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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Val«: «»,. Loch, UniverfitLtS-Buchdmckerei t» Marbxrg; ff« 4 Verantwortlicher Redakteur: Dr. H. W. Kühne tu Marburg.

R&ttira und Expedition: Markt 21. VltttlUßvvlUll* Redaktion und Expedition: Markt 21;

M 281

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Soun- und Feiertagen; Ouartal-AbonnementS-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnseratiouSgebühr für die aefpaltme Zeile »da deren Raum 10 Pfg., Reklamen für du Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Donnerstag, 30. November 1893.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte», sowie die Anvoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfnrt a. M., Caflel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mosse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. & Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Parisi

rrvill- Jahrg.

Zweites Blatt.

8 Die afrikanischen Schutzgebiete.

De» Reichstage find Denkschriften über daS ost­afrikanische «nd daS südwestafrikanische Schutzgebiet zugegangen, welche erschöpfende Auskunft über die dortige» Verhältuisse gebe». AlS Verfasser der auch i» der Form anziehenden Darstellung »eunt mau de» Chef de» KolouialamtS, Dr. Kayser. Im gauze» ist die Beurteilung als eise sachliche u»d ruhige auzuerkenueu, eutsprecheud den wiederholt vom Grafe» Caprivi vertrete»«» Anschauungen; nur au einige» Stelle» der De»kschrist über Südwestafrika führte eine mehr sanguinische Auffassung die Feder.

Die dentsch-ostafrikauische Ausfuhr hat fich nicht in dem wüllscheuswerteu Matze gesteigert. Wie die D«kschrist bemerkt, liegt eiu hauptsächlicher Grund darin, daß erst vom 2. Juni d. I. an die er­mäßigte» Zollsätze auf die Erze«g»iffe der deutsche» Schutzgebiete ix Anwendung gebracht werde». Bis daht» vermochte« eben die ftemden Koloxieu ihre Produkte ixfolge der »iedrigereu Zollsätze billiger auf de« Martt zn bringe« als die deutschen Kolonie«. ES ist hier die Frage wohl aufzu- werfe«, warum beim die Regierung mit der Erneuer­ung der Handels - Verträge mit Oesterreich - Ungarn, Italien «sw. nicht zngleich auf die Zollermäßigung für die Erzeugnisse unserer Kolonien Bedacht nahm und länger als ein Jahr bis zur Eiuräumung der Lergüustiguug verstreichen ließ. Der wichtigste Handelsartikel Deutsch-Ostcfrtkas ist noch immer daS Elfenbein. Nun hat aber jüngst Ehler» in fesselnde» Schildemnge» deS Elefantenfangs darauf hinge- wiesen, in wie hohem Grade unzweckmäßig die Er­legung der Elefanten zur Elfenbeingewiunmlg sei, während doch diese Tiere dvrch ihre bekannten Eigen­schaften die wertvollste» Dienste in unkultivierten Gege«de« leisten könnten. Nicht weniger als 16 544 Stück Slefauteuzähne find im Jahre 1892 aus Deutsch-Ostafrika exportiert worden! Den Haupt­gewinn aus diesem Haudel zieht dabei nicht eine deutsche Firma, sondern ei» Jrläader, Mr. Stokes. Günstig lauten die Berichte über die Fortschritte der Pflanzemnternehmungen. Baumwolle, Kaffee und Tabak gedeihen gut, die iu Ausficht genommene

fabrikmätzige Verarbeitung von Zuckerrohr verspricht lohnend zu werden. Aber man darf nicht vergessen, daß die klimatische« Verhältnisse gerade iu deu ftuchtbaren Gebieten Europäern nur einen zwei-, höchstens dreijährigen Aufenthalt gestatteu und daß der Warentravsport fich sehr kostspielig stellt. Die Land­strecke» am Kilimandscharo sind stuchtbar, das Klima wftd als erträglich bezeichnet, aber auch hier fehlt bis jetzt die Vorbedingung einer Ansiedlung i« größerem Maßstabe: die Möglichkeit deS raschen Absatzes der Erzeugnisse. Im Küstengebiet ist e» am un gesün­desten, dort herrscht daS Fieber. Die Denkschrift rühmt den hohen Kulturzustand und die große Frucht- barkeit einiger Küsteulandschasteu. Ma» wird jedoch von der Verwertung vorläufig abseheu müssen, da die Beschaffung geeigneter farbiger Arbeiter große Schwierigkeiten macht. In dem KapitelSklaven- wesen" ist zwar von erfolgreichen Zügen gegen Sklaven­händler und der Fürsorge für befreite Sklaven die Rede, nur schweigt die Denkschrift über den bemerkens­werteste» Puntt: über die Sklavereiverhältnisse im Schutzgebiete selbst. Sind hier wirklich noch, wie vor drei Jahren im Reichsanzeiger zu lesen war, Verpfändung, Veräußerung, ja, Vererbung von Sklaven gestattet? Hoffentlich erfolgt im Reichstage darüber eine befriedigende Auskunft.

Der amtliche Bericht über die Entwtcklnng des südwestaftikanischen Schutzgebietes enthält u. a. eine Sammlung von Urteilen Sachverständiger über den landwirtschaftlichen Wert deS Gebietes. Die Kenner stimmen darin überein, daß namentlich für Viehzucht und Weinbau gute Aussichten sind, vorausgesetzt, daß durch Herstellung sicherer Transportwege die Ware auf die südafrikanischen Märkte gelangt. Der Feldbau ist nur vereinzelt gewinnbringend. Vom Klima sagt der Prtvatdozent Dr. Karl Dove, es seieines der ge­sündesten der Erde". In der That kommen Epidemien nirgends vor. Die Regierung will Teile des Schutz­gebiets Ausiedleru oder kapttalkräfttgen Gesellschaften zur Bewirtschaftung verkaufen. Wenn es erst dem Major v. Francois gelungen ist, den stechen Räuber Hendrik Witboi und dessen Leute dauernd unschädlich zu machen, dann dürste die Besiedelung auch in größerem Umfange zu erwägen sein. Im ganzen kann man nach Durchsicht der Denkschrift dem Missionar Judt beistimme»:DaS Schutzgebiet ist besser als sein Ruf." _________

Vermischtes.

Montreal, 27. Nov. Heute Mittag ereignete fich hier und in der Umgegend ei» überau» heftiges Erdbeben, wie es in Canada noch nicht vorgekommen ist. Die Einwohner ergriffen die Flucht ins Freie. Meuschen wurden nicht getötet, doch ist der Gebäude- schaden sehr beträchtlich.

(Devtscher Reihentanz.) Berliner Blätter schreiben: Endlich ist einem oft ausgesprochenen Wunsche, einen deutschen Gesellschaftstanz zu haben, entsprochen worden, indem Mitglieder der Akademie der deutschen Tanzlehrkuust einen solchen zusammen- gestellt haben, der unter der BezeichnungDeutscher Reiheutauz" Ersatz für ben französischen Kontretauz bieten soll. Die Aufstellung geschieht iu Reihen, zwei Paare einander gegenüber, der ganze Tanz wird von diesen beiden Paaren ausgesührt. Leicht faßlich, lebhaft, munter fliegen die fünf Abteilungen des Tanzes vorüber.

(Ans schönen Rezensionen.) In einer Krittk überHasemanns Töchter" imOttweiler Anzeiger" heißt es:Frau Vollert als Rosa mag wohl die schwierigste Rolle neben der des Herrn Direktors als deS alten Hasemann gehabt haben, da die eigentümlichen Verwickelungen ihre pathetische Er­scheinung stets zum plötzlichen Wirken verlangten und sie die schwierige Aufgabe zu lösen hatte, den Zu­schauer aus dem ahnungslosen Lächerliche» mit Blitzesschnelle und' fast ohne jede Vorbereitung ins Erhabene htnaufzureißen. Und sie wirkte derart, daß oft das Publikum, wie in der Scene, wo sie mit dem Rufe:Hermann" zusammenbrach, bis zum Vergessen desBeifalls in die Wirklichkeit versetzt sich fühlte.

(Ein arger Skandal) hat sich in der Garnison Verdun ereignet. Der Oberst des dort stehenden 147. Linie« - Regiments, als fanattscher Chauvinist bekannt, ist plötzlich mit einer schönen Chansonnette und der Regimentskaffe verschwunden. Wie sich inzwischen herausgestellt, hatte er sich nach Belgien geflüchtet; und jetzt, wo die Beute verjubelt ist, hat sich der Herr Oberst den Behörden gestellt. Augenblicklich harrt er in der Zitadelle von Verdun seines Urteilsspruches. Die ftanzöfische Prefle sucht deu Vorfall totzuschwetgen.

(Kindische Thorheit.) In Frankreich existiert eine Zeitschrift für Schüler und Schülerinnen Petit Fran^ais Jlluströ". Sie enthält eine Beilage,

die einen weiteren Beweis für die Höhe des Aberwitz bildet, die der geschmacklose nnd seiner innersten V deutuug nach tief entwürdigende Ruffentaumel Paris erklommen hat. Das Jugendblatt bietet sein Lesern und Leserinnen Formulare von Postkarte die auf Vorder- uud Rückseite den russischen Adi zeige» uud auf der Adreßseite den Vordruck an irgei ein Gymnasium ober eine Mädchenschule Ruhla» enthalte», zu dem der Schüler oder die Schüler nm deu Namen deS Ortes auszufülle» hat, woh sie dieses Machwerk schicke« soll. Die Rücksette h daun et« stumpfsinniges Gedicht in französischer ui russischer Sprache, unter das nur der Name d Absenders zu setzen ist. Nicht zufrieden damtt, daß d Russeuttubel die bekannten erbaulichen Speftakelscm bei Männern «ud Weibern gezeitigt hat, will d< Blatt auch deu Kinderu schon die alberne Schwärmei für Moskowitertum undKosaken-Zioilifation eiuimpfe

Markt- xnb Mörsevörtchet«.

Frankfurt, 27. Nov; (Getreide) Der Heuti Marti nahm infolge schwacher Kaufbeteiligung deS Konsur geschäftsstillen Verlauf. Von Brotfrüchten war Weiz fortgesetzt stark angeboten, ohne entsprechende Abnahme finden und ohne irgend welcher Preisveränderung zu unti Hegen; Roggen wurde bei fester Haltung leicht abgesetzt. Ger blieb unverändert. Hafer behauptet. Mais ohne Veiänderur ES notieren nach Qualität: Weizen, hiesiger und Wetterar Mark 15 bis 15.50, kurhesstscher Mark 15.25 bis 15.5 norddeutscher Mark, russischer Mark 17.50 bis 18.2 Laplata Mark 16. bis 16.50, Kansas Mark 16.25 b 16,75, Redwinter Mark 16.25 bis 16.50, Roggen, hiesig Mark 14.00 bis 14.25, Pfälzer Mark bis russischer Markbis Mark, Gerste, auswuch freie Pfälzer Mark 18.25 bis 18.75, nicht auswuchSfn fränkische Mark 17.25 bis 17.75, ungarische Mark 18.1 bis 19.25, Hafer, hiesiger Mk. 16.25 bis 17.25, Württer Berger Markbis;, bayerischer Mark 16.50 b 18.50, norddeutscher Mark 17.25 bis 18.25, rumänisch und türkischer Mak 16.50 bis 17.50, amerikanischer M bis, Mais, mixed, Mark 11.75 bis 12.- DonanmaiS Mark 11.60 bis 11.80; Alles per 100 Ki netto effektiv loco hier.

F r a n k f u r t a. M;, 27; November. (V i e h m a r k? Der heutige Viehmarkt war mit S50 Ochsen, 19 Bulle 687 HKühen, Rindern und Stieren, 296 Kälbern, 10k Hämmeln, 617 Schweinen befahren. - Die Preise stellt- fich wie folgt: Ochsen 1. Qualität Mk. 6870, 2. Our Mk. 54 - 58. Bullen 1. Qual. Mk.41-43, 2. Qual. M 3840. Kühe, Rinder und Stiere 1. Qual. Mk. 56-5 2; Qual. Mk. 34-40; Alles per 50 Kilo Schlachtgewick Kälber 1. Qual. 65- 70 Pfg., 2. Qual. 5560 Pf Hämmel 1. Qual. 5052 Pfg., 2. Qual. 30-38 Pf Schweine 1. Qualität 6162 Pfg., 2. Qual. 59-60 Pf Alles per '/' Kilo Schlachtgewicht.

Donnerstag, den 23. November

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