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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg nnd Kirchhain

Verantwortlicher Redakteur: Dr. H.. Kühne in Marburg- Redaktion und Expedition: Markt 21.

Druck und Verlag:Joh. Aug. Koch, UniverfitätS-Buchdrnckerei in Marbnrg- 'ff****4-*Ä <*** 4-**ftf*f z*4-4-

Redaktion und Expedition: Markt 21. ^$UU|lTUW£

Erscheint täglich außer au Werktagen nach Sonn- und

-/» a-rt Feiertagen. Quartal-Adonnements-PreiS bei der Expe-

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sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Ä ,

, o ~ Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Men; Rudolf XXVIII. 5>abra

Drenstaa 31. Oktober 1893. Mosse in Frankfurt a. M., Berlin, München u- Köln; G. L- * XJ *7 d

° Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Paris-

In letzter Stunde!

Auf?nr MHI!

Während es in der letzten Zeit den Anschein gewann, daß Herr Dr. Böckel seine Kandidatur im Kreis Marburg zurückgezogen hätte oder doch auf seine hiesige Wahl kein Ge- k wicht mehr legte, zeigt ein heute hier verbreitetes Flugblatt, daß Herr Dr. Böckel seine hiesige Kandidatur voll und ganz" aufrecht erhält und seine Anhänger zum energischen Ein- tteten für seine Wahl im hiesigen Kreis auffordert.

Es ist deshalb doppelt notwendig, daß unsere Freunde morgen ohne Ausnahme am Platz sind und keiner es versäumt, seine Stimme den Wahl­männern zu geben, welche eintreten wollen für die Wahl des

I' Herrn lnndrnt Tritt m Suh, welcher, wie die Verhältnisse ein­mal liegen, allein Aussicht hat, gegenüber Herrn Dr. Böckel den Sieg davon zu tragen.

Insbesondere richten wir in letzter Stunde an alle Wähler der Stadt Marburg, die Herrn Dr. Böckel nicht für einen geeigneten Vertreter unseres Wahlkreises im Landtag halten, die dringende Mah­nung, sofort für unsere Wahl­männer einzutreten und nicht durch eine kaum zu verantwottende Zer-

Aer gute Ruf.

Erzählung von Oskar Höcker- fRachdruck verboten-^ (Fortsetzung-)

Der Gnade der reichen Manne« hatte er er zu verdanken, daß er in diesem engen Raume noch verweilen durfte; dar Licht, das da brannte, war von de» reichen Manner Gelde gekauft. Kalhanek löschte es schnell. Nein, nein, nein er wollte der Gnade dieser Menschen nicht- mehr zu verdanken loben, die da oben in ihren behaglichen Zimmern so ruhig schliefen, wie wenn sie von ftüh bi» spät nur Guter thäten und kein schlimmer Gedanke in X ihrem Herzen keimte.

Der Sternwirt erfreute sich allerdings eines gesunden, festen Schlafes, den die Mühen des Tages mit sich brachten. Er pflegte gewöhnlich erst zu erwachen, wenn der alte Jugel an die Thür seines Schlafzimmers pochte und ihm in seiner trockenen Weise verkündete, daß es Zeit zum Aufstehen sei. Aber in dieser Nacht fuhr der Sternwirt jäh von seinem Lager empor. Er hatte von einem schweren Gewitter geträumt, da« sich über dem Städtchen entlud und verheerender Gewalt wütete.

Endlich erwachte er aus dem schweren Traume

Seine Blicke richteten sich starr auf das Fenster, das nach dem Hof hinaus ging. Setzte sich der Traum in der Wirklichkeit fort? Es blitzte wahr« hastig doch nein, der grelle Schein dauerte an, flackernd, in unheimlicher Röte.

Der Sternwirt sprang von seinem Lager empor, zum Fenster hin.

Jesus Maria!* kreischte er entsetzt auf.

Aus den Dächern der Hintergebäude schlugen lodernde Flammen empor, deren Glutspitzm von

splitterung das Wahlergebnis in Frage zu stellen.

Fraktionsintereffen sollten hier zurückstehen!

Pünttliches Erscheinen zur Wahl morgen Vormittag 10 Uhr ist unerläßlich und zwar für alle Abteilungen! Es wird sofort in die Wahlhandlung eingetreten. Die früher vorgefchriebene zeittaubende Verlesung der einschlagenden gesetz­lichen Bestimmungen vor Beginn der Wahl ist weggefallen.

Keiner verlasse, wegen der etwa vorzunehmenden Stichwahl, vor der endgiltigen Feststellung des Wahl­ergebnisses in seiner Abteilung das Wahllokal!

Werden, was hier, abgesehen von der ersten und dritten Abteilung des 10. Bezirks, überall der Fall ist, in einer Abteilung zwei Wahlmänner gewählt, so sind die beiden Namen von dem aufgerufenen Wähler als­bald hinter einander zu nennen!

Auf W Wahl!

Das Mahlkomitee

f. d. Wahl d. Hrn. Landrat Trott zrr Solz in der Stadt Marburg.

e. Rassenhaß und politischer Haß.

Offiziell wird sowohl von Seiten Rußlands, als auch Frankreichs mit bemerkenswerter Geflisienheit betont, daß die Russenfeste nur zur Befestigung des europäischen Friedens dienen sollten und dienen würden. Was von diesen offiziellen Versicherungen zu halten ist, braucht nicht erörtert zu werden. Was das französische Volk von der ganzen Geschichte hält,

Dem nächtlichen Sturme sich drohend nach dem Vorder­hause richteten.

Von der Straße her ertönten bereits alarmierende Feuerrufe, in die der Sternwirt einstimmte. Schon wurde an das Hausthor geklopft; aber auch aus der Ferne ertönte dasselbe Geräusch. Es mußte noch an einem andern Haus Einlaß begehrt werden.

UeberaH ward es nun im Hause lebendig. Auf Der Treppe stieß der fassungslose Sternwirt auf Rosel, die jammernd und die Hände ringend aus dem obern Stockwerk kam.

Wo ist Selma?* brachte Weber nur mühsam hervor-

Sie rafft alle notwendigen Sachen zusammen*, erwiderte Rosel atemlosSie hat mich geschickt, um nach Dir zu sehen.*

Sie folgte dem Vater nach dem Erdgeschoß.

Jugel hatte bereit« das Hofthor und die Haus- thür geöffnet. Die erste anlangende Spritze Bedienungsmannschaft raffelte in den Hof, auch er» schienen zur Aufrechthaltung der Ordnung mehrere Schutzleute.

Alle unsere Leute sollen Han» anlegen!* rief der Sternwirt feister jüngeren Tochter zu, währmd er selbst nach dem Burau eilte, um den Inhalt des Geldschrankes und die wichttgsten Papiere zu retten.

In der Lechner'schen Fabrik brennt8 ebenfalls!* tönte es vom Hofe her.

Der Sternwirt sah durchs Fenster. Richttg, auch drüben schlug die feurige Lohe empor, die der rasende Sturm so unglücklich führte, daß von ihr bereits das Hauptgebäude ergriffen war.

Rosel, die in ihrer Angst sinnlos hin und her rannte, erschien jetzt wieder im Bureau.

Wenn nur Konrad da wäre,* bannte sie,daß

das deutet der MarqniS Castillane imGaulois* an, wenn er schreibt:Jede Herausforderung und Beschimpfung gleich dem Fall Schnäbele ist nunmehr unmöglich, da wir vollkommen gegen den Angttff gewappnet find. Das bedeutet die russische Allianz, die, obwohl eine Friedeusliga, notgedrungen eines Tages zur Kriegsliga werden wird.*

Wtan findet häufig in den Blättern die Meinung vettreten, die Deutschen seien im Grunde den Fran­zosen gar nicht so verhaßt, wie man allgemein glaube. Ja, häufig wird noch weiter gegangen und behauptet, die Demschen seien den Franzosen viel sympathischer als Engländer ober Italiener. Leider vergessen die betreffenden Blätter, stichhalttge Gründe für ihre Behauptung beizubriugen. Sollten sie etwa die An­sicht eines Polttikers teilen, der in einem deutschen Blatte als Beleg für diese Behauptung die Sym­pathie den Franzosen für die Elsaß-Lothrtngen an­führt, so beweist das nur beiderseitige völlige Un­kenntnis der ftauzöfischen Verhältnisse.

Die Behauptung, die Franzosen nährten gegen die Deutschen nur einen politischen Haß wegen der Annexion des Elsaß, dagegen keinen Nationalitäts- Haß, ist grundfalsch. Gerade das Verhalten gegen­über Elsässern, Schweizern und Oesterreichern, d. h. wenn man so sagen darf unpolitischen Deutschen, zeigt deutlich, daß die Franzosen außer dem diplo­matischen Haß gegen die siegreichen Deutschen eine gewisse Anttpothie gegen alles Deutschtum empfinden, mag es sich nun um deutsche Sprache, deutsche Kunst und ßttteratur, deutsche Sitten ober beutsche Charakter­eigenschaften hanbeln. Selbst der Elsässer wächst ihm nur bann ans Herz, wenn er ganz im Frauzosentum aufgeht, wenn er bie französische Sprache accentfrei spricht, bie französische Küche bem germanischen Sauer­kraut vorzieht unb seinen Bierburst von ber heimischen Moaß* auf ben mikroskopischen PariserBock* rebuziert.

Wenn in ben ZeÜnngen bann weiter behauptet wirb, Englänber unb Italiener seien ben Franzosen als Rasse mehr zuwiber als bie Deutschen, fo werfen sie bie zwei Dinge zusammen, bex politischen Haß unb ben Raffenhaß. Es besteht gegenwärtig un­leugbar ein politischer Haß gegen Englanb wegen seiner Haltung gegenüber bem Dreibuube, unb ebenso gegen Italien, weil es sich ins Schlepptau Deutsch- lanbs begeben hätte. Aber aus biesem politischen Haß ist bis jetzt, abgesehen vielleicht von der Kon­kurrenz, welche italienische Arbetter beu ftauzöfischen in einigen Industriezweigen machen keine Ler­

er unfern Leuten sagen könnte, was sie thun sollen. Auf mich hören sie nicht, sie find nur auf Rettung ihrer eigenen Habe bedacht.*

Der Kalhanek ist ja noch da,* gab der Vater zurück, emsig dem Packen eines Koffers beschäf- tigt.Sag' ihm, er solle die Leute um sich ver- sammeln.*

Rosel eilte hinaus, gleich nachher aber kam sie mit der Nachricht zurück, daß Kalhanek nirgends auf­zufinden sei.

Er hat doch in seinem Zimmer übernachtet,* rief der Sternwirt.

Rosel zuckte die Achseln.

Der Kalhanek ist spurlos verschwunden," er­tönte jetzt die Stimme des alten Jugel von der Schwelle der offenstehenden Thür her.

Im Hose warm bereits zwei Spritzen thättg. Gleichwohl reichte ihre Kraft nicht aus, den Feuer­herd einzuschränken, den der Sturm rapid ausdehnte. Weitere Spritzen konnten jedoch nicht aufgestellt werden, da das Feuer im Lechner'schen Etablissement noch stärker Miete und dort reiche Nahrung fand. Die Flammen, hatten nicht nur daselbst die Vorräte von Stroh erfaßt, welche zur Emballage der glä­sernen, mit Säuren und Alkalien gefüllten Ballons dienten, sondern auch den Weg zu den brennenden Stoffen im Laboratorium gefunden. In diesem Raum erfolgte Explosion auf Explosion, infolgedessen weitgehende Riffe in den Mauern entstanden, bis schließlich das Gebäude einem donnerähnlichen Krach in sich zusammenbrach.

Die durch diesen Zusammensturz überall hemm­fliegenden und durch den Sturm weüer geführten Feuerbrände entzündeten leider auch den Dachstuhl des Sternwirtshauses. Nunmehr war dem Feuer keinerlei Einhalt mehr zu thun, trotz aller Be­

folgungswut gegen alles, was englisch ober italienisch spricht ober beult, entstanden.

H Man nehme beispielshalber Erkrnann-Chartriaus DramaDie Rantzau*, das vor Jahren in der Comedie Franchise mit Beifall gegeben wurde. Da hat man Elsässer unb Elsässerinnen, welche die Komposition eines elsässischen Schulmeisters zusammen singen. Es wäre also natürlich, baß hier deutsch gesungen worden wäre das war aber keineswegs der Fall, eS wurde teils französisch, teils lateinisch mit der bekannten entsetzlichen Aussprache des Lateinischen gesungen. Noch eklatanter ist der Fall mit den Ita­lienern. Bis in die letzten Jahre hat in Paris eine italienische Oper bestanden, in der bedeutende franzö­sische Komponisten, wie Massonet unb Theodor Du­bois ihre Werke in tiefer fremden Sprache zur ersten Aufführung brachten. Man denke sich hier daS Italienische durch das Deutsche ersetzt und Jedermann wird sofort fühlen, daß her Gegensatz zwischen Frank­reich und Deutschland sehr viel heftiger ist, als der zwischen Frankreich einerseits und England und Italien andererseits. Es ist ja wohl anzunehmen, daß dieser Haß ans dem politischen Haß seinen Ursprung hat daß er aber nicht bestehe wäre allzukähn zu behaupten.

Diese Umstände dürfen ttotz, ober vielmehr eben wegen ber offiziellen Friedeusverficheruugen bei Ge­legenheit ber ftauzöfischen Russenfeste nicht vergessen werben. Sehr bezeichnend ruft in der Beziehung Bacqueri imRappel* den Russen zu:Auf Wieder­sehen, Brüder, bei uns, bei Euch oder anderswol*

Deutsches Reich.

N erlitt, 29. Oktober. Während des gestrigen Morgens arbeitete der Kaiser mit bem Chef bes Militärkabinetts General ber Infanterie von Hahuke unb bem Chef bes Generalstabes General ber Kavallerie Graf von Schlieffen I. Die Kaiserin kam gestern Abenb vom Neuen Palais nach Berlin, nm mit bem Kaiser der Vorstellung im Schauspiel- Hanse beizuwohnen. Der Kaiser ließ gestern bem Reichskanzler ein prachtvolles Porträt, welches ben Kaiser in ber Uniform ber Gardes du Korps barstellt, für baS Reichskanzlerpalais überreichen.

Der Herzog von Sachsen-Kobnrg traf gestem auf ber Wildparkstation ein, empfangen vom Kaiser und sämtliche» Prinzen. Am Bahnhofe war eine Ehrenkompagnie des 1. Garde-Regiments aufgestellt, in deren Front ber Kronprinz unb Prinz Ettel Friedrich standen. Der Erbprinz von Sachsen- mühungen der freiwilligen Feuerwehr. Erstickender Rauch erfüllte bereits das ganze Treppenhaus.

Im Hofe unten lief alles wirr durcheinander. Die drohende Gefahr hatte die Köpft der Haus­bewohner verwirrt, niemand wußte, was zu thun fei.

Inzwischen hatte Selma mit großer Hast alle transportabeln Wertgegenstände in die ihr zur Ver- sügung stehenden Körbe gepackt. Bei ihrem Eifer bemerkte sie das rasche Umsichgreifen der Flammen nicht. Sie hatte keine Ahnung davon, daß bereits der oberhalb ihres Zimmers beginnende Dachstuhl brannte. Um fo größer war der Schreck, als ihr jetzt beim Oeffnen der Zimmerthür dunkelfarbige Rauchschwaden entgegen drangen, vor welchen sich das bedrohte Mädchen entsetzt flüchtete. Sie stürzte zum Fenster und schrie um Hilft.

Der Vater und Rosel rangen verzweifelt die Hände. Sie hatten in ihrer namenlosen Verwirrung Selmas vergessen.

Um des Himmelswillen,* schrie der Sternwirt, das Treppenhaus ist ja schon bedroht! . . . Rettet rettet mein Kind!*

Mit weit aus ihren Höhlen tretenden Augen starrte er die ihm Zunächststehenden an. Dieselben eilten sofort ins Haus, kamen aber nur zu bald ber Schreckensbotschaft zurück, daß sie durch den dicken Rauch nicht mehr hindurch zu kommen ver­möchten.

Der unglückliche Vater bat und flehte, aber selbst die beherztesten der Feuerwehrmänner wagten er nicht, durch den erstickenden Rauch hindurch da« Rettungswerk zu unternehmen.

Schnell die Rettungsleiter her!* rief einer der Führer der Feuerwehr. Es war Willy Frank.

(Fortsetzung folgt.)