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Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckerei in Marburg. Redaktion und Expedition: Markt 21.
im Dienste des Reichs auch in Süddeutschiand Anerkennung und Dank gefunden und die Herzen sich neugewonnen zu haben, am Sonnabend seine Reise nach Ungarn fortsetzen, wo ihn andere Pflichten seines hoben Berufs hinführten. Wie in Elsaß-Lothringen und Süddeutschland der Sohn des Königs von Italien den Kriegsübunge» beiwohnte, so hat Kaiser Wilhelm jetzt einer Einladung des Kaisers und Königs Franz Josef zu den großen Manöver» in Ungarn Folge geleistet. Es bedarf wohl kaum für Deutsche der Versicherung, daß mit der Kaiserbegegnung auf ungarischem Boden, in Güns, an der auch der König von Sachsen teilniwmt, bestimmte politische Absichten nicht verbunden siud. Die Begegnung hat ebensowenig den Zweck einer Gegenwirkung gegen irgend welche politischen Veranstaltungen anderer Staate», wie dies mit dem Besuch des Kronprinzen von Italien der Fall war. Der Besuch unseres Kaisers in Ungarn ist der natürliche Ausfluß des bestehenden Freundschaftsbundes und erklärt sich durch das gemeinsame 3: teufte au den HeereSetn- richrunge», welche dazu berufen sind, de» Frieden Europas zu erhalten. Wenn darüber hinaus die Wirkung sich ergtebt, daß die Welt von dem unveränderten Fortbestände, der militärischen Macht und der Friedensmission des Dreibundes überzeugt und der Friedensgedanke noch weiter befestigt wird, so ist dies gewiß ein willkommener politischer Gewinn. Wie die Oesterreicher in Wien auf der Durchreise und die Ungarn dem Kaiser Wilhelm bei seiner Ankunft zugejubelt haben, so begleiten die Deutschen ihren Kaiser mit dankbaren Gesinnungen und dem Wunsche, daß seine stete Fürsorge für das Wohl des Reichs, die er auch in dieser Reise wiederum bethätigt, ihren reichen Lohn finden möge!
Da zuckte Annemarie zusammen, totenbleich, mit flammenden Blicken und gebieterisch nach der Thür weisender Handbewegung sagte sie herb: „Das ist zu viel, Donna Juana, ich wünsche nicht mit Ihnen noch ferner in Berührung zu kommen. Sie haben schon einmal unheilvoll in mein Leben eingegriffen."
„Ah bah," lachte jene, ohne sich einschüchtern zu lassen, „das ist ja alles längst vergangen, und Sie werden mir es doch nicht heute noch nachtragen, daß ich Sie von einem ungeliebten Manne, allerdings auch ohne es zu wollen, erlöste."
„Sennora, alle weiteren Worte find überflüssig — ich muß sehr bitten —*
„Ah, ich kam, um Ihnen diesen zärtlich netter» lichen Brief zurückzubringen; Sie scheinen nicht allzuviel Wert darauf zu legen?"
„Doch, der Brief ist mein Eigentum. Bitte, wollen Sie ihn mir wiedergeben?"
Es lag eine so ruhig zwingende Gewalt in diesen kühlen Worten; Annemaries Blick ruhte eisig, beinah verächtlich auf der Spanierin, daß diese ohne ferneren Einwand das Blatt auf ein Tischchen legte und sich scheinbar zum Gehen wandte.
„Nun, denn, meine Frau Gräfin, erlauben Sie mir, mich zu empfehlen; hoffentlich sehen wir uns bald — und dann freundschaftlicher wieder, beim — ich werde Ihren Vetter heiraten."
Es war doch gut, daß die Eröffnung des Marquis Annemarie vorbereitet hatte; so zuckte sie nicht zusammen, sondern ward nur noch bleicher, als sie fest erwiderte: „Sie haben durchaus keine Aussicht, Freiherrn von Thielens Hand zu erringen, denn Sie haben ihn ehrlos hintergangen, als Sie ihm sagten, Sie seien reich, gleichzeitig Ihren Stand verschwiegen. Einer Kunstreiterin würde er schwerlich jenen Ring gegeben haben."
Niederung zu verbleiben. — Zur Depesche des Kaisers an den Fürste» Bismarck bemerkt sie „Post": „Einige Blätter deuteln an der Wendung der Depesche des Kaisers aus Güns, daß dieser erst nachttäglich von der schweren Erkrankung des Fürsten Bismarck erfahren habe, und fragen, wer Schuld daran habe. Allem Anscheine nach habe» diese Blätter ganz vergessen, wie widersprechend die Nachrichten aus Kissingen lauteten, und wie die Meldungen, daß der Fürst schwer erkrankt sei, regelmäßig von anderer Seite beftiitten wurden. Die Korrespondenten, die von Kisstngen aus die Presse bedienten, konnten sich a nicht einmal darüber einigen, ob der Fürst bettlägerig gewesen oder nicht — was doch am Ende an Ort und Stelle nicht so schwer festzustelle» gewesen fein müßte. Eist zu einer Zeit, da man in Kissinge» keine dringenden Besorgnisse mehr hegte, sind sichere Nachrichten darüber, daß der Fürst schwer krank gewesen, auf indirekt!m Wege weiteren Kreisen bekannt geworden." — Hingegen meint die „Voss.Ztg." „Es kann nicht Wunder nehmen, wenn angesichts einer solchen bedauerlichen Tbatsache die öffentliche Meinung fragt, was Alles nicht dem Kaiser verborgen bleiben müsse, wenn er selbst von der Erkrankung eines Mannes wie Fürst Bismarck erst nachträglich Kenntnis erhält." — Von anderer Seite wird »och mitgeteilt, den unmittelbaren Anstoß zu dem Telegramm an den Fürsten haben gewisse Nachfragen gegeben, die Kaiser Franz Josef und König Albert an Kaiser Wilhelm gerichtet, sowie der Umstand, daß die beiden erstgenannten Monarchen fast täglich in Kisstngen telegraphisch anfragten, wie es um das Befinden des Kranke» Kanzlers stehe u. s. w. Diese Erkundigungen legten dem Kaiser den Gedanken nahe, ein Gleiches zu thun und so benutzte er die gegebene Situation, die bekannte verbindliche Form für die Ausführung dieser Idee zu wählen. Auch die Erwägungen, welche die Geschehnisse der äußeren Politik wachriefe», hätten wesentlich dazu beigetragen, den Kaiser zu veranlassen, dem Auslande zu zeigen, daß auch ihm die Rücksichten auf die europäische Politik über persönliche Empfindungen und Interessen gehen. Kaiser Franz Joseph, wie König Albert sollen überaus erfreut über diese Wendung der Dinge fein. — Auch der plötzliche Besuch des Prinzen Albrecht von Preußen bei der Kaiserin Friedrich in Homburg, die der Prinz seit Jahre» nicht gesehen, soll vom Kaiser veranlaßt sein, damit die Kaiserin-Mutter von diesen Vorgängen und ihren Motiven unterrichtet werde. — Dem Fürsten Bismarck soll Prof. Schwenninger eine Nachkur in Wiesbaden empfohlen haben. Prof.
Der Kaiser in Süddeutschland und in Ungarn.
Den Kaiserfesttagen in Lothringen, die uns die erfreuliche Thaksache vor Augen führten, daß — wie der Kaiser sich in seinem Schreiben an den Statthalter ausdrückte — „der Anschluß Lothringens an das deutsche Vaterland sich von Jahr zu Jahr enger und inniger gestaltet hat", sind die Kaisertage im Elsaß, Baden und Württemberg gefolgt, die nicht minder erhebende Eindrücke hervorgerufen und hinterlassen haben. Es ist noch nicht lange Zeit her, daß die demokratische süddeutsche Presse mit Bitterkeit über die zunehmende „Verpreußung" Süddeuischlands und insbesondere Württembergs sprach, und ängstliche Gemüter wollten schon in dergleichen Kundgebungen Beweise für die Zunahme partikularistischer, der Einheit des Reichs nachteiliger Bestrebungen erblicken. Die wenigen Tage, die unser Kaiser in Baden und Württemberg verbracht hat, haben den künstlich zurechl gemachten Nebelschleier zerrissen, und noch den Fest tagen in Karlsruhe und Stuttgart steht die leuchtende und erwärmende Sonne nationaler Einheit wieder in voller Klarheit auch an dem Himmel Süddeutschlands. Nicht, daß jemals die Gesiunungeu wirklich andere waren: aber die im Patteiinteresse genährte, mit diesen oder jenen Verhältnissen ober Schlagworten begründete Verstimmung wußte den Eindruck schwindender Zufriedenheit hervorzurufen. Ja, zum Beweise berief man sich auch auf die letzten volks- paiteilichen Wahlergebnisse. Wir wollen hier nicht die Frage erörtern, inwiefern Wahlen überhaupt als der reine Ausdruck des Volkswillens gelten können: sicher ist, daß das würitembergische Wiedas badische Volk seine nationale Gesinnung bei den Saijerfefttagen in ganz unverfälschter Weise zum Ausdruck gebracht und jede Besorgnis über seine innersten Gefühle wie über den Wert, den man etwa im Süden der Einheit und der Erhaltung des Reichs beilegen könnte, vollkommen zerstreut und zerstört hat. Tie treue bundesfreundliche Gesinnung des Königs von Württemberg, die stets über allen Zweifel erhaben war, ist — so darf man sagen — das Spiegelbild der Gesinnung seines Volks: unser Kaiser paar wurde von de» Württembergern mit einer Wärme begrüßt, wie sie in anderen Teilen Deutschlands kaum in höherem Grade möglich sein würde.
So konnte denn unser Kaiser, gestärkt und gehoben durch die herrlichen Eindrücke in Elsaß Lothringen wie in Baden und Württemberg, und in dem Bewußtsein, für sein unablässig eifriges Wirken
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Deutsches Reich.
W. Aerki«, 22, Septbr. Unfer Kaiser gedachte Mittwoch Nachmittag 5!/2 Uhr, begleitet vom Flügeladjutanten Oberstleutnant v. Scholl und dem Leibarzt Generalarzt Dr. Leuthold, sowie mit dem Kaiser Franz Josef von Güns aus nach Mohacs abzureisen, woselbst die Ankunft der beiden Monarchen gestern früh etwa um 2 Uhr erfolgen sollte. Nach erfolgter Ankunft in Mohacs begiebt sich Kaiser Wilhelm sofort an Bord des Dampfers „Orient", um daselbst Wohnung zu nehmen. Nach kurzer Erholung nehmen alsdann die Pürschjagden sofort ihren Anfang. Soweit bis jetzt bekannt, gedenkt der Kaiser bis zum nächsten Montag zur Jagd in der Donau-
eine tretet ganz MM.
Am Htttitfte»
Roman von Hella Limpurg
(Nachdruck verboten, j
(Fortsetzung.)
Wie von einer Natter gestochen, fuhr Annemarie Muck, sie war totenbleich. „Ich ahnte es, allmächtiger Gott," stöhnte sie, „sprechen Sie, Marquis, wie hängt alles zusammen?"
„Donna Ines de Felderop," die Augen des Marquis flammten, „beruft sich auf einen Ring, den ihr Herr von Thielen vor nun einem Jahre gegeben, mit dem Versprechen, sie als seine Gemahlin heimzusühren."
„Sie spricht die Unwahrheit," stieß die Gräfin hervor, „denn sie verheimlichte ihm, daß sie eine Kunstreiterin sei, und — gab vor, ihn zu lieben"
„Hm, es war wohl mehr sein Geld und sein Name, den die Sennora meinte; ich hätte wohl auch nie diese Indiskretion begangen, von der Sache zu reden, wenn sie mich nicht gestern schlecht behandelt und mir gedroht hätte, den Freiherrn an sein Eheversprechen zu erinnern."
Annemarie fühlte, wie der Boden unter ihren Füßen schwankte, ihr war, als risse man ihr das zuckende Herz aus der Brust, aber dennoch beherrschte sie sich fast übermenschlich. „Und Sie wenden sich in dieser eigentümlichen Sache an mich, Herr Marquis? Was kann ich wohl dabei thun?"
„Sie sollen ihn warnen, sollen mit seiner Mutter reden —"
„Meine Tante ist so leidend, daß ich den Namen jener spanischen — Dame gar nicht vor ihr nennen darf." *
„Aber ich sage Ihnen, daß ich Ihren Vetter töten werde, wenn er Ines heiratet."
„Ich habe kein Recht, in diese Angelegenheit
„Ihre Mitteilungen, mein Herr Marquis, haben mich sehr erregt und erschüttert, aber ich kann nichts thun — um meinen armen Vetter zu retten. Gab er Ring und Wort — so muß er's halten — Gott verzeihe dem herzlosen Weibe, das so freventlich mit Männerherzen spielt!"
Sie war gegangen, die Thür fiel hinter ihr zu, und nachdenklich schritt der Marquis den Weg zurück, den er soeben gekommen.
„Welch eine Frau," murmelte er bewundernd, „und da sage man noch, daß eine Deutsche die Leidenschaft nicht kennt. Sie liebt jenen Thielen und ist doch zu stolz, es zu zeigen; sie würde eher sterben, als ihn seinem Ehrenwort abwendig machen. Wie klein und selbstsüchtig ist dagegen Ines! O, wen» in ihren Augen dieser Edelsinn der Gräfin lebte! Aber nein, bann wäre sie nicht la satanella. Ich liebe sie mit diesem diabolischen Lachen, dieser Bosheit — und sie muß dennoch mein werden." —
Auf dem Korridor kam die Jungfer der Gräfin entgegen. „Gnädige Gräfin; es ist eine Dame im Zimmer, welch einen verlorenen Brief gern selbst abgeben möchte. Frau Baronin sind noch zu Bett."
Tiefe Glut überzog Annemaris Geficht. „Es ist gut, Agnes, ich werde sogleich zu der Dame gehen. Wir fahren heut Nachmittag um drei Uhr; richten Sie dazu alles "
Als sie ins Gemach trat und die Thür hinter sich schloß, wandte sich die am Fenster stehende Dame rasch um; die volle Morgensonne fiel au ihre lieblichen Züge und ließ die dunkeln Augen noch glänzender erscheinen.
„Kennen Sie mich auch wohl noch, Gräfin Rottenau?" fragte sie langsam; eine seltsame Bosheit sprach aus dem Lächeln, welche auf ihren Lippen lag.
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einzugreisen", sagte sie abermals mit fast versagen- 6er Stimme; „wär's irgend eine andere Gefahr gewesen, so hätte ich ihn mit meinem Herzblut beschützt ober all meine Reichtümer hingegeben — so aber bin ich machtlos “
„Und Sie wollen nicht mit Donna Ines sprechen?"
„Nein", sie hob stolz das Haupt, „nie und nimmer — und könnte ich sein Leben dafür erkaufen. Nur eines bleibt, Herr Marquis; bieten Sie der — Dame mein Vermögen an. Es mögen wohl 80 000 Thaler sein. Noch heute will ich es ihr verschreiben — gegen jenen Ring, von dem mir Herr von Thielen selbst erzählte."
Aber der Marquis schüttelte das Haupt. „Nein," antwortete er sehr entschieden, „das thut sie nicht; dazu kenne ich die Spanierin zu genau. Sie will ihren Eigen durchsetzen — so lange es ihr behagt; denn eines Tages wird sie des ehelichen, vornehmen Lebens überdrüssig fein und zum Zirkus zurück- kehren. Aber sie läßt den Freihern nicht los, sie, wird im letzten Falle selbst vor einer Klage nicht' zurückscheuen, um Freifrau von Thielen zu heißen und mich zu strafen; ach, und ich wollte ihr auf den Knien abbitten, wollte sie mit Geschenken überhäufen, wenn sie mich nicht so reizen wollte mit ihrer Untreue und Bosheit."
„So können Sie ein solch treuloses Weib dennoch lieben?" fragte Annemarie verächtlich.
„Ich werde nie aufhören, es zu thun", rie: der Franzose bebend vor Leidenschaft, „um ihrer Augen willen legte ich meine Hand unbesonnen ins Feuer, und für einen Kuß ihrer Lippen ließe ich mich mit Wonne foltern."
Sie standen vor dem Hotel, und Annemarie neigte entlassend das schöne, blonde Haupt.
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