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Ereignisreiche Wochen.

Unser Kaiser hat jedenfalls allen Anlaß, mit dem Verlaufe der letzten Wochen von Herzen zufrieden zu sein; eS ist in ihnen ein Zug durch's deutsche Volk gegangen, der in gewissem Sinne an frühere, größere Tage erinnerte, an welchen kleine Tagespolitik vor hohe» nationalen Gesichtspunkten in den Hinter gründ trat. Wir wollen nicht znrückgreifen bis zu jener bedeutungsvollen Reichstagsabstimmnug am 15. Juli, in welcher mit der Militärvorlage die nun in Kraft tretende neue Heeresorganisation definitiv angenommen wurde; um jenes große Gesetz hat ein langandauernder heftiger Streit bestanden, der am besten der Vergessenheit anheimfällt. Sehen wir nicht so sehr auf das, was uns dereinst getrennt hat, sondern auf das, was ein einigendes Baud für alle die Tausende bot! Die Manöoerreisen des Kaisers im Südwesten des deutsche» Vaterlandes, von Koblenz nach Trier, »ach Metz, nach Straßburg, Karlsruhe und Stuttgart, boten diesmal einen eigenartigen, aber ersteuliche» Anblick. Festgeschlosien, einheitlit verlief die ganze Fahrt, kein Mißklang hat sie gestört. Es ist diesmal auch keine unter großer Etikette unter­nommene Fürsteureise gewesen, es war schon mehr ein militärisches Volksfest, das in der Bevölkerung ein kräftiges, nationales Feuer entzündete, das jeden­falls nicht so schnell erlöschen, sonder» kräftige Glut halte» wird. Wie groß der Eindruck dieser Festtage gewesen ist, erkennen wir in erster Reihe an der Haltung der Bevölkerung in Lothringen, bei welcher doch in keiner Weise von einerBeeinflussung vou oben herab" die Rede sein kann, wo schon die noch stark vertretene französische Sprache ei» natürliches Hindernis gegen alle solche Versuche bildet. Es war auch aus der ganzen Haltung der Lothringer zu erkenne», daß sie fteiwillig uud freudig dem Ober­haupte des Reiches ihre» Willkommen boten, der Sprache nach nicht immer Deutsche, im Herzen aber Alle. ES war eben mehr, als eine einfache Kaiser- Ovation, wie sie bei allen Mavövern sich findet, eS war ein offenes nnd ehrliches Bekenntnis der Zuge­hörigkeit zu Kaiser und Reich, welches der an unserer äußersten Grenze gelegene deutsche Stamm ablegte, und das ist weder nach Außen hin, »och im Innern ohne Beachtnug geblieben. Die Franzosen haben, wen» auch widerwillig genug, einräumen muffe», daß sich i» Elsaß-Lothringen weit mehr geändert hat, als fte selbst wohl erwartet hatten, nnd uns Deutschen, die wir in dem Bestehen des Reiches heute schon etwas Selbstverständliches erblicken, die wir nns

en angrenzenden Landerteilen widmet die Oberhessische Zeitung" eine besondere Auf- lerksamkeit. Der feuilletonistische Teil der Oberheff. Ztg." bringt intereffante Erzäh- ingen von guten Autoren und dasJllu- rierte Sonntagsblatt" wird wie bisher den efern eine angenehme Unterhaltung bieten. Inserate finden in keinem anderen täglich scheinenden Blatte Oberhesiens eine so große erbreitung wie durch dieOberheff. Ztg". Neubestellungen auf dieOberhessische eitung" für das vierte Vierteljahr 1893 erden von allen Postanstalten, den Land-

gegengenommen.

Neu eintretende hiesige Bezieher erhalten Blatt bis zum Schluffe des laufenden nats unentgeltlich.

Deutschland uicht mehr ohne Kaiser und ohne Reichs tag denken könne», uns ist das Herz gewiß warm geworden bei all' dem Jubel dort unten. Und wie er sich weiter pflanzte von Landschaft zu Landschaft, wie er unvermindert auch in denjenigen Gebieten Süddeutschlands stch geltend machte, vou welchen bekannt ist, daß seine Bewohner dem norddeutschen Wesen und Charakter etwas mißtrauisch gegenüber­stehen, da ist doch auch erkannt, daß es etwas Gutes und Großes und Segensreiches um das Land ist, das alle deutsche Stämme eint, um die Zugehörigkeit zu einem, großen und starken deutschen Vaterlande. Aus allen offiziellen Reden, welche unser Kaiser mr dieser Reise im Südwesten des Reiches gehalten hat, aus alle» gelegentliche» Aeußeruugen leuchtet unver­kennbar die tiefe Befriedigung über dies Beisammen­sein von Volk und Kaiser hervor, ei» Beisammensein, aus welchem allein Zusammenwirken ersprießen kann, wie eS nützlicher und inniger nicht gedacht werden kann. Das ist das Erfreuliche in diesen Wochen, daß in ihnen der nationale Gedanke wieder einmal in den Vordergrund getreten und daun auch im Vordergrund geblieben ist. Wir haben gesehen, daß deutsche Männer etwas Besseres thuu können, als immer und ewig über Ansichten fich herumzustreiten. Sie sollen an das denke», was fie bindet und fie werden dann a»ch für das die Brücke finden, was momentan ste trennt.

Aus Süddeutschland hat fich Kaiser Wilhelm auf Einladung des Kaisers Franz Joseph in die be­nachbarte und befteuudete habsburgische Monarchie begebe», um dort de» militärische» Hebungen beizn- wohnc». Wie Kaiser Franz Joseph, wenn er nach Deutschland kommt, des herzlichste» Empfanges bei uns sicher sei» kann, so wird auch dem deutschen Kaiser bei allen seinen Besuchen an der Donau der herzlichste Willkommen zuteil. Die österreichisch­deutsche Bundesgeuofleuschaft, die man von gewisser Seite so gern störe» möchte, steht eben fest über alle Anfechtungen, fie bewährt sich bei jeder geeigneten Gelegenheit von Neuem. Gerade in diese» Tagen, die uns so lebhaft bewegten, kam aus Kisfingen die Kunde von einer Erkrankung des Fürsten Bismarck, von welcher man erst nachträglich erfuhr, daß fie das Leben des greifen Staatsmannes bedroht habe. Bei politischen Freunden und bei politischen Gegner» des Fürsten Bismarck regte angesichts der schweren Erkrankung und des hohen Alters des großen Staats­mannes fich die gleiche Frage, ob nicht jener Konflikt jetzt zu löse» sei, welcher zwischen dem Oberhaupt des Reiches und dem frühere» Setter der Reichsge-

Am Aereulte.

Roma» von Hella Limpurg

^Nachdruck verboten.!

(Fortsetzung.)

.Eine Kunstreiterin?" fragte Thielen atemlos, bleich, und als habe er falsch gehört,es ist ja möglich*

Warum nicht?" lachte fie, die weißen Arme ® der Brust kreuzend,meinen Sie, Ihr Ver­chen, mich als Ihre Gemahlin heimzuholen nach ndorf, habe die bindende Kraft verloren? Nun, wissen, wer vor Ihnen steht! Mit Nichten, Herr, ich werde Sie zwingen"

Eine Kunstreiterin eine Lügnerin," sagte er

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes,

sowie die Annorccn-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in VVTT1II _ , Frankfurt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rud°lf aXVIH. Jahrg Mosse m Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. u

Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Paris.

Sie werden doch von einer liebenden Gattin nicht fordern, daß sie ihren Mann nickt sieht?"

~ »Vor allem wünscht meine Mutter nicht, eine Schwiegertochter zu haben, und Sie begreifen, daß ich fie schonen muß, besonders da sie gemütskrank ist/

Die Freiftau wird mich wohl dulden müssen," Ines zuckte die Achseln,sonst müßte ich der Welt eine düstere Geschichte vom Hexensee mitieilen, bei der ein Mordversuch"

Mit einem wilden ZorneSauiruf packte der ge­quälte Mann dm Arm des Mädchens und schüttelte denselben.Teufelin," stieß er hervor,Du hast gesiegt aber ich fluche Dir in dieser Stunde, denn Du hast nicht ein, sondern drei Menschenleben gemordet. Du sollst meine Gemahlin heißen, aber nie wird mein Blick auf Dir ruhen, und bei der ersten Gelegenheit, die Du mir giebst, reißt die Fessel, welche Du mir heute hohnlachend angelegt. Fluch jener Leidenschaft damals am Hexensee, sie hat mein Leben zerstört, ich begrabe in dieser Stunde alles Glück."

>Und er floh aus dem Gemache, während fie sich achselzuckend an dm Schreibtisch setzte, um ihrem Direktor anzuzeigm, daß fie fich mit dem Freiherrn von Thielen auf und zu Neuendorf soeben verlobt ;abe und infolgedessen beabsichtige, aus dem Ver- >anbe des Zirkus zu scheiden, da ihr Verlobter es keineswegs zugeben wolle, daß fie noch ferner auf» trete. Sie adressierte und siegelte den Brief, dann rief fie ihr Stubenmädchen herein und befahl ihr, denselben zum Herm Direktor zu tragen.

Ach, gern," meinte die Person sehr willig,da bekomme ich stets ein guter Trinkgeld. Noch besser jab der Herr Marquis de la Tour, doch der ist eider abgereift'

Abgereist?" rief Ines, bestürzt in die Höhe

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schäste besteht? In dieser Frage konnten Alle : umsomehr einig sein, als es heute fit der That nicht mehr in Betracht kommen kann, daß der Altreichs­kanzler wieder die Zügel der Reichsregierung in die Hand nimmt. Man kann nicht sagen, daß Fürst Bismarcks Kraft gebrochen ist, aber, und er selbst weiß das am besten, der Alte ist er nicht mehr, die Jahre, von welchen er so viele fit aufreibenfter Thätigkeit verbracht hat, habm auch ihn nicht unbe­rührt gelassen. Und dazu ist Fürst Bismarck ein viel zu erfahrener Mann, als daß er selbst eS für möglich halten sollte, es könne wieder Alles so werden, wie es vor 1890 gewesen ist. Es ist zu erwarten und zu hoffen, daß daS persönliche Verhältnis zwischm dem Kaiser und dem Fürsten Bismarck wieder ein recht freundschaftliches werden wird, aber für ein politisches Zusammenwirken ist die Zeit vorbei. Der Fürst hat manchen Schritt der kaiserlichen Regierung scharf kritisiert; er wird darin seine Anschauung nicht ändern, ebensowenig, wie die nun einmal ge« thanen Schritte zurückgemacht werde», und daraus ergiebt sich alles Weitere von selbst. Wie nun aber der Kaiser den Wunsch dem Fürsten gegenüber »ach Frieden offenkundig ausgesprochen hat, ebenso wird auch der eiserne Kanzler sich nach Beendigung eines Zustandes sehne», der trotz aller vou ihm zur Schau getragene» kühlen Wesens schwer genug auf ihn ge­drückt haben mag.

Damit ist eine Aussöhnung vollzogen, die allseitig gewünscht worden ist, aber keine politische Wendung. Sowohl Kaiser Wilhelm II., wie Fürst Bismarck wissen, daß der 18. März 1890 nicht ungeschehen zu machen ist; es war das ein Tag, an welchem vor aller Welt klar wurde, daß alte Zeit und neue Zeit nicht mit einander verschmolzen werden können, daß von ihnen eine jede ihr Recht haben will und auch, es nützt ja nichts, darüber forthasten zu wollen, haben muß. Fürst Bismarck mag die damals einge« tretene Wendung zunächst als eine Kränkung aufge­faßt haben, er mag weiter im Anfang seines Privat­lebens die Möglichkeit im Auge behalten habe», daß er doch noch einmal auf die Stelle seiner hervor­ragenden Wirksamkeit zurückkehren könnte; heute denkt er anders, er weiß genau, daß die Laufbahn seiner Kanzlerschaft abgeschlossen ist. Hart und scharf klang es ost aus seinen Reden, eS wetterleuchtete darin bedenklich. Heute ist auch bei ihm eine versöhnlichere Sfimmnvg eingekehrt, nachdem er so schwer darnieder­gelegen, und das von ihm gebrauchte WortLe roi me reverral, der König wird mich Wieder­sehen, dürste fich in absehbarer Zeit erfüllen, aber fahrend,was Du sagst? Er hat mir gar nicht Lebewohl gesagt."

Nun, nun, er war wobl wieder einmal eifer­süchtig; aber das giebt sich."

Wie schade 1 Ich wollte ihm gern meine Ver­lobungsanzeige schicken "

Dem Mädchen blieb vor Ueberraschung fast der Mund offen stehen.Sie haben sich verlobt, Sennora?" fragte fie endlich staunend,und mit wem denn, wenn man fragen darf? Etwa mit dem Bankierssohn, der neulich das herrliche Armband schickte?"

O nein, so geschmacklos! Er schielt ja und hört auf dem rechten Ohre schwer, der ist nicht zum Heiraten. Mein Bräutigam heißt Freiherr von Thielen."

Ach, solch ein vornehmer Mann," staunte die Person,nun, da nehmen Sie sich nur in acht, daß er Ihnen nicht eines Tages durch die Latten geht, wenn er von Ihren vielen Freunden hört"

Das laß meine Sache fein," fertigte die Diva te ab;übrigens kann ich Dich unter den Verhält­nissen nicht brauchen, da ich eine Kammerstau an­nehmen will, und kündige Dir hiermit, natürlich er« Mst Du Kost und Lohn bis zur üblichen Ziehzeit Und nun besorge dm Brief."

Al» das Mädchen gegangen war, fetzte fich Donna Ines abermals zum Schreiben, doch war >ies kein Geschäftsbrief, sondern eine längere, ztrt» iche Epistel an den Marquis:

Mein teurer Freund!

Sie haben Ihre Drohung erfflHt und find ab­gereist, gerade an demselben Tage, da ich mich verlobte und zwar mit jenem schmachtenden Frei- Herrn, der mir bereite in H . . . . feine Huldi­gungen darbrachte. Sie wissen am besten, lieber

feine kurze, längst erloschene Leicenschast ausnützen wollte, um Stellung und Ansehen in der Welt zu erhalten.

Sennora de Felderop," begann er endlich, und all die Verachtung, welche er gegen die einst Ge­liebte hegte, brach bei ihm durchda Sie mir in st erniedrigender Weise Ihre Abfichten bargelegt haben, stehe ich nicht länger an, Sie ebenso ehrlos zu behandeln, als Sie es verdienen. Ich bin bereit, jenen Ring Ihnen um jeden Preis abzukaufen"

Wenn er mir feil wäre, unterbrach fie ihn spöttisch,hätte chn mir Ihre schöne Cousine, Gräfin Rotenau, schon gestern abgekauft.'

Doch mit Nichten, mein Herr von Thielen, ich habe cs mir einmal in den Kopf gesetzt, Ihre Frau zu werden, vielleicht auch, um jene Gräfin Rotenau mit den stolzen, blauen Augen zu ärgern, welche Ihnen eine fast zu leidenschaftliche Verwandtenliebe entgegenbringt."

Lassen Sie die Gräfin aus dem Spiele," er hob, seiner selbst kaum mehr mächtig, die Hand, ihr Name ist zu gut, um von einer Kunst- reiterin genannt zu werden."

Hüten Sie fich, mich noch mehr zu reizm, Thielen," kreischte Ines dunkelrot,und nun mein etztes Wort: An Pfingsten lassen Sie fich mit mir trauen, oder Ihr Name und Ihr Prozeß geht durch alle Blätter, wird in den tiefsten Sumpf gezogen, das ist dann die Rache der Kunstreiterin."

Aber eine Bedingung darf ich doch wohl auch iellen, Sennora," fragte Thielen endlich dumpf, von der Stunde an, da Sie den Namen meiner ®emaf)lin annehmen, scheiden fich unsere Wege; ich will mit einem ehrlosen Weibe nichts zu thun haben."

Das findet fich, mein lieber Freund," be- chwichtigte fie ihn, nun wieder sehr zärtlich werdend,

Gediegene Leitartikel und politische Korre- Inrf Mdenzen werden die Leser derOber- qU7* sfischen Zeitung" über alle Fragen und

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HH Vorgänge von allgemeiner Bedeutung au --- em Laufenden erhalten. Den Vorgängen

' i unserer Stadt wie in der Provinz und

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1 r Expedition 2 Mk.

etnfachW zx Ihrer Gemahlin machen"

Nimmermehr," stieß er hervor, so zornig die

*ft ballend und mit dem Fuße stampfend, daß (3931 s» kleinlaut zurückwich,lieber will ich tot zu

^en Füßen liegen, ehrloses Weib, als Dir mei« Br > reinen altadligen Namen geben."

«Hm, Sie werden fich doch enffchließm müssm," divers 6 die Spanierin höhnisch,ich werde Sie wegen LagS * gebrochenen Eheversprechens verklagen und

* durch Vorzeigung Ihres loftbaren Brillant- legitimieren "

fassungslos starrte er auf dies Geschöpf, welches

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tigen Ver-

> und isser-

irniss iesträgern, in der Expedition (Markt 21), r(a9c, wie von unseren Filia! - Expeditionen in Kirchhain, Neustadt, Wetter und Gladenbach

als in dem halblauten, fast keuchenden Tone, >d ich habe geglaubt, sie zu lieben. Wie war das 'ich, Herr im Himmel, wie konnte ich" dalWas Sie, mein Herr, damals dachten und yfc heute denken," fuhr die Reiterin fort, mit schadenfrohen Ausdruck den todbleichen Mann chtend, der wortlos nach Atem und Fassung Dg;diesen furchtbaren Schlag zu überwinden.

ir in der That völlig gleichglltig. Nur darauf e ich, daß Sie Ihr Versprechen einlösen und

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