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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchham
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D«ck «rd »erl«,. 3^Au^S^KUMerfMS^-Buchdmckerti in Morbmg. Jllnftrirtes Sonntagsblatt. Veranlwörtlich«^R^akteur.
Zweites Blatt.
Vermischte-.
— (Landung eines BallonS.) Der am 10. d. MtS., früh 5,35 ht Charlottenbmg bei Berlin aufgestiegene Ballou „Phönix" landete nachmittags 4,17 bei LaueufSrde a. d. W. in durchaus glatter Weife. An Bord befanden sich Premier- Leutnant Kroß als Führer der BallonS «nd Herr Berfo« vom Meteorologische» Institut zur Ausführung der wiffenfchastlichen Beobachtungen, denen bekanntlich dieser Ballon dient. Zur Beobachtung der zahlreichen Justrnmente während der Stunde vor Soaneuauf- gaug führte man von Accumulatoreu gespeistes elektrische» Licht mit. Die die Erde zunächst völlig verdeckende Nebelschicht war schon in 200 m über- wnude« und in voller Reinheit strahlten den Luft- schifferu die Sterne und später die Sonne, die glühend, durch die Refraktion rieseuhast vergrößert und verzerrt, kurz nach 7 Uhr über dem Wolkeumeer auftauchte. Äteressante Ergebnisse hatten die Temperatur- Md FeuchtigkeitSmefsungen, erstere nahm stark zu, über der Nebelschtcht zunächst letztere ungemein stark ab. Der Ballou, bessert Stellung durch Peilung nach dem schon um 8 Uhr fichtbaren Brocken im Allgemein« dauernd bestimmt werden tarnte, erreichte um 3 Uhr über Einbeck schwebend seine größte Höhe von 4100 m. Die Temperatur war hier bis auf — 13° gesunken, die Feuchtigkeit auf 0. Die die Erde verhüllende Nebelschicht verschwand dicht vor dem Harze, der in prachtvoller Klarheit Tausende von Metern unter den Füßen der Luftschiffer lag. Kegen Souuenuntergang beschloß mau, vor dem Solling zu landen, indeffe» schien dem Führer des BallonS die Gegend zu unwirtlich, er entschied sich daher, nachdem der Ballou schon fast die Erde erreicht hatte, noch einmal zu steigen, um das bereits sichtbare Weserthal zu erreichen. Das Manöver gelang, der Ballou ging tadellos sicher dicht vor der Weser bei Lauenförde vor Anker und war bald mit Hülfe zahlreicher Menschen entleert, verpackt und auf der Station aufgegeben. Die Größe deS Ballons bettägt 2600 cbm, sein Gewicht 16 Ztr. Die Luftschiff« übernachtete» tat nahe» Beverungen und kehrten am folgenden Tage nach Berit» zurück.
— (Ein denaturierter Wuuderbruuuen.) WaS der Erlaß des Bischofs Boldizsar an die Seelsorger der Umgebung, die Kanzelpredigten der letzteren, ja sogar Behörde und Gendarmerie nicht erreichen konnten, das hat dieser Tage ein guter Einfall des Malaczkaer Oberstuhlrichters Nagy bewirkt. Der Gairtager „ Wunderbrunne»" hat seit Monaten den Behörden viel Kopfzerbrechen bereitet, weil aus Niederösterreich, Mähren mtb Ungarn wöchentlich Tausende von Menschen in großen Prozessionen zu dem „Wuuderbruuuen" kamen, um dort Heilung von allen möglichen Leiden zu suchen u»d zur Muttergottes, welche im Brunnen angeblich wiederholt gesehen wurde, zu beten. Oberstuhlrichter Nagy kam nun dieser Tage auf den glücklichen Einfall, ein ganzer Faß Creoliu in de» Brunnen gieße» zu lassen. Gleichzeitig ließ er die Heiligenbilder und Gebettafeln, welche au bett Bäumen um bett Wunderbrunnen angebracht waren, entferne» und übergab sie dem Gairtager Pfarrer zur Aufbewahrung. Gleichzeitig mit dem Oberstuhlrichter war eiu Gendarmerie-Leutnant mit 20 Mann in Gairiug erschienen. Die Gendarmerie besetzte sämtliche nach Gatring führende Straßen, um die von allen Seiten kommende» Prozesstone» abzuhalte». Trotzdem waren in der folgende» Nacht abermals ca. 700 Menschen beim Brunnen. Da aber das durch Ereoli« denaturierte Waffer uicht nur ungenießbar war, sonder» überdies dem Brunnen auch ein fürchtlicher Geruch entströmte, so war es bei den Slovaken mit der Schwärmerei für de» „Wunderbrunnen" bald vorbei. Das Volk nennt ihn jetzt den „Teufelsbrunnen."
— (Modedummheit.) Unter dem verschämten Jncognito eines „Glockenrockes" — so schreibt die Wiener „D. Ztg." — hat stch nun richtig seit mehreren Monaten daS, waS man ftüher „Reifrock" oder „Krinoline" nannte, wieder in die Gunst tutfcier Damen eingeschmuggelt. Diejenigen, welche ta ihrem arglosen Gemüte der Hoffnung Raum gaben, daß diese „Renaissance" nur vorübergehend sein werde, find nun schmerzlich enttäuscht, denn anstatt bet de» Damen zu verschwind«, haben fich die Glockenröcke nun auch bei den Herren eingebürgert. Das soll beileibe kein schlechter Witz sein; jeder Ringstraßen corso bestätigt die Thatsache, daß nunmehr auch die Herr« wandelnde Glocken find. Lautet doch das Recept für eiu« hochmoderne»
elegante» Wtaterrock: Der Krage» soll breit uad ungeschlacht sein, wie bei den Kaputröck« unserer Urgroßväter: von d« Achselhöhlen abwärts soll der Rock die Form eines KegelstutzeS aufweis«, soweit alS möglich über die Waden abwärts reich« und am unteren Rande einen Umfang haben, daß ein fürsorglicher Vater bei Schneegestöber seine beide» jüngsten Sprößliuge bequem darunter bergen kann. Bei kinderlos« Herr«, oder solchen Vätern welche diesen „ Nützlichkeitsstandpunkt" nicht einnehmen, schlängelt fich der untere Teil ta anmutigen wellenförmigen Falten um die Beine.
— (Schonzeit für — Krokobile!) Die Regierung von Florida hat eine Schonzett für die Alligatoren dekretiert, während der eS verboten ist, auf diese Tiere Jagd zu machen und fie zu töten. Die Krokodile, die biS vor wenig Jahre» nur für poetische Vergleiche weg« ihrer Thränen verwendet wurden, werden jetzt in riefigen Mengen alljährlich getötet, da mittlerweile ihre Haut ta der Ledergalanterie zu einem wichtigen Materiale geworden ist. Dadurch find in manchen Flüssen Floridas die Krokodile fast ganz verschwunden, dafür haben aber die Wasserratten so zugenommen, daß fie alle Felder und Waldungen verwüste». Das hat nun die Regierung von Florida veranlaßt, für die Krokodile eine Schonzeit festzusetz«. Ob nicht bei dm alten Aegyptern ähnliche Gründe maßgebend waren, welche dafür sprachen, das Krokodil als „hellig* zu erklären?
— (Bedenkliches Zeichen.) „Du, Hedwig, freue Dich, Mama hat eben einen Brief erhalten: Großmutter kommt nächste Woche." — „O weh, da bekommen wir gewiß wieder eine» kleinen Bruder I*
Litlerarifches.
— Georg EberS, der Liebling der deutschen Leserwelt, wird auch dieses Jahr nicht verfehlen, seine zahlreichen Freunde und Verehr« mit einer neuen Gabe seines nie rastenden, jugendlich frischen Geistes zu erfreue»; Wie wir soeben erfahren, erscheint demnächst in der Deutschen VerlagS- Anstaü in Stuttgart ein Roman au» seiner Feder, betitelt „Kleopatra". Wie schon der Titel andentet, ist die berühmte Aeghterin dieses Namens die Hauptheldin dieses Werkes, und um ihr merkwürdiges Lebensschicksal gruppiert fich ein großartiger, kulturgeschichtlicher Stoff, zu besten lebensvoller Gestaltung allerdings niemand berufener war al» Georg EberS.
— In dem neuesten (3.) Hefte von „Zur guten Stunde" (Beilin W. 57, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Preis des VierzehntagShesteS 40 Pfg.) erörtert
Georg Buß die Prinzipien, die btt Mode und der Kunst der Toilette zu Grunde liegen. Karl A. Tavaststjnna br- schreibt Helfingborg und Göteborg. P- Barthel hat diesen Artikel Uustriert. Paul Dobnt schildert die Drestur de» Hundes auf den Mann und Carl Kappsteta erläutett diese Dressur durch Bilder. W. Gallenkamps prächtige Schilderung „Zwischen Erde und Sonne" wttd allen Freunden bet Naturwissenschaften willkommen sein. Im illustrative» Tell ist bte große farbige Kunstbeilage zu «wähnen, bie Profi Eschke'S großes Gemälbe „Leuchtturm auf b« Klippe" wiebergiebti Die Gratisbeilage, bie „Illustrierte Klasstker- bibliothek", enthält bie Fortsetzung von L. Uhlanb's Dichtungen.
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Frankfurta.Dfi, 13;November. (Viehmarkfi) Der heutige Viehmarkt war mit 409 Ochsen, 86 Bullen, 926 Kühen, Rindern und Sti«en, 376 Kälbern, 1503 Hammeln, 864 Schweinen befahren. — Die Preise stellten fich wie folgt: Ochsen 1. Qualität Mk. 66-68, 2. Qual. Mk. 52-58. Bullen 1. Qual. Mk. 41 -43, 2. Qual. Mk. 38 -40. Kühe, Rinder und Stiere 1. Qual. Mk. 48—52, 2. Qual. Mk. 30—38. Alles per 50 Kilo Schlachtgewicht. Kälber 1. Qual. 65-70 Pfg., 2; Qual. 55—60 Pfg. Hämmel 1. Qual. 50-53 Pfg., 2. Qual. 30-38 Pfg. Schweine 1. Qualität 62-63 Pfg., 2; Qual. 60-61 Pfg. Alles per '/> Kilo Schlachtgewicht.
Frankfurt, 13. Nov. (Getreide;) D« V«kehr war am heutigen Martte still. Von Brodfrüchten stand wohl Roggen in etwas lebhafter« Frage, doch erreichte d« Preis keine namhafte Besterung: daS Geschäft in Weizen war dagegen auf schwache B.darfsfragc unbedeutend. Gerste erste erhielt stch in Preis- und Absatzverhältnisten unver- ändert. Haf« bekundete bei knapper Offerte fortgesetzt feste Haltung. Mais blieb gut begehrt und fest behauptete ES netteren nach Qualität: Weizen, hiefig« und Wett«au« Mark 15 bis 15.50, kurhesfischer Mark 15.25 bis 15.50, norddeutscher Mark —, russischer Mark 17.75 bis 18.25, Laplata Mark 16.- bis 16.50, Kansas Mark 16.25 biS 16,75, Redwinter Mark 16.25 bis 16.50, Roggen, hiefig« Mark 13.80 bi» 14.10, Pfälzer Mark —.— bis —, russisch« Mark —.— bis Maik —, Gerste, auswuchsfreie Pfälzer Mark 18.50 bis 19;—, nicht auSwuchsfreie fränkische Mark 17.50 biS 18.—, ungarische Mark 18.50 bis 19.50, Hafer, hiefig« Mk. 16.50 bis 17.50, Württemberg« Mark —bis —, bayerischer Mark 17;— bi» 19.—, norddemsch« Mark 17.— bis 18.50, rumänisch« und türkisch« Ma k 16.50 bis 17.50, amerikanisch« Mk; 17.25 biS 17.75, Mais, mixed, Mark 11.75 bi» 12;-, DonaumaiS Mark 11.50 bis 11.80. Alles per 100 Kilo netto effektiv loco hi«.
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