MchWe Bcitano-
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain.
Drxck «ld Berfafl:Joh.Aug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei in Marburg (ÄL*****4-**44- Verantwottlicher Redakteur: Dr. Hi W. Kühne in Marburg.
Redaktion und Expedition: Markt 81. wPUlllUßvVl(ln> Redaktion und Expedition: Markt 21.
JE 260.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-AbonnementS-Preir bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnserationSgebühr für die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marbnrg,
Sonnabend, 4. November 1893.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoueen-Bnreaux von Haasmstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mofle in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u, Eo. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVIII. Jahrg.
± Biel Geschrei und wenig Wolle.
Eine Woche laug habe» die Delegierten der sqialbemokrattscheu Partei iu Köln getagt und über ihre Presse, über die Maifeier, über die Gewerkschaften, über de» Antisemitismus und über eine große Anzahl von Anträgen beraten. Was ist dabei herausgekommen? Zu den Gegenständen der Be-
: ratnug absolut nichts Neues. Iu Sache» der Mai- | stier beharrt die Partei auf ihrem alte» Stand- IM punkte: der 1. Mai soll allenthalben feierlich begangeu,
I gl jedoch soll die Arbeitsruhe au diesem Tage nicht zu
III erzwingen versucht werden. Die Partei erkennt an,
■" daß sie noch nicht mächtig genug ist, die allgemeine Arbeitseinstellung au diesem Tage durchzuführeu, weil mau überall, wo dieses Stück „Diktatur des U Proletariats" früher versucht worde« ist, nur ei» klägliches Fiasko erlebt hat. Die Debatte über die Gewerkschaften hing eng mit den Streitigkeiten ^zusammen, die seit Jahren innerhalb der Gewerkschaftsbewegung, über die beste Form der Organisation, »amentlich ob Zentral-, ob Lokalorganisationen geführt werden. Der Parteitag sprach i» einer Resolution sein Wohlwolle» für das Gedeihen der Gewerkschaften ans und lehnte eine» Tadel gegen die Parteiführer, daß sie sich nicht genug für die Gewerkschaften inter- esfierten, ab. WaS endlich de» Antisemitismus betrifft, so hält ihn beka»»tlich die Partei für den Sozialismus der dummen Leute; nicht das jüdische Kapital sei der Feind, sondern das Kapital überhaupt. Die Erfolge des Antisemitismus legen sich die Sozialdemokraten so zurecht, daß sie meinen, der AutisemitismuS verspreche den Handwerkern, Kauf- leuten, Bauern eine gute Zukunft durch Beseitigung drS jüdischen EinfluffeS, während die Sozialdemostaten bekenne» müßten, daß aufgrund der bestehenden Gesellschaftsordnung überhaupt keine Hilfe möglich sei. Auf dem Lande verrichte der AnftsemftiSmus die Vorarbeit für die Sozialdemostaten, zumal nachdem er »eben die Juden auch schon die Junker gestellt habe. Erst recht keine neue Erscheinung ist das
! persönliche Gezänk, iu daS auch iu Köln wieder die sachlichen Debatten über die Preffe unb die Gewerkschaftsbewegung auSarteten.
V So sehr nun auch iu bezug auf die sachlichen Ergebuiffe deS Parteitages das Wort: „Viel Geschrei tob wenig Wolle" zutreffen mag, so barf doch Eines niemals unterschätzt werden: daS unablässige Streben »ach Macht, und zwar nicht durch die Gewalt der Ideen, sondern durch die Gewalt revolutionärer Maffeu. Mit de» Idee» ist die Sozialdemokratie
•s“ 1” »T
Der gute Rnf.
Erzähluufl von Oskar Höcker.
jRachdmck verboten,) (Schluß.)
Als der Kantorssohn endlich im Bureau erschien' bewies dessen Atemlosigkeit, wie sehr er sich beeilt hatte. Er sah sehr vergrämt aus und zeigte große Aengstlichkeit. Nicht ohne Teilnahme hasteten die »licke von Vater und Sohn auf dem Eintretenden.
„Lasten Sie alle Scheu beifeite, Herr Rauch- schindel," ermutigte ihn Weber- »Was zwischen uns wrgefallen ist, gehört der Vergeffenheft an. Wieder- holen Sie jetzt nur schnell Ihre Angaben, den armen Ltlhanek betreffend."
Christel kam der Aufforderung in ausführlichster Leise nach.
„Sie haben mir noch etwas mitzuteilen," sagte ter Sternwirt, „das nicht weniger wichtig sein soll."
Christel bejahte.
Nachdem er sich geräuspert, begann er zu er-
stchlen.
Er hatte in jener Unglücksnacht zwischen zwölf tob ein Uhr das Städtchen erreicht und den kürzeren Leg nach seines Vaters Haus eingeschlagen. Ter- selbe führte nicht durch dar Städtchen, sondern aus m rückwärtigen Fahrweg, der sich unweit der Josten Villa von der Landstraße abzweigte und an iner Reihe von Gärten hinzog. So langte auch giftel bei dem Garten an, der Weber gehörte. Er blieb am Zaune stehen und gedachte wehmütig der Zeit, da er von Rosel noch gern gesehen worden >var, wurde aber aus seinen Träumereien durch Schritte gestört. Da er im Heimatsstädtchen nicht Äeich erkannt sein wollte, verbarg er sich unter das - «i Hieb erhängende Geäst einer aus dem Garten sich ***** weit vorbeugenden großm Trauerweide. Trotz der
längst fertig, das Erfurter Programm hat die Lehren von Marx am reinsten ausgeprägt, uud darüber hinaus giebt es für den richtigen Sozialdemokraten nichts zu denken. Daher die geringe Wolle, der Mangel geistiger Leistungen auf dem Parteitage. Aller Scharfsinn erschöpft sich in der Anwendung der geeignetste» Mittel, um immer neue Proletarierbataillone zu formieren.
Für de» Augenblick ist de» Sozialdemokraten die Ausbildung der Gewerkschaften als „Spezialwaffe" nicht so wichtig, als das Vordringen unter die ländliche Bevölkerung. Immer wieder kam mau in Köln darauf zurück, wie es am besten auzufangen sei, den Bauern und ländliche» Arbeitern den Haß gegen diesen Staat und seine Ordnungen beizubringen. Die Sozialdemokratie wird auf dem Laude in allen Gestalten erscheine», uur nicht in ihrer wahren als Feindin des Privateigentums und der Religion, als Vertreterin des großstädtischen Proletariats, mit dessen Hilfe die Führer die gauze Gesellschaft beherrschen wollen. Bebel erklärte in der Debatte über die Gewerkschaften rundweg: Nur eins kann helfen, die politische Macht für uns, die Soziademokraten.
Jede andere Partei sucht ihren Ideen Geltung zu verschaffen, jede andere Partei erkennt zugleich an, daß aus dem Wetteifer der Parteien in einsichtigem Patriotismus daS Gute entsteht; die sozialdemokratische ist, obgleich sie nur eine Klaffe von Bürgern vertreten will, die einzige, die nach unumschränkter Herrschaft strebt, einer Herrschaft, die nach aller geschichtlichen Erfahrung nur auf Verwirrung und Schrecken hinauslaufen könnte.
Deutsches Reich.
31 erlitt, 2. Novbr. Heute Vormittag empfing unser Kaiser im Neuen Palais den Prinzen Friedrich Leopold, hörte dann den Vortrag des Kriegsministers und arbeitete daraus mit dem Chef des Militärkabinetts. Um 11 Uhr 53 Mi», fuhr der Kaiser mit der Kaiserin »ach Berlin zur Begrüßung seiner Mutter, der Kaiserin Friedrich. Nachmittags hörte der Kaiser den Vorttag des Ministers der öffentliche» Arbeite» Thielen.
— Bei dem hetzerischen Treiben, in dem fich ein großer Teil der freifinnige» Preffe gegenüber der projektierren Tabaksteuer gefällt, ist eine unbefangene Würdigung des SteuerprojetteS von frei- sinuiger Seite nicht ohne Interesse: Der „Berliner Börsen-Kourier", ei» Blatt, das fich auch bei dem Kampf um die Militärvorlage sein sachliches Urteil
herrschenden Dunkelheit, die nur hin und wieder durch einen schwachen Sternenschimmer verscheucht wurde, wenn durch den tobenden Sturm die Wolkenschichten am Firmament zerteilt wurden, erkannte er doch, daß sich der daherkommende Mann ohne Ueber- zieher, in einem eleganten Gescllschaftsanzug befand. Dies erregte Christels Interesse. Der Fremde kam aus derselben Richtung, wie Christel kurz zuvor, und unwillkürlich folgte ihm der Kantorsohn vorsichtig nach. Er hörte, wie in der das Lechner'sche Grundstück abschließenden kleinen eisernen Pforte ein Schlüssel vorsichtig im Schloß umgedreht wurde. Der Fremde verschwand hierauf. Es konnte also nur der Eigentümer selbst gewesen sein. Was hatte diesen aber bewegen können, in leichtem Gesellschasts- anzug zu dieser Stunde, wie ein Dieb in der Nacht, nach seinem Hause zu schleichen? Nach einiger Zeit der Ueberlegung wollte Christel seinen Weg kopfschüttelnd fortsetzen, als er hinter der Mauer abermals Tritte vernahm. Er blieb nunmehr stehen, sich, so gut es ging, verbergend. Die Pforte ward vorsichtig aufgeschlossen, der Mann in dem Gesellschaftsanzug erschien abermals, und nachdem er den Schlüssel aus dem Schloß gezogen, trat er denselben Weg an, den er gekommen war. Christel folgte ihm nach. Bald nachher langte der Fremde, in dem nunmehr der Kantorsohn den Chemiker Lechner deutlich erkannt hatte, bei der Jost'schen Villa an. Er :iat durch die unverschlossene Gartenthüre, eilte über >en Kiesweg und stieg, zu Christels maßlosem Er- können, in eines der Fenster im Erdgeschoß. Dar Fenster war angelehnt und wurde von Lechner ge- räuschlos geöffnet. Die hellerleuchtete Beletage zeigte an, daß bei Frau Jost eine größere Gesellschaft stattfinde.
Hochverwundert stand Christel vor dem Eingang der Villa, nicht wissend, war er von alledem halten
bewahrte, stellt zunächst als begreiflich hi», daß die Tabakfabrikanten und -Händler fich gegen die geplante Steuer zur Wehr setzen und hebt hervor, man dürfe es ihnen nicht einmal übel nehme», wenn sie dabei übertrieben; fie wüßten selbst, daß man ihre Singen doch nicht wörtlich nähme. Dann fährt er fort: „Wenn jedoch politische Männer gegen die Tabak steuer Einspruch erheben und alle Argumente der Tabakindustriellen fich zu eigen machen, ohne gleichzeitig bessere Vorschläge zu empfehle», wie die nun einmal unbedingt erforderlichen Mittel für das Reich anfzubringen find, so erscheint uns bas tabelnswert. Der Bebarf ist ba, baS Reich muß zum minbesten um 110 Millionen Mark seine Einnahmen erhöhen, ja eine Erhöhung um 200 Millionen Mark ist bringcnb wünschenswert, damit die nicht länger auf- zuschiebende Kousolibiernvg bei RetchSfinanzen sich ermöglichen lasse. Doch sprechen wir zunächst nur von ben 110 Millionen Mark, bte unbebingt aufgebracht werben müsse». Es giebt keine Steuer, bie so reichen Ertrag t» Aussicht stellt, wie bie Tabaksteuer, unb es giebt keine Steuer, bk insofern gleich ihr ben Anforderungen bei Gerechtigkeit entspräche, bk oberen Schichten stärker zu belasten als bte unteren. Jnbem man bei ber Tabakfabrikatsteuer 33 Vs Proz. vom Werte beS Fabrikats erhebt, wirkt fie zugleich als eineLuxusstener." (Vergl. auch „Northeim" bk Reb.)
— In Bagamoyo finb, wie bas amtliche „Kolonialbl." mitteilt, in letzter Zeit wieber Gerüchte verbreitet gewesen, wonach Emin Pascha in Niangwe gesehen worben sein soll, ohne baß mau ben Ursprung betreiben hat bestimmt Nachweisen können. Mariano, bem langjährige» Begleiter Emin Paschas, ist über ben Aufenthalt beSselben nichts bekannt. — Heber bkfe Frage hat fich auch Mr. Stokes in einem von Ussongo, den 16. Mai b. I., datierte» Briefe geäußert. Danach hat er in Bnknbe, innerhalb des Gebietes bet Zwerge, »och einen eigen- hänbigen Brief bes Paschas vom 6. Oktober 1892 gesehen unb bort gehört, daß Emin mtt dem Araber Sef bin Abedi zusammen Kilonga Longa verlassen und sich nach dem Kongo gewandt habe. Mr. Stokes hat diese Mitteilungen nach seiner Ankunft a» bet Küste mündlich noch dahin ergänzt, daß er sich bis in ben Dezember hinein nicht west von bem One aufgehalten habe, wo nach Tippu Tipps Nachrichten bie Ermorbung bes Paschas stattgefnuben haben soll; er will aber nichts bavon erfahren haben. Ei ist beshalb ber Ansicht, baß bie Nachricht nicht richtig sein könne, ba ihm ein solches Ereignis jebenfalls
solle. Langsam kehrte er nunmehr auf bem verlassenen Wege zurück, und eben hatte er die Grundstücke des Sternwirts und Lechners passiert, als ein Heller Schein seinen Pfad beleuchtete. Erschreckt wandte er sich um und sah eine hochlodernde Flamme aus dem Dache des Warenmagazin» schlagen, das nur durch eine einfache Brandmauer von dem Heu- schöbet des Sternwirts gekeimt wurde. Wie in wilder Flucht jagte Christel davon, dem Hause seines Vaters zu. Der entsetzliche Verdacht, ber in ihm aufstieg, brachte ihn außer Fassung.
Der von der unerwarteten Ankunft seines Sohnes überraschte Vater geriet bei bem gleichzeitigen Feueralarm nicht minder in Bestürzung, die noch wuchs, al» ihm Christel seine nächtliche Beobachtung mit« teilte. Der alte Kantor wat zwar ein durchaus rechtlicher, aber auch ein ebenso ängstlicher Mann. Er fühfte fich von ben Honoratioren des Städtchens so sehr abhängig. Lechner besaß großen Anhang und konnte ihm viel schadm. Der Kantor gedachte mit Grausen der Möglichkeit, daß er so und so viele Schüler verlieren könne, wenn Christel plauderte. Et beschwichtigte daher den Sohn, der sofort An- zeige erstatten wollte, durch die Vertröstung, daß alles an den Tag kommen werde, auch ohne ihn, und daß e» dann immer noch Zett sei, sein Zeugni» abzulegen. Allein Christel fühlte fein Gewissen bedrückt, namentlich al» er von der Verhaftung Kal- hanek» und einiger Arbeiter der Lechner'schen Fabrik erfuhr. Ei hatte durch sein rachsüchtige» Gefühl über den Sternwirt und seine Familie viel Leid gebracht und wollte sein Unrecht dadurch wenigsten» einigermaßen gut machen, daß er Weber seine nächtliche Beobachtung offenbarte.
Jndessm gab der Kantor seinem Drängen nicht gleich nach, und al» e» endlich geschah, fürchtete
hiuterbracht worbe» wäre. Die überraschenbe Nachricht, »>k sie aus Ostafrika übermittelt worbe» ist, mag hier Platz stnbe», oh»e baß aus berselben irgenb welche Folgerungen zu ziehe» wäre».
— Das Kaiserliche Gesunbheitsamt macht fol- genbe Cholerafälle bekannt: In Tilsit 3 Neu- erkraukunge». In Berlin würbe bei einer Schlächterfrau, in Gartz a. O. bei einem Arbeiter unb beffen Stube Cholera nachgewiesen. In Grabow unb Warsow, Sreis Randow, je ein neuer Krankheitsfall. In Hitzacker, Sreis Dannenberg, langte ein Schiffer cholerakrank an. In Hamburg vom 27. Oktober bis 2. November vier Erkrankungen, bavon zwei mtt tätlichem Ausgang.
Mörlheim, 2. Novbr. Die 1893er Tabakernte, schreibt b. „H. C.", hängt unter Dach unb ist bei Weitem nicht so gut ausgefallen, wie man anfangs hoffen konnte. Die anhaltenb ttopffche Hitze im Juli hatte viele Pflanzen versengt, baS viele Nachsetzen war nutzlos, es blieben zahlreiche leere Stellen iu ben Tabakfelbern, nnb erst im Monate August bei einttetenbem Regen bekamen bie Pflanzen wieber etwas Mut zum Wachsen unb würbe bem Tabak, ber auf gutem, fettem Boden staub, wieber aufgeholfen. Viele Aecker blieben jeboch auch ba noch zurück, so baß bei ber Ernte, bie bkfe» Jahr fich sehr spät hiuzog, bis Enbe September du ganz verschiedenartiger Tabak geerntet wurde. Saum * 1 * * * V/3 kann man als gut bezdchnen, V3 als mittelmäßig, wogegen bas letzte Drittel nur ans kleine», schmale» Blättern besteht; also im Durchschnitt ist nur von einer halben Vollende die Rebe. — Der Tabaksban hat in unserer Gegenb keine so große Bebentung mehr, wie in ben Jahren vor Einführung ber Steuer, 1870 bis 1879, nnb in ben zwei ersten Jahren ber Tabaksteuer, 1880 bis 1881, wo erst bk sogenannte Staffelsteuer (ä Zentner 10 unb 15 Mk.) bestaub. ES würben in biesen 11 Jahrgängen in unserer Gegenb jedes Jahr burchschnittlich 30 000 bis 36 000 Zentner Tabak geerntet. Nachbem aber 1882 bie volle Gewichtssteuer in Sraft ttat (ä Zentner 22i/, Mary, ging eS stufenweise zurück, unb touibe der Anbau von Jahr zu Jahr weniger, so daß in de« letzten drei Jahren nur noch burchschnittlich 10000 bis 11000 Zentner geerntet tourben, bezw. zur Versteuerung kamen. In bem Erntejahre 1893 wird nur bie Höhe von 7000 bis 9000 Zentner erreicht werben für bie Steuerbezirke Göttingen, Northeim unb Einbeck. Amerika kann viel billiger probuzieren, als unsere Tabakbauem in hiesiger Gegenb. Es ist beShalb ein Bebürfnis, baß enblich Hülfe geschaffen
Christel eine Begegnung mtt dem Sternwirt. Aber das klopfende Gewissen ließ ihm keine Ruhe und er brachte, nachdem er schon Willy Frank allerlei Andeutungen gemacht, den Vater dahin, zu feinen Gunsten bei Weber zu intervenieren.
Nunmehr hatte er dem Letztem fein Herz aus- geschüttet, und er atmete frei aus. Ohne Einwand begleitete er den Sternwirt zu dem Staatranwalt, um dort seine Aussage zu wiederholen und nötigenfalls auch eidlich zu erhärten.
Frau Jost war in hohem Grade überrascht, als sie noch an dem nämlichen Tage einen Besuch des Staatsanwalt» erhielt. Derselbe erkundigt fich sehr genau über jenen Gesellschaftsabend und namentlich herüber} wie lange Lechner der Gesellschaft beigewohnt habe.
„Bi» zu ber Zett," gab die Rendanttn zur Antwort, „da wir alle durch den Feuerlärm erschreckt würben und ein Jedes nach Hause eilte."
„Und während de» ganzen Abends hat Lechner die Gesellschaft nicht verlassen?" examinierte ber Staatsanwalt weiter.
„Nur für etwa eine halbe Stunde," bemerkte Frau Jost. „Er klagte über Migräne, und ich bat ihn selbst, sich ein wenig zurückzuziehen. Damit ihn das Klavierspiel und der Gesang nicht störe, begleitete ich ihn in eine» unserer Parterrezimmer."
„Und als er dann wieber zum Vorschein kam, war da sein Anzug nicht berangiert?"
„Ich kann mich nicht besinnen."
„Wer hält die Wege im Garten in Ordnung?", fragte der Staatsanwalt nach kurzer Pause von neuernd
„Unser Gärtner "
„Ich ersuche Sie, den Mann herbeirufen zu taffen."
Nach dem Erscheinen be» Gärtner» warb da» Verhör fortgesetzt. Derselbe erinnerte fich, in dem