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Gediegene Leitartikel und politische Korre-

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wußte wissen, wie alles zusammenhing, und zwar

allen Grund zu der Hoffnung, daß es gelingen wird einen geeigneten Mann als Kandidaten der konser­vativen Partei zu gewinnen und mit diesem, trotz der Kandidatur Paasche, zu verhindern, daß unser Kreis auch im Abgeordnetenhaus von Herrn Dr. Böcke! vertrete» wird, thaffächlich dem einzigen hier ia Frage kommenden Gegner bei den bevorstehenden Wahlen.

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sardt'r in unserer Stadt wie in der Provinz und }en angrenzenden Landesteilen widmet die

Seidel, »ollen, damit sämtliche Nummern rechtzeitig Reutet, geliefert werden können Der AbonnementS- ientiil reis beträgt bei allen Postanstalten Deutsch- 2vibe' ands 2 Mk. 65 Pfg., in Marburg bei i er Expedition 2 Mk.

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Am Aerrnsee.

Roman von Hella Limpurg.

^Nachdruck verboten.i

(Fortsetzung.)

besinnungslos eilte der Freiherr indes

Die Wahlen zum preußischen Abge- ordneteuhause finden am 31. Oktober bezw. 7. November statt. Die imReichsanzeiger" ver­öffentlichte bezügliche Bekanntmachung lautet:Für die Wahle» zur 18. Legislaturperiode des Hauses der Abgeordneten habe ich auf Grund der §§ 17 und 28 der Verordnung vom 30. Mai 1849 als Wahltermine, und zwar für die Wahl der Wahl­männer de» 31. Oktober d. Js. und für die Wahl der Abgeordneten den 7. November d. I. festgesetzt, was hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird. Berlin, den 24. September 1893. Der Minister des Inner». Graf zu Eulenburg." Von neuen Forderungen für unsere Kriegs­marine, die zwar nicht gleich, wohl aber später, dem Reichstage zugehe» sollen, ist schon wieder einmal die Rede. Ein Berliner Blatt, das sich freilich durch alles Andere eher, als durch Zuverlässtgkeit aus­zeichnet, schreibt darüber:Es wird bereits die Höhe derselben genannt, die so groß ist, daß man selbst in vatioualliberalen und konservativen Kreisen erklärt, a» eine Bewilligung solcher Summe» sei in dieser Zeit, in welcher schon die Aufbringung der Koste» für die neue Armeevorlage so große Schwierigkeiten verursacht, gar nicht zu denken". Es wäre gut, wen» fich derReichsanzeiger" hierüber einmal mit einer unanfechtbare» Deutlichkeit ausspräche. Die fortwährenden Gerüchte find nachgerade geeignet, Aufregung zu schaffen. Während in einigen Ver- waltuugszweigen Ersatzansprüche an Beamte bisher nur im Prozeßwege geltend gemacht wurden, ist in Uebereinstimmnng mit der Oberrechuungskammer jetzt angeordnet, daß solche Ansprüche, über deren Be­gründung kein Zweifel besteht, im Wege der Anrech­nung auf die Gehaltszahlung realisiert werden sollen. Dabei ist ausdrücklich darauf hingewieseu, daß bei solchen Abzugsverfahren auf die Gesamtverhältniffe der betr. Beamten billige Rücksicht zu nehmen ist. Die neue Tabakfabrikatsteuer wird wohl auf dem Papier bestehen bleiben. DerFranks. Ztg.", die sich über die Steuer-Angelegenheiten bisher am besten unterrichtet erwiesen hat, wird in dieser Frage weiter aus Berlin geschrieben:Es scheint, daß dir mit der Ausarbeitung des Gesetzentwurfs Betreffend die Einführung einer Tabakfabrikatsteuer Beauftragte Kommisfion auf recht große Schwierigkeiten stößt, so daß die Arbeit nicht vorwärts gehen will. Das kann nicht Wunder nehmen, weil die der Kommission gestellte Aufgabe eine sehr schwierige ist. Es war sehr einfach, in den Frankfurter Ministerkouferenzen die Einführung der Fabrikatsteuer zu beschließen; aber

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In einer Stunde aufwallender Leidenschaft hatte er der Spanierin den Ring verpfändet und dann, alS er erwachte aus dem Taumel, gemeint, Ines werde ihn vergessen, ihre Rechte nicht in Anspruch nehmen. Thor, der er war! Annemarie würde an

an seine Pflicht zu mahnen, aber so edel und groß konnte eben nur sie denken.

Der Wagen hielt, der Freiherr stieg aus, zahlte, nahm wie im Traume ein Billet da, als er durch die Halle nach dem Perron schritt, fiel sein Auge auf ein grell buntes Plakat mit riefigen Buch, staben.

Der Stern von Madrid, Sennora Ines de Fel- derop war hier abgebildet, auf ungesatteltem Pferde dahinjagend mit fliegenden Haaren und umtobt von einer wilden Meute.

Thielen wandte fich erbleichend ab. Das sollte also seine künftige Gemahlin werden, die fich dort den Blicken der Menge preisgab, die für jeden einen Blick eine Kußhand hatte, wenn sie durch die Ma­nege ritt. Tief preßten fich seine Zähne in die Unterlippe, er eilte zum Eisenbahnwagen, als könne er dem schrecklichen Bilde entfliehen, als hatte es ihn nicht mit tausend Dornenketten fest.

Und wieder brauste der Zug dahin, wieder saß der schöne stattliche Mann mit untergeschlagenen Armen und finster gefurchter Stirn am Fenster und blickte in die vorbeijagende Landschaft, ohne sie zu sehen. Es hatte sich vieles, nein, alles geändert, seit er vor wenigen Stunden ausgestiegen war, in ;er Meinung, nun am Ziel zu sein und der Ge­liebtenbeizustehen, in vielleichttrüben, bangen Stunden.

Man war endlich in Wiesbaden angelangt, und nachdem der Freiherr sein Gepäck im Hotel abge­geben hatte, eilte er, ohne weiter zu überlegen, ort, die Wohnung von Mutter und Cousine zu er­fragen.

Das war sehr bald erreicht, die Uhr drei, folg- lich mußte die Freifrau jetzt ihren Nachmtttagrschlaf hatten, und er konnte dann am besten Annemarie sprechen. Sein Atem stockte, als er die teppich-

Deutsches Reich.

W. Berlin, 26. September. Unser Kaiser hat am Montag Abend die Rückreise von Mohacs über Wie», wo er einen kurzen Aufenthalt zu nehmen gedenkt, angetreten. Am Sonntag wurde zu Ehren des Kaisers am Ufer der Donau, beim Bokfoker Steg, ein Volksfest abgehalten, wobei die in National- ttacht erschienenen Burschen und Mädchen nationale Tänze aufführten. Der Kaiser beobachtete die Tanzenden mit sichtlichem Gefallen. Auf Wunsch des Monache», welcher die Burschen und Mädchen reichlich bewirten und beschenken ließ, wurden photo­graphische Aufnahmen gemacht. Gegenüber anders lautenden Nachrichten heißt es jetzt, daß eine Zu­sammenkunft zwischen dem K a i s e r und dem F ü r st e n Bismarck vor der Hand noch nicht in Aussicht genommen ist. Dagegen gilt es für wahrscheinlich, daß entweder Gras Herbert Bismarck oder Graf Rantzau, der Schwiegersohn des Fürsten, zum deutsche» Botschafter i» Madrid an Stelle des Henn von Radowitz ernannt werden wird, welcher voraussichtlich deutscher Vertreter in Paris werden wird, da der zeitige Botschafter Graf Münster seines hohen Alters wegen zu demissionieren gedenkt. Finanz­minister Dr. Miquel empfing am Sonnabend in Audienz die Herren Kommerzienrat H. Gerlach und Konsul Franz Ernst ans Memel als Vertteter der dortigen Korporation der Kaufmannschaft. Die deutschen Holzhändler hatten bei Ausbruch des Zoll­krieges mit Rußland die großen Vorräte ihrer jenseits der Grenze aufgekauften und dort lagernden Waren schleunigst nach Deutschland schaffen lassen und hoffte natürlich, hierdurch der Zahl der erhöhten Zölle zu entgehen. Eine inzwischen erlassene Verfügung des Finanzministers bestimmte jedoch auch für diese Hölzer die Anwendung des erhöhten Zolltarifs. Die genannte» Deputierten Baten nun den Minister um Zurücknahme der Betr. Verfügung; dieser erklärte jedoch, daß er felBft nicht in der Lage sei, diesen Schritt zu thnn, dagegen Beim Bundesrat die Vor­nahme beSfelBen Beantragen und Befürworten wolle.

Die Landtagswahl.

Allmählich scheint nun auch ia unserem Kreis die Bewegung für die Bevorstehende Wahl zum Abge­ordnete»-Hans i» einen etwas lebhaftere» Fluß zu kommen. Schon vor längerer Zeit hat Herr Dr. Böcke! seine Kandidatur proklamiert hier ebenso wie in den Kreisen Kirchhain, Frankenberg und in ihrer gestrigen Nummer bringt das hiesigeTage­blatt" die Nachricht, daß von nationalliberaler Seite wiederum Herr Professor Paasche wie bei der letzten Wahl kandidieren werde. Wie wir höre», hat auch der Bund der Landwirte bereits zu der Kandidaten- frage Stellung genommen, während von konservativer Seite eine Vertrauensmänner-Versammlung berufen worden ist, um in ihr über die Aufstellung des Kandidaten Beschluß zu fassen.

Es wttd vor Allem darauf ankomme», fich auf einen Man» z» einigen, welcher int Kreis angesehen und bekannt ist, welcher insbesondere auch das Ver- trauen unserer Landbevölkerung hat und mit ihr in möglichst enger Berührung steht. Mit theoretischen Erörterungen über Parteiprogramme ist nichts gethan. In erster Linie kommt, wie die Verhältnisse hier einmal liegen, die Persönlichkeit des Kandidaten io Frage. Das wird uns jeder bestätigen, der die Stimmung im hiesigen Kreis kennt, und diese muß ohne Zweifel für den praktischen Politiker bei der Aufstellung eines Kandidaten zunächst maßgebend sei», wen» er auf eine» Erfolg rechnen will. Was hilft es, wenn fich hier in der Stadt ein engerer Kreis von Herren für eine Persönlichkeit entscheidet und diesen dann als Kandidaten proklamiert! Halten die Herren, welche die Kandidatur Paasche ausge­stellt haben, doch einmal Umfrage im Kreis, sie werden über die Antworten nicht sehr erbaut sein. Ohne Herrn Professor Paasche selbst irgend wie zu nahe teete» zu wollen, es ist aber einmal so und die Erfahrung konnte es lehren, ein liberaler Professor, mag er auch Mitglied des Bundes der Landwirte geworden sein, hat auf dem Land keine Ausficht auf Erfolg; seine Aufstellung bedeutet eine vollkommene Verkennung der hiesigen Verhältnisse. Auch lassen fich unsere Landleute nicht ohne Weiteres einen Kandidalen vorschreiben, für de» sie stimmen sollen. Stetiger ist unseres Erachtens das Vorgehen der Konservativen, welche zunächst ans allen Teilen des Kreises Vertrauensmänner zn einer Versammlung ge­laden haben, um mit ihnen die Frage zu erörtern und erst auf Grund der bann gefaßten Beschlüsse, ben Kandidaten zu proklamiere». Wtt haben aber

Ja, er wollte hin zu ihr und zur Mutter, um ihnen selbst alles zu erzählen; dann gab es noch eine Hilfe für ihn, um ihn zu bewahren vor her Braut mit den funkelnden Satanellaaugen, seine Pistole Er klingelte hastig, der eintretende Diener erschrak vor seinem Aussehen.Wann geht der nächste Conrierzng nach Wiesbaden?" fragte er mit rauhem Tone.

In anderthalb Stunden, gnädiger Herr!" ant­wortete der Diener.

Gut, ich will mit demselben Weiterreisen, schaffen Sie den Koffer zur Bahn und nun ein Glas Punsch, aber stark I"

Draußen lag ein warmer Aprilabend über der Natur, ober dem Freiherrn .schlugen die Zähne wie im Fieber zusammen; als er im Wagen dahinsuhr, sah er auch nichts um fich her wie beim Kommen, und doch, wie anders war« jetzt als vorher wie ganz anders!

Er mußte nur immer an Annemarie denken, er selbst erschien sich wie ein Toter, den man begraben will. Ja, wäre es nur so weit, baß man ihn Hinabfenken könnte ins tiefe, stille Grab, wo er nichts mehr zu hören brauchte von Ines und ihren Ränken, wo er fünft schlummern und von jener andern träumen könnte: Annemarie!

Da ergriff ihn abermals jene tiefe Verzweif­lung, jenes demütigende Gefühl:Ich bin ihrer nicht wert!*

belegten Treppen der eleganten Villa hinaufstieg und oben an der bezeichneten Etage nur pochte, statt zu schellen; jetzt erklangen drinnen leise Schritte, die Thür öffnete fich, und Agnes, die Jungfer der Gräfin, prallte ganz entsetzt und mit dem Ausruf: Allmächtiger Himmel, der Herr Baron!* zurück.

Fassen Sie sich," gebot dieser rauh,wo find die Damen? Ich möchte Frau Gräfin zuerst sprechen, um meine Mutter nicht zu sehr zu er­schrecken.*

Frau Gräfin find in ihrem Zimmer."

Aber schon hatte fich eine andere Thür im Hintergründe geöffnet; geisterbleich schaute Anne­marie den Ankommenden an, lautlos griff sie nach dem Herzen und wäre zu Boden gesunken, wenn nicht in demselben Moment Rudolf neben ihr ge­standen und fie in seinen Armen aufgefangen hätte.

Schnell, Agnes, geben Sie kölnisch Wasser," befahl er der Jungfer, hob die teure Gestalt in seinen Armen auf und trug sie zur Chaiselongue, und nun sorgen Sie dafür, daß die gnädige Frau noch nichts von meiner Ankunft hört, ehe ich mit mit Frau Gräfin gesprochen habe. Es es sind Ereignisse eingetreten, die mein Herkommen bedingten, aber man muß eine Kranke sehr schonen."

Das Mädchen ging, und wie vor einem Heiligen­bilde kniete der Freiherr vor der schönen, bleichen, noch immer bewußtlosen Frau, die Hände verschlungen, und mit wildem Schwerz in seinen männlich ernsten Zügen.

O, daß sie nie mehr zurück erwachte zum Leben, baß ich mir und ihr die Folterqualen meines Geständnisses ersparen dürfte."

Unverwandt blickte er sie an, aber er wagte fie nicht zu berühren, nicht eine Falte ihres Gewandes zu fireifen; eine Ewigkeit schien ihm vergangen zu

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«us nach dem ihm zurecht gemachten Zimmer; er tfete sich erst sammeln, ehe er einen Entschluß ßm konnte, es war ihm, als habe er soeben fein «beurteil empfangen. Und war's denn nicht auch i solches? War nicht durch die Jntrigue jenes ischöpses, das er einst zu lieben geglaubt, ober Ütr gesagt, für welches er kurze Zeit lang eine Herrschaft gefühlt hatte, er selbst, seine Mutter b Annemarie auf immer unglücklich gemacht? mernarie! Mit einem qualvollen Aufstöhnen griff nach der Brieftasche, um jene grünen Schling- Httdjen hervorzuholen, die fie ihm neulich als An- tfen gegeben. Wie unzählige Male hatte er fie rfits an die Lippen gepreßt, ihnen tausend Siefces» ®ten gegeben und dabei an das schöne, heitere Auf Wieder-

a r lilitz mit den blauen Augen gedacht.

vm en!" hatten fie fich noch vor wenigen Tagen ge­il und nun war alles vorüber, gescheitert am ffenriff eines erbarmungslosen Schicksals.

Der starke Mann sprang auf und durchmaß in Jgen Schritten das Gemach. Wenn fie nun er­st, daß er die Kunstreiterin heirate, was würde ^von chm sagen und denken? Vielleicht nur die fteln zucken und den Kopf stolz rmporrichten, viel» H fein Andenken aus dem Herzen reißen, be? er Seele nicht wert gewesen. Nein, das tog er nicht; nur verachten durfte fie ihn nicht,

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* feinen eigenen Lippen.' ____________ _________________ w#i

' - 'j Da atmete er freier auf, da klärte fich sein Stelle der Kunstreiterin wohl ein Weltteil zwischen "s und er fuhr mtt der Hand über die Stirn, s sich und den Treulose» gelegt haben, statt ihn selbst