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öchentlichc Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

l*s ta"6"t Jllustrirtes Sonntagsblatt

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Verantwortlichrr Redakteur: vr. H. W. Kühne in Marburg Redaktion und Expedition: Markt äL

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- nnd tlfWX Au'LaAUA Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieser Blatter,

MF 6)QA Ouartal-AboMementS-PreiS bei der Expe- widTVUl'lli sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in wwiit

J1S» tiOU bition 2 Mk., bei täten Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Frankfurt tu M., Caflel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVIII. fcttDTfl.

jW Mrttwoch, 29. November 1893. Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.

»der deren Raum 10 Pfg., Reklamen für d« Zeile 25 Pfg. Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Paris.

Zweites Blatt.

Streit im sozialdemokratischen Lager.

Die Spaltung, die in der Sozialdemokratie wegen der Gewerkschaften auSgebrochen ist, nimmt größere Ausdehnung au. Schon im Anfang der sozial­demokratischen Bewegung war einmal ein großer Streit über die Gewerkschaften. Die alten Lassaleauer verwarfen die Organisation der Arbeiter nach Be- mfsgruppeu, weil fie darin eine Schädigung des allgemeinen deutschen Arbeitervereins sahen, durch den der Masseutritt der Arbeiterbatailloue hergestellt werden sollte. Dagegen warfen sich die Gsenacher (Bebel, Liebknecht) nrit Eifer auf die Gründung der Gewerkschaften. Jetzt hat sich die Sache umgedreht; Bebel, Liebknecht, Auer usw. treten zwar nicht gerade al- Gegner der Gewerkschaftsbewegung auf, fie ver­langen aber, daß jeder Sozialdemokrat vor Allem drganifierter Parteigenosse, steuerndes Mitglied der allgemeine« Parteiorganisation, sein soll und daß die Gewerkschaften nur als untergeordnete Hilfstmppe zu gelten hätten, durch die um alles in der Welt nicht der Gedanke an allmähliche Besserung der Lage der Arbeiter aufkommen dürfe.

In diesem Sinne war namentlich Auer dem Führer der Gewerkschaften Legten auf dem Kölner Lage eutgegengetreten. Wie jeder Streit bei de» Sozialdemokraten so artete auch dieser sofort in persönliche Verunglimpfungen aus. Die Behandlung von oben herab wollen sich aber die Gewerkschaftler nicht gefallen lasten und auch Bebel ist es nicht ge­lungen, die aufgeregten Wogen zu besänftigen. So mnß er sich jetzt von dem Hamburger Genosse» v. Elm tinVorwärts" sagen lassen, daß sei» großer Fehler sei, Widerspruch überhaupt nicht vertragen zu können, daß er blind darauf los wüte nnd nur per­sönliche Angriffe hervorbringe, daß eS viele Partei­genossen gebe, die Bebels Prophetengabe anzweifelten ein recht scharfer Stich nnd daß er Partei­genossen, die anderer Meinung seien, in schnöder Weise heunterhuuze. Beweist das die Schärfe, welche die Gegensätze bereits angenommen haben, so ist in sachlicher Hinsicht die Bemerkung o. Elm's sehr inter- effant, daß der Sieg der englischen Grubenarbeiter die Unhaltbarkeit der Theorien von der Allmacht der KapUalSko^eutratton" schlagend darlege. Denn auf dieser Marx'schen Theorie der Allmacht der KapitalSkonzeuttation beruht die ganze sozialdemo­kratische Weisheit und gerade von ihr geht auch das Erfurter Programm der Sozialdemokraten aus.

ES wäre sehr gut, wenn die Gewerkschaftsbe­wegung dahin führen sollte, daß die Unhaltbarkeit jener Lehre mehr und mehr von den Arbeitern erkannt würde. Bebel freilich hat schon auf dem internationalen Kongresse in Brüssel erklärt:Die Wunden am Ge­

sellschaftskörper müssen offen gehalten werden", und in Köln gab er die Parole aus:Nicht allgemeine Menschenliebe, sondern allgemeiner Klasseukampf!"

Jeder besonnene Arbeiter hat hier wieder Ge­legenheit, sich über das wahre Wesen der Sozial­demokratie aufzuklären: keine Menschenliebe, keine Heilung der Wunden, sondern erbitterter Kampf und Verschärfung aller Jntereffengegensätze!"

Vermischtes.

Berlin, 24. November. In letzter Zeit find mehrfach Offiziere das Opfer eines Gauners ge­worden, der mit großer Frechheit zu operieren ver­steht. Unter dem Vorgebe», er sei Gutsbesitzer und ehemaliger österreichischer Offizier, hat der Schwindler es verstanden, sich an jüngere Offiziere anzupürschen, wobei ihm sei» vornehmes Exterieur »nd sei» guter Name zustatten gekommen sind. Nachdem Herr o. W. eine Zeitlang reichlich über Mittel verfügte, kam dann die sogen. Geldklemme. Nun wußte er seinen neuen Bekannten und auch anderen Leuten in listiger Weise ganz erhebliche Summen herans- znlocke«. Wie sich jetzt herausstellt, reist er mit einer jungen schönen Dame, die für Geld, Geschenke nnd gute Worte ihre Reize feilzubieten pflegt und welche der hoffnungsvolle junge Manu mit guten Freunde» erst hier kenne» gelernt haben will, was aber, tote alles, Schwindel ist. Das edle Paar kennt sich nämlich, wie festgestellt wurde, schon seit längerer Zeit und scheint in größeren Städten Gastrollen zu geben. Er ist ein großer Mann mit blondem Schnurrbart und blauen Augen, in welchen ein Aus­druck liegt, der den Menschenkenner zur Vorsicht mahnt; sie ist ein schwarzäugiges, imposantes und reizendes Weib, das überall Furore macht.

Berlin, 27. Novbr. Aus Bredow bei Stettin wird gemeldet, daß ein mit 13 Arbeitern von der Firma James Stevenson besetztes Boot auf der Oder von einem Dampfkahn überrannt wurde. Das Boot schlug um; sechs Personen ertranken.

Mainz, 25. Novbr. Heute Morgen entsprang aus dem Untersuchungsgefängnis ein eines schweren Verbrechens beschuldigter italienischer Techniker aus Rom.

Stuttgart, 15. Nov. (Allgemeiner Deutscher Versicherungs-Verein.) Im Monat Oktober 1893 wurden 543 Schadenfälle durch Unfall angemeldet. Von diesen hatten 4 den sofortigen Tod und 10 eine gänzliche oder teilweise Invalidität der Verletzten zur Folge. Bon den Mitgliedern der Sterbekasse starben in diesem Monat 43. Neu abgeschlossen wurden im Monat Oktober 4589 Versicherungen. Alle vor dem 1. August 1893 der Unfall-Versicherung angemeldeten Schäden iukl. der Todes- und Invaliditäts- Fälle sind bis auf die von 60 noch nicht genesenen Personen vollständig reguliert.

London, 25. Novbr. In Nordengland herrscht anhaltender Schneefall und in Schottland eisige Kälte.

Drei Eisenbahnzüge find im Schnee stecken geblieben und können nur mit Mühe wieder frei gemacht werden.

London, 27. Novbr. Aus Dublin wurde ge» meldet, daß in der Nähe der Militärkaserne eine Höllenmaschine aufgefunden worden sei, doch soll eine nähere Untersuchung bereits ergeben haben, daß diese angebliche Höllenmaschine vollkommen harmlos ist.

Loudon, 27. Novbr. DieTimes" meldet aus Teheran: Infolge des Erdbebens von Kuschan find gegen 12000 Personen umgekommen. 2000 Leichname liegen noch unter den Trümmern. 50 000 Stück Vieh kamen ebenfalls um. Die Erder­schütterungen bauent noch fort.

(Das Englische auf dem Fiaker­platz.) Nicht nur die Engländer sind praktisch, die Engländerinnen sind es auch. Namentlich haben fie, obwohl sie zumeist nur ihrer Muttersprache mächtig sind, ein besonderes Talent, sich überall zurechtzu­finden und zu verständigen. Im schlimmsten Falle ziehen sie ein Wörterbuch zu Rate, so wie es eine Dame that, die seit kurzem in Wien als unverfälschte English governess lebt. Fehlte ihr ein Wort so wurde flugs dasDictionary heroorgcholt. So machte fie es auch, wie dasN. W. Tgbl." erzählt, als fie in einen Fiaker steigen und den Kutscher fragen wollte, ob er engagiert oder frei sei. Sie hatte nach kurzem Nachschlagen die englische Formel hierfür:Ate you engaged ? ins Deutsche über­setzt und wandte sich an den Roffelenker mit den Worten:Sind Sie verheiratet?" Der verblüffte Fiaker fragte umgehend, ob die Dame nicht verrückt fei, und erklärte dann seine Bereitwilligkeit, fich zu verlobe», mit de» Worte«:Sprechens mit mein' Vater«, Madame."

(Die größteBirne, die je i«Deutsch­land gewachsen ist), wurde von E. v. Lade in Breslau ausgestellt, und bildete mit anderen Birnen den Glanzpunkt der großen und vielbeschickten Obst- ausstellung daselbst im Herbst dieses Jahres. Diese Birne, eine Belle Angevine von prachtvoller roter Färbung, am 23. September schon gepflückt, wiegt 1100 g bei einer Länge von 23 cm und würde, wenn fie wie andere Beiles Angevines bis Anfang November am Baume geblieben wäre, eine Gewicht von mindestens 1300 g erreicht haben.

(Ein Pariser Chemist) bietet den Re­gierungen ein Mittel an, welches unfehlbar zur Er­greifung von Dynamitisteu führe» soll. Er schlägt vor, in Znkunft dem herzustellende» Dynamit eine von ihm erfundene Mischung beizufügen, deren Geruch nicht entfernt werden kann. Aus diese Weise würde Jeder, der Dynamit- Patronen tragen würde, sofort au dem starken Gernch des Präparate» kenntlich fein.

(Wer ist der Erfinder des Glüh­lichtes?) Doch wohl Edison? Die amerikanischen Gerichte, nämlich Richter Hallet, haben in dem Prozesse zwischen der Edison - Komp, und der Columbian-Jncandescent-Comp. anders entschieden.

Der Erfinder ist H. Göbel, ein Deutscher, der im Jahre 1850 nach Nordamerika kam. Er fertigte wenige Jahre darauf in seiner Werkstätte zu Newyork elektrische Lampen aus alten Flaschen, in denen er als Leitungsfaser Bambus gebrauchte, den er im Küchenfeuer verkohlte. Diese Lampe« tarnen nicht in Handel, weil die Erzeugung der Elektrizität noch zu teuer war. Göbel verwandte sie aber zur Be­leuchtung in seiner Werkftätte, auch schenkte er feiner Tochter eine zur Beleuchtung der Nähmaschine und dann benützte er sie als Anziehungsmittel für ein Teleskop, das er auf Rädern in der Stadt herum- sührte. Nun hat Richter Hallet dahin entschieden, daß der noch lebende Göbel in der Erfindung des Glühlichtes Edison um 25 Jahre voraus war.

Auf der Großen Allgemeinen Sportartikel« Ausstellung zu Hannover find am 4. ds. Mts. die Vogelfutter-Spezialitäten, Käfige rc., der Großhand­lung GustavVoß, Hoflieferant zuLöln wiederum mit dem höchsten Preise derGoldenen Medaille" ausgezeichnet worden.

Lttlerarisches.

Deutscher Kaiser-Saal Geschichte der deutschen Kaiser in Biographien von Bruno Gebhardt, Verlag der Union, deutscher VerlagSgesellschaft in (Stuttgart. Es fehlte in den letzten beiden Jahrzehnten nicht an mehr ober minder gelungenen Versuchen, den ganzen Gang der deutschen Geschichte oder einzelne Ausschnitte derselben darzustellen, und dsese Darstellungen waren von einem neuen erhebenden Nationalgefühl erfüllt. Diesen Geschichtswerken, die von der Freude an der Entwickelung des Vaterlandes geleitet sind, schließt sich auch daS vorliegende an und glaubt durch seine besondere Anlage eine eigenartige Stellung unter den vor­handenen erstreben zu dürfen. Das Werk wird 50 ganz- jeitige Vollbilder nach neuenttoorfrnen Originalen hervor­ragender Historienmaler enthalten. Dasselbe wird 2b Liefe­rungen ä 50 Pfennig umfassen, welche in Zwrschenränmen von 14 Tagen erscheinen; jede Lieferung enhält 32 Seiten Text und 2 ganzseitige Vollbilder in Groß-Oklav-Format. Rach Beendigung des Werkes wird den Abonnenten eine nach künstlerischem Entwürfe hergestellte Einbanddecke zu mäßigem Preise zur Verfügung stehen. Probenummern sind durch jede Buchhandlung zu beziehem

Thnttrr-Arqrtgrn. Frankfurt.

Vom 28. November bis 4 Dezember.

Opernhaus: Mittwoch den 29.: 'Vorstellung bei ermäßigten Preisen.Sohn der Wildnis"^ Außer Abonn. Donnerstag den 30.:Der Freischütz". Im Abonn. Gew. Preise. Frettag den 1.: Geschlossen. Samstag den 2.:Lncrezia Borgia". Ballet. Im Avon». Gew. Preise. Sonntag den 3., Nachmittag- »*/« Uhr:Settel» Indent". Ermäßigte Preise. Abends 7 Uhr:Bajazzo". Cavalleria rusticana; Im Abonn. Große Preise.

Schauspielhaus. Mittwoch den 29.:Zigeuner­baron'. Im Abonn. Gew. Preise. Donnerstag den 30.: Charleys Tante". Vorher:Millionär a. D." Außer Abonn. Gew. Preise Freitag den 2.:Götz von Ber- lichingen". Im Abonn. Gew. Preise. SamStag den 2.: Zum ersten Male:Auf Triburg und Rodeck". Schauspiel in 4 Auszügen von Klaus Arsen. Im Abonn. Gew. Preise. Sonntag den 3., Nachmittags 3*/i Uhr:Charleys Zante"; Kleine Preise. Abends 7 Uhr: Zum ersten Male wiederholt.Auf Triberg und Rodeck". Montag den 27.:Egmont".

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OTTO VMMIT, Marburg, Wettergasse 41.