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deren Aus gang immer noch als ein recht zweifelhafter gilt, und endlich eine Konferenz zur Beratung der Vorschläge wegen Durchführung der Sonntagsruhe iu Industrie und Gewerbe. Aus Deutsch-Ost- aftika ist die Meldung gekommen, daß die räuberischen Wahehe-Eingeboreuen, deren Speeren s. Z. die Expedition Zelewski erlegen ist, wieder einen empfindlichen Schlag erhalten habe»; eine Strafexpedition im großen Stil soll späterhin noch folgen. Freiherr von Soden, der schon zu Anfang des Jahres aus dem deutschen ostafrikauischen Schutzgebiet zmückge- kehrt war, ist non auch in aller Form von seinem Posten als Geueralgouveruenr zurückgetreter. Sein Nachfolger ist der Oberstleutnant von Scheie. Die Vorbereitungen zu den iu vier Wochen stattfindenden Neuwahlen zum preußischen Abgeordneteuhause beginne» nun doch die politischen Parteien zu beschäftigen. Vorauszusehen ist aber, daß es im Ganzen recht still bleiben und auch in der Zusammensetzung des Parlaments keine Aenderung von Belang eintreten wird. Der bekannte Judenfliutevprozeß, in welchem der Abg. Ahlwardt zu fünf Monaten Gefängnis verurtellt, hat jetzt auch das Reichsgericht in Leipzig beschäftigt, von welchem das erstinstanzliche Erkenntnis bestätigt worden ist. Es bleibt also bei den fünf Monaten.
Der scharfe Schlag, welchen die österreichische Regierung angesichts der überhandnehmendeu czechische» Ausschreitungen in Prag geführt hat, die Verhängung des Ausnahmezustandes über die böhmische Hauptstadt hat doch seine Wirkung nicht verfehlt, zumal die Czechen sehen, daß die Zeit der Langmut nunmehr vorüber ist und von den Behörden energisch durch gegriffen wird. Die Heißsporne machen sich nun gegenseitig Vorwürfe, daß sie es zu bunt getrieben haben und suchen in mildere Bahnen einzulevken. Hoffentlich läßt sich die österreichische Regierung nicht wieder zum Besten haben. Der große Bergarbeiterstreik in England hat bis jetzt noch fortgedauert und unsäglichen Schaden angerichtet. Ma» hofft ihn aber jetzt durch einen Ausgleich zum Abschluß zu bringe», vorausgesetzt, daß sich in letzter Stunde nicht wieder neue Schwierigkeiten geltend machen. Eine große Bergarbeiterbewegung droht neben der schon in Nordftankreich anSgebrochenen nun auch in Belgien. Die Folgen des Zollkrieges machen mit vernichtender Schärfe sich in Rußland bemerkbar. Infolge der Unverkäuflichkeit der massenhaften Getreidevorräte herrscht ein hochgradiger Geldmangel, der den Zinsfuß enorm in die Höhe getrieben hat. Die kaiserliche Familie befindet sich noch in Schloß
FredenSberg bei Kopenhagen, wird auch von dort erst Ende Oktober heimkehre». Jedenfalls wird der Wasserweg eingeschlagen werden.
Die Revolution in Brasilien, welche von dem Admiral Mello geleitet wird, hat nunmehr der Regierung des Präsidenten Peixoto, der es noch ärger getrieben haben soll, wie sein Vorgänger Fonseea, den Garaus gemacht. Tie Günstlingswirtschaft und Beraubung der amtlichen Kassen soll alles Maß und alle Grenzen überstiegen haben, und infolgedessen, noch den mit dem republikanische» System gemachten trübe» Erfahrungen, die sehr große Mehrheit der Bevölkerung den Wunsch haben, es möchte die Monarchie wieder hergestellt werden. Die Berufung des ältesten Enkels des verstorbenen Kaisers Dom Pedro auf den Thron, nachdem dessen Mutter sich bereit erklärt hat, auf die Nachfolge zn verzichten, wird auch schon sehr ernsthaft erörtert. Vielleicht kommt es also bald dahin.
Die Franzosen haben wieder einmal die Genug- thuung, daß ganz Europa auf sie sieht und man überall von ihnen spricht. Lüder ist nur nicht gleich- giltig in solchen Fällen, was da gesprochen wird und in dieser Beziehung können unsere leicht erregbaren Nachbarn jenseits der Vogesen wahrlich nicht stolz sein. Das gallische Blut, welches sich in der Produzierung der tollsten Ueberschwäuglichkeiten gefällt, macht wieder einmal sich in einer Weise geltend, welche beginnt, selbst bei Franzosen Anstoß zu erregen, sofern dieselben sich die Fähigkeit, nur einigermaßen rnhig nachzudenken bewahrt haben. Als die offizielle Meldung von einem bevorstehenden Besuche des russischen Mittelmeergeschwaders nach Toulon in Paris eintraf, mochten die Franzosen sich freuen und in der Folgezeit hätten sie auch Anstalten zu einem festlichen Empfange der moskowiüschen Gäste treffen können. Niemand würde darüber ein Wort verloren haben, obgleich das Arminarmgehen von Republikanern und Russen schon seltsam genug erscheint. Indessen der Zar will es, also ist darüber nicht groß etwas zu reden, wenigstens für feine Russen nicht. Aber die Franzosen sind denn doch weit über das Maß hinausgegangen, das Schicklichkeit und Klugheit gebieten, so weit, daß die Sache anfängt bedenklich zu werden. Die Veranstaltungen und Vorbereitungen zu den Russenfesten tragen nicht den Charakter einer rein fteundschaftlichen Begrüßung mehr, es sind Ausbrüche eines politisches Wahnsinns, welcher das ganze Volk ergriffen hat, Huldigungen und Ehren- erwchungeu von solchem Umfange, als gelte es, einen neuen Herrscher des Landes zu begrüßen. Dies
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M. 1.20 , 1.00 * 0.50 ä Stück
Am Hrrerrfre.
Roman von Hella Limpurg.
(Nachdruck verboten.!
(Fortsetzung.)
Sie rauschte hinaus, die Thür heftig ins Schloß fallen lassend, und nun brach auch die junge Witwe prsammen, völlig überwältigt von Schmerz und Weh.
Wo war die strahlende Glückssonne, die ihr damals aufzugehen schien, als der Eisenbahnzug davonbrauste und sie errötend Rudolfs Abschieds- zruß empfing. Untergegangen war fie für immer und alle Zeiten, dunkle Wetterwolken traten an ihre Stelle, und wilder Schmerz erfüllte die zuckende Brust Annemaries. Zum ersten Male hatte sie einen Mann geliebt, hatte gehofft auf ihn und an sein Herz geglaubt — und nun kam eine Abenteuerin xnb entriß ihr das letztere; fie blieb wiederum allein, nur die gemütskranke Frau dort drüben hing an ihr. Sie durfte sie nicht verlassen. Und nun endlich kamen die Thränen, heiße, erlösende Thränen. Den Kopf in die Kissen gedrückt, schluchzte fie bitter- lich; wie gern, ach, wie gern wäre fie gestorben, tot drunten in der kühlm Erde ruhen zu dürfen;
werde ich nimmermehr vergessen — auch in der Todesstunde nicht *
Unheimlich ruhig entfaltete fie einen neben ihr liegenden Brief, welcher — mit fremden französischen Namen unterzeichnet — die Freiftau von der bevorstehenden Verbindung ihres Sohnes mit Sennora de Felderop benachrichtigte.
„Was meinst Du dazu, Kind?* fragte fie fast gleichgiltig, „nicht wahr, es ist doch gar nicht möglich?*
„Arme Tante!* antwortete Annemarie, aber sie erschrak beinah selbst vor ihrer Stimme, so rauh und stockend klang dieselbe; „wenn jene Person sich auf den Ring beruft, welchen Rudolf ihr gab, so — *
„Aber fie weiß, daß ich fie töten werde,* sprach die Dame schauerlich drohend, und eiskalt lag ihre Hand auf dem Arm der Gräfin, „ich habe es ihr ins Geficht gesagt, daß ich fie zertreten will, wie das giftige Reptil am Boden *
„Nein, Tante, das wirst Du nicht thun,* schrie die junge Frau, alle Fassung verlierend, „um seinetwillen müssen wir alles tragen, komme, was immer wolle, denn er selbst wird am elendsten sein. Armer, armer Rudolf!*
Da beugte fich Frau von Thielen zu der Weinenden herab, eine heiße Thräne fiel auf deren blonde Flechten, und fie murmelte kummervoll: „Meine geliebte Annemarie! Und das kannst Du sagen — Du, die ihn liebt, wie ein edles Herz es eben nur kann *
Sie hob die blauen wunderfchönen Augen zu der Fragenden auf, ein herzzerreißender Zug umzitterte die Mundwinkel: „Ja, Mama, weil ich ihn fo un- säglich liebe, sehe ich ein, daß er nicht zurück kann — er muß thun, was ihm die Ehre gebietet. Mein Gebet wird fort und fort für ihn zum Himmel steigen, damit er nicht so elend werde — al» ich.*
aber der Tod kommt nicht, roenn man ihn ruft Es ist oft tausendmal schwerer, mit gebrochenem Herzen ju leben, als an gebrochenem Herzen zu sterben.
[ „Armer Rudolf,* murmelte fie vor fich hin, „er H ja noch viel schlimmer dran, als ich. Er hat ach in einer dunklen Stunde an jenes Wesen gekettet, und fie giebt ihn nicht frei; er wird fie heiraten ohne Liebe und wird langsam an solch fürchterlicher Ehe zu Grunde gehen *
Ein Klopfen an der Thür ließ die Gräfin emporfahren; e» war ihre Jungfer, die fie zu Frau von Thielen rief. Hastig fich die Augen trocknend, eilte Annemarie zu der Tante, welche engetleibet
irrem, nlunn . Sep? Ihr, t»
Wochenschau.
Die schwere, lebensgefährliche Krankheit des Fürsten Bismarck, vo» welcher der greife Staatsmann in Kissingen befallen war, und deren Folge» er noch immer nicht ganz überwunden hat, hat doch eine Aussöhnung zwischen dem Kaiser und feinem einstigen ersten Berater zur Folge gehabt, der allgemeine Teilnahme eutgegengebracht wird. Denn peinlich würde es doch gewiß empfunden sein, wenn der Kaiser und der erste Kanzler des Reiches bis zum Tode des Letzteren einander fern geblieben wäre». Angesichts der schwere» Erkrankung des Fürsten hat der Kaiser den erste» Schritt gethan, ihm von Güns in Ungarn aus feine Teilnahme ausgesprochen und mit Rücksicht auf die ungünstigen klimatischen Verhältnisse in Friedrichsruh ihm in einem der kaiserlichen Schlösser Wohnung angeboten. Fürst Bismarck hat seinen lebhaftesten Dank geäußert, aber fich auf den Rat Dr. Schwenuingers für Friedrichsruhe entschieden, an das er nun einmal gewöhnt ist. Anzunehmen ist, daß, nachdem nun erst einmal das Eis zwischen beiden Männern gebrochen ist, auch über lang oder kurz eine persönliche Zusammenkunft erfolgen wird. Auch Fürst Bismarck wird den Wunsch hegen, den seit herigeu Konflitt zum Abschluß zu bringen. An politische Folgen dieser Aussöhnung, daS heißt an eine Rückkehr des Altreichskanzlers auf den ersten Beamtenposten des Reiches, ist freilich nicht zn denken. Die Reichskanzlerschaft Fürst Bismarcks ist, wie er selbst in diesen Tagen erst wieder hervorgehoben im Privatgespräch, ein für alle Male abgeschlossen. Doch wird sich nun gewiß manche innere Fehde in erfreulicherweise ausgleichen.
Unser Kaiser hat fich, wie weiter vorn schon erwähnt, nach dem Abschluß der großen Manöver in Süddeutschland »ach GünS in Ungarn zur Beiwohnung der dortigen militärischen Uebungen vor dem Kaiser Franz Joseph begeben, an welchen 130 000 Man» teilnehmen. Nach den bisherigen Meldungen verlanfen diese Uebungen sehr interessant. Die innere Politik im deutschen Reiche war bisher still. In Berlin tagen gegenwärtig außer der Steuerkonferenz, mit deren Arbeiten es recht langsam geht, ein Beweis, daß die Schwierigkeiten in den neuen Steuerplänen doch noch lauge nicht überwunden find, der Kolonialrat, welcher Verwaltungsangelegenheiten begutachtet und dem auch mitgeteilt worden ist, daß die Reichsregierung am Tode Emin Paschas nicht mehr zweifelt, sowie die deutschen Sachverständigen für die Handelsvertragsverhandlungen mit Rußland,
und KirchhainundZiehungslisteder Preußischen Klassenlotterie bitten wir auswärts sofort erneuern zu wollen, damit sämtliche Nummern rechtzeitig geliefert werden tonnen Der Abonnementspreis beträgt bei allen Postanstalten Deutschlands 2 Mk. 65 Pfg., in Marburg bei der Expedition 2 Mk.
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Am selben Nachmittag reiften die Freifrau und ihre Nichte nach Wiesbaden weiter, und ziemlich zur gleichen Zeit sandte die schöne Spanierin ein Telegramm nach Neuendorf: „Komme zu mir, erwarte Dich bald. Annemarie. Hotel N., Zimmer Nr. 5.*
„Er wird kommen,* murmelte sie ttiumphierend, „weil er meint, daß fie es ist, die ihn herruft. Habe ich ihn erst unter vier Augen hier, dann siege ich auch ohne Frage. Haha, ce que femme veut —*
Und die wenigen Worte eilten dahin auf dem Draht nach Neuendorf, wo der Freiherr fie gerade erhielt, als er vom Felde todmüde heimkehrte. Erschrocken riß er das Couvert auf und las, während feine männlich schönen Züge sich entfärbten; dann wandte er sich stöhnend ab.
„Ich komme, mein Liebling,* murmelte er dann, „wenn Du rufst, so bedarfst Du meiner Hilfe, und mein starker Arm soll Dich schützen — halb fürs ganze Leben.*
In fliegender Eile traf er alle nötigen Vorbereitungen für eine längere Abwesenheit, instruierte den treuen, alten Inspektor, ließ sich seinen Koffer packen und fuhr gegen Abend nach der Station, um den Nacht Courierzug für München zu erreichen. Unruhige Gedanken wirbelten in seinem Kops umher, immer neue Vermutungen kamen ihm, was wohl vorgefallen sein könnte, daß die Cousine ihn zu fich lief. War feine Mutter kränker geworden? Es konnte kaum anders sein, und der Zug ging ihm trotz aller rasenden Eile doch noch zu langsam. Baum und Strauch, Flüsse, Dörfer und Wälder glitten vorbei, er merkte es kaum; vor seiner Seele stand ein schönes, stilles Frauenantlitz, aus dessen blauen, thränenfchimmernden Augen ihn ein Blick traf: „Auf Wiedersehen!*
am Frühstückstische saß und augenscheinlich nicht viel zu fich genommen hatte.
„Wo bleibst Du, mein Liebling?* fragte fie unruhig und blickte in das schöne, verweinte Geficht, welche» sich liebevoll über sie neigte, „weshalb siehst Du so erregt aus? Du hattest wohl Aerger? Sage mir alle», Annemarie, sonst ängstige ich mich.'
„Es ist nichts weiter, Tantchen; eine unangenehme Begegnung mit — einer Person, die ich vor Jahren kannte. Sorge Dich nicht darum; aber weshalb ißt Du denn nicht Dein Gebäck? Der Thee scheint beretts kalt geworden zu sein. Da muß ich Dir wohl Gesellschaft leisten und auch noch etwas effen.*
Der sorglos heitere Ton fiel ihr bitterschwer, und ein lautloses Gebet um Kraft stieg zum Himmel auf; Frau von Thielen schien jedoch durch ihre Worte keineswegs beftiedigt zu sein, sondern meinte kopfschüttelnd: „Du verbirgst mir etwas, Kind, denn bei Deiner sonstigen moralischen Kraft würde die einfache Begegnung mit einer unangenehmen Person Dich nicht zum Weinen veranlassen. Aber laß uns fort von hier gehen; ich habe darüber nachgedacht, jene Person, die uns gestern auf der Treppe begegnete, muß jene Spanierin gewesen sein, die ich töten wollte.*
„Es war, wie ich hörte, die Kunstretterin Donna Ines de Felderop, die hier im Hotel wohnt.*
Die kranke Freifrau blieb ganz ruhig bei dem Namen, nur ihre Augen flammten unheimlich, und jenes grausame Lächeln, das Annemarie schon einmal bei Erwähnung der Spanierin an ihr beobachtete, umspielte den starr geschloffenen Mund; endlich nickte fie düster: „Sie ist es, ich wußte es, ehe ich diesen Brief vorhin erhiett; chre schwarzen Augen
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