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öchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Ätde|* 3»&Sra6m» ta Jlluftrirtes Sonntagsblatt

Verantwortlicher Redakteur: Dr. H. W. Kühne in Marburg Redaktion und Expedition: Markt Bit

M 271.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Som- und Feiertagen^ Quartal-WonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnserationSgcbühr für die gespaltene Zelle »der deren Rmm 10 Pfg., Reklamm für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Freitag, 17. November 1893

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatter, sowie die Anuoucen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hanuover, PariSr

mm. Jahrg.

Zweites Blatt.

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Weihnachtsplauderei.

i.

Die WeihuachtsgescheuLe für «ufere Kinder.

Was eine Mese ohne Blumen, d» Menschenherz ohne Liebe ist, daS ist eine Weihnacht ohne KindeS- lust und Kiudesjnbel. Erst wen» die Hellen Stimmen ihr Wethuachtslied erklingen lassen, wenn eS hüben und drübenO du fröhliche, o du selige, guadeu- bringende Weihnachtszeit" wie Sugelgesaug ertönt md in seligem Entzücken die weichen Aermchen nnS umschlingen, flammen die WeichnachtSkerze» in ihrer ganzen Pracht. Dann lebe» in jedem Herzen die seligen Tage der eigenen Kindheit wieder ans, in denen auch die geringste» Gaben elterlicher Liebe unS aufs Höchste beglückten. Und wer selbst kein lieber Kind sein eigen nennt, der hüft leere Kinderhände Men und Hilst sorgen, daß es am Weihnachtsabende in keiner armen Kinder Kammer dunkel und kalt ist. Der Wethuachtsjubel klingt in dem Kinde weiter durch das lauge Jahr hindurch, bis wieder der Christ­baum tat Lichterschmucke strahlt.

In jeder kindergesegneten Familie wird jetzt eine sehr anmutige Schriftstelleret betrieben. Die kleine Gesellschaft fitzt und hockt bei einander und kalkuliert mit geheimnisvoller Miene am Wunschzettel. Ein Schaukelpferd! Es wäre des Leitest« seligstes Glück, aber Papa hat erst neulich bei der großen Kohlm- rechuung geklagt, daß das Geld liefe, als obs Beine hätte, und Mamas Wirtschaftsgeld wirst regelmäßig Defizite ab, aber sonst nichts. Das blonde Traudchen hat fich neulich beinah die Nase erftore», so hart­näckig lange hat sie dieselbe an das Glas der große» Hellen Schaufester des PuppeuladeuS gedrückt. Die braunlocktge Puppe mit dem blauen fpttzenbesetzten Kleide und den Goldkäferschuhen, beinah so groß wie Trude selbst ja wer die Puppe auf de» Wunsch- zettel setze» dürfte. Aber Unbescheidenheit wird be­straft und so figuriert de»u bald mtt de» großen eckigen Buchstabe» die lakonische sehusüchttge Notiz »Sine Puppe"; aber unter der Hand wird nach Wiegenpferd und der großen brauulockigen Puppe inttiguiert; jede Tante muß fich von dem Idol aller Nndltchen Hoffnungen erzählen lasfe« und traun, wenns am heiligen Abend klingeln wttd, steht doch wohl die Heißersehnte, von der kein Wunschzettel volle Knude geben wollte, unterm Christbaum.

In Summa, der Wunschzettel pädagogischerweise Mgewendet, ist ein erziehlich sehr nützliches Instrument. Es mahnt zur Bescheideuhett, zur richtigen Erwägung des Erreichbaren gegenüber dem Nötigen oder dem Wünschenswerten; ja, wie wir gesehen haben, er er­zieht auch zur Freudigkeit und schließlich ist er für die liebe Jugend eine Schretbübnng. Nun wtt

wünschen den Eltern nicht zu anspruchsvolle Wunsch­zettel und den Kleinen reiche Erfüllung. Das ist kein Widerspruch, richttg angefaßt, läßt fich beides vereinigen.

Der Luxus au Staderfpielzeug steigt von Jahr zu Jahr und übersteigt bald jede vernünftige Grenze. Für Mädchen find Möbel, Küchen und Puppen natürlich die Hauptsache. Sprechende Puppen find nichts Neues mehr, dagegen sah ich in einem Ge­schäft die Nachahmung in dem Puppenstaat so weit getrieben, daß zur PuppeuauSstattung einer meter- großen Brautpuppe sogar etue Sammlung zwölf- knöpfiger Handschuhe und ein halbes Dutzend seiden­gestickter Sorsets neuester Mode gehört. Eine ganz verrückte Neuheit bestand in einem Kohlkopfe mit Mufik. Unter de» Klängen einer sanft getragenen Melodie klappten die Kohlblätter ein wenig aus­einander, ein weißer Kauiuchenkopf streckte fich hervor, blinzelte mit de« Augen, zuckte mit den Ohren, zeigte die Zunge und verschwand wieder. Das geschmack­lose Zeug war teuer «ud als Geschenk oder Spiel­zeug ganz blödsinnig.

Aus einem thüringischen Distritt werden jährlich für 20 Millionen Mark Spiel» aaren ins Ausland geschickt. In einem der ärmsten thüringischen Ge- birgSdörfer sah ich einmal, wie dort die Allerärmsten für die riefige Spielwaarenbranche thätig waren. Daheim schnitzten Vater und Bruder die kleinen Holzfiguren: Hirten, Schafe, Pferde, Wagen aus leichten Holzarten deS heimatlichen Gebirgswaldes. Die kleinsten Kinder suchte» tat Walde und an den Bergabhängen die ganz feinen Gräser, etwas größere stopfte» mtt den gedörrte» Hälmchen die von der Mutter und den ältere» Mädchen auS rosarotem Baumwolleuzeug zusammevgenähte» Puppenbälge ans. Vom 5 jährigen Kinde, deffe» feine Fingerche» die kleinste Arbeit machen konnten, bis zu der zitternden Hand der halbtaube» Großmutter, wäre» alle Familieu- Mitglieder damit beschäfttgt, Puppen zu stopfe» und Holzschäfchen zu schnitzen für einen Tagt lohn, der fich nach wenigen Pfennigen berechnet.

In diesen Waldgebttgsdörfer» fitzt die bitterste Armnt, die mim fich denke« kann. Wie viel Sorgen und Thräneu kleben an dem lustige« Hampelmann auS diesen Händen. Vergeblich haben die Behörden in viele» Fällen die Gebirgsleitte zur Auswanderung iu die wohlhabendere Ebene zu veranlaffe« gesucht. Die menten Leute sind zu energielos, sich aus den hungrigen Verhältniffeu herauszureißen; sie hängen auch zu innig an der armen unwirtlichen Heimat und gehn lieber an Eutttäftung und andauernden Entbehrungen zu Grunde.

Die Kindergeschenke teilen fich in zwei Gruppen: Spielzeug und nützliche Sachen. Bei dem Spielzeug hat man darauf zu achten, daß der erwähnte ttnange messeue Luxus vermieden wird und besonders, daß den Kindern nicht Unschönes und Geschmackloses ge­geben wttd. Schlichter Spielzeug soll man schenken,

wenn es angeht, von der Att, daß das Kind selbst damit spielend arbeiten tarnt, Spielzeug, das nicht über Puppe und Zinksoldaten, über Küchengeschirr und Steinbaukasten hinausgeht, gute Bilder «ud frische belehrende Geschichten auS dem Kinderleben oder dem Leben der Völker, treffliche Schilderungen gewaltiger Naturscenen, damtt das Mud die Erhaben­heit der Schöpfung ahne, Sttzzeu aus dem Tier­oder Pflanzenreiche, daß eS auch vor dem Kleinleben in der Natur Pietät empfinde, Beschreibungen von Heldenthateu, Weltteisen, Biographie« großer Männer und last not least religiöse Bücher. DaS ist's, was wtt den Kindern geben sollen, um verklärte Auge» und brave Herzen zu schaff«! Diese pädagogische Theorie entzieht deu Klein« ebeuso- wenig, als fie d« Großen erspatt; aber fie adelt das Schenken indem fie'S mit dem Denken verbindet. _____________________________H. W. K.

Vermischtes.

Berlin, 15. Nov. Ein Großfeuer wütetegefiern morgen in der Lvxuspapierfabrik von Hagelberg, Marieustraße. Das Quergebäude, wo zahlreiche Arbeiterinnen und Kontroleure beschäftigt find, ist teils gänzlich ausgebrannt, teils vernichtet. Die Arbeiterin Martha Gutschow ist schwer, Marie Jahn leicht verletzt. Die rastlos thättge Feuerwehr hatte um 10 Uhr die Gefahr für die Nachbargrundstücke bewältigt. Die Fabrik ist mehrfach versichert.

Schueidemühl, 15. Nov. Der Magistrat und die Stadtverordneten beschlossen, wenn die Ar­beiten BeyerS bis zum Sonnabend erfolglos bleib«, das Projett des Oberbaurats Freund ausführen zu lassen, wonach der Brunnen mit Sand und Erde auSgefüllt werd« soll, worauf dann eine Lage von Faschinen und Sandsäcken geschichtet werden soll; auf das gesamte Brunneuterrai« soll schließlich eine Sandaufschüttung gehäuft werde», deren Gewicht den Wasserdruck aufhebt.

Görlitz, 15. Nov. Nach einer Meldung des »Neuen Görlitzer Anzeiger" hat das Kaiser Wilhelm- Denkmals-Komttee beschloss«, d« »ach Enichtung deS Kaiser Wilhelm-Denkmals übrig gebliebene» Ueberschuß zur Errichtung eiueS Denkmals für den früher« MtegSminister Graf« Roou zu verwenden. Dasselbe soll nach dem Entwurf des Bildhauers Johaunes Pfuhl tu Charlottenburg auSgeführt werden.

Kreuznach, 15. Novbr. Einen Mordversuch auS Eifersucht führte vorgestern Abend der 19jährige Bäckergeselle Emmerich aus Newyork auf offener Sttaße aus, indem er auf seinen Rivalen, den Fischer Wirt, einen Revolschnß abgab, der glücklicher Weise nur den Kopf streifte. Darauf bedrohte der Atten­täter daS Dienstmädchen seines Herrn mit Erschießen. Dieses rettete sich durch die Flucht. Er wurde ver­haftet.

Wien, 13. Nov. Nach einer der »Poltt. Corresp." zugehenden Meldung har der Sultan dem König von

Würtemberg als Gegengesch«k für ein Paar Wagen­pferde iu dies« Tag» zwei Paar arabische Zuchthmgste nebst Muttcrstutev geschenkt.

Amsterdam, 14. Nov. Die wenige Stund« von hier bei Mydeu gelegene Pulvermühle ist iu die Lust geflog«. Zwei Leichen wurden bereits gesund«; es werd« noch mehrere Menschen vermißt.

(Schwarze Häuser.) AuS Warschau wird geschrieben: Der Ober-Polizeimeister G«eral Klejgels hat vor einig« Tag« eine in ihrer Art einzige Verordnung erlassen, welche das Datum vom 11. Oktober 1893, Zahl 8721, trägt. Zu dieser Verordnung heißt eS: »Alle Hauseigentümer find verpflichtet, ihre Häuser vou unten mtt heiter« Färb«, wie z. B. grün, rot oder blau, zu bemalen, um dem Volke leinen Anlaß zu Demoustrattone» zu geben." Zur Erklämug dieser Verordnung muß erwähnt werd«, daß alle Häuser iu Warschau feit viel« Jahren vou unten mtt einem breiten schwarz« Strich bemalt find, um die Häuser vor dem Sttaßeufchmutz zu beschützen. Diese schwarze Schutzfarbe wurde vou einem aus Petersburg nach Warschau dienstlich delegiert« höher« Beamten Übel vermertt, indem er darin den Ausdruck einer allgemein« Trauer erblickte. Dies genügte und uun müffeu die Häuser iu Warschau ein »heiteres Kleid' anlegen!

Eigentümliche Jagdergebnisse werd« von der am Freitag und Sonnabend abgehaltm« Hubertusjagd der Weißenburger Offiziere gemeldet. Ein reichsläudisches Blatt veröffentlicht darüber fol­genden Bericht:Erlegt wurden am erst« und best» Tage von 54 Jägern 13 Rehe, 80 Hasen, 2 Füchse, 3 Bussarde und 2 Häher. Nächstem wurde auch der Stabsarzt Dr. G. augeschofsm, so daß der an Daumen und Schenkel Verletzte setther daS Bett hüten muß."

Musikwerke erfreu« fich in neuerer Zeit in den weitesten Familienki eisen einer allgemeinen Beliebtheit und mit Recht, denn die Fabrikation ist jetzt in Bezug auf Ton, Haltbarkeit und äußere Ausstattung so west fortgeschritten, daß fie jede andere Musik ersetz« und auch sonst jedem Salon zur Zierde gereichen^ Die altrenommierte Firma H. Behrendt, Musst-Jnstrnmenten-Fabrst in Berlin ^., Friedrichstraße 160, welche tnBerlin da« größte Lager von Musikwerk« besitzt, versmdet jetzt gratis und franko ihre soed« neu erschienene, reich illustrierte Preisliste aller nur existierenden Musikwerke: Polyphon, Syrnphonion, Pianophon, Musikamornateu in allen Großen, Herophon, Manopan, Akkordeons, Akkoidzsther rc. :c. Wir wollen hiermit noch aufmerksam mach« auf ein n ueS, au8 dieser Fabrik hervorgegangenes Mufikwerk, eS ist die B e h r en d t i n a mit wechselbaren Noten, welcher die Musst schön, volltöuig und exakt erz«gt und an Tonfülle mit den teuersten Musik­werk« touturrieren kann. Die Behrendtia eignet sich hauptsächlich für Tanz- und Unterhaltungsmusik und sollte daher in keiner Familie fehlen, zumal der Preis von Mk. 16,50 nebst 6 Notenscheiben für daS elegant auSgestattete Musikwerk ein sehr billiger ist. Westere Notenscheib« zum Preise von 36 Pfgi find in großer Auswahl Vorhand«, darunter die neuesten Musikstücke. Die Behrendtina dürfte fich hauptsächlich zu einem passend« Weihnachts­

geschenk eign«.

Das Neueste «i> Eleganteste «

Oberhemden, Kragen, Manschetten, Chemisetten, Nachthemden etc.

Sämmtliche Artikel werden auch einzeln abgegeben«

K»»» aaeh Maass unter Garantie des guten Sitzes (Anfertigung in Berlins -mpft-tztt («048

OTTO PABST, Marburg, Wettergasse 41.