v. Mittnacht über kurz oder lang zurück- treten sollte, so wäre das bei seinem Alter und seiner mehr als 25jährigen Ministerthätigkeit erklärlich, und wen» Herr v. Moser, wie man das schon lange vor derKrisis" angenommen hat, sein Nachfolger wftd, so wttd er es nicht Herrn v. Mittuacht zum Poffen werden.

Eine Meldung derPol. Korr." auS Madrid stellt fest, daß die Initiative betreffenb den Plan der

Hand:Versuche mich nicht, Mutter, verleite mich nicht, meine verschmachtende Seele mit leuchtenoen Bilvern zu laben, das könnte mich schwach mache», und ich muß stark fein.Entbehren sollst Du, sollst entbehren," ist da» Leitmotiv, da» durch mein Leben geht, ich habe geirrt und muß den Irrtum büßen, aber nicht durch fruchtlose Kasteiungen, sondern durch Arbeit im Dienste der Menschheit. Morgen reife ich und will damit beginnen.8

XVII

In der neu erbauten Kirche zum Heiligen Kreuz auf dem Johannistisch in Berlin fand an einem sonnigen September - Vormittage eine recht stille Trauung statt, denn e» hatten sich als Zeugen und Hochzeitsgäste im ganzen nur fünf Personen ringe- funben und auch die Zahl der Schaulustigen, welche ein solches Ereignis in der Regel anzuziehen pflegt, war eine kleine; dafür schienen die Versammelten aber ein ganz besonderes Interesse an dem Braut­paar sowie an dessen Umgebung zu nehmen. Ein hübsches junges Dienstmädchen im Sonntagsputz bildete den Mittelpunkt der Gruppe, welche sich lange vor Beginn der gottesdienstlichen Handlung in mög­lichst großer Nähe des Mar» anfgestellt hatte, und wußte mit gedämpfter Stimme und scheuen Blicken nach dem ab und zu um Ruhe bittenden Kirchen­diener gar vieles zu erzählen.

Länger al» drei Jahre haben fie sich nicht ge­sehen und auch nicht ein einzige» Mal einen Brief geschrieben, und doch find fie fich gut geblieben, und da» Fräulein hat von keinem andern was wissen wollen, so viel sich auch um fie beworben," sagte fie eifrig.

Der Baron von Letten hat'» nicht zugeben wollm, daß feine Tochter einen Mann heiratete,

internationalen Bekämpfung des Anar­chismus, von dem Madrider Kabinett ans gegangen ist, welches seine diplomatischen Vertreter beauftragte, bei den betreffenden Regierungen anzuftagen, ob die­selbe» zu Pourparlers über internationale Maß­nahme» gegenüber dem Anarchismus geneigt wären. Mehrere Regierungen erklärten daraufhin, keine prin­zipiellen Einwendungen zu erheben, andere behielten sich vor, Stellung zu nehmen, wen» Spanien mit präcisen Vorschlägen hervorgetteten sein werde. Letz­teres ist bisher nicht geschehen. Einige Regierungen nahmen das Projekt kühl auf, speziell verhielt fich das englische Kabinett ablehnend und einen dem eng­lische» analogen Standpunkt nahm auch Frankreich ein.

Zur Unschädlichmachung der Anarchisten Spa­niens entfaltet die dorttge Regierung, in Ueberein- stimmung mit den Cortes, eine umfassende Thätigkeit. Es werden in Zukunft grundsächlich keinerlei öffent­liche anarchistische Httzversammlunge», geschweige den» das Halte» anarchistischer Brand- und Mordrede» gestattet weide». Wer fich anarchistischer Umtriebe schuldig macht, wird mit der vollen Strenge des Gesetzes bestraft, und zwar wird man mit den Anar­chisten kurzen Prozeß machen. AIS hauptsächliches Strafmittel soll die Deportation in ttopische Ver­brecherkolonien zur Anwendung gelangen. Die Volks­stimmung gegen das anarchistische Mordbanditentum ist ungeheuer erbittert, und droht den Frevlern mit Lynchjustiz.

Aus Rom wird neuerdings gemeldet, daß sich das neue Kabinett der Kammer am nächsten Mittwoch vorstellen wird. Im Laufe des Januar wird Crispt der Kammer die Finanzpläne der Re­gierung vorlege» und aus beten Annahme eine Ver­trauensfrage machen. Er wirb die unverzögerte Be­ratung dieser Pläne verlangen und klären, daß er um jeden Preis die Finanzftage lösen oder fich zurück­ziehen wolle. Sofort nach Uebernahme der Regierung wird Crispi auch den Zustände» auf Sicilie» be­sonderes Augenmerk zuwenden. Er beabfichttgt im Einvernehmen mit de» stcilianischen Abgeordnete» Schritte einzuleiten, wodurch die Gemüter auf Si- cilien beruhigt und bedenkliche» Wendungen vorge­beugt werden soll. Die agrarffche Frage auf dieser Insel soll ein gründliches Studium seitens der Re­gierung erfahren und daun soll eine darauf bezüg- liche Vorlage im Parlamente eingebracht werden.

Deutsches Reich.

$1 etft», 16. Dezbr. Heute früh arbettete der Kaiser von 8 Uhr ab allein, empfing nm 9 Uhr

der nicht vom Adel ist?8 fragte eine gut gekleidete ältere Frau.

Na, was das anbetrifft," erwiderte das junge Mädchen den Kopf zurückwerfend,so kann sich unser Herr Gotthold damit noch messen; der ist jetzt Professor und Doktor und hat einen Orden, und adlig wird er schon auch noch werde»; aber e« haben da ganz besondere Sachen gespielt, und ich hab'» selber mit angesehen, wie die beiden herz­brechend von einander Abschied nahmen und dachte», fie würden fich in ihrem ganzen Lebe» nicht wieder- sehen."

Aber roa» war denn nur? Was war denn nur?' fragten die Zuhörer in ihrer Neugierde so laut, daß der Kirchendiener jetzt recht nachdrücklich Ruhe gebot.

Ach, ich sollte gar nicht davon sprechen," flüsterte Lieschen, die Dienerin der Frau Bodmer, welche ttotz aller Anhänglichkeit an ihre Herrin doch nicht der Versuchung widerstehen konnte, fich als die Befitzerin pikanter Geheimnisse aufzuspielen. Aber es ist ihm ja keine Schande, auch hat'» mancher mit angesehen, wie er damals in der Aork- straße abgeführt ward.8

Abgesührt? Von wem?8

Nun, von der Polizei. Die älteste Tochter de» Herrn von Letten war am Tage vor ihrer Hochzeit mit einem reichen, vornehme» Herrn tot, vergiftet, im Bett gefunden worben, und sie be­schuldigten unfern jungen Herrn, er hätt's gethan.8

Schrecklich! Schrecklich!8 hieß es im Kreise. «Aber er war unschuldig?8

Würde er jetzt Professor fein und einen Orden haben und die zweite Tochter bei Baron» heiraten?" fragte Lieschen triumphierend.

(Fortsetzung folgt )