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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Dr»ck «ld «erlag. <^pedition^M«VLu"^^^ *" ”"6"1 Jllustrirtes Sonntagsblatt. Redaktion und Expedi^'n^M^tt ^21/
250.
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Marburg,
Dienstag, 24. Oktober 1893
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Men; Rudolf Mosse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVIII. Jahrg.
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+ Die österreichische Wahlreform.
Es ist eine eigenartige Situation, daß die dre vom Grafen Taaffe selbst als gemäßigt und als die berufenen Stützen feiner Regierung bezeichneten Parteien eS ablehnen, gerade in der eutscheideusten Wendung, welche seine Politik jemals gemacht hat, ihm zu folgen. Wie in allem, sagt mit Bitterkeit die „N. Fr. Pr.", welche die Wahlreformvorlage bis aufs Mester bekämpft, wie in allem, was dieser Staatsmann bisher unternahm, das Gegenteil von dem eingetreten ist, was er beabsichtigte oder doch als feine Absicht verkündigte. Wie er in der nationalen Frage anstatt zur Versöhnung zum Ausuahmszu- staude gelangt ist, so steht er vun anstatt vor der dreibeinigeu Majorität vor der dreibeinigen Opposition, und wenn nicht Oesterreich der Schauplatz dieses beispiellose« Schiffbruches wäre, so könnte deinen Augenblick länger ein Zweifel darüber bestehen, daß der Träger und Urheber einer so auf allen Schlachtfeldern unterlegenen Politik sich zurückziehen und Männern von größerer Voraussicht Platz machen wüste.
Die Opposition gegen das Projekt des Grafen Taaffe dauert im übrigen an. Dieser Tage sprach Dr. Weitlof, der Obmann des deutschen Schulvereius und uiederösterreichischer Landtags abgeordneter, über die Vorlage. Er verglich dieselbe mit jenem Strick, den ein Sultan nach alttürkischem Brauch einem Wesir sende, wenn er mit demselben unzufrieden sei, damit er sich daran aufhänge. Einen solchen Strick habe Graf Taaffe den deutschen Bürgern und Bauern gesendet. „Ich glaube aber nicht, daß wir Lust haben werden, uns daran aufzuhängen". Gegen die tzerauzithnng der Arbeiter zum politischen Leben sei prinzipiell nichts eillzuwenden. Allein dies müffe durch Einfügung der Arbeiter in die Interessen ver- iretnng geschehen, da durch das allgemeine direkte Wahlrecht das nationale Interesse der Deutschen in Oesterreich schwer geschädigt werden würde. Es sei Pflicht der deutschen Abgeordneten als Vertreter des deutschen Volkes, immer, bet jeder Gelegenheit des öffentlichen Lebens zu ftageu: Nützt das unserem Lolksthum oder schadet es ihm?
Die oben zitierte Andeutung der N. Fr. Pr., der Ministerpräsident müßte sich angesichts der allgemeinen Opposition, auf welche sein neuestes Werk stößt, zurück- ztehen, ist und bleibt nach den Kundgebungen aus dem Regierungslager ein schöner Gedanke der Liberalen. Wir ersehen dies aufs neue aus einer heute bekannt- gegebenen Darstellung des offiziösen Magyar Ujsag über die augenblickliche politische Lage Oesterreichs
auf Grund von Mstteilungen betreffs der Anschauungen des Grafen Taaffe, welche von hochstehender, autoritativ unterrichteter Seile herrühren. Die Zeitung erklärt, Graf Taaffe würde im Falle der Verweigerung der Genehmigung der Ausnahmeverfügungeu in Böhmen jedenfalls dem Kaiser die Auflösung des Reichsrats und die Ausschreibung der Neuwahlen Vorschlägen. Der Kaiser werde entscheide», wer mit der Leitung der Neuwahlen im Falle der Auflösung des Reichsrats zu betrauen sei. Graf Taaffe genieße das unverminderte, vollste Vertraue» der Krone; obgleich der Ministerpräsident sich nicht an den Besitz der Regierungsgewalt anklammere, und wenngleich er nach erst kürzlich überstandener Krankheit und fünf zehnjähriger ununterbrochener Amtsthätigkeit erholungsbedürftig fei, so werde dennoch das Verbleiben Taaffes an der Spitze des Ministeriums vo» de» Wünschen des Kaisers, sowie von der Auffassung des Pflichtgefühls seitens des Kabinettschefs abhängig sein. Angesichts der Schwierigkeiten, welche infolge der Wahlrefoim-Vorschläge der Regierung entstanden seien, könne der Ministerpräsident feinen Posten nicht freiwillig verkästen. Jedenfalls fei das Drängen oder das Drohen der für ihren Besitz an Mandaten fürchtenden Parteien wirkungslos. Die Regierung hoffe, in der Plenarberatung über die Wahlreformvorlage über ein erreichbares positives Resultat sich zu verständigen. Die Regierung hoffe auch, sich über die Wahlreform mit den Deutschen zu verständigen, wen» sie auch mit der Eventualität rechne» müsse, daß die Durchführung der Wahlreform unter Um« ständen nur nach Durchführung der Neuwahlen thunlich sei» werde.
Die Krisis spitzt sich indessen mehr und mehr zu und wird vermutlich zunächst, trotz aller gegenteilige» Behauptungen, die Auflösung des Abgeordnetenhauses und Neuwahlen herbeiführen. In welcher Weise aber, vollends nach de» Neuwahlen, eine Verständigung mit den Deutschm über die Wahlreform herbeigeführt werden soll, das bleibt vorerst das Geheimnis des eben zitierten offiziösen Pester Blattes.
Die Offiziösen des Grasen Taaffe schweigen ihrerseits auch nicht. So läßt fich die Montagsrevue u. a. wie folgt vernehmen: „Dreiundzwanzig Wahlreformanträge lagen dem Abgeordnetenhaufe vor, die Diskussion darüber war bereits auf die Tagesordnung gefetzt und im Laufe derselben wußte ein Moment eintreten, in welchem die Regierung um ihre» Standpunkt besagt wurde. Gras Taaffe ist dem zuvorgkkomrnen, indem er die Wahlreformvorlage des Ministeriums einbrachte. Nur mit Blindheit
geschlagene Politiker konnten fich im Grunde des Herzens mit der Hoffnung tragen, die Aktion, obwo' von allen Seiten eingeleitet, werde mit einer schöne» Redeschlacht abgethan sei» und der gegenwärtige Zustand der Dinge unverändert aufrecht erhalten bleiben; die Regierung mußte fich sagen, daß für fte, wenn sie etwas thuu wolle, der jetzige Augenblick der geeignete fei; denn später, wenn die Demonstafionen auf die Gaffe oder vor das Parlament getragen würden, müßte sie fich ablehnend verhalten, weil die Autorität des Staates niemals kompromittiert werden darf. Es ist nicht wahr, daß die Wahlreformvorlage ein Kind der allerletzten Zeit, eine gegen die deutsche Linke neugeschmiedete Waffe sei; der Ge danke beschäftigt die Regierung seit Jahresfrist, und selbst seine Formulierung ist nicht erst in den letzten Tagen entstanden."
Deutsches Reich.
Berlin, 21. Oktbr. Uns er Kaiser hat in der Angelegenheit Paasch von den zuständigen Minister» abschließende juristische wie ärztliche Gutachten eingefordert. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht anläßlich des 50jährigen Militärjubiläums des Königs von Sachsen einen längeren Artikel, in welchem es heißt: „Ebenso wie das sächsische Volk, nehmen Kaiser, Fürsten und Staaten deS Reichs herzlichen Anteil an dem Ehrentage des königlichen Jubilars, dessen hohe Verdienste um die Wiederherstellung des Reichs im Herzen des Volkes und in den Annalen der Geschichte einen ruhmvollen Platz cinnehmen." Der „Reichsanzeiger" bringt alsdann einen Rückblick au die bisherige Laufbahn des Königs.
— „Wenn man's so hört, wöcht'sleidlich scheinen:" daß nämlich die gegenwärtigen F l o t t e n f e st e „dem Frieden dienen", wie die Staatsmänner, die anderen Hauptteilnehmer und die Presse in Paris, Rom und London aufs eifrigste versichern. Beruhigter darf man sein, wenn die Friedensfeier glücklich ihr Ende erreicht hat. Und auch die Diplomaten, ob sie es gleich jetzt nicht gestehe», werde» dann aufatmen. Kann es eine Zusammenkunft zu friedlicherem Zweck geben als einen „Friedens Kongreß?" Was Gambetta von der Revanche sagte: „Immer daran denke», aber nie davon sprechen!" das sollte auch vom Frieden gelten. Es wird zuviel vo» ihm gesprochen, allzu bestimmt seine Beständigkeit außer alle Frage gestellt. Wäre es selbstverständlich, weshalb so unzählige Beteuerungen ? — Deutschland hat einen Flottenbesuch m Italien unterlaffen und dient damit dem Frieden
am besten. Denn daß im anderen Fall die ftanzöstsche» Flottenfeste einen demonstrativeren Charatter erhalten hätten, unterliegt kaum einen Zweifel. England beeilte fich, durch den gesamten Chor seiner Presse zu verkünden, es stehe nicht im Bündnis mit Jalie». Es ist ein eigentümlicher Parallelismus, daß England und Rußland auch bei dieser Gelegenheit die Verbindung mit anderen Mächten in Abrede stellen.
— Von verschiedenen Blättern war letzthin gemeldet, der Reichstag werde am 21. November zusammen» trete». Wie die „Kreuzztg." hört, ist ein Beschluß über de» Termin noch gar nicht gefaßt, doch dürste er jedenfalls später liegen. Man nimmt an, daß dem in de» allerletzten Tage» des November zusammen» berufenen Reichstag »och vor dem Etat die Handelsverträge mit Spanien, Rumänien und Serbien zur Beschlußfassung unterbreitet werden sollen.
— Am Montag treten die Finanzminister der am Weinbau besonders interessierten Bundesstaaten zu einer Konferenz im Reichsschatzamt zusammen.
— Dem Vernehmen der „Allg. Mil. Corresp." nach wird in nächster Zeit unter dem Vorsitz des Prinzen Albrecht von Peußen die Landesverteidigungskommission zusammentteten.
— Gegenüber der von neuem in der Preffe auftauchenden Behauptung über ungewöhnlich große Marineforderunge» kann die „Nordd. Allg. Ztg." auf Grund zuverlässiger Nachrichten versichern, daß der Kaiser auS eigenster Entschließung im Hinblicke auf die Lage der Reichsfinanzen den Marine- Etat in dem von der „Nordd. Allg. Ztg." bereits berichteten Umfange beschränkt hat; auch die Befürchtung vor der Uebernahme besonders hoher Verpflichtungen für die Zukunft ist unbegründet.
— Die „B. B.-Ztg." berichtet: Als Steuervorlagen werden dem Reichstage zugehen die Tabakfabrikatsteuer, die Weinsteuer und die Börsensteuer. Daß man die Weinsteuer durchbringen werde, glaubt man im Schooße der Regierung kaum mehr, wird aber natürlich bis zum letzten Augenblick die Hoffnung nicht aufgeben, daß die Gründe der Re» gierung die Reichsboteu überzeugen werden. In die Börsensteuer ist gewissermaßen auch schon die Quittungssteuer ausgenommen, wenigstens soweit es sich um Frachtbriefe handelt. Weiteres wird »och beraten.
— Eine Volksversammlung, worin die Vege- arier die Gründung einer neuen „naturgemäßen" ozialen Partei beabfichtigte», ist ergebnislos bei» aufen, da die Sozialdemokraten dagegen protestierten. Ebenso verlief die Versammlung der „freien vege» tarischeu Vereinigung" stürmisch.
Der gute Rrrf.
Erzählung von Oskar Hocke&
^Nachdruck beiboten.]
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Ich wundere mich," begann Frau Jost nach
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(Fortsetzung.)
Konrad trug das Mißgeschick des Hauses am ergebensten. Seine Freunde und Bekannte zogen sich Mr auch von ihm in auffälliger Weise zurück, «och fragte er wenig nach ihnen. Besaß er ja doch ® Olga ein Herz, das ihn verstand und mtt ihm Wie. Er hatte ihr alles ehrlich und offen mit gtteilt, und fie war vernünftig genug, auf das Gerede der Leute nichts zu geben. Noch schwankte fie hin und her, ob fie die Mutter ins Vertrauen ziehen Mte, als Franz Lechner ihr zuvorkam.
Er erzählte der Rendantin die Vorfälle im «eberschen Hause in einer so ironischen Weise, daß Zuhörerin in eine hochgradige Erregung geriet, eie wollte sich sofort hinsetzen und dem Sternwitts- »hn einen Abschiedsbrief schreiben, doch Konrads «esuch enthob sie dieser Mühe.
_ Olga trat mit ihm zugleich ins Zimmer, und Mrmd fie mit kühlem Gruß an Lechner vorüber- Mitt, näherte sich Konrad Frau Jost, um ihr die «and zu küssen.
Die Rendantin zog dieselbe aber ungnädig zurück. v ^enge Frau sah furchtbar gekränkt aus; selbst |T| Pincenez auf der Nase schien fich vor dem Ai ^igen Blick der Augen zu fürchten, denn es fiel I * *9 wiederholt herab, trotzdem es die Eigentümerin immer
te such« wieder fest auf die Nase klemmte/ uzeu, J . —•_.......w,
1 Pa ^en nervösen Zuckungen, „Sie noch einmal hier *“ sehen, Herr Weber Nach dem, was in Ihrer unilie vor fich gegangen ist, hätte ich die billige ickficht von Ihnen erwarten können, uns mit
„Mutter!" rief Olga erschreckt, während Konrad äußerst betreten zurückwich.
Ein strafender Blick Frau Jost's legte der Tochter Schweigen auf.
„Gnädige Frau," begann Konrad nach einer Weile, während welcher er sich mühsam faßte, „ich weiß nicht, wodurch ich Ihre so herben Worte verdient habe. Daß die Verlobung meiner Schwester mit Herrn Frank zurückgegangen ist, wird Jeder bedauern, der es mit unserer Familie gut meint Jedenfalls aber liegt darin kein Grund, sich die wetteren Besuche des Bruders der bedauernswerten Braut zu verbitten "
„Ihre Schwester," erwiderte die Rendanttn, „ist jedenfalls von Ihnen Allen am meisten zu bedauern. Sie können aus diesen meinen Worten entnehmen, >aß die Gründe, welche mir den Abbruch unserer Beziehungen mit Ihnen wünschenswett machen, anderswo zu suchen find "
„Jedenfalls habe ich dann die Berechtigung," erwiderte der vor Erregung zitternde Konrad, „von Ihnen zu fordern, mir diese Gründe zu nennen."
„Wollm Sie fich nur an Herrn Doktor Lechner wenden," gab die Rendantin kurz zurück, indem fie auf den verlegen lächelnden Chemiker wies, „er kann Ihnen darüber ausführlich berichten."
Konrad wandte den Blick auf Lechner. „Nun?" Tagte er nach kurzer Pause „Wollen Sie nicht die Güte haben und beginnen?"
»Du mein Himmel," erwiderte dieser, die Achseln >och emporziehend, „wozu soll ich Ihnen erst wieder- rolen, was doch schon die Spatzen von den Dächern ingen •
»Ich bitte dennoch darum."
»Wenn Sie durchaus darauf bestehen ... das >«ßt, ich übernehme selbstverständlich keinerlei Ver
antwortung für die Gerüchte, laut denen das von Ihrem Herrn Vater erworbene Vermögen nicht eben in einer — einer — sagen wir: lautern Weise, erworben worden sein soll, und —"
„Es giebt keine größere Feigheit," unterbrach Konrad, dessen ganze Bitterkeit, die fich in seinem Herzen festgesetzt hatte, jetzt durchbrach, „als den Ruf unbescholtener Menschen auf bloße Gerüchte hin, ohne jegliches Beweismaterial, zu untergraben."
„Je nun," meinte Lechner boshaft, „derartige Gerüchte werden nie aus der Lust gegriffen, es ist immer etwas daran."
„So? Glauben Sie?" stieß Konrad zornig hervor. „Sollte dann wohl auch an dem Gerüchte etwas fein, das in unseren Geschäftskreisen über einen hiesigen Industriellen zirkuliert?"
Tiefe Röte überzog Lechners Antlitz. Er warf einen gistsprühmden Blick auf Konrad, der unbeirrt öttfuhr:
. „Es soll mit dem Herrn stark abwärts gehen. Es heißt — ich nehme natürlich auch keine Verantwortlichkeit auf mich — er habe an der Börse unglücklich spekuliert und sei dadurch in Zahlungschwierigkeiten geraten. — Würden Sie, Frau Ren- >ant, wenn dieser Mann in Ihrem Hause verkehrte, »hm gleichfalls die Thür weisen?"__
„Ich weiß nicht," antwortete die Dame, „was Sie mtt Ihrer rätselhaften Rede bezwecken. Ich ann Ihnen daher nur erwidern, daß nach meinem Rechtsgefühl ein großer Unterschied zwischen einem Manne besteht, der durch ungünstige Verhältnisse in Verlegenheit gerät, und einem andern, der nicht in eben ehrenhafter Weise seinen Reichtum erworben hat. Hoffentlich genügt Ihnen diese Auskunft."
„Vollkommen, gnädige Frau," kam es kalt über Konrads Lippen.
Er verneigte sich leicht und schritt der Thür zu.
Doch Olga, die ihre Thränen nicht länger zurück, zuhalten vermochte, kam ihm zuvor und rief im Tone der Verzweiflung:
„Nein, nein, so darfst Du nicht von hier gehen I"
Er faßte zättlich ihre Hand und sagte, auf die Mutter deutend:
„Ich bin hier in einer Weise angegriffen war- den, die mir ein längeres Verweilen nicht gestattet I"
„Aber Mutter," rief Olga unter neuen Thränen, „willst Du denn mein Glück ganz mit Füßen treten ?"
»Eben weil ich Dein Glück will," versetzte die Rendanttn scharf, „habe ich so gehandelt. Ich freue mich, daß Herr Weber Ehrgefühl genug besitzt, das unerquickliche Gespräch abzubrechen und fich zurückzuziehen."
„Das heißt," rief Lechner dem fich entfernenden Konrad nach, „wir sprechen noch mit einander, ver- ehrter Herr!"
„Ich stehe Ihnen jederzett zu Diensten," er- wwerte Konrad noch, der nunmehr das Zimmer rasch verließ.
Olga stand einen Augenblick wie betäubt da, >ann rang fte verzweifelt die Hände, und mit einem dljen Aufschrei stürzte fie Konrad nach. Die Be- fehle der Mutter, welche fie zurückriefen, verhallten ungehört.
„Treten Sie der armen Kleinen nicht zu schroff entgegen," bat Lechner. „Sie vermehren dadurch nur ihren Trotz."
»Sie soll und darf aber nicht länger mit diesem Gastwirthssohn verkehren!" rief Frau Jost erzürnt.
„Das wird ja auch geschehen," äußerte Lechner beschwichtigend, „da er Ihr Haus nicht mehr betreten