Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
^Redaktion^ünd Expedition^Mar^Ä!'^"^ Jllustrirtes Sonntagsblatt. ^Redaktion und Expeditto'n: Markt$2U 8
ja 239.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Som- und Feiertagen. — Ouartal-Abonnements-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bchcllgeld). JnserationSgebühr für die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Mittwoch, 11. Oktober 1893.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatter, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfutt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. SDL, Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVIII. Jahrg.
Die Wahlaufrufe der Konservativen, der Nationalliberalen und des Zentrums.
Die von den Konservativen, den Nation alltberale» imd dem Zentrum erlassenen Wahlauftufe gebe» einen Einblick in die Ziele, welche diese Parteien bet den bevorstehenden Wahlen und in der fünfjährigen Ge- setzgebungLperiode, für welche jetzt daS Abgeordnetenhaus gewählt werde« soll, verfolgen, indem sie zugleich auf die bisherige Thätigkeit des Landtags einen Rückblick werfen. In letzterer Beziehung kann es nur augeuehm berühren, daß alle drei Parteien in dem Urteil über die soeben zum Abschluß gebrachte Steuerreform übereinstimmen.
Mit Recht heißt es in dem konservativen Wahlaufruf, daß es sich zunächst darum handeln werde, die in der verflossenen Legislaturperiode geschaffenen großen Organisationsgesetze sich einleben zu lassen. Auch der nattonalliberale Wahlaufruf erkennt dies an, indem er eS als eine der wichtigsten Aufgaben deS neuen Landtags bezeichnet, „die Ausführung der im Reiche wie in Preußen erlaffenen Gesetze in einem wahrhaft volksfrenndlicheu Sinne zu überwachen"; nur wird dieses Ueberwacheu in erster Linie Sache der Staatsregierung sei».
Gleichwohl fehlt eS in allen drei Wahlaufrufen nicht an neuen Forderungen für die Zukunft. In einem Punkte aber stimmen sie auch in Bezug hieran überein: „die Erhaltung und Förderung der Mittel- llassen unserer ländlichen und städtischen Bevölkerung" wird von den Konservativen, „gedeihliche Entwicklung des Erwerbslebens unter gleichmäßiger Wahrnehmung der Interessen von Landwirtschaft, Handwerk, Industrie «ab Handel" von den .Nationalliberale», „die Förderung des Wohles der Handwerker und Arbeiter, die Befestigung des Grundbesitzes, die Besserung der landwirtschaftlichen Verhältnisse, die Erhaltung eines gesunden Mittelstandes" von dem Zenttum gefordert. Werden hier auch im Einzelnen die Meinungen über die Mittel und Wege dazu auseinandergehen, so rietet doch die gemeinsame Richtung ein Feld der Thätigkeit, auf welchem die Parteien sich zusammen- sinden könne».
Daneben aber werde» andere Ziele in de» Vordergrund gestellt, welche das Bestrebe» bekunden, neue Kämpfe auf dem Gebiete der Schule hervorzurufen. Der konservative Wahlaufruf will diese Kämpfe folgerichtig — da eben vorläufig keine Zeit für de» Erlaß neuer organisatorischer Gesetze vorhanden ist —
Am Aerensre.
Roman von Hella Limpurg.
sNachdruck verboten^
(Fortsetzung)
Der Tod der jungen Frau von Thielen und die damit verknüpft gewesenen geheimnisvollen Umstände bildeten eine Zeit lang das Gesprächsthema in allen Kreisen der Umgegend; man flüsterte und kombinierte, verwarf und bestätigte — und kam der Wahrheit doch nicht allzu nahe.
Ob und wie ein Drama am Hexensee gespielt, wurde niemals ganz klar, nur die Leute munkelten ron jenen Fieberreden der Freiftau, welche fich rühmte, „die Spanierin" umgebracht zu haben.
Als jedoch das Fieber nachließ, wurde fie still, ß> still, daß es Annemarie unheimlich erschien und fie den Arzt darüber befragte.
„Meine gnädige Gräfin," erwiderte dieser achsel- Mckend, „so wird es von nun an immer bleiben; Me Freifrau kann sich nie mehr zu voller, geistiger Kraft und Frische erholen, jährlich wird e» bergab gehen, und unser einziger Wunsch darf stets nur fein, daß fie nicht allzu alt in diesem Zustande werden möge *
Anfang Dezember rüstete fich Rudolf zu einer Heise, zu Annemaries wortlosem Entsetzen; doch in nner Gegenwart drängte fie stets tapfer das Wort kr Klage zurück, welches auf ihre Lippen treten wollte: es mußte ja fein.
„Annemarie," sagte er eines Tages, als fie tHein durch den entlaubten Park schritten, „sage wir eines, aber offen, ich bitte Dich darum: soll ich Reiben oder reisen?"
, Ihr Herz zuckte auf, ihr »nttitz leuchtete in Higer Freude, und schon streckte fie chm beide Hände entgegen; da kam noch rechtzeitig der Ver-
für eine spätere Zeit Vorbehalte». Um so stärker betone» die anderen beiden Wahlauftufe ihre auf diesem Gebiet weit auSeinandergkhenden, fid; direkt bekämpfenden Bestrebungen. Diese« Kundgebungen könne» wir indeß keine« anderen Wert beimesseu als den, die Wähler zu einer entschiedeneren Stellung gegen die andere» Parteien zu beeinfluffen. Die Prinzipien, welche sowohl die Nationalliberalen wie das Zenttum aus dem Gebiete der Schule befolge», find hinlänglich bekannt; es fragt sich nur, ob die Zett dazu angethau ist, die bestehenden Gegensätze und Kämpfe zum Austrag zu bringen. Dos Bedürfnis großer Eile hierfür muß in Abrede gestellt werden, und jedenfalls wäre es im Interesse der Sache besser, wenn fich die aufgeregten Leidenschaften erst wieder mehr beruhigten, als daß fie von Neuem angefacht werden. Nur als Waffe im Wahlkampf sollte aber die Schul frage nicht benutzt werde».
Was sonst noch au kirchenpolittscheu Wünsche« von dem Zentrum vorgetrageu wird, wollen wir nicht näher erörtern; desgleichen nicht die von den National- liberalen erhobene Warnung .vor „Rückschrittlern" und „reaktionären Beschränkungen": es find dies Ausschmückungen der beiderseitigen Programme, von denen man sich eine gewisse Wirkung verspricht, die aber in den wirklichen Verhältnissen nicht begründet find. Die Gefahren, die uns bedrohen, liegen auf einer ganz anderen Seite: es sind dies die demagogischen Bestrebungen, wie fie in einer besonderen Form auch bei uns hier zu Tage treten. Gegen diese Bestrebungen vorzugeheu, sollte Sache aller derer sei«, welche die in denselben liegenden Gefahren für unsere fernere Entwickelung erkennen. Hierauf hin mögen die Wähler prüfen, nicht aber fich hiervon durch andere Bestrebungen ablenken lasse». Damit schließe» wir die über de« Wahlaufruf der Konservattven zwischen dem hiesigen „Tageblatt" und uns entstandene Polemik.
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Oktbr. Unser Kaiser ist gestern Abend kurz nach 8 Uhr unter dem Jubel der zahlreich herbeigeströmten Menge von Trakehnen abge- :eist. Als fich der Zug in Bewegung setzte, stimmte ras Publikum die Nationalhymne an. Die Ankunft in Eberswalde erfolgte heute Vormittag 103/4 Uhr. Dort traf der Kaiser mit Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin zusammen und setzte nach herzlicher Be- grüßung die Weiterreise zu Wagen nach Jagdschloß tand und legte ein kühles Veto ein. Sie wurde blaß und senkte das Haupt, ihre Finger schlangen ich ineinander, ihre Brust atmete schwer."
„Reise!" sagte fie endlichhalblaut, „es ist bester so für Dich und für mich — aber, wenn ich Dich rufen sollte, dann hast Du mir versprochen zu kommen."
„Du schickst mich selbst fort, Annemarie?"
.Ja," sagte fie, und schon klang die Stimme fester, „ich will — auf den Frühling warten, denn 6 kann doch nicht immer stürmen — endlich wirst Du wiederkehren."
„Und Dein Talisman begleitet mich von neuem," er nahm die bebende kleine Hand und legte fie auf ein Herz, „wenn ich heimkehre, Annemarie, bekomme ich dann einen andern fürs ganze Leben?"
„Ja, Rudolf, fürs ganze Leben," rief fie bewegt, und bann schritten sie Hand in Hand dahin durch ren kalten Novembersturm — im Herzen blühte der Frühling auf, denn nun sollte es doch noch licht werden für die beiden Schwergeprüften.
Rudolf hatte feine Reise nach Italien angetreten. Auf einen strengen Winter, in dem die Freifrau nur wenige klare Tage gehabt hatte, war endlich der Frühling gefolgt. Annemarie weifte am Krankenbett der Schwerkranken zusehends hin. Ein neuer Kummer war auf ihre Schultern geladen. Die Kräfte der Freiftau nahmen zusehends ab.
, .Ich muß dringend bttten, gnädige Gräfin," meinte der Arzt eines Tages beim Fortgehen, als er die Kranke noch unruhiger als sonst gefunden, .die Freiftau keinen Augenblick allein zu lasten! Bei der feit einiger Zeit eingetretenen nervösen Unruhe kann man nicht wissen, ob fie nicht einmal — Hand an fich legen möchte"
Bon diesem Augenblicke an ließ fie die Freiftau
Hubertusstock iu der Schorsheide fort. Dort gedenken die Majestäten eine» mehttägige» Aufenthalt zu nehmen. — Der Kaiser stellte den Kronprinzen von Italien ä la suite seines in Metz garnisonierenden Königs-Infanterie- Regiments Nr. 145.
— Die Trauerfeier für den verstorbenen General v. Versen, wttd morgen, Dienstag, stattfinden. Die Beisetzung erfolgt am Donnerstag Mittag 12 Uhr in der Familiengruft in Krampe. Als Todesursache wurde durch Oeffnung der Leiche völlige Leberschrumpfung festgestellt, die Folge eines chronischen Leberleidens, zu welchem der Aufenthalt des Verewigten in Südamerika den Keim gelegt haben dürfte. Ihre Maj. die Kaiserin erschien heute Vormittag in dem Sterbehause, um — zugleich im Namen Sr. Maj. des Kaisers — der Wittwe ihre herzliche Teilnahme zu bekunden. Ihre Majestät überbrachte einen mit ihrem Namenszuge aus weißer Seidenschleife geschmückten prächtigen Strang mit Palmenwedel und legte ihn selbst auf den Sarg des Entschlafenen.
— Die von einem ftanzöfischen Blatte gebrachte Meldung, daß Prinz August von Coburg im Falle des Sieges der brasilianischen Insurgenten au den Thron seines Großvaters Dom Pedro gesetz werden solle und daß der Prinz fich bereits nach Rio de Janeiro eingeschifft habe, erfährt wenigstens rückstchtlich letzteren Umstande», wie aus Wien berichtet wttd, durch die auch von der „Reichswehr" bestätigte Thatsache ihre Wiederlegung, daß fich Prinz August derzeit als K. und K. Linienschiffsfähnrich an Bord des K. und K. Kriegsschiffes „Radetzki" befindet.
— Wie ans London berichtet wird, hat die Petersburger Meldung des „Daily Telegraph", daß ein russisches Vizekönigtum in Zentral- Asien geschaffen werden soll und die wettere Ausschmückung, daß der Zar den Titel eines Kaisers von Asten aunchmen wolle, nur einen Heiterkeit» erfolg gehabt. Immerhin hält man solche Ausstreuungen aber rückstchtlich der Rivalttät Rußlands mit England in Zentralasien für bezeichnend.
— Unsere Mitteilungen über die deutsch- russische« Zollverhandlungen können wir dahin ergänzen, daß die Liste der deutschen Forderungen 77 Positionen umfaßt. Der bisherige Gang der Verhandlungen hat bereits erkennen lassen, daß deren Dauer nicht, wie man anfänglich wohl annahm, nach Wochen zu berechne» ist, sonder» mehrere Monate in Anspruch nehmen wird. Von »irischer, an den Verhandlungen beteiligter Seite verlautbart, daß Ostern herankomme» dürfte, ehe sie
keine Stunde mehr allein, und wenn sie ausging, schärfte sie der Jungfer die größte Wachsamkeit ein und hinterließ stets, wo fie zu finden sei.
So nahte bas Osterfest, aber noch war kein Brief von Rudolf angelangt, der seine Ankunft »stimmte.
„Kind," sagte eines Morgens die Kranke, schein- 'iar bei völlig klarem Bewußtsein, „heute wollen wir ausfahren, die Sonne scheint so hell — ich will an den Hexensee."
„O, Mama," die Gräfin erschrak bei den Worten bis tief in die Seele, „dort ist es feucht und kalt und — ich habe argen Katarrh Laß uns lieber auf der Chaussee nach dem Steinbruch fahren."
„Nein, ich will zum Hexeniee," beharrte die Freifrau, und wenn Du mich nicht hinläßt, dann ehe ich heimlich."
„Nun, so wollen wir vorüberfahren. Mama," eufzte Annemarie, „nur aussteigen kannst Du nicht."
Der Vorsicht halber ließ fie den Diener mit» kommen, um wenigstens eine männliche Hilfe bei etwaigem Wutanfall zu haben.
Unaufhörlich plauderte Frau von Thielen während der Fahrt ganz gegen ihre bisherige Gewohnheit, und immer bleicher ward die arme Gräfin.
„Wir wollen doch jetzt umdrehen, Mama," bat te endlich.
„Nein, o nein, Kind, ich wollte ja die Hexen eben, wie fie am Ufer fitzen; vielleicht ist — fie heute auch dabei, um das Kleid zu waschen, welches .e damals trug.
„Da, da ist der Hexensee,' schrie fie jetzt plötz- ich auf, „und da weht ein Gewand I Ich muß hin, um fie zu sehen — die Spanierin, die ich getötet!"
Und mtt übernatürlicher Kraft stieß fie die um»
zum Abschluß gelangen. Es befremdet, schreibt die „Kreuzztg.", in den Kresse», welche dm Gang unserer mssischen Verhandluuge» verfolge», nicht wenig, daß Herr v. Rottenburg, der eben von einem langen Urlaub heimgekehrt ist, wieder auf Urlaub geht. Bekanntlich hat Herr v. Rottenburg es durchgesetzt, daß die HaudelsverttagSverhaudlungeu iu das Ressort des Unterstaatssekretärs des Reichsamts des Inner« fallm sollte«. Man durfte daraus schließen, daß er selbst an den jetzt schwebenden Verhandlungen teilnehmeu werde. Statt dessen finden wir für ihn den Geheimrat Huber substituiert, der, ob mit Recht oder mit Unrecht, sei heute nicht erörtert, für die mißliebige Wendung in den österreichischen Verhandlungen verantwortlich gemacht wird. In keinem Falle ist diese Wahl dazu angethau, große Zuversicht dort zu erwecken, wo die russisch-deutsche» Verhandlungm ohnehin nur geringem Vertrauen begegnen.
— Dem Vernehme« nach soll eS seststehen, daß dem Reichstage bei seinem Zusammenttitt zugleich mit dem Voranschläge für 1894—95 die Steuervorlagen zngehen werden. ES soll in der Absicht liegen, iu einer besonderen Denkschrift die Entwicklung des Reichssteuerweseus bis zu der jüngstm Zwangslage darzuthun und die Mittel zur Beseitigung der letzteren des Näheren zu erläutern, ähnlich wie dies in der Dmkschrist zu der Steuerreform in Prmßm geschehm ist.
— Das kaiserliche Gesundheitsamt macht folgenden Cholerafall bekannt: In Kiel wurde von dem schwedische» Dampfer „Hjalmar" noch eine an Cholera erkrankte Person in die Baracke ausgenommen. — Das Polizeipräsidium von Stettin macht bekannt: Von Sonnabend bis Montag Vormittag sind 6 choleraverdächtige Fälle angemelbet und bet zwei Erkrankten asiatische Cholera festgestellt worden.
Isriedrichsinh, 7. Oft. Den „Hamb. Nachr." wird gemeldet: Der Exttazug, der dem Fürsten Bismarck bis Lüneburg entgegengeschickt worden war, ttaf am Samstag Abend sieben Minuten »ach elf Uhr in Friedrichsruh ein. Der Fürst hatte es verschmäht, seinen Salonwagen vor das Schloßthor fahren zu lassen und verließ den Zug auf dem Stationsbahnhof. Frei und auftecht verließ der Fürst in einfachem Leibrock, das Haupt mit der grauen Reisemütze bedeckt, den Wagen und ruhigen, sicheren Schrittes ging er den neben dem Bahnhofsgebäude harrenden Wagen zu. Wenn auch jeder Empfang verbeten worden, und für andere als die nächsten Anwohner unmöglich war, da kein Zug nach 11 Uhr mehr fremde Gäste in der Richtung nach Hamburg
chlingenden Arme der Gräfin beiseite und warf sich nit ausgebreiteten Händen aus dem Wagen, der im eiben Momente anhielt.
Sie fiel mit der Schläfe auf eine Felskante — und ein breiter Blutstrahl schoß in die Höhe, aber reglos lag die große Gestalt am Boden. Wie sie die Verunglückte in den Wagen und ins Schloß gebracht, konnte die unglückliche Annemarie später licht mehr sagen; es waren die entsetzlichsten Augen- flicke, als fie, Schritt für Schritt, das blutende Haupt )er bewußtlosen Freifrau in ihren Schoß gebettet, dem Schlosse zufuhren.
Rat- und trostlos kniete Annemarie neben der Sterbenden, man hatte ihre Wunde verbundm, und als fie nun die Augen öffnete, leuchtete klares Bewußtsein aus dem freundlichen Blicke derselben -ervor.
„Mein armer Liebling," flüsterte fie matt, „ich mache Dir wohl viel Sorge? Welcher Tag ist >eute?"
„Ostersonnabend, Mama," lächelte die Geftagte traurig, „aber sage mir, ob ich etwas für Dich thun kann?"
„O ja, Annemarie, Du solltest mir ein Lied rügen, wie ich es so gern höre. Weißt Du, Kind, ein Frühlingslied; ich mußte Deine Stimme so lange entbehren —*
Und die arme Annemarie ging ins Nebenzimmer, wo der Flügel stand; ihr Herz war zu Tode trau« rig, die Augen standen voll Thränen — und bentt* noch sollte fie fingen.
Weiche, brausende Akkorde Hangen gleich daraus mächtig durch die beiden Zimmer, fie übertönten das Rollen eines unten vorfahrenden Wagens, dann aber scholl die schönste Altstimme hinein zum Lager der Sterbenden: