Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.
D«S «d l««♦ Jllustrirtes Sonntagsblatt. ^Redaktion und Expchi^n: Marktet.
M 272
XXVIII. Jahrg
dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Pfa. (erkl. Bestellgeld). JnserationSg^bühr für die ' »der bereit Raum 10 !~
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte«, iE;erta.?e^. O?°ENonnemeNts-PreiS bei der Ez^e- . sowie die Annoncen-Bureaux von tzaasenstein u. Vogler in
2Mlt‘ 25 3^ r* L 1 o oäl. < <ooo Frankfurt m M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf
Äm« «J* Sonnabend, 18. November 1893. Dwsi- in Frankfurt a. M, Berlin, München u. Köln; G. L.
Psg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.' Daube u, Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Thronrede.
Die Thronrede, mit welcher Se. Majestät der Kaiser den Reichstag eröffnete, hat folgenden Wortlaut: Geehrte Herren!
Als Ich Sie im Juli d. I. um Mich versammelt hatte, gab Ich dem Vertrauen Ausdruck, datz Sie Mir und Meinen hohen Verbündeten Ihre MÜ- wirkung zu der im JntcAsse der Sicherheit des Reichs gebotenen Fortbildung unserer HeereSeinrichtungen nicht versagen würden. Ich freue Mich, daß Meine Zuversicht nicht getäuscht worden ist, und indem Ich ' Sie heute bei Ihrem Zusammentritt begrüße, ist es Mir Bedürfnis, dem Reichstag für seine patriotische Bereitwilligkeit Meinen Kaiserlichen Dank auszusprechen. Die mannigfachen Beweise warmer Sympathie, deren Ich Mich währeud der letzten Monate in den verschiedenen Teilen des Reichs zu erfreuen gehabt habe, find Mir eine Bürgschaft dafür, mit welcher Senugthuung die Nation eS empfindet, daß dem deutschen Heere eine Organisation gesichert worden ist, in welcher die Gewähr für den Schutz des Vaterlandes und für die Erhaltung des Friedens beruht.
Es wird nunmehr Ihre vornehmste Aufgabe sein, in gemeinsamer Arbeit mit den verbündeten Regierungen für die Beschaffung der Mtttel Sorge zu trogen, welche zur Deckung des durch die erhöhte Friedeuspräjenzstärke des Heeres eutstandeuen Mehrbedarfs erforderlich find. Tie Vorschläge, welche Ihnen in dieser Beziehung zugehe» werden, bewegen fich auf einer breiten, zugleich die finanziellen Beziehungen deS Reichs zu seinen Gliedern neu regelnden Grundlage.
Tie Finauzverwaltuug deS Reichs hat eine endgültige Ordnung im Sinne der Reichsverfoffuug noch nicht gefunden. Die bisherigen Erfahrungen haben bewiesen, daß ohne Schädigung des Reichs und der Einzelstaaten eine Auseinandersetzung zwischen denselben nicht länger htnausgeschoben werden kau». Das Fiuanzweseu des Reichs wird dergestalt aufzu- ba»en sein, daß unter Beseitigung der bisherigen Schwankungen die Anforderungen desselben an die Einzelstaate» iu ein festes Verhältnis zu den Ueber» Weisungen gestellt werden, und ein gesetzlich festgelegter Anteil an de» eigene» Einnahmen des Reichs für einen vorher besttmmten längeren Zeitraum den Einzelstaateu zugeflchert wird. Eine solche Ordnung wirb, im Einklang mit der förderativen Gestaltung unseres Staatswesens, ein ungestörtes Zusammenwirken des Reichs und der Eiuzelstaaten gewährleisten und ohne Schmälerung der Rechte des Reichs
tags die Finanzverwaltuug in hohem Grade fördern. Zu diesem Behuf wird dem Reichstag ei» Gesetzentwurf, betreffend die auderweite Ordnung des Finanzwesens des Reichs, vorgelegt werden.
Zur Beschaffung der hiernach erforderlichen Mitte werden dem Reichstag Gesetzentwürfe, betreffend die Besteuernug des Tabacks und Weins sowie die Erhebung von Reichsstempelabgaben, zugehen.
Ich zweifle nicht, daß die Lösung dieser bedeutsamen Aufgabe Ihrer hingebeuden Mitwirkung gelingen wird. Unter Berücksichtigung der gegen« wärtigen Finanzlage des Reichs ist der RetchshauShalt mit äußerster Sparsamkeit aufgestellt.
Tie beim Abschlüsse der Handelsverttäge des Reichs mit Oesterreich-Ungar», Italien, Belgien und der Schweiz gehegte Erwartung, daß dieselben zugleich bi» Anknüpfungspunkt für die verttagswäßige Regelung unserer Handelsbeziehungen zu anderen Staaten bilden würden, hat fich inzwischen insoweit erfüllt, als es gelungen ist, auf der durch jene Ver- ttäge geschaffenen Grundlage auch mit Spanien, Rumänien und Serbien neue Handelsverträge zu vereinbaren. Tie Verträge, durch welche unserem Güteraustausch mit diesen Länder» die wünschenswerte Stetigkeit und die Möglichkeit gedeihlicher Entwickelung geboten wird, werden Ihne» zur verfaffuugs mäßigen Bescklußnahme zugehe».
Im Einverständnis mit Meine» hohe» Verbündete» habe Ich Mich veranlaßt gesehen, Rußland gegenüber von der Befugnis einer außerordentlichen Erhöhung der Einfuhrzölle Gebrauch zu mache». Die von Mir erlassene» Verordnungen werden Ihne» sofort mitgeteilt werden. Ich gebe Mich der Hoffnung hin, daß der Verlauf der schwebenden Handelsverttags- Verhaudlnngen mtt Rußland zur Beseitigung dieser Maßnahmen führen wird.
Dank den energischen Bemühungen, welche die verbündeten Regierungen aufgewendet habe», ist es gelungen, die verheerende Epidemie, welche im vergangenen Jahre schwere und schmerzliche Opfer gefordert hatte, seitdem fernzuhalten, und wo sich vereinzelte Krankheitsfälle zeigten, ihrer Verbreitung erfolgreich entgegenzutreten.
Die gewonnenen Erfahrungen noch wirksamer zu verwerten und die Abwehrmaßregeln zu dauernden und einheitlichen zu gestalten, ist der Zweck eines Gesetzentwurfs, welcher Ihnen vorgelegt werden wird.
Um die mit der pflichtmäßigen Strenge jener Abwehrmaßregeln vereinbarte Schonung deS internationalen Verkehrs thunlichst ficherzustellen, hat unter Beteiligung des Reichs im Frühjahr in Dresden eine
von der Mehrzahl der europäischen Staaten beschickte Konferenz stattgefunden, deren Beschlüsse Ihnen zur Genehmigung zugehen werden.
Die Erledigung der Ihnen auf finanziellem nnd handelspolitischem Gebiet gestellte» Aufgaben wir> Ihre Arbeitskraft in so hohem Maße in Anspruch nehme«, daß die verbüudetm Regierungen es für ratsam erachtet haben, ben Kreis bei Vorlagen im übrigen thunlichst einzuschränken.
In dem Verhältnis Deutschlands zum Auslande ist eine Aenderung nicht eingetreten. Bei Fortdauer der engen Freundschaft mit den zur Verfolgung ge meiusamer stiedlicher Zwecke uns verbündeten Reichen, stehen wir zu allen Mächten in guten und freundlichen Beziehungen. Ich gebe Mich daher der Zuversicht hin, daß nnS mit Gottes Hilfe die Segnungen des Friedens auch fernerhin werden erhalten bleiben.
Nach Verlesung der Thronrede trat der Reichskanzler vor den Thron und erklätte den Reichstag sür eröffnet.
Deutsches Reich.
Werkin, 16. November. Heute Mittag 1 Uhr fand in Gegenwart des Kaisers die Vereidigung der Rekruten im Lustgarten statt, wo ein Altar zwischen Kanonen und militärischen Emblemen aufgestellt war. Nachdem der Kaiser die Fronte» ab- geritte» hatte, hielte» der evangelische Feldpropst Richter »»d der katholische Propst Jahnel Ansprachen. Soda»» leisteten die einzelnen Truppenteile den von den Osfiziere» vorgesprochenen Eid. Eine kmze Ansprache des Kaisers, welche die Truppen mit dreimaligem Hmrah erwiderten, beendete die Feier.
— Die Eröffnung deS Reichstags im Weißen Saale vollzog fich in Anwesenhett von etwa 150 Abgeordneten in der üblichen Form unter Mitwirkung der Schloßgarde und des Pagenkorpz. Die Verlesung der Thronrede touibe schweigend angehört; nur am Ende wurde der von der friedlichen Lage handelnde Paffus mit lautem Beifall begrüßt.
— Der Reichshaushaltsetat pro 1894/95, welcher Beute dem Reichstag zugegangen ist, balanciert mtt 1305632229 Mark in Einnahmen und Ausgaben; letztere betragen 1082 884683 Mark fortdauernde und 83925726 Mark einmalige; das Extraordinarium beläuft fich auf 138821820 Mk. Für das Reichsheer werde» gefolgert 482066828 Mark, gegen das Vorjahr mehr 31812148 Mark, für die Marine 51369307 Mk., gegen das Vorjahr
Irrtümer.
Erzählung von A Arnefeld.
^Nachdruck Bei boten.] (Fortsetzung)
„Wie schlau!" rief der Rittmeister bitter. .Selbst eine Untersuchung seiner Effekten hat er vorher- gesehen, und doch wie dumm hat er fich in seiner eigenen Schlinge gefangen! Zweifeln Sie nun noch an seiner Schuld?" wandte er sich an dm Baron.
„Ich kann es nicht," erwiderte dieser dumpf, »und dennoch, dennoch, es ist ja unmöglich, Bodmer kann ein solches Scheusal nicht sein!"
„Wenn er sich noch in Berlin befindet, wo »äre er da wohl aufzusuchen?" fragte ihn der Amts- richter.
„Bei seiner Mutter, der Lehrerwitwe Bodmer, Norkstraße 19," antwortete der Baron. „O Gott, die arme Frau; er ist ihr einziger Sohn!"
„Und Adelheid war Ihre blühende, hoffnungs- vvlle Tochter," sagte der Rittmeister vorwurfsvoll, »ährend der Amtsrichter die Beschlagnahme der Mrückgelaffenen Sachen und die sorgfältige Der- Packung aller sonstigm vorgefundenen Beweisstücke anordnete und alsdann den Verhaftsbefehl gegen den Dr. Gotthold Bodmer schrieb, welcher von der nächsten Station aus zuvörderst der Berliner Kri- »inalpolizei auf telegraphischem Wege • übermittelt »urde.
Die Leiche de» schönen, unglücklichen Mädchens ward den Angehörigen nunmehr zur Aufbahrung and Bestattung übergeben. In hochbepackten Wagen fuhr die Gerichtskommisfion nach Nauen zurück; 8obo von Letten schloß fich den Herren an Ihm fiel das schwere Geschäft zu, die ankommenden Hoch- zeilsgäste sogleich von der Station aus wieder zurück- iuschicken und den für morgen zu erwartenden durch
den Telegraphen die Nachricht zuzusenden, daß in Lcttenh fen keine Vermählungs- sondern eine Trauerfeier bevorstebe.
Still, einsam, wie ausgestorben lagen Haus, Hof und GartM. Der Rittmeister hatte sich in das für ihn bereime Zimmer zurückgezogen; Herr von Letten war zu seiner tief gebeugten Gattin gegangen, um mit ihr, die allezeit seine Trösterin und beste Ratgeberin gewesen, gemeinsam die Stunden der ersten furchtbaren Trübsal zu verleben. Lautlos huschten die Diener hin und her; es schien, als nehme selbst die Tierwelt Teil an der Trauer, die fich über das Herrenhaus gesenkt hatte, denn nur gedämpft erklang das Brüllen der Rinder und das Blöken der Schafe aus den Ställen, kein Huhn verkündete mit lautem Gackern, daß es soeben ein Ei gelegt habe.
Arm in Arm standen Hildegard und Fritz von Letten in dem verödeten Salon, in welchem die Familie so oft fröhlich beisammen geseffen. '
„Du glaubst es nicht, Hildegard?" schluchzte der Knabe.
Sie schüttette den Kopf.
„Sage, daß Du es nicht glaubst; sage, daß Du ihn noch lieb hast!" bat er, den Kopf an die Brust der Schwester drückend.
„Ich glaube es nicht, und — ich habe ihn lieb!" erwiderte fie inbrünstig, den Kopf des Knaben an fich pressend. Er umarmte sie stürmisch.
-Ich bringe seine Unschuld an den Tag!" rief der Kadett, die Hand erhebend, „das schwöre ich, so wahr ich Letten heiße! Papa sagt, ein solcher Schwur sei dreifach heilig!"
VI.
Die Nachmittagssonne schien hell in ein mit altmodischen Möbeln einfach, aber ttaulich einge
richtetes Zimmer im dritten Stock eines Hauses in der Aorkstraße in Berlin, in welchem eine ältere Frau mit noch dunklem Haar und einem stillen, anziehenden Gesicht, beschäftigt war, mit Hilfe eines ganz jungen Dienstmädchens den Tisch für das Mittagsmahl zu decken.
„Leise, leise," mahnte sie mit einem warnenden Blick nach dem Nebenzimmer, dessen Thür geschlossen war, als das Mädchen einen Stoß Teller etwas unsanft auf den bereits mit einem weißen Tischtuch überdeckten Tisch niedersetzte; „gehe nicht so unvor- sichtig mit meinem guten Geschirr um, Lieschen; dar Klirren könnte auch den Herrn Doktor wecken."
„Herr Doktor wird doch aufstehen müssen," antwortete das hübsche junge Mädchen in gedämpftem Ton, „unser Braten verdirbt und. die Speise —*
„Wird erst in den Ofen geschoben, wenn der Braten auf den Tisch kommt," unterbrach sie die alte Frau. „Es schadet ihr nichts, wenn sie bis dahin eingerührt stehen bleibt. Ich wecke ihn erst im letzten Augenblick, wenn hier alles fertig ist; er war ja zu müde. Er muß in der letzten Nacht gar nicht geschlafen haben, ich kann nicht fassen, was das zu bedeuten hat!" Sie sagte die letzten Sorte noch leiser und im SeLstgespräch, denn das Mädchen hatte dar Zimmer wieder verlassen, um noch anderer Geschirr herbeizuholen.
Die alte Frau stttch dar soeben erst aus feinen Falten genommene Tischtuch glatt, setzte die Teller und Gläser zurecht, legte frische weiße Servietten auf, entkorkte eine Flasche Wein und trug eigen, länbig ein paar Schalen mit feinem Kompott her- lei, mit einer Sorgfalt und Wichtigkeit zu Werke gehend, wie auch die beste Hausfrau nicht für täg- iche Tifchgenoffen, sondern nur für einen außer- gewöhnlichen Gast aufwendet. Ein solcher war ihr
mehr 3116668 Mk. Die fortdauernden Ausgabe» sind um 54115004 Mk. höher als im Vorjahre, die einmalige» Ausgaben um 78912133 Mk. niedriger; die Einnahme» find 24797125 Mark niedriger. Die Mattikularbeittäge sind mit 419592544 Mk., also um* 39528399 Mark höher als im Vorjahre, eingestellt.
— Gegenüber der Meldung des „WarschawSky Dujewuik", daß in Folge des Hannoversche» Spielerprozesses in der hiesigen Polizeiver- waltung eine Abteilung errichtet sei, welche die Ausrottung der Hazardfpiele anstrebe und daß, um die Falschspielerei im Offizierkorps zu vermindern, vo» ben Offiziere» das Ehrenwort gefordert werde, an Hazardfpiele» nicht teilzunehmen, sagt der „Reichsanzeiger": Es handle fich nur um die Frage, ob der Verfasser deS Telegramms wirklich so wenig über ben Geist uni» bie moralischen Eigenschaften be8 bentscheu Offizierkorps unterrichtet fei, um ein folches Telegramm ins Anslanb zu sende», oder ob seiner Mitteilung nur eine ganz uiedrige, gehässige Absicht zu Grunde liege. Jeder, der mit einigermaßen klarem Blicke die Verhandlungen des SpielerprozeffeS verfolgte, muß ersehen habe», daß nicht Falschspielerei der als Zeugen erschienenen Offiziere, sondern der »{»geurteilten Individuen in Frage gezogen war.
Potsdam, 16. Novbr. Gestern Abend 7 Uhr fand im Neuen Palais die Aufführung von EharleyS Tante" durch die Mitglieder des Adolph Ernst- Theaters statt. Daran schloß sich gegen 9 Uhr ei» Diner z» etwa 250 Gedecken. Um 10^ Uhr traten der Großfürst Wladimir und Gemahlin von der Wildparkstatiou die Heimreise nach Petersburg a». Der Kaiser begleitete den Großfürsten bis zum Bahnhofe und verabschiedete fich daselbst sehr herzlich vo» be» erlauchten Gästen.
Dresden, 16. November. Das Befinden des Königs ist befriedigend; derselbe hat während deS größten Teiles der vergangenen Nacht gut geschlafen nnd hat auch kein Fieber mehr; die katarrhalischen Erscheinungen lassen nach.__________
Ausland.
Htsterreich-Zlngarn. Nach einer Meldung der „Pol. Korr." aus Rom ka rn ein polttischer Charakter dem Besuche Kaluoky's in Monza nur in dem Sinne beigelegt werden, daß in dem Besuche und in der herzlichen Aufnahme Kaluoky's die Intimität Italiens mit Oesterreich neuerdings zu Tage trete und darin der unerschütterte Bestand des Dreibundes abermals unmittelbar zum Ausdrucke gelange.
an diesem Morgen zwar unerwartet, aber nicht überraschend in ihrem einzigen Sohne, dem Dr. Gotthold Bodmer, ins Haus gekommen.
Der Hauslehrer des Barons von Letten kam nicht allzu selten nach Berlin, um für letzteren allerlei Besorgungen zu machen und für fich Bücher au« der Bibliothek und andere ihm für seine Studien erforderlichen Hilfsmittel herbeizuschaffen. Sein erster Weg war bei solchen Gelegenheiten in der Regel zu seiner Mutter, und so hatte ihn Frau Bodmer, al» er an diesem Morgen plötzlich bei ihr eingetreten war, sogleich mit der Frage empfangen:
„Du kommst gewiß, um noch Einkäufe für das Hochzeitsfest zu machen und wirst wenig Zeit haben; ich will Dir sogleich Frühstück besorgen, damit Du Dich nicht aufzuhalten brauchst."
Zu ihrer großen Verwunderung hatte Gotthold ihr aber erklärt, er habe Lettenhofen schon jetzt für immer verlassen und werde der Hochzeit nicht beiwohnen, fie bann aber gebeten, ihn nicht weiter mit Fragen zu bestürmen. „Ich bin totmüde," hatte er gesagt, „und muß jetzt doch noch einen notwenbigen Gang machen. Wenn ich wiederkomme, möchte ich mich niederlegen und ein paar Stunden schlafen; )eim Mittagessen erzähle ich Dir dann alles."
Hastig hatte er eine Taffe Kaffee, die fie ihm aufzwang, getrunken, war dann ausgegangen, bald urückgekommen und lag jetzt schon seit Stunden chlafend auf dem alten breiten Sofa im Nebenzimmer, auf das ihn die Mutter gebettet hatte.
Jetzt war alles bereit. Frau Bodmer trat vor )en Spiegel, rückte, selbst über die Eitelkeit lächelnd, >as Häubchen über dem glatten Scheitel zurecht, kich die galten de» sauberen dunklen Hauskleides jerunter und klopfte bann an die Thür be» Nebenzimmer». (Fortsetzung folgt)